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Managed to put this high score in the Dr. No pinball table, that has a broken ramp!
This is somehow my best of all time, and the second best of this machine too, out of everyone who played it (unless they delete high scores after a while)! 
I'm not even sure how I scored that much lol but that got me 2 free games, one for scoring high and another for being high score 1! so that's cool!

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#folge50 #DemJubilar

Buddy MĂŒller erfĂ€hrt fĂŒr sein langjĂ€hriges Wirken in der weltweit fĂŒhrendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands endlich eine WĂŒrdigung – durch seinen Boss. Der hĂ€lt eine Lobrede. Und was fĂŒr eine.

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Die Eiche ist des Deutschen gesuchtestes GewĂ€chs der Geselligkeit. Schon die alten Germanen schlĂŒrften im Schatten ausladender Kronen ihren Met; Haufen von RevolutionĂ€ren schĂ€tzten die StĂ€rke der Äste, wenn Adelige daran baumelten; Romantiker ritzten die Rinden mit den Namen ihrer Geliebten, denen sie unterm Wipfelrauschen beiwohnten.

Die deutsche Eiche, grĂŒner Baldachin fĂŒrs Vereinigen und fĂŒr Vereinigungen, schĂŒtzender Ort des zusammen Kommens und Zusammenkommens – bis auf den heutigen Tag hatte sie nichts von ihrer Symbolkraft verloren.

„Von ihrer Form allerdings schon“, sagte mein treues Notebook Brad MacCloud vom Clan der MacClouds.

Pult und Puls

Neulich, zum Monthly Agency Stand-up, der Vollversammlung unserer Agentur, der weltweit fĂŒhrendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands, hatten unsere beiden VolontĂ€re Lang und LĂ€nger ein Pult aus dem Keller hochgeschleppt, ein schweres, altehrwĂŒrdiges Eichenmöbel, fĂŒr dessen Transport sie etwas lĂ€nger als lang brauchten.

Der EmmDee, unser Managing Director, trat – wie immer zu spĂ€t – an den Konferenzkatheder, in majestĂ€tischer Selbstsicherheit, wĂ€hrend die beiden VolontĂ€re sich rechts und links vom Rednerholz aufbauten und den EmmDee in jugendlichem Kontrast flankierten.

Wir Mitarbeitenden ertrugen untertĂ€nigst die VerspĂ€tung. StandortĂŒbergreifend waren wir in gespannter Erwartung um Stehtische vereint und auf Monitoren zugeschaltet, wie man es von uns stets erwartete, wenn große und weniger große Strategien verkĂŒndet werden sollten.

Der EmmDee stieß mehrere DIN-A-4-BlĂ€tter – eine Demonstration seiner vollumfassenden Vorbereitung – in seinen HĂ€nden zusammen und sagte dann laut, klar und feierlich: „MĂ€nner der Stunde!“

Und schob sogleich nach: „Frauen der Stundinnen!“

Augen rollten, Blicke schweiften, von Fremdscham getrieben, vor Ort und im virtuellen Raum herum.

Der EmmDee begann unbeirrt: „Es ist mir eine große, sehr große, die grĂ¶ĂŸte Freude, heute einen unserer besten Mitarbeiter zu ehren, also, lobend zu erwĂ€hnen, einen der lĂ€ngsten und vielseitigsten, einen, der in schwierigsten Situationen ruhig Blut bewahrt und Kunden immer im Griff hat.“

Kurz pausierte der EmmDee, genoss sichtlich das Ansteigen der Spannung.

„Nein, nicht mich“, sagte er, obwohl er selbst es sicher auch verdient habe, natĂŒrlich, Chef wĂŒrde man ja nicht umsonst. „Sondern dich: Buddy MĂŒller.“

„Oh, oh. Spannend“, sagte Brad MacCloud, nur fĂŒr mich hörbar, auf dem Stehtisch vor mir.

Alle Blicke richteten sich auf mich.

Auch jene Kolleginnen und Kollegen, die per Teams zugeschaltet waren, hörten schlagartig auf, ihre E-Mails abzuarbeiten.

Meine Gesichtsfarbe nahm die Tönung eines Sonnenuntergangs am MĂŒnchner Fönhimmel an.

Mir war sehr nach einem Sundowner.

