Raus aus der Ohnmacht

Konferenz gegen Big Tech

Zur „ersten Bewegungskonferenz gegen Big Tech“ in Berlin kamen 750 Menschen zusammen. Bei „Cables of Resistance“ ging es um Protest, Betriebsräte und Widerstand gegen Rechenzentren. Die vielleicht radikalste Antwort der Aktivist:innen auf die Macht der Tech-Konzerne: Verweigerung.

Was tun gegen Big Tech? Am vergangenen Wochenende kamen in Berlin deutsche und internationale Aktivist:innen, Gewerkschafter:innen, Forscher:innen und Künstler:innen zur Konferenz „Cables of Resistance“ zusammen, um über die Frage zu beraten, die derzeit so viele beschäftigt. Ihre Antwort: radikale Verweigerung, Protest und Widerstand.

Ins Leben gerufen wurde die „erste Bewegungskonferenz gegen Big Tech“ von den Gruppen Berlin vs. Amazon, Tesla den Hahn abdrehen und die Berlin Tech Workers Coalition. Mit ihrem tech- und kapitalismuskritischen Ansatz haben sie offenbar einen Nerv getroffen: Die Tickets waren schnell ausverkauft, mehr als 750 Menschen kamen nach Angaben der Veranstalter:innen in das Tagungshaus am Franz-Mehring-Platz.

Das überwiegend durch Einreichungen aus der Community bestückte Programm war geprägt durch kritische Analyse des Status Quo, internationale Vernetzung und Austausch über politische Strategien. In insgesamt neun Themen-Tracks ging es um Fragen von Stadtpolitik, Nachhaltigkeit, Militarisierung oder Arbeitskämpfe.

„Die Speerspitze der kapitalistischen Akkumulation“

Die Ausgangslage beschreiben viele derzeit als düster. Angesichts der Übermacht der großen Tech-Konzerne kann man schon mal leicht verzweifeln. Ihre wirtschaftliche und politische Dominanz ist konkurrenzlos. Allein die fünf wertvollsten unter ihnen – Nvidia, Apple, Google, Microsoft und Amazon – strichen im letzten Jahr fast 500 Milliarden US-Dollar Gewinn ein. Ihr gemeinsamer Marktwert beträgt derzeit mehr als 18 Billionen US-Dollar – astronomische Zahlen.

Für die Veranstalter:innen steht fest: „Digitale Technologien sind die derzeitige Speerspitze der kapitalistischen Akkumulation und Zerstörung.“ Und: „Das digitale Kapital steht hinter dem Faschismus und ist sein bereitwilliger Handlanger.“ So heißt es im Entwurf für ein Manifest, das die Organisator:innen zu Beginn der Konferenz zur Debatte stellten und das sie im Nachgang weiterentwickeln wollen.

In den Diskussionsrunden war zwar hier und da Skepsis angesichts der vor Superlativen und historischen Referenzen strotzenden Wortwahl zu hören. Doch dass die Tech-Konzerne tief in die großen Krisen unserer Zeit verwickelt sind, das ist hier Konsens. Sie treiben den Klimawandel voran und lassen in kolonialer Manier Arbeitskräfte und Rohstoffe im Globalen Süden ausbeuten. Sie profitieren von Überwachung und Militarisierung. Mit ihren Lobby-Armeen nehmen sie Einfluss auf die Politik, mit ihren Milliarden gestalten sie unsere Städte um. Sie hofieren Donald Trump und normalisieren seine Politik.

Die vielleicht mächtigste Waffe der Tech-Konzerne: Sie bestimmen, wie die Zukunft aussehen soll – nicht nur technisch, sondern auch diskursiv. Dass mehr Innovation, mehr Technologie und allen voran mehr KI immer besser seien, sagen längst nicht mehr nur sie. Auch viele Politiker:innen wiederholen das Mantra vom vermeintlichen digitalen Fortschritt unhinterfragt. Big Tech hat nicht nur das Internet gekapert, sondern auch unsere Vorstellung davon, wie digitale Zukünfte überhaupt aussehen könnten.

„Big Tech wird unseren Planeten mittel- bis langfristig zerstören“, so fasst Mitorganisatorin Aline Blankertz in einem Pressegespräch die Lage zusammen. Die Konferenz wolle deshalb Menschen zusammenbringen, „die für eine solidarische, selbstbestimmte, klimagerechte Zukunft kämpfen.“

Konkret ging es zum Beispiel um Arbeitskämpfe und die Rolle, die Angestellte von Tech-Konzernen spielen können, um diese zu verändern. Wie kann man solidarisch mit outgesourceten Datenarbeiter:innen hinter KI und Sozialen Medien sein? Wie können Kurierfahrer:innen Betriebsräte und faire Arbeitsbedingungen erkämpfen? Wie können sich Angestellte gegen die Beteiligung ihrer Arbeitgeber an militärischen Produkten wie dem Projekt Nimbus organisieren, mit dem Amazon und Google das israelische Militär und damit auch den Völkermord in Gaza unterstützen?

