Sein Flaggen-Skandal zeigt, wie weit christlicher Extremismus in das Oberste Gericht der USA vorgedrungen ist â und Alito muss keine Konsequenzen fĂŒrchten.
Manche Erkenntnisse ĂŒber den Obersten Gerichtshof der USA sind nicht ĂŒberraschend: Er wird dominiert von einer rechtskonservativen Mehrheit â eine Mehrheit, die die amerikanische Rechte jahrzehntelanger Planung und Mitch McConnells (dem selbsternannten âDarth Vaderâ des Senats) Machtpolitik verdankt. Wir wissen auch, dass Samuel Alito (zusammen mit Clarence Thomas) zum extremen RechtsauĂen-FlĂŒgel selbst dieser reaktionĂ€ren Mehrheit gehört â was etwas heiĂen will. Alito mag Frauen nicht sonderlich, auch das wissen wir seit langem â sein herablassender Umgang mit AnwĂ€ltinnen in den mĂŒndlichen Verhandlungen des Gerichts ist legendĂ€r, genau wie sein Bestreben, den Schutz des Rechts auf Abtreibung abzuschaffen â etwas, das ihm im Sommer 2022 gelang, als er der Autor der Mehrheitsmeinung im Dobbs-Fall war, die das seit 1973 bestehende Grundsatzurteil Roe v. Wade kippte. In seinen öffentlichen Auftritten zeigt sich Alito als zynischer Ideologe mit Hang zur Grausamkeit â was ist schon lustiger, als wenn Frauen und Menschen mit Uterus ihre Rechte verlieren? (Wenig anscheinend, wenn es nach Alito geht).
Als oberster richter sollte man keinen Staatsstreich unterstĂŒtzen
Alles in allem: Wir wussten bereits, dass Sam Alito ein rechtsreaktionĂ€rer Hardliner ist, der wenig bis nichts fĂŒr die Rechte von Frauen, Menschen mit Uterus oder Minderheiten ĂŒbrig hat. Und doch dĂŒrfte Sam Alito es geschafft haben, selbst die zynischsten politischen Analyst*innen in den USA zu schockieren â dank seines Flaggen-Skandals, der aus zwei Teilen besteht. Denn, davon war man ausgegangen, es gibt einige Dinge, die selbst ein rechter Richter am Obersten Gerichtshof nicht wagen wĂŒrde. Dass es einige Regeln geben könnte, die so selbstverstĂ€ndlich sind, dass nicht einmal Sam Alito sie brechen wĂŒrde. Wie zum Beispiel: Ein Richter am Obersten Gerichtshof sollte a) einen versuchten Staatsstreich nicht unterstĂŒtzen und b) sich nicht sicher genug fĂŒhlen, diese UnterstĂŒtzung fĂŒr den besagten Versuch, die rechtmĂ€Ăig gewĂ€hlte Regierung zu stĂŒtzen, auch noch öffentlich zu zeigen.
Warum ist es ĂŒberhaupt relevant, welche Flaggen ĂŒber den HĂ€usern eines Obersten Richters gehisst werden? Weil uns die Flaggen â und Alitos Umgang mit Flaggen-Gate â einiges darĂŒber verraten, wie weit extremistische Ideologien bis in die mĂ€chtigsten Ămter des Landes vorgedrungen sind â und darĂŒber, dass sich diese AmtstrĂ€ger sich (zurecht) in völliger Sicherheit wiegen.
umgedrehte amerikanische Flagge
Teil eins des Skandals wurde publik, als die New York Times berichtete, dass in den Tagen nach dem 6. Januar (sie war noch am 17. Januar zu sehen) vor Sam Alitos Haus eine umgedrehte amerikanische Flagge gehisst war. Die verkehrt herum gedrehte US-Flagge wird seit der GrĂŒndung der Nation als Zeichen fĂŒr extreme Not verwendet und wurde beispielsweise von Matrosen verwendet, um Gefahr und Angst um Leben (und Eigentum) zu signalisieren. In den letzten Jahren wurde die Flagge jedoch von âStop the Stealâ beansprucht, also von denjenigen, die das Ergebnis der Wahl 2020 leugneten und damit ihre BestĂŒrzung ĂŒber das zum Ausdruck brachten, was sie als Sturz der nationalen Ordnung ansahen. Sie wurde zum Synonym fĂŒr die Ăberzeugung, dass die Wahl von Joe Biden und den Demokraten gestohlen worden war.
