#Zeit
Viele sagen: âDu bist mir zu schnell.â Gemeint ist oft nicht Tempo. Gemeint ist etwas anderes.
Ich versuche, das mal zu entzaubern.
Die âgrauen Herrenâ aus Momo stehen fĂŒr das Versprechen: đ Spare Zeit, dann hast du mehr davon.
Das klingt logisch. Ist es aber nicht.
Denn Zeit lĂ€sst sich nicht sparen wie Geld. Was wir âZeitsparenâ nennen, ist fast immer etwas anderes: Wir ziehen Aufmerksamkeit ab.
Wir machen Dinge schneller, damit wir sie weniger fĂŒhlen, weniger hören, weniger wahrnehmen.
Das ist keine Beschleunigung. Das ist VerdĂŒnnung.
Jetzt kommt der Denkfehler:
Wenn jemand sich konzentriert, wenn jemand einer Sache wirklich Zeit gibt, wirkt das auf andere oft âzu schnellâ.
Warum?
Weil Fokus Dichte erzeugt. Und Dichte fĂŒhlt sich fĂŒr VerdĂŒnnte wie Tempo an.
Wer zwischen fĂŒnf Dingen springt, empfindet jemanden, der bei einer Sache bleibt, als rasant.
Nicht, weil er schneller ist. Sondern weil er nicht bremst, um AnschlussfÀhigkeit zu simulieren.
Das ist kein Charakterproblem. Das ist ein Aufmerksamkeitsproblem.
Die grauen Herren leben davon, dass Tiefe mit Langsamkeit verwechselt wird und Konzentration mit RĂŒcksichtslosigkeit.
Dabei ist oft das Gegenteil der Fall:
Sich Zeit nehmen fĂŒr eine Aufgabe ist kein DrĂ€ngeln. Kein Ăberholen. Kein Davonlaufen.
Es ist Widerstand gegen die ZerstĂŒckelung von Aufmerksamkeit.
Was entfremdet, ist nicht das vermeintliche âZu-schnell-Seinâ.
Was entfremdet, ist die unausgesprochene Erwartung, dass alle ihre Wahrnehmung herunterregeln, damit niemand sich irritiert fĂŒhlt.
Vielleicht mĂŒssen wir neu lernen, zu sagen:
âDu bist nicht zu schnell.â âIch bin gerade zu zerstreut.â
Und das ist kein Vorwurf. Nur eine Beschreibung.
Zeit ist kein MaĂband fĂŒr NĂ€he. Aufmerksamkeit ist es.
Und genau davor hatten die grauen Herren Angst.
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