What was Doge? How Elon Musk t...
Eine Geheimwaffe gegen Datensilos im Web
RSS ist grossartig. Ein Webfeed verwandelt eine Information im Web in eine Informationseinheit, die nicht mehr an ihrer ursprünglichen Quelle «klebt». Sie taucht dort auf, wo wir – die Webnutzerinnen und Webnutzer – sie haben möchten. Das heisst: Statt Nachrichten über einzelne Newssites zu konsumieren, lesen wir sie konzentriert und konsolidiert in einem Feedreader. Podcasts landen automatisch in der passenden App und müssen nicht über wackelige Webplayer angehört werden.
So toll das ist, gibt es einen Haken: Längst nicht alle Websites bieten Feeds an.
Das ist kein Zufall. Der offene Ansatz läuft den Absichten vieler Betreiber zuwider. Die betrachten ihre Angebote als Silos. Wer sie benutzen will, muss das vor Ort tun und sich der Gefahr aussetzen, im Silo eingesperrt zu werden. Die grossen Social-Media-Plattformen lassen Besucher höchst ungern wieder ziehen. Sie versuchen mit allen Tricks, die Verweildauer zu erhöhen. Da sie dabei erschreckend erfolgreich sind, orientieren sich viele Medienunternehmen an diesen Methoden.
Man könnte RSS deswegen für ein Auslaufmodell halten. Meines Erachtens ist die gegenteilige Interpretation richtig: Diese Webfeeds sind unsere beste Waffe im Kampf gegen diesen Isolationismus der Tech-Konzerne.
Feeds von feedlosen Websites erstellen
Und es stellt sich die Frage: Lässt sich diese Waffe etwas schärfen?
Die Antwort lautet ja: Neulich begegnete ich rss.app. Diese Webanwendung tut zweierlei:
Individuelle Feeds erstellen und über Bundles gruppieren
Das funktioniert folgendermassen:
Zur Anpassung der Feeds und Inhalte gibt es folgende Möglichkeiten:
Via Edit Feed benennen wir unseren Feed, versehen ihn ggf. mit einer Beschreibung und wählen, ob das Favicon angezeigt werden soll oder nicht. Wir können den Autor auswählen (den Namen der Domain, Website, einer eigenen Angabe oder, falls vorhanden, des tatsächlichen Autors).
Für die Feeds gibt es via Knopf Customize einige Einstellungen: Wir geben an, wie viele Posts er beinhalten soll (zwischen 1 und 25), ob Bilder eingebettet werden sollen und ob ggf. ein Standardbild verwendet werden soll. Wir limitieren die Titellängen, konfigurieren die Beschreibung, passen das Datum an (bei Postings ohne Datum wird eines geschätzt) und schliessen einen Permanent-Link ein.
Die Widgets wiederum gibt es in diversen Layouts: als klassische Liste, magazinartige Kachel-Anordnung oder als Tickerband mit durchscrollenden Schlagzeilen.
Last but not least gibt es eine Übersetzungsfunktion für die Feeds. Diese wird wahlweise von Deepl oder Google Translator erstellt.
Wie praxistauglich RSS.app ist, zeigen zwei Tests:
1) Übers Netz verstreute Informationen einsammeln
Die erste Versuchsanordnung ist zugegebenermassen egozentrisch. Ich bündle meinen Output in einer Übersicht. Doch selbstverständlich lässt sich die Methode genauso gut für beliebige andere Fälle adaptieren, bei denen übers Netz verteilte Informationen an einer zentralen Stelle zusammengeführt werden müssen.
Ich hinterlege erstens meine Autorenseite beim Tagesanzeiger, die früher einen RSS-Feed ausspielte, das heute leider nicht mehr tut. Zweitens ergänze ich die URL zu meinem Instagram-Account. RSS.app fertigt mir jeweils passende Feeds. Die gruppiere ich zum Bundle «Egowatch», das über eine eigene Feed-Adresse zugänglich ist. Es lässt sich problemlos über das Firefox-Plug-in Feedbro abonnieren. Oder über einen anderen Feedreader wie Feedly oder Lire.