Und deshalb ist das Timing so wichtig: Die Flagge wehte tagelang verkehrt herum vor Alitos Haus, sogar nachdem ein gewalttĂ€tiger Mob das Kapitol gestĂŒrmt hatte und drohte, Mike Pence zu hĂ€ngen, Nancy Pelosi zu ermorden und jedes Kongressmitglied zu jagen, das sie finden konnten â wĂ€hrend Alito und die anderen Richter*innen am SCOTUS entschieden, ob sie einen Fall zur 2020 Wahl anhören wĂŒrden (Alito war in der Minderheit, die dafĂŒr stimmte). Nach zunehmendem öffentlichem Druck lieĂ Alito schlieĂlich verlauten, wer eigentlich Schuld sei â seine Frau Martha-Ann Alito. Die habe in einem Disput mit Nachbarn ihrer Aufgebrachtheit Ausdruck verleihen wollen und daher die Flagge gehisst.
âhöchst unglaubwĂŒrdigâ
Der Religionswissenschaftler Bradley Onishi, Experte fĂŒr die Religiöse und Politische Rechte, ist von dieser ErklĂ€rung nicht ĂŒberzeugt:
âIch finde es höchst unglaubwĂŒrdig, dass Samuel Alito eine Flagge vor seinem Haus wehen lĂ€sst, ohne dass er davon wusste oder sich darum kĂŒmmerte oder die Möglichkeit hatte, sie abzunehmen. Es ist schwer zu glauben, dass diese Flagge gehisst wurde, dass Alito handeln wollte, aber von seiner Frau daran gehindert wurde. Das passt einfach nicht zusammen. AuĂerdem ist sein Amt eines der wichtigsten in den Vereinigten Staaten. Er ist einer von neun Richtern am Obersten Gerichtshof, der nicht gewĂ€hlt wird. Sie werden auf Lebenszeit ernannt. Sie haben eine ĂŒberwĂ€ltigende Verantwortung fĂŒr Unparteilichkeit und NeutralitĂ€t. Dass diese Flagge wegen eines angeblich unbedeutenden Streits mit den Nachbarn ĂŒber dem Alitoâschen Heim wehen wĂŒrde, wĂŒrde bedeuten, dass er seine Pflichten nicht erfĂŒllt.â
AuĂerdem stellte sich seit Alitos Verteidigung heraus, dass der Richter in Bezug auf die Abfolge der Ereignisse gegenĂŒber der Presse und der Ăffentlichkeit wohl gelogen hat â denn der Nachbar, mit dem Martha-Ann Alito aneinandergeraten war, rief direkt nach der Auseinandersetzung die Polizei â am 15. Februar. Alito hatte behauptet, dass seine Frau die Flagge direkt nach dem Streit gehisst hatte â was auf einen Zeitpunkt Mitte Januar schlieĂen lassen wĂŒrde. Doch der Nachbarschaftsstreit fand einen Monat spĂ€ter statt.
eine zweite Flagge
Das wĂ€re verheerend genug â doch kurz darauf stellte sich heraus, dass im Sommer 2023 ĂŒber mehrere Monate hinweg eine zweite Flagge ĂŒber einer Residenz Alitos gesichtet worden war â diesmal ĂŒber seinem Strandhaus in New Jersey: Die Flagge zeigt einen Pinienbaum auf weiĂem Grund und ist als âAppeal to Heavenâ (âAnrufung des Himmelsâ) Flagge bekannt. Eigentlich stammt sie aus dem amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg â doch Religionswissenschaftler wie Matthew D. Taylor und Bradley Onishi haben in den letzten Monaten vermehrt auf die Verwendung der Flagge in der Gegenwart hingewiesen â von Vertreter*innen rechter, extremistischer Theologie und Ideologie.