An anderer Stelle ging es um die globale Ausbeutung durch Tech-Konzerne und die sozial-ökologischen Kosten des KI-Hypes, um autoritäre und antifeministische Netzwerke. Es ging darum, wie man Protest gegen Palantir und Tesla organisiert, aber auch um Alternativen wie Perma-Computing mit Biomasse oder um Plattform-Kollektive im Besitz lateinamerikanischer Tech-Arbeiter:innen.

Rechenzentren als Symbole des KI-Hypes

Ein zentrales, immer wiederkehrendes Thema waren Rechenzentren. Als physische Repräsentation der digitalen Welt und als Symbol für den KI-Hype sind sie in vielen Regionen der Welt bereits zum Kristallisationspunkt des Widerstands gegen Big Tech geworden. Der Protest gegen Rechenzentren dürfte bald auch in Deutschland stärker werden, denn sie nehmen viel Fläche ein, verbrauchen riesige Menge Strom und Wasser und werden gerne in ärmeren und marginalisierten Nachbarschaften gebaut, die dann unter der Lärm- und Umweltbelastung leiden.

In den vielen Vorträgen und Panel-Gesprächen zu dem Thema ging es um Aufklärung, Ansatzpunkte für Veränderungen an gesetzlichen Rahmenbedingungen wie dem Energieeffizienzgesetz, Aktionen des zivilen Ungehorsams und lokale Proteste, die die Ansiedlung von Rechenzentren verhindern.

Worum es nicht ging: Anschläge, Sabotage oder andere Formen eines vermeintlichen Ökoterrorismus.

Dass man das überhaupt klarstellen muss, liegt daran, dass das rechte Krawallmedium Nius die Konferenz offenbar zum Feind auserkoren hat, weil der Quantenphysiker Guido Arnold an einem Panel teilnahm. Im Januar hatten Nius und Spiegel Arnold und sein radikal Tech-kritisches Kollektiv „Capulcu“ mit dünner Begründung als Vordenker der „Vulkangruppe“ dargestellt. Der Vorwurf stützt sich vor allem darauf, dass die Vulkangruppe, die sich unter anderem zum Brandanschlag auf das Berliner StromnetzAnfang des Jahres bekannte, ähnliche Begriffe nutzt, etwa den von Arnold geprägten Ausdruck des „technologischen Angriffs“.

Auch im Manifest der Konferenz findet sich der Begriff. Nius schickte einen Reporter, der Teilnehmende vor dem Gebäude abpasste und fragte, warum sie an einer Konferenz teilnehmen würden, die mit durchtrennten Kabeln werbe. Die ausbleibenden Antworten der genervten Besucher:innen schnitt Nius zu einem fünfeinhalbminütigen Video zusammen.

Nicht zum ersten Mal griff die Springer-Zeitung Welt die Vorlage von Rechtsaußen auf und titelte: „Wie linke Tech-Gegner in Berlin einen Angriff planen“. Eine Presseakkreditierung hatte Welt nach Angaben der Veranstalter:innen nicht beantragt.

Kann man Big Tech auf den eigenen Plattformen schlagen?

Dabei gibt es durchaus Dinge, die man an der Konferenz kritisieren kann, ohne sich komplett lächerlich zu machen.

Zum Beispiel, dass kein einziger der neun Themenstränge Probleme der demokratischen Öffentlichkeit und von Sozialen Medien zum Thema machte. Die Frage, wie eine tech-kritische Bewegung, die von der Konferenz ausgehen soll, die narrative Hegemonie von Big Tech auf den Plattformen eben dieser Konzerne brechen soll, hätte man hier gut diskutieren können. Auch konkrete Alternativen wie das Fediverse mit seinen Stärken und Schwächen hätten gut auf die Konferenz gepasst. Einige Teilnehmende nahmen die Sache dann einfach selbst in die Hand und hingen Zettel aus, auf denen sie zumindest Mastodon-Handles austauschten.

