RE: https://mastodon.social/@captainfutura/116283239755166694
Erich Fromm sollte mit seiner Analyse zur Entfremdung des Menschen in der modernen Arbeitswelt recht behalten.
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Erich Fromm sollte mit seiner Analyse zur Entfremdung des Menschen in der modernen Arbeitswelt recht behalten.
Eine #Gesellschaft, in der wachsende Teile der arbeitenden Bevölkerung den Eindruck haben, dass ihre #Lebensrealität politisch nicht vorkommt, erzeugt #Entfremdung. Wer arbeitet und dennoch ständig rechnen muss, wer keine #Rücklagen bilden kann, wer jeden Monat als #Ausnahmezustand erlebt, fühlt sich von politischen Debatten über #Wachstum, #Wettbewerbsfähigkeit oder #Reformen kaum angesprochen.

Dass Erwerbsarbeit in Deutschland heute nicht mehr zuverlässig vor Armut schützt, ist kein Naturereignis. Es ist das Ergebnis einer langen politischen und ökonomischen Entwicklung, die oft als Modernisierung verkauft wurde, tatsächlich aber zu einer schleichenden Entwertung von Arbeit geführt hat. Was international als „Working Poor“ bezeichnet wird — Menschen, die trotz Arbeit arm bleiben —, taucht in der deutschen Debatte oft nur verklausuliert auf. Wer Working Poor allein über individuelle Lebenslagen erklärt, verkennt die Ursachen.
Viele sagen: „Du bist mir zu schnell.“ Gemeint ist oft nicht Tempo. Gemeint ist etwas anderes.
Ich versuche, das mal zu entzaubern.
Die „grauen Herren“ aus Momo stehen für das Versprechen: 👉 Spare Zeit, dann hast du mehr davon.
Das klingt logisch. Ist es aber nicht.
Denn Zeit lässt sich nicht sparen wie Geld. Was wir „Zeitsparen“ nennen, ist fast immer etwas anderes: Wir ziehen Aufmerksamkeit ab.
Wir machen Dinge schneller, damit wir sie weniger fühlen, weniger hören, weniger wahrnehmen.
Das ist keine Beschleunigung. Das ist Verdünnung.
Jetzt kommt der Denkfehler:
Wenn jemand sich konzentriert, wenn jemand einer Sache wirklich Zeit gibt, wirkt das auf andere oft „zu schnell“.
Warum?
Weil Fokus Dichte erzeugt. Und Dichte fühlt sich für Verdünnte wie Tempo an.
Wer zwischen fünf Dingen springt, empfindet jemanden, der bei einer Sache bleibt, als rasant.
Nicht, weil er schneller ist. Sondern weil er nicht bremst, um Anschlussfähigkeit zu simulieren.
Das ist kein Charakterproblem. Das ist ein Aufmerksamkeitsproblem.
Die grauen Herren leben davon, dass Tiefe mit Langsamkeit verwechselt wird und Konzentration mit Rücksichtslosigkeit.
Dabei ist oft das Gegenteil der Fall:
Sich Zeit nehmen für eine Aufgabe ist kein Drängeln. Kein Überholen. Kein Davonlaufen.
Es ist Widerstand gegen die Zerstückelung von Aufmerksamkeit.
Was entfremdet, ist nicht das vermeintliche „Zu-schnell-Sein“.
Was entfremdet, ist die unausgesprochene Erwartung, dass alle ihre Wahrnehmung herunterregeln, damit niemand sich irritiert fühlt.
Vielleicht müssen wir neu lernen, zu sagen:
„Du bist nicht zu schnell.“ „Ich bin gerade zu zerstreut.“
Und das ist kein Vorwurf. Nur eine Beschreibung.
Zeit ist kein Maßband für Nähe. Aufmerksamkeit ist es.
Und genau davor hatten die grauen Herren Angst.
#zeit #aufmerksamkeit #graueherren #momo #konzentration #entschleunigung #denken #entfremdung #fediverse
Hier gelingt Christiane Heil ein prägnantes Sittengemälde unserer Zeit auf engstem Raum. Es ist zugleich ein gefundenes Fressen für postmarxistische Entfremdungstheoretiker. Die "Entfremdung" von der Familie ist nur der individuelle Ausdruck komplett durchökonomisierter menschlicher Beziehungen.
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In einer zunehmend reizüberfluteten, entfremdeten Welt ging [...] Sicherheit verloren, während Inflation und Arbeitslosigkeit nicht nur die Arbeiterschaft, sondern Menschen bis in das mittlere Bürgertum in ihrer Existenz gefährdeten."
Willi Kulke, Mit Ecken und Kanten, 2024
Willi Kulke über die Architektur, den Backsteinexpressionismus und die gesellschaftlichen Veränderungen in den 1920er Jahren.
#arbeitslosigkeit #entfremdung #gesellschaft #inflation #architektur
Wenn Blut nicht dicker ist
Familie gilt als Inbegriff von Liebe, Geborgenheit und Rückhalt. Doch was, wenn sie genau das Gegenteil bedeutet? Im Gespräch mit sieben Personen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft wird deutlich, dass Entfremdung von der eigenen Familie viele Gründe haben kann. Doch immer ist sie ein Schritt, um sich selbst zu schützen.
von Caroline Alberta Glabacs

Familie gilt als Inbegriff von Liebe, Geborgenheit und Rückhalt. Doch was, wenn sie genau das Gegenteil bedeutet? Im Gespräch mit sieben Personen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft wird deutlich, dass Entfremdung von der eigenen Familie viele Gründe haben kann. Doch immer ist sie ein Schritt, um sich selbst zu schützen. von Caroline Alberta Glabacs Wir […]
Ich kann mich nicht erinnern, in einem Buch so viel unterstrichen zu haben wie in diesem: Hartmut Rosas „#Beschleunigung und #Entfremdung“ (2013, Suhrkamp)
... Als die Forscher die Studienteilnehmer in drei Gruppen entsprechend ihrer Kontaktdichte einteilten, zeigte sich, dass diejenigen im Drittel mit den meisten Kontakten die Menschen im unteren Drittel um durchschnittlich neun Monate überlebten."