Popularisiert hatte die Verwendung der Flagge in der Gegenwart der aktuell einflussreichste Prophet der New Apostolic Reformation â einer charismatischen theologischen Strömung, die glaubt, dass Christen beauftragt sind, in Gottes Sinne zu herrschen (sprich: eine theokratische Gesellschaft zu errichten, durch âspiritual warfareâ, âgeistige KriegsfĂŒhrung) â einem Mann namens Dutch Sheets. Sheets popularisierte die Flagge seit 2013, weshalb sie in christlich-nationalistischen RĂ€umen in den letzten zehn Jahren vermehrt auftauchte â bis zum Sturm auf das Kapitol, bei dem ebenfalls zahlreiche âAppeal to Heavenâ Flaggen gehisst worden waren.
âAppeal to Heavenâ
Andrew Seidel, SCOTUS-Experte und Anwalt, sagte mir:
âTatsĂ€chlich zeigen wir in dem Bericht zum 6. Januar, den ich mit einer Reihe anderer Experten erstellt habe, ein Foto von Donald Trump, wie er auf der Rally am selben Tag spricht, wĂ€hrend direkt daneben eine verkehrt herum gedrehte amerikanische Flagge weht, und eine âAppeal to Heavenâ Flagge. Diese beiden Flaggen, die Sam Alito gehisst hat, wehen vor Donald Trump auf der Kundgebung, die Minuten spĂ€ter zum Aufstand und dem Angriff auf das US-Kapitol fĂŒhrte.â
Vor allem die âAppeal to Heavenâ Flagge ist laut Seidel ein sicheres Zeichen dafĂŒr, in was fĂŒr einem extremen ideologischen Raum Alito sich bewegt:
âEs ist erwĂ€hnenswert, dass viele Amerikaner, mich eingeschlossen, eine amerikanische Flagge bei sich zu Hause herumliegen haben, die wir am 4. Juli, am Memorial Day, am Labor Day, oder an jedem anderen Tag an unserem Fahnenmast hissen können. Aber man muss sich schon sehr bemĂŒhen, um eine âAppeal to Heavenâ Flagge zu bekommen. Man muss wissen, was diese Flagge bedeutet. Das ist nicht ĂŒberall bekannt. Und die Leute, die sie in den letzten fĂŒnf, zehn Jahren gehisst haben, waren gröĂtenteils christliche Nationalisten, und sie taten es, um anderen ihre Zugehörigkeit zu dieser Bewegung zu signalisieren.â
die US-Demokratie gefÀhrdet
Ein weiteres Beispiel fĂŒr einen der mĂ€chtigsten MĂ€nner Amerikas, der die Flagge öffentlich zur Schau stellt, ist Mike Johnson, Speaker des ReprĂ€sentantenhauses, der die Flagge vor seinem BĂŒro im Kongress gehisst hat. Die Liste christlicher Nationalisten, die durch die Zurschaustellung dieser Flagge ihre Zugehörigkeit zu der Bewegung, die die US-Demokratie gefĂ€hrdet, ist lang. Seidel erklĂ€rt:
âDie âAppeal to Heavenâ Flagge ist eine Möglichkeit fĂŒr einen christlich-nationalistischen AmtstrĂ€ger, der Bewegung zu signalisieren, dass er Teil dieser christlich-nationalistischen Bewegung ist. Der Reiz, diese Flagge zu haben, wurde also zu einer Art geheimem Handschlag fĂŒr christliche Nationalisten, um sich gegenseitig als Teil der Bewegung zu identifizieren.â
DafĂŒr eignete sich diese historische Flagge besonders, weil sie denjenigen, die sie hissen, eine einfache Ausrede ermöglicht, dass sie lediglich Ausdruck ihrer Bewunderung fĂŒr George Washington sei. Was sich seit der zunehmenden nationalen Berichterstattung ĂŒber die Flagge geĂ€ndert habe, sei ihre Funktion innerhalb der christlich-nationalistischen Bewegung, analysiert Seidel:
âJetzt ist die Flagge zu etwas anderem geworden, jetzt, wo sie sozusagen entlarvt wurde, um, wie die Rechte behauptet, Sam Alito zu ruinieren.â
âdie Own-the-Libs-Flaggeâ