Zudem waren die einzelnen Sessions teilweise so kurz, dass die ausgegebene Losung „Das ist keine Infoveranstaltung, sondern eine Kampfansage“, sich auf unfreiwillige Art und Weise bestätigte. Ein bisschen mehr Information wäre manchmal schon gut gewesen. Ebenso ein bisschen mehr Raum für Diskussionen über Widersprüchlichkeiten, die es notwendigerweise gibt, wenn unterschiedliche Bewegungen zusammenkommen.

Keine Zeit für Zukunft

Doch wichtiger waren an diesem Wochenende Vernetzung, Inspiration und Motivation. „Wir werden Big Tech nicht weganalysieren“, gab Journalistin Nina Scholz bei ihrem Auftaktvortrag die Richtung vor. Es sollte ums Handeln gehen: Raus aus der Ohnmacht, rein in die Bewegung.

In diesem Sinne hätten es gerne auch noch mehr Programmpunkte zu konkreten Alternativen und positiven Zukunftsentwürfen sein dürfen. Lediglich eine Stunde stand für den Themenblock „Zukunft“ und Ideen wie die Vergesellschaftung von Plattformen, Digital Degrowth oder Hardwareproduktion außerhalb kapitalistischer Verwertungslogik zur Verfügung. Auch davon hätte es gerne noch mehr sein dürfen.

Aber womöglich ist das einfach der Moment, an dem wir gerade stehen: Für Zukunft ist hoffentlich später Zeit, jetzt geht es darum, das Schlimmste zu verhindern. Sich dem Hype zu verweigern, das Fortschrittsversprechen zu hinterfragen, bestimmte Entwicklungen auch ganz abzulehnen und Widerstand zu organisieren – das ist vielleicht nicht die visionärste Antwort auf Big Tech. Aber es könnte genau die Antwort sein, die es jetzt braucht.

Ingo Dachwitz ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2016 ist er Redakteur bei netzpolitik.org und u.a. Ko-Host des Podcasts Off/On. Seine Themen sind Daten, Macht und die digitale Öffentlichkeit. Ingos Veröffentlichungen wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem European Press Prize, dem Alternativen Medienpreis, dem Datenschutz-Medienpreis und zwei Grimme-Online-Awards. Sein Buch “Digitaler Kolonialismus: Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen” war für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert und wurde als eines der Wissensbücher des Jahres 2025 geehrt. Ingo ist Mitglied des Vereins Digitale Gesellschaft, der Evangelischen Kirche und des Netzwerk Recherche. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, FragDenStaat. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Raus aus der Ohnmacht – Beueler-Extradienst

28.4. Workers Memorial Day Was ist das? Der Tag, an dem wir der Opfer von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten gedenken und gegen die Zustände protestieren, die zu ihnen führen. Passt aufeinander auf – global und jeden Tag! #Arbeitskampf www.fau.org/artikel/28-4...

28.4.: Workers Memorial Day - ...
28.4.: Workers Memorial Day - IGG ruft zu Schweigeminute auf Arbeit auf.

99 Tote in den Grünen Gewerken - nur in 2024. Den Opfern gedenken - und gegen die Zustände protestieren, die zu ihnen führen.

Freie Arbeiter*innen-Union

Wien: Gewerkschaft ändert Taktik im Arbeitskampf bei der Diakonie

Die Genoss*innen vom Wiener Arbeiter*innen-Syndikat (WAS-IAA) haben nach dem Karfreitgsprotest ihre Taktik geändert. Nach dem Gespräch mit der evangelischen Bischöfin ist ihnen die Lust vergangen, sich von ihrer "kuscheligen und verständnisvollen Seite zu zeigen", Daher setzen sie nun statt Gerichtsprozess auf direkte Aktionen:

"Die 'Diakonie Eine Welt gem. GmbH' versucht weiterhin, das WAS komplett zu ignorieren. Nette Worte mit der Bischöfin hin- oder her. Wir wissen inzwischen über Umwege, daß innerhalb der Diakonie die Kommunikationsverweigerung mit der Gewerkschaft eine geplante Vorgangsweise ist, und die relativ neue Führungsebene alles darauf setzt, bei einer Gerichtsverhandlung 'hinter verschlossenen Türen' ausschließlich juristisch zu agieren.

Daher werden wir der Diakonie diese Ebene nun entziehen, die beiden Kündigungsanfechtungsklagen heute zurückziehen und verstärkt mit öffentlichen und Direkten Aktionen zeigen, daß das Problem nicht an Gerichte 'outgesourct' werden kann."

