Wasser – immer schon ein Thema

Der 22. März ist seit 1993 der Weltwassertag und wurde 1992 von der UN-Generalversammlung beschlossen. Seit 2003 wird der Weltwassertag von der UN-Wasser organisiert und wird unter ein bestimmtes Motto gestellt. Zu diesem Anlass haben wir uns in der Retrodigitalisierung Werke zum Thema Wasser herausgesucht.

Wasser ist für unser Leben unverzichtbar und sehr wertvoll. Die besonderen Eigenschaften von Wasser spielen auch in den Bereichen der Technik, Physik, Chemie oder Biologie, die auch zu den Sammelgebieten der TIB gehören, eine große Rolle. Egal ob im flüssigen Zustand als Wasser, gefroren als Eis oder als gasförmigen Wasserdampf: Wasser zeigt sich in allen Lebensbereichen und in der Wissenschaft. Das Thema Wasser findet sich auch im Altbestand der TIB und zeigt, dass Wasser schon in der Vergangenheit ein wichtiges Thema war.

Als technische Bibliothek haben wir zum Beispiel einige Werke im Bereich des Bauwesens. Wassermühlen waren besonders beliebt, aber auch andere Bauwerke, die im Zusammenhang mit Wasser stehen. Wir haben eine kleine Auswahl an digitalisierten Werken zusammengestellt:

  • Theorie und Bau der Wasser-Räder (1858)
  • Der Wasser-Mahlmühlen-Bau, oder Anleitung zur richtigen Construction sämmtlicher beim Mühlenbau vorkommenden hölzernen und eisernen Räderwerke und Gerinne, mit besonderer Beziehung auf die von Wasserkraft zu betreibenden Mahlmühlen (Atlas) (1856)
  • Der Wasser-Mahlmühlenbau, oder Anleitung zur richtigen Konstruktion sämmtlicher beim Mühlenbau vorkommenden Räder und Gerinne, mit besonderer Beziehung auf die von Wasserkraft zu betreibenden Mahlmühlen (Atlas) (1865)
  • Der Wasser-Mahlmühlen-Bau, oder Anleitung zur richtigen Construction sämmtlicher beim Mühlenbau vorkommenden hölzernen und eisernen Räderwerke und Gerinne, mit besonderer Beziehung auf die von Wasserkraft zu betreibenden Mahlmühlen (Hauptband) (1856)
  • Vollständiges, theoretisch-praktisches Handbuch der Mühlenbaukunst, oder gründliche und allgemein-verständliche Anleitung zur Construction sämmtlicher neu anzulegender und zur richtigen Beurtheilung bereits vorhandener, durch Wasser, Wind, Dampf und lebendige Kräfte zu betreibenden Mühlewerke, welche durch Mahlen, Schneiden, Stampfen und Hämmern im praktischen Leben von Wichtigkeit sind (1. Band + 2. Band) (1840)

 

  • Vollständiges, theoretisch-praktisches Handbuch der Mühlenbaukunst, oder gründliche und allgemein-verständliche Anleitung zur Construction sämmtlicher neu anzulegender und zur richtigen Beurtheilung bereits vorhandener, durch Wasser, Wind, Dampf und lebendige Kräfte zu betreibender Mühlenwerke, welche durch Mahlen, Schneiden, Stampfen und Hämmern im praktischen Leben von Wichtigkeit sind (1.Band, 2. Band, Atlas) (1832)
  • Worinnen enthalten: die Weise, wie der Grund der Schleußen in einem schlechten Erdboden zu legen ist. Beyspiel dessen an der ehemaligen Schleuße im Bassin zu Dünkirchen. Beschreibung mittelmäßiger Schleußen, das Wasser zum Vortheil eines See-Hafens zu dirigiren. Bau der hölzernen Schleußenböden. Vom rechten Gebrauch der Spundpfähle. Von Anlage der Roste zu den Schleußenböden. Von dem dazu gehörigen Eisenwert. (Zweyter Theil, Dritte Ausgabe der Version) (1767)
  • Enthaltend: eine umständliche Beschreibung der Maschinen zu Vertiefung der Seehäven. Von Gründung im Meere, durch eingesenkte große Steine: durch Kästen, welche mit trockenem Mauerwerke angefüllet und ins Meer gesenket werden: durch über einander gelegte prismatische Kisten. Von denen für Seehäven gehörigen Gebäuden, insonderheit von den Schiffs-Docken. Wie man sich der fließenden Wasser bey Belagerungen und im Felde nützlich bedienen kann. (Zweyter Theil, Neunte Ausgabe der Version) (1770)
  • Beyträge zur Wasser-, Brücken- und Straßenbaukunde oder wissenschaftliche Darstellung der in den neuesten Zeiten ausgeführten oder in der Anlage begriffenen Bauwerke und Beschreibungen der vorzüglichsten Maschinen (1.–6. Heft) (1808–1812)

 

#Digitalisierung #Retrodigitalisierung #Technik #Bauwesen #LizenzCCBY40INT

Weltwassertag 2026

Quelle: Pixabay

Als Fachreferentin für Umwelttechnologien habe ich hier im TIB-Blog schon auf einige Aktionstage wie den Welttag der Umwelt oder auch den Global Recycling Day hingewiesen. Heute möchte ich die Aufmerksamkeit auf den Weltwassertag lenken.

Dieser Aktionstag findet jedes Jahr am 22. März statt und wird von UN-Wasser, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen organisiert. Der Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen ist das sechste Nachhaltigkeitsziel der 2030-Agenda der Vereinten Nationen.

Für uns in Deutschland ist es selbstverständlich, dass jederzeit frisches Wasser aus dem Hahn kommt. Dieses Glück haben jedoch nicht alle Menschen: Fast drei Viertel der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit einer unsicheren oder kritischen Trinkwasserversorgung. Darüber hinaus haben laut UNICEF mehr als 350 Millionen Menschen keinen Zugang zu sanitären Anlagen[1]. Doch Fäkalien in der Umwelt können dazu führen, dass Wasserquellen verunreinigt werden, die Menschen für ihren täglichen Bedarf nutzen. Auf diese Weise können sich Krankheiten wie Cholera ausbreiten. Um auf diese prekäre Situation aufmerksam zu machen wurde 1993 der Weltwassertag ins Leben gerufen, der jedes Jahr unter einem anderen Motto steht. Wasser und Gender ist das Motto für 2026.

Warum gerade dieser Schwerpunkt?

In sieben von zehn Haushalten ohne Wasseranschluss sind Frauen und Mädchen für das Wasserholen zuständig. Das ist das Ergebnis eines Berichts, der 2023 von UNICEF und WHO vorgelegt wurde. Damit macht dieses Motto nicht nur auf das sechste sondern auch das fünfte Nachhaltigkeitsziel der Vereinen Nationen (Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen) aufmerksam: Wenn Mädchen weite Wege (manchmal mehrere Stunden zu Fuß) gehen müssen, um Wasser zu holen, können sie in dieser Zeit nicht lernen, spielen oder sich einfach mit Freunden treffen. Welche Veränderungen mit dem Zugang zu sanitären Anlagen erzielt werden können, hat UNICEF unter dem Titel „Welttoilettentag: Wasser und Hygiene für ein besseres Leben“ im November 2025 zusammengetragen.

Weitere Aktionen am Weltwassertag

Neben den UN nutzen auch viele andere Organisation den Weltwassertag, um die Aufmerksamkeit auf das Thema Wasser zu lenken.