TatsĂ€chlich haben in den letzten Tagen zahlreiche rechte Politiker, Influencer und Aktivisten â darunter der Architekt der Republikanischen Mehrheit am SCOTUS, Leonard Leo â die Flagge gehisst, um ihrer UnterstĂŒtzung fĂŒr Alito Ausdruck zu verleihen â aber das ist nur eine der beiden neuen Bedeutungen der Flagge, sagt Seidel:
âJetzt sehen Sie sie als die Own-the-Libs-Flagge.â
Nachdem Alito scheinbar zu dem Schluss gekommen war, dass der Medienrummel um seinen jĂŒngsten Flaggen-Skandal nicht abklingen wĂŒrde, schickte er einen Brief an den Kongress â in dem er erneut seiner Frau die Schuld gab und sie gleichzeitig verteidigte, indem er sagte, sie habe die âWahlâ, die freie Wahl, auf ihrem GrundstĂŒck jede Flagge zu hissen, die sie wolle. Ein Hohn â angesichts von Alitos Rolle dabei, die Rechte von Frauen landesweit (zumindest derer, die nicht mit ihm verheiratet sind) massiv zu beschneiden, findet auch Seidel:
âEr verwendet das Wort âchoiceâ! Er trollt uns praktisch mit diesem Brief. Was er mit diesem Brief aber auch kommuniziert, ist, zu sagen: Ihr könnt mich nicht aufhalten. Ich habe diesen Job auf Lebenszeit. Der Anschein von Unparteilichkeit ist mir egal. Ich habe die Macht, und ich werde sie ausĂŒben. Ich sage seit Jahren, dass diese Richter des Obersten Gerichtshofs machttrunken sind.â
Alito zur Rechenschaft ziehen?
Vielleicht hat Alitos dreistes Verhalten dazu beigetragen, dass nach anfĂ€nglichem Zögern jetzt Stimmen in der Demokratischen Partei laut werden, die fordern, dass Alito zur Rechenschaft gezogen wird. Ein Amtsenthebungsverfahren im Kongress hat jedoch keine Aussicht auf Erfolg â immerhin hat der MehrheitsfĂŒhrer der Republikaner, Mike Johnson, dieselbe Flagge vor seinem BĂŒro gehisst â und zudem haben christliche Nationalisten schlicht zu viel Geld in das Gericht investiert, um jetzt zuzulassen, dass es zu einem solchen Verfahren kommt, sagt Seidel:
âEin Amtsenthebungsverfahren wird nicht nur nicht funktionieren, weil es in der amerikanischen Geschichte selten ist, sondern weil Mitch McConnell und Donald Trump und Leonard Leo so viel politisches Kapital investiert haben, um das Gericht zu kapern. Wir wissen, dass hunderte Millionen in die aktuelle Besetzung des Supreme Courts investiert wurden- sie haben so viel politisches Kapital verballert um diese Leute an den Gerichtshof zu bringen, dass sie jetzt niemandem [aus der GOP] erlauben werden, fĂŒr die Amtsenthebung zu stimmen. Das ist ja der Grund, weshalb die ganze Strategie der christlich nationalistischen Bewegung darauf aufbaut, die Gerichte unter ihre Kontrolle zu bringen â weil die von der Bevölkerung schwerer zur Rechenschaft zu ziehen sind.â
Man will zeigen, wie korrupt das oberste Gericht ist
Demokraten wie der Abgeordnete Jamie Raskin fordern im Fernsehen ĂŒbertragene Anhörungen, mit denen der Ăffentlichkeit gezeigt werden kann, wie korrupt dieser Supreme Court ist â und um die kompromittiertesten Richter, Clarence Thomas und Sam Alito, zu zwingen, sich von allen FĂ€llen, die den 6. Januar betreffen, wegen Befangenheit zurĂŒckzuziehen. Dabei gehen die Skandale der rechtskonservativen Mehrheit des SCOTUS weit ĂŒber Flaggen-Gate hinaus â seit Jahren macht die rechte Mehrheit Schlagzeilen, weil sie Luxusgeschenke von rechten MilliardĂ€ren annimmt und sich keinerlei MĂŒhe mehr macht, politisch unabhĂ€ngig zu erscheinen.