Mehr dazu
https://wiensyndikat.wordpress.com/2026/04/08/taktikanderung-gegenuber-der-diakonie/

#Arbeitskampf #WASIAA #IWAAIT #Anarchosyndikalismus #direkteAktionen

#news ⚡ Lufthansa bleibt im Arbeitskampf mit Piloten und Flugbegleitern hart: Im Arbeitskampf der Deutschen Lufthansa mit den Spartengewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern deuten sich keine schnellen Lösun... https://hubu.de/?p=321970 | #arbeitskampf #flugbegleitern #
Lufthansa bleibt im Arbeitskampf mit Piloten und Flugbegleitern hart - Hubu.de - News & FreeMail

Im Arbeitskampf der Deutschen Lufthansa mit den Spartengewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern deuten sich keine schnellen Lösungen an. Der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe), dass der Konzern vor den Streiks nicht einknicken werde.

Hubu.de - News & FreeMail
Spendenaufruf GKN For Future (GFF) | Labournet TV

Aktuell gibt es zwei Möglichkeiten dem Industrieplan der ex-GKN Arbeiter zu unterstützen

Labournet TV

❤️🖤

Am Samstag 11.4. fand eine niederschwellige Mitgliederveranstaltung statt, um Neumitglieder willkommen zu heißen, sich gegenseitig (besser) kennenzulernen u sich über die FAU auszutauschen.

🎉Dazu trafen sich die Neuen mit ihren Buddies zur Mittagszeit am Schwabentor, um gemeinsam zu frühlingshaften Temperaturen bei einem entspannten Spaziergang auf den Schlossberg zu gelangen.
Oben angekommen breitete die Gruppe Picknickdecken auf einer kleinen Wiese aus u setzte die intensiven Gespräche zu mitgebrachtem Essen und Getränken fort, um sich am frühen Nachmittag zurück in der Stadt, wieder voneinander zu verabschieden.
Super schön war’s 🖤☀️❤️

📖 Zum Vormerken, die nächste Veranstaltung für (Neu-)Mitglieder findet schon in sechs Wochen statt, dann wird es einen theoretischen Input u Raum für Fragen u Anregungen geben. Einladung folgt.
Liebe & Anarchosyndikalismus
💯

Am 18.April findet das nächste Workers im Luftschloss statt.
https://freiburg.fau.org/events/workers-cafe-die-eroberung-des-kuchens-3-2026-01-03-2026-02-07-2026-03-07-2026-04-04/

#freiburg #schlossberg #antiautoritär #freiearbeiterinnenunion #fau #workers #gewerkschaftsleben #arbeitskampf #gewerkschafterleben #tvöd #Tarif #lohn #faugewerkschaft #emanzipation #gewerkschaft #organize #gegenseitigehilfe #basisgewerkschaft #anarchosyndikalismus #antikapitalismus #solidarität #selbstverwaltung #basisdemokratisch #feminismus

@verdi Schön dass ihr hier seid! Alles in allem ist das deutschsprachige Fediverse schon ein ganz interessanter und sympathischer Ort, aber wir sollten daran arbeiten, dass z.B. Gewerkschafts-Zugehörigkeit im eigenen Profil zu erwähnen normal wird, vor allem aber auch häufiger Arbeitskämpfe zu tooten. Dafür ist es natürlich optimal, wenn Gewerkschaften selbst hier auch sichtbar und aktiv sind! ✨✊😺 #arbeitskampf #tariflohn
Hallo zusammen, wir sind #neuhier und wollen uns hier hin und wieder zur Arbeit unseres ver.di Ortsvereins in Tübingen melden. Der #verdi #Ortsverein ist die unterste Ebene der #basisdemokratischen #Selbstorganisation der Mitglieder unserer #Gewerkschaft.
Wir beteiligen uns in #Tübingen regelmäßig an politischen #Aktionen, zuletzt ging es leider oft darum #Kürzungen im #Kultur- und #Sozialbereich oder die #Privatisierung öffentlicher Aufgaben zu verhindern.
#Politik #Arbeitskampf #Tariflohn
#Spanien begnadigt Kolleginnen Nach einem Arbeitskonflikt verurteilte Konditoreiangestellte werden vorzeitig entlassen. Aber die repressive gesetzliche Grundlage bleibt in Kraft #maulkorbgesetz #arbeitskampf

»Maulkorbgesetz«: Spanien begn...
»Maulkorbgesetz«: Spanien begnadigt Kolleginnen

Nach einem Arbeitskonflikt verurteilte Konditoreiangestellte werden vorzeitig entlassen. Aber das sogenannte Maulkorbgesetz bleibt in Kraft und zahlreiche Antifaschisten in Haft.

junge Welt