Alle zwei Jahre wird in Deutschland am Weltwassertag die Flusslandschaft des Jahres gekürt. 2026/27 fiel die Wahl auf die Murg. Sie fließt vom Nordschwarzwald in die Oberrheinische Tiefebene und mündet nach 80,2 Kilometern nordwestlich von Rastatt in den Rhein. „Im Zuge der Klimaanpassung gewinnen Renaturierungsmaßnahmen in Flusslandschaften zunehmend an Bedeutung, weil durch sie Extremwetterereignisse wie Starkregen und Dürren besser abgefedert werden können. Die Murg bietet hier hervorragende Beispiele.“[2]

Seit 2011 wird vom Umweltbundesamt der Gewässertyp des Jahres gekürt. In diesem Jahr ist es das Kleingewässer, ein wichtiger „Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten, darunter zahlreiche gefährdete Amphibien. Zudem erfüllen sie wichtige Funktionen in der Landschaft, beispielsweise als Trittsteine im Biotopverbund oder als Wasser- und Stoffspeicher.“[3]

Die Wasserdekade läuft seit 2018 bis 2028 und soll die Bemühungen zur Bewältigung wasserbezogener Herausforderungen, wie den Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen oder das Risiko von Dürren und Überschwemmungen, beschleunigen.

Der Hinweis auf die jährlich in Stockholm stattfindende internationale Weltwasserwoche, bei der sich Hersteller, Industrie und Politik zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung treffen, darf an dieser Stelle nicht fehlen. Auch hier gibt es ein jährlich wechselndes Thema. Dieses Jahr findet die Weltwasserwoche vom 23. bis 27. August 2026 unter dem Motto „Water for People and Progress” statt.[4]

Und was können Sie tun?

Sie haben diesen Beitrag entdeckt und damit den Blick auf die essenziellste Ressource allen Lebens gelenkt – Wasser. Das ist genau das, was mit dem Weltwassertag bezweckt wird – Aufmerksamkeit erzeugen und Überdenken des eigenen Handels. Jedes Jahr gibt die UN zu diesem Zweck auch den Weltwasserreport heraus. Die Ausgabe 2026 ist bereits seit einigen Tagen online und in den Sprachversionen Englisch, Französisch und Italienisch hier zu finden. Die deutsche Übersetzung kann im TIB-Portal abgerufen werden. Dort finden Sie auch viele weitere Informationen rund um das Thema Trinkwasser und Sanitärtechnik.

Neuerscheinungen zur Umwelttechnik finden Sie im Facheinstieg Umwelttechnik.

Gerne weise ich auch auf das AV-Portal der TIB hin. Dort finden Sie viele passende Filme zum Thema, wie z.B.  „Hat euer Wasser eine Seele?“ – ein Beitrag des Extremschwimmers Ernst Bromeis, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Menschen für das Thema Wasser zu sensibilisieren.

Vielleicht finden Sie auf diese Weise auch noch ein paar Ideen, was Sie ganz persönlich zum Weltwassertag beitragen können. Viel Spaß und Erfolg bei der Recherche!

Quellen

[1] https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/-/welt-toiletten-tag/274976

[2] Joachim Nibbe, Mitglied des Bundesvorstands der NaturFreunde Deutschlands, https://www.naturfreunde.de/die-murg-ist-flusslandschaft-der-jahre-202627

[3] https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaessertyp-des-jahres/gewaessertyp-des-jahres-2026-kleingewaesser#eigenschaften

[4] https://siwi.org/latest/world-water-day-2026-turning-commitments-into-progress/

#LizenzCCBY40INT #Weltwassertag

Erinnerungskultur zum Mitmachen: eine digitale Landkarte zum Gestapoterror in Niedersachsen

Die Verbrechen der Gestapo sichtbar machen und gleichzeitig Bürger:innen aktiv in die Erinnerungskultur einbinden – geht das? Das TIB-Projekt „Gestapo.Terror.Orte“ zeigt, wie digitale Werkzeuge, offene Daten und Citizen Science neue Wege der historischen Aufarbeitung eröffnen.

Was ist „Gestapo.Terror.Orte“?

Gestapo.Terror.Orte“ ist eine interaktive Landkarte, die Orte des Gestapoterrors in Niedersachsen und darüber hinaus digital zugänglich macht. Das Projekt verbindet Digital History, Digital Mapping und Open Science: Es nutzt frei verfügbare Daten aus Wikidata und Wikimedia Commons, um Wissen über die Verbrechen der Gestapo, ihre Standorte und die Erinnerung daran zu sammeln, zu vernetzen und für alle sichtbar zu machen.

Ziel des Projekts:

  • Orte der Gestapo in Niedersachsen (1933–1945) identifizieren und dokumentieren
  • Daten für Forschung, Bildung und Öffentlichkeit frei zugänglich machen
  • Bürger:innen aktiv in die Erforschung und Erinnerung einbinden

Wie funktioniert die interaktive Landkarte?

Die interaktive Karte bildet das Herzstück des Projekts. Sie zeigt:

  • Dienstsitze und Infrastruktur der Gestapo
  • Haftstätten und andere Orte des Terrors
  • Geschädigte und Täter:innen
  • Fallbeispiele, die die Arbeitsweise der Gestapo verdeutlichen

Die Besonderheit: Die Karte kann kontinuierlich durch Citizen Science – also die Mitarbeit von Bürger:innen – erweitert werden. Jede:r kann Daten ergänzen, neue Orte eintragen oder bestehende Einträge verbessern.

Citizen Science: Geschichte gemeinsam erforschen

„Gestapo.Terror.Orte“ lebt von der Mitarbeit vieler. Im Rahmen des Projekts fanden 16 Werkstätten statt, in denen Interessierte lernten, wie man historische Daten in Wikidata erfasst. Das Ergebnis:

  • 252 Orte des Gestapoterrors wurden bisher dokumentiert. Außerdem 56 Datensätze zu Täter:innen, mit denen wir einen Beitrag leisten zur Täter:innenforschung, sowie mehr 1.000 Datensätze von Verfolgten, an die auf diese Weise erinnert wird.
  • Für Freiwillige, die auch nach Projektende weitere Daten ergänzen möchten, steht eine Reihe von Materialien online bereit:
    • Wikidata-Basics: Einführung in die freie Wissensdatenbank
    • Schritt-für-Schritt-Anleitungen: Wie trage ich neue Daten ein?
    • Datenmodelle: Wie werden Orte, Täter:innen, Geschädigte und Ereignisse erfasst?

Die Landkarte ist nicht nur ein Forschungsinstrument, sondern auch ein Bildungsangebot:

  • Thematische Stadtführungen: Touren zu Gestapo-Orten wie zum Beispiel in Hannover, Göttingen und Osnabrück zeigen, wie die Karte auch für Stadtführungen genutzt werden kann.
  • Schulen und Gedenkstätten: Die Karte eignet sich für Projekte zur historischen Aufarbeitung und politischen Bildung.
  • Forschung: Durch Linked Open Data können die gesammelten Daten für weitere Analysen und Projekte genutzt werden.

Warum ist das Projekt wichtig?

„Gestapo.Terror.Orte“ verbindet Wissenschaft, digitale Tools und gesellschaftliches Engagement. Es zeigt, wie Erinnerungskultur heute aussehen kann:

  • Partizipativ: Jede:r kann mitmachen und Wissen einbringen.
  • Transparenz: Alle Daten sind frei zugänglich und nachnutzbar.
  • Nachhaltig: Die Karte wächst mit jeder neuen Information – und bleibt so ein lebendiges Archiv.

Fazit: Das Projekt beweist, dass digitale Erinnerungskultur nicht nur möglich, sondern auch notwendig ist – um die Verbrechen der Vergangenheit sichtbar zu machen und für die Zukunft zu lernen.

Selbst mitmachen?

Alle Informationen und Materialien findest du auf der Projektwebsite. Dort kannst du direkt loslegen und die Landkarte mit deinen Erkenntnissen ergänzen!

