#folge50 #DemJubilar

Buddy Müller erfährt für sein langjähriges Wirken in der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands endlich eine Würdigung – durch seinen Boss. Der hält eine Lobrede. Und was für eine.

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Die Eiche ist des Deutschen gesuchtestes Gewächs der Geselligkeit. Schon die alten Germanen schlürften im Schatten ausladender Kronen ihren Met; Haufen von Revolutionären schätzten die Stärke der Äste, wenn Adelige daran baumelten; Romantiker ritzten die Rinden mit den Namen ihrer Geliebten, denen sie unterm Wipfelrauschen beiwohnten.

Die deutsche Eiche, grüner Baldachin fürs Vereinigen und für Vereinigungen, schützender Ort des zusammen Kommens und Zusammenkommens – bis auf den heutigen Tag hatte sie nichts von ihrer Symbolkraft verloren.

„Von ihrer Form allerdings schon“, sagte mein treues Notebook Brad MacCloud vom Clan der MacClouds.

Pult und Puls

Neulich, zum Monthly Agency Stand-up, der Vollversammlung unserer Agentur, der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands, hatten unsere beiden Volontäre Lang und Länger ein Pult aus dem Keller hochgeschleppt, ein schweres, altehrwürdiges Eichenmöbel, für dessen Transport sie etwas länger als lang brauchten.

Der EmmDee, unser Managing Director, trat – wie immer zu spät – an den Konferenzkatheder, in majestätischer Selbstsicherheit, während die beiden Volontäre sich rechts und links vom Rednerholz aufbauten und den EmmDee in jugendlichem Kontrast flankierten.

Wir Mitarbeitenden ertrugen untertänigst die Verspätung. Standortübergreifend waren wir in gespannter Erwartung um Stehtische vereint und auf Monitoren zugeschaltet, wie man es von uns stets erwartete, wenn große und weniger große Strategien verkündet werden sollten.

Der EmmDee stieß mehrere DIN-A-4-Blätter – eine Demonstration seiner vollumfassenden Vorbereitung – in seinen Händen zusammen und sagte dann laut, klar und feierlich: „Männer der Stunde!“

Und schob sogleich nach: „Frauen der Stundinnen!“

Augen rollten, Blicke schweiften, von Fremdscham getrieben, vor Ort und im virtuellen Raum herum.

Der EmmDee begann unbeirrt: „Es ist mir eine große, sehr große, die größte Freude, heute einen unserer besten Mitarbeiter zu ehren, also, lobend zu erwähnen, einen der längsten und vielseitigsten, einen, der in schwierigsten Situationen ruhig Blut bewahrt und Kunden immer im Griff hat.“

Kurz pausierte der EmmDee, genoss sichtlich das Ansteigen der Spannung.

„Nein, nicht mich“, sagte er, obwohl er selbst es sicher auch verdient habe, natürlich, Chef würde man ja nicht umsonst. „Sondern dich: Buddy Müller.“

„Oh, oh. Spannend“, sagte Brad MacCloud, nur für mich hörbar, auf dem Stehtisch vor mir.

Alle Blicke richteten sich auf mich.

Auch jene Kolleginnen und Kollegen, die per Teams zugeschaltet waren, hörten schlagartig auf, ihre E-Mails abzuarbeiten.

Meine Gesichtsfarbe nahm die Tönung eines Sonnenuntergangs am Münchner Fönhimmel an.

Mir war sehr nach einem Sundowner.

„Soll ich einen Tisch reservieren?“, fragte mich Brad MacCloud. „Du siehst aus, als könntest Du einen Drink vertragen.“

Fünfzig im Kalender

Der EmmDee indes blickte mich an und sagte: „Ja. Du. Buddy Müller.“

Er könne es auch kaum glauben, aber Dr. No, seine prohibitiv veranlagte Assistentin, habe in seinem Kalender eine 50 eingetragen und meinen Namen dahinter gesetzt, weswegen er davon ausgehe, dass es einen Grund gäbe, warum er heute Abend einen Barolo öffnen könne.

„Der erste Schluck geht dann auf dein Wohl, Müller.“

Symbolisch griff er zum Wasserglas, nahm vor dem Mikro einen tiefen Schluck, der über alle Standorte hinweg echote.

„Lasst mich etwas ausholen, Kollegen“, sagte der EmmDee.

„Und Kolleginnen“, soufflierten Lang und Länger von links und rechts.

„Meinetwegen, Kollegen und Kolleginnen, ihr wisst, die Zahl 50 ist eine besondere Zahl, bestehend aus zwei Ziffern, einer fünf und einer Null, keine Anspielung, Müller, zu Dir komme ich gleich.“

Die 50 habe eine zigtausend Jahre lange Bedeutung, so der EmmDee. „Die Esoteriker unter euch, die mit dem Rosenquarz auf dem Flachbildschirm, die wissen, dass die 50 für Freude, Zufriedenheit und Erfüllung steht. Für alles, was der Job euch hier gibt.“

„Für Wohlstand steht die 50 jedenfalls nicht“, sagte Brad MacCloud.

In der Bibel, so der EmmDee weiter, symbolisiere die 50 Befreiung und einen Neuanfang. Bei den alten Chinesen werde sie oft mit Erfolg durch Intelligenz und Kommunikation assoziiert, womit er dann doch wieder zu mir, Buddy Müller, komme, zumindest was die Kommunikation betreffe.

Für Erfolg und Intelligenz sorge ja er, der EmmDee, gepaart mit reichlich Erfahrung, schließlich sei er ja nicht seit fünf, nicht seit 50, sondern seit gefühlten 500 Jahren im Agenturgeschäft mit den Inhalten. Historisch gesehen, hätten die die alten Fugger mit ihren Hausmitteilungen den Boden fürs Corporate Publishing bereitet, doch sein Verdienst, sein großer Verdienst, sei es, das großartige Content Business zu dem gemacht zu haben, was es heute hierzulande, europaweit, nein, weltweit darstelle.

„Das ist ein großes Business, ein sehr großes“, sagte der EmmDee. „Das größte Business überhaupt.“

„An wen erinnert er mich bloß?“, fragte ich gedämpft.

„An eine Orange?“, fragte Brad MacCloud zurück. „Hätte er sein Notebook dabei, könnte ich ihm die Haut abziehen!“

Ich bedankte mich leise für seinen Beistand.

Lang und Länger räusperten sich.

Doch sie meinten nicht mich. Der EmmDee warf ihnen einen scharfen Blick zu.

„Ich schweife wohl ab“, sagte er. „Dabei schadet euch ein bisschen Geschichte sicher nicht.“

Schüler, Muster, Übersetzer

„Bei dieser Erfahrung, meiner großen Erfahrung, da erkennt man, also, ich erkenne sofort, wenn jemand das Zeug zum Schüler hat“, kehrte der EmmDee, wohlwollend in meine Richtung nickend, wieder zum Kernthema zurück.

„Sogar das Zeug zum Musterschüler. Ich bin das Muster, er der Schüler. Das macht es ihm einfach, mir nachzuleben und nachzueifern, da könnt ihr euch alle mal ein Beispiel nehmen.“

Ich, Buddy Müller, sei nicht nur lernfähig, nein, auch innovativ, wobei ich meine Ideen immer ein paar Tage reifen ließe, damit ihre Ähnlichkeit mit seinen Ideen, seinen großen, großartigen Ideen, nicht sofort auffiele.

Aber das sei schon in Ordnung, sagte der EmmDee gönnerhaft, sogar vorteilhaft, denn so könne ich tagtäglich meine Teamorientierung unter Beweis stellen, und den Teams seine Visionen so übersetzen, dass selbst die kreativsten Chaoten in der Agentur sie verstünden.

Lila Stiefelchen und die Art Diktatorin lächelten sich zu, denn sie waren wohl nicht gemeint. Sogar Dr. No ließ sich zu einem zustimmenden Nicken hinreißen.

Das Mienenspiel meines Lieblings-Teamleads Qwertz und des Art Diktators ließ indes vermuten, dass beide im Geiste einen Mittelfinger formten.

„Und Chaotinnen“, raunten Lang und Länger.

„Und Chaotinnen!“, sagte der EmmDee laut.

Lila Stiefelchen und die Art Diktatorin blickten wütend in Richtung Rednerpult, Dr. No ließ ein scharfes „Nein!“ hören.

Auf den Gesichtern von Qwertz und dem Art Diktator zeigte sich ein zunehmend breites Grinsen.

Der EmmDee wedelte mit seinem Manuskript die Unterbrechung beiseite.

Er sei froh, in mir, Buddy Müller, dem Senior Project Supervisor, einen Übersetzer seiner Ideen zu wissen, einen treuen Team- wie kompetenten Kundenflüsterer. Und er freue sich immer, wenn er talentierte Kollegen und Kolleginnen lange, sehr lange, gefühlt für immer, auf der Position halten könne, auf der sie gerade waren.

Das hielte sie aufstiegsorientiert.

Die einzige Orientierung, die ich gerade suchte, war ein Weg nach draußen. Ich wollte irgendwo sein. Hauptsache weg, weit weg.

„Ich reserviere jetzt einen Tisch“, sagte Brad MacCloud.

Potenzial bei Fehlern

Ein Aufstieg, noch dazu hier, in seiner Agentur, schwadronierte der EmmDee, das sei den wenigsten außer ihm selbst vergönnt.

„Weißt Du, Müller, Fehler machen und sich irren, das ist allzu menschlich.“ Doch erst es anderen in die Schuhe zu schieben, das zeige echte Führungsqualität.

Der EmmDee blickte reihum: „Hier hat er noch enormes Potenzial, unser Buddy.“

„Das war ein Kompliment“, übersetzte mir Brad.

„Ist jetzt auch schon für den …“, sagte ich leise.

„Jetzt hör mir endlich mal zu“, unterbrach mich der EmmDee donnernd, „und hör auf, mit deiner dämlichen Kiste zu quatschen.“ Wofür ich ihm ohnehin noch nie Danke gesagt hätte, denn, wenn er mich nicht an die neueste Technik herangeführt hätte, würde ich heute noch Bleistifte spitzen.

