Die Beleidigten

Krise der Meinungsfreiheit: Schon wieder geht die Polizei auf einer Demonstration wegen einer angeblichen Beleidigung des Bundeskanzlers gegen einen jungen Menschen vor. Solche Maßnahmen beschränken die Versammlungs- und Meinungsfreiheit. Eine Analyse.

8. Mai 2026, in München demonstrieren junge Menschen gegen die Wehrpflicht. Eine 20-jährige Schülerin trägt ein Plakat mit der Aufschrift „Friedrich stirb doch selber an der Ostfront!“. Unter Einsatz von Gewalt und sogar Schlagstöcken bahnen sich Polizist:innen einen Weg zu der Schülerin, um ihre Personalien aufzunehmen. Das Plakat stellt angeblich eine Beleidigung des Bundeskanzlers dar, die Polizei verkündet später, ein Ermittlungsverfahren gegen die Schülerin einzuleiten.

Man muss kein Jurist sein, um zu sehen, dass es sich hier wohl kaum um eine Straftat handelt. Es ist weder eine Beleidigung noch eine gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung noch eine Bedrohung des Kanzlers. Es ist der patzige Spruch: „Geh doch selber an die Front“ – um die Konsequenz ergänzt, was Wehrpflicht und Militärdienst nämlich ultimativ bedeuten können: im Krieg zu sterben.

Wir sehen hier eine zugespitzte, klare und harte Kritik daran, dass die Regierung über das Leben, Schicksal und im Zweifelsfall den Tod von jungen Menschen entscheidet. Es ist eben nicht der mächtigste Mann des Landes, der bei einem Militäreinsatz sterben wird, sondern es sind die jungen Menschen, die er dorthin schickt.

Keine Straftat

Ronen Steinke hat in der Süddeutschen Zeitung (€) den Fall eingehend analysiert. Er schreibt:

Der Kontext ist wichtig. Wie immer bei Äußerungen. Und eine Debatte, die von Krieg und Frieden handelt, also letztlich von Leben und Tod, wird unweigerlich immer einen anderen sprachlichen Klang haben als eine Debatte, die von Kultur- oder Steuerpolitik handelt. Das darf sich – darauf weist das Bundesverfassungsgericht in seinen Entscheidungen immer wieder hin – natürlich nicht nur in der Sprache der Regierenden spiegeln, die etwa von „Kriegstüchtigkeit“ sprechen. Sondern auch in der Sprache der Kritiker dieser Regierung. Auch sie müssen nicht zartere Worte wählen. Man darf die Dinge, die einen umtreiben und besorgt stimmen, schon beim Namen nennen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei gegen Wehrpflicht-Proteste mit Härte vorgeht. Die Berliner Polizei hat im März bei einer Schüler-Demo bei einem 18-jährigen das Plakat „Merz leck Eier“ konfisziert, die Personalien des Jungen aufgenommen und Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der „Gegen Personen des politischen Lebens gerichteten Beleidigung, üblen Nachrede und Verleumdung“ eingeleitet.

Chilling Effect

Auch wenn die repressive Aktion nach hinten losging und zahlreiche Memes, Wiederholungen, Remixe und Songs auslöste, die millionenfach verbreitet wurden, ist die Message an Protestierende klar: Wir prüfen jedes eurer Plakate und gehen gegen euch öffentlichkeitswirksam und notfalls auch mit Gewalt vor. Passt auf, was ihr tut.

Aus Perspektive von Meinungs- und Versammlungsfreiheit passiert dabei das, was man im englischen „Chilling Effect“ nennt. Solche repressiven Maßnahmen führen in der Regel dazu, dass Menschen davor scheuen, zu sagen, was sie sagen wollen, weil sie Konsequenzen fürchten. Die Maßnahmen haben also beschränkende Auswirkungen auf die Freiheit aller. Im deutschen Sprachgebrauch spricht man auch von Abschreckungseffekten und Einschüchterung.

Moderne Majestätsbeleidigung

Die Fälle der Einschränkung der Meinungsfreiheit auf Demonstrationen reihen sich eine in eine generelle Tendenz zur Verschärfung im Umgang mit Meinungsäußerungen. Sie geschehen vor dem Hintergrund einer Verschlechterung des Debattenklimas und einer Zunahme von  Hass, Hetze und Desinformation, die mit dem Erstarken der rechtsradikalen AfD zusammenhängt.