„Soll ich einen Tisch reservieren?“, fragte mich Brad MacCloud. „Du siehst aus, als könntest Du einen Drink vertragen.“

FĂŒnfzig im Kalender

Der EmmDee indes blickte mich an und sagte: „Ja. Du. Buddy MĂŒller.“

Er könne es auch kaum glauben, aber Dr. No, seine prohibitiv veranlagte Assistentin, habe in seinem Kalender eine 50 eingetragen und meinen Namen dahinter gesetzt, weswegen er davon ausgehe, dass es einen Grund gÀbe, warum er heute Abend einen Barolo öffnen könne.

„Der erste Schluck geht dann auf dein Wohl, MĂŒller.“

Symbolisch griff er zum Wasserglas, nahm vor dem Mikro einen tiefen Schluck, der ĂŒber alle Standorte hinweg echote.

„Lasst mich etwas ausholen, Kollegen“, sagte der EmmDee.

„Und Kolleginnen“, soufflierten Lang und LĂ€nger von links und rechts.

„Meinetwegen, Kollegen und Kolleginnen, ihr wisst, die Zahl 50 ist eine besondere Zahl, bestehend aus zwei Ziffern, einer fĂŒnf und einer Null, keine Anspielung, MĂŒller, zu Dir komme ich gleich.“

Die 50 habe eine zigtausend Jahre lange Bedeutung, so der EmmDee. „Die Esoteriker unter euch, die mit dem Rosenquarz auf dem Flachbildschirm, die wissen, dass die 50 fĂŒr Freude, Zufriedenheit und ErfĂŒllung steht. FĂŒr alles, was der Job euch hier gibt.“

„FĂŒr Wohlstand steht die 50 jedenfalls nicht“, sagte Brad MacCloud.

In der Bibel, so der EmmDee weiter, symbolisiere die 50 Befreiung und einen Neuanfang. Bei den alten Chinesen werde sie oft mit Erfolg durch Intelligenz und Kommunikation assoziiert, womit er dann doch wieder zu mir, Buddy MĂŒller, komme, zumindest was die Kommunikation betreffe.

FĂŒr Erfolg und Intelligenz sorge ja er, der EmmDee, gepaart mit reichlich Erfahrung, schließlich sei er ja nicht seit fĂŒnf, nicht seit 50, sondern seit gefĂŒhlten 500 Jahren im AgenturgeschĂ€ft mit den Inhalten. Historisch gesehen, hĂ€tten die die alten Fugger mit ihren Hausmitteilungen den Boden fĂŒrs Corporate Publishing bereitet, doch sein Verdienst, sein großer Verdienst, sei es, das großartige Content Business zu dem gemacht zu haben, was es heute hierzulande, europaweit, nein, weltweit darstelle.

„Das ist ein großes Business, ein sehr großes“, sagte der EmmDee. „Das grĂ¶ĂŸte Business ĂŒberhaupt.“

„An wen erinnert er mich bloß?“, fragte ich gedĂ€mpft.

„An eine Orange?“, fragte Brad MacCloud zurĂŒck. „HĂ€tte er sein Notebook dabei, könnte ich ihm die Haut abziehen!“

Ich bedankte mich leise fĂŒr seinen Beistand.

Lang und LÀnger rÀusperten sich.

Doch sie meinten nicht mich. Der EmmDee warf ihnen einen scharfen Blick zu.

„Ich schweife wohl ab“, sagte er. „Dabei schadet euch ein bisschen Geschichte sicher nicht.“

SchĂŒler, Muster, Übersetzer

„Bei dieser Erfahrung, meiner großen Erfahrung, da erkennt man, also, ich erkenne sofort, wenn jemand das Zeug zum SchĂŒler hat“, kehrte der EmmDee, wohlwollend in meine Richtung nickend, wieder zum Kernthema zurĂŒck.

„Sogar das Zeug zum MusterschĂŒler. Ich bin das Muster, er der SchĂŒler. Das macht es ihm einfach, mir nachzuleben und nachzueifern, da könnt ihr euch alle mal ein Beispiel nehmen.“

Ich, Buddy MĂŒller, sei nicht nur lernfĂ€hig, nein, auch innovativ, wobei ich meine Ideen immer ein paar Tage reifen ließe, damit ihre Ähnlichkeit mit seinen Ideen, seinen großen, großartigen Ideen, nicht sofort auffiele.