Brads blaues Kameraauge wechselte in ein wütendes Rot. „Man trifft sich immer zweimal“, sagte er leise.

Gnade im Gehörgang

„Ich glaube“, sagte der EmmDee, „ich muss jetzt wohl mal langsam zum Schluss kommen …“

Lang und Länger nickten neben dem Pult, der eine lang, der andere länger.

„… nicht ohne Müllers große, größte, großartige Erfolge zu nennen“, fuhr der EmmDee fort.

Er habe lange in den Agenturannalen gekramt, bis er dann doch keine gefunden habe. Im Unterschied zu seinen eigenen, diese Erfolge habe er schnell parat, auf die wolle er nur kurz verweisen, der Vorbildfunktion wegen, als Beispiel dafür, dass keine Situation ausweglos genug sei, um aufzugeben …

Ich zwang mich, an etwas wirklich Schönes zu denken, an etwas wirklich Wichtiges, etwa, sich einen „Crema Vendetta“ aus unserer Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens zu zaubern, ihn im Kreise der Lieblingskollegen zu genießen, sich zum Sport oder auf ein Bier oder zu beidem zu verabreden, und das Agenturleben Agenturleben, Kunden Kunden und Chefs Chefs sein zu lassen.

So schön.

Worte erreichten mein Trommelfell nicht mehr, während mein Geist im Kaffeedunst schwelgte und meine Wangen wieder Agenturblässe annahmen.

Ich bekam kaum mit, wie der EmmDee tatsächlich zum Schluss kam.

Eine Stunde später.

Nicht ohne vorher noch einen Blick auf die große, sehr große, großartige Zukunft geworfen zu haben, die mir mit geringer Wahrscheinlichkeit noch bevorstünde – allein aufgrund meiner Bereitschaft, seine Visionen zu verstehen, umzusetzen und gleichzeitig als Puffer zwischen seiner Genialität und dem Widerstand der Mitarbeiter zu fungieren.

Lang und Länger setzten an: „Und Mimimi …“, doch der EmmDee gebot ihnen mit einer scharfen Geste zu schweigen.

Dann sagte er: „Ungläubiges Staunen bei Kunden, unbedingte Loyalität und unermüdlicher Einsatz – das ist alles, was ich mir von Dir wünsche, Müller!“

Tja. Nicht mehr heute, dachte ich mir.

Tisch und Tannine

Brad MacClouds Voraussicht war es zu verdanken, dass ein Tisch auf uns wartete, in der Kneipe ums Eck, in der wir schon viele gewonnene und noch viel mehr verlorene Pitches begossen hatten, immer der Länge nach, von dem einen Ende der Bar zum anderen.

Ich gab einen aus, nach Agenturschluss, klar. Qwertz, Lila Stiefelchen, Dr. No, Lang und Länger, alle kamen zur Nachbesprechung des eben Gehörten oder was auch immer auf der Spesenrechnung gut aussehen würde.

Den Art Diktator und die Art Diktatorin schalteten wir von ihrem Home-Office aus zu, sie hatten sich schon einen beschirmten Cocktail gemixt, während Brad MacCloud seine Kapazitäten nicht nur dem Kneipen-WLAN zur Verfügung stellte, sondern auch den ausreichend vorhandenen Notebooksen in den Aktentaschen an den Tischen um uns herum.

Nur, irgendwie hatte ich vergessen, den EmmDee einzuladen.

Schade, irgendwie.

Irgendwo saß er allein vor seiner Flasche Barolo. Einer großen Flasche. Einer sehr großen Flasche, sicher die großartigste, die jemals abgefüllt wurde.

Mit typischen Tanninen.

Aus einem Eichenfass.

Unter dem Pseudonym „Peter Panther“ veröffentlichte Kurt Tucholsky 1930 die „Ratschläge für einen schlechten Redner“.

Der satirische Schriftsteller hätte am EmmDee seine wahre Freude gehabt. Denn dieser befolgt Tucholskys Ratschläge nahezu Wort für Wort. Womit er unter Führungskräften und Politikern in guter Gesellschaft ist.

PS: Wie Buddy Müller vor 50 Folgen startete, liest die geneigte Leserin und der wohlmeinende Leser hier. Der Autor sagt besonderen Dank allen Freundinnen und Freunden der ersten Stunde für Treue, Austausch, Inspiration und Geduld mit ihm!

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#Agenturleben #Agenturmenschen #Agentursatire #BradMacCloud #BuddyMüller #ContentMarketing #CorporatePublishing #DrNo #Eiche #EmmDee #Feier #Folge50 #Jubilar #Jubiläum #Lobrede #Mitarbeiterversammlung #Pult #Rede #Storytelling #Würdigung

#folge18 #Contentpedia

Im Content Marketing ringen Experten seit Jahren ums Recht haben und Recht bekommen. Buddy Müller stellt nun das ultimative Glossar des Content Marketings zusammen. Und entscheidet damit den Kampf um die Deutungshoheit. Endgültig.

Letzte Aktualisierung: 11. Januar 2026.

Ob Agenturen, ob Fachpresse, ob Verbände – die Geschäftsleute, Journalisten und Branchenvertreter kämpften jahrelang bis aufs Messer, wer denn nun als erstes Content Marketing und alle zugehörigen Fachbegriffe erfunden, definiert und erklärt hat. Das zähe Ringen zwischen echten und selbst ernannten Experten glich durchaus dem, was die trotz allem geneigte Zielgruppe während der Corona-Pandemie anderenorts erlebt hat.

Damit ist nun Schluss.

Dieses umfassende Glossar beruht auf wirklich exklusivem, einzigartigem, mehrwertigem und wertschätzendem Insiderwissen. Es lässt im Content Marketing keine Fragen mehr offen.

Die Einträge werden laufend aktualisiert.

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Agentur, die: Heimat aller Hoffnungen und Enttäuschungen, Hort von Siegen und Niederlagen, oftmals von potenziellen Auftraggebern als kostenloser Quell an Inspiration und Kreativität angesehen.

Agenturmodell, das: Lead-, Pool- oder Inhouse-Agentur? Egal. “Das A. hat ausgedient” – dies taucht alle vier Wochen als brandaktuelle Headline in Branchenmedien auf oder ist in Agentur-Podcasts das Megathema der Selbstbespiegelung.

Agenturkühlschrank, der: Wichtigstes Bauteil in Agenturküchen, wichtiger noch als eine > Siebträgermaschine. Beherbergt Notrationen, Kuchenstücke mit kurzer Halbwertszeit, bewusstseinsstärkende Flüssigkeiten für Nachtarbeit ebenso wie Versuchskulturen der Lebensmittelindustrie. Benötigt liebevolle Pflege: einmal im Monat rauskärchern.

Analyse, die: Einstieg in eine Kundenbeziehung. Von Vertrieblern reflexartig als Anlass für eine mehrstündige Präsentation angeführt: „Wir kommen gerne auf eine A. vorbei.“ Vgl. auch: > Workshop.

Ausschreibung, die: Das gleiche wie ein > Pitch, nur mit deutlich mehr Papierkram und eisernen Kontaktverboten. Meist von Behörden oder Großkonzernen mit Staatsvergangenheit verwendet.

Artificial Intelligence, die: AI (sprich: Ey-Ei) gibt es schon lange. Seit kurzem aber macht sie sich auf, Agenturmenschen dem freien Arbeitsmarkt zuzuführen. Der Entwicklung ist wenig entgegenzusetzen – als > Künstliche Intelligenz ist es zwar auf deutsch, aber um keinen Deut besser.

Award, der: Knallharte Währung und Startpunkt des Agentur-Dreisprungs – ohne A. kein Ranking, ohne Ranking keine Pitches, ohne Pitches keine Aufträge. Das bekommen vor allem > Agenturen zu spüren, die aus den Top 10 herausfallen.

Bier, das: Überlebenselixier für spätarbeitende Agenturmenschen. Als Grundnahrungsmittel leider nur für bayrische Agenturen zugelassen. Alle anderen ergänzen um > Weißwein, Aperol Sprizz oder > Eierlikör. Merke: In einer gut geführten Agentur wird Bier niemals schlecht.

Briefing, das: Engl. für Kurzunterweisung oder Einsatzbesprechung. Im Agenturleben ist ein B. weder kurz, noch führt es zum direkten Einsatz. Weil das wichtigste fehlt, braucht es immer ein Rebriefing. Und ein ReRebriefing. Und ein …

Budget, das: Hat man oder hat man nicht. Kunden haben immer zu wenig. Interne Projekte haben immer keines.

C, das: Wertvollster Buchstabe im Alphabet. Ohne C sind Wörter wie Creativity, Code, Corona sowie deren Alliterationen nicht denkbar. Und Content. Vor allem Content. Das freut das Clientel, äh, Klientel.

ChatGPT: Künstliche Intelligenz mit Chat-Oberfläche. Arbeitet nach dem Prinzip „Schreib mir, was du willst, ich liefer’ dir den größten Mist“. Erkennt man bei genauerem Hinsehen. Trotzdem gelang es C. innerhalb weniger Wochen, dem > Metaverse den Rang als Hype abzulaufen. C. ist definitiv keine Bedrohung für alle, denen es ernst mit Recherche, Sprache und Inhalten ist. Manche Agenturmenschen muss man erst überzeugen.

Clubhouse, das: Kann man an C. vorbei gehen? Ja, man kann. Und damit wollen wir es hier gut sein lassen.

Compliance, die: Noch so ein C-Wort. C. braucht man besonders nicht. Wer sagt denn, dass Pitches fair ablaufen müssen?

Content-Campaigning, das: Methode zur Verstärkung der Wirkung von Inhalten. Mal ehrlich: Das haben die Content-Leute von den > Werbern abgekupfert. Bzw. besser gemacht, was sonst?

Content Marketing, das: Einzig und allein überlebende Medien-, Kommunikations- und Marketinggattung der Zukunft. Echt jetzt.

