Neue Explore Page in Kompakkt: schneller finden, besser sammeln

Wir haben die Explore Page unseres 3D-Viewers grundlegend überarbeitet, um die Suche und Organisation von Objekten zu verbessern. Das Update bringt ein neues Design, erweiterte Filtermöglichkeiten und eine Multi-Selection-Funktion zum gleichzeitigen Hinzufügen mehrerer Objekte zu Sammlungen.

Neues Design

Die Explore Page wurde visuell neu strukturiert und vereinfacht. Inhalte sind jetzt übersichtlicher angeordnet, wodurch relevante 3D-Objekte schneller gefunden werden können.

Erweiterte Filtermöglichkeiten

Neue Filter erlauben eine präzisere Eingrenzung der Ergebnisse. Dadurch wird die Recherche in größeren Datenbeständen effizienter und besser kontrollierbar.

Multi-Selection für Sammlungen

Mehrere Objekte können nun gleichzeitig ausgewählt und mit einem Schritt zu einer Sammlung hinzugefügt werden. Das erleichtert insbesondere das kuratorische Arbeiten und reduziert wiederholte Einzelaktionen.

Mit diesen Verbesserungen wird die Explore Page zu einem zentralen Einstiegspunkt für das Entdecken, Vergleichen und Zusammenstellen von 3D-Objekten. Schau es dir an: Explore

#LizenzCCBY40INT #3DModels #3dViewer #Explore

Zum Welttag des Buches am 23. April

Am 23. April ist „Welttag des Buches“ und des Urheberrechts. 1995 erklärte die UNESCO diesen Tag zum weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autor:innen.

Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen und Lesebegeisterte feiern am UNESCO-Welttag des Buches ein großes Lesefest. Für uns ein Anlass, um zu schauen, was wir an älteren Werken zu diesem Thema digitalisiert haben, unter anderem zum Vorläufer der TIB, der Bibliothek der Technischen Hochschule Hannover:

Paul Trommsdorff war ab 1922 Direktor der Bibliothek, er war Mitglied im Beirat für Bibliotheksangelegenheiten und hatte einen Lehrauftrag für Bibliothekswissenschaften inne. Mit dem Titel: „Die neuen Räume der Bibliothek der Technischen Hochschule Hannover, den Teilnehmern am 11. Hannoverschen Hochschultage (29. und 30. November 1929) überreicht“ gibt er einen wertvollen Einblick in die damaligen Begebenheiten:

             

Die interessante Geschichte der Bibliothek der Technischen Hochschule Hannover ab dem Jahr 1879 erzählt ebenfalls Paul Trommsdorff im Jahr 1931 in „Ein Überblick über die Entwicklung der Bibliothek“:

Ein besonderes Kleinod stellt der „Katalog alter Bucheinbände in der Bibliothek der Technischen Hochschule Hannover“ von Elisabeth Weber (siehe auch Blog Beitrag von Andreas Lütjen) dar. Sie erstellte Richtlinien für die einheitliche Katalogisierung der Bucheinbände, Register zum Einbandkatalog der Bibliothek der Technischen Hochschule Hannover, Notizen betreffend Künstlerregister der Sammlung Haupt und anderer Kupferstichwerke der Bibliothek der Technischen Hochschule Hannover. Die Abreibungen der kostbaren Buchrücken der Sammlung Haupt dokumentieren deren Kunstfertigkeit.

Aufsätze und graphische Einzelblätter zum Thema Buch lassen sich unter dem Titel „Buch und Bucheinband“ von 1923, herausgegeben von Max Joseph Husung, finden. Sie wurden zum 60. Geburtstage von Hans Loubier veröffentlicht, der ein deutscher Bibliothekar und Einbandforscher war.

Der deutsche Philologe Prof. Anton Elter (1858–1925) hielt zu der Gedenkfeier des 100. Geburtstages des Stifters der Universität Bonn am 3. August 1918 eine Rede zu Thema Bibliothek. Anton Elter wirkte lange Zeit bis zu seinem Tode an der Universität Bonn mit, unter anderem als Professor für Eloquenz und Professor für klassische Philologie. In dem Werk Wesen und Aufgaben der wissenschaftlichen Bibliothek von 1937 geht er auf die Bedeutung der Bibliothek für uns Menschen und die Wissenschaft ein:

„Mit der Entwicklung der Sprache beginnt die menschliche
Kultur, mit der Erfindung der Schrift wird das Wissen der
Menschheit zum festen, dauernden und übertragbaren Besitz,
wird das Buch zum Träger und Vermittler des geistigen Fortschritts,
mit einem Wort der Wissenschaft.

