Alice Weidel bei Elon Musk: Diese Behauptungen haben wir geprĂŒft
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Schon in der Einladung zum GesprĂ€ch stand eine Falschbehauptung: Er spreche mit der âfĂŒhrenden Kandidatin, um Deutschland zu regierenâ, schrieb Tech-MilliardĂ€r und X-Chef Elon Musk ĂŒber das GesprĂ€ch mit der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, das am 9. Januar 2025 live auf X stattfand.
Dabei ringen im aktuellen Politbarometer in der Kanzlerfrage aktuell der GrĂŒnen-Kandidat Robert Habeck und der CDU-Kandidat Friedrich Merz um Platz eins â Weidel wollen laut der Daten 15 Prozent der Befragten an der Spitze sehen. In der Sonntagsfrage liegt die AfD aktuell auf Platz zwei.
Dass Weidel die fĂŒhrende Kandidatin ist, ist nicht die einzige Falschbehauptung, die Musk aufstellt. CORRECTIV.Faktencheck konzentriert sich in diesem Text auf Alice Weidel. Wir haben mehrere Behauptungen, die sie in dem GesprĂ€ch aufgestellt hat, ĂŒberprĂŒft.
Steuerbelastung in Deutschland im OECD-Vergleich
Alice Weidel: âGermany has the highest taxes of all OECD countries.â
Bewertung: Falsch
Ab Minute 15:22 sprechen Weidel und Musk ĂŒber BĂŒrokratie und Steuern. Weidel behauptet, Deutschland habe die höchsten Steuern unter allen OECD-Staaten. Die Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist ein ZusammenÂschluss von 38 IndustrieÂnationen. Neben Deutschland und vielen weiteren EU-Staaten sind die USA, Japan und Australien Mitglieder.
Die aktuellste Publikation der OECD dazu stammt aus April 2024. Im Bericht âTaxing Wages 2024â (PDF) werden Zahlen von 2023 aus allen OECD-LĂ€ndern miteinander verglichen. Im Vergleich der Gesamtsteuerbelastung eines durchschnittlichen Arbeitnehmers ohne Kinder liegt Deutschland (47,9 Prozent Steuerbelastung) auf Platz zwei hinter Belgien (52,7 Prozent). Der OECD-Durchschnitt liegt bei 34,8 Prozent.
In einigen OECD-LĂ€ndern, so auch in Deutschland, sinkt die Steuerlast, wenn es um Familien geht. Bei einem Einverdiener-Ehepaar mit Durchschnittseinkommen und zwei Kindern liegt die Steuerlast in Deutschland bei 33,1 Prozent und damit niedriger als etwa in Belgien (37,3 Prozent), Frankreich (39,1 Prozent) oder Schweden (37,4 Prozent). Der OECD-Durchschnitt liegt bei 25,7 Prozent.
Ausschnitte aus dem OECD-Bericht von April 2024 ĂŒber die Steuerbelastung der OECD-Mitglieder in 2023 (Quelle: oecd.org; Screenshots und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)
Verdienen beide Personen eines Elternpaares, liegt die Steuerbelastung in Deutschland bei 40,7 Prozent hinter Belgien (45,1 Prozent) und ĂŒber dem Durchschnitt (29,5 Prozent). Im OECD-Vergleich liegt Deutschland also prinzipiell im hohen Bereich der Steuerbelastung. In keiner der Konstellationen, die die OECD analysiert hat, war Deutschland aber Spitzenreiter.
KriminalitÀtsrate in Deutschland
Alice Weidel: â[The state] doesnât provide for security, so we have skyrocketing criminal rates here.â
Bewertung: Falsch
Ab Minute 16 behauptet Alice Weidel, dass die Bundesregierung nicht fĂŒr Sicherheit sorge. âWir haben hier explodierende KriminalitĂ€tsratenâ, sagt sie. Die Behauptung ist eine beliebte These von AfD-UnterstĂŒtzenden. Wie wir schon 2019 berichteten, gab es ĂŒber die Jahre immer wieder Schwankungen â âexplodiertâ ist die KriminalitĂ€tsrate aber nicht.
Die Anzahl der erfassten Straftaten ist laut der aktuellsten polizeilichen Kriminalstatistik in den Jahren 2022 und 2023 angestiegen, um 11,5 und 5,5 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr. Von einer âExplosionâ kann jedoch keine Rede sein. Das zeigt ein Blick auf den Verlauf der Zahlen in den letzten Jahren.