So erscheint mein «Egowatch»-Feed mit Tagi-Artikeln und Instagram-Posts im Feedreader Feedbro.2) Den eigenen Nachrichtenkanal auf Slack einrichten
Der zweite Test umfasst einige meiner bevorzugten Nachrichtenquellen aus dem digitalen Bereich. Wired, The Verge, Heise, Ars Technica und Co. besitzen allesamt einen RSS-Feed und müssen nicht gescrapt werden. Für diese Quellen bietet RSS.app an, das Originalformat auszuliefern oder eine individuelle Variante anzupassen.
Ich entscheide mich für die Originalversion. Bei diesem Test geht es mir hauptsächlich darum, die Integration in Dritt-Apps zu prüfen. Ich richte in der Slack-Umgebung meines Arbeitgebers den Kanal #digital-newsbot ein. Die Anbindung bleibt leider auf halbem Weg stecken: Die Integration muss vom Slack-Administrator genehmigt werden. Natürlich ergibt es Sinn, dass nicht jeder im Unternehmen beliebig Dritt-Apps anflanschen kann. Für meinen Test bedeutet das eine Verzögerung – das endgültige Ergebnis werde ich hier nachtragen.
Die Widget-Ansicht meiner letzten Tagi-Artikel.Fazit: Auf Anhieb überzeugend – mit zwei Einschränkungen
In einer perfekten Welt wären alle Websites interoperabel und RSS.app überflüssig. Da wir indessen in einer imperfekten Welt leben, ist RSS.app willkommen, einige der real existierenden Fehler auszubügeln. Mein erster Eindruck ist hervorragend, die Lösung erfüllte alle meine Erwartungen. Ob sie auf Dauer überzeugt, ist eine andere Frage. Wie üblich gilt: Falls nachträglich Mängel auftreten, werden die hier als Nachtrag rapportiert.
Zwei Einschränkungen trüben das positive Fazit:
Fussnoten
1) Eine Auswahl an Plattformen, die von RSS.app unterstützt werden. Es gibt noch viele weitere mehr, und es können auch beliebige Websites mit ihrer Homepage oder einer Unterkategorie bzw. Stichwort-Übersicht angegeben werden, die in einen Feed umgewandelt werden:
Ferner existiert ein KI-getriebener RSS Builder, der bei Bedarf hilft, Informationen in der gewünschten Form abzugreifen (Scraping).
Beitragsbild: Facebook, Youtube, Tiktok, Instagram und Twitter (von links nach rechts) (stevepb, Pixabay-Lizenz).
#digital #Longread #RSS»Das gesamte Vermögen der Fürsten, die bis zur Staatsumwälzung im Jahre 1918 in einem der deutschen Länder regiert haben, sowie das gesamte Vermögen der Fürstenhäuser, ihrer Familien und Familienangehörigen werden zum Wohle der Allgemeinheit ohne Entschädigung enteignet.
Das enteignete Vermögen wird Eigentum des Landes, in dem das betreffende Fürstenhaus bis zu seiner Absetzung oder Abdankung regiert hat.«
(LTO)
https://www.lto.de/recht/feuilleton/f/entschaedigungslose-enteignung-zugunsten-der-armen
Facebook ersetzt Journalismus durch Kitsch
Vermutlich meint sie nicht ihren Milchkaffee.Ist das ein echtes Problem?
Die Frage stellt sich beim heutigen Thema, weil auf der Meta-Plattform Threads solche Posts wie derjenige von Emily veröffentlicht werden und Tausende von Likes absahnen. Frau Owen posiert mit einem Coffee to go und der Aussage, sie sei stolz, weiss zu sein. Und obwohl ich nichts mit Emily zu tun habe und nicht die geringste Lust verspüre, mit ihr in eine Diskussion über stumpfsinnige Rassismusäusserungen einzutreten, präsentiert mir Mark Zuckerbergs Algorithmus diesen Post ungefragt in meiner Zeitleiste. Also: ein echtes, drängendes Problem.
