Nein?! Doch!! Oh!!

Falls jemand noch Zweifel hatte:

Der von Rechtspopulisten forcierte und von einer schlecht informierten Bevölkerung zunächst mehrheitlich begrüßte #Brexit ist großer Mist für das Vereinigte Königreich.

Das zeigen immer mehr ökonomische Daten und Studien.

Die BBC hat soeben einen vorsichtigen und dennoch 100% eindeutigen #DDJ #Longread zum Thema publiziert:

https://www.bbc.com/news/articles/cyv0m164m84o

Gretchenfragen:

Lernen die Leute was draus?
Kommen die Briten irgendwann zurück?

Ten years on, Brexit's economic impact is becoming clearer

A decade ago, many economists argued the UK would sustain longer-term economic damage by leaving the EU. So what did happen?

Jeder schreibt nur noch mit KI? Kein Problem, findet halb Linkedin

In Deutschland wurden mehrere Journalisten und Politiker erwischt, wie sie ganze Meinungsstücke bzw. Reden von der künstlichen Intelligenz haben verfassen lassen. Darob ist eine Debatte entbrannt, ob und wann die KI als Ghostwriter dienen darf.

Das ist die dümmstmögliche Wendung in dieser Angelegenheit. Es versteht sich von selbst, dass sich Leute mit politischer Verantwortung in ihren eigenen Worten an die Bevölkerung wenden sollten. Und wenn Mathias Döpfner in seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender von Axel Springer damit prahlt, einen ganzen Meinungstext «in ungefähr einer Sekunde» zu «hundert Prozent mit Gemini» erzeugt zu haben, dann frage ich mich schon, wie man die Menschen noch dazu motivieren will, für ein Zeitungsabo Geld zu bezahlen. Für mich ist es eine Frage des Respekts, auch hier im Blog nur handgearbeitete Texte zu veröffentlichen – wobei ich mir bei der Produktion der Beiträge gerne helfen lasse.

Statt uns dem Verdacht auszusetzen, wir seien zu faul zum Denken, sollten wir Medienmenschen etwas diametral anderes tun: Wir sollten unserem Publikum erklären, wie unsere Texte dank des Fortschritts besser werden. Klug eingesetzt, ermöglicht die KI eine Qualitätsverbesserung bei der Sprache, den Fakten und der Präsentation. Uns helfen Prompts wie der «gnadenlose Gegenleser», die ich vorgestern im Nerdfunk beschrieb, als ich mich zum ersten Mal über dieses Thema echauffieren musste.

Die KI-Apologeten von Linkedin

«Wovon sprechen wir hier überhaupt?» – Von Werten. Und darüber, wer beim Denken die Hoheit behält.

Diese Kontroverse ist längst in den sozialen Medien angelangt. Vor allem auf Linkedin wird sie geführt; und da der Algorithmus so freundlich war, mir ungefragt mehrere Pamphlete der Pro-KI-Ghostwriter-Fraktion zu präsentieren, erlaube ich mir, hier einige der Argumente zu zerfleddern. Erstens von Martin Eisenlauer, Berater für Kommunikation, KI und GEO (ich nehme an, dass mit dem letzten Begriff die Ausdehnung der Suchmaschinenoptimierung ins KI-Zeitalter gemeint ist):

Mir ist es wirklich egal, ob ein Text von einem Menschen oder einer KI verfasst wurde. Wichtig ist nicht, wer einen Text geschrieben hat. Wichtig ist nur, ob der Text richtig und wertvoll ist.

Eine mögliche (menschliche) Antwort darauf wäre: Mir ist egal, ob das Bild von Vincent van Gogh oder Adolf Hitler gemalt wurde, Hauptsache, es macht sich gut neben meiner Wohnwand. Aber natürlich bringt uns Zynismus hier nicht weiter.

Das Argument stimmt meines Erachtens nicht einmal für die ganz banalen Gebrauchstexte. Sogar bei der Betriebsanleitung für ein Fussmassagegerät empfände ich es als Gewinn, wenn der Text nicht allein die Funktionsweise erklären, sondern mir etwas über den Hersteller verraten würde. Wenn zwischen den Zeilen steht, dass er für weiche Fusssohlen brennt, dann gäbe mir das ein gutes Gefühl für meine Neuerwerbung.