Eine Grafik des Bundeskriminalamts bildet die Anzahl der erfassten Straftaten der vergangenen Jahre ab. Eine âexplodierendeâ KriminalitĂ€tsrate, wie sie Weidel beschreibt, ist darin nicht zu erkennen. (Quelle: BKA, Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Die polizeiliche Kriminalstatistik steht dabei immer wieder in der Kritik. So erfasst die Statistik nur der Polizei bekannt gewordene Straftaten. Das sogenannte Dunkelfeld â also Straftaten, die nicht angezeigt werden â wird fĂŒr die Statistiken nicht erfasst. AuĂerdem werden nur TatverdĂ€chtige erfasst und nicht tatsĂ€chlich Verurteilte.
Immer wieder wird die Kriminalstatistik auch mit Migration in Verbindung gebracht und dabei relevanter Kontext ausgelassen. Verschiedene Studien kommen zu dem Schluss, dass ânicht die StaatsbĂŒrgerschaft oder der Migrationshintergrund ursĂ€chlich fĂŒr die Begehung von Straftaten (insbesondere GewaltkriminalitĂ€t) istâ, wie ein Sprecher des Bundeskriminalamts fĂŒr eine vergangene Recherche auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck erklĂ€rte. Bedeutsamer seien Faktoren, die unabhĂ€ngig von der Herkunft wirken, wie Gewalterfahrungen, Bildungsniveau, sowie Armut und Diskriminierung.
DarĂŒber hinaus ist die Zahl der VerdĂ€chtigen keine verlĂ€ssliche Datenquelle fĂŒr Aussagen ĂŒber Unterschiede in der KriminalitĂ€t verschiedener Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel eine Studie zur Gewalt bei FlĂŒchtlingen zeigt: Ăbergriffe von als fremd wahrgenommenen Menschen werden Opferbefragungen zufolge eher zur Anzeige gebracht. Und Menschen, die als ânichtdeutschâ wahrgenommen werden, werden Studien zufolge hĂ€ufiger verdachtsunabhĂ€ngig durch die Polizei kontrolliert, wodurch sie zusĂ€tzlich in der Statistik ĂŒberreprĂ€sentiert sein können.
Neben Deutschland hat auch Italien Atomkraftwerke abgeschalten
Alice Weidel: âGermany is the only industrial country that unplugged the nuclear power plant.â
Bewertung: Falsch
Gleich zu Beginn des GesprĂ€chs (ab Minute 2:30) behauptet Weidel, Deutschland habe als einziges Industrieland Kernkraftwerke abgeschaltet. Das stimmt nicht. Eines der gröĂten IndustrielĂ€nder in der EU neben Deutschland ist Italien. TatsĂ€chlich wurde dort bereits 1987, ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl, der Atomausstieg per Volksabstimmung beschlossen. Das letzte Kraftwerk wurde 1990 stillgelegt. Allerdings plant die Regierung unter der rechtsextremen MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni eine RĂŒckkehr zur Atomkraft, wie mehrere Medien berichteten.
Neben Deutschland und Italien gibt es dutzende weitere EU-LĂ€nder, in denen momentan keine Atomkraftwerke betrieben werden (Stand: Januar 2024). Dazu zĂ€hlen DĂ€nemark, Estland, Griechenland, Irland, Litauen, Luxemburg, Malta, Ăsterreich, Portugal, Zypern und Polen. In Polen plant die Regierung aber den Bau zweier Kernkraftwerke, die ab 2033 in Betrieb gehen sollen. Informationen darĂŒber finden sich zum Teil direkt auf den jeweiligen Regierungswebseiten oder zum Beispiel auf der Seite des EU-Wissenschaftszentrums.
Atomenergie ist nicht CO2-neutral
Alice Weidel: âNuclear energy is carbon free.â
Bewertung: Falsch
Ab Minute 5:30 sagt Alice Weidel, die Atomkraft mĂŒsse gestĂ€rkt werden, da Kernenergie CO2-neutral sei. Ab Minute elf des GesprĂ€chs wiederholt sie die Behauptung. Weidels Aussage stimmt jedoch nicht.
Atomkraftwerke stoĂen zwar bei der eigentlichen Stromproduktion keine CO2-Emissionen aus, Treibhausgase entstehen aber ĂŒber den gesamten Lebenszyklus eines Kraftwerks. Zum Beispiel beim Bau, der Instandhaltung und dem RĂŒckbau.
Bereits im Jahr 2019 schrieb der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in seinem Gutachten âCO2-Emissionen der Kernenergieâ, dass es bei der Ăkobilanz jedes EnergietrĂ€gers eine Vorkette, Folgeketten und eine Nachkette gebe. Das heiĂt, dass der Bau des Kraftwerks und der benötigten Infrastruktur, die Urangewinnung und die Anreicherung beziehungsweise die Wiederaufarbeitung des Brennstoffs mit einbezogen werden mĂŒssen.