Demgegenüber geht es in diesem Blogpost um eine Sache, die im Vergleich harmlos wirkt. Mark Zuckerberg reibt mir auf einer seiner anderen Plattformen (Facebook) automatisch Posts unter meine Nase, bei denen man annehmen könnte, sie seien ein Grund zur Freude. Es handelt sich um positive Meldungen aus einer immer schwierigeren, beängstigenderen Welt. Hier sind Leute am Werk, die den Glauben ans Gute anfachen. Oder?
Fünf herausragende Beispiele dieser Machart:
1) Auf Santorini dürfen dicke Touristen nicht mehr auf Eseln reiten
Wer hat kein Herz für Esel?Klingt sinnvoll: Wer über hundert Kilogramm wiegt, sollte sich nicht auf einen armen Esel setzen und sich den Hang hochschleppen lassen dürfen.
Diese Geschichte, die das Herz aller Tierfreunde erwärmt, wurde von einer Facebook-Seite mit dem irritierend nichtssagenden Namen Typisch Bugra – FaxxenTV in Umlauf gebracht. Der Urheber präsentiert ein verwirrendes Durcheinander an Inhalten und hat aus mir völlig uneinsichtigen Gründen 1,3 Millionen Follower. Zum Vergleich: SRF hat nur einen Zehntel (133’800 Leute).
2) Ausgemusterte Busse werden zu mobilen Lebensmittelläden
Eine bessere Welt dank alten Bussen und Containern.«My Hobby» schreibt, in Deutschland würden aus Schiffscontainern modulare Unterkünfte für obdachlose Menschen. Der Bildpost schneidet ein anderes, ähnlich gelagertes Thema an und berichtet, in Dänemark würden ausgemusterte Busse zu mobilen Lebensmittelläden umgebaut.
Hierzulande mag man sich an die Migros-Verkaufswagen erinnern, die vor mehr als hundert Jahren durch die Schweiz fuhren und in den 1970er-Jahren auch in meinem Dorf für eine willkommene Einkaufsgelegenheit sorgten.
3) Der treue Hund Hachikō an der Shibuya-Station
Kein Tag, an dem dieser Hund nicht auf Facebook anzutreffen ist.Ein Hund wartete auch nach dem Tod seines Herrchens für Jahre an einer Bahnstation und wurde so zu einem Symbol für Treue. Diese Begebenheit ist auf Wikipedia dokumentiert.
Auf Facebook wird sie andauernd von allen möglichen und unmöglichen Accounts aufgewärmt. Hier von Video Trends oder hier bei PawLove mit einer besonders widersinnigen Betextung:
Kennst du diese Geschichten, die man nie vergisst, egal wie oft man sie hört 🐕
4) Der bekehrte Matador
Hier stimmt nichts – weder der Text noch das Bild.Auch das ein Wiedergänger, der intensiven Facebook-Nutzern etwa dreimal am Tag begegnet: Álvaro Múnera Builes sei ein bekehrter Matador. Bei «Momente der Inspiration» liest sich das wie folgt:
Während eines angespannten Stierkampfes tat der Matador Álvaro Múnera das Unvorstellbare. Während die Menge vor Aufregung tobte und das nächste dramatische Manöver erwartete, trat er plötzlich vom Stier zurück, ging an den Rand der Arena und setzte sich hin. Stille legte sich über das Publikum.
Múnera habe dem Stierkampf den Rücken gekehrt und sei ein engagierter Tierschutzaktivist geworden, erfahren wir: ein Mensch, der von einer Sekunde auf die nächste sein Leben umkrempelte, vor den Augen des staunenden Publikums.
5) Die stillende Polizistin
Die Polizistin, die schnell mal ein hungriges Baby stillt.Dieses Posting stammt von einem Facebook-User namens Hichäääm, von dem wir nichts weiter erfahren, als dass er eine «Person des öffentlichen Lebens» sei und 1,1 Millionen Follower habe. Er postet alte und neue Meldungen aus dem In- und Ausland, ohne dass ein Muster erkennbar wäre. Mal geht es um die AfD, mal um den nicht mehr finanzierbaren Sozialstaat, mal um Elon Musk, der seine Definition, was eine Frau sein sollte, zum Besten gibt.