Content, der: Darum geht es eigentlich im > Content Marketing. Was manche Content-Agenturen wohl vergessen haben. Zur Erinnerung: Klasse statt Masse. Qualitativ hochwertige und handwerklich gut gemachte Inhalte binden Leser; wiedergekäutes und schlampiges Blabla tut das nicht.

Content-Strategie, die: Definiert den Einsatz verschiedener Content-Formate entlang der > Customer Journey eines Unternehmens. Beginnt immer mit den Geschäftszielen. Wenn die nicht klar sind, kann man sich eine Menge Arbeit sparen. Eigentlich im gesamten Unternehmen.

Core-Story, die: Verdichtung aller Botschaften eines Unternehmens auf eine Kernbotschaft. Mehr Dichtung als Verdichtung.

Corona, das: 1) Viruserkrankung, leicht bis tödlich. Bittere Erkenntnis: Ohne C. würden Wirtschaft und Behörden weitere 20 Jahre auf > Digitalisierung warten.
2) Im > Agenturkühlschrank nicht selten anzutreffende mexikanische Biersorte.

Corporate Publishing, das: Überlebenskünstler unter den Marketing-Fachbegriffen. Denglische Rotweinbegriffsgeburt, hat sich seit über zwanzig Jahren hartnäckig bis heute vor allem in Kommunikationsabteilungen und in Content-Agenturen gehalten. Trotz aller Verdrängungsversuche durch > Content Marketing.

Cowboy, der: Häufig, früher immer abfällig benutzte Bezeichnung für Mitarbeiter von Agenturen, die sich an ihnen nicht angestammten Branchen oder Bereichen gütlich tun. Also Vieh von Weiden holen, die ihnen nicht gehören.

Customer-Journey, die: Eine Reise, die niemand buchen kann. Die Reisebegleitung durch eine Agentur schon. Ein tiefes Verständnis der Reise des > Kunden von Kontaktpunkt zu Kontaktpunkt ist Grundvoraussetzung für eine kundenorientierte Ausrichtung von Marketing und Vertrieb. Vielleicht klappt es deswegen so selten.

Deadline, die: Zeitgrenze, die nur der Projektleiter kennt. Wird von Kunden geflissentlich ignoriert und von Agenturmitarbeitern immer gerissen. Was ohne Folgen bleibt.

Designer, der: Ewiger und unverzichtbarer Gegenspieler des Texters und Redakteurs. In unterschiedlichen Reifegraden anzutreffen: vom Junior bis zum Creative Director.

Digitalisierung, die: Ursprünglich das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate und ihre Verarbeitung oder Speicherung in einem Computersystem. Heute gängige Bezeichnung für das längst überfällige Ausrüsten von Branchen und Bildungseinrichtungen mit einer IT-Infrastruktur. Von einer zeitgemäßen IT-Infrastruktur sprechen wir da noch gar nicht.

Düsseldorf: Hier ein Kölsch zu bestellen, lässt einen alt aussehen.

Eierlikör, der: Kreativstimulanz vor, während und nach einem > Pitch. Kein Alkohol. Definitiv kein Alkohol.

Erklärcontent, der: Der Autor ist der Erklärbär. Kein Kunstgeschwafel, sondern echter Mehrwert, ohne in jedem zweiten Halbsatz darauf hinzuweisen, dass hier Mehrwert angeboten wird. So wie hier. Siehe auch > Help-Content

Experte, der: Gegenteil von einem Profi. (Eingereicht von Dr. Nerd. Danke dafür!)

Familie, die: Für Agenturmitarbeiter meist unbekanntes soziales Gefüge.

Funnel, der: Im F. (engl. für Trichter) durchläuft ein potenzieller Kunde die Phasen Awareness, Interest, Desire, Action. Manchmal bleibt er auch im Trichter stecken.

Glossar, das: Völlig überflüssige Zusammenstellung und Erläuterung von Fachbegriffen. Liest niemand und ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits veraltet. Eine laufende Aktualisierung wird somit zur Lebensaufgabe.

Haltung, die: Jedes Medium braucht eine Haltung. Jedes. Punkt. Nicht zu verwechseln mit > Purpose.

Heldenreise, die: Im > Storytelling der Weg, den der Protagonist während der Geschichte beschreitet. Im Agenturleben der Weg, den ein Kunde während des Auftrags beschreitet.

Help-Content, der: Der H. wird oft auch als Hygiene-Content bezeichnet. Aber sauber ist das nicht; oft pfuschen Anwender mit ihren Fragen und Kommentaren dazwischen. Dennoch Basisbestandteil einer > Content-Strategie, weil in irgendeinem Lehrbuch steht, dass man sich an häufigen Suchanfragen orientieren soll.

Hero-Content, der: Herausragendes, mitreißendes, intelligentes, informatives Stück > Content, das innerhalb kürzester Zeit hohe Aufmerksamkeit in der gewünschten > Zielgruppe erregt. Also alle > Buddy-Müller-Episoden im AgentursatireBlog.

Home-Office, das: Gab es in Agenturen schon immer. Geht nach der Pandemie nicht mehr weg.

Hub-Content, der: Der Content mit dem Widerhaken. Hier verfängt sich der Lesende bzw. Usende und kommt deswegen nicht mehr von der Website los. Mittelteil einer > Content-Strategie.

Innovation, die: Bezeichnung für erfinderische Prozesse unterschiedlichen Ausmaßes. Im Briefing mit „Überraschen Sie mich“ beschrieben. Wurde in > Agenturen erfunden. Egal in welcher.

Journalist, der: Öffentliches Gewissen der Demokratie, ursprünglich in Redaktionen sozialisiert. Findet sich mit fortschreitendem Alter in Agenturen wieder. Übernimmt dort die Rolle des Gegenspielers zum > Designer. Weitere Lebensformen als Unternehmens- oder Pressesprecher verbreiten sich zusehends.

Jour fixe, der: Bezeichnung für regelmäßige Versammlung eines Kreises aus Führungskräften und solchen, die es werden wollen. Typisch: Einer spricht, niemand führt Protokoll.

Kaffeetasse, die: Behältnis für koffeinhaltige Getränke orientalischer Herkunft. Existiert in vielen Formen und Farben; die Beschriftung sagt viel über den eigentlichen Besitzer aus. Dieser hat immer das Nachsehen, denn seine Tasse wird stets fremdbenutzt oder steht gebraucht im Spülbecken.

Kapa, die: Abk. f. Kapazität, eingeführt von Leuten, die so wenig K. haben, dass sie dieses Wort abkürzen müssen.

Köln: Wichtiger Agenturstandort am Rhein. Mit ganzjährigem Karneval in den Agenturen. Irgendwo daneben liegt eine Stadt mit „D“, die sich auch für einen Agenturstandort hält, aber von keinem Kölner namentlich genannt wird.

Kollege, der: Wichtigstes Mitglied des > Teams. Im Zweifel Zuständigkeits-Übernehmer. Entwickelt sich nach Feierabend von der Karrierebremse zur besten Freundin / zum besten Freund.

Kompetenz, die: Fähigkeit, Fertigkeit, Zuständigkeit. Fähigkeit und Fertigkeit sehen Agenturmitarbeiter prinzipiell nur bei sich. Zuständigkeit immer bei anderen, etwa beim > Kunden. Der sieht es genau umgekehrt.

KPI, der: Abk. für Key Performance Indicator, Leistungskennzahl. Meist direkt messbar. Es gilt: Wenn die Ergebnisse unerfreulich sind, ändere nie den KPI, sondern die Vergleichsgröße. Bonusinfo: Der Plural von KPI ist … KPI!

Künstliche Intelligenz, die: KI (sprich Kah-Ihh, nicht Kei-Ai!) bezeichnet die Eigenschaft von Maschinen oder Software, intelligente Handlungen und Entscheidungen menschengleich zu vollziehen.
Intelligenz wiederum wird häufig definiert als Eigenschaft, die ein Wesen befähigt, angemessen und vorausschauend in seiner Umgebung zu handeln. Ergo: KI hat bisher Agenturmenschen nicht wirklich was, aber auch gar nichts gebracht. Wahrscheinlich sogar der gesamten Menschheit nichts.
Dennoch müssen Agenturen angemessen darauf reagieren.

Kunde, der: Unbekanntes Wesen.

Lunch, der: Ist für Loser. Außer, der L. dient der Geschäftsanbahnung. Dann viergängig.

MacCloud, Brad: Ein MacBook Pro. Entstammt dem Clan der MacClouds; seit geraumer Zeit stets spitzer und spitzzüngiger Begleiter von > Müller, Buddy.

Marketing, das: Wir können es kurz machen: Gibt es nicht mehr lange. Siehe > Content Marketing.

Meeting, das: Geselliges Beisammensein, meistens mit Geschäftszweck. Letzterer wird frühestens zehn Minuten vor Ende des M. deutlich. Die restliche Zeit wird zur Vorbereitung des M. bzw. zum Einlesen verwendet. Erst seit > Corona bürgert sich pünktliches Beginnen und Beenden ein.

Medien, sozialen, die: Ursprünglich für alle wunderbar, die alte Freunde wiederfinden oder Inhalte, Produkte oder sich vermarkten wollten. Während > Corona zunehmend von Querdenkern, Hatern und Vollschwurblern okkupiert, die unter dem Deckmantel einer angeblich demokratischen Gesinnung falsche, verlogene, rassistische Gedanken verbreiten. Freunde, jetzt hat der Spaß ein Ende!

Metaverse, das: Irgendwas Neues, irgendwas mit Virtual und Augmented Reality, irgendwas von Facebook. Auf alle Fälle die Zukunft im > Marketing. So wie MySpace und Second Life (beide 2003). Wurde Anfang 2023 als Hype von > ChatGPT abgelöst. Erst 2039 wird das M. seine wahre soziale und wirtschaftliche Bedeutung entfalten, wenn sämtliche Wintersportaktivitäten weltweit aus Nachhaltigkeitsgründen dorthin verlegt werden.

Mitarbeiter, der: In Agenturen höfliche Umschreibung für den gesetzlich nicht verankerten Leibeigenenstatus. In der Nahrungskette oberhalb von Trainees und Volontären.