Wie hoch die CO2-Emissionen bei der Nutzung von Atomenergie sind, steht in dem Gutachten nicht. Es nennt verschiedene Quellen, die Werte von fĂŒnf Gramm CO2-Ăquivalent pro Kilowattstunde Strom (fĂŒr Neuanlagen in der Schweiz) bis hin zu 110 Gramm CO2-Ăquivalent pro Kilowattstunde errechnen.
Der Weltklimarat (IPCC) schĂ€tzte im Jahr 2014 auf Basis der damals vorhandenen Literatur ebenfalls, dass die Atomkraft bei einer solchen Betrachtung zwischen 4 und 100 Gramm CO2-Ăquivalent pro produzierte Kilowattstunde Strom verursache.
Das Umweltbundesamt gibt demgegenĂŒber in einer Veröffentlichung aus dem Dezember 2023 die CO2-Bilanz von Photovoltaikanlagen mit rund 56,6 Gramm CO2-Ăquivalent pro Kilowattstunde an. FĂŒr Windkraftanlagen an Land sind es 17,7 Gramm, fĂŒr Windkraftanlagen auf See sind es rund 9,7 Gramm, bei Wasserkraftwerken variiert der Wert je nach Situation zwischen rund 2,7 und 24,9 Gramm CO2-Ăquivalent pro Kilowattstunde.
Deutschland beschloss lange vor Beginn des Ukraine-Krieg, die letzten AKW abzuschalten
Alice Weidel: âDo you know what the government decided in this crisis when the energy prices skyrocketed after we were cut off from cheap energy supply from Russia? They switched off the last nuclear power plant.â
Bewertung: Falsch
Es geht weiter um Atomkraftwerke: Weidel fragt Musk ab Minute 9:50 rhetorisch: âWissen Sie, was die deutsche Regierung beschlossen hat, als in der Krise die Preise in den Himmel schossen, nachdem wir von billiger Energieversorgung aus Russland abgeschnitten waren? Sie schalteten das letzte Atomkraftwerk ab.â
Diese Entscheidung kam aber keineswegs nach Russlands Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 â sondern wurde schon vor rund 20 Jahren in die Wege geleitet. Am 22. April 2002 wurde durch eine Ănderung des sogenannten Atomgesetzes beschlossen, die Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von ElektrizitĂ€t zu beenden.
Auf der Webseite des Bundesamts fĂŒr die Sicherheit der nuklearen Entsorgung ist nachzulesen, dass dieser Ausstieg 2010 wieder etwas abgeschwĂ€cht worden sei: Die Laufzeiten seien verlĂ€ngert, ElektrizitĂ€tsmengen erweitert worden. Das Neubauverbot fĂŒr AKW sei aber bestehen geblieben. 2011 waren dann bis auf sechs alle AKW vom Netz, Ende 2021 folgten drei weitere Abschaltungen. Die drei ĂŒbriggebliebenen AKW (Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2) hĂ€tten planmĂ€Ăig Ende 2022 abgeschaltet werden sollen.
Doch im Dezember 2022 â also zehn Monate nach Russlands Angriff auf die Ukraine â Ă€nderte der Bundestag das Atomgesetz erneut: Die drei AKW sollten doch bis April 2023 weiterbetrieben werden. Denn zunehmend kam weniger Gas aus Russland nach Deutschland, die Rufe nach mehr UnabhĂ€ngigkeit von russischem Gas wurden laut. Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte damals zur Novelle: âWir mĂŒssen in dieser Krise die StromerzeugungskapazitĂ€ten kurzfristig erhöhen, schaffen aber gleichzeitig die Voraussetzungen fĂŒr eine langfristig sichere und klimafreundliche Stromversorgungâ.
Mitte April 2023 gingen die letzten drei AKW dann vom Netz. Zu diesem Zeitpunkt waren die Strompreise bereits deutlich niedriger als noch einige Monate vorher â Höchststand war im Herbst 2022.
Die deutsche Bundesregierung hat also nicht, wie von Weidel behauptet, nach Russlands Angriff auf die Ukraine beschlossen, alle AKW abzuschalten. Sie hat stattdessen die schon lÀngst beschlossene Abschaltung um einige Monate nach hinten verlegt.