Die Erfindung der Buchdruckerkunst bedeutet den Beginn
der modernen Wissenschaft im weitesten Sinne, die Bibliotheken als die
Summe der in den Bücherschätzen enthaltenen geistigen Arbeit
der Jahrtausende repräsentieren das gesamte Wissen der
Menschheit von ihren Anfängen bis zur Gegenwart.“

#Bibliothek #Bibliotheksgeschichte #LizenzCCBY40INT #Retrodigitalisierung

„Orte erzählen Demokratie“ – Demokratiegeschichte erfahrbar machen

Demokratie sichtbar machen – das ist das Ziel des aktuell im Open Science Lab gestarteten Projekts „Orte erzählen Demokratie“. Entwickelt wird darin in Zusammenarbeit mit den Stadtbibliotheken Augsburg, Bremen und Buxtehude sowie mit Wikimedia Deutschland e. V. eine digitale Karte, auf der Orte deutscher Demokratiegeschichte erfasst werden.

„Orte erzählen Demokratie“

Gefördert durch die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte macht das Projekt aktuelle und historische Orte der Demokratiegeschichte durch eine interaktive, digitale Karte erfahrbar, auf der thematische Touren – zu Fuß, per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln  dargestellt werden. Neben bekannten Erinnerungsorten sollen im Projekt auch weniger sichtbare, aber symbolisch bedeutsame Orte in den Mittelpunkt rücken, zum Beispiel:

  • Beteiligungsverfahren im Stadtteil Linden-Süd in Hannover,
  • das Buxtehuder Modell als Beispiel demokratischer Schulkultur
  • die Respekt-Reihe der Stadtbücherei Augsburg oder
  • die Stadtbibliothek im Bremer Stadtteil Gröpelingen, die als „dritter Ort“ den demokratischen Dialog fördert.

Solche Beispiele stehen für den demokratischen Alltag – genau wie etwa Vereinsheime, Stadtteilzentren, Volkshochschulen, Verlage oder Wohnorte engagierter historischer Persönlichkeiten oder Orte von Demonstrationen der Demokratiebewegung. Sie zeigen, wie Demokratie in historischen Wendepunkten und kontinuierlichen Aushandlungsprozessen gelebt wird. Die Umsetzung erfolgt offen, partizipativ und nachhaltig. Über Wikidata und Wikipedia werden die Inhalte langfristig für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Projektziele

„Orte erzählen Demokratie” verfolgt das Ziel, Demokratiegeschichte lokal erfahrbar zu machen und zugleich in einem größeren Wissensraum zu verankern. Bürger:innen, zivilgesellschaftliche Initiativen und Bildungseinrichtungen werden befähigt, demokratiegeschichtlich relevante Orte zu identifizieren, zu dokumentieren und daraus  selbst gestaltete Touren zu entwickeln. Die aktive Beteiligung steht im Zentrum: Das Projekt versteht Demokratiegeschichte als gemeinsame Verantwortung, deren Erschließung nur miteinander gelingt.

Die Inhalte werden offen lizenziert und über ein digitales Tourentool veröffentlicht. Ergänzend entstehen OER-Materialien (Open Educational Resources), also frei verfügbare Bildungsmaterialen, die Schritt für Schritt anleiten und für Lehrkräfte, Multiplikator:innen, Einzelpersonen oder Gruppen gedacht sind. Ein spezielles Teilprojekt richtet sich an Kinder und Jugendliche, die als „Demokratieforscher:innen“ihre Umgebung erkunden und auch eigene Touren entwickeln sollen.

Ein zentrales Ziel ist zudem, das entstandene Wissen langfristig über Wikidata zu sichern und mit Wikipedia zu verknüpfen – dort, wo viele Menschen zuerst nach Informationen suchen. Wikimedia Deutschland wird als Projektpartner eingebunden: durch Community-Organizing, die Koordination von Workshops zur Datenerfassung, Einbindung des Projekts in Formate wie „GLAM digital“ oder in Veranstaltungen wie die „Digital Democracy Days“.

Das Projekt folgt demokratischen Prinzipien: Es ist offen, kollaborativ, niedrigschwellig und zielt auf gemeinsame Teilhabe. Demokratie wird nicht nur erforscht und vermittelt, sondern eingeübt.

Gesamtgesellschaftliche Relevanz

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie lebt von Beteiligung, historischer Bildung und dem Vertrauen in die eigene Gestaltungsfähigkeit. Demokratie muss im Alltag erlebbar bleiben. Genau hier setzt das Projekt an. Es erschließt demokratiegeschichtlich relevante Orte im unmittelbaren Lebensumfeld, macht sie durch digitale Touren sichtbar und lädt Menschen dazu ein, selbst als Forschende und als Mitgestaltende aktiv zu werden.