Im fraglichen Beitrag ist eine argentinische Polizistin die Heldin, die ein unterernährtes Baby selbst gestillt habe:
Die Polizistin Celeste Ayala zeigte damit, dass Mitgefühl und Verantwortung manchmal wichtiger sind als Dienstvorschriften.
Rührseliger Kitsch
Leider habe ich es nicht geschafft, euch diese Meldungen so neutral zu präsentieren, wie ich es mir vorgenommen hatte. Darum ahnt ihr vermutlich schon, in welche Richtung meine Kritik zielt.
Diese Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben alle einen wahren Kern, werden aber zu undifferenziert, rührselig und verkitscht dargestellt. Sie lassen alle Aspekte weg, die die angestrebte Wirkung beeinträchtigen würden. Konkret:
Ich möchte das grundsätzliche Problem anhand des zweitletzten Beispiels, Matador, weiter ausführen.
Diese Erzählung wurde früher oft mit einem Bild in Umlauf gebracht, das einen anderen Stierkämpfer zeigt. Heute verwendet man, natürlich, einen KI-Deepfake.
Wer hätte es gedacht?«Alles kann auf Facebook monetarisiert werden»
Bei der Verbreitung von derlei Informationsmüll gibt es eine finanzielle Komponente. Das fragliche Posting wurde über 8800-mal geteilt und hat 56’700 Likes eingeheimst. Wie oft der Beitrag gesehen wurde, lässt sich daraus nicht direkt ableiten, aber immerhin schätzen: Die Zahl dürfte sich im Millionenbereich bewegen. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass selbst die grossen Schweizer Newssites eine solche Reichweite kaum je mit einem einzelnen Beitrag erzielen. Bekanntlich lässt sich solcher Content bei Facebook zu Geld machen. Hier heisst es:
Jedes Content-Format kann monetarisiert werden, nicht nur Videos, sondern auch Fotos, Textbeiträge und Stories. (…)
Die Content-Monetarisierung auf Facebook verfügt über ein «performancebasiertes Auszahlungsmodell», bei dem deine Auszahlungen auf den Interaktionen deiner Zielgruppe basieren. Je besser deine Inhalte abschneiden, desto mehr Geld kannst du verdienen.
Stellt sich also die Frage: Hat der Betreiber der Seite «Momente der Inspiration» für diesen Beitrag – der inhaltlich keinerlei Eigenleistung beinhaltet – Geld bekommen? Die ehrliche Antwort ist, dass ich das nicht weiss. Falls es so sein sollte, würde ein Mindestmass an Transparenz gebieten, dass Facebook diesen Aspekt öffentlich macht.
Jedenfalls durchschaue ich trotz Studiums dieser Seite hier nicht, wie man die Einnahmen abschätzen könnte. Mein Experte für dieses Thema (Claude) meint, bei einer «guten Monetarisierungsstrategie» würden um die 2000 Euro drin liegen.
Wir kommen zum Schluss, dass Information, Berichterstattung und Faktenvermittlung nicht das Ziel solcher Wandersagen sind. Die Botschaft ist bloss Mittel zum Zweck. Es geht um die Emotionalisierung des Publikums – mutmasslich wegen der Umsatzbeteiligung –, und dafür wird alles weggelassen, was nicht ins Bild passt.
Damit zurück zur Ausgangsthese: Obwohl wir es nicht mit Hass zu tun haben, wie bei Emilys White Supremacy-Bekundung, ist in diesen Fällen die performative Zurschaustellung von Liebe zu Mensch und Tier nicht positiv zu werten.
Auch «positive» Fake News sind verheerend
Es hilft nicht, dass wir es nicht mit «harten» Fake News zu tun haben, mit denen die öffentliche Meinung gelenkt und manipuliert werden soll. Denn die «soften Fake News» wirken auf Dauer ebenfalls verheerend – vielleicht nicht so schnell, wie politische Lügen, aber dennoch so stark, dass wir sie auf keinen Fall unterschätzen dürfen:
Letztens und Schlimmstens: Die Politik hat kapituliert. Man prüft Alterslimits für soziale Medien, die dummerweise bei diesem Problem hier nicht im Geringsten etwas bewirken würden. Aber niemand hält es für diskussionswürdig, dass sich Meta mit der Monetarisierung hier direkt als Verleger betätigt, aber sich gleichzeitig mit der alten Ausrede, auf einer Plattform mit User Generated Content nur als Vermittler zu agieren, aus jeder Verantwortung stiehlt.