Um der schlechten PR entgegenzuwirken hatte sich das Gericht zwar im November 2023 einen Ethikkodex verpasst â nur ist der leider kaum das Papier wert, auf dem er steht, denn es gibt keinen Durchsetzungsmechanismus â die Richter*innen sind selbst dafĂŒr zustĂ€ndig, sich zu kontrollieren â man kann sich ausrechnen, wie gut das funktioniert: gar nicht. Demokraten wie der Abgeordnete Jamie Raskin fordern deswegen jetzt zumindest im Fernsehen ĂŒbertragene Anhörungen, mit denen der Ăffentlichkeit gezeigt werden kann, wie korrupt dieser Supreme Court ist. Onishi sieht hier auĂerdem eine Chance, so UnterstĂŒtzung fĂŒr eine spĂ€tere, umfassende SCOTUS-Reform zu sammeln:
âIch denke, es gibt hier einen Weg fĂŒr die Demokraten, die Forderung nach einer Erweiterung des Gerichtshofs wieder aufleben zu lassen und dem amerikanischen Volk zu vermitteln, dass der Gerichtshof ernsthaft reformiert werden muss â und zwar nicht aus GrĂŒnden der politischen Machtgier, sondern weil es FĂ€lle wie diese Flaggenkontroversen gibt, die wirklich zeigen, wie eine Reform der gesamten Nation zugute kommen wĂŒrde. Wenn die Demokraten die Energie und den Willen dazu haben, besteht meiner Meinung nach eine Chance, die Sache durchzusetzen.â
antidemokratische Bewegungen bis ins oberste Gericht
Dass Richter Alito oder jemand in seinem Haushalt öffentlich zwei Flaggen gehisst hat, die mit antidemokratischen Bewegungen assoziiert sind, ist aus verschiedenen GrĂŒnden ein massives Problem: Denn, wie Seidel erklĂ€rt, hĂ€ngt die LegitimitĂ€t nicht nur davon, ob sie diese Unparteilichkeit auch glaubwĂŒrdig vermitteln können:
âIndem er diese Flaggen an seinem Haus hisst, egal er sie gehisst hat oder seine Frau, hat Richter Sam Alito sich öffentlich nicht nur als ParteigĂ€nger, sondern auch als christlicher Nationalist identifiziert. Er hat sich öffentlich einer Bewegung in den Vereinigten Staaten angeschlossen, einer antidemokratischen Bewegung, die glaubt, man habe Donald Trump den Wahlsieg gestohlen. Das ist nicht nur eine öffentliche ErklĂ€rung von Parteilichkeit und eine Zugehörigkeit zu einer antidemokratischen Bewegung â sondern es geht hier um eine politische Bewegung, die sehr weit am Ă€uĂersten Rand der amerikanischen Politik steht und jeden Tag mehr zum Mainstream wird.â
Gleichzeitig ĂŒbten sich einige etablierte MedienhĂ€user bei der Berichterstattung ĂŒber Flaggen-Gate nach wie vor in Verharmlosung. Die New York Times titelte, Alito habe eine weitere âprovokante Flaggeâ gehisst, die fĂŒr eine âchristlicher ausgerichtete Regierungâ argumentiere â eine verharmlosende Formulierung fĂŒr das, was christliche Nationalisten, die sich hinter der Flagge versammeln, tatsĂ€chlich wollen: eine Theokratie.