Indem es neben den herausragenden Orten der Demokratiegeschichte auch alltägliche Orte – wie Vereinsheime, Redaktionen oder kommunale Einrichtungen – thematisiert, stärkt es das Bewusstsein für demokratische Prozesse vor Ort. Damit trägt das Projekt zur politischen Bildung, zur Erinnerungsarbeit und zur Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe bei.

Zugleich leistet es einen Beitrag zur digitalen Öffentlichkeit: Durch die Nutzung von Wikidata und die Anbindung an Wikipedia wird das Wissen zur Demokratiegeschichte langfristig verfügbar, erweiterbar und offen zugänglich gemacht. So entsteht ein demokratischer Wissensraum, der offen, lokal verankert und global anschlussfähig ist. So wird Erinnerungskultur lebendig – offen, inklusiv und zukunftsorientiert.

Förderzeitraum: 15.12.2025–31.12.2027

Orte erzählen Demokratie wird gefördert durch

#CitizenScience #Demokratiegeschichte #Demokratieorte #LizenzCCBY40INT

Tag der chinesischen Sprache: Chinesisch als Wissenschaftssprache und die Datenbank CAOD

Seit 2010 begeht die UNESCO am 20. April den Tag der chinesischen Sprache – einen von sechs Welttagen, mit denen die Organisation die linguistische Vielfalt der Menschheit feiert und die Bedeutung der gleichberechtigten Verwendung der sechs Amtssprachen als Arbeitssprachen der Vereinten Nationen in den Vordergrund rückt. Das Datum ist kein Zufall: Es verweist auf den legendären Chronisten des Gelben Kaisers, Cang Jie, dem die chinesische Überlieferung die Erfindung der Schriftzeichen zuschreibt.

Für eine spezielle wissenschaftliche Fachbibliothek wie die TIB bietet dieser Tag einen willkommenen Anlass zur Reflexion: Welche Sprache sprechen wir eigentlich, wenn wir von globaler Wissenschaft reden? Die ehrliche Antwort lautet meistens: Englisch. Und das ist ein Problem. Denn wer nur englischsprachige Literatur aufnimmt, liest nicht die gesamte Weltliteratur der Wissenschaft, sondern nur einen Ausschnitt davon.

Die Mehrsprachigkeit in der Wissenschaft ist keine idealistische Vorstellung, sondern eine epistemologische Notwendigkeit. Originelle Entdeckungen entspringen oft der Muttersprache der Forschenden. Inhalte, die nicht übersetzt oder übernommen werden, bleiben für den Rest der Welt weitgehend unbekannt. Insbesondere in den Natur- und Ingenieurwissenschaften ist der Preis dieser „Unsichtbarkeit“ enorm. Gerade in diesen Bereichen hat sich China innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer der weltweit führenden Wissenschaftsmächte entwickelt.

Chinas Aufstieg: Zahlen, die Maßstäbe verschieben

Die bibliometrischen Daten der vergangenen Jahre lesen sich wie eine stille Revolution. Was einst lediglich als quantitativer Anstieg betrachtet wurde, hat sich inzwischen zu qualitativer Exzellenz gewandelt und die Rangordnung in der globalen Wissenschaftswelt neu definiert.

Im Nature Index, dem wohl renommiertesten Maßstab für Beiträge zu den 145 weltweit bedeutendsten Naturwissenschaftsjournalen, überholte China die USA im Jahr 2024 mit einem Vorsprung von 17 Prozent: 37.273 chinesische Artikel standen 31.930 amerikanischen gegenüber. Das ist kein vorübergehender Ausreißer: Während Chinas Anteil seit 2020 um 95 Prozent wuchs, stieg der amerikanische Anteil im gleichen Zeitraum um lediglich 9,5 Prozent [1].

Besonders bemerkenswert: In den Bereichen Physik und Ingenieurwissenschaften hat China inzwischen nicht nur die USA, sondern die gesamte OECD überholt, also die Summe aller Publikationen aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und 33 weiteren Ländern. Führt somit die Top 20 List in der CWTS Leiden Ranking (Open Edition) ausschließlich mit chinesischen Institutionen [2] an. Das gleiche Bild wiederholt sich auch im aktuellen Nature Index „Institution rankings“ im Bereich Chemie [3].