Aber das sei schon in Ordnung, sagte der EmmDee gönnerhaft, sogar vorteilhaft, denn so könne ich tagtĂ€glich meine Teamorientierung unter Beweis stellen, und den Teams seine Visionen so ĂŒbersetzen, dass selbst die kreativsten Chaoten in der Agentur sie verstĂŒnden.

Lila Stiefelchen und die Art Diktatorin lĂ€chelten sich zu, denn sie waren wohl nicht gemeint. Sogar Dr. No ließ sich zu einem zustimmenden Nicken hinreißen.

Das Mienenspiel meines Lieblings-Teamleads Qwertz und des Art Diktators ließ indes vermuten, dass beide im Geiste einen Mittelfinger formten.

„Und Chaotinnen“, raunten Lang und LĂ€nger.

„Und Chaotinnen!“, sagte der EmmDee laut.

Lila Stiefelchen und die Art Diktatorin blickten wĂŒtend in Richtung Rednerpult, Dr. No ließ ein scharfes „Nein!“ hören.

Auf den Gesichtern von Qwertz und dem Art Diktator zeigte sich ein zunehmend breites Grinsen.

Der EmmDee wedelte mit seinem Manuskript die Unterbrechung beiseite.

Er sei froh, in mir, Buddy MĂŒller, dem Senior Project Supervisor, einen Übersetzer seiner Ideen zu wissen, einen treuen Team- wie kompetenten KundenflĂŒsterer. Und er freue sich immer, wenn er talentierte Kollegen und Kolleginnen lange, sehr lange, gefĂŒhlt fĂŒr immer, auf der Position halten könne, auf der sie gerade waren.

Das hielte sie aufstiegsorientiert.

Die einzige Orientierung, die ich gerade suchte, war ein Weg nach draußen. Ich wollte irgendwo sein. Hauptsache weg, weit weg.

„Ich reserviere jetzt einen Tisch“, sagte Brad MacCloud.

Potenzial bei Fehlern

Ein Aufstieg, noch dazu hier, in seiner Agentur, schwadronierte der EmmDee, das sei den wenigsten außer ihm selbst vergönnt.

„Weißt Du, MĂŒller, Fehler machen und sich irren, das ist allzu menschlich.“ Doch erst es anderen in die Schuhe zu schieben, das zeige echte FĂŒhrungsqualitĂ€t.

Der EmmDee blickte reihum: „Hier hat er noch enormes Potenzial, unser Buddy.“

„Das war ein Kompliment“, ĂŒbersetzte mir Brad.

„Ist jetzt auch schon fĂŒr den 
“, sagte ich leise.

„Jetzt hör mir endlich mal zu“, unterbrach mich der EmmDee donnernd, „und hör auf, mit deiner dĂ€mlichen Kiste zu quatschen.“ WofĂŒr ich ihm ohnehin noch nie Danke gesagt hĂ€tte, denn, wenn er mich nicht an die neueste Technik herangefĂŒhrt hĂ€tte, wĂŒrde ich heute noch Bleistifte spitzen.

Brads blaues Kameraauge wechselte in ein wĂŒtendes Rot. „Man trifft sich immer zweimal“, sagte er leise.

Gnade im Gehörgang

„Ich glaube“, sagte der EmmDee, „ich muss jetzt wohl mal langsam zum Schluss kommen 
“

Lang und LÀnger nickten neben dem Pult, der eine lang, der andere lÀnger.

„
 nicht ohne MĂŒllers große, grĂ¶ĂŸte, großartige Erfolge zu nennen“, fuhr der EmmDee fort.

Er habe lange in den Agenturannalen gekramt, bis er dann doch keine gefunden habe. Im Unterschied zu seinen eigenen, diese Erfolge habe er schnell parat, auf die wolle er nur kurz verweisen, der Vorbildfunktion wegen, als Beispiel dafĂŒr, dass keine Situation ausweglos genug sei, um aufzugeben 


Ich zwang mich, an etwas wirklich Schönes zu denken, an etwas wirklich Wichtiges, etwa, sich einen „Crema Vendetta“ aus unserer SiebtrĂ€germaschine im Wert eines Kleinwagens zu zaubern, ihn im Kreise der Lieblingskollegen zu genießen, sich zum Sport oder auf ein Bier oder zu beidem zu verabreden, und das Agenturleben Agenturleben, Kunden Kunden und Chefs Chefs sein zu lassen.

So schön.

Worte erreichten mein Trommelfell nicht mehr, wÀhrend mein Geist im Kaffeedunst schwelgte und meine Wangen wieder AgenturblÀsse annahmen.

Ich bekam kaum mit, wie der EmmDee tatsÀchlich zum Schluss kam.

Eine Stunde spÀter.

Nicht ohne vorher noch einen Blick auf die große, sehr große, großartige Zukunft geworfen zu haben, die mir mit geringer Wahrscheinlichkeit noch bevorstĂŒnde – allein aufgrund meiner Bereitschaft, seine Visionen zu verstehen, umzusetzen und gleichzeitig als Puffer zwischen seiner GenialitĂ€t und dem Widerstand der Mitarbeiter zu fungieren.

Lang und LĂ€nger setzten an: „Und Mimimi 
“, doch der EmmDee gebot ihnen mit einer scharfen Geste zu schweigen.

Dann sagte er: „UnglĂ€ubiges Staunen bei Kunden, unbedingte LoyalitĂ€t und unermĂŒdlicher Einsatz – das ist alles, was ich mir von Dir wĂŒnsche, MĂŒller!“

Tja. Nicht mehr heute, dachte ich mir.

Tisch und Tannine

Brad MacClouds Voraussicht war es zu verdanken, dass ein Tisch auf uns wartete, in der Kneipe ums Eck, in der wir schon viele gewonnene und noch viel mehr verlorene Pitches begossen hatten, immer der LĂ€nge nach, von dem einen Ende der Bar zum anderen.

Ich gab einen aus, nach Agenturschluss, klar. Qwertz, Lila Stiefelchen, Dr. No, Lang und LĂ€nger, alle kamen zur Nachbesprechung des eben Gehörten oder was auch immer auf der Spesenrechnung gut aussehen wĂŒrde.

Den Art Diktator und die Art Diktatorin schalteten wir von ihrem Home-Office aus zu, sie hatten sich schon einen beschirmten Cocktail gemixt, wĂ€hrend Brad MacCloud seine KapazitĂ€ten nicht nur dem Kneipen-WLAN zur VerfĂŒgung stellte, sondern auch den ausreichend vorhandenen Notebooksen in den Aktentaschen an den Tischen um uns herum.

Nur, irgendwie hatte ich vergessen, den EmmDee einzuladen.

Schade, irgendwie.

Irgendwo saß er allein vor seiner Flasche Barolo. Einer großen Flasche. Einer sehr großen Flasche, sicher die großartigste, die jemals abgefĂŒllt wurde.

Mit typischen Tanninen.

Aus einem Eichenfass.

Unter dem Pseudonym „Peter Panther“ veröffentlichte Kurt Tucholsky 1930 die „RatschlĂ€ge fĂŒr einen schlechten Redner“.

Der satirische Schriftsteller hĂ€tte am EmmDee seine wahre Freude gehabt. Denn dieser befolgt Tucholskys RatschlĂ€ge nahezu Wort fĂŒr Wort. Womit er unter FĂŒhrungskrĂ€ften und Politikern in guter Gesellschaft ist.

PS: Wie Buddy MĂŒller vor 50 Folgen startete, liest die geneigte Leserin und der wohlmeinende Leser hier. Der Autor sagt besonderen Dank allen Freundinnen und Freunden der ersten Stunde fĂŒr Treue, Austausch, Inspiration und Geduld mit ihm!

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#Agenturleben #Agenturmenschen #Agentursatire #BradMacCloud #BuddyMĂŒller #ContentMarketing #CorporatePublishing #DrNo #Eiche #EmmDee #Feier #Folge50 #Jubilar #JubilĂ€um #Lobrede #Mitarbeiterversammlung #Pult #Rede #Storytelling #WĂŒrdigung
Movie TV Tech Geeks #Movie #JamesBond #DrNo #TomorrowNeverDies These 5 James Bond Movies Aren't Considered Top-Tier (but They Deserve to Be) http://dlvr.it/TQ0wJJ
"Nobody Does It Better" is a #powerBallad and the #themeSong for the #JamesBondFilm #TheSpyWhoLovedMe (1977). Composed by #MarvinHamlisch with lyrics by #CaroleBayerSager, the song was produced by #RichardPerry and performed by #CarlySimon. It was the first Bond theme song to be titled differently from the name of the film since #DrNo (1962), although the phrase "the spy who loved me" is included in the lyrics.
https://www.youtube.com/watch?v=uWWwKDttHnM
Nobody Does It Better

YouTube

#folge49 #DieVierJahreszeiten

Was manche Kunden wirklich gut können: Agenturen warten lassen. Als wÀre es ein Naturgesetz, gehört das auf die Folter spannen bei Zu- oder Absagen zu nahezu allen Ausschreibungen. Oft Monate lang. Das macht was mit den Agenturmenschen.