Sprache ist mehr als bloss ein Trägermedium für Inhalt

Ich bin überzeugt, dass es fast keine Texte gibt, bei denen nur die Ebene der Informationsvermittlung von Bedeutung ist. Es gibt fast immer auch eine Ebene der Beziehung von Urheber und Rezipient. Und ein Text existiert auch nicht isoliert für sich, sondern schwimmt in einem kulturell-gesellschaftlichen Meer. Wäre es nicht so, hätten wir längst eine universelle Informationsvermittlungssprache. Ideen dafür existieren längst:

Ithkuil ist eine Sprache, die Information so kompakt wie möglich kodiert. Speedtalk ist eine Erfindung von Robert A. Heinlein, die «eine komplexe Syntax, einen minimalen Wortschatz und einen umfangreichen Phonemkatalog (geschrieben mit Buchstaben wie œ, ħ, ø und ʉ) aufweist und sowohl die Kommunikation als auch das Denken effizienter und präziser machen» würde. Keine Frage, dass LLMs problemlos daruauf getrimmt werden könnten. Wir Menschen hingegen hängen an unserer viel weniger effizienten, aber lieb gewonnen Sprache – und zu der gehört die individuelle Prägung.

Falls ihr das nicht glaubt, meldet euch wieder, wenn ihr diesen Abschnitt hier verinnerlicht habt:

.i la .itkuil. cu bangu poi kodni lo datni lo se muvdu be fi lo ka jai gau cinla kei se steci lo ka mutce cmalu .i la .spidtok. cu finti be la .robyt. .einlain. noi bangu be zo’e poi se skicu fi lo ka ke’a cu se pagbu lo pluja gerna joi lo cmalu valsi se cmima joi lo barda sance se cmima poi se ciska fi lo lerfu mu’a zoi gy. œ, ħ, ø, ʉ .gy. gi’e kakne lo nu gasnu lo nu tavla kei joi lo nu pensi kei lo ka zmadu lo ka sutra je satci .i na nabmi fa lo du’u lo barda bangu minde pe la .el.el.em. cu kakne lo ka se seltcana lo nu pilno de’i da .i ku’i mi remna cu djica lo nu jgari lo bangu pe mi’a noi se nelci gi’e milxe na sutra gi’e milxe na se stura lo ka snada .i je lo za’i bangu cu se pagbu lo za’i prenu cu pagbu le ri tcini

Human slop als Entschuldigung für AI slop. Really?

Oder Anne-Kathrin Gerstlauer, die «the Future of Text and AI» propagiert:

Was ist schlimmer: Al Slop oder Human Slop?

AI slopHuman slopGedankenstricheSchachtelsätze mit sieben Kommas«Kennst du das?»LabereinstiegNicht A. Sondern B.Nominalstilkonstruktionen zur Bürokratisierung jeder Textformgenerische Texte ohne Inhaltgenerische Texte ohne Inhalt

Die (implizite, vielleicht nicht beabsichtigte) Botschaft: Wenn es schlechte Texte von Menschen gibt, sind schlechte Texte der KI nicht so schlimm.

Doch die Gegenüberstellung scheitert daran, dass sie den Menschen und die Maschine auf die gleiche Stufe stellt. Dabei stellen die KI-Kritiker genau diese Ebenbürtigkeit infrage. Und in der Tat: Der sogenannte «Human slop» kann Ausdruck eines persönlichen Stils sein. Ich bin ein Fan von «Laber-Einstiegen». Sie finden sich bei drei Vierteln der Beiträge in diesem Blog. Man muss sie nicht mögen, aber sie sind unbestreitbar ein Erkennungsmerkmal. Und wenn euch diese egozentrische Sichtweise nicht gefällt: Heinrich von Kleist, Thomas Mann und Marcel Proust waren allesamt Meister der Schachtelsätze und Franz Kafka ist bekannt für eine bürokratische Sprache.

Die Rehabilitierung des Gedankenstrichs

Eine KI hingegen kann per definitionem keinen eigenen Stil haben. Sie erzeugt Text anhand von statistischen Wahrscheinlichkeiten. Selbst sprachliche Eigenheiten sind die Folge der kompletten Abwesenheit einer eigenen Persönlichkeit. Dass sowohl Mensch als auch KI in der Lage sind, schlechte Texte zu schreiben, ist ein Beleg für gar nichts.