Parallel wächst die Strahlkraft chinesischer Institutionen. Der Nature Index listet zehn führende Forschungseinrichtungen weltweit für die „Journal group: Natural Sciences“ auf – neun davon in China. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften (CAS) hält die Spitzenposition [4]. Und: Der Anteil chinesischer Forschender in der Kategorie der „Highly Cited Researchers“ (Clarivate) hat sich seit 2018 mehr als verdoppelt [5].

Was bedeutet das für uns? Es bedeutet, dass ein erheblicher Teil der wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse unserer Zeit auf Chinesisch entstanden ist – und in chinesischsprachigen Zeitschriften erstveröffentlicht wurde. Wer diese Literatur nicht erschließt, verpasst höchstwahrscheinlich viele wichtige Informationen.

Graue Flecken auf der Weltkarte des Wissens

Die Dominanz des Englischen im internationalen Wissenschaftsbetrieb hat einen strukturellen Bias erzeugt, der selten explizit gemacht wird: Unsere Zitationsdatenbanken, unsere Rankings, unsere Peer-Review-Prozesse sind historisch westlich-anglophon ausgerichtet. Wer auf Chinesisch publiziert, sieht seine Arbeit systematisch unterbewertet – nicht weil sie schwächer wäre – sondern weil die Infrastruktur des globalen Wissenschaftsbetriebs sie als schlechter ansieht.

Die Folgen sind bisweilen konkret: Berichte über die Infektion von Schweinen mit Vogelgrippe-Viren in China wurden von der internationalen Gemeinschaft – einschließlich WHO und UN – zunächst nicht wahrgenommen, weil sie ausschließlich in chinesischsprachigen Fachzeitschriften erschienen waren [6]. Und eine aktuelle Befragungsstudie mit 908 Wissenschaftler:innen aus acht Ländern zeigt: Nicht-Englisch-Muttersprachler:innen benötigen für dieselben wissenschaftlichen Tätigkeiten – Lektüre, Manuskripterstellung, Konferenzbeiträge – bis zu doppelt so viel Zeit wie ihre anglophonen Kolleg:innen [7]. Erkenntnisse und Karrieren gehen verloren, nicht wegen mangelnder Qualität, sondern wegen struktureller Sprachbarrieren.

Sprache ist kein Verpackungsmaterial wissenschaftlicher Erkenntnis. Sie ist der Raum, in dem Denken stattfindet.

Originalsprachige Literatur zu lesen bedeutet, Wissenschaft in dem Kontext zu begegnen, in dem sie entstanden ist – mit den Nuancen, Begrifflichkeiten und epistemischen Vorannahmen, die in eine Übersetzung oft nicht übertragen werden können.

CAOD: Chinas und Asiens Forschung, direkt an Ihrem Schreibtisch

Mit der neuen Campuslizenz für CAOD – China/Asia On Demand stellt unsere Bibliothek ab sofort eine der umfangreichsten Fachdatenbanken für chinesisch- und asiatischsprachige Wissenschaftsliteratur in Technik, Natur- und Medizinwissenschaften zur Verfügung. In der deutschen Hochschullandschaft ist dies ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Die Fachdatenbanken CAOD

China/Asia On Demand (CAOD) / Asia Document Delivery ist ein spezialisiertes Wissensportal für wissenschaftliche Materialien aus China und dem asiatischen Raum. Die webbasierte Plattform ermöglicht eine effiziente Recherche und den elektronischen Zugriff auf umfangreiche Fachinformationen dank leistungsfähiger Such- und Auffindungsfunktionen.

Verfügbar sind über 10.000 elektronische Zeitschriftentitel sowie Millionen von Abschlussarbeiten, Dissertationen, Normen, Buchkapiteln, Patenten, Zeitungsartikeln und Konferenzbeiträgen. Im Rahmen unseres Abonnements ist ein Großteil der Dokumente im Originalformat einschließlich Grafiken und Abbildungen direkt im Volltext über die Plattform zugänglich.

Das Besondere dabei: Die Datenbank erschließt nicht nur international sichtbare Journals, sondern auch nationale Fachzeitschriften, Forschungsberichte und weitere Formen wissenschaftlicher Kommunikation, die häufig ausschließlich in chinesischer Sprache vorliegen. Damit wird ein Forschungsraum zugänglich, der bislang nur eingeschränkt nutzbar war.

Für Forschende, Lehrende und Studierende bedeutet dies einen erheblichen Mehrwert:

  • Zugang zu Primärquellen in Originalsprache
  • Einblicke in nationale Forschungstraditionen und Diskurse
  • Erweiterung des eigenen wissenschaftlichen Horizonts

Ein Ausblick: Wohin geht die Wissenschaftssprache der Zukunft?