Nach Abschluss der Förderung wird „Gestapo.Terror.Orte“ durch die Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten betreut. Dort werden auch weitere Werkstätten zur Einführung in die Arbeit mit der Karte sowie zur Erfassung weiterer Daten angeboten.

Quellen

Groh-Trautmann, Lisa: Wikidata-Plattformen als Tools für neue Formen forschender Erinnerungsarbeit. B.I.T Online 27 (2024) Nr. 2. https://www.b-i-t-online.de/heft/2024-02-fachbeitrag-groh-trautmann.pdf

Blümel, Ina, Fahrenkrog, Gabriele, Heller, Lambert und Groh-Trautmann, Lisa (2026). Digitale Erinnerungskultur: „Gestapo.Terror.Orte“. Ti-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 3/2025: Transfer in die Praxis. https://doi.org/10.60479/JH9S-7514

Deutschlandfunk Campus & Karriere über Gestapo.Terror.Orte vom 9. Juni 2025: https://on.soundcloud.com/DWOhQXoAdQNrVvj6fd

Gestapo.Terror.Orte auf der Citizen-Science-Plattform mit:forschen! Gemeinsam Wissen schaffen: https://www.mitforschen.org/projekt/gestapoterrororte-niedersachsen-1933-1945

#CitizenScience #digitaleErinnerungskultur #LizenzCCBY40INT #OpenScience #OpenScienceLab #Partizipation #Projekt

Erster FDM-Kurs für Betreuende von Qualifizierungsarbeiten an der HsH

Das Joint Lab Future Libraries & Research Data an der Schnittstelle von TIB und der Hochschule Hannover (HsH) kann einen neuen Meilenstein verzeichnen: Der Basiskurs im Forschungsdatenmanagement (FDM), den die Mitarbeiterinnen des Labs mit dem Data Steward der HsH, Sebastian Lehmann, zusammen vorbereitet hatten, fand Ende Januar das erste Mal statt und war ein voller Erfolg.

Der vierstündige Präsenzworkshop richtet sich gezielt an Lehrende, die Studierende und Promovierende bei ihren Qualifizierungsarbeiten betreuen, und vermittelt praxisnahe Tipps, um bereits Studierenden den Umgang mit Forschungsdaten näherzubringen. Durch Input und interaktive Übungen im Wechsel sowie Raum für kleinere Diskussionen wurde ein direkter Bezug zur täglichen Betreuungspraxis hergestellt. Details zur Konzeption und Entstehung dieses Formats können in unserem Blogbeitrag „Gute Datenpraxis weitergeben – ein Basiskurs entsteht“ nachgelesen werden. Der erste Workshop fand am 29. Januar 2026 am Expo Plaza der Hochschule Hannover statt und wurde von zwölf Teilnehmer:innen aus Fakultät 3 und dem Institut Data|H der HsH besucht.

Kursmaterial als Open Educational Resource veröffentlicht

Das Kursmaterial wurde veröffentlicht und steht interessierten Personen als Open Educational Resource (OER) zur  Verfügung. Es wurde in dem niedersächsischen Repositorium GRO.data publiziert und ist auch über twillo und Zenodo abrufbar.

Das Material umfasst neben dem kommentiertem Folienmaterial in zwei Formaten auch umfangreiches Begleitmaterial. Das Kurshandbuch bietet Lehrenden eine Orientierung zu den Folien und zeigt auf, welche Lernziele je Abschnitt verfolgt werden. Bei der Konzeption des Kurses wurde für die Formulierung der Lernziele auf die Lernzielmatrix zum Themenbereich Forschungsdatenmanagement zurückgegriffen, an deren dritten Version die beiden Mitarbeiterinnen des Joint Labs beteiligt waren (siehe Blogbeitrag). Zudem wird im Handbuch auf weiterführende, kommentierte Literaturempfehlungen verwiesen. Neben dem Handbuch stehen alle Abbildungen, die in den Kursfolien genutzt werden, mit jeweiligen Lizenzierungsinformationen zum Download bereit.

Eine Miro-Board-Vorlage für die Übungen des Kurses sowie ergänzendes Material zum Ausdrucken werden ebenfalls zur Verfügung gestellt, sodass die Übungen einfach in eigene Formate eingebaut werden können. Abgerundet wird die Sammlung durch ergänzende hilfreiche Dokumente mit jeweiligen Lizenzierungsinformationen: Dateibenennungskonventionen, Creative-Commons-Lizenzen, Forschungsdaten in Abschlussarbeiten, Team-Documentation-Sheet, 5S-Comic, erweiterte Version der Lernzielmatrix zum Forschungsdatenmanagement mit markierten, im Kurs verfolgten und weiteren neu formulierten Lernzielen.

Feedback der Teilnehmer:innen

Die Rückmeldungen der Teilnehmer:innen nach Kursende unterstreichen, dass der Kurs wertvolle Impulse setzte und neue Inspirationen für die Lehre und Betreuung von Abschlussarbeiten bot. Besonders positiv bewerteten die Teilnehmer:innen die praxisnahen Handlungsempfehlungen sowie die Tool- und Webseiten-Tipps, die sich auch über die Lehre hinaus für die eigene Forschungsarbeit als hilfreich erweisen.

Das Feedback wird in die Überarbeitung für eine geplante zweite Durchführung des Kurses im Sommer 2026 einfließen. So wird die Kursdauer beispielsweise ausgeweitet: von vier Stunden mit kleineren Pausen hin zu einem Format, das sechs Stunden mit einer gemeinsamen Mittagspause vorsieht und dadurch mehr Raum für den wichtigen Erfahrungsaustausch untereinander bietet.

Entwicklung eines FDM-OER-Angebots von Studierenden für Studierende

Nachdem durch den Basiskurs ein Angebot für die Zielgruppe der Betreuenden geschaffen wurde, rückt in einem nächsten Schritt nun der wissenschaftliche Nachwuchs in den Fokus. Durch die Stärkung von FDM-Kompetenzen bereits im Studium wird das Fundament für nachhaltiges Datenmanagement und eine offene Wissenschaftskultur gelegt.

Basierend auf dem Basiskurs für Betreuer:innen entwickeln Studierende des Bachelorstudiengangs Informationsmanagement der Hochschule Hannover im Rahmen ihres Semesterprojekts zukunftsorientierte Lehr- und Lernangebote zum FDM. Unter der fachlichen Begleitung durch das Team des Joint Labs unter der Leitung von Prof. Dr. Ina Blümel arbeiten die Studierenden an zwei zentralen Bausteinen, die eine Etablierung von FDM an der Hochschule weiter voranbringen:

  • a) Selbstlernkurs für Studierende
    Studierende entwickeln einen modular aufgebauten Selbstlernkurs zum FDM, der Lernen in Eigenregie fördert.
  • b) Seminarplanung und Zusatzmaterial für Lehrende
    Parallel dazu erstellen Studierende ein flexibles Seminarpaket, das Lehrende in ihre Lehrveranstaltungen integrieren können.

Die Ergebnisse des Semesterprojekts werden unter anderem auf der BiblioCon 2026 in Berlin durch die Studierenden vorgestellt.

Kontakt

Joint Lab Future Libraries & Research Data

Dr. Nina Düvel, Hochschule Hannover: [email protected]

Franziska Altemeier, TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek: [email protected]

Prof. Dr. Ina Blümel, TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek sowie Hochschule Hannover: [email protected]

Joint Lab Future Libraries & Research Data

#FDM #Forschungsdatenmanagement #HochschuleHannover #JointLabFutureLibrariesAndResearchData #LizenzCCBY40INT #OER #Schulung

OpenAlex 2026: Was die neuen Entwicklungen für uns als Bibliothek bedeuten

2021 wurde bekannt gegeben, dass der Microsoft Academic Graph nicht mehr weiterentwickelt wird.