Aber gut, mit einem Medienminister, der auch nach der deutlichen Ablehnung der SRG-Initiative noch immer überzeugt ist, der Markt würde auch die Sache mit den Medien regeln, haben wir es in der Schweiz nicht besser verdient.
Beitragsbild: Bei ihr hat es jedenfalls gewirkt (RobinHiggins, Pixabay-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #Facebook #FakenewsDeepfakes #Longread #Politik #SozialeMedienRE: https://hachyderm.io/@skinnylatte/116219096586066411
Very much worth reading #LongRead
What if #AI bullishness is actually the ultimate macro bear case? 📉 Thought-provoking must read:
The 2028 global intelligence crisis - A thought exercise in financial history, from the future https://www.citriniresearch.com/p/2028gic #report📄 #longread
Von Markdown nach Word und zurück
Neulich schrieb ich darüber, was mir an Markdown gefällt und was mich stört. Die Reaktionen auf diese Auslegeordnung waren vielfältig und differenziert. Und es gab Anregungen aus der Leserschaft: Roman empfahl mir Writage: «ein fantastisches Plug-in, mit dem man Markdown problemlos in und aus MS Word bringt».
Ich verstehe das als Auftrag, diesen Tipp an euch weiterzugeben. Denn es gibt triftige Gründe, sich von Word zu lösen. Nicht nur die digitale Souveränität, sondern auch die Tatsache, dass Word nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Doch um diese Trennung zu vollziehen, muss sichergestellt sein, dass wir wichtige Dokumente zu einer neuen Software umziehen können. Denn während Google für Docs einen Export und Import bereithält, hat man bei Microsoft anscheinend noch nie von dieser Auszeichnungssprache gehört. (Fairerweise sei gesagt, dass der Windows-Editor alias Notepad eine rudimentäre Markdown-Unterstützung bekommen hat.)
Also: Wie bekommen wir den Datenaustausch zwischen Word und einem Markdown-Editor unserer Wahl hin? Bevor ich mich Writage zuwende, erkläre ich euch die Methode, die ich gern anwende.
1) Datenaustausch via Zwischenablage
Das ist die Copy-Paste-Methode: Mit meinem Markdown-Editor Typora lassen sich Inhalte via Zwischenablage austauschen. Dieser Weg funktioniert mässig gut: Simple Formatierungen, also kursiv und fett formatierte Passagen, werden übernommen, ebenso Durchstreichungen, horizontale Trennlinien, Bilder, Aufzählungen und Listen.
Aber vieles bleibt auf der Strecke:
Das heisst: Ein, zwei Absätze lassen sich so transferieren. Aber für Dokumente, die nicht bloss aus Fliesstext bestehen, ist diese Methode ungeeignet.
Übrigens: Hier findet sich ein Demo-Dokument, das alle wesentlichen Syntaxelemente der Markdown-Auszeichnungssprache umfasst. Es ist nicht nur praktisch, um die Möglichkeiten und Grenzen bestimmter Konvertierungsverfahren auszuloten. Es hilft auch bei der Evaluation von Markdown-Editoren. Bei Typora sehen wir beispielsweise, dass standardmässig einige Auszeichungs-Elemente nicht aktiv sind; namentlich die Hervorhebung und die Hoch- und Tiefstellung. Über Datei > Einstellungen in der Rubrik Markdown werden sie eingeschaltet.
2) Von Markdown nach Word mittels Writage
Writage macht auch vor langen Buchmanuskripten keinen Halt.Die brennende Frage lautet jetzt natürlich: Macht es Writage besser?
Es handelt sich um eine eigenständige Anwendung, in der wir Dokumente im Docx-Format von Word und als MD (Markdown) öffnen und in den jeweiligen Formaten speichern können. Es ist auch möglich, Inhalte via Zwischenablage einzufügen und zu speichern.
