#folge51 #VendorenWieWir

Buddy Müller ringt mit dem Endgegner eines jeden Verkäufers: Ein vollautomatisiertes Lieferantenportal stellt die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine auf eine harte Probe. Es sind nur Sekun…

Buddy Müller

#folge51 #VendorenWieWir

Buddy Müller ringt mit dem Endgegner eines jeden Verkäufers: Ein vollautomatisiertes Lieferantenportal stellt die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine auf eine harte Probe.

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Es sind nur Sekunden, drei bis vielleicht fünf, doch sie sind unbestritten der Höhepunkt zwischenmenschlicher Beziehungen. Ganz besonderer Beziehungen sogar: Der Handschlag unter Geschäftspartnerinnen und -partnern macht einen mündlichen Vertrag rechtlich bindend. Die Minutenbruchteile zur Vertragsbesiegelung gelten sogar weltweit und vermitteln, nicht selten beidseitig und meist im Moment der Ausführung, wahre Glücksgefühle.

„Wie bei allem Zwischenmenschlichen“, sinnierte ich vor mich hin, „ist auch hier der Blick- von einem Hautkontakt begleitet.“

„Hautkontakt? Igitt!“, meldete sich Brad MacCloud vom Clan der MacClouds, mein treues MacBook Pro, das zu hören nur mir vergönnt war – und das virtuelle Nähe der physischen offensichtlich vorzog.

„Ihr sauerstoffwechselnden Lebensformen könntet aus der Digitalisierung viel mehr Vorteile ziehen“, sagte Brad. „Wenn ihr etwa den Handschlag durch einen digitalen Haken in der AGB-Checkbox ersetzt, werden Milliarden hochansteckender Bakterien nicht ausgetauscht.“

Ich würde nur allzu gern viele Hände unserer Kunden schütteln, sagte ich, und mich ungeahnten Risiken aussetzen – sogar einem Vertragsabschluss –, doch die Hände und die daran hängenden Kunden wurden in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise immer weniger.

Im Grunde war es mir gleich, ob deutlicher Handschlag oder digitaler Haken, Hauptsache die Kunden waren gebunden.

„Das Digitale muss jedenfalls funktionieren“, fügte ich an, „und nicht uns Menschen zusammenbrechen lassen.“

Grüße aus Vendor

Weniger um Kollabieren, vielmehr um Kollaboration ging es bei den sogenannten Lieferantenportalen. Diese gab es schon länger, lange bevor in jedem Fitzelchen Software Künstliche Intelligenz stecken musste, ungefähr, seit die Technologien des E-Commerce die Zusammenarbeit zwischen Einkäufern und Dienstleistern zentralisieren, simplifizieren, kurz: revolutionieren sollten.

Das war nach dem letzten Jahrtausendwechsel.

Begrifflich war die Revolution also längst vollzogen.

Einkäufer hießen nun Purchaser, ein an Zischlauten reiches Wort, an dem nahezu jedes deutsche Idiom erstmal seine Fertigkeiten beweisen musste. Lieferanten nannten sich stolz Vendoren, als wären sie eine edle Handelssippe, beheimatet vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie in der Star-Wars-Multilogie.

Vendor war aber nicht gleich Vendor, manche waren gleicher, bevorzugt eben: „preferred Vendors“.

Ein Status, der in den Portalen weithin sichtbar war, eine scheinbare Auszeichnung, die auf dem leichtfertigen Glauben der Lieferanten beruhte, dass sie bevorzugt würden, wenn sie sich auf langfristige Rahmenvereinbarungen einließen.

Doch der einzige Vorzug für Vendoren, ein einseitiger, ausschließlich zum Vorteil der Purchaser, bestand darin, bei Verhandlungen mehr zu rabattieren als üblich, dafür aber den Auftrag lange sicher zu haben.

Hoffentlich.

Das also waren „preferred Vendors“.

So einer wie wir.

