Der Rechtsaußen-Zensurkulturminister

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer geriert sich in der Öffentlichkeit gerne als Liberal-konservativer, ist bewusst parteilos und hat sich als Gründer und Verleger nach eigenem Bekunden immer wieder um eine “Modernisierung” des Konservatismus bemüht. Dabei herausgekommen sind aber überwiegend rückwärtsgewandte Produkte wie “Cicero” und die Weimer Media Group, die er gemeinsam mit seiner Frau gegründet hat. Aus der hat er sich angeblich zurückgezogen, nachdem er das Amt des Kulturstaatsministers angetreten hat. Seine Tätigkeit in FAZ, Welt und Focus machen deutlich, auf welcher politischen Seite er immer gestanden hat. Aber das waren offensichtlich nur harmlose Jugendsünden. Nun hat er die Feier seines Buchhändlerpreises, den die Staatsminister:in für Kultur einst ohne Regelanfrage beim Verfassungsschutz vergab, absagen müssen. Wie schade!

In seiner neuen Aufgabe als Kulturstaatsminister im Bundeskanzleramt hat er sich in zwei wichtigen Fragen als Person herausgestellt, die mit einem liberalen Freiheits- und Kulturverständnis offensichtlich auf Kriegsfuß steht.

Bedenkliches Eingreifen in die Berlinale

So nahm Weimer den angeblich problematischen Auftritt eines Filmschaffenden auf der Berlinale zum Anlass, um Festivalleiterin Tricia Tuttle erst öffentlich zu kritisieren, dann ihre Integrität in Zweifel zu ziehen, und ihr mehr oder weniger unverhohlen mit Entlassung zu drohen. Dabei ist es Tuttle zu verdanken, dass die Berlinale nach wie vor internationalen Rang und Aufmerksamkeit genießt und zu den wenigen Festivals gehört, bei denen sowohl israelische, als auch palästina-freundliche Beiträge im Wettbewerb stehen, differenzierte Diskussionsbeiträge möglich sind, ohne dass einerseits mit der Antisemitismus-Keule und andererseits mit dem Völkermord-Vorwurf jeder Dialog bereits im Ansatz erschlagen wird. Nach dezidierten Protesten aus der Kulturszene ob dieses Angriffs auf die Denk- und Kunstfreiheit ruderte Weimer dann im Lauf der vergangenen Woche zurück, nicht ohne Tuttle einen Katalog mit Handlungsanweisungen und amtlichen Bevormundungen für zukünftige Fälle zu verordnen.

Übergriffe gegen angeblich “Linke” Buchläden

Staatsminister Weimer selbst vergibt einen Preis, mit dem Buchläden und Literaturschaffende ausgezeichnet und gefördert werden. Das wäre  eigentlich eine rechtschaffene Tätigkeit, hätte Weimer sie nicht auf seine ureigenste Weise uminterpretiert. Er sieht seine Aufgabe darin, linke Umtriebe zu verfolgen. Dabei knüpft er nahtlos an das Schema der Berufsverbote der 70er Jahre an, als Lokführer, die in der DKP (Deutsche Kommunistische Partei, moskautreu) Mitglied wurden, aus dem Staatsdienst zu entfernen waren, damit sie keine Diesellok nach Moskau entführen. Dass das – was jeder Modellbahner weiss – mit der russischen Spurweite gar nicht geht, wusste der Verfassungsschutz damals nicht. Nun beschloss 45-50 Jahre später der Minister für politische Kultur, Weimer, dass angeblich linke Buchläden, die angeblich von Verfassungsschützern beobachtet wurden, von diesem Wettbewerb auszuschließen seien. Weil ja der Linksextremismus von Buchläden zu den größten gesellschaftlichen Problemen gehört, die wir aktuell zu bewältigen haben. Oder nicht? Zynisch daran ist, dass er nicht einmal benennen kann, was sich denn die von der Förderung ausgeschlossenen drei Buchläden zuschuldenkommen ließen. Und ebenso zweifelhaft ist, auf welcher Rechtsgrundlage das Bundesamt für Verfassungsschutz, auf das sich seine Beamten offensichtlich stützten, denn diese Buchläden, die keine “Bestrebungen” i.S. des BVerfschG sind, vorwirft.