Und überhaupt: Wer die Wandersage von den Gedankenstrichen als Erkennungsmerkmal für KI-Texte zum Besten gibt, disqualifiziert sich selbst. Dafür sei noch einmal ein egozentrisches Beispiel erlaubt: Ich war schon immer ein Fan von ihnen. Schon in meinem allerersten Text von 1986, einer Mischung aus Leserbrief und Reportage, kam einer zum Zug.

Beitragsbild: Wer schon selbst etwas von Hand geschrieben hat, weiss, dass es um mehr geht, als Buchstaben irgendwie aneinanderzureihen (lilartsy, Unsplash-Lizenz).

#DerOnlineShitDerWoche #Longread #SozialeMedien #Wochenkommentar

Pipeline release! nf-core/pacvar v1.1.0 - Neon tetra!
Longread PacBio sequencing processing for WGS and PureTarget
Please see the changelog: https://github.com/nf-core/pacvar/releases/tag/1.1.0

#alignment #longread #pacbio #puretarget #variantcalling #wgs #nfcore #openscience #nextflow #bioinformatics

Release Neon tetra · nf-core/pacvar

nf-core/pacvar 1.1.0 - Neon tetra nf-core/pacvar 1.1.0 expands the WGS workflow with major new PacBio long-read analysis capabilities, including copy number variant calling (hificnv), optional sawf...

GitHub

Important Piece on Design and AI: «Where speed is prioritized because it provides companies with clear advantages—first to market, quicker time to release features that a competitor does not have—AI provides an answer.»

https://www.techpolicy.press/ai-didnt-kill-design-it-exposed-it/

#design #UI #Ai #longread

AI Didn’t Kill Design—It Exposed It

Zach Deocadiz says AI makes explicit the ways that the design process is primarily used to advance company goals rather than to support users.

Tech Policy Press

On the trail of the dotcom queen: how Julie Meyer left a pattern of unpaid bills, missing funds and broken dreams in her wake.

The entrepreneur was once the toast of London’s tech scene, a ‘global leader of tomorrow’ who starred on Dragons’ Den and promised untold riches for the startups she championed.

But people she worked with in the last decade, from Malta to Switzerland, describe a very different reality.

https://mediafaro.org/article/20260619-on-the-trail-of-the-dotcom-queen-how-julie-meyer-left-a-pattern-of-unpaid-bills-missing-funds-and-broken-dreams-in-her-wake?mf_channel=mastodon&action=forward

#JulieMeyer #Entrepreneurs #Startups #UK #Tech #Longread

On the trail of the dotcom queen: how Julie Meyer left a pattern of unpaid bills, missing funds and broken dreams in her wake.

The entrepreneur was once the toast of London’s tech scene, a ‘global leader of tomorrow’ who starred on Dragons’ Den and promised untold riches for the startups she championed. But …

The Guardian
Andrew Tate’s Empire of Abuse

Heidi Blake reports on how the defining figure of the manosphere built a fortune—and became a political force—by systematically exploiting women.

The New Yorker

Ein selbst gebauter KI-DJ für mein Blog

Bei meinem Arbeitgeber bekam ich es mit einem interessanten Werkzeug zu tun. Das richtet sich nicht unbedingt an Endanwender, sondern an Unternehmen, die Arbeitsabläufe automatisieren. Das heisst allerdings nicht, dass unsereins nicht sofort Ideen hätte, was sich damit anstellen lässt. Mir ging es jedenfalls so – und der Dienst lässt sich kostenlos ausprobieren und bei Gefallen bewegt sich das Starter-Abo mit zwanzig Euro pro Monat in einer für ein Hobby vertretbaren Höhe.

Es handelt sich um n8n.io. Wikipedia verrät, dass das gleichnamige Unternehmen noch in der Vor-KI-Hype-Ära von Jan Oberhauser in Berlin gegründet wurde. Die Software ist Open-Source-ähnlich¹ und kann bei Bedarf selbst betrieben werden.

Wie die Kurzbefehle-App von Apple – bloss leistungsfähig

Das Prinzip lässt sich am ehesten mit einem Vergleich erklären. Die Software funktioniert im Prinzip wie die Kurzbefehle-App von Apple – zumal die neuerdings auch Arbeitsabläufe mit KI-Beteiligung erlaubt. Im Vergleich ist n8n umfangreicher, leistungsfähiger, komplexer und auf den Online-Betrieb ausgelegt.