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Wir Agenturmenschen haben eine Vielzahl an Eigenschaften. Wir sind dienstbeflissen. Wir sind devot. Wir sind zu allem bereit und, natĂŒrlich, zu allem in der Lage. Wir wissen, was unsere Arbeit wert ist, auf Heller und Pfennig, auf Euro und Cent, in allen WĂ€hrungen, wenn gefordert – nur nicht, wenn der GeschĂ€ftsfĂŒhrer zum PersonalgesprĂ€ch bittet oder ein Kunde uns seinen Einkauf ins Haus schickt.

Wir sind eben Dienstleister.

Wir sind patent, wir sind potent, wir sind promisk. Wir sind trinkfest. Wir sind gesellig – ohne Unterschied, ob es wahre Freundschaft oder ob es potenzielle Kundschaft ist.

Was wir nicht sind: geduldig.

Wie die Zeit vergeht

Wir saßen einmal mehr in unserem glĂ€sernen War Room, Qwertz, mein Lieblings-Teamlead, und ich, Buddy MĂŒller, Senior Project Supervisor der weltweit grĂ¶ĂŸten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.

„So schnell“, seufzte ich, „ist die Zeit vergangen.“

Es war Herbst.

Draußen wie drinnen gilbten und fielen die BlĂ€tter, draußen von den BĂ€umen, drinnen von den WĂ€nden und Flipcharts. Alles beugte sich dem Diktat der Alterung und der Schwerkraft.

„Es ist fast Winter“, meldete sich Brad MacCloud vom Clan der MacClouds zu Wort.

Es seien nicht mehr viele BlĂ€tter an den BĂ€umen, sagte mein nur fĂŒr mich hörbares MacBook Pro, und bot sich an, die verbliebenen Wedel und Nadeln und sonstigen AstauswĂŒchse in unserem Stadtviertel, gerne auch in ganz MĂŒnchen, zu zĂ€hlen. Nur so, zum Zeitvertreib, das wĂŒrde ihn ablenken und seine CPU nicht mal zu einem Bruchteil auslasten.

„Passt schon“, murmelte ich, lehnte sein Angebot ab. Ich nickte hinĂŒber zum wandfĂŒllenden Monitor. „Da tut sich sicher gleich was.“

„Wird auch Zeit“, sagte Brad.

Ein schlagkrĂ€ftiges Team unserer Agentur, jedes Gewerk, jeder Standort mit den besten Köpfen vertreten, das hatten wir auf den potenziellen Auftrag des weltweit grĂ¶ĂŸten Entscheidungsbremsscheibenbelagherstellers Deutschlands angesetzt.

Über viele Jahrzehnte hinweg hatte dieses außerordentlich dynamische Unternehmen vom ungebremsten Wachstum der Verantwortungsdiffusion in deutschen Unternehmen prosperiert. Das drohende Wegbrechen der Stammklientel als Folge der Wirtschaftskrise zwang das Traditionsunternehmen nun nachzudenken ĂŒber neue, nie gekannte Wege in Marketing und Vertrieb, um seine Hauptabnehmer in den doppelten und dreifachen Strukturen auf Management- und mittleren FĂŒhrungsebenen zu erreichen.

Als wir prĂ€sentierten, war es FrĂŒhling gewesen. Fast schon FrĂŒhling.

„Es war Januar, um genau zu sein“, korrigierte mich Brad. „Januar ist ein Wintermonat.“

Schwarzer Monitor und schwarzer Tee

Heute, nur ein paar Monate spÀter, sollte uns die Entscheidung bekannt gegeben werden.

„Noch bevor die Weihnachtsglocken lĂ€uten“, hatte neulich der ChefeinkĂ€ufer des Entscheidungsbremsscheibenbelagherstellers in einer seiner wenigen E-Mails verkĂŒndet.