Hitler war kein Kommunist
Alice Weidel: âHe [Hitler, Anm. d. Red.] was a communist and he considered himself as a socialistâ
Bewertung: Falsch
Im GesprĂ€ch sagt Musk nach etwa einer halben Stunde, dass deutsche Medien versuchten, eine rechte Partei wie die AfD in die NĂ€he des Nationalsozialismus zu rĂŒcken. Weidel nimmt die ĂuĂerung auf und behauptet, dass das schon deshalb keinen Sinn ergebe, weil im Wort Nationalsozialismus das Wort Sozialismus vorkomme. Ihre Partei hingegen sei konservativ und libertĂ€r. Adolf Hitler sei darĂŒber hinaus Sozialist und Kommunist gewesen und habe sich selbst auch so verstanden.
Weidels Aussage widerspricht allen historischen Tatsachen und EinschĂ€tzungen von Extremismusforschenden. Bereits vor der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 zĂ€hlten Kommunisten und Sozialdemokraten, also die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) zu ihren Gegnern. Wie das Lebendige Museum Online (Lemo) schreibt, saĂen im Sommer 1933 rund 15.000 kommunistische FunktionĂ€re und Aktivisten in sogenannter Schutzhaft. âKommunistische aber auch sozialdemokratisch orientierte Widerstandsgruppen verbreiteten Flugschriften und Klebezettel gegen den Nationalsozialismus, pinselten Wandparolen und unterstĂŒtzten rassisch und politisch Verfolgte. Wer bei solchen TĂ€tigkeiten entdeckt oder verraten wurde, dem drohten Verhaftung, Misshandlung, Haft in einem Konzentrationslager oder die Hinrichtung.â Das Lemo ist eine Kooperationsprojekt der Stiftung Deutsches Historisches Museum, der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und des Bundesarchivs.
Dass die Nationalsozialisten allenfalls so taten, als seien sie antikapitalistisch oder sozialistisch, wie Weidel sagt, erklĂ€rte der Extremismusexperte JĂŒrgen P. Lang im Jahr 2018 gegenĂŒber dem Bayerischen Rundfunk: âAls die Nazis noch nicht an der Macht waren, existierte in der Tat ein FlĂŒgel, der sich antikapitalistisch und revolutionĂ€r gab. Man wollte auf diese Weise die Linke fĂŒr sich gewinnen. Hitler lieĂ die Leitfigur, Gregor Strasser, aber 1934 liquidieren. Und das bedeutete auch das Ende dieser Strömung.â Bereits bei der âBamberger FĂŒhrertagungâ am 26. Februar 1925 sei es Hitler gelungen, âdie Verankerung antikapitalistischer Forderungen nach einem ânationalen Sozialismusâ und Verstaatlichung der Wirtschaft, wie es vor allem die BrĂŒder Gregor und Otto Strasser sowie anfĂ€nglich auch Joseph Goebbels forderten, in das Parteiprogramm zu unterbindenâ, so das Lemo.
Zudem unterschieden sich die politischen Ziele beider Parteien fundamental: Die KPD orientierte sich an der Revolution im sowjetischen Russland, wollte Demokratie und Kapitalismus in einer Weltrevolution abschaffen und die Diktatur des Proletariats errichten, so das Lemo. Die NSDAP hingegen hatte ein völkisches und antisemitisches Weltbild, das auf die Bildung einer nationalen arischen Volksgemeinschaft unter Lenkung eines FĂŒhrers zielte. In dieser Gemeinschaft sollte alles Fremde ausgeschlossen und vernichtet werden â so wie es dann im Holocaust versucht wurde.
Hinsichtlich der Ideologie der AfD schrieb das Verwaltungsgericht MĂŒnchen am 20. Juni 2024:
âEs liegen hinreichende tatsĂ€chliche Anhaltspunkte fĂŒr eine jedenfalls bei Teilen der AfD bestehende Zielsetzung, Deutsche mit Migrationshintergrund menschenwĂŒrdeverletzend auszugrenzen, vor. Deutschen mit Migrationshintergrund soll ein rechtlich abgewerteter Status zuerkannt werden, wenn zwischen ihnen â den âPassdeutschenâ â und einem auf einem ethnisch-biologischen bzw. ethnisch-kulturellem VolksverstĂ€ndnis basierendem deutschen Staatsvolk unterschieden wird und Forderungen nach âRemigrationâ befĂŒrwortet werden, die Deutsche mit Migrationshintergrund einschlieĂen.â
Ăber den Begriff der âRemigrationâ und die beim Potsdamer Geheimtreffen besprochenen PlĂ€ne, die auch die Vertreibung von sogenannten nicht-assimilierten StaatsbĂŒrgern umfassen, berichtete CORRECTIV Anfang letzten Jahres. Beim Treffen waren auch fĂŒhrende AfD-Politikerinnen und Politiker dabei.