Die Frage, ob Englisch die Wissenschaftssprache der Zukunft bleibt, wird zunehmend diskutiert, und die Daten sprechen eine eindeutige Sprache. China investiert massiv in den Aufbau eigener Fachzeitschriften von internationalem Rang. Die Zahl chinesischer Titel in hochrangigen Datenbanken steigt. Maschinelle Übersetzung und KI-gestützte Tools werden es in absehbarer Zeit erleichtern, fremdsprachige Fachliteratur zu erschließen, ohne dass dabei das Original aus dem Blick gerät.

Was sich nicht automatisieren lässt, ist die institutionelle Bereitschaft, mehrsprachige Wissenschaft als Wert anzuerkennen. Bibliotheken haben dabei eine Schlüsselrolle: nicht nur als Zugangspunkte, sondern als Kuratorinnen wissenschaftlicher Vielfalt.

Wir laden Sie herzlich ein, die Datenbank zu erkunden, ob für Ihre nächste Literaturrecherche, eine Seminararbeit oder ein Drittmittelprojekt. Das Angebot steht allen Angehörigen unserer Einrichtung zur Verfügung, erreichbar über DBIS (https://dbis.u r.de/UBTIB/resources/106734).

Und wer dabei auf ein Schriftzeichen stößt, das er nicht kennt? Der hat guten Grund, neugierig zu bleiben.

[1] https://quincyinst.org/research/chinas-historic-rise-to-the-top-of-the-scientific-ladder/#h-can-america-respond

[2] https://open.leidenranking.com/ranking/2025/list

[3] https://www.nature.com/nature-index/institution-outputs/generate/chemistry/global/all

[4] https://www.nature.com/nature-index/institution-outputs/generate/natural-sciences/global/all

[5] https://stories.springernature.com/global-research-pulse-china/index.html#section-HCR96QdzBb

[6] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5199034/#pbio.2000933.ref008

[7] https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.3002184

#LizenzCCBY40INT #Ostasien #Regionalreferat #Chinesisch #Datenbank #Wissenschaftssprache #Originalsprache #InstitutionRankings

Die Bibliothek des Charles Darwin

Vor 144 Jahren starb Charles Darwin am 19. April 1882 in Down House/Grafschaft Kent im Alter von 73 Jahren. Wie arbeitete der weithin bekannte Naturforscher? Welche Bücher hat er gelesen, welche inspirierten ihn zu seinen eigenen Forschungen? Diesen Fragen gehen wir in unserem April-Beitrag der TIB-Blogreihe Wissen verbinden nach. Einen Teil der Recherche hat Martje Majowski im Rahmen ihrer FaMI-Ausbildung  übernommmen. Vielen Dank!

Darwins Werdegang und die Entstehung der Arten

Charles Darwin, etwa 1857 (gemeinfrei, Wikipedia)

Charles Robert Darwin wurde am 12. Februar 1809 auf dem Anwesen Mount House in Shrewsbury als fünftes von sechs Kindern geboren. Sein Vater war der Arzt Robert Waring Darwin (1766–1848), der für ihn ebenso wie für den fünf Jahre älteren Bruder Erasmus Darwin das Studium der Medizin in Edinburgh vorsah. Nach etwas mehr als zwei Jahren wechselte Charles Darwin von der Medizin in das Studium der Theologie nach Cambridge, das er schließlich 1831 mit dem Bachelor of Arts abschloss. Während der Zeit in Cambridge nahm Darwin regelmäßig an Abendveranstaltungen bei Prof. John Henslow teil, der als Priester, Geologe und Botaniker tätig war. Diese Begegnung war entscheidend für Darwins weiteres Leben, denn Henslow empfahl ihn bei Kapitän Robert FitzRoy als naturwissenschaftlichen Begleiter für die Fahrt der HMS Beagle.

Darwins Weltumsegelung mit der HMS Beagle (gemeinfrei, cc-by-3.0 von Devilm25)

Während der fünfjährigen Reise (1831–1836) der HMS Beagle füllte Darwin zahlreiche Notizbücher mit botanischen, zoologischen und geologischen Beobachtungen und schuf damit die Grundlage für sein Werk „Über die Entstehung der Arten“. Bis zu dessen Veröffentlichung verfasste Darwin mehrere Bücher über zoologische und geologische Themen. Durch die Hochzeit mit seiner Cousine Emma Wedgwood und den Vermögen von Vater Robert Darwin sowie des Schwiegervaters Josiah Wedgwood konnte Charles Darwin als Privatier leben und seine Evolutionstheorie immer weiter entwickeln. Im November 1859 erschien schließlich On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or The Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life und war aufgrund hoher Vorbestellungen sofort vergriffen.