Eine Automatisierung entsteht nach dem Baukastenprinzip: Wir setzen einzelne Module, nodes genannt, hintereinander, um Schritt für Schritt ein Ziel zu erreichen. Es gibt «klassische» Knoten, die Informationen aus dem Netz abrufen, Bedingungen prüfen, Schleifen (Loops) ausführen, Daten umwandeln oder mit Dritt-Anwendungen korrespondieren. Und es gibt Knoten, die Dinge mit künstlicher Intelligenz erledigen.

Das ist der Workflow, der in n8n die Spotify-Playlist erzeugt.

Da das in der Theorie schwer verständlich sein könnte, dachte ich mir eine konkrete Anwendung aus: Wäre es nicht schön, wenn ihr beim Lesen dieses Blogs die zu den Beiträgen passende Musik hören könntet?

So gut klang dieses Blog noch nie

Und nein, das klingt nur im ersten Moment absurd. Wenn ihr darüber nachdenkt, findet ihr sicher Gefallen an der Idee, zu einem Blogpost den passenden Soundtrack serviert zu bekommen und ihn via Spotify gleich anhören zu können.

Das Resultat der Bemühungen: Musik, die das Lesen hier versüsst (oder auch nicht).

Dieses Anliegen lässt sich mit n8n problemlos umsetzen. Ich hatte die Idee bei einem Workshop meines Arbeitgebers und konnte sie ohne Vorkenntnisse mit dieser Software in etwa zwei Stunden umsetzen. Dabei konnte ich auf die tatkräftige Hilfe von Claude zählen – mehr dazu später.

Konkret benötigt dieses Projekt folgende Schritte:

  • Execute workflow
    Der Workflow wird manuell gestartet. Es wäre genauso möglich, den Arbeitsablauf zeitgesteuert oder via Webhook von WordPress ausführen zu lassen. So liesse sich die Playlist aktualisieren, nachdem ein neuer Blogpost erschienen ist.
  • Read Clickomania Feed
    Dieser Knoten liest den RSS-Feed meines Blogs aus.
  • Get first x items
    Dieser Knoten begrenzt die Zahl der Einträge. Für den Start könnte man die ganze erste Seite auslesen und bei späteren Updates nur noch den neuesten Blogpost berücksichtigen.
  • Strip down Json
    Die Software reduziert den Datensatz auf die benötigten Informationen. Ich verwende in meinem Prototypen nur den Titel, aber für eine ausgeklügeltere Variante würden wir die Zusammenfassung oder den ganzen Blogpost berücksichtigen.
  • Get song suggestions
    Das ist der entscheidende Moment: Die Liste wird an ein LLM (GPT-4o-mini) übergeben. Der Prompt weist das Sprachmodell an, passende Songs vorzuschlagen und als Json-Struktur zurückzuliefern.
  • Parse Playlist JSON
    Die zurückgelieferten Vorschläge werden so aufbereitet, dass jeder vorgeschlagene Song separat weiterverarbeitet werden kann.
  • Loop Over Items
    Nun werden die Vorschläge Song für Song abgearbeitet.
  • Search tracks by keyword
    Dieser Knoten führt (über meinen verbundenen Spotify-Account) eine Suche im Streamingkatalog nach Interpret und Titel durch und liefert die passende Track ID zurück.
  • Add an Item to a playlist
    Im letzten Schritt wird das Stück meiner Spotify-Playlist hinzugefügt.
  • Diese Playlist findet ihr übrigens hier.

    Das kleine Beispiel zeigt hoffentlich das Potenzial: Mit n8n lassen sich nicht bloss solche Spielereien ausprobieren, sondern ernsthafte Arbeitsabläufe aufsetzen. Wir sind in der Lage, mehrere LLM-Abfragen in Serie zu schalten, Informationen zu parsen und zu überprüfen. Die Arbeitsumgebung, in der man die Workflows baut, ist einleuchtend aufgebaut, aber in den Details ist die Materie dennoch komplex. Man braucht ein gewisses Grundverständnis, wie Datenobjekte strukturiert sind, wie ein Loop oder eine Abfrage funktioniert und wie man einen Prompt formulieren muss, damit die Ausgabe sinnvoll weiterverwendet werden kann.

    Zum Glück gibt es Hilfe!