OpenAlex trat an, die Lücke zu füllen, und entwickelte sich im Laufe der letzten Jahre zu einer ernstzunehmenden Alternative zu Zitationsdatenbanken wie Dimensions, Scopus oder Web of Science (siehe auch diesen früheren Blogbeitrag).

Auch in den letzten Monaten hat sich OpenAlex deutlich weiterentwickelt: neue technische Grundlagen, ein erweiterter Datenbestand, verbesserte Suchfunktionen und ein neues Nutzungsmodell. Für uns als Deutsche Zentralbibliothek für Technik und Naturwissenschaften sowie als Universitätsbibliothek sind das keine abstrakten Neuigkeiten – wir sind seit Sommer 2025 Mitglied bei OpenAlex (siehe Supporting Members hier) und gestalten aktiv mit, wie diese Infrastruktur für Forschung und Lehre genutzt werden kann.

Was OpenAlex heute kann – und warum das für uns relevant ist

OpenAlex verbindet Publikationen, Autor:innen, Institutionen, Fördermittel und Konzepte in einem offenen Forschungsgraphen. Der Datenbestand ist in letzter Zeit stark gewachsen auf eine Größe von aktuell etwa 450 Millionen Werken und deckt neben klassischen Verlagspublikationen zunehmend auch Preprints, Repositorieninhalte und graue Literatur ab. Für uns bedeutet das: Wir können die Publikationslandschaft unserer Universität – einschließlich des Open-Access-Outputs – besser im globalen Kontext verfolgen und sichtbar machen.

Verbesserte Suche: neue Möglichkeiten für Forschende und Studierende

Die Suchfunktion von OpenAlex wurde deutlich ausgebaut. Präzisere Schlagwortsuche, bessere Verarbeitung langer Suchstrings und erste semantische Ansätze machen die Plattform zu einem ernstzunehmenden Werkzeug – insbesondere für systematische Literaturrecherchen und thematische Explorationen. Wir begleiten diese Entwicklung aktiv: In unseren Beratungsangeboten (TIBgefragt) zeigen wir, wie OpenAlex sinnvoll neben den oben erwähnten klassischen Datenbanken eingesetzt werden kann. Interessiert? Buche gleich einen Termin bei unserer Fachreferentin hier.

Die bibliografische Datenbank OpenAlex

Fördermittel-Metadaten: Chancen für Reporting und Analyse

OpenAlex baut einen eigenen Datenzweig für Grants und Förderorganisationen auf. Für uns als Bibliothek eröffnet das konkrete Perspektiven: Publikationen lassen sich verlässlicher den zugehörigen Projekten zuordnen, Förderlandschaften werden transparenter. Wir prüfen derzeit, wie sich diese Daten ergänzend zu unseren CRIS- und Berichtssystemen nutzen lassen.

Affiliation Curation: Wir können aktiv mitgestalten

Besonders relevant für uns ist die geplante Affiliation Curation. OpenAlex entwickelt Werkzeuge, mit denen Institutionen ihre eigenen Zuordnungsdaten direkt pflegen können – also prüfen und korrigieren, ob Autor:innen und Publikationen korrekt mit unserer Institution verknüpft sind. Als Bibliothek, die bereits Repositorium, Publikationslisten und CRIS-Systeme betreut, sind wir gut aufgestellt, diesen Prozess zu koordinieren. Korrekte Affiliationsdaten in OpenAlex verbessern direkt die Qualität externer Analysen und Rankings, die auf diesen Daten aufbauen. Wir erwarten hier gezielte Onboarding-Angebote und freuen uns darauf, langfristig an der Datenqualität mitzuwirken

Unsere Mitgliedschaft – und was wir daraus machen

Mit der Unterzeichnung der Barcelona Declaration On Open Research Information hat die TIB erklärt, offene und nicht-kommerzielle wissenschaftliche Infrastrukturen zu fördern. Dies tun wir mit unserer Mitgliedschaft bei OpenAlex. Das neue Nutzungsmodell sieht API-Keys und nutzungsbasierte Kontingente vor; als Mitglied haben wir erweiterten Zugang und gestalten die Plattform mit. Neben der Affiliation Curation nutzen wir die Mitgliedschaft für weitere Projekte:

  • Bei GROBI (Graphische Observatorien für bibliometrische Analysen), das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird, arbeiten wir gemeinsam mit Forschenden der Leibniz Universität Hannover an einfach nachnutzbaren Infrastrukturen für das bibliometrische Monitoring in verschiedenen Szenarien.
  • Im durch das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen von Hochschule digital Niedersachsen geförderten Projekt FIS Niedersachsen (Aufbau eines Netzwerkes und Services zu Forschungsinformationen (FIS)) entwickeln wir gemeinsam mit den niedersächsischen Hochschulen Strategien und Lösungen zur Kuratierung von Publikationsmetadaten – unter anderem durch die oben erwähnte Affiliations-Kuratierung.

Unsere nächsten Schritte

Wir möchten gemeinsam mit Forschenden, Lehrenden und Data Stewards ausloten, wie OpenAlex am sinnvollsten in bestehende Workflows eingebunden werden kann – von Publikationsmonitoring und Open-Access-Berichten über Datenanreicherungen im Repositorium bis hin zu automatisierten Analysen.

Haben Sie konkrete Ideen oder Bedarfe? Sprechen Sie uns an.

Weiterführende Ressourcen zu OpenAlex

Wer die Entwicklung von OpenAlex selbst verfolgen möchte, findet hier die wichtigsten Anlaufstellen:

  • Blog – Neuigkeiten, Feature-Ankündigungen und Hintergründe direkt vom OpenAlex-Team: blog.openalex.org
  • Webinare – regelmäßige Online-Veranstaltungen zu aktuellen Themen, mit Aufzeichnungen auf dem YouTube-Kanal: help.openalex.org – Webinars
  • Hilfe-Center – allgemeine Dokumentation zu Daten, Funktionen und Nutzung: help.openalex.org
  • Technische Dokumentation/API – für alle, die OpenAlex programmatisch nutzen oder in eigene Systeme einbinden möchten: developers.openalex.org
#Bibliometrie #Datenanalyse #fis #Literaturrecherche #LizenzCCBY40INT #OpenAccess #OpenResearchInformation #openalex #TIBgefragt

Women in Science: Prof Dr Ina Blümel

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The blog series “Women in Science” introduces women from the TIB who give insights into their careers and personal experiences in science.

Prof Dr Ina Blümel  // Photo: TIB/C. Bierwagen

Prof Dr Ina Blümel studied architecture in Braunschweig, Milan and Helsinki and obtained her doctorate at the HU Berlin at the Institute for Library and Information Science.

Today, she is head of the Joint Lab Future Libraries and Research Data as well as deputy head of the Open Science Lab  at TIB and professor at Faculty III – Media, Information and Design at Hanover University of Applied Sciences and Arts.

In the interview, she talks about how her work enables her to make things visible together with others, that paths in science do not have to be straightforward, and that open, networked and fair research ultimately benefits everyone.

What fascinates you about working in science?

I am fascinated by the fact that research allows me to set things in motion that would otherwise remain invisible: data, models, images, videos – all of these become discoverable and reusable thanks to good metadata, linked data and open infrastructures, among other things. I originally come from a background in architecture and became interested in digital tools and the transition from 2D to 3D at an early stage. Today, it is precisely this interface between technology, culture and knowledge that particularly appeals to me. It is important to me that research does not take place in an ivory tower, but rather that intuitively usable tools, workflows and open resources are developed together with and within communities – for example, around Wikimedia.

As a woman in science, what would you have liked to have known earlier?

