Irritierende Fragen


In der gedruckten wochen-taz vom 15.11.2025 lautet eine offene Frage:
"Warum braucht der Klimaschutz mehr Kapitalismus?" Huch, da stockt der Atem.

Im Internet knackig verkürzt zu:
"Was nun, Ökos?" Hier wird zumindest jemand direkt angesprochen.

https://taz.de/Kapitalismus-im-Klimaschutz/!6123682/

Peter Unfried schreibt:
"Die Ökos sind nicht schuld daran, dass es keine angemessene Klimapolitik gibt. Die Grünen und die Klima­aktivisten auch nicht. Sie haben vieles versucht, einiges erreicht, und dennoch: Der Planet geht auf 3 Grad Erderhitzung zu. Das konnten auch sie nicht verhindern. Und das ist das Problem. (..)"

Zum Glück hört er hier nicht auf. Man könnte ganz stumpf antworten, daß die globale Erwärmung ein Problem ist, das sich nicht so locker in Deutschland lösen läßt.

Aber dann hätte ich eine Gegenfrage: WELCHER ASPEKT des Schlagworts 'Kapitalismus' kommt denn zu kurz?

-- Daß MEHR GELD dafür eingesetzt werden müße? Was ohne großes Nachdenken bejaht werden kann. Wofür sind denn die vieldiskutierten Kreditermächtigungen ("Sondervermögen") gedacht? Die eigentlich für den Klimaschutz sehr knapp bemessen sind.

-- Daß mit Klimaschutz nicht viel RENDITE rausspringt? Das ist ja das, was Katherina Reiche auch beklagt https://www.welt.de/wirtschaft/article256301048/Tag-der-Industrie-Und-dann-stellt-die-neue-Wirtschaftsministerin-Reiche-das-Klimaziel-2045-infrage.html
Sollte nicht das bloße Ziel, den Schaden von späteren Generationen und fernen Unbeteiligten abzuwenden, als Grund reichen, um reinzuhauen? Schlag nach im Grundgesetz oder beim Bundesverfassungsgericht https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2021/03/rs20210324_1bvr265618.html

-- Daß fähige Mitarbeiter fehlen, die dem privaten Kapitalisten die Rendite erarbeiten? Welcher Elektrobetrieb weigert sich denn heute noch, eime PV-Anlage anzubieten? Oder welcher Heizungsbauer will keine Wärmepumpe installieren? Gibt's doch nicht. https://www.arbeitsagentur.de/datei/merkblatt-6-weiterbildung_ba015381.pdf
https://www.btb.info/bildungsgutschein/bildungsgutschein-und-azav-zertifizierung.html?piwik_campaign=Weiterbildungen (nur als Beispiel beim Suchen im Internet)

-- Daß kapitalistisch getriebene Innovation fehlt, wie es manche Politiker glauben machen wollen? "(..) in Brasilien hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Bedeutung von Technologieoffenheit und Innovation für die Bekämpfung des Klimawandels betont." https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rede-kanzler-world-climate-leaders-summit-2392986

Im Klartext:
Wir haben alle notwendigen Techniken - Solarenergie, Windenergie, Speichertechniken wie Batterien und Elektrolyse. Sie warten nur darauf, unbehindert ausgebaut zu werden. Wenn der bisher zurückhaltend aufgetretene Klimaschutzminister Carsten Schneider nicht verkündet hätte, daß das von Robert Habeck gegen viele Widerstände eingeführte Förderprogramm im GEG weitergeführt wird (z.B. bis zu 70% Zuschuß für Solarthermie- und Wärmepumpen-Anlagen, bezogen auf Rechnungswerte bis 30.000 Euro), wäre ich glatt verrückt geworden.

-- Wer eine Affinität zum Naturschutz hat, kann an der wichtigen Wiedervernässung von Mooren teilnehmen https://www.umweltbundesamt.de/themen/wiedervernaessung-von-mooren-eine-oekonomische


Besteht wirklich irgendwo ein Mangel? Einfach beheben!


Ach, da fällt mir noch etwas ganz Verrücktes zum Stichwort "Klimaschutz" ein: Einfach ein klimaschädigendes Verhalten unterlassen.
Blödes Beispiel: Nicht oder weniger Auto fahren https://climatejustice.social/@NichtVielZuSagen/112405082847113146 , weniger oder gar nicht fliegen. Leider ganz und gar nicht kapitalistisch, ich weiß; aber hin und wieder gegen den Strom schwimmen härtet ab.
Geld einsetzen, meinetwegen auch Rendite sichern, Arbeitslose und Mitarbeiter:innen schulen, Forschung und Entwicklung fortsetzen - alles ist eine Überlegung wert.