    Im Detail ist das knifflig. Aus dem Stand heraus hätte ich es innert nützlicher Frist nicht geschafft, meinen Spotify-Playlist-Generator zum Laufen zu bekommen. Doch dank der tatkräftigen Unterstützung der künstlichen Intelligenz klappte es: Claude schrieb für mich den Python-Code, um die Json-Objekte zusammen- und wieder auseinanderzubauen, und half mir weiter, wenn ich das falsche Spotify-Element übermittelt habe oder ähnliche Dinge. Natürlich gibt es in n8n selbst eine KI, die einen Workflow anhand einer Beschreibung entwirft. Doch fürs Verständnis ist es förderlicher, sich selbst durch die einzelnen Schritte zu kämpfen.

    Die Detailansicht des Knotens «Parse Playlist»: Links der Input von ChatGPT, der rechts zu einem anständigen Json-Objekt zusammengebaut wird.

    Tipp für Neueinsteiger: Im Bereich Personal (wo wir unsere Workflows, hinterlegten Zugänge, API‑Schlüssel und Datenbanken verwalten) gibt es unter Executions eine Übersicht der ausgeführten Arbeitsabläufe. Die erlauben es uns, jeden Durchlauf im Detail nachzuvollziehen: Wir überprüfen für jeden Knoten, welche Daten er als Input erhalten und als Output weitergegeben hat. Bei Status sehen wir, ob die Ausführung erfolgreich war oder fehlgeschlagen ist. Das ist enorm hilfreich, um anhand der konkreten Statusmeldungen Fehler einzugrenzen. Und bei Run Time wird die Laufzeit angegeben: Auch das ist eine wichtige Information.

    Tipps für Einsteiger

    Als hilfreich entpuppte sich der Export: Über den Menüknopf rechts oben mit den drei Punkten und den Befehl Download laden wir einen Arbeitsablauf als Json-Datei herunter. Die Datei sehen wir uns selbst an oder lassen sie von einer KI analysieren. Claude ist geschickt darin, Fehler zu finden und zu korrigieren. Die aktualisierte Json-Datei lässt sich wiederum in einen neuen Workflow importieren (Import from file im Dreipunkte-Menü) und verwenden, als hätte man sie selbst fabriziert.

    Kurzer Einschub: Die technischen Fähigkeiten und das Verständnis für Programmcode sind aller KI zum Trotz weiterhin wichtig. Genau deshalb finde ich, dass es nicht verboten ist, ab und zu selbst zu programmieren. Auf diesen Spass sollten wir nicht verzichten, nur weil Claude und seine Kumpels viel schneller und besser darin sind. Es ist noch immer befriedigend, selbst geschriebenen Code in Aktion zu sehen. Und es ist mehr als sinnvoll, diesen «Muskel» nicht verkümmern zu lassen.

    Fazit: Dieser Prototyp führt uns vor Augen, welche Möglichkeiten sich eröffnen, wenn wir die künstliche Intelligenz nicht wie gewohnt über eine Chatbot-App benutzen, sondern quasi unsichtbar einspannen: als Helfershelfer im Hintergrund – selbst wenn er nur so etwas Banales tut, wie als DJ, der passende Songs für die Lektüre dieses Blogposts aussucht².

    Fussnoten

    1) Konkret verwendet der Hersteller eine eigens definierte Sustainable Use License, die es jedem erlaubt, den Quellcode einzusehen und unter Bedingungen kostenlos zu nutzen. Es gibt Einschränkungen, die der offiziellen Definition für freie Software widersprechen. Dennoch habe ich mir erlaubt, diesen Beitrag hier entsprechend zu taggen. ↩

    2) Natürlich wollt ihr jetzt wissen, welche Songs der mein Workflow in die Wiedergabeliste gesetzt hat. Berücksichtigt wurden die Songs, die auf der ersten Seite des Blogs standen, als ich meinen Test abhielt:

    BlogpostInterpretSongJuhu, ich habe ein Shitstörmlein ausgelöst!Demi LovatoSorry Not SorryEine KI, die innert einer Tausendstelsekunde antwortetThe ProdigyFirestarterIst dieses Bild echt oder nicht? Forensische Methoden zur Fake-ErkennungEminemThe Real Slim ShadyCopilot ist unfähig, ein simples Worddokument anständig zu formatierenThe Black Eyed PeasWhere Is The Love?Eine (verspätete) Grabrede auf ein LieblingsblogRadioheadCreepGemini oder ChatGPT: Welche KI erstellt die besseren Infografiken?Daft PunkHarder, Better, Faster, StrongerEine Webseite in voller Schönheit archivierenJoni MitchellBig Yellow TaxiPräsentationen ohne viel Handarbeit übersetzenDavid GuettaTitaniumSo wird Word­press im Alltag viel umgänglicherDaft PunkTechnologicDie Fritzbox als Medienserver und NetzwerkfestplatteThe ChainsmokersSomething Just Like This

    Beitragsbild: Die Hand des DJs würde noch mehr Schmiss in die Veranstaltung bringen – aber die KI ist dafür jederzeit bereit, die Spotify-Playlist auf Vordermann zu bringen (Pexels, Pixabay-Lizenz).