I wish I had known earlier how normal sidetracks are – and that interdisciplinary biographies are not a deviation, but often an advantage. Also: you can and should seek out allies, build networks visibly and actively seek mentoring – this is not a luxury, but part of professional work. And I would have allowed myself to work more prototypically earlier on: to be brave enough to test things, even if they are not yet perfect.

What advice would you give to girls and young women who are considering a career in science?

Find topics that really interest you – then your curiosity will carry you through the tough times. Learn to make your work visible – also in open formats. Practise communicating clearly about resources early on: time, money, access, support. Dare to join communities: science improves when we think about it in a networked and open way and when different perspectives are actively incorporated into its design.

A wish for the future of women and girls in science …

I would like to see a scientific community in which belonging does not need to be explained: equal opportunities, equal security, equal visibility – regardless of gender. And I would like to see structures that reward cooperation, openness and sustainable development, rather than just producing short-term shining examples. If we organise research in a more open, networked and fair way, everyone will benefit in the end – especially those who are still too often held back today.

Women in science – a blog series

The blog series “Women in Science” introduces women at TIB who provide insights into their scientific careers, role models and experiences from their everyday working lives. They all share their perspectives and wishes for the future of science and encourage other women to take their place with confidence.

#WomenInScience #WomenAtTIB #LizenzCCBY40INT #ResearchAndDevelopment #OpenScienceLab #OpenScience #JointLabFutureLibrariesAndResearchData

Frauen in der Wissenschaft: Prof. Dr. Ina Blümel

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Die Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ stellt Frauen aus der TIB vor, die Einblicke in ihre Wege und ihre persönlichen Erfahrungen in der Wissenschaft geben.

Prof. Dr. Ina Blümel // Foto: TIB/C. Bierwagen

Dieses Mal: Prof. Dr. Ina Blümel. Sie studierte Architektur in Braunschweig, Mailand und Helsinki und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

Heute ist sie Leiterin des Joint Labs Future Libraries and Research Data sowie Co-Leiterin des Open Science Labs an der TIB und Professorin an der Fakultät III – Medien, Information und Design der Hochschule Hannover.

Im Interview spricht sie darüber, wie sie mit ihrer Arbeit Dinge gemeinsam mit anderen sichtbar machen kann, dass Wege in der Wissenschaft nicht gradlinig sein müssen und dass von offener, vernetzter und fairer Forschung am Ende alle profitieren.

Was fasziniert dich an der Arbeit in der Wissenschaft?

Mich fasziniert, dass ich mit Forschung Dinge in Bewegung bringen kann, die sonst unsichtbar bleiben: Daten, Modelle, Bilder, Videos – all das wird unter anderem durch gute Metadaten, Linked Data und offene Infrastrukturen auffindbar und nachnutzbar.

Ich komme ursprünglich aus der Architektur und habe mich früh für digitale Werkzeuge und den Sprung von 2D zu 3D interessiert. Heute reizt mich genau diese Schnittstelle aus Technik, Kultur und Wissen besonders. Mir ist dabei wichtig, dass Forschung nicht im Elfenbeinturm stattfindet, sondern gemeinsam mit und in Communities – zum Beispiel rund um Wikimedia – intuitiv bedienbare Werkzeuge, Workflows und offene Ressourcen entstehen.

Was hättest du als Frau in der Wissenschaft gerne früher gewusst?

Ich hätte gern früher gewusst, wie normal Umwege sind – und dass interdisziplinäre Biografien keine Abweichung, sondern oft ein Vorteil sind. Außerdem: Man darf und sollte sich Verbündete suchen, sichtbar Netzwerke aufbauen und Mentoring aktiv einfordern – das ist kein Luxus, sondern Teil professioneller Arbeit. Und ich hätte mir früher öfter erlaubt, prototypisch zu arbeiten: Mutig Dinge zu testen, auch wenn sie noch nicht perfekt sind.

Welchen Rat würdest du Mädchen und jungen Frauen geben, die eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben?

Sucht euch Themen, die euch wirklich packen – dann trägt euch die Neugier durch Phasen, in denen es zäh wird. Lernt, eure Arbeit sichtbar zu machen – auch in offenen Formaten. Übt früh, klar über Ressourcen zu sprechen: Zeit, Geld, Zugang, Betreuung. Traut euch, in Communitys zu gehen: Wissenschaft wird besser, wenn wir sie vernetzt und offen denken und wenn unterschiedliche Perspektiven aktiv in die Gestaltung einfließen.

Ein Wunsch für die Zukunft von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft …

Ich wünsche mir eine Wissenschaft, in der Zugehörigkeit nicht erklärt werden muss: gleiche Chancen, gleiche Sicherheit, gleiche Sichtbarkeit – unabhängig vom Geschlecht. Und ich wünsche mir Strukturen, die Kooperation, Offenheit und nachhaltige Entwicklungen belohnen, statt nur kurzfristige Leuchttürme zu produzieren. Wenn wir Forschung offener, vernetzter und fairer organisieren, profitieren am Ende alle – und besonders jene, die heute noch zu oft ausgebremst werden.

Frauen in der Wissenschaft – eine Blogreihe

In der Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ werden Frauen an der TIB vorgestellt, die Einblicke in ihre wissenschaftlichen Wege, Rollenbilder und ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag geben. Sie alle teilen ihre Perspektive und ihre Wünsche für die Zukunft der Wissenschaft und ermutigen andere Frauen, ihren Platz selbstbewusst einzunehmen.

#FrauenAnDerTIB #FrauenInDerWissenschaft #HochschuleHannover #LizenzCCBY40INT #OpenScience #OpenScienceLab

Zwischen Brinkmann-Archiv, Repositorium und Musiknachlass: Einblicke in die digitale Langzeitarchivierung bei LiLA.NDS

ein Beitrag von Dr. Karolin Bubke (Leitung der Universitätsbibliothek Vechta), Dr. Christina Draheim (Koordinatorin des Fachinformationsdienst Pharmazie), Dr. Carsten Elsner (Leiter des Referats Publikationsservices), Vinzenz Fiebach (Mitarbeiter im Fachinformationsdienst Pharmazie), Dr. Michael Kotzyba (Leiter des Referats Informationstechnologie, Dr. Samuel Mund (Data Steward an der Hochschulbibliothek der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover), Dr. Katharina Talkner (Leitung Hochschulbibliothek der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover) und Jesko Rücknagel (TIB)

Im Rahmen von LiLA.NDS, Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen, stehen nicht nur technische Konzepte und Lösungen für die digitale Langzeitarchivierung (LZA) im Mittelpunkt, sondern vor allem die Einrichtungen selbst mit ihren individuellen Beständen und Anforderungen. Ziel der Landesinitiative ist es nämlich, die für die Langzeitarchivierung notwendigen Arbeitsabläufe dauerhaft in die Bibliotheksarbeit zu integrieren und so nachhaltige Strukturen und Kompetenzen in den beteiligten niedersächsischen Einrichtungen auf- bzw. auszubauen. Doch was bedeutet digitale Langzeitarchivierung eigentlich konkret im Alltag einer Bibliothek? Welche Bestände sollen gesichert werden – und warum?

Um diese Fragen aus der Praxis zu beleuchten, kommen in diesem Blogpost drei Einrichtungen aus der ersten Projektkohorte zu Wort, die aktuell intensiv mit der TIB an der Umsetzung ihrer Projektziele arbeiten. Dabei werden die Datenqualität ausgewählter Bestände überprüft und Workflows entwickelt, um die Bestände Schritt für Schritt auf die Übernahme in das Langzeitarchiv der TIB vorzubereiten.

In den folgenden Kurzinterviews berichten Vertreter:innen der Universitätsbibliothek Vechta, der Universitätsbibliothek Braunschweig sowie der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover von ihren Sammlungen und davon, warum die langfristige Sicherung ihrer digitalen Bestände für sie so wichtig ist.