Servus zum Status

Die hervorgehobene Stellung hatten wir uns bei vielen unserer Kunden erhandelt, unter anderem auch beim weltweit führendsten Hersteller von Bananenschälmaschinen Deutschlands, Auftrag für Auftrag, Nachlass für Nachlass, fest und für immer hinterlegt in seinem Lieferantenportal.

Unlängst meldete sich das Portal per digitaler Post bei mir, mit einer letzten Warnung, obwohl es die erste Mail war, die ich zu diesem Sachverhalt bekam. Ich möge mich bitte innerhalb der kommenden drei Tage wieder ins Portal einloggen, was ich wohl schon seit längerer Zeit nicht getan hatte. Drei Monate oder drei Jahre, wer weiß das schon so genau?

Anderenfalls würde unser Status des „preferred Vendors“ gelöscht und müsse neu beantragt werden. Ein Antragsverfahren, dass drei Monate oder drei Jahre dauern konnte, wer weiß das schon so genau?

„Brad, ich habe einen Job für Dich“, sagte ich. „Dauert nur drei Sekunden.“

Doch Brad MacCloud bedauerte, sichtlich betrübt.

„Portal-Serverinnen sind für mich so unerreichbar wie ferne Galaxien für Vendoren wie Dich“, erklärte er mir.

Selbst bei vollem Einsatz aller betörenden Bits und Bytes habe er keine Chance. Die Serverinnen stünden auf etwas Sicheres, nicht auf gelegentliche Gefälligkeiten, nicht mal auf seine.

Monotones Mail-Stakkato

Dafür aber zeigten mir die Serverinnen – und die Portalsoftware – alle Facetten ihrer Multifunktionsfähigkeit.

Auf meine erfolglosen Versuche, mir Zugang zu verschaffen, reagierte das Portal umgehend, nämlich mit Kommunikation.

Nahezu stündlich hatte ich Mails im Posteingang, in stetem Wechsel, manchmal fast gleichzeitig: Dringliche Hinweise auf das drohende Erlöschen des Vendor-Status, dann auf ein neu ausgeschriebenes Kampagnenbudget und schließlich noch auf fehlende Bescheinigungen, nämlich auf ein Qualifizierungszertifikat zu unserer Nachhaltigkeit und eine Antikorruptionserklärung.

Wir Männer sind nicht multifunktionsfähig. Leider.

Selbst ich nicht, Buddy Müller, Senior Project Supervisor bei der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.

Also musste ich priorisieren.

Qwertz, mein Lieblings-Teamlead, und Lila Stiefelchen, die so blonde wie blitzgescheite Praktikantin aus der Controlling-Abteilung, bekamen den Auftrag, das Kampagnenbudget zu schätzen, bei nicht vorhandenen Informationen, was diese Ausschreibung in keiner Weise von fast allen anderen unterschied.

Das zentrale Ziel war, ein unschlagbares Angebot zu erstellen, mit dem wir uns unseres Titels „preferred Vendor“ mehr als würdig erwiesen.

Brad MacCloud erklärte sich bereit, den beiden dabei zu helfen. Er wollte seine permanent nicht ausgelastete zentrale Recheneinheit gerne in den Dienst von etwas Sinnvollem stellen, wenn er schon bei den Portal-Serverinnen nicht zum Zug kam.

Was ich dankend annahm, und um die Bitte ergänzte, er möge doch das Qualifizierungszertifikat zu unserer Nachhaltigkeit in unseren Datenbanken aufspüren und gegebenenfalls „aktualisieren“.

Wir waren so nachhaltig, dass ich mir sicher war, dass wir das Ablaufdatum des Zertifikats nicht nachgehalten hatten.

Ich selbst würde mich um die Antikorruptionserklärung kümmern. Mit Bestechung kenne ich mich aus, so was gibt es bei uns nicht, wirklich nicht, also fast wirklich nicht.

Keine Haarfarbe, kein Zugang

Aber first things first: Ich musste zuerst ins Portal gelangen.

Es dauerte eine gefühlt endlose, tagelange Wartezeit, begleitet von stündlichen zum Reagieren mahnende Mails, bis meine Login-Versuche schließlich mit Erfolg gekrönt waren – um dann im Portal nicht mich, sondern eine Kollegin als Hauptansprechpartnerin unserer Agentur zu entdecken, mit Geburtsdatum, E-Mail und Telefonnummer sowie ihrer aktuellen Haarfarbe als Sicherheitsabfrage.