Menschen ohne Pass können trotzdem abgeschoben werden
Alice Weidel: âOur state allows people to throw away their passports before they cross our our borders that are not protected and controlled so 57% almost 60% of the people coming into our country on through a open border they throw away their papers. Why do they do that? Because once entered our country our funny country with this funny immigration policy they cannot be deported anymore.â
Bewertung: Fehlender Kontext
Nach etwa zwanzig Minuten sagt Weidel, dass beinahe 60 Prozent der nach Deutschland kommenden GeflĂŒchteten vor der Einreise ihre PĂ€sse wegwerfen wĂŒrden. Belege dafĂŒr gibt es nicht. Von Januar bis Oktober 2024 konnten laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken 52 Prozent der Erstantragsteller keine IdentitĂ€tspapiere vorlegen, jedoch bedeutet das nicht, dass diese Menschen ihre PĂ€sse weggeworfen oder vernichtet hĂ€tten.Es gibt viele GrĂŒnde, weshalb Menschen keine IdentitĂ€tspapiere besitzen können. Sie âlassen nicht zwangsweise auf eine bewusste TĂ€uschung der deutschen Behörden schlieĂenâ, schreibt das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf). Zwar gehört dazu auch die bewusste Verschleierung der IdentitĂ€t oder Herkunft, um beispielsweise die Chancen auf Asyl zu erhöhen. Das Bamf nennt aber auch Probleme im Herkunftsland, wie Korruption, oder Behördensysteme, die im Falle eines Krieges kollabiert sind, als GrĂŒnde. Die Papiere wurden also teilweise von Vornherein nie ausgestellt.
Auch Schlepper und Behörden in TransitlĂ€ndern nehmen GeflĂŒchteten laut Bamf und Berichten oft PĂ€sse ab. Menschen werden mitunter auf der Flucht geboren, nach der Geburt nicht registriert oder von ihrer Regierung nicht anerkannt. Weshalb Asylsuchende keine Papiere vorweisen können, kann also viele GrĂŒnde haben. Wie viele tatsĂ€chlich vorsĂ€tzlich ihre Papiere verschwinden lassen, lĂ€sst sich nicht prĂŒfen.
Weidel behauptet darĂŒber hinaus, dass Menschen ohne Pass nicht abgeschoben werden können. Das stimmt so nicht. Wenn ein Asylantrag abgelehnt wurde, die Person aber keine Ausweispapiere besitzt, ist eine Abschiebung tatsĂ€chlich deutlich schwieriger. Selbst wenn die Behörden wissen, wo die Person herkommt, wollen die HerkunftslĂ€nder sie hĂ€ufig nicht zurĂŒcknehmen.
In diesen FĂ€llen gilt eine Abschiebung als unmöglich und wird vorĂŒbergehend ausgesetzt. Die betroffene Person ist weiterhin ausreisepflichtig und gilt in Deutschland als âgeduldetâ. Um Menschen ohne Pass dennoch abschieben zu können, hat Deutschland RĂŒckĂŒbernahmeabkommen mit diversen HerkunftslĂ€ndern geschlossen, wodurch diese sich zu einer Zusammenarbeit bei der Beschaffung von Ersatzpapieren und etwaigen RĂŒckfĂŒhrungen verpflichten.
Alle Faktenchecks rund um die Bundestagswahl 2025 lesen Sie hier.
Redigatur: Sophie Timmermann, Steffen Kutzner
Die wichtigsten, öffentlichen Quellen fĂŒr diesen Faktencheck:
- Livestream des GesprÀchs zwischen Musk und Weidel, The Economic Times, 9.Januar 2025: Link (archiviert)
- ZDF-Politbarometer, 10. Januar 2025: Link (archiviert)
- Taxing Wages, OECD, 25. April 2024: Link (PDF, englisch, archiviert)
- Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, âCO2-Emissionen der Kernenergieâ, vom 25. November 2019: Link
- Beitrag der Arbeitsgruppe drei des Weltklimarates zum fĂŒnften Sachstandsbericht, âClimate Change 2014 Mitigation of Climate Changeâ, aus dem Jahr 2014: Link
- Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von ElektrizitÀt, 22. April 2002: Link (archiviert)
- Urteil des Verwaltungsgerichts MĂŒnchen vom 20. Juni 2024: Link
- Artikel der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, âWirtschaft und Gesellschaft unterm Hakenkreuzâ, vom 6. April 2005: Link
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Author: Gabriele Scherndl
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