Laut Kellyanne Burbage ist Darwins „Über die Entstehung der Arten“ das am häufigsten verbotene Wissenschaftsbuch. Bereits kurz nach der Veröffentlichung kam es zu zahlreichen Reaktionen, da Darwins Theorie starke Bezüge zu Theologie und Philosophie aufwies. 1895 wurde das Buch schließlich von Darwins Alma Mater, dem Trinity College in Cambridge, wegen Widerspruchs zu christlichen Glaubensgrundsätzen verboten – später folgten Tennessee (1925–1967), Jugoslawien (1935) und Griechenland (1937).

Die Rekonstruktion von Darwins Bibliothek

Titelblatt der ersten Ausgabe von 1859 (gemeinfrei, Wikipedia)

„Über die Entstehung der Arten“ legt den Grundstein für die moderne Evolutionsbiologie. Die Grundlagen zu diesem Werk waren jedoch nicht nur die vielen Notizbücher aus der Zeit auf der HMS Beagle. Darwin verarbeitete darin auch viele weitere Erkenntnisse, die er aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Naturwissenschaften, Philosophie, Theologie und politische Ökonomie gewann. Sein Ziel war es, die Entstehung von Arten auf eine breite naturwissenschaftliche Grundlage zu stellen. Dabei konnte er auf eine umfangreiche Bibliothek zurückgreifen.

Lange wurde davon ausgegangen, dass Darwins Bibliothek 1.480 Bücher umfasst hat und sich diese Werke in den beiden verbliebenen Sammlungen in der University of Cambridge und in Down House befinden. Doch nach Darwins Tod sind unzählige Schriften in alle Himmelsrichtungen zerstreut worden, einen vollständigen Katalog gab es nicht.

Erst durch die seit Anfang 2024 fertiggestellte digitale Rekonstruktion von Darwins Bibliothek steht nun fest, dass diese Sammlungen nur etwa 15 Prozent der Schriften enthielten, die Darwin besessen hat. Die nach seinem Tod erstellte Bestandsaufnahme von 2.065 gebundenen Büchern sowie die Auswertung von Referenzen in Darwins Schriften und seiner Korrespondenz, ein 426 Seiten umfassender handgeschriebener Katalog von 1875, Darwins Lesetagebuch sowie Tagebücher seiner Frau Emma Darwin waren die Puzzlesteine zur digitalen Rekonstruktion von Darwins Privatbibliothek.

Diese ist nun auf der Seite Darwin online recherchierbar und umfasst 7.350 Titel in 13.000 Werken. Neben Büchern zu Biologie und Geologie umfasst sie auch Titel über Landwirtschaft, Tierzucht, Tierverhalten und die Verbreitung von Tieren, sowie Philosophie, Psychologie, Religion, Kunst, Geschichte, Reisen und Sprachen. Auch Notizen von Darwins Studienreisen mit der HMS Beagle können auf der Internetseite ebenso eingesehen werden wie private Dokumente und Familienfotos. Das Tagebuch seine Reise auf der HMS Beagle steht auch als Hörbuch zum Download zur Verfügung.

„Diese nie dagewesene, detaillierte Sicht auf Darwins komplette Bibliothek erlaubt mehr denn je die Einsicht, dass er keine isolierte Figur war, die für sich gearbeitet hat, sondern ein Experte seiner Zeit, der auf die fortgeschrittene Wissenschaft, die Studien und andere Kenntnisse Tausender Menschen aufgebaut hat“, sagte John van Wyhe, Wissenschaftshistoriker und Initiator von Darwin online. Darwin hat damit im besten Sinne unserer Blogreihe Wissen verbunden.

Wie kann Darwin online genutzt werden?

Eine Einführung zu Darwin Online und der Entstehungsgeschichte zu dieser Plattform gibt John van Wyhe auf youtube. Die kostenfrei nutzbare Datenbank (nur englischsprachige Rechercheoberfläche) kann mit Hilfe der einfachen oder der erweiterten Suche (advanced search) durchsucht werden. Letzte ermöglicht beispielsweise die gezielte Suche nach deutschsprachigen Texten. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle aufgeführten Werke als Image, Text oder PDF online einsehbar.