Nur: Die Kollegin hatte schon vor geraumer Zeit den Job gewechselt (was noch häufiger vorkam als bei ihrer Haarfarbe). Aber sie erhielt offensichtlich noch alle Nachrichten, Erinnerungen und Ausschreibungen an ihre alte – tote – E-Mail-Adresse.

Mich nun zum Hauptansprechpartner zu machen war sicherlich nur ein weiteres Geduldspiel – stellte sich aber, da ich die einstige Haarfarbe der Kollegin nicht wusste, als ein letztendlich unlösbares Problem heraus.

Nur eine höhere Macht konnte hier helfen.

Der IT-Support.

Kernel, Cookies und ein Könner

Ich tippte die im Portal des weltweit größten Herstellers von Bananenschälmaschinen Deutschlands angegebene Telefonnummer ins Handy.

Ich landete: zunächst in der Warteschleife.

Das Lieferantenportal verschaffte mir damit die stundenlange Möglichkeit, unsere eigene Compilation an Warteschleifenmusik zu ergänzen.

Ich war schließlich in der Lage, Belafontes „Banana Boat Song“ Strophe für Strophe mitzusingen, die „Banana Republic“ der Boomtown Rats zu beklagen, die Stelle „Electrical Banana“ in Donovans „Mellow Yellow“ zu meistern und bühnenreif „Come to Sin“ zu trällern – von den Bananafishbones.

Zum Sündigen kam es nicht, leider, aber bald zu einem Monolog eines freundlichen Manns vom IT-Support, der mir, als ich durchgestellt wurde, voll Freude darüber, endlich wieder mit einem Menschen sprechen zu können, sämtliche technischen Hintergründe meines Problems erklärte.

Ich wäre schon zufrieden gewesen, hätte er nur meine Daten eingetragen.

Stattdessen hörte ich viel über Kernels und Cookies, über Betriebssystem-Philosophien und Browser-Restriktionen, über CPU, RAM, SSD, FAT usw. usf., sowie darüber, dass ein ordentliches Funktionieren des Lieferantenportals auf meinem Mac ein großer Wunsch sei, ein nicht einfach zu erfüllender.

Denn, wie eigentlich jeder wisse, so der IT-Support-Mitarbeiter, müsse man, damit Software aus der Windows-Welt einwandfrei auf den Geräten der Apple-Welt laufe, Umgebungen und Protokolle und Schnittstellen und, und, und anpassen, maßschneidern, emulieren, besser: simulieren.

Ich verstand nur Banane.

Ich merkte mir das alles nicht. Aber mein Mac merkte auf.

„Ich habe mit den Schnittstellen von Windows-Serverinnen keine Probleme“, sagte Brad MacCloud. „Die müssen bei mir auch nichts simulieren.“

Ich ersparte mir einen Kommentar und freute mich über das „War doch ganz einfach“, mit dem der IT-Supporter das Eingeben meiner Daten in die vorgesehenen Felder begleitete. Als Antwort auf die Sicherheitsfrage empfahl er mir eine 24stellige Kombination aus Zahlen, Satzzeichen und dem kyrillischem Alphabet.

Ich bedankte mich aufrichtig erleichtert und empfahl ihm im Gegenzug, falls er sich einmal mehr in die Seele seiner IT eindenken wolle, die Technikseiten eines von mir sehr geschätzten Blogs zu lesen.

„Lesen?“ fragte mich der Supporter.

Ich legte auf.

Wie gewonnen, so genommen

Jetzt ging es Ratzfatz.

Wir hatten auch keine Zeit mehr zu verlieren; das Lieferantenportal ließ uns keine Zeit mehr zum Luftholen.

Briefing downloaden, mit Annahmen und Kostenschätzung vergleichen, Abweichungen ignorieren, alles zusammen mit den Zertifikaten in ein PDF packen, hochladen – gefühlt ein einziger Arbeitsschritt.