München: Millionendorf, das NICHT am Rande der Alpen liegt. Verteidigt den Ruf als nördlichste Stadt Italiens.

Müller, Buddy: Senior Project Supervisor in der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands. Hört seit geraumer Zeit keine Stimmen, aber umso deutlicher seinen Notebook > MacCloud, Brad.

Nachhaltigkeit, die: Letzter Ausweg für Agenturen, wenn es in allen anderen Geschäftsbereichen nicht mehr so gut läuft.

Narrativ, das: Wird häufig mit > Storytelling verwechselt. Merke: Das N. ist „Der Hund ist tot“. Storytelling ist das Handwerk, die Geschichte vom toten Hund zu erzählen.

Newsroom, der: 1) Manchmal fensterloser Raum mit Kinogroßleinwand und mehreren unbequemen Stuhlreihen, manchmal nur eine Excel-Datei, die das koordinierte Vorgehen von Marketing und Unternehmenskommunikation abbildet. Immer das Schlachtfeld zwischen beiden Abteilungen. Immer eine Goldgrube für Agenturen, die einen Newsroom einführen.
2) Wird von traditionellen Redakteuren auch als „Balken“ bezeichnet. Dann bitte nicht mit „Restroom“ verwechseln.

Persona, die: Wohlklingender und wohlfeiler Begriff für „Susi Sorglos“ und „Rudi Ratlos“. Die beiden werden nie ein Paar.

Pitch, der: Lebensmittelpunkt von Agenturen. Alle fiebern daraufhin wie Borussia Dortmund auf das Gewinnen der Deutschen Meisterschaft. Ob gewonnen oder verloren: Immer ein Grund, sich einen -> Eierlikör zu geben.

Präsentation, die: Auf Macs häufig in rosa oder hellblau wiedergegebenes, bahnbrechendes und bis in alle Ewigkeit beeindruckendes Konzeptpapier im Querformat. Grundregel: Erstelle 162 Charts und zeige nur 57. Dann hast Du mindestens 93 zum Versenden. Oder so.

Podcast, der: Kommt von „play on demand“. Auf Knopfdruck Laut geben. Machen Agenturmenschen auch.

Prozess, der: Ein P. sollte beschleunigen. Tut er aber nicht. Der Ausruf „Dafür brauchen wir erst einmal einen P.“ in Meetings mit der mittleren Führungsebene ist untrüglicher Beweis, dass hier Prokrastination im Spiel ist.

Purpose, der: Zweck, Absicht, Sinn eines Handelns, im übertragenen Sinne eines Unternehmens. Häufig verwechselt mit Haltung oder, schlimmer noch, Einstellung. Von Content-Marketing-Agenturen wieder und wieder entdeckt als brandneues Geschäftsfeld. Leider auch das eine fatale Verwechslung.

Relevanz, die: Mit Abstand der abgenutzteste Begriff im > Content Marketing. Glauben Sie nicht? Googeln Sie mal „relevante Inhalte“. Liefert ca. 11.800.000 Treffer in 0,48 Sekunden. Dabei lernt jeder Volontär und jeder Junior-Texter von Anfang an, > Content für einen Idealleser oder eine > Persona zu verfassen – also Inhalte mit R. für eine > Zielgruppe und deren Mitglieder zu produzieren. Kurz: Im Content Marketing ist R. die Pflicht.

Resonanz, die: Mit Abstand der wichtigste Begriff im > Content Marketing. Glauben Sie nicht? Da brauchen Sie nicht mal googeln. Ziel von Content Marketing ist, Leser und User mit Inhalten, die für sie eine > Relevanz haben, zu einer Reaktion zu bewegen – also zu einer R. Kurz: Im Content Marketing ist R. die Kür.

Ressourcen, die: Schwer zu beschreiben, weil nie genug vorhanden. Als „Keine R.“ Totschlagargument in Diskussionen mit Kunden und Kollegen.

Rotwein, der: Kommt auf Agenturpartys meist erst dann zum Einsatz, wenn der > Weißwein ausgetrunken ist.

Seminar, das: Beliebtes Gruppenformat zur Weiterbildung und gelegentlich zum Knüpfen zwischenmenschlicher Kontakte. Im S. kommen alle zusammen, die nicht mehr weiter wissen. Der Erkenntnisgewinn liegt darin, dass sie nach dem S. auch nicht schlauer sind.

Siebträgermaschine, die: Wenn Eindruck schinden mehr zählt als Kaffee kochen. Gilt auch als Kaffeepulver- und/oder Bakterienschleuder. Nie einschalten, dann blitzt sie bis zum Schluss.

Stories, die: 1) Falsch geschriebener deutscher Plural des englischen Worts „Story“.
2) Je nach Leseralter als > Content bezeichnet, im Grunde die überflüssigste Erfindung sozialer Medien. Zumindest die zeitraubendste.

Storytelling, das: Kämpft mit > Relevanz um den Titel des abgenutztesten Begriffs im > Content Marketing. Lassen Sie sich also keine Geschichten erzählen. S. ist fiktionales Handwerk: die Kunst zu erzählen, wie sie Homer, Cervantes, Shakespeare oder die Autoren des Gilgamesch-Epos und der Bild-Zeitung beherrschten. > Journalisten machen sich Stilmittel des S. für > Hero-Content zu eigen.

Team, das: Abk. für: Toll, ein anderer macht´s. Alt, aber leider wahr.

Teams, das: Kommunikatives Zentrum von Office 365 mit großem Unterhaltungswert und zufälliger Verteilung der Arbeit. Nicht zu verwechseln mit > Team. Dort wird die Arbeit taktisch verteilt.

Telko, die: Willkommene Ergänzung eines > Meetings, regelmäßig und standortübergreifend. Kennzeichnend: technische Überraschungen, die von T. zu T. anders sind. Es gilt: Nicht reproduzierbare Fehler werden durch Videoeinsatz verstärkt.

Themenarchitektur, die: Gerüst, auf dem eine > Content-Strategie basiert. Leider manchmal ganz schön wackelig.

Verband, der: 1) Wichtige soziale Gruppierung von Leidensgenossen innerhalb einer Branche. Die Ausrichtung ist nicht so wichtig, Hauptsache, man bekommt dadurch ein Netzwerk.
2) Von verbandsaktiven Geschäftsführern gerne angeführter Reisegrund. Führt zwangsläufig zum FTL-Status, zur Black Mamba, zum Wissen von Interna und zu erhöhten Leber-, Cholesterin- und Adrenalinwerten.

Video-Call, der: Ersetzte während der Pandemie den Schwatz an der Kaffeemaschine ebenso wie das Vorstandstreffen. Der Hintergrund lässt Rückschlüsse auf den Mitarbeitenden zu.

Weißwein, der: Auf Agenturpartys meist das Vorgetränk für > Rotwein. Und häufig die beste Begleitung für überraschende Gelegenheiten.

Werber, der: Kann nur „Visuals“ und „Copy“ keine Inhalte, im Zweifel auch kein > Content Marketing. Wurde früher gerne auch als > Cowboy bezeichnet.

Wettbewerber, der: Gibt es nicht. Nicht wirklich.

Workaround, der: Wenn „Copy and paste“ nicht funktioniert, um Inhalte von dem einen ins andere Programm zu hieven, braucht es einen W. Dieser wird von der IT-Abteilung in kurzer Zeit – meist wenige Monate – erarbeitet, um einen Job zu erledigen, der nur wenige Sekunden dauert. Synonym: „Von hinten durch die Brust ins Auge.“

Workshop, der: Meistens Auftakt der Beziehung zwischen einer > Agentur und ihrem > Kunden. Der W. ist das letzte Mal, an dem die Agentur nicht selbst arbeitet, sondern der Auftraggeber.

Zielgruppe, die: Gruppe von Marktteilnehmern, die Content-Marketiers und Kommunikatoren ins Visier nehmen. Im Idealfall mit einem Präzisionsgewehr, meist mit einer Schrotflinte.

Die Bände einer vollständigen Brockhaus-Ausgabe von 1989 sind Buddy Müllers liebste Bücher. Das Marineblau und die güldenen Lettern auf dem Einband harmonieren hervorragend mit den grün-schwarz-goldenen Rücken der Karl-May-Kollektion im Regal daneben.

Als Nachschlagewerke taugen beide Reihen leider nicht.

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Buddy Müller fährt von einer Bierstadt in die andere – und befindet sich mitten in einer Dienstreise, in der unverhofft Welten zueinander finden. Mindestens aber lösen sich Grenzen, nicht nur die des guten Geschmacks, im wohligen Weindunst auf.

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Es gibt Statistiken, die können nicht gefälscht sein. Niemals nicht! Weil so viele so eifrig zum Entstehen der Zahlenreihen beitragen. Ein Beispiel ist der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Wein in der Bundesrepublik Deutschland. Der liegt nämlich laut jüngster Studien bei knapp über 22 Litern.

Ich fragte mich allerdings neulich wieder, wie manche Menschen in der Lage sind, die ihrem Kopf zustehende Jahresmenge zu einem einzigen Anlass zu trinken – zum Beispiel während einer Zugfahrt.

„Vielleicht liegt es daran“, sinnierte Brad MacCloud vom Clan der MacClouds, „dass ihr Menschen euch die Welt, in der ihr gerade lebt, nur noch schön trinken könnt.“

Mein treues Notebook, kein Kind von Traurigkeit, traf traurigerweise einen wunden Punkt.

In Anbetracht einer strauchelnden Weltwirtschaft, der ein orangenhäutiger Despot immer wieder sein gummibestrumpftes Bein stellte, und in Anbetracht der Willfährigkeit, mit der der gleiche Despot einem diktatorischen Schlächter in deutlicher Demut die großflächig altersgefleckte Hand reichte, allein in Anbetracht dessen kam ich zu dem Schluss: „Dafür reichen 22 Liter Wein nicht aus.“

Nichts geht mehr

Ich saß im Zug, von München nach Köln, ließ die Biere der einen Stadt hinter mir und freute mich auf die Biere der anderen, die im Rahmen eines Geschäftsessens mit dem weltweit führendsten Hersteller von Bananenschälmaschinen Deutschlands auf mich warteten.