Universitätsbibliothek Vechta

Rolf Dieter Brinkmann © Arbeitsstelle Rolf-Dieter Brinkmann / Elisabeth Zöller

Zu Beginn blicken wir nach Vechta: Karolin Bubke, die Direktorin der Universitätsbibliothek Vechta, gibt einen Einblick in einen literarisch wie kulturgeschichtlich bedeutenden Bestand aus der Region. Gemeinsam mit ihrem Team, Stephanie Hinrichs (Universitätsbibliothek, Leitung Support Forschung und Informationssysteme) und Lars Hoffmeier (Universitätsbibliothek, Leitung Universitätsarchiv), befasst sie sich in LiLA damit LZA-Strukturen aufzubauen, und spricht mit uns über diesen Prozess sowie die besondere Sammlung und dem Mann dem sie gewidmet ist.

Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

Sehr gerne! Wir sind eine Universitätsbibliothek, die sich auf die Informationsversorgung und -vermittlung für verschiedene Zielgruppen sowie den Forschungssupport konzentriert.

Und dann haben wir als wirklich herausragende Sammlung noch den Bestand der Archiv- und Dokumentationsstelle Rolf Dieter Brinkmann (RDB). Die hat es in sich: Brinkmann (1940–1975) wurde in Vechta geboren und war schon als Jugendlicher ein Enfant terrible, das in der Stadt verfemt war. In Köln suchte er sein Glück als Schriftsteller der deutschen Pop-Literatur, erste Erfolge fand er auch in einem Stipendium für die Villa Massimo, und dann kam er sehr tragisch mit nur 35 Jahren bei einem Autounfall in London ums Leben.

Wer sich für diesen bewegten Menschen interessiert, dem empfehle ich die Website der Kulturstiftung Rolf Dieter Brinkmann.

Die Sammlung, die wir in der Unibibliothek verwahren und erschließen, ist beeindruckend und wächst kontinuierlich: Als Leiter der Arbeitsstelle Rolf Dieter Brinkmann der Universität Vechta sammelt Prof. Dr. Markus Fauser (Germanistische Literaturwissenschaft) unermüdlich und sein weit verzweigtes Netzwerk bedienend alle irgendwie greifbaren Quellen: Briefe und Postkarten, Autographen, Zeichnungen und Aquarelle, Bild- und Tonmaterial.

Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Da gibt es viele beeindruckende Stücke, die den Schriftsteller Brinkmann mit all seinen Brüchen und in seiner düsteren, oft wütenden Emotionalität zeichnen. Ich finde besonders die frühen Texte interessant, die einen Bezug zu Vechta haben. Als Jugendlicher war Brinkmann unglücklich verliebt, aber später eng befreundet mit Elisabeth Piefke. Unter dem Vorwand gemeinsam Schulaufgaben zu besprechen, konnte er sie besuchen und brachte ihr seine Gedichte mit, die er liebevoll illustrierte. Viele Objekte auch aus dieser Zeit sind in einer kleinen Dauerausstellung in der Unibibliothek zu sehen.

Brief von Rolf Dieter Brinkmann an Gisela Reinholz © UB Vechta

Was motiviert Sie Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

Wir wissen um den hohen Wert dieser Sammlung, die bisher nur in Bruchstücken erforscht ist und die für viele Literatur- und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler international relevant sein kann. Durch die Bereitstellung von Digitalisaten und künftig Online-Editionen möchten wir die Forschung an dieser Sammlung ermöglichen und tragen die Verantwortung dafür, dass dieses bei uns bewahrte materielle Erbe Brinkmanns langfristig zugreifbar bleibt. Der Zeitpunkt, die Langzeitarchivierung jetzt anzugehen, ist auch sehr passend, da die Kulturstiftung RDB in seiner Geburtsstadt Vechta gerade für den Bau eines zentral gelegenen Brinkmann-Hauses kämpft – Investoren stehen bereit.

Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

Wir sind eine recht kleine Universitätsbibliothek und könnten uns die notwendige Spezialisierung und vertieften Kenntnisse zur digitalen Langzeitarchivierung (dLZA) personell nicht leisten. Wir freuen uns sehr über die Expertise und die tolle Beratung des LiLA-Teams! Die Chance, uns gemeinsam mit den Profis die Brinkmann-Sammlung anzusehen und Lösungen zu finden, konnten wir nicht verstreichen lassen. Es bleibt jedoch die Frage, wie wir künftig auch finanziell ausgestattet sein werden und ob wir uns die dLZA leisten können – und ein paar andere besondere Stücke in unserem Bibliotheksbestand sind uns auch schon eingefallen, die wir eigentlich auch angehen müssten.

Universitätsbibliothek Braunschweig

Neben spezialisierten Sammlungen wie in Vechta spielen auch große Publikations- und Repositoriumsbestände eine wichtige Rolle im Projekt. Ein Beispiel dafür ist die Universitätsbibliothek Braunschweig (UB) die auf ihren Publikationsinfrastrukturen vielfältige digitale Inhalte betreut. Die Kolleg:innen Christina Draheim (Koordinatorin des FID Pharmazie), Vinzenz Fiebach (Mitarbeiter im FID Pharmazie), Michael Kotzyba (Leiter des Referats Informationstechnologie) und Carsten Elsner (Leiter des Referats Publikationsservices) haben stellvertretend für das Team der UB die Bibliothek samt der in LiLA bearbeiteten Repositorien vorgestellt und ihre Erfahrungen zur LZA geteilt.

Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

Die UB versorgt die Technische Universität (TU) Braunschweig als zentrale Infrastruktureinrichtung bedarfsorientiert mit Literatur, Medien und Informationen, unterstützt und berät Wissenschaftler:innen mit forschungsnahen Services und beim Open-Access-Publizieren, vermittelt Schlüsselqualifikationen und ist zentraler Lernort für Studierende.

Braunschweigische Staatszeitung zur Zeit Lessings und Goethes ; Sonderbeilage zu Nummer 16 […] vom 19. Januar 1929. Braunschweig, 1929, S.3 https://doi.org/10.24355/dbbs.084-201001201544-0 CC BY-NC 4.0Seit 2005 betreibt die Universitätsbibliothek das institutionelle Publikationsrepositorium der TU Braunschweig, LeoPARD.

Es dient der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und -dokumentationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der TU Braunschweig, von Spezialsammlungen der TU Braunschweig wie zum Beispiel einer Kinderbuchsammlung und pharmazeutischer Literatur sowie von regionalen Einrichtungen sowie von digitalisierten Zeugnissen des regionalen kulturellen Erbes. Neben Publikationen enthält es auch Forschungsdaten.

Die UB und das Institut für Informationssysteme der TU Braunschweig betreiben seit 2015 den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Fachinformationsdienst (FID) Pharmazie.

Dieser bietet der universitären pharmazeutischen Forschung einen umfassenden Zugang zu pharmazeutischen Informationsressourcen und unterstützt Forschende durch spezifische Services, unter anderemdie wirkstoffzentrierte Rechercheplattform PubPharm und das fachspezifische Repositorium pharmRxiv.

Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Mit den Brunsvicensien bietet LeoPARD den Zugang zu Literatur aus und über die Stadt und das Land Braunschweig. Die UB kooperiert dabei mit zahlreichen regionalen Einrichtungen des kulturellen Erbes. Somit wird der weltweite Zugriff auf wichtige Ressourcen zur Stadtgeschichte Braunschweigs ermöglicht und trägt zur überregionalen Wahrnehmung der Services der UB und LeoPARD bei.