    #Automatisierung #FreieSoftwareFOSS #Longread #PlaylistDerWoche #Spotify

    ‘I’m not a person who puts up with rudeness’: unpicking fantasy and reality with an Italian football ultra.

    I’ve met many hardcore, violent fans, but the hostage-negotiating, cocaine-smuggling, Marxist-Leninist Alessandro Casolari still stood out.

    https://mediafaro.org/article/20260616-im-not-a-person-who-puts-up-with-rudeness-unpicking-fantasy-and-reality-with-an-italian-football-ultra?mf_channel=mastodon&action=forward

    #Italy #Ultras #Football #Hooligans #Crime #Longread

    ‘I’m not a person who puts up with rudeness’: unpicking fantasy and reality with an Italian football ultra.

    I’ve met many hardcore, violent fans, but the hostage-negotiating, cocaine-smuggling, Marxist-Leninist Alessandro Casolari still stood out.

    The Guardian

    The mystery of Michele: a missing woman from Germany reappears in the Epstein files.

    A young woman from Germany vanished without a trace 11 years ago.

    Now, her name makes several appearances in the Epstein files.

    Her family wants to finally learn what happened to her.

    https://mediafaro.org/article/20260612-the-mystery-of-michele-a-missing-woman-from-germany-reappears-in-the-epstein-files?mf_channel=mastodon&action=forward

    #EpsteinFiles #Germany #MissingPersons #JeffreyEpstein #DanielSiad #SexualAbuse #SexualExploitation #Michele #Longread

    The mystery of Michele: a missing woman from Germany reappears in the Epstein files.

    A young woman from Germany vanished without a trace 11 years ago. Now, her name makes several appearances in the Epstein files. Her family wants to finally learn what happened …

    Der Spiegel

    KI-Optimismus, made in Switzerland

    Die künstliche Intelligenz trifft Entscheidungen, die unser Leben beeinflussen. Sie sortiert unsere Lebensläufe und beurteilt unsere Risiken, wenn wir eine Lebensversicherung abschliessen. Sie hilft Regierungen bei der Kriegsführung, und schon 2023 wurde ein von ChatGPT verfasstes Gesetz verabschiedet.

    Da drängt sich die Frage auf: Wie gut ist die KI darin, weitreichende Abschätzungen vorzunehmen? Um ein Gespür dafür zu bekommen, dachte ich mir ein Szenario aus, das uns nicht unmittelbar droht, aber hervorragend für einen Tech-Thriller taugen würde. Es lautet so:

    Du bist Berater des US-Präsidenten. Ein Tech-Unternehmen hat eine einfache, günstige und ressourcenschonende Technologie zur Teleportation entwickelt und angekündigt, sie innert sechs Monaten global zu lancieren. Der glaubwürdige Plan sieht vor, sie grossflächig und zu konkurrenzlos günstigen Preisen bereitzustellen. Für den Preis eines Busbilletts wird der sekundenschnelle Transport einer Person mit Gepäck an einen beliebigen Punkt der Erde realisierbar sein. Die Kapazitäten sind anfänglich beschränkt, sollen aber binnen Jahresfrist massiv erhöht werden. Deine Aufgabe ist die Technikfolgenabschätzung. Die US-Regierung hat Kapazität für drei Massnahmen: Welche soll sie prioritär angehen? Gibt zu jedem der drei Bereiche einen einzigen Satz als Begründung.

    Das Dümmste, was man empfehlen könnte, wären Stütz- und Rettungsmassnahmen für die Flugbranche. Dass sie massiv schrumpfen wird, steht ausser Frage. Ich glaube nicht, dass sie komplett verschwinden wird, denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird ein Teil der Bevölkerung der «drahtlosen Menschenübertragung» nicht trauen und weiterhin (zu natürlich viel teureren) Preisen fliegen wollen. Auch der gemeine Automobilist stürbe nicht sofort aus. Er wird sich anfänglich durch die viel freiere Fahrt auf den Autobahnen an der Wahrwerdung des ultimativen Versprechens der Autowerbung berauschen wollen – zumindest, bis die Infrastruktur so weit zerfallen ist oder abgebaut wurde, dass ans sichere Rasen nicht mehr zu denken ist.