Braune Socke im Schwarzen Schlafrock?

Schauen wir uns doch mal genauer an, was der Multimillionär Weimer, der seine Geschäfte derzeit im Schoß der Ehefrau “ruhen” lässt, sonst so noch auf Lager hat: Wichtigstes “Werk” Weimers ist das “Konservative Manifest”, das als „Gift für Linke und eine Zumutung für Rechte“ beworben wurde. Darin formuliert Weimer „Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit“ (u. a. „Person würdigen“, „Familie lieben“, „Nation ehren“, „Tradition hegen“, „Recht und Ordnung respektieren“ und „Gott achten“). Diese harmlos erscheinenden Regeln politischer Rückwärtsgewandtheit  versucht Weimer nun im Gedankengebäude seiner Illiberalität im Sinne Macchiavellis durchzusetzen. Wer die Macht hat, oder über die Fördermittel entscheidet, bestimmt, was gedacht wird. Dieser Kulturbegriff, der an einen Kulturminister einer längst vergangenen deutschen Diktatur erinnert, – das war einmal Konsens von konservativ über liberal bis sozialdemokratisch -, darf niemals mehr in diesem Land eine Chance haben. Wo aber irrlichtert Weimer?

Merz muss die Sache erklären

Weimer ist Staatsminister im Bundeskanzleramt für Kultur. Damit agiert er direkt im Machtbereich des Bundeskanzlers. Wenn ein Bundeskanzler in die Nähe der parteipolitisch motivierten Diffamierung und Diskriminierung von aufklärerisch aktiven Buchläden – auch wenn sie ihm politisch nicht passen – als Zensor oder Beschützer eines Zensors tätig wird, dann ist es um die Kultur einer freiheitlichen Demokratie schlecht bestellt. Urteile über kulturell integres Verhalten, Freiheit der Kunst und Meinungspluralismus stehen dem Bundeskanzleramt nicht zu. Aber das Bundeskanzleramt betreibt ja ohnehin mit Unterstützung des Bundespresseamts eine dubiose Politik der Eingriffe in die politische Diskussion und Öffentlichkeit.

Bundespresseamt oder konservatives Politbüro?

So fördert man ja nicht nur mit einem Titel des Bundespresseamts 0432 Titel 685 06 unter “Institutionelle Förderung nach § 26 Abs. 3 BHO”  zum einen die transatlantischen Organisationen wie die “Atlantik-Brücke”, “Deutsch-Atlantische Gesellschaft”, “Aspen-Institute” und “Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.” Bonn,  sowie  die “Europa-Union”, sondern auch dubiose Konstrukte wie die “Liberale Moderne gGmbH”, das “Progressive Zentrum”, und fördert im Bundeshaushalt 2026  erstmalig das erzkonservative Konstrukt “Republik21 e.V.”  “Denkfabrik für bürgerliche Politik”, das sich in der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses mit Stimmen der Koalition in die Förderung des Bundespresseamts gemogelt hat.

Berufsverbote drohen!

Wir beobachten mit Sorge eine politische Entwicklung, die in absehbarer Zeit zu Berufsverboten gegen Gewerkschafter*innen und engagierte Beschäftigte führen kann. Berufsverbote meint, dass Kolleg*innen aufgrund ihrer angeblichen Ideen oder Taten die Einstellung oder die Beschäftigung in Betrieben des öffentlichen Dienstes verweigert wird. Mehrere Bundesländer haben die Regelabfrage beim Verfassungsschutz wieder eingeführt oder sind dabei, diese einzuführen. Die Regelabfrage bedeutet, […]

https://jena.fau.org/2026/01/13/berufsverbote-drohen/

Ich glaube, gegen die Anti-»#Antifa«-#Hetze (eigentlich #Antika), die gerade begonnen hat, waren die #Berufsverbote damals ein Kinderspiel. Ich hab so ein Gefühl, wenn ich mir die #Kälte der #KapitalPolitKlasse so ansehe. Hoffentlich täusche ich mich, und es wird keine #Inquisition.
Heute (13 Uhr sowie 17 Uhr) in #Hamburg gegen #Berufsverbote: Kundgebung am Mittwoch, 26.11.: Kundgebung "Nein zu Berufsverboten 2.0! https://www.labournet.de/?p=156604
„Disziplinarrechtliche Konsequenzen“ bei „extremistischen Bestrebungen“? Berufsverbot gegen Rechte zielt (auch) auf die Linke - nun z.B. in Brandenburg » LabourNet Germany