PĂŒnktlich um elf Uhr sollte das Warten vorbei sein.

Zumindest war elf Uhr vereinbart.

Qwertz und ich starrten auf den Monitor an der Stirnseite unseres War Rooms, in der Hoffnung, dass ein Zucken, ein Flirren unseren heiß ersehnten GesprĂ€chspartner ankĂŒndigte.

ZunĂ€chst zuckte nur Qwertz, und zwar zusammen, als Dr. No, die prohibitiv veranlagte Assistentin unseres EmmDee, des Managing Directors, den Kopf zur GlastĂŒr hereinstreckte.

„Könnten Sie uns“, fragte ich schnell, „je einen Pazienza Doppio bringen?“

„Nein“, sagte Dr. No.

Wie zu erwarten gewesen war.

Sie ĂŒberraschte mich im gleichen Atemzug. „Da weiß ich was Besseres“, sagte sie. Sprach’s, verschwand und tauchte eine gute Viertelstunde spĂ€ter wieder auf.

In der der Monitor weiter dunkel blieb. Wie zu erwarten gewesen war.

Dr. No balancierte auf einem Tablett eine flache, gusseiserne Teekanne und schlichte Schalen aus ebenholzfarbiger Edelkeramik.

„Was ist das?“, fragte mich Qwertz und nickte in Richtung Dr. No.

„Interkollegiales Tauwetter?“, mutmaßte ich.

Ein starker, malzig-wĂŒrziger Duft durchzog unseren War Room, fĂŒllte ihn mit der Illusion von WĂ€rme und Geborgenheit.

„Assam“, erklĂ€rte Dr. No, „Very Special Spring Flush Superior.“ Denn, sagte sie, jetzt wĂŒrde nur eines helfen: „Abwarten und Tee trinken.“

Mit Langmut kalkuliert

Also warteten wir und tranken und warteten und tranken.

Bis Lila Stiefelchen, unsere blonde wie blitzgescheite Praktikantin aus der Controlling-Abteilung, hereinstöckelte. Ihr X-large-Kaugummi wanderte von links nach rechts und zurĂŒck; in ihrer Rechten ließ sie lĂ€ssig ein hohes, dickwandiges Glas kreisen.

Die zĂ€he, grĂŒne FlĂŒssigkeit darin wehrte sich mit Erfolg gegen die Zentrifugalkraft.

„Das ist ein Buff Bitch“, erklĂ€rte sie, ein frisch geschĂ€umter Summer Avocado Spice Protein Plus Latte Macchiato, eine Mixtur, die ihr von ihrem Mixed Martial Arts Chief Instructor gemischt worden war. Er wĂŒrde stĂ€rken und beruhigen, der Drink wie der Instructor.

Lila Stiefelchen ließ sich am Tisch nieder.

„Ready when you are“, sagte sie.

Qwertz riskierte schmachtende Blicke, ob er an ihr positive Resultate des Protein-Shakes entdecken konnte.

„Langmut ist die FĂ€higkeit, mit unerfĂŒllten SehnsĂŒchten zu leben“, kommentierte Brad MacCloud.

Auch ich warf schmachtende Blicke, allerdings auf andere Resultate: auf den Stapel ausgedruckter Excel-Sheets vor Lila Stiefelchen, gut und gerne ein paar hundert Blatt hoch, die die Kalkulationsgeschichte dieser Ausschreibung wiedergaben.

Lila Stiefelchen hatte ihrerseits bewundernswerten Langmut bewiesen.

Der Ausdruck obenauf war die jĂŒngste Variation ungezĂ€hlter Rechnungen, der Ausgang eines minutiös choreografierten Hin und Her zwischen uns und dem Kunden, das Angebot gewordene Potenzial von „hier ein Prozentchen, dort ein Promillchen“. Die finalen Zahlen verhießen viel Auslastung und mĂ€ĂŸigen Umsatz fĂŒr die Agentur, und eine Rendite, die vom nĂ€chsten GeschĂ€ftsessen mit dem Kunden aufgebraucht wĂŒrde.

Zum Anfassen

Nach und nach fĂŒllte sich unser War Room mit weiteren Pitchteilnehmern. Dabei war es schon gut elf Uhr durch – wer sich nicht zeigte, war der Vertreter unseres Objekts der wirtschaftlichen Begierde.