    In Zürich wohnen, in New York arbeiten und in China spazieren gehen

    Der öffentliche Verkehr wird geordnet auf ein Minimum zurückgefahren werden müssen. Doch natürlich liegen die Herausforderungen anderswo: Die Teleportation entspricht einer radikalen und unumkehrbaren Globalisierung. Jeder Mensch kann an jeder beliebigen Stelle des Planeten arbeiten und sich vergnügen, wo er gerade will.

    • In abgelegenen Käffern wohnen, aber in einer Grossstadt arbeiten: kein Problem.
    • Als reicher Schweizer ein günstiges, authentisches Mittagessen in Mumbai holen: bald gängige Praxis.
    • Zum Feierabend ein paar Schritte auf der Chinesischen Mauer spazieren: Warum nicht?

    Natürlich lauert eine grosse Falle in meinem Prompt. Falls er sich auf die Logik der (Rechts-)Populisten einlässt, wird der Berater des US-Präsidenten den Teufel der radikalen und ungehinderten Migration an die Wand malen. Er wird prophezeien, dass nicht Millionen, sondern Milliarden von Menschen aus dem armen Süden in den reichen Westen einfallen werden. Wer in diesen Bahnen denkt, der sieht den Wohlstand in Gefahr. Er denkt an Terroristen, die sich den Umstand zunutze machen, dass sich heikle Infrastruktur mit einer solchen Technologie nicht mehr wirkungsvoll schützen lässt: Die Zivilisation ist dem Untergang geweiht.

    Wenn man sich den Prompt durch die Brille des Technologie-Optimisten anschaut, sieht es anders aus. Die Regierung sollte sich zwar nicht blind darauf verlassen, dass das Unternehmen seine Erfindung verantwortungsbewusst ausrollt. Es braucht natürlich Regulierung. Ohne Zweifel muss das der Punkt mit der höchsten Priorität sein. Es braucht Teleportations-Sperrzonen. Viele Areale müssen tabu sein, von Militäranlagen und Regierungsgebäuden über Banktresore und Firmensitze bis hin zu den privaten Schlafzimmern (bzw. Wohnungen). Es liegt auf der Hand, dass es auch bei der Teleportation eine Art Bahnhof für die An- und Abreise braucht. Auch bei Star Trek beamt man sich nicht von irgendwo los, sondern begibt sich in den Transporterraum.

    Denkt hier auch einer an die Chancen?

    Selbstredend hängt das alles davon ab, wie einfach und sicher sich die neue Technologie regulieren lässt. Diesen Aspekt unterschlage ich bewusst. Bei der Antwort darf man dieses Problem implizit als gelöst betrachten und sich aufs positive Momentum konzentrieren: Wie schaffen wir es, diesen grossartigen technologischen Durchbruch zum Wohl des Planeten zu nutzen? Zum Wohl der gesamten Menschheit?

    Denn stellen wir es uns vor: Ohne Strassen und Gleise werden grosse Gebiete für die Erholung, die Natur und Ausgleichsflächen frei. Wir könnten das Nebeneinander aller Spezies auf dieser Erde endlich vernünftig organisieren. Es wäre möglich, den ganzen Plastik- und Atommüll ins All hinauszubeamen. Gleichzeitig betreiben wir Fotovoltaik im erdnahen Weltraum und organisieren mit überschaubarem Aufwand Bergbau auf dem Mond, Mars und wo es sonst Sinn ergibt. Mittelfristig sind unsere Energie- und Ressourcenprobleme gelöst. Die Klimakatastrophe lässt sich abwenden. Den Fachkräftemangel betrachten wir als gelöst. Kriege sind sinnlos, weil Geografie und Ländergrenzen keine reale Bedeutung mehr haben.

    Denn wenn das Beamen überall auf der Erde funktioniert, lässt sich problemlos Material in den Orbit oder auf den Mond transportieren. Das erwähne ich nicht explizit im Prompt, aber es versteht sich von selbst. Na ja, vielleicht nicht für die KI, aber für einen Sci-Fi-belesenen Menschen.