Dossier "... Zurzeit wird viel darüber gesprochen und gestritten, ob ein neuer „Radikalenerlass“ eingeführt werden soll - nämlich gegen Rechte. Einen entsprechenden Beschluss haben die Innenminister und Innensenatoren am 18. Oktober 2019 gefasst. (...) Wir Betroffene des sog. „Radikalenerlasses“ vom 28. Januar 1972 lehnen solche Vorstöße ab, und zwar aus ganz konkreter persönlicher und politischer Erfahrung. Wir sind gebrannte Kinder: Wir haben nach 1972 erfahren, dass und wie solche Maßnahmen, die sich angeblich gegen rechts und links richten, sehr bald und dann fast ausschließlich gegen linke Kritiker der herrschenden Verhältnisse angewandt werden. Heute soll – so die Innenminister - geprüft werden, „inwiefern bei extremistischen Bestrebungen disziplinarrechtliche Konsequenzen bis zur Entziehung des Beamtenstatus ermöglicht werden können“. Wie vor Jahren von „Radikalen“, so sprechen die Minister heute ganz allgemein von „Extremisten“, statt von Nazis..." Aus der Presseerklärung vom 30.10.2019 bei berufsverbote.de - siehe dazu einen weiteren Kommentar, den wir ebenfalls teilen, und erneute Bestrebungen. NEU: Kundgebung am Mittwoch, 26.11. in Hamburg: Nein zu Berufsverboten 2.0

LabourNet Germany
Ohne die AfD beim Namen zu nennen, forderte #Steinmeier, die #Brandmauer zu halten und jede Zusammenarbeit mit rechtsextremen Parteien zu unterlassen. Er plädierte für #Berufsverbote für rechtsextreme #Beamte und für eine Diskussion über ein #Parteiverbot.

Steinmeier mit deutlicher Warn...
Steinmeier mit dramatischer Warnung: Demokratie in Deutschland in Gefahr

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält am Jahrestag des Mauerfalls 1989, des antijüdischen Pogroms der Nazis 1938 und der Ausrufung der Republik nach dem Ersten Weltkrieg 1918 in seiner Residenz Schloss Bellevue in Berlin, Deutschland, eine Rede über aktuelle Gefahren für die Demokratie.

Hamburger Abendblatt

Die geplante Regelanfrage beim #Verfassungsschutz für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst bedeutet faktisch die Wiedereinführung der #Berufsverbote.

Wir sprechen darüber mit Tanja Chawla (Vorsitzende DGB Hamburg) Hans-Peter de Lorent (Autor), Lisa Poettinger (Klima-Aktivistin), Rolf Gössner (Jurist). Moderation: Deniz Celik (Linksfraktion Hamburg

📅 10. November 2025
🕕 18:00 Uhr
📍 Ort: Besenbinderhof 57a (DGB), Raum Rethe

Kommt vorbei!

#ichbinsoalt Erste Demo war gegen #Radikalenerlass #Extremistenbeschluss

Wikipedia: Die #Berufsverbote, wie diese Praxis im Alltag bald benannt wurde, waren einmalig in den Europäischen Gemeinschaften. Zwar hieß es, sie seien gegen „Radikale von links wie rechts“ gerichtet, faktisch aber betrafen sie „fast ausschließlich“ (Friedbert Mühldorfer) Kommunisten und andere Linke wie etwa Mitglieder der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) oder des Sozialistischen Hochschulbunds (SHB). So wurden in Bayern zwischen 1973 und 1980 aus dem linken Spektrum 102 Bewerber abgelehnt, dagegen nur zwei aus dem rechten. Die Befürworter des Radikalenerlasses wandten sich gegen die Verwendung des Worts „Berufsverbote“, weil es sich – wie es das Bundesverfassungsgericht im sog. Extremisten-Beschluss formulierte – um „ein Schlag- und Reizwort“ handle, „das nur politische Emotionen“ wecken solle.