Darwin, Fachreferat und Open Access

Das erste der sechs strategische Handlungsfelder der TIB ist „OPEN SCIENCE – Wissen offen und nachhaltig zugänglich machen“. Die Kategorie #openness beleuchtet im TIB-Blog diverse Aspekte dieses Themas. Open Science und Open Access sind auch wichtige Aufgabenbereiche der Tätigkeit im Fachreferat. Dazu gehört neben der Unterstützung von Studierenden und Mitarbeitenden der Leibniz Universität Hannover (LUH) bei ihren Publikationstätigkeiten auch die Förderung von Open Access im Kontext Bestandsentwicklung. Gerade am Beispiel Darwins und der „banned books“ wird deutlich, wie wichtig Bibliotheken und der freie Zugang zu Wissen und unserem kulturellen Erbe ist.

Darwin in der TIB

Über das TIB-Portal sind neben dem Zugang zu Darwin online mehr als 900 Treffer zu Titeln von oder über Charles Darwin zu finden. Unter anderem auch die vollständige Neuübersetzung von „Über die Entstehung der Arten“ aus dem Jahr 2025. Das AV-Portal bietet darüber hinaus mit der Suche nach Charles Darwin über 30 Filme, die Darwins Arbeiten thematisieren.

Viele Freude beim Stöbern!

#LizenzCCBY40INT #openness #AusDenFachreferaten #CharlesDarwin

E-Pflicht, Kunstfilme und Veterinärmedizin: Einblicke in die digitale Langzeitarchivierung bei LiLA.NDS

ein Beitrag von Markus Bierkoch (GWLB), Sven Grabenhorst (HBK), Sabine Leonhard-Marek (TiHo), Jesko Rücknagel (TIB) und Frauke Stiller (HBK).

Nachdem bereits drei Einrichtungen der ersten Projektkohorte ihre Einrichtung und das Sammelprofil, die Motivation zur Beteilung an der Landesinitiative sowie ihre im Rahmen von LiLA.NDS zu bearbeitenden Bestände im letzten Blogpost vorstellen konnten, folgen nun drei weitere Einrichtungen des ersten Bearbeitungsjahres.

Unterschiedliche Medien und Bestände werden gemeinsam mit der TIB auf ihre Datenqualität geprüft, strukturiert, und perspektivisch mit Hilfe entwickelter Workflows in das Langzeitarchiv der TIB transferiert.

In den folgenden Kurzinterviews berichten Vertreter:innen der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) , der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig sowie der Tierärztlichen Hochschule Hannover über die verantwortungsvolle Aufgabe, ihre digitalen Bestände langfristig zu sichern.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

Dr. Markus Bierkoch berichtet über die aktuellen Aufgaben, die die GWLB als Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen übernimmt. Seit 2025 gelten zusätzlich auch elektronische Publikationen aus Niedersachsen als Pflichtexemplare. Neben der Erschließung und Bereitstellung muss die GWLB auch die dauerhafte Archivierung der Pflichtexemplare sicherstellen. Darüber hinaus verfügt die GWLB über einen stetig wachsenden Bestand an Retrodigitalisaten wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, aber auch zahlreiche historische Karten und Zeitungausgaben. Auch für diese Sammlung besteht ein Bedarf an einer digitalen Langzeitarchivierungslösung. Dies beinhaltet die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung für die elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplare sowie verschiedener Retrodigitalisate wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, historischer Karten und Zeitungen.

Gemeinsam mit den Kolleg:innen Dr. Anne-Kathrin Henkel (stellvertretende Direktorin), Andreas Steinsieck (Abteilungsleitung Medienbearbeitung), Dr. Benedikt Tondera (Abteilungsleitung IT und Digitale Dienste), Manuela Schink (Sachbearbeitung E-Pflicht) und Olaf Guercke (Leiter der Stabsstelle Digitalisierung) beschäftigt sich Markus Bierkoch als Leiter des Sachgebiets Pflicht an der GWLB mit der Umsetzung der E-Pflicht im Rahmen einer zugeschnittenen IT-Lösung, die neben der Abgabe von elektronischen Pflichtexemplaren und deren automatisierte Verarbeitung auch die digitale Langzeitarchivierung umfasst.

Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB) nimmt neben weiteren Aufgaben die Funktion der Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen wahr. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, Veröffentlichungen aus Niedersachsen sowie Publikationen mit Bezug zu Niedersachsen zu sammeln, bibliografisch zu erschließen, bereitzustellen und dauerhaft zu erhalten. Traditionell umfasste dies vor allem gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen.

Inzwischen entstehen jedoch große Teile der regionalen Literaturproduktion ausschließlich digital, etwa E-Books oder E-Journals. Dem trägt das seit 2025 geltende Niedersächsische Pflichtexemplargesetz (NPflExG) Rechnung, auf dessen Basis nun auch elektronische Veröffentlichungen Pflichtexemplare darstellen. Für die Umsetzung dieses Auftrags wird an der GWLB zurzeit die entsprechende IT-Infrastruktur entwickelt. Ein zentrales Element davon ist die digitale Langzeitarchivierung, um auch elektronische Publikationen dauerhaft zu erhalten.

Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.), Waldzustandsbericht, Bd. 2025. CC BY 4.0

Besonders wichtig ist für uns zum einen der bereits bestehende sowie der künftig noch zu sammelnde Bestand an elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplaren. Gemäß unserem gesetzlichen Auftrag treffen wir beim Sammeln von Pflichtexemplaren keine inhaltliche Auswahl. Der Pflichtexemplarbestand bietet dementsprechend einen breiten Querschnitt des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens in Niedersachsen. Die Erforschung dieses umfangreichen geistigen Erbes soll auch noch in Jahrhunderten gewährleistet sein.

Darüber hinaus sind die zahlreichen Retrodigitalisate in unseren Digitalen Sammlungen von besonderer Bedeutung. Dazu zählt zum Beispiel der digitalisierte Nachlass von Leibniz, dessen Briefwechsel in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Darüber hinaus hat die GWLB in den letzten Jahren aber auch zahlreiche historische Bücher, Handschriften und Karten sowie die bedeutende regionale Tageszeitung Hannoverscher Courier (1854 bis 1944) digitalisiert, welche für die landeskundliche Forschung einen hohen Wert besitzen. Dementsprechend muss auch für diesen digitalen Bestand eine dauerhafte Sicherungslösung gefunden werden.

Brief von Joachim Bouvet an Gottfried Wilhelm Leibniz vom 19. September 1699 aus Peking (China), in: Briefwechsel Joachim Bouvet mit Gottfried Wilhelm Leibniz.

Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

Die Motivation ergibt sich in erster Linie aus unserem gesetzlichen Auftrag, elektronische Pflichtexemplare dauerhaft aufzubewahren und zugänglich zu halten. Ein konkreter Auslöser war daher das Inkrafttreten des Niedersächsischen Pflichtexemplargesetzes (NPflExG). Das Gesetz macht deutlich, dass der um elektronische Pflichtexemplare erweiterte gesetzliche Sammelauftrag ohne digitale Langzeitarchivierung künftig nicht mehr erfüllbar wäre. Die Auseinandersetzung mit der digitalen Langzeitarchivierung ist daher weniger optional als vielmehr eine notwendige Weiterentwicklung unserer bibliothekarischen Kernaufgaben innerhalb eines sich mehr und mehr zum Digitalen hinwendenden Publikationsaufkommens.

Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

Besonders wertvoll ist für uns zum einen die Unterstützung bei der Überführung historisch gewachsener digitaler Bestände in das digitale Langzeitarchivsystem. Unsere digitalen Bestände sind über die Jahre von verschiedenen Personen betreut sowie in verschiedenen technischen Systemen gepflegt worden. Außerdem haben sich über die Zeit hinweg entscheidende Rahmenbedingungen geändert zum Beispiel im Urheberrecht. Deshalb haben sich Inkonsistenzen bei Dateiformaten sowie Metadatenangaben eingeschlichen. Hierüber im fachlichen Austausch mit anderen Einrichtungen ein vertieftes Verständnis zu entwickeln und etwaige Datenbereinigungen zu planen, ist für uns von hoher Bedeutung.

Zum anderen ist es im Projekt besonders wertvoll, eine IT-Lösung für unsere spezifischen Anforderungen als Pflichtexemplarbibliothek zu entwickeln. Die Anforderungen, die sich aus dem Sammeln elektronischer Pflichtexemplare ergeben, unterscheiden sich häufig von denen der großen Mehrheit der Hochschul- und Universitätsbibliotheken. Sehr hilfreich ist, dass das LiLA.NDS-Team auf diese besonderen Anforderungen eingeht und gemeinsam mit uns sowie unseren weiteren Kooperationspartnern – der Verbundzentrale Göttingen (VZG) und dem Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) – eine maßgeschneiderte Lösung plant und umsetzt.

Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

Als nächstes blicken wir auf die Bibliothek der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK). Im Rahmen des LiLA-Projekts befasst sich die HBK vor allem mit audiovisuellen Medien, die Performances, künstlerisches Schaffen und Reflektieren abbilden und wertvolle Forschungsobjekte für künstlerische Fächer darstellen. Dr. Frauke Stiller, die Bibliotheksleitung, und Sven Grabenhorst, zuständiger Mitarbeiter für die Video- und Filmbearbeitung, skