@doncish
Das finde ich sehr cool und wichtig, dass du auch kleinere Organisierungen samt internationalen Anhang berücksichtigst :-)
Verdi, IG Metall und IGBCE sind gemeinsam im Deutschen Gewerkschaftsbund (#DGB) organisiert, aber für unterschiedliche Branchen; das sind klar die mitgliederstärksten Gewerkschaften. Sie haben grundsätzlich die gleiche politische Ausrichtung: sozialdemokratisch. Sie agieren im Betrieb sozialpartnerschaftlich, was bedeutet, dass sie gemeinsam mit den Arbeitgeber:innen versuchen fundamentale Interessengegensätze durch Konsenspolitik zu lösen und offene Konflikte einzudämmen. Der Betriebsrat ist ein dazugehöriges Organ der Stellvertreter:innenpolitik, das nur das Wort „Rat“ als Konzession an die Rätebewegung enthält, inhaltlich aber kaum was davon hat.
Die Struktur der Gewerkschaften ist hierarchisch und die Beteiligung am (alltäglichen) Gewerkschaftsleben ist sehr niedrig – sowohl im Betrieb, als auch politisch. Der 1. Mai in Leipzig ist ein gutes Beispiel hierfür. Bei der DGB Demo (unterstützt durch Linkspartei) fanden sich „mehrere hundert Personen“¹ ein, bei der FAU Demo fanden sich wohl um die 2500 Personen (leider berichteten keine Medien dazu, also nur hören sagen...aber es gibt ein paar Bilder²).
Die Zentralgewerkschaften lösen normalerweise Konflikte von Mitgliedern auf juristischer Ebene, so wird das Problem an eine:n Anwält:in abgegeben und ein Gericht entscheidet halt etwas.
Die DGB Gewerkschaften sind offensichtlich mit den Parteien des linken Spektrums verbunden. In der Theorie von vielen ist die Gewerkschaft das Anhängsel der Parteien. Das zeigt sich meiner Meinung nach auch daran, wie die Gewerkschaften die Füße still halten während der Regierungsbeteiligung von Parteien des linken Spektrums. Zum Beispiel:
(1) Wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte es wohl größeren Widerstand gegen die Hartz-Reformen gegeben.
(2) Das Tarifeinheitsgesetz wurde durch den DGB (mit Ausnahme von Verdi) offiziell deswegen unterstützt, um sogenannte „gelbe“ arbeitgeber:innenfreundliche Gewerkschaften zu behindern. Praktisch dient es den DGB-Gewerkschaften aber dazu kleinere Gewerkschaften mit einer offensiveren (und erfolgreicheren) Tarifpolitik auszubremsen.
Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass es Unterschiede von Ortsverband zu Ortsverband gibt, sowie von Betrieb zu Betrieb. So ist das auch der Fall bei den basisdemokratischen Gewerkschaften, also die #FAU und die #IWW. Die Syndikate (Gewerkschaften) der FAU sind in den jeweiligen Städten eigenständige und unabhängige Syndikate und föderieren sich gemeinsam.
Diese haben auch eine ähnliche Ausrichtung: anarcho-syndikalistisch (FAU) bzw. unionistisch (IWW). Sie sind tatsächlich gemeinsam in der „Internationalen Konföderation der Arbeiter*innen“³ organisiert. Hier unterstützten sich die Gewerkschaften international. So gibt es zum Beispiel den jährlichen #GlobalMayDay (4), oder was ich dieses Jahr sehr cool fand: der 8. März. Näher:innen in #Myanmar streikten, während Kolleg:innen in Europa mit Kundgebungen Druck machten vor den Läden, für die die Näher:innen die Kleidung nähen(5). Kurze Zeit später verbesserte sich in einer Fabrik in Myanmar die Situation deutlich für die Kolleg:innen(6).
In Deutschland ist allen voran die FAU präsent, es gibt aber auch eine IWW. Die Interessengegensätze werden offensiv angegangen, es wird sich an der Basis organisiert und so werden auch Entscheidungen gefällt. Basisgewerkschaften sind fern von Parteien, aber natürlich höchst politisch. Der Beteiligungsgrad ist deutlich höher, so leben die Basisgewerkschaften von der Beteiligung der Mitglieder, die in großer Autonomie selbstständig organisieren: sowohl in Betrieben mit Kolleg:innen (Betriebsgruppenaufbau, Austausch fördern, Tarifverhandlungen begleiten etc.), als auch politische Veranstaltungen (Diskussionen, Demonstrationen, Vorträge etc.).
Konflikte werden versucht durch DirekteAktionen zu lösen, falls es zu juristischen Verhandlungen kommt, gehen Kolleg:innen gemeinsam zum Gerichtstermin, es werden Flyer verteilt etc.
Ich hoffe, die paar wenigen und Minigedanken (es ist mehr geworden, als ich anfänglich plante und habe mich versucht sehr kurz zu halten...) können dir helfen, auch wenn sich meine Sympathien zu Gunsten der #Basisgewerkschaften zeigen. Ich denke, es ist in jedem Fall wichtig, dass wir uns – unabhängig von unserer Gewerkschaftszugehörigkeit – mit unseren Kolleg:innen austauschen und organisieren. Es ist wichtig, dass wir eine starke und selbstbewusste Arbeiter:innenbewegung aufbauen, damit wir den Dauerangriffen auf unsere (sozialen) Rechte etwas entgegensetzen können.
¹ https://www.l-iz.de/der-tag/2025/05/donnerstag-der-1-mai-2-maifeiertag-leipzig-daruber-hinaus-623429
² https://leipzig.fau.org/bilder-vom-1-mai-2025/
³ https://www.iclcit.org/
(4) https://globalmayday.net/
(5) https://www.fgwm-solidarity.org/de/home-3/
(6) https://www.youtube.com/watch?v=qHoaiJ2Kw04
pps: keine Ahnung, warum ich die Quellen 4-6 nicht hochstellen kann bzw. wie. Ich freue mich über Hinweise