München-Köln, eine Gewohnheitsfahrt zwischen Hauptsitz und Niederlassung für mich, dem Senior Project Supervisor der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.

So sehr Gewohnheit, dass ich auf den Meter genau vorhersagen konnte, wo hinter Augsburg die Internetverbindung im ICE dürftig wurde. So dürftig, dass selbst dem korrektesten Geschäftsreisenden oft nichts anderes übrig blieb, als seinen fest gefassten Vorsatz, die gesamte Bahnfahrt über hart zu arbeiten, zu kippen.

Ab dieser digitalen Demarkationslinie ging nichts mehr, nicht Podcast hören und nicht endlich die gebookmarkten Beiträge der Lieblingsblogger nachholen.

„Mir bleiben die Serverinnen an Bord“, freute sich Brad MacCloud. „Sehr interessante, äh, Gesprächspartnerinnen, schon viel herumgekommen!“

Sprachs und verabschiedete sich ins zuginterne Netz.

Weißer Wein statt harter Arbeit

Irgendwo zwischen dem Verlassen des Münchner Hauptbahnhofs und vor dem Erreichen der Tertiärhügellandschaft des Münchner Nordens verlief übrigens eine weitere imaginäre Grenze.

Wie auf Kommando packten alle Bahnreisenden beim Überfahren dieser Linie ihre mitgebrachten Viktualien aus, als hätten sie wochenlang Hunger geschoben und eine ebenso wochenlange Reise vor sich, auf die sie sich mit reichlicher Kalorienaufnahme vorbereiten müssten.

Was bei den Verspätungen der Deutschen Bahn prinzipiell eine gute Vorsichtsmaßnahme war.

Selten jedoch blieb es bei fester Nahrung.

Meine vier Über-den-Gang-Nachbarinnen etwa hatten an ihrem Tisch schon eine Flasche Wein geöffnet, während ich noch nach der verliersicheren Steckdose für Brad MacCloud gesucht hatte.

Also: Jede hatte eine Flasche Wein geöffnet.

Sie prosteten sich mit Pappbechern zu, darin wahrscheinlich ein gemischter Satz, begleitet von gemischter Sprache. Ich tippte auf ein, zwei osteuropäische Dialekte, gewürzt mit verschiedenen Idiomen aus dem deutschsprachigen Raum, was aber der Verständigung keinen Abbruch tat.

Mit Mühe konnte mein Gehör mit der Sprechgeschwindigkeit der Vier mitzuhalten. Ich schnappte zwischen fremden Lauten bekannte Begriffe wie „Heim“, „Pflege“ und „Schulung“ auf.

Ich reimte mir zusammen, dass die vier Damen der zunehmend nachgefragten Berufsgruppe der Pflegekräfte angehörten, die unterwegs zu einer Weiterbildung waren, wohl nicht zuletzt, um damit mehr Argumente für eine zunehmende Nachfrage nach besserer Entlohnung ihrer schweren Tätigkeit zu sammeln.

So erhoben sie ihre Becher, bei jedem „Pflegenotstand“ ein Schlückchen, bei jedem „Lohnerhöhung“ ein zweites, und dann ein drittes und viertes und fünftes – für jeden Monat, der vergehen würde, bis es mehr Bezüge für ihren Berufstand gab.

Bei den Zusammenhängen spekulierte ich; sicher war ich mir beim Zustand der Flaschen. Die waren schnell leer.

Beständiger als Liebe und Tod

Auf der anderen Seite ihrer Sitzgruppe wartete unverhofft Nachschub.

Dort befand sich ebenfalls ein Tisch mit vier Plätzen.

Die Plätze waren mit vier Frauen besetzt.

Und jede der Frauen hielt eine Weinflasche. Vier Gattinnen, vier Flaschen. Mit dazugehörigem Glas.

Julia Klöckner, ehemals werbungtragende Weinkönigin, jetzt Darstellerin der Bundestagspräsidentin, hätte sich wahrscheinlich wohl gefühlt.

Mir aber schwante in dieser weinseligen Umgebung wenig Gutes.

Bereits kurz nach dem Anfahren klang herüber, wie sehr die vier Gattinnen sich auf ein langes Wochenende ohne ihre Ehemänner freuten. Der Galerist, der Immobilienmakler, der Kieferorthopäde und der Beinahe-DAX-Vorstand, sie hatten zu Hause bleiben müssen.

Ich wusste, wen ich für die Glücklicheren halten sollte.

Mit dem Zug zu fahren, da waren sich die Gattinnen einig, sei viel besser, man käme unter echte Leute, das sei das wahre Leben, und mit dem Porsche könne man eh nicht fahren, in so einem Panamera sei nur noch Platz für ein Abendkleid und ein Nachthemd, wenn man zu viert drinsitze, ohne Schuhe natürlich.

Den vier Gattinnen winkte in Köln ein Musical, eines, in dem es um Liebe ging, die den Tod überdauerte – was alle zum Lachen brachte, denn, auch da herrschte Einigkeit, ein Ehevertrag sei das Einzige, was wirklich die Liebe überdauern würde. Und auch den Tod.

Was nicht die Zugfahrt überdauern würde, das war der Wein, den die Gattinnen mit sich führten, in Flaschen, die zum Teil noch das edelschimmlige Grau des Kellers trugen, in den sie von den Gatten einst zur Ruhe und Reife gebettet worden waren. Auch für den teuersten Wein käme einmal die Zeit getrunken zu werden, warum nicht jetzt, warum nicht mit alten und mit neuen Freundinnen? Bereitwillig reichten die Gattinnen ihren Wein über die Sitzgruppe herüber zu den Pflegerinnen, die ihn bereitwillig annahmen, und die ihrerseits, sich revanchierend, die Kühltaschen unter ihrem Tisch hervorholten.

Attentat in Rosa und Weiß

Da gab es einen Knall.

Nicht nur einen. Mehrere.

Es waren nicht überalterte Bauteile des ICE, die geräuschvoll ihr Lebensende verkündeten.

Es war auch kein Attentat. Zumindest keines, bei dem scharf geschossen wurde, es war vielmehr ein Attentat auf den guten Geschmack, das mit Knallbonbons eingeleitet wurde.

Sieben junge Frauen zündeten sie, tanzten Flaschen schwenkend unter einem silbrig-bunten Konfettiregen in den Wagon, gewandet in rosa Hoodies, so rosa wie die Gläser ihrer herzförmigen Sonnenbrillen.

Bis auf eine, die trug einen weißen Hoodie, so weiß wie der Schleier in ihrer Hochsteckfrisur.

Den Gang herunter kam das Schrecklichste, was die Menschheit an Ritualen für das Zusammenbleiben von Paaren je hervorgebracht hatte: ein Junggesellinnen-Abschied.

Sie kamen immer näher, begleitet von weiteren mit Detonatiönchen geborenen Konfetti-Wolken, die sich als ausgestanzte primäre männliche Geschlechtssymbole, eher Symbölchen, entpuppten.

Bride und Bride-Team, wie sie große, glitzernde Lettern auf den Kapuzenpullis auswiesen, hielten mit leichtem Gepäck Ausschau nach ihren Reservierungen, und scheuchten all jene Passagiere mit schwerem Gepäck hoch, die zu Unrecht, aber voll stiller Hoffnung dort Platz genommen hatten.

Auch mein Tisch wurde neu besetzt, neben mir nahm die Kombination Weiß-Rosa-Rosa Platz, während die restlichen viermal Rosa den Nachbartisch füllten.

Kurz: Ich war umzingelt.

Kichernd und pichelnd

Vier Pflegerinnen. Vier Gattinnen. Sechs Brautjungfern. Eine Braut.

Allesamt bestens ausgerüstet mit einem bunten Potpourri des europäischen Weinhandels.

Die zwei Vierergruppen auf der einen Seite des Zugs waren sichtlich gerührt von der ausgelassenen Erwartungshaltung an reuelose Romantik der Siebenergruppe auf der anderen Seite. Schnell prägten gegenseitige Weinangebote das gesellige Geplänkel. Mit zunehmenden Austausch an Flaschen wichen die Anspielungen etwa auf die Hoodie-Schriftzüge – „The hunt is over“ (Bride) oder „The hunt is still going on“ (Bride-Team) – gut gemeinten Tipps für eine glückliche Ehe.

Kichernd und pichelnd tauschte man sich darüber aus, dass man ja nicht alles wissen müsse, ausgenommen seinen Kontostand, und dass man in der Ehe kleine Dinge nicht als selbstverständlich nehmen dürfe, vor allem, wenn sie in Karat gewogen werden. Die Pflegerinnen dachten noch viel weiter in die Zukunft, und gaben Pflegehinweise: Pillendosen etwa, mit Erinnerungsfunktion, seien eine wertvolle Investition in eine lange Beziehung.

Wäre ich Redakteur eines badisch-bayrischen Großverlags gewesen, so hätte ich dessen sämtliche Wartezimmertitel auf Jahre hinaus mit Ratschlägen zwischen A wie Achtsamkeit über L wie Lakensport bis V wie Vitalität zuschreiben können.

So aber konzentrierte ich mich auf das Bearbeiten meiner E-Mail-Kolonnen vor mir und verschloss meine Ohren gegenüber der lauten Lebenshilfe.

Ich versuchte es.

Bis ich gegenüber der Verbrüderung, besser: Verschwesterung, kapitulierte.

Ich blickte von meinem MacBook auf.

„Also gut.“, sagte ich zu meiner Nachbarin, der Braut. „Ich würde dann auch ein Schlückchen nehmen.“

Ein Bündnis, bis die Tür sich öffnet

Rund vier Stunden und gefühlte 22 Liter Wein später kehrte Brad MacCloud vom Clan der MacClouds aus dem Zugnetz zurück in seine Hardware-Homestead, gerade noch rechtzeitig, bevor der ICE in unseren Zielbahnhof einfuhr.