So wurde der Paragraf 188 des Strafgesetzbuches im Zuge dieser Entwicklung und unter dem Eindruck der Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke durch einen AfD-Anhänger im Jahr 2020 verschärft und um den Straftatbestand der Beleidigung erweitert. Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung, die sich gegen Personen des politischen Lebens richtet kann damit härter bestraft werden als die Beleidigung oder Verleumdung normaler Bürger:innen.

Gesetze, die bestimmte Personengruppen höherstellen als andere, gibt es auch im Zusammenhang mit tätlichen Angriffen auf Vertreter:innen der Polizei und neuerdings auch von Rettungsdiensten. Derartige Regelungen stehen im Konflikt mit der Idee eines Rechtsstaates, der die Gleichbehandlung aller Menschen ja als einen elementaren Grundsatz hat.

Zurück zu den Beleidigungen: So richtig und wichtig die Absicht gewesen sein mag, beispielsweise Kommunalpolitiker:innen vor den zunehmenden rechtsradikalen Angriffen in Schutz zu nehmen, so falsch hat sich die Sache in der Realität entwickelt. Das Gesetz wird seit der Einführung rege genutzt. Schon im Jahr 2021 waren es 748Fälle, im Jahr 2023 dann schon 2.598  und im letzten Jahr 4.792 Ermittlungsverfahren.

Das liegt laut Ronen Steinke auch daran, dass die Schwelle, was als Beleidigung gilt, bei den Betroffenen, aber auch Polizei und Justiz in den letzten Jahren offenbar deutlich niedriger geworden ist. Die Fälle harmloser Plakate auf den Demonstrationen, aber ebenso die Verfolgung von „Beleidigungen“ wie „Lügenfritz“ oder „Lackaffe“ zeigen diese Tendenz. Die Sensibilität ist nicht nur auf Friedrich Merz beschränkt: Der Grünen-Politiker Robert Habeck ließ die Bezeichnungen „Vollpfosten“und „Schwachkopf“ verfolgen, auf „Du bist so 1 Pimmel“ gegen den Hamburger SPD-Innensenator Andy Grote löste eine Hausdurchsuchung aus und auch die rechtsradikale Alice Weidel nutzt den Paragrafen munter.

Merz widerspricht Ermittlungen nicht

Die Einschränkungen der Meinungsfreiheit geschehen nicht nur auf Demonstrationen, sondern, wie Ronen Steinke in seinem Buch und einem Gastartikel bei netzpolitik.orgbeschrieben hat, auch im Internet. Generell scheint es mittlerweile ein Schieflage zu geben, welche die Meinungsfreiheit über das Mittel der Beleidigung und hier speziell den §188 einschränkt und einschüchernde Effekte hat.

Durch Recherchen verschiedener Medien kam schon im vergangenen Jahr heraus, dass Merz seit 2021 – noch als Oppositionsführer der Union – zahlreiche Strafanträge wegen mutmaßlicher Beleidigungen gegen ihn gestellt hat. In mindestens zwei Fällen führten diese zu Hausdurchsuchungen.

Die Strafanträge sind laut der Recherchen anfangs auf Initiative von Merz entstanden. Seit Merz Kanzler ist, lässt er quasi von Amts wegen ermitteln, indem er den Ermittlungen nicht widerspricht. Die „Welt“ geht davon aus, dass Merz vor seiner Amtszeit als Unions-Chef Hunderte Strafanträge gestellt hat.

Ein netzpolitik.org vorliegendes Dokument der Kanzlei Brockmeier, Faulhaber, Rudolph, die Merz in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter vertreten hat, untermauert diese Schätzungen mit fortlaufenden Fallnummern. Zwischen Mai und Dezember des Jahres 2025 sind laut Informationen des nd etwa 170 Strafanzeigen wegen Beleidigung des Bundeskanzlers gestellt worden.

Machtgefälle ignoriert

Hier läuft ein Instrument, das Politiker:innen vor Hass und Hetze schützen soll, mittlerweile vollkommen aus dem Ruder. Natürlich müssen sich auch Politiker:innen nicht alles gefallen lassen und bei Bedrohungen hört jeder Spaß auf. Dennoch sollte man bei Beleidigungen auch das Machtgefälle, die Privilegien und die Reichweite der Beteiligten berücksichtigen.