„Kaum sind zwei Monate vergangen“, kommentierte Brad, „dann geht es auch schon ganz schnell.“

Tja, sagte ich, man müsse nur lange genug zielen, dann lande man einen Volltreffer.

Das Portal schickte uns umgehend die AGB – schnell, Haken dran! – dann die Aufforderung zum Abschlag, dann noch eine, und dann: der Zuschlag.

„Preferred Vendor“ eben. Hat schon was.

Was ich jedoch in meinem wochenlangen Ringen mit dem Lieferantenportal und im anschließenden Freudentaumel über den neuen Auftrag nicht mitbekommen hatte, obwohl es in allen Bananenbranchenfachmedien gestanden hatte, war der Wechsel einer hochrangigen Führungskraft vom Konkurrenten zu unserem Kunden, dem weltweit führendsten Hersteller von Bananenschälmaschinen Deutschlands.

Eigentlich ein guter Move. Für den neuen Vice President Marketing and Sales.

Allerdings, wie es sich für neue Besen gehörte, fegte er unverzüglich unseren Auftrag, unseren Rahmenvertrag und überhaupt den gesamten Agenturzoo beiseite.

Schließlich brachte er ja seinen eigenen mit. Worauf sich wohl seine Aussage zum Antritt bezogen hatte, man müsse mehr Agenturvielfalt leben.

„Agenturschicksal“, sagte Brad MacCloud und versuchte gar nicht erst mich zu trösten. „Da kannst Du auch einen Haken dranmachen.“

Mich packte die Sehnsucht.

Nach den guten alten Zeiten. Dem guten alten Handschlag. Und nach Kunden, für die er noch etwas wert war.

Das Wort „Lieferant“ hat französische Wurzeln, nämlich „livrer“ für „liefern, übergeben, ausliefern“.

Dieses wiederum geht wohl zurück auf das Lateinische „liberare“ für „befreien, loslassen“. Schließlich soll der Kunde von seinem Budget befreit werden. Während der Verkäufer alle Hoffnung auf Verantwortung, Werte oder gar Rendite fahren lässt.

Schließe dich 1.430 anderen Abonnenten an #Agenturleben #Agentursatire #Ausschreibung #BradMacCloud #BuddyMüller #ContentMarketing #Einkauf #Einkäufer #Handschlag #Kalkulation #KünstlicheIntelligenz #Lieferant #Lieferantenportal #LilaStiefelchen #Maschine #Mensch #Purchaser #Qwertz #Umsatz #Vendor #Verkauf #Verkäufer

Das größte Potenzial sehe ich beim heizen, der größte Erfolg ist weniger zu kochen und mehr kalt zu essen was signifikante Auswirkungen auf den Strom hatte.

#co2footprint #co2 #kalkulation

Probleme mit Kostenrechnung?
Ich zeige Ihnen, wie Sie sicher durch die Prüfung kommen können.

#prüfungsvorbereitung #weiterbildung #kostenrechnung #kalkulation #rechnungswesen #institutwupperfeld

Für diese Argumentation interessiert sich auf der mittlerweile äußerst breiten rechts-reaktionären Seite kein Mensch.

Aber das sind wahrscheinlich auch nicht die Adressaten eines solchen Texts.

https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-06/kosten-migration-integration-sozialleistung-finanzen-nutzen/komplettansicht

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Kosten von Migration: Das Märchen von den teuren Migranten

Was kostet die Migration? Jedes Jahr Hunderte Milliarden? Im Gegenteil: Es drohen Hunderte Milliarden Verluste, wenn nicht mehr Menschen zuwandern.

ZEIT ONLINE

#folge46 #NoToDo

Freizeit, Freiheit, froher Sinn – doch bevor ein Agenturmensch in den heiß ersehnten und wahrscheinlich wohl verdienten Urlaub gehen kann, muss er die Kernerarbeit der Übergabe bewältigen. Gut, dass es dafür etablierte Standards gibt. Einen Fluch und Mehrarbeit inklusive.

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Urlaub? Ich hasse Urlaub. Ganz sicher nicht meinen eigenen, auch nicht den Urlaub an sich, denn ich habe meinen Urlaub wirklich immer verdient, und ich habe ihn auch wirklich immer nötig, ich, Buddy Müller, Senior Project Supervisor der weltweit größten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.

So auch jetzt, mit meiner nächsten Auszeit in Sichtweite.

Mein Managing Director, der EmmDee, war zwar grundsätzlich anderer Meinung als ich, ob ich meines Urlaubs wirklich würdig sei. Aber ich zähle mich ruhigen Gewissens zu den rund 34 % aller deutschen Arbeitnehmenden, die überzeugt sind, dass sie deutlich mehr Urlaubstage bräuchten, als die Arbeitgebenden ihnen zustünden.

„Es ist mir ein Rätsel“, sagte Brad MacCloud vom Clan der MacClouds, mein scheinbar nimmermüdes und nur für mich hörbares MacBook Pro, „dass nicht noch mehr Menschen noch mehr Urlaub wollen.“

„Menschen, Maloche, Masochimus“, anlautreimte ich.

„Maximaler Match“, ergänzte Brad.

Meister der Feiertage

Ein Match, der hervorragend dokumentiert wurde. Aktuell waren digitale wie gedruckte Medien voll mit neuen Zahlen zur angeblich schönsten Zeit des Jahres. Die sich auch schön in exakten Tagen zählen ließ.

So verfügte jeder Bundesdeutsche im Schnitt über 28 Tage Urlaub, die er genehmigt fernab von Schreibtisch oder Fließband verbrachte (was ein und dasselbe für uns Agenturmenschen ist).

Dazu kamen bundesweit neun bezahlte Feiertage, in Bayern 13. Wer das Glück hatte, in der Schwabenmetropole Augsburg ansässig zu sein, konnte sogar 14 Feiertage zusätzlich in den Urlaubskalender eintragen.

„No oin Dag in Augschburg meh? An dem i au bloß Schwäbisch schwetza hör?“, fragte Brad. „Des wär’s mr ned wert.“

Das sollte wohl heißen, dass Brad gut auf einen Dienstort in Augsburg verzichten könne.

Kühle Kalkulatoren

Jedoch: Jeder einzelne freie Tag mehr war ein wichtiger Bestandteil jener Kalkulationen, die Arbeitnehmende meist schon früh im Jahr anstellten, mehr kühle Rechner als hochtalentierte Rechenkünstler. Wie bei einer Perlenkette reihten sie Urlaubs- und Brückentage aneinander, auf dass sie es locker von der Oster- bis in die Adventszeit schafften.

Sehr zum Leidwesen der Arbeitgebenden und der Kunden und Kundinnen, die entweder den Mangel an Einsatzbereitschaft oder den – wenn auch nur vorrübergehenden – Verlust ihres Ansprechpartners beklagten, auf den sie doch ein verbrieftes Anrecht hätten.

Sie ließen dabei völlig außer Acht, dass auch die Arbeit-, also die Urlaubnehmenden litten. Wie Hunde in der Sommerhitze eines südseitigen Großraumbüros, die sich hechelnd wiederum kaum von Herrchen und Frauchen bei der Urlaubsvorbereitung unterschieden.

Weil jeder einzelne Tag Absenz von der Arbeit, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde exakt im Voraus geplant werden musste.

Weswegen ich Urlaub hasste.

Buddy, übergeben Sie!

Untersuchungen zufolge sind zwischen zwei und fünf Stunden pro Projekt für eine saubere Urlaubsübergabe zu veranschlagen; die Studienangaben schwankten wie mein EmmDee nach einer erfolgreichen Award-Verleihung.

Meine erschöpfende Erfahrung bestätigte jedoch die Schätzung: Auf die vorurlaubliche Wochenarbeitszeit konnte man gut 50 Prozent und mehr draufpacken. Wobei es keine Rolle spielte, ob man auch im Urlaub Hand anlegte, an Dateien oder an Dokumente, nicht an Versuchungen unter südlicher Sonne oder an gekühlte Getränke in gefälligen Gestaden.

Was rund 48 % der bundesdeutschen Arbeitnehmenden gelegentlich und 13 % regelmäßig taten.

„Im Urlaub zu arbeiten, nicht sich zu vergnügen“, sagte Brad.

Gut und gerne, eigentlich weniger gerne, steckte jeder deutsche Arbeitnehmer pro Urlaubstag mindestens 1,3 Stunden in das, was er vor dem Urlaub nicht weggeschafft oder nicht rechtzeitig übergeben hatte. Je jünger, desto mehr Stunden pro Urlaubstag.

„Agenturmenschen werden da nicht mitgezählt“, sagte ich überzeugt. Denn wir würden, unabhängig vom Alter, die täglichen Stunden an Arbeit in der Auszeit signifikant erhöhen.

Und dass, obwohl wir wahre Künstler der kontrollierten Übergabe waren.

Für „The Art of Handover“ hatte sich im Laufe der Jahrzehnte ein Schema bewährt, das durchaus für den branchenübergreifenden Einsatz taugte:

  • Identifiziere anstehende Aufgaben und wähle dann vor allem diejenigen, die du nicht gerne selbst machst!
  • Benenne einen Stellvertreter und einen Stellvertreter des Stellvertreters, falls der Stellvertreter im Urlaub ist! Wähle immer jene, die nicht schnell genug nein sagen können!
  • Verteile anstehende Aufgaben und takte Termine ein – stets nach dem Stellvertreterprinzip (siehe 2.)!
  • Verschiebe offene Fragen immer auf den konkreten Zeitraum „nach dem Urlaub“! Der Zeitraum zwischen Ende des einen Urlaubs und Beginn des nächsten ist konkret genug.
  • Dokumentiere die Übergabe schriftlich – inklusive aller Namen der Vertreterinnen und Vertreter. So verhinderst du, dass es hinterher Diskussionen über potenzielle Schuldige gibt.
  • Dreisprung, Dreisatz, kein To-do

    So gerüstet machte ich mich ans Werk, meine Gewerke zu übergeben. Was mir leichtfiel, da mir bald südliche Sonne, sanfte Wellen und starke Getränke winkten.

    Lang und Länger, unsere beiden Volontäre, von denen der eine immer lang und der andere immer länger arbeitete, bekamen schwere Kalkulationen, damit sie endlich lernten, dass ein Dreisatz kein Dreizeiler war.

    Ich erhöhte gezielt den auf ihnen lastenden Druck, zumindest hormonell, indem ich Lila Stiefelchen, unsere blonde wie blitzgescheite Praktikantin aus der Controlling-Abteilung zur Prüfung ihrer Berechnungen bestimmte.

    Dr. No, die prohibitiv veranlagte Assistentin unseres EmmDee, sollte sich mit großem Elan und positiver Energie an die Organisation unseres Sommerfestes machen, und an Qwertz, meinen Lieblings-Teamlead, vergab ich die interne Kommunikation des Agentur-Get-togethers unter dem gewinnenden Motto „Grill, Gemeinschaft, Gerstensaft“ – und damit auch das tagelange Ringen mit dem EmmDee um die richtigen Formulierungen für die Einladungs-E-Mail an die Gefolg-, äh, Belegschaft.

    Zufrieden betrachtete ich die geplante Übergabe, da spürte ich einen Schlag auf meiner Schulter noch bevor ich den dumpfen Schlag meiner Bürotür an die Wand hörte.

    Der EmmDee war in mein Büro gestürmt.

    „Ich bin jetzt mal weg“, dröhnte er in mein Ohr. Und hieb mir nochmal auf die Schulter, schmerzhaftes Zeichen seines Vertrauens.

    „Zwei Wochen, Müller, die wirst du ohne mich auskommen. Es gibt eh kein To-do.“

    Mir gefror das Blut in den Adern.

    Verflucht, wer bleibt

    Nicht etwa, weil mein EmmDee einer der wenigen in unserer Agentur war, der einzige gar, der sich nicht an die ewigen Regeln der Übergabe hielt.