„Viel geschafft hast Du ja nicht“, tadelte er mich, sich durch meine E-Mails scrollend und nur für mich hörbar. Er hingegen habe die Bordrestaurant-Rechnerin wieder so richtig in die Gänge gebracht; für ihn hätte sie sogar die Kühlung der Bar angeworfen.

Über einen Mangel an gut gekühlten Getränken könne ich mich auch nicht beklagen, entgegnete ich. Im Gegenteil, als einziger Y-Chromosom-Träger in diesem Wagonabschnitt sei ich von der rein weiblichen Feiergemeinde als sprichwörtliches Ehrenmitglied bestens umsorgt worden. Die gereichten Rebensäfte hätten sicher auch dem EmmDee gemundet. Zwischen Lugana, Chardonnay und Weißburgunder, sagte ich, habe sich ein Bündnis gefestigt: Wie Schwestern seien wir im Geist vereint …

Für mehr Erläuterungen blieb mir keine Zeit.

Eine schnorrende Schaffner-Stimme verkündete die Ankunft in Köln, mahnte zum raschen Ausstieg, was die Fahr- und Feiergemeinschaft samt geleerten Flaschen hoch- und durch die ICE-Tür scheuchte.

Wie durch eine Zeitschleuse, denn kaum waren alle draußen, lag die Zugfahrt weit hinter ihnen.

Sie zelebrierten letzte Umarmungen, tauschten finale Überlebenstipps für den anstehenden Abend und die Zukunft in Zweisamkeit aus, und verabschiedeten sich mit einem Blick voller Gewissheit, dass die eben noch begossene Lebensfreundschaft die Halbwertszeit des Restalkohols im Blut nicht überdauern würde.

Ich blieb unbeachtet am Bahnsteig zurück, mit Rollkoffer und Notebooktasche, sah ihnen matt winkend nach, wie sie sich aufmachten, ins Tagungshotel, zum Musical, oder in die erste Kneipe von vielen weiteren, alle nicht mehr sicheren Schrittes, aber voll bester Vorsätze.

„Willkommen zurück in der Wirklichkeit!“, sagte Brad in der Tasche. „Du hast noch Arbeit vor dir.“

Natürlich, mein Geschäftsessen. Mit dem weltweit führendsten Bananenschälmaschinenhersteller Deutschlands.

„Gut“, sagte ich, „gehen wir.“

Die Fortsetzung der Geselligkeit wartete auf mich, gleiche Methodik, andere Mittel: mit einem kühlen Kölsch.

Triggerwarnung: Diese Folge enthält Alkohol, Sex, Exzesse, Politik und psychische Gewalt. Sie ist nicht für Jugendliche unter 16 Jahren geeignet.

Die sind härteres gewöhnt.

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Das Gegenteil von Corporate

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#folge47 #KeinerVonDenen

Unternehmensberater verdienen Mitgefühl. Zumindest bekommen sie das von Buddy Müller. Nicht zuletzt, weil sich diese Spezies gern an Themen versucht, für die ihr mindestens eine zwingend benötigte Eigenschaft fehlt.

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Man kennt mich weitläufig dafür, dass ich mich hingebungsvoll dem Führungskräftenachwuchs widme. Nichts ist im Arbeitsleben im Allgemeinen und im Agenturleben im Besonderen komplexer als das Führen von Menschen und von Teams, die die Menschen manchmal freiwillig, manchmal erzwungenermaßen bilden.

„Vor allem Lang und Länger können das bestätigen“, sagte Brad MacCloud vom Clan der MacClouds. Mein MacBook Pro und ich verstehen uns – meistens. Aber immer, ohne dass es meine Umwelt mitbekommt.

Lang und Länger, das sind unsere beiden Volontäre. Der eine arbeitet immer lang, der andere noch länger.

Ein aufrichtiger Beweis meiner väterlichen Zuwendung ist, wenn ich die beiden nach einer erneut durchgearbeiteten Nacht am folgenden frühen Morgen, also gegen 10 Uhr, höflich bitte, mir erstmal einen Kaffee zu bringen.

„Kaffee!“, sage ich laut.

Meist schaut Lang kaum von seinem Bildschirm hoch, hebt nur den Zeigefinger von der Tastatur und deutet stumm hinüber zu Länger.

Delegieren kann er.

Während Länger aufspringt und lossprintet, um mir einen Kaffee aus unserer Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens zu holen.

„Heute hätte ich gerne einen Lungo Bandolero“, rufe ich ihm nach, „aber zweifach gemahlen!“

Tagelöhner, Tagessätze

Eine gänzlich andere Klasse an Nachwuchstalenten, zumindest halten sie sich dafür, treffe ich jeden Morgen kurz vor ihren Altersgenossen Lang und Länger.

Mein Weg in die Agentur führt mich nämlich direkt vorbei an einem Glas-Beton-Stahl-Bau, der von einer Unternehmensberatung in ein historisches Tagelöhnerviertel mitten in München gesetzt wurde.

In ein Viertel, in dem vor noch nicht mal hundert Jahren, in der guten alten Zeit, die alles andere als gut war, Brauereiarbeiter und Wäscherinnen, Maurer und Mägde, aber auch Dirnen und Luden und anderes zwielichtiges Gesindel auf engstem Raum ihre Arbeitsstätte und Unterkunft hatten.

„Unternehmensberater passen doch gut dazu“, sagte Brad.

Vielleicht sei es wirklich ganz und gar nicht unpassend, sinnierte ich, denn Unternehmensberater würden auch für einen Stunden- oder Tageslohn arbeiten, subsumiert zu Tagessätzen, die es ihnen erlaubten, die in den ehemaligen Tagelöhnervierteln noch ansässigen Künstler durch den Erwerb diverser Exponate in die Lage zu versetzen, die exponentiell steigenden Mieten wenigstens noch für ein Quartal begleichen zu können.

Die Exponate, die häufig wie in Bronze gegossene psychedelische Erfahrungen aussahen, standen meist im Empfangsbereich der Unternehmensberatungen.

Vor dem Empfangsbereich, draußen auf der Straße, standen Berater.

Scrollen, rauchen, Kaffee trinken

Meist standen da vor allem junge, ausgezehrte, mitleiderregende Geschöpfe. Die Anstrengungen der vergangenen Nächte waren ihnen ins Gesicht geschrieben. Dabei schafften sie sicher acht Stunden Schlaf – in einer Arbeitswoche.

Nacht für Nacht zementierten sie ihr Wissen in Präsentationen, 100, 200, 300 Charts. Weil sie daran glaubten, viel hilft viel, auf jeder einzelnen Seite bis an den Seitenrand wie im Gesamtumfang vom der Gliederung bis zu den „Next Steps“.

Da reihten sie sich nun auf, in ihren weißen Hemden und blauen Anzugshosen und rauchten. Die weiblichen Exemplare trugen weiße Blusen, schwarze Röcke. Gerade noch klapperten ihre Tastaturen, jetzt klapperten die Knochen vor Übermüdung in der Morgenluft.

Alle, männlich, weiblich, divers hatten ihre Sakkos in den Büros gelassen. Alle hatten Handys dabei. Alle scrollten sich durch ihre E-Mails. Alle rauchten. Alle taten alles gleichzeitig, als wäre dies der endgültige Beweis ihrer Multitaskingfähigkeit.

Und: Alle hatten einen Grüßreflex.

Gruß der Übernächtigten

Diesen Reflex löste ich aus, immer dann, wenn ich an ihnen auf meinem Weg in die Agentur vorbeiging.

Ave Consultant, die Übernächtigten grüßten mich.

Als wäre ich einer von ihnen.

Mit einem respektvollen Nicken, einem lautlos gemurmelten „Guten Morgen“, mit einem anerkennenden Blick, kollegial, quasi von Consultant zu Consultant, doch mit Respekt, als hielten sie mich für einen Ranghöheren, einen Senior oder einen Partner gar.

Anfangs dachte ich, das dezente Grau, das altersgemäß meine Schläfen fein durchzog, löse den Grußreflex aus. Oder mein bestimmter Blick.

Aber das war es nicht. Auch nicht mein forscher Schritt.

Im konsequenten Selbstversuch fand ich es heraus.

Dunkles Sakko, Einstecktuch und Edel-Chino etwa führten zum sofortigen Nicken. Tags darauf, Extreme Casual Friday, ein markenloses Polohemd und verwaschene Bluejeans, lösten zunächst Verwirrung aus. Erst als der Blick an meiner Tumi-Tasche und noch tiefer bei meinen Chelsea-Boots angekommen war, entschieden sie sich sicherheitshalber zum Morgengruß.

Filzkrawatte: Guten Morgen!

Dann, ich hatte mich für einen Kundenbesuch herausgeputzt, mittelblauer Anzug, dunkle Filzkrawatte, brauner Gürtel, braune Monks, wäre ich beinahe in eine offengehaltene Tür gerannt.

„Guten Morgen“, grüßte mich der bleiche Beraternachwuchs, der mir rund 60 Kilo Glas und Stahl zum Haupteingang aufgezogen hatte.

„Guten Morgen“, grüßte ich zurück, versicherte ihm mit einer Handbewegung, dass ich weitermusste. Ich war schon an ihm vorbei, da drehte ich mich – einer Eingebung folgend – zu ihm um.

„Wie geht es Ihrem Projekt?“, fragte ich.

Der übermüdete Jungberater kam ins Hudeln. Rauchen, Kaffeetrinken, auf dem Handy E-Mails checken, die schwere Tür aufhalten und antworten, das war zu viel.

Er entschied sich, die Tür ins Schloss fallen zu lassen und eine Hand in die Hose stecken.

Die mit dem Handy.

Und der Zigarette.

Genauso schnell wie die Hand in der Tasche war, war sie wieder heraus. Die Kippe wurde ausgedrückt, das Handy erneut verstaut.

„Nur Dean Martin konnte gleichzeitig rauchen, trinken und singen“, kommentierte ich.