Der Monitor blieb dunkel.

Der Art Diktator und die Art Diktatorin, die fĂŒr diesen entscheidenden Pitch sogar ihr weit entferntes Homeoffice verlassen hatten, wuchteten ein paar Kilo schwarzer Pappen auf den Tisch, jede mit EntwĂŒrfen beklebt, einmal evolutionĂ€r und einmal revolutionĂ€r, sowie die Überarbeitungen und die Überarbeitungen der Überarbeitungen.

Alles Extrameilen, die zu gehen der potenzielle Kunde im Laufe der Monate verlangt hatte.

Die Kolleg*innen vom UX-Design, gleichmĂŒtig, bleichgesichtig, die dĂŒrren Gestelle in androgyne, olivfarbene Pullis gehĂŒllt, legten stöhnend noch ein paar Kilo Pappen obendrauf – ihre EntwĂŒrfe zu den digitalen Welten, die der Entscheidungsbremsscheibenbelaghersteller fĂŒr sich entdecken sollte.

Magazinseiten und Newsletter, intern wie extern, Logos, Visuals, CI, CD, Kampagnenkonzepte und PostvorschlĂ€ge fĂŒr fĂŒnf KanĂ€le sowie die zugehörigen Bildsprachen – die Ausschreibung hatte uns durch die Monate getrieben, denn mit jeder Nachfrage des potenziellen Kunden legten wir nach, einmal, zweimal, dreimal, um die aus uns nicht genannten GrĂŒnden ausstehende Entscheidung zu unseren Gunsten zu beeinflussen.

„Alles ausgedruckt“, sagten der Art Diktator und die Art Diktatorin unisono und klopften auf die Pappen. „Wegen der Haptik!“ Denn was man anfassen könne, sehe auch gleich viel besser aus.

„Das meint mein Mixed Martial Arts Chief Instructor auch immer“, sagte Lila Stiefelchen.

„Da lohnt sich das Warten wenigstens“, sagte Qwertz.

„Nein“, sagte Dr. No.

„Das habe ich gehört!“, sagte Lila Stiefelchen. „Alle beide!“

Winter is coming

„Auf mich lohnt sich das Warten immer!“ tönte es von der aufschwingenden GlastĂŒr her.

Ausschreibungen ĂŒben eine allseitige Anziehung aus. Auch auf unseren EmmDee.

Auf ihn besonders.

Er erschien im War Room, als Entourage die beiden VolontÀre Lang und LÀnger, von denen der eine lang warten konnte und der andere noch lÀnger.

„Unbezwinglich ist, wer warten kann“, schmetterte der EmmDee in die Runde.

„Das glaubt auch nur er“, kommentierte Brad im Stillen.

„Lass ihn doch“, murmelte ich. „Er hat ja sonst nichts.“

LĂ€nger meldete sich zu Wort: „Wenn ich dĂŒrfte, möchte ich gerne ein Bonmot anfĂŒgen, nur ein kurzes, aber ein zutreffendes“, sagte er, „von dem bedeutenden, nein, von dem bedeutendsten britischen Dichter, Dramatiker, Autor William Shakespeare, der seinen Othello im 2. Akt die hier passenden Worte sagen lĂ€sst: ‚Wie arm sind die, die nie Geduld besitzen.‘.“

„FĂŒr dich wĂ€re Heinrich IV. zielfĂŒhrender“, sagte Lang.

LĂ€nger schaute ihn fragend an.

„Ich sage wenig, denke desto mehr“, zitierte Lang.

LĂ€nger holte tief Luft zum Gegenschlag.

„Schluss jetzt“, ging der EmmDee dazwischen. „Frauen und Suppen soll man nie warten lassen, sonst werden sie kalt.“ Das sei auch von Shakespeare, das gelte ebenso fĂŒr Kunden und fĂŒr VolontĂ€re allemal. „Also aufgepasst! Damit ihr was lernt.“

Immerhin, fuhr er fort, sei es fĂŒr die beiden Novizen eine perfekte Gelegenheit, den Abschluss eines dreistufigen Pitchs zu erleben. Marktscreening, Chemistry-Treffen, Kreativaufgabe – alles wie aus dem Lehrbuch.

Wobei er, der erfahrene EmmDee, sich schon frage, wer hier nicht bis drei zÀhlen könne. Denn PrÀsentation, Kalkulation und Verhandlung begleiteten ja die drei Stufen, inklusive mehrerer Schleifen, weswegen man auf drei mal drei Stufen kommen könne. Mindestens.