Was sind ein einsamer pensionierter Wüterich im stillen Kämmerlein oder ein 18-jähriger Schüler im Vergleich zum Bundeskanzler? Wer hat hier welche Handlungsoptionen? Und kann es nicht sein, dass viele der heutigen Nutzer:innen gar nicht mehr den Unterschied zwischen dem privaten Raum, der Kneipe, dem Gespräch mit Kollegen – und dem Post auf Bluesky oder Facebook an 128 Follower:innen sehen? Ist diese Öffentlichkeit wirklich gleichwertig, mit der, die ein Spitzenpolitiker herstellen kann?

Das alles sind Fragen, die sich diejenigen stellen sollten, die strafrechtlich gegen Beleidigungen vorgehen.

Der Eifer, den Merz bei der Verfolgung von Beleidigungen zeigt, passt jedenfalls gut in eine Zeit der autoritären Verschiebung, in der sich die Bundesregierung von Rechtsradikalen vor sich hertreiben lässt und selbst die Axt an der demokratischen Zivilgesellschaft ansetzt.

Die verlogenen Freunde der Meinungsfreiheit

Ausgerechnet die rechtsradikale AfD versucht sich nun auf das Thema draufzusetzenund sich als Kämpferin für die Meinungsfreiheit zu inszenieren. Sie fordert die Abschaffung des Paragrafen 188 StGB. Dabei ist klar, dass die Partei selbst immer wieder gegen die Meinungs- und Pressefreiheit vorgeht, indem sie beispielsweise mit Hass und Häme gegen Journalist:innen agiert.

Kritische Berichterstattung zur AfD führt bei verschiedenen Medien regelmäßig dazu, auch in E‑Mails und Leserkommentaren hier bei netzpolitik.org, dass Autor:innen beleidigt, eingeschüchtert und mit dem Tod bedroht werden. Ein Eintreten für die Meinungsfreiheit sieht anders aus und wer rechtsradikale Regierungen im Amt sieht, ob nun in den USA, Polen oder Ungarn, der weiß, dass die Meinungs- und Pressefreiheit von diesen als Erstes attackiert wird.

Die AfD-Position ist dabei heuchlerisch. Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel hat selbst hunderte Anzeigen nach dem Paragrafen 188 gestellt, den sie jetzt wieder abschaffen will. Und auch der AfD-Mann Stephan Brandner, der in der gestrigen Bundestagssitzung den Paragrafen heftig kritisierte, ließ mit eben jenem zuletzt einen Rentner verfolgen, der ihn „Schrumpfpimmel“ genannt hatte.

Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky. Kontakt: E-Mail (OpenPGP). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Die Beleidigten – Beueler-Extradienst

Robert Habeck: "Niemand hört auf uns, niemand will was von uns."

Ausser halt Waffen. Waffen mit denen dann IDF TikTok-Clips von Kriegsverbrechen entstehen, mit denen ein Genozid verübt wurde/wird

Tut nicht so als sei der zweitgrößte Waffenlieferant für Israel irrelevant! Ihr hättet so viele Leben retten können!

https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-06/robert-habeck-israel-gaza-siedlergewalt-netanjahu-das-politikteil

#Gruene #Ampel #Genozid #Israel #Waffenlieferungen #Habeck #RobertHabeck #Politik #depol

Gaza: Robert Habeck kritisiert israelische Kriegsführung deutlich

Nach einem Aufenthalt in Israel verurteilt Robert Habeck das Vorgehen der Regierung Netanjahu. Ein politisches Comeback plane er nicht, sagt er im Gespräch mit der ZEIT.

DIE ZEIT

Heute #RobertHabeck auf dem #GutesMorgenFestival der @glsbank in #Bochum reden hören.

Nun, ich bin intellektuell ja eher so #DoomMetal: langsam, und ein gutes Riff wird dann gerne mal 10min ausgenutzt.

Habeck ist dann der #ProgMetal: ein bunter Strauß an Melodien, alle 45 Sekunden eine neue Idee und kein Motiv hält länger als 4 Takte.

#sagEsMitMusik

Bei #MACHN26 war Robert Habeck on Stage, viele kluge Dinge sagte er – ich war dabei, habe Videos und Fotos gemacht und einige Gedanken dazu aufgeschrieben.
#Leipzig #RobertHabeck #Keynote #Ökonomie

https://www.l-iz.de/wirtschaft/wirtschaft-leipzig/2026/06/machn2026-in-leipzig-robert-habeck-on-stage-videos-659614

MACHN2026 in Leipzig: Robert Habeck on Stage + Videos · Leipziger Zeitung

Das fünfte MACHN-Festival fand am 3. und 4. Juni in der Baumwollspinnerei Leipzig-Plagwitz statt. Bereits das dritte Jahr in Folge waren auch wir dabei

Leipziger Zeitung

Wenn Ihr einen durch dumme Witzchen und dröge Fragen gequälten #RobertHabeck sehen wollt, dann schaut Euch das an. Habeck, und das schätze ich sehr, zeigt ungeschminkt, was er von diesem unintelligenten "Journalismus" hält.

https://www.spiegel.de/politik/robert-habeck-im-spiegel-talk-kehren-sie-zurueck-a-5b08b5c7-16e5-4faa-92aa-418dd4d73159

Spitzengespräch live im Admiralspalast: Kehren Sie zurück, Herr Habeck?