Brunsvicum. Braunschweig. [S.l.], 1740 DOI: 10.24355/dbbs.084-201103171108-0Was motiviert Sie Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

Langzeitarchivierung ist bereits seit vielen Jahren ein Thema an der UB. Eine eigene Instanz eines Langzeitarchivierungssystems ist für die UB nicht sinnvoll und wirtschaftlich umsetzbar. Mit der TIB arbeiten wir seit Jahren als verlässliche Partnerin zusammen, nun auch im Rahmen der Landesinitiative. Uns ist die Lesbarkeit und Nachnutzbarkeit von Daten und Beständen auch in der Zukunft sowie die Standardisierung der Datenüberlieferung in der Langzeitarchivierung wichtig.

Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

Wir freuen uns als Piloteinrichtung im Projekt LiLA Unterstützung in der Automatisierung und Optimierung von Workflows für die sehr heterogenen Publikationsformen aus LeoPARD und pharmRxiv, wie Artikel/Aufsätze, Dissertationen, Poster, Preprints und Forschungsdaten, zu erhalten. Wir schätzen die Möglichkeit uns über Chancen und Herausforderungen auszutauschen.

Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

Als dritte Einrichtung stellen Samuel Mund (Data Steward) und Katharina Talkner (Leiterin der Hochschulbibliothek) die Bestände der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) vor. Die Bibliothek betreut spezialisierte Sammlungen und Nachlässe aus Musik, Theater und Medienwissenschaft – darunter auch audiovisuelle Bestände, die besondere Anforderungen an die digitale Langzeitarchivierung stellen.

Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

Die Bibliothek der HMTMH ist eine Fachbibliothek für Musik, Schauspiel und Medienwissenschaften, und beherbergt neben Noten für den musikpraktischen Bedarf umfangreiche Bestände an musikpädagogischer, musikwissenschaftlicher und medienwissenschaftlicher Literatur.

Neben der Zentralbibliothek existieren die Bibliothek des Forschungszentrums Musik und Gender (FMG) und die Bibliothek im Kurt-Schwitters-Forum (gemeinsame Bibliothek mit der Hochschule Hannover). Die Bibliothek besitzt umfangreiche Sammlungen, darunter die historischen Bestände des FMG, des Instituts für musikpädagogische Forschung (ifmpf) und des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik (EZJM), die Sammlung Bialik sowie mittels eines Kooperationsvertrags Teile der Sammlungsbestände des Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim.

Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Derzeit bearbeiten wir mit großer Intensität und Hingabe den Nachlass des Ulmer Musikers und Musikjournalisten Peter Ury, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft während der NS-Herrschaft nach London ins Exil ging.

Der Nachlass liegt uns in mehrfacher Hinsicht am Herzen. Zum einen faszinieren uns die Einblicke in Urys Leben und Wirken, die wir über die Erschließung des Nachlasses im vom BMFTR geförderten Projekt „KOSTIMA – kontra-hegemoniale Stimmen in Musikarchiven“ erhalten. Zum anderen ist der Nachlass für uns infrastrukturell von großer Bedeutung, denn die Erschließung und Retrodigitalisierung der Materialien findet im neuen Bibliotheksgebäude in der Leisewitzstraße statt, und ist dadurch für uns ein Pilotprojekt für künftige Sammlungserschließungen und digitalisierung. Und schließlich ist auch die Zusammenarbeit mit Peter Urys Nachfahren für uns eine bereichernde Erfahrung.

Peter Ury © Zentralbibliothek HMTMH/EZJM

Was motiviert Sie Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

Über die Digitalisierung werden die Materialien im Informationszeitalter überhaupt erst für einen breiteren Personenkreis und ortsungebunden zugänglich. Diese Zugänglichmachung verstehen wir als eine unserer Kernaufgaben. Gleichzeitig bieten Digitalisierungen und Bereitstellungen von Materialien seitens öffentlicher Einrichtungen Zugangsoptionen mit einer weitaus größeren Erschließungstiefe, als dies in der Regel von kommerziellen Anbietern geleistet wird. Zusätzlich ist die öffentliche Bewahrung von Kulturerzeugnissen nicht jenen Marktmechanismen ausgesetzt, denen privatwirtschaftliche Portale unterliegen.

Durch die Kooperation von Bibliothek und Fachdisziplinen in Bezug auf Sammlungen entstehen praktische und theoretische Potentiale, die einen lebendigen Umgang mit Erinnerungskulturen herstellen, und Möglichkeiten zur kritischen Reflexion bieten. Langzeitarchivierung ist ein integraler Bestandteil solcher Aktivitäten, wurde aber bislang aus verschiedenen Gründen nur eingeschränkt berücksichtigt – um so mehr begrüßen wir die Kooperation mit LiLA. Ein konkreter Anstoß ist zudem die physische Materialität des Nachlasses Ury, der unter anderem Magnettonbänder enthält, deren physische Lebensdauer begrenzt ist.

Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

Ganz besonders hilft uns die strukturierte Herangehensweise, die weit über das eigentliche LZA hinaus geht, denn jede Entscheidung, die wir in Bezug auf die Sammlungen treffen, hat unmittelbare Auswirkungen auf die langfristige Speicherung der Daten. Dies berührt sämtliche Aspekte des Sammlungsmanagements, und kommt insbesondere bei der Verwendung von Metadaten und Dateiformaten zum Tragen.

Ausblick

Die drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Motivation und darauf basierend die Anforderungen an die digitale Langzeitarchivierung in der Praxis aussehen können: von literarischen Sammlungen über institutionelle und disziplinäre Repositorien bis hin zu musikalischen und audiovisuellen Nachlässen. Trotz dieser Vielfalt verbindet alle Einrichtungen das gleiche Ziel – ihre digitalen Bestände langfristig zugänglich und nutzbar zu halten. LiLA.NDS bietet dafür den gemeinsamen Rahmen. Im kommenden Beitrag stellen wir die nächsten Partnerinstitutionen und ihre Perspektiven vor.

Blogreihe „LiLA.NDS“

Im Rahmen der begleitenden Blogreihe „LiLA.NDS“ werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.

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Wenn die Wissenschaft schmunzelt – kuriose Fundstücke aus den Fachreferaten der TIB

Wissenschaft ist bekanntlich eine ernste Angelegenheit. Monografien mit nüchternen Titeln, Aufsätze voller Formeln, Tabellen und Fußnoten prägen den Arbeitsalltag in den Fachreferaten der TIB. Und doch: Wer regelmäßig neue Titel sichtet und für den Bibliotheksbestand auswählt oder Geschenke überprüft, weiß, dass sich zwischen all der fachlichen Strenge hin und wieder kleine Überraschungen verbergen.

Manchmal ist es ein Buchtitel, der unerwartet blumig daherkommt. Manchmal ein Thema, dessen Existenz man nicht geahnt hätte. Und manchmal fragt man sich schlicht schmunzelnd, wie genau dieses Werk seinen Weg in einen wissenschaftlichen Bibliotheksbestand gefunden hat – sei es durch gezielte Auswahl, Schenkungen oder kuriose Zufälle.

Passend zur närrischen Jahreszeit laden wir im Februar dazu ein, mit uns einen Blick auf genau diese besonderen Fundstücke zu werfen. In diesem Beitrag stellen verschiedene Fachreferent:innen der TIB Werke vor, die ihnen im Arbeitsalltag ein Lächeln entlockt haben – ohne den wissenschaftlichen Anspruch aus den Augen zu verlieren. Denn selbst zwischen Fachliteratur und Formalia ist Platz für Humor. Helau!

Fritz Eggelsmann: Schweisser-Brevier – lehrreiche Reime für Autogenschweißer und die, die es werden wollen

„Gar manches wurde schon geschrieben
Von der edlen Schweißerei
Und es ist – nicht übertrieben –
Stets wissenswert und immer neu“

Fritz Eggelsmann: Schweisser-Brevier

Mit diesen gereimten Zeilen beginnt das „Schweisser-Brevier“ von Fritz Eggelsmann. Und wer nun vermutet, es handele sich lediglich um einen poetischen Auftakt, irrt: Das gesamte Werk ist in Reimform verfasst. Spätestens beim ersten Durchblättern sorgt das für ein ungläubiges Schmunzeln – denn gereimte Fachliteratur begegnet einem im bibliothekarischen Alltag eher selten.