    Oder weil er sich ebenso wenig an die ebenso ewige Regel hielt, dass jeder, ausnahmslos jeder in unserer Agentur seinen Urlaub anzukündigen und im Falle einer Genehmigung einzutragen hatte, in dem für jedermann einsehbaren digitalen Abwesenheitskalender.

    Die Genehmigung erteilte der EmmDee sich selbst, und er enthob sich wohl auch selbst von der Pflicht des Eintragens und Ankündigens.

    Was ich unter Berücksichtigung der innerbetrieblichen Hierarchie gerade noch hinnehmen konnte.

    Aber „Kein To-do“?

    „Kein To-do“ entfaltete eine wüste Wirkung.

    „Kein To-do“ zog fatale Folgen nach sich.

    „Kein To-do“ war ein böser Zauberspruch, ein Fluch, den der in den Urlaub Enteilende über die Zurückbleibenden verhängte.

    Alles, was mit „Kein To-do“ verbunden war, führte unweigerlich zum größtmöglich vorstellbaren Arbeitsaufwand.

    Getroffene Entscheidungen wurden revidiert, verhandelte Verträge blieben ohne Unterschrift, freigegebene Projekte mussten von Grund auf überarbeitet werden, abgestimmte Arbeitsabläufe wurden um mehrere Schleifen erweitert, rekursive, nicht endende Schleifen, selbstverständlich.

    Aus locker zu lösenden Lappalien wurden kaum zu kontrollierende Katastrophen.

    Selbst wenn sich der EmmDee zum Abschied in die Auszeit nur auf die als Chefsache eingestuften Projekte bezog, aus denen wir ihn trotz vereinter Kräfte nicht heraushalten konnten, würde sein „Kein To-do“ unweigerlich zu Krisensituationen führen.

    Darum hasste ich Urlaube.

    Auf, auf und davon!

    Ich atmete tief durch.

    „Was machen wir jetzt?“, fragte ich meinen treuen Gefährten Brad MacCloud, in der Hoffnung, dass ihm ein Bannspruch für die nahende Notlage einfiele.

    Keine Antwort.

    „Hallo?“, fragte ich, und mit mehr Nachdruck noch einmal: „Was machen wir jetzt?“

    Ich tippte an Brads Bildschirm.

    Nichts.

    „Hallooooo?“

    „Ich weiß ja nicht, was Du jetzt machst“, sagte Brad plötzlich. Er wirkte gehetzt, sein Kameraauge glühte. „Aber ich plane jetzt meinen Urlaub. Für dich ist da kein …!“

    „Sag’s nicht“, unterbrach ich ihn noch rechtzeitig. Mir reiche schon der EmmDee, sagte ich, der seine komplette Arbeitslast zu meinem Armageddon machte.

    „Dann weißt Du, wie es mir meist geht“, antwortete Brad.

    Er erbat sich sofortigen Dispens, denn er müsse wirklich nun seinen Urlaub vorbereiten, das bedürfe diesmal besonderer Umsicht und viel Feingefühl, weil er nicht allein unterwegs sein werde.

    Ich fragte, ob es etwas Festes sei. Doch das hörte er schon nicht mehr.

    Brad war weg, aufgebrochen in die Weiten des World Wide Webs.

    Einsam, wie ich zurückblieb, holte ich mir einen „Il Solitario“ aus unserer Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens. Dann legte ich los.

    Ich korrigierte zuerst meinen – im Abwesenheitskalender eingetragenen – Urlaub so, dass er sich um zwei Tage mit dem Urlaub des EmmDee überschnitt.

    Etwas mehr Abstand voneinander würde ihm und mir guttun.

    Dann krempelte ich meine sorgsam ausgefeilte Übergabe um, strich die liebevoll mit Verantwortung bedachten Kolleginnen und Kollegen von meiner Liste, ersetzte sie durch den Namen des EmmDee, und ergänzte um die vollständige Liste aller Chefsache-Projekte.

    Schließlich setzte ich, gefettet, in doppelter Schriftgröße darunter: „Kein To-do.“

    Ach, wieviel Zauber liegt in diesen Worten.