Probehalber öffne ich das erwähnte Markdown-Demodokument und speichere es als Docx. Das Resultat in Word ist deutlich besser als bei Methode 1, jedoch nicht perfekt:
~~Strikethrough~~.Was halten wir davon?
Eine gewisse Ernüchterung kann ich nicht leugnen: Meine Erwartung war ein einwandfreies Resultat. Aber es bleibt dabei, dass die Konvertierung von Dateiformaten eine heikle Angelegenheit ist – selbst bei einem vermeintlich so simplen Fall wie formatiertem Text. Falls es zwischen den Formaten bzw. Programmen Unterschiede im Funktionsumfang gibt, sind Verluste unvermeidlich. Was Writage angeht, liessen sich die meisten Mängel leicht ausbügeln; die Durchstreichungen, Hoch- und Tiefstellungen lassen sich per Regex (bzw. Platzhalter, respektive Mustervergleich, wie das bei Word heisst) nachträglich korrigieren.
Die Bilder müssten von Hand eingefügt werden. Bei der Demodatei sind die Bilder über Weblinks eingebettet. Es funktioniert leider auch nicht mit einer lokal verlinkten Bilddatei.
2) Von Markdown nach Word mittels Pandoc
Pandoc ist eine freie Software zur Dateikonvertierung. Ich lernte sie vor Jahren schätzen, und hatte erst neulich dank ihr ein scheinbar unlösbares Problem geknackt. Und siehe da: Pandoc enttäuscht auch in dieser Situation nicht. Das Resultat ist deutlich besser als bei den ersten beiden Methoden:
Trotzdem: Ein Hoch auf Pandoc! Wer in Markdown schreibt, aber gelegentlich Worddoks abliefern muss, wird hier bestens bedient.
Pandoc ist ein wahrer Konvertierungskünstler.3) Von Word nach Markdown mittels Writage
Es kommt hinzu, dass wir typischerweise keine Markdown-Dateien in Word bearbeiten wollen. Denn wenn wir Word den Rücken kehren, dann würden wir den umgekehrten Weg beschreiten. Entscheidend ist daher, was mit Docx-Dateien passiert. Das ist schwieriger zu beurteilen, weil der Funktionsumfang in Word um Welten grösser ist als in Markdown. Es gibt eine Reihe von Eigenschaften, die sich in der einfachen Auszeichnungssprache nicht abbilden lassen. Das gilt für die Gestaltungsfunktionen, Einstellungen wie Spaltensatz, Textfelder, und so weiter. All diese Dinge lassen sich in Markdown nicht repräsentieren.
Links Word, rechts Typora: Die Konvertierung des Buchmanuskrips fordert Opfer: das individuelle Format für die Frage fehlt in Markdown.Eine allgemeingültige Beurteilung ist nicht möglich. Welche Kompromisse gemacht werden müssen und ob die akzeptabel sind, muss von Fall zu Fall beurteilt werden. Das sind meine Eindrücke nach einigen Stichproben:
Fazit
Wer sich von Word wegbewegt, wird allein mit Markdown nicht glücklich werden. Das ist unbefriedigend, liegt jedoch in der Natur der Sache.
Den Unwägbarkeiten zum Trotz ist Writage für diesen Zweck eine gute Wahl. Da es eigentlich kein Plug-in, sondern eine eigenständige Anwendung ist, benötigen wir Word nicht, um unsere Dokumente zu konvertieren. Das heisst: Wir können unser Microsoft-365-Abo kündigen und unseren Dokumentenbestand nach Bedarf durch die Mangel drehen. Der Kaufpreis von 29 US-Dollar (plus Steuern) dafür ist fair. Was mir fehlt, ist ein Batch-Konvertierungs-Modus, mit dem sich eine grössere Anzahl Dokumente in einem Rutsch umwandeln lässt.
Für sporadische Nutzung ist und bleibt meine Empfehlung Pandoc.
Beitragsbild: Wenn Word der Überseekoffer ist, dann ist Markdown dieses Handtäschchen (Mart Production, Pexels-Lizenz).
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