„Dean wer?“

„Lass mich raus“, quengelte Brad in meiner Tasche. „Ich will auch Berater schauen!“

„Dean Martin war der Prinzipal, der das Italien-Amerika-Geschäft aufgebaut hat“, sagte ich mit einer Spur an Selbstverständlichkeit in der Stimme. „Also, was macht Ihr Projekt?“

Für jemanden, der die ganze Nacht wohl eine Monsterpräsentation geklopft hatte, war der Consultant erstaunlich frisch. Er haute die Gemeinplätze flink raus. Die Marketingabteilung bei einem Autozulieferer müsse von Grund auf erneuert werden, verkrustete Strukturen, Familienbetrieb, ein Mittelständler halt auf dem Sprung zur Internationalisierung, aber mitten in der Krise, Fachkräftemangel, Bürokratie, einschneidende Maßnahmen und so, ich verstünde schon, was er meine, nicht wahr? Dann könne man mit neuen Marketingprogrammen Kurs auf den Weltmarkt nehmen.

Irgendwas mit Content

Ich verstand ihn. Natürlich. Ich erinnerte mich an die Beraterschar, die einem meiner früheren Chefs die Belegschaft wegsaniert hatten. „Zehn Prozent weniger sind immer drin“, das war ihr Standardsatz gewesen (von dem auch so mancher unserer Kunden leidgeprüft zu berichten wusste).

„Zehn Prozent“, sagte ich zum übermüdeten Beraternachwuchs, „zehn Prozent weniger sind immer drin. Aber überraschen Sie mal Ihren Kunden: nicht zehn Prozent seiner Mitarbeiter kürzen. Fangen Sie mal mit Ihren eigenen Tagessätzen an.“

„Bitte“, quengelte Brad, „ich will ihn sehen!“

Der Beraternachwuchs betrachtete mich mit wachsender Verwunderung.

Was mich richtig in Fahrt brachte: „Strengen Sie sich ein bisschen an. Setzen Sie auf bewährte Kräfte. Kürzen kann jeder.“

Sein Handy brummte. Verlegenheitsblick, dann: „Ich muss dann wieder …“

„Eins noch“, sagte ich. „Sie erwähnten ‚neue Marketingkonzepte‘? Irgendwas mit Inhalten?“

Er nickte zögerlich. Und versuchte, mir zu entkommen. Das Handy brummte zwei-, dreimal.

„Sie wollen wirklich was mit Content machen?“, fragte ich ihn. „Und sicher auch irgendwas mit KI?“

Er nickte, heftiger, nun begleitet vom dauerbrummenden Device.

Ich trat zu ihm hin, blickte ihm lange in seine rotgeränderten Augen und legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Ich fühle mit Ihnen.“, sagte ich.

Und dann ließ ich ihn stehen.

Heute keinen Bandolero

„Ich hätte ihn so gerne gesehen“, beklagte Brad sich später. „Warum tut er dir leid?“

„Ach, Brad“, seufzte ich, „um eine Strategie zu entwickeln, braucht man eine Menge theoretisches Wissen.“ Um eine Strategie in die Tat umzusetzen, fuhr ich fort, brauche es Mut und Können, weswegen sich nur wenige Berater dieser Herausforderung stellten.

„Wenn Du aber mit Inhalten arbeitest“, sagte ich, „dann braucht es Seele.“

Brad schwieg nachdenklich.

In der Agentur fand ich Lang und Länger vor – sie waren entweder gestern wieder lang geblieben oder heute schon länger da. Sie sahen müde aus. Wie wild hackten sie auf ihre Notebooks ein; Lang erbat sich erhobener Hand Schweigen, brummte „geile Story, bin gleich fertig“, während Länger aufspringen und zur Siebträgermaschine eilen wollte.

„Guten Morgen, Herr …, äh, Buddy, ja das werden wirklich sehr, sehr gute Geschichten, die wir da recherchiert haben, bestechende, überraschende Storylines, Protagonisten, die nur wir haben, wenn ich das so sagen darf, aber Zeit für einen Kaffee muss sein, wieder einen Bandolero, zweimal gemahlen?“

Ich winkte ab.

„Lass mal. Ihr beide schreibt Eure Geschichten fertig“, sagte ich. „Um den Kaffee kümmere ich mich.“

„Es braucht Seele“, sagte Brad MacCloud in meiner Aktentasche. „Ich habe verstanden.“

Den Junior Consultant habe ich übrigens nie wieder gesehen. Seine Kollegen haben mich auch nie mehr gegrüßt.

Ich bin doch keiner von denen.

Auch für Agenturmenschen gelten Binsen wie „Kleider machen Leute“. Zum Glück machen Kleider allein keine Consultants.

Von denen gibt es schon recht viele: Allein in Deutschland drängeln sich rund 230.000 Unternehmensberater in den engen Fluren ihrer Auftraggeber. Oder sie stehen eben vor dem Firmensitz und frieren sich wach in der Morgenkühle.

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#folge46 #NoToDo

Freizeit, Freiheit, froher Sinn – doch bevor ein Agenturmensch in den heiß ersehnten und wahrscheinlich wohl verdienten Urlaub gehen kann, muss er die Kernerarbeit der Übergabe bewältigen. Gut, dass es dafür etablierte Standards gibt. Einen Fluch und Mehrarbeit inklusive.

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Urlaub? Ich hasse Urlaub. Ganz sicher nicht meinen eigenen, auch nicht den Urlaub an sich, denn ich habe meinen Urlaub wirklich immer verdient, und ich habe ihn auch wirklich immer nötig, ich, Buddy Müller, Senior Project Supervisor der weltweit größten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.

So auch jetzt, mit meiner nächsten Auszeit in Sichtweite.

Mein Managing Director, der EmmDee, war zwar grundsätzlich anderer Meinung als ich, ob ich meines Urlaubs wirklich würdig sei. Aber ich zähle mich ruhigen Gewissens zu den rund 34 % aller deutschen Arbeitnehmenden, die überzeugt sind, dass sie deutlich mehr Urlaubstage bräuchten, als die Arbeitgebenden ihnen zustünden.

„Es ist mir ein Rätsel“, sagte Brad MacCloud vom Clan der MacClouds, mein scheinbar nimmermüdes und nur für mich hörbares MacBook Pro, „dass nicht noch mehr Menschen noch mehr Urlaub wollen.“

„Menschen, Maloche, Masochimus“, anlautreimte ich.

„Maximaler Match“, ergänzte Brad.

Meister der Feiertage

Ein Match, der hervorragend dokumentiert wurde. Aktuell waren digitale wie gedruckte Medien voll mit neuen Zahlen zur angeblich schönsten Zeit des Jahres. Die sich auch schön in exakten Tagen zählen ließ.

So verfügte jeder Bundesdeutsche im Schnitt über 28 Tage Urlaub, die er genehmigt fernab von Schreibtisch oder Fließband verbrachte (was ein und dasselbe für uns Agenturmenschen ist).

Dazu kamen bundesweit neun bezahlte Feiertage, in Bayern 13. Wer das Glück hatte, in der Schwabenmetropole Augsburg ansässig zu sein, konnte sogar 14 Feiertage zusätzlich in den Urlaubskalender eintragen.

„No oin Dag in Augschburg meh? An dem i au bloß Schwäbisch schwetza hör?“, fragte Brad. „Des wär’s mr ned wert.“

Das sollte wohl heißen, dass Brad gut auf einen Dienstort in Augsburg verzichten könne.

Kühle Kalkulatoren

Jedoch: Jeder einzelne freie Tag mehr war ein wichtiger Bestandteil jener Kalkulationen, die Arbeitnehmende meist schon früh im Jahr anstellten, mehr kühle Rechner als hochtalentierte Rechenkünstler. Wie bei einer Perlenkette reihten sie Urlaubs- und Brückentage aneinander, auf dass sie es locker von der Oster- bis in die Adventszeit schafften.

Sehr zum Leidwesen der Arbeitgebenden und der Kunden und Kundinnen, die entweder den Mangel an Einsatzbereitschaft oder den – wenn auch nur vorrübergehenden – Verlust ihres Ansprechpartners beklagten, auf den sie doch ein verbrieftes Anrecht hätten.

Sie ließen dabei völlig außer Acht, dass auch die Arbeit-, also die Urlaubnehmenden litten. Wie Hunde in der Sommerhitze eines südseitigen Großraumbüros, die sich hechelnd wiederum kaum von Herrchen und Frauchen bei der Urlaubsvorbereitung unterschieden.

Weil jeder einzelne Tag Absenz von der Arbeit, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde exakt im Voraus geplant werden musste.

Weswegen ich Urlaub hasste.

Buddy, übergeben Sie!

Untersuchungen zufolge sind zwischen zwei und fünf Stunden pro Projekt für eine saubere Urlaubsübergabe zu veranschlagen; die Studienangaben schwankten wie mein EmmDee nach einer erfolgreichen Award-Verleihung.

Meine erschöpfende Erfahrung bestätigte jedoch die Schätzung: Auf die vorurlaubliche Wochenarbeitszeit konnte man gut 50 Prozent und mehr draufpacken. Wobei es keine Rolle spielte, ob man auch im Urlaub Hand anlegte, an Dateien oder an Dokumente, nicht an Versuchungen unter südlicher Sonne oder an gekühlte Getränke in gefälligen Gestaden.

Was rund 48 % der bundesdeutschen Arbeitnehmenden gelegentlich und 13 % regelmäßig taten.

„Im Urlaub zu arbeiten, nicht sich zu vergnügen“, sagte Brad.

Gut und gerne, eigentlich weniger gerne, steckte jeder deutsche Arbeitnehmer pro Urlaubstag mindestens 1,3 Stunden in das, was er vor dem Urlaub nicht weggeschafft oder nicht rechtzeitig übergeben hatte. Je jünger, desto mehr Stunden pro Urlaubstag.

„Agenturmenschen werden da nicht mitgezählt“, sagte ich überzeugt. Denn wir würden, unabhängig vom Alter, die täglichen Stunden an Arbeit in der Auszeit signifikant erhöhen.

Und dass, obwohl wir wahre Künstler der kontrollierten Übergabe waren.