    Ich glaube, ich beginne Urlaube zu lieben.

    Eine Zahl geht noch: Aktuellen Internetrecherchen zufolge benötigt ein Urlaubsantrag in Deutschland 75 Tage bis zur Genehmigung.

    Es ist also genügend Zeit, um die Übergabe von Projekten gründlich vorzubereiten.

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    800 Milliarden geteilt durch 80 Millionen sind ungefähr 10.000 € für jeden die der Staat pro Jahr ausgibt /kostet

    833,33€ im Monat

    #Kalkulation #statistics

    EEG-Altanlagen


    #Solarstrom - Anlagen, die zunächst nach den Regelungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ( #EEG ) gefördert werden, fallen nach 20 vollen Kalenderjahren aus der #Förderung heraus https://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare-Energien-Gesetz . Eine #Anschlußregelung sorgt dafür, daß der danach eingespeiste #Strom weiterhin honoriert wird. Begründung des @sfv in https://www.sfv.de/artikel/pv-altanlagen_anschlussfoerderung_nach_ablauf_der_verguetung_ .
    Die Wirkung: https://climatejustice.social/@NichtVielZuSagen/111914201984126199 .

    Das entspricht der #Kalkulation "konventioneller" #Kraftwerke: Solange diese Kraftwerke nicht 'abgeschrieben' sind (wenn also die eingenommenen Kundenzahlungen = Baukosten + Brennstoffkosten + Wartungskosten + Reparaturkosten + Personalkosten + Abriß- und Beseitigungskosten + Dividende), werden die Kilowattstundenpreise (bzw. Megawattstundenpreise) beim #Netzbetreiber oder bei der #Strombörse als Mindestpreise genannt. Aus der Summe der Kosten für alle benötigten Kraftwerke ergibt sich der mittlere Stromerzeugungspreis.

    Über die #MeritOrder https://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order-Effekt wird allen Bietern (= Einspeisern) der Preis gezahlt, den die letzte Megawattstunde kostet. Die Feinheiten der #Strompreisbildung sind nicht leicht zu verstehen https://climatejustice.social/@NichtVielZuSagen/111116567812231407 .

    Das bisher Gesagte bezieht sich auf den "Normalfall" der EEG-Vergütung. Nach Ablauf der vollen 20 Jahre ab Inbetriebnahme könnte die Vergütung knallhart auf null Cent pro kWh gesenkt werden. Das sähe aber ziemlich komisch aus, weil doch etwas Wertvolles produziert und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird.
    Deshalb gibt es eine Vergütung, die "Jahresmarktwert Solar" genannt wird, aber um 0,4 ct/kWh vermindert https://www.carmen-ev.de/2023/05/25/was-ist-die-anschlussverguetung-fuer-ausgefoerderte-photovoltaik-anlagen-und-wie-wird-sie-berechnet/ .


    Nun zum konkreten Fall unserer kleinen PV-Anlage. Technische Details in diesem Erfahrungsbericht: https://climatejustice.social/@NichtVielZuSagen/110101319479227958 .

    Ursprüngliche EEG-Vergütung von 2000 bis
    2020: 50,62 ct/kWh

    Anschließend (verminderter) Jahresmarktwert Solar
    2021: 7,15 ct/kWh
    2022: 7,37 ct/kWh
    2023: 7,20 ct/kWh
    2024: 2,816 ct/kWh


    Auf der Jahresabrechnung wird von der Einspeisevergütung der Preis für den Einspeisezähler und die Abrechnung abgezogen.

    So bleiben unterm Strich bei uns rund 30 Euro für knapp 1500 kWh Solarstrom im Jahr 2024 übrig. Mehr als gar nichts.

    Erneuerbare-Energien-Gesetz – Wikipedia

    Wir konnten knapp 170 Milliarden durch Steuerflucht Reichensteuer vgl Schweiz etc einnehmen

    Und geben für Flüchtlinge direkt nur 14 Milliarden aus

    #kalkulation #Haushaltspolitik