Im SPIEGEL-Talk auf der Bühne des Admiralspalasts spricht Robert Habeck über seine Vision für Europa, persönliche Fehler – und die Frage: Ist unsere Welt aus den Fugen?

DER SPIEGEL
Ist unsere Welt aus den Fugen? Robert Habeck im Spitzengespräch live auf der Bühne | DER SPIEGEL

YouTube
➡️Gutes👍Morgen🌺Festival⬅️
Jahrhunderthalle Bochum
Mit dabei ist Dr. Robert Habeck, ehemaliger Vizekanzler und Wirtschaftsminister.
Sein Thema:
🌞Demokratie🌞
➡️„Wer kein Morgen hat, wählt gestern. Über Demokratie in aufgeregten Zeiten.”⬅️
Wo: Halle 4
Wann: Samstag, 6. Juni, 12:30 bis 13:15 Uhr.
Moderation: Janine Steeger
Alle Termine: https://www.gutesmorgenfestival.de/aktuelles/
#gutesmorgen
#gutesmorgenfestival
#RobertHabeck #live #politik #demokratie #jahrhunderthallebochum

Sehr unterhaltsam und prall gefüllt mit Denkanstößen, Ideen für ein besseres Morgen (und Übermorgen), ein wenig Rückblick auf die Zeit in der Ampelkoalition.
Einer der Menschen, die mehr Ahnung von der Welt zu haben scheinen als der gesamte Politikzirkus zusammen.

»Ist unsere Welt aus den Fugen?«
Robert Habeck im Spitzengespräch mit Markus Feldenkirchen
live im Admiralspalast | DER SPIEGEL
https://www.youtube.com/watch?v=97Gfiilbx-k&t=2
#RobertHabeck #MarkusFeldenkirchen #spiegel #live #politik #zukunftgestalten

Ist unsere Welt aus den Fugen? Robert Habeck im Spitzengespräch live auf der Bühne | DER SPIEGEL

YouTube
Der Moderator, zum Ende des Gesprächs:
"Was finden Sie an Markus Söder bewundernswert?"

Habeck: "Markus Söder gehört zu den Menschen, an denen ich nichts bewundernswert finde."

*gnihihi*

(Ohne CW, sorry, weil ich's einfach zu gut finde! :'D ...)

#DerSpiegel #RobertHabeck #Spitzengespräch
"Was wäre, wenn es im Bundestag keine Sitzordnung gäbe?"

"Nur mal gedanklich gesprochen: Die Parteien müssten [vor der Wahl] verschiedene Fraktionsverträge machen.
Also, es gibt Schwarz-Grün, es gibt meinetwegen Schwarz-Rot, es gibt noch Schwarz-Irgendwas, und dann sieht man, wie es käme, und dann machen Menschen ihre Wahlentscheidung und dann gibt es eine Regierung, aber der Koalitionsvetrag ist schon fertig!

Und ab 'Tag 1' kann man sagen: Die Regierung fängt an zu arbeiten, und sofort sind Gesetze da, und niemand kann sagen: 'Das hatte ich gar nicht gedacht', und niemand kann irgend einen Quatsch erzählen und sagen: 'Hundert Milliarden holen wir aus dem Bürgergeld', weil das überlebt natürlich ... kein Koalitionsvertrag würde das zulassen, wenn das Realität wäre."

Robert Habeck, "der beste Kanzler, den wir nie hatten" - es ist halt wirklich so!
Diese Ausdrucksweise, diese Gedanken, die er äußert!
Dieser Gegensatz zu Merz!

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"Ist unsere Welt aus den Fugen? Robert Habeck im Spitzengespräch live auf der Bühne | DER SPIEGEL"

https://invidious.nerdvpn.de/watch?v=97Gfiilbx-k

(https://youtu.be/97Gfiilbx-k)

#DerSpiegel #RobertHabeck #Spitzengespräch #Bundestag