Was auf den ersten Blick an Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ erinnert, entpuppt sich auf den zweiten als durchaus ernstzunehmendes, wenn auch unkonventionell gestaltetes Fachbuch. Inhaltlich widmet sich das Schweisser-Brevier dem Autogenschweißen beziehungsweise Gasschmelzschweißen. In Versform werden Themen wie unterschiedliche Schweißgase, die korrekte Handhabung der Ventile an Gasflaschen sowie verschiedene Schweißtechniken erläutert – fachlich fundiert und erstaunlich umfassend.

Das Buch erschien 1972 und fand seinen Weg in den Bestand der TIB im Rahmen einer Bestandsübernahme aus dem Institut für Schweißtechnik der TU Braunschweig. Ein schönes Beispiel dafür, dass technische Präzision und sprachlicher Witz sich nicht ausschließen müssen.

Neugierig geworden? Hier geht es zum Eintrag des Werkes im Portal der TIB.

George Schneider: The book of choice ferns for the garden, conservatory, and stove describing and giving explicit cultural directions for the best and most striking ferns and selaginellas in cultivation

Im Farnfieber des 19. Jahrhunderts wurden Farne und entsprechende Motive über alle Gesellschaftsschichten hinweg gesammelt. Ob nun in Form von Keramiken, Textilien, Skulpturen, als Verzierung auf Grabsteinen oder als gepresste Farnwedel in Alben – kaum jemand wurde nicht von der Pteridomanie erfasst, wie dieses Phänomen bezeichnet wurde.

Dabei stand Pterido(phyta) für Gefäßsporenpflanzen bzw. Farnartige Pflanzen und Manie für übertriebene Leidenschaft. Immer neue Farnbücher wurden veröffentlicht, so auch von George Schneider (29. März 1848 bis 2. Januar 1917), dem langjährigen Kulturchef der damals sehr bekannten Baumschule Veitch & Sons in London.

Zwischen 1892 und 1894 erscheint sein dreibändiges Werk „The book of choice ferns for the garden, conservatory, and stove describing and giving explicit cultural directions for the best and most striking ferns and selaginellas in cultivation“, das die TIB in einer seltenen Goldschnitt-Ausgabe im Bestand hat.

Neugierig geworden? Hier geht es zum Eintrag des Werkes im Portal der TIB: Band 1, Band 2, Band 3

Online sind die Bände auf der Seite der Biodiversity Heritage Library zu finden.

Carl Salomon: Wörterbuch der Botanischen Kunstsprache: für Gärtner, Gartenfreunde und Gartenbauzöglinge

Seit 1881 hat Carl Salomon, Könglicher Garteninspektor in Würzburg, das „Wörterbuch der Botanischen Kunstsprache: für Gärtner, Gartenfreunde und Gartenbauzöglinge herausgegeben“:

„Verfasser und Verleger der vorliegenden Schrift begegneten sich in dem Wunsche, den Freunden der Pflanzenkunde ein bequemes Taschenbuch zu binden, welches eine Auflistung der gebräuchlichen Kunstausdrücke der botanischen Wissenschaft in alphabetischer Übersicht bietet.“

(aus dem Vorwort der ersten Aufalage von 1881)

Die TIB hat die 4. Auflage von 1899 aus dem Bestand der Bibliothek des Instituts für Zierpflanzenbau der Leibniz Universität Hannover übernommen. Es ist die letzte von Salomon selbst bearbeitete Auflage, die er im Dezember 1898 fertigstellte. Er starb kurz danach, am 7. Februar 1899, im Alter von 69 Jahren.

Neugierig geworden? Hier geht es zum Eintrag des Werkes im Portal der TIB.

Kate Daudy & Kostya Novoselov: Wonderchaos // Kip Thorne & Lia Halloran: The warped side of the universe

Das ein oder andere ungewöhnliche Werk ist in unserem Bestand gelandet, weil renommierte Autoren – insbesondere Nobelpreisträger – ihre wissenschaftliche Arbeit mit weiteren Interessen verbunden haben.

So ist Kostya Novoselov (Nobelpreis 2010 für die Entdeckung des Graphens) Co-Autor eines Werkes der Künstlerin Kate Daudy mit dem schönen Titel Wonderchaos, in dem unter anderem nummerierte Schafe als Zufallszahlengenerator durch die Bilder laufen.

Der Nobelpreisträger Kip Thorne (Nobelpreis 2017 für seine Beiträge zum Gravitationswellendetektor LIGO) ist in seinem Buch The warped side of our universe: an odyssey through black holes, wormholes, time travel, and gravitational waves mit Prosagedichten zu Schlaglichtern seines Forscherlebens selbst zum Künstler geworden.

Wer selbst Gedichte zur Physik schreiben will, kann sich mit The poetry of physics vorbereiten. „The final section provides practical guidance on crafting your own physics-inspired poetry, encouraging active participation in this tradition of blending scientific and artistic inquiry.“ In diesem Sinne: Los geht‘s!

Mary Beth Norton: I humbly beg your speedy answer

Im Mai 1691 erreichte die Redaktion der Londoner Zeitschrift „The Athenian Mercury“ die folgende Frage einer anonymen Leserin:

„A young man from the city made his addresses to a country gentlewoman for nearly a year and gained her affections. But afterward he slighted her without any explanation. She is a very beautiful and virtuous young lady who has been and still is in love with him to such a degree that her life is despaired of. Is this gentleman, knowing he is the cause of her illness, obliged to marry her in conscience?“

Zweimal wöchentlich erschienen im Laufe der 1690er-Jahre neue Ausgaben dieser Zeitschrift, in denen eine anonyme Leserschaft die Redaktion um den Verleger John Dunton um Rat in Beziehnungsdingen bat.

Ursprünglich war sie für die Beantwortung von Leserfragen zu ganz anderen Themen angelegt gewesen – etwa rechtliche oder medizinische Fragen, doch schon bald nach dem ersten Erscheinen häuften sich Fragen privater Natur:

  • How shall a man know when a lady loves him? (Mai 1691)
  • Is interrupting discourse by repeated kisses rude and unmannerly? (Oktober 1691)
  • How may a true lover be distinguished from a false one? (August 1695)

„The Athenian Mercury“ gilt damit als die weltweit erste Ratgeberkolumne – und erfreute sich großer Popularität. Die us-amerikanische Historikerin Mary Beth Norton hat in ihrem 2025 erschienenen Buch „I humbly beg your speedy answer” eine kuratierte Auswahl dieser Fragen und Antworten zusammengestellt. Der Titel eröffnet einen wunderbaren Einblick in die Gefühlswelten eines früheren Jahrhunderts und in die Anliegen der Menschen in Sachen Partnerwahl, Ehe, elterlicher Zustimmung oder deren Umgehung, außerehelichen Affären und vielem mehr.

Wer Ratgeberkolumnen liest, wird Vergnügen an diesem Buch finden. Wer sie nicht liest, hat hiermit Gelegenheit sich davon zu überzeugen, wie langlebig und produktiv dieses kleine Genre ist.

Doch was rieten nun die „Athenians“ der verzweifelten Fragestellerin? Ihre knappe Antwort sei hier nicht vorenthalten:

„He is obliged in honor and conscience to marry her, but we think the lady happier without him than she could be with such an inconstant lover.“

Neugierig geworden? Hier geht es zum Eintrag des Werkes im Portal der TIB.

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