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"Die Klimakrise nicht effektiv genug zu bekämpfen, ist ein Versagen. Aber den Weltuntergang aktiv voranzutreiben, ist ein Verbrechen."
https://mastodon.social/@tazgetroete/115547988358389760

Kapitalismus im Klimaschutz: Was nun, Ökos?

Links/rechts hilft hier nicht weiter: Um erfolgreich Klimaschutz zu machen, müssten Aktivisten sich mit denen zusammentun, die sie als Feinde erklären.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

Gut, zugegeben: Unfried führt aus: "Es braucht Vernetzung von Aktivismus und Unternehmertum – nennen wir es unternehmerischen Aktivismus –, der nicht Demos veranstaltet oder Posts produziert, sondern emissionsfreie Infrastruktur. Es braucht volkswirtschaftliches Denken, nicht nur betriebswirtschaftliches."

Sind ihm alle schon existierenden Vereine und Genossenschaften, die sich im niedrigschwelligen Bereich tummeln, unbekannt oder unwichtig? Wenn Helfer nicht-fossil denkende Privatleute, die sich Erneuerbare-Energie-Anlagen zulegen wollen, motivieren und unterstützen beim Lösen von deren Problemen, ist das keine zielführende Tätigkeit? Oder muß das alles grroß aufgemacht sein mit Werbung, Buchführung und hohen Umsätzen? Zählt nur das, was im BIP und im Firmenregister auftaucht?

Wenn sich die staatlichen Rahmenbedingungen mit jedem Regierungswechsel ändern, diesmal sogar fast ins Gegenteil, dann liegt das wahre Problem nicht bei fehlenden Tüftlern, weil doch alles Nötige schon vorhanden ist. Das Problem ist die politische Ebene, gerade eine Regierung unter konservativer Führung. Die jetzige Führung hat kein zukunftsorientiertes volkswirtschaftliches Denken, sondern ein rückwärtsgewandtes mit Blick auf fossile Partikularinteressen.

Ein persönliches Erlebnis, das genau hierhin paßt:

Seit gestern steht ein Gerüst, wie es typisch ist für Dacharbeiten, an einem Haus mit 'nacktem' Dach. Spontaner Gedanke: Da wird eine PV-Anlage installiert.

Wie kam ich darauf? Ganz einfach, weil in der Straße schon mehrere Dächer PV-bestückt sind. Auch Gutes kann ansteckend wirken.

Heute morgen konnte ich zufällig zwei Monteure einer mittelgroßen Elektro- und Erdbau-Firma sehen und einen der beiden ansprechen, ob da eine PV-Anlage entstehen soll. "Ja", war die nicht überraschende Antwort.

An diesem Unternehmen kann man die ganze Geschichte des EEG beschreiben.

Es hatte sehr früh schon eine spezielle Solarabteilung, beteiligte sich an Ausschreibungen, lieferte auf Anfragen aussagefähige Angebote und war wohl gut im Geschäft.

Als im Jahr 2015 ein Strang unserer PV-Anlage auf dem Westdach ( 2 * 1,1kWp ) ausfiel und der kleine Wechselrichter (Baujahr 1999) sich als defekt erwies, war kein direkter Ersatz aufzutreiben. Der baugleiche zweite WR (von 2000) konnte im Grunde auch gleich ersetzt werden. Mehrere Telefonate mit bekannten Installationsbetrieben brachten keine Lösung - anscheinend wollten die Herrschaften nur neue Komplettsysteme verkaufen und keinen Kleinkram.

Den letzten Versuch machte ich bei besagtem Elektrobetrieb. Verbunden wurde ich mit dem Leiter einer auf ZWEI Personen geschrumpften Solarabteilung. Er bot mir eine Lösung, an die ich nicht gedacht hatte: EIN Wechselrichter mit PARALLELgeschalteten PV-Strängen.

Bestellt, schnell eingebaut, spielt einwandfrei seit 10 Jahren über das Ende der EEG-Förderung hinaus.

Nach einem großen Aufstieg der Solarabteilung mußte sie in den frühen 2010er-Jahren Stellen streichen. Ohne Aufträge keine Erträge.
Das war die Amtszeit von Angela Merkel und dem zuständigen Minister Peter Altmaier ("Altmaier-Delle").
Dieser EINE PV-Experte durfte bleiben und Reklamationen abwickeln.


Es ist nicht so, wie Peter Unfried meint, daß es an Tüftlern fehle. Es steckt viel mehr Knowhow im Land, als er denkt. Der Solarenergieförderverein Deutschland e.V. (#SFV) ist sehr rege. Einfach mal auf sfv.de oder @sfv nachsehen! Und mit offenen Augen durch Straßen gehen: Wo eine Solaranlage erkennbar ist, könnte eine weitere in der Nähe auftauchen. Woran liegt das wohl?
Wärmepumpen vermehren sich ebenfalls, allerdings nicht ganz so schnell.

@tazgetroete