Das Ende der US-Demokratie
Der Religionswissenschaftler Bradley Onishi formuliert es mir gegenĂŒber so:
âEin SCOTUS Richter, der diese zwei Flaggen hisst â das ist monumental. Diese Flaggen sind mehr als âpolitisch aufgeladenâ, sie reprĂ€sentieren Gruppen, die offen das Ende der amerikanischen Demokratie forden, und die Abschaffung der amerikanischen Verfassung. Sie wird von White Nationalists und gewalttĂ€tigen christlichen Nationalisten verwendet.â
John Roberts, Chefrichter am SCOTUS, hat sich derweil offiziell geweigert, einer GesprĂ€chseinladung von Demokratischen Senatoren nachzukommen, um ĂŒber den Flaggenskandal zu sprechen â das verstoĂe gegen die Prinzipien der Gewaltenteilung, behauptete Roberts. Er lehnte auch die Aufforderung der Senatoren ab, dass Alito wegen Befangenheit von einem Fall zum 6. Januar zurĂŒckzutreten solle â obwohl der ĂŒber seinen Immobilien Flaggen gehisst hatte, die UnterstĂŒtzung fĂŒr den versuchten Staatsstreich und die Errichtung einer Theokratie signalisieren. Damit macht sich Roberts â der in der medialen Berichterstattung oft fĂ€lschlicherweise oft als âmoderaterâ Konservativer dargestellt wird â mitschuldig â und liefert Alito die RĂŒckendeckung, derer dieser sich scheinbar so sicher war, dass er sich â zu Recht â fest genug auf der Richterbank wĂ€hnte, um diese beiden Flaggen ĂŒber seinen HĂ€usern wehen zu lassen.
Wie korrupt ist das Gericht?
Als wĂ€re all das nicht genug, um den von Rechten gekaperten Supreme Court in maximal schlechtem Licht dastehen zu lassen, legte der Speaker des ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson, noch einmal nach. Nachdem eine Jury in New York Donald Trump in allen 34 Anklagepunkten schuldig gesprochen hat, forderte Johnson den Supreme Court auf, einzuschreiten â und deutete an, dass er selbst persönliche Beziehungen zu einigen der Richter pflege:
âIch bin der Meinung, dass der Oberste Gerichtshof eingreifen sollte, ganz klar. [âŠ] Die Menschen mĂŒssen glauben, dass die Justiz fair ist, dass es gleiche Gerechtigkeit vor dem Gesetz gibt. Das sehen sie im Moment nicht. Und ich glaube, dass die Richter am Gericht, von denen ich viele persönlich kenne, darĂŒber genauso besorgt sind wie wir.â
Eine bemerkenswerte Aussage in Zeiten, in denen die rechtsreaktionĂ€re Mehrheit am Obersten Gerichtshof wegen ihrer allzu kuscheligen Beziehungen zu Republikanischen GroĂspendern und der christlich nationalistischen Bewegung in der Kritik steht.
Es sieht ganz danach aus, als hĂ€tte die amerikanische Rechte es satt, auch nur zu versuchen, den Anschein aufrecht zu erhalten, dass das Oberste Gericht des Landes eine neutrale Institution sei, deren Richter keine politischen Akteure sind. Man darf nur erschaudern beim Gedanken daran, welche Flaggen die Alitos im November auf Lager haben â und welche Entscheidungen dieser Gerichtshof bis dahin noch durchdrĂŒcken wird.
Artikelbild: Jae C. Hong/AP/dpa
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