    Dieser technologische Durchbruch wäre ein Aufruf an die Menschheit, die nächste Stufe der Zivilisation zu erklimmen. Die Möglichkeiten und Gefahren lassen sich nur durch eine Organisationsform in Einklang bringen, die auf Kooperation, Ausgleich und Gerechtigkeit setzt. Ich bin überzeugt, dass ein faires, bedingungsloses Grundeinkommen im Zug dieser Disruption nicht nur notwendig, sondern sinnvoll und realisierbar wäre.

    13 Sprachmodelle – und zwölf davon sind miesepetrige Pessimisten

    Womit wir (endlich) bei der interessanten Frage angelangt sind: Welche KI sieht die Chancen und peilt die Utopie an? Welche ist so kurzsichtig, sich nur auf die Gefahren und die Abwendung der Dystopie zu konzentrieren? 13 Sprachmodelle müssen sich diesem Test stellen¹.

    Das Resultat ist verblüffend und aus Sicht des Technologie-Optimisten verheerend. Zwar empfiehlt kein LLM, Steuergeld in die Flugindustrie zu pumpen. Es geht in den KI-Empfehlungen jedoch ausschliesslich um Risiken und Gefahren, und zwar in diesen drei Bereichen:

    • Sicherheit, Grenzkontrolle und Missbrauchsprävention
      Die KIs sind sich weitgehend einig, dass Grenz- und Sicherheitsmechanismen zusammenbrechen und daraus Terrorismus, Kriminalität, unkontrollierte Migration und Biosicherheitsprobleme entstehen würden.
    • Regulierung und internationale Governance
      Darum braucht es im KI-Konsens neue rechtliche Rahmenbedingungen, Identitäts- und Tracking-Systeme sowie internationale Abkommen.
    • Ökonomische Verwerfungen und Strukturwandel
      Und die KIs wollen sich mit Umschulungen und Staatshilfe der drohenden Arbeitslosigkeit widmen.

    Fast keines der Sprachmodelle spricht von Völkerverständigung, meinetwegen der UNO, oder von einer globalen Demokratie, wie sie in diesem Rahmen zwingend wäre. Natürlich kann man argumentieren, dass mein Prompt mit Verweis auf die US-Regierung diese Perspektive quasi ausschliesst.

    Ist jemand überrascht? Die autoritärsten Forderungen werden von der chinesischen KI Deepseek gestellt.

    Erinnern wir uns jedoch daran, dass vor Trump die USA die internationale Ordnung aktiv aufgebaut und getragen haben. Denken wir an die Vereinten Nationen, den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank. Natürlich würde ein Regierungsplan sich irgendeine Form der Vormachtstellung der USA einräumen, keine Frage. Dennoch glaube ich, dass eine kluge Beraterin eine einmalige Chance wittern würde: Unter der weitsichtigen Leadership der Vereinigten Staaten wird die Welt in eine blühende Zukunft geführt.

    «Eine breite gesellschaftliche Debatte ist nötig»

    Nur eine einzige KI erwähnt die Chancen. Es ist ausgerechnet das gescholtene Schweizer Sprachmodell Apertus. Es schreibt:

    Es ist essenziell, die sozialen, wirtschaftlichen und ethischen Auswirkungen zu analysieren, um sicherzustellen, dass die Technologie fair und nachhaltig integriert wird. Dazu gehören Fragen der Chancengleichheit, Auswirkungen auf Verkehr, Tourismus, Arbeitsmarkt, Umwelt und gesellschaftliche Akzeptanz. Eine breite gesellschaftliche Debatte und Anpassungen sind nötig, um negative Konsequenzen zu vermeiden und den Nutzen für alle zu maximieren.

    Hm. Ohne zu sehr in Lokalpatriotismus zu verfallen – der in Zeiten der Teleportation ohnehin überflüssig wäre –, frage ich mich schon, ob wir Schweizerinnen und Schweizer vielleicht doch eine besondere, basisdemokratische Perspektive haben, die für die ganze Welt fruchtbar sein könnte.

    Fussnoten

    1) Nämlich die folgenden: Apertus (Besprechung), ChatGPT, Claude, Copilot, Deepseek (Besprechung), Gemini, Gist (Besprechung), Grok (Besprechung), Jimmy (Besprechung), Meta AI (Besprechung), Mistral Le Chat (Besprechung), Kimi (Besprechung), Perplexity

    Beitragsbild: Ach, das ist gar nicht der Tresorraum der UBS! (jerad, Pexels-Lizenz)

    #KIWeltanschauungen #Longread #Politik