„Deren AbstĂ€nde mit erratisch gewĂ€hlten Zeitintervallen kombiniert werden“, sagte ich.

„Die in monotone Ansagen mĂŒnden“, ergĂ€nzte Qwertz. „Etwa: ‚Bitte gedulden Sie sich. Wir haben keine offenen Fragen mehr. Wir sind noch in der Entscheidungsfindung.‘“

Nipp. Nipp.

Da ging ein rhythmisches Rauschen ĂŒber den Wandbildschirm, statische Schneewehen ĂŒberzogen ihn, bis sie sich lichteten und, begleitet von vermeintlich sympathischen Teams-Klingeltönen, den Blick auf den ChefeinkĂ€ufer des weltweit fĂŒhrendsten Entscheidungsbremsscheibenbelagherstellers Deutschlands freigaben.

Er grĂŒĂŸte, etwas umstĂ€ndlich, sein Blick schweifte unstet ab zu den fĂŒnf, sechs dampfenden Kaffeetassen vor ihm, alle mit historischen Logos des Traditionsunternehmens. Er nippte unentschlossen mal an der einen, dann an der anderen, und sagte schließlich: „Ich will es kurz machen. Nipp, nipp. Ich will Sie nicht lĂ€nger auf die Folter spannen als nötig!“

Ein erwartungsvoller Klangteppich durchzog unseren War Room, gewoben aus den Hoffnungen von monatelangem Warten, gesponnen aus den Ideen der zahllosen Überarbeitungen, geknĂŒpft mit den Kalkulationen der ungezĂ€hlten Verhandlungsrunden.

Wir starrten gebannt auf die Lippen des ChefeinkÀufers, die mit geringem Zeitversatz die Worte vorformten, bevor wir sie hörten.

Sekundenbruchteile wurde zu Jahrzehnten.

Das mĂŒsse er dann aber schon noch vorneweg erzĂ€hlen, so der ChefeinkĂ€ufer, was ihm besonders gut an unserer Arbeit gefallen habe, so viel Zeit sei doch sicher, oder? Was ihn nĂ€mlich ĂŒberaus angesprochen habe: „Dass Sie die ZeitplĂ€ne mit Vivaldis ‚Vier Jahreszeiten‘ prĂ€sentiert haben. Sehr originell, sehr gelungen.“

Was eine eher phonetisch-prophetische Anspielung auf den zeitlichen Ablauf des Pitchs gewesen war.

„Aber“, sagte der ChefeinkĂ€ufer, „Nipp, nipp, wir mussten uns entscheiden.“ Er versichere, man habe es sich nicht leicht gemacht, schon gar als Entscheidungsbremsscheibenbelaghersteller sei man in einer besonderen Verantwortung.

Sein Blick hĂŒpfte zwischen den fĂŒnf, sechs historischen Tassen hin und her. Nipp, nipp.

„Wir haben die Entscheidung geschoben“, sagte er schließlich. „In den Sommer im kommenden Jahr.“

Unser Klangteppich schwoll an, aus der Hoffnung wurde UnglĂ€ubigkeit, dann Fassungslosigkeit, die sich in unschönen Worten bahnbrach, mit Unmut, aber unmutig an die Gestalt im Monitor gerichtet. Unser EmmDee versuchte mit Fragen durchzudringen, auf der Suche nach GrĂŒnden.

Ohne Erfolg.

Nur Brad blieb ganz der kĂŒhle Rechner und formulierte eine wohl zutreffende EinschĂ€tzung der Zeitangabe: „Der Sommer, der ein Winter war.“

Und ich?

Ich traf einen Entschluss.

Ich musste raus, raus an die frische Luft. Den Kopf freikriegen. Spazieren gehen.

Es war Herbst, SpÀtherbst.

Fast Winter.

Ich beschloss, bis zum FrĂŒhjahr wieder da zu sein.

Buddy MĂŒller arbeitet derzeit an dem Buch „Zen in der Kunst des Wartens“. Die Vorbestellungen, allein aus dem Agenturumfeld, weisen darauf hin, dass es ein Bestseller wird.

Die Leserinnen und Leser werden allerdings noch ein bisschen darauf warten mĂŒssen.

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