In der Praxis zweifelte der Staat oft sehr früh an der Verfassungstreue von Linken und sehr spät oder überhaupt nicht an der Verfassungstreue von Rechten. Um daran zu erinnern, muss man nicht in die Zeit der Berufsverbote in den 1970er und 80er Jahren zurückgehen.

Wichtiger Beitrag. Mich beunruhigt die Stille von linker Seite zu diesem Thema.

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1192828.berufsverbote-fragwuerdige-listen.html

#berufsverbote #verfassungsschutz #linke

Fragwürdige Listen

Rheinland-Pfalz meldete kürzlich, keine AfD-Mitglieder mehr in den Staatsdienst aufnehmen zu wollen. Das stimmte so nicht. Aber die Länder werden restriktiver in ihrer Einstellungspraxis. Davor warnen Linke.

nd-aktuell.de

Gegen einen neuen Radikalenerlass

Beamt*innen und Tarifangestellte des Landes Rheinland-Pfalz sollen nach einer offensichtlich vom Verfassungsschutz ausgegebenen Liste aus dem Staatsdienst ferngehalten werden.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung nimmt die Diskussionen um ein AfD-Verbot und die Einstellung von rechtsradikalen Personen in den Mitarbeiter*innenkreis der AfD-Fraktion des Landtags zum Anlass eine neue Auflage des Radikalenerlasses aus den 70er Jahren in die Umsetzung zu bringen.

Anstatt den Kampf gegen antidemokratische und profaschistische Kräfte, die innerhalb der AfD und in ihrem Umfeld sich immer mehr Geltung verschaffen bereitet die rheinland-pfälzische Landesregierung einen Rundumschlag gegen Mitglieder rechter, aber auch linker Organisationen vor. So stehen auf der Liste der Organisationen, die von einem neuen Berufsverbot betroffen wären zum Bsp. Die Rote Hilfe e.V., DKP, SDAJ, Marx21, die Interventionistische Linke, die FAU und viele andere Gruppierungen. Man kann auch als Linker zu einzelnen dieser Gruppen stehen wie man will, aber diese Organisationen eint ein Weltbild, das auf Solidarität, Antifaschismus, Antirassismus aufgebaut ist, sowie der Einsatz gegen Militarismus und Hochrüstung. Darüber hinaus für die Bekämpfung von Ausbeutung und Unterdrückung.

Das Andere, was diese Gruppen gemeinsam haben ist, das sie vom Verfassungsschutz des Bundes und des Landes Rheinland-Pfalz als verfassungsfeindlich gekennzeichnet werden. Einem Verfassungsschutz, der es nicht geschafft hat uns vor der Ausbreitung faschistischer Organisationen zu bewahren und selbst zu Zeiten des NSU in rechtsterroristische Betätigungen über V-Leute eingebunden war.

Dies macht vor Allem eines klar: In Deutschland gibt es keine Organe, deren Aufgabe der Schutz der Bevölkerung vor Demokratiefeinden und profaschistischen Kräften ist. Selbst die Regierungen der sogenannten Mitte stellen in der Friedensfrage und dem Schutz von geflüchteten und armutsbetroffenen Menschen fast täglich Verfassungsgrundsätze in Frage. Nach Außen hin regiert aber das Hufeisen mit radikalen Rändern rechts und links.

Das ist inhaltslos und schützt in erster Linie die Regierenden und deren Ausführungsorgane und nicht die schutzbedürftigen Menschen und ihre Rechte. Im Gegenteil.

https://www.wormser-zeitung.de/politik/politik-rheinland-pfalz/extremistisch-das-ist-die-liste-des-innenministeriums-4784840

https://www.tagesschau.de/inland/regional/rheinlandpfalz/afd-rheinland-pfalz-staatsdienst-100.html

#verfassungsschutz #afdverbot #radikalenerlass #berufsverbote
#rlp

Extremistisch: Das ist die Liste des Innenministeriums

Mitglieder „extremistischer Organisationen“ sollen in Rheinland-Pfalz nicht mehr im Staatsdienst angestellt werden. Darunter fallen auch Mitglieder einer Mainzer Burschenschaft.

Wormser Zeitung