Für „The Art of Handover“ hatte sich im Laufe der Jahrzehnte ein Schema bewährt, das durchaus für den branchenübergreifenden Einsatz taugte:

  • Identifiziere anstehende Aufgaben und wähle dann vor allem diejenigen, die du nicht gerne selbst machst!
  • Benenne einen Stellvertreter und einen Stellvertreter des Stellvertreters, falls der Stellvertreter im Urlaub ist! Wähle immer jene, die nicht schnell genug nein sagen können!
  • Verteile anstehende Aufgaben und takte Termine ein – stets nach dem Stellvertreterprinzip (siehe 2.)!
  • Verschiebe offene Fragen immer auf den konkreten Zeitraum „nach dem Urlaub“! Der Zeitraum zwischen Ende des einen Urlaubs und Beginn des nächsten ist konkret genug.
  • Dokumentiere die Übergabe schriftlich – inklusive aller Namen der Vertreterinnen und Vertreter. So verhinderst du, dass es hinterher Diskussionen über potenzielle Schuldige gibt.
  • Dreisprung, Dreisatz, kein To-do

    So gerüstet machte ich mich ans Werk, meine Gewerke zu übergeben. Was mir leichtfiel, da mir bald südliche Sonne, sanfte Wellen und starke Getränke winkten.

    Lang und Länger, unsere beiden Volontäre, von denen der eine immer lang und der andere immer länger arbeitete, bekamen schwere Kalkulationen, damit sie endlich lernten, dass ein Dreisatz kein Dreizeiler war.

    Ich erhöhte gezielt den auf ihnen lastenden Druck, zumindest hormonell, indem ich Lila Stiefelchen, unsere blonde wie blitzgescheite Praktikantin aus der Controlling-Abteilung zur Prüfung ihrer Berechnungen bestimmte.

    Dr. No, die prohibitiv veranlagte Assistentin unseres EmmDee, sollte sich mit großem Elan und positiver Energie an die Organisation unseres Sommerfestes machen, und an Qwertz, meinen Lieblings-Teamlead, vergab ich die interne Kommunikation des Agentur-Get-togethers unter dem gewinnenden Motto „Grill, Gemeinschaft, Gerstensaft“ – und damit auch das tagelange Ringen mit dem EmmDee um die richtigen Formulierungen für die Einladungs-E-Mail an die Gefolg-, äh, Belegschaft.

    Zufrieden betrachtete ich die geplante Übergabe, da spürte ich einen Schlag auf meiner Schulter noch bevor ich den dumpfen Schlag meiner Bürotür an die Wand hörte.

    Der EmmDee war in mein Büro gestürmt.

    „Ich bin jetzt mal weg“, dröhnte er in mein Ohr. Und hieb mir nochmal auf die Schulter, schmerzhaftes Zeichen seines Vertrauens.

    „Zwei Wochen, Müller, die wirst du ohne mich auskommen. Es gibt eh kein To-do.“

    Mir gefror das Blut in den Adern.

    Verflucht, wer bleibt

    Nicht etwa, weil mein EmmDee einer der wenigen in unserer Agentur war, der einzige gar, der sich nicht an die ewigen Regeln der Übergabe hielt.

    Oder weil er sich ebenso wenig an die ebenso ewige Regel hielt, dass jeder, ausnahmslos jeder in unserer Agentur seinen Urlaub anzukündigen und im Falle einer Genehmigung einzutragen hatte, in dem für jedermann einsehbaren digitalen Abwesenheitskalender.

    Die Genehmigung erteilte der EmmDee sich selbst, und er enthob sich wohl auch selbst von der Pflicht des Eintragens und Ankündigens.

    Was ich unter Berücksichtigung der innerbetrieblichen Hierarchie gerade noch hinnehmen konnte.

    Aber „Kein To-do“?

    „Kein To-do“ entfaltete eine wüste Wirkung.

    „Kein To-do“ zog fatale Folgen nach sich.

    „Kein To-do“ war ein böser Zauberspruch, ein Fluch, den der in den Urlaub Enteilende über die Zurückbleibenden verhängte.

    Alles, was mit „Kein To-do“ verbunden war, führte unweigerlich zum größtmöglich vorstellbaren Arbeitsaufwand.

    Getroffene Entscheidungen wurden revidiert, verhandelte Verträge blieben ohne Unterschrift, freigegebene Projekte mussten von Grund auf überarbeitet werden, abgestimmte Arbeitsabläufe wurden um mehrere Schleifen erweitert, rekursive, nicht endende Schleifen, selbstverständlich.

    Aus locker zu lösenden Lappalien wurden kaum zu kontrollierende Katastrophen.

    Selbst wenn sich der EmmDee zum Abschied in die Auszeit nur auf die als Chefsache eingestuften Projekte bezog, aus denen wir ihn trotz vereinter Kräfte nicht heraushalten konnten, würde sein „Kein To-do“ unweigerlich zu Krisensituationen führen.

    Darum hasste ich Urlaube.

    Auf, auf und davon!

    Ich atmete tief durch.

    „Was machen wir jetzt?“, fragte ich meinen treuen Gefährten Brad MacCloud, in der Hoffnung, dass ihm ein Bannspruch für die nahende Notlage einfiele.

    Keine Antwort.

    „Hallo?“, fragte ich, und mit mehr Nachdruck noch einmal: „Was machen wir jetzt?“

    Ich tippte an Brads Bildschirm.

    Nichts.

    „Hallooooo?“

    „Ich weiß ja nicht, was Du jetzt machst“, sagte Brad plötzlich. Er wirkte gehetzt, sein Kameraauge glühte. „Aber ich plane jetzt meinen Urlaub. Für dich ist da kein …!“

    „Sag’s nicht“, unterbrach ich ihn noch rechtzeitig. Mir reiche schon der EmmDee, sagte ich, der seine komplette Arbeitslast zu meinem Armageddon machte.

    „Dann weißt Du, wie es mir meist geht“, antwortete Brad.

    Er erbat sich sofortigen Dispens, denn er müsse wirklich nun seinen Urlaub vorbereiten, das bedürfe diesmal besonderer Umsicht und viel Feingefühl, weil er nicht allein unterwegs sein werde.

    Ich fragte, ob es etwas Festes sei. Doch das hörte er schon nicht mehr.

    Brad war weg, aufgebrochen in die Weiten des World Wide Webs.

    Einsam, wie ich zurückblieb, holte ich mir einen „Il Solitario“ aus unserer Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens. Dann legte ich los.

    Ich korrigierte zuerst meinen – im Abwesenheitskalender eingetragenen – Urlaub so, dass er sich um zwei Tage mit dem Urlaub des EmmDee überschnitt.

    Etwas mehr Abstand voneinander würde ihm und mir guttun.

    Dann krempelte ich meine sorgsam ausgefeilte Übergabe um, strich die liebevoll mit Verantwortung bedachten Kolleginnen und Kollegen von meiner Liste, ersetzte sie durch den Namen des EmmDee, und ergänzte um die vollständige Liste aller Chefsache-Projekte.

    Schließlich setzte ich, gefettet, in doppelter Schriftgröße darunter: „Kein To-do.“

    Ach, wieviel Zauber liegt in diesen Worten.

    Ich glaube, ich beginne Urlaube zu lieben.

    Eine Zahl geht noch: Aktuellen Internetrecherchen zufolge benötigt ein Urlaubsantrag in Deutschland 75 Tage bis zur Genehmigung.

    Es ist also genügend Zeit, um die Übergabe von Projekten gründlich vorzubereiten.

    ✓ Abonniert

    #Agenturleben #Agenturmensch #Agentursatire #Antrag #Auszeit #Übergabe #BradMacCloud #Brückentag #BuddyMüller #ContentMarketing #CorporatePublishing #Delegieren #EmmDee #Fenstertag #Ferien #Freiheit #Freizeit #Kalkulation #Mehrarbeit #Qwertz #Storytelling #Task #Todo #Urlaub #Urlaubstag #Urlaubszeit

    Courts Are Coming for #DigitalLibraries

    A federal court recently said the #InternetArchive is not protected by #FairUseDoctrine.

    C.J. Ciaramella | From the December 2024 issue

    "In September, a federal appeals court dealt a major blow to the Internet Archive—one of the largest online repositories of #FreeBooks, media, and software—in a #copyright case with significant implications for #publishers, #libraries, and #readers.

    "The U.S. Court of Appeals for the 2nd Circuit upheld a lower court ruling that found the Internet Archive's huge, digitized lending library of copyrighted books was
not covered by the 'fair use' doctrine and infringed on the rights of publishers.

    "Agreeing with the Archive's interpretation of fair use 'would significantly narrow—if not entirely eviscerate—copyright owners' exclusive right to prepare derivative works,' the 2nd Circuit ruled. 'Were we to approve [Internet Archive's] use of the works, there would be little reason for consumers or libraries to pay publishers for content they could access for free.'"

    https://reason.com/2024/11/10/courts-are-coming-for-digital-libraries/

    #OpenLibraries #Libraries #PublicDomain #DigitalArchives #WaybackMachine #ILoveInternetArchive #MemoryHole #VanishingCulture #CulturePreservation #DigitalPreservation #DigitalLibraries #CorporatePublishing #BigPublishing #PublishingMonopolies

    Federal Courts Are Cracking Down on the Internet Archive

    A federal court recently said the Internet Archive is not protected by fair use doctrine.

    Reason.com
    Strange publishing landscape, where Bomb mag's list of "small press" books includes selections from presses funded by the Koch family and a Chinese conglomerate. But I guess if a US press isn't owned by the Big 5 it magically becomes a small press, with all the aura that term confers? https://bombmagazine.org/articles/2022-small-press-gift-guide/ #smallpress #corporatepublishing #Grrrr #bombmagazine
    BOMB Magazine | 2022 Small Press Gift Guide

    BOMB's big gift guide of small press books for almost anyone on your list.

    BOMB Magazine

    Heute Start der Blockwoche an der Hochschule Ansbach, wo @riedlmarkus und ich den wissbegierigen Studierenden etwas über #CorporatePublishing und #socialmedia erzählen.

    Erstes Feedback "wir sind froh, dass @totalbelanglos nicht dabei ist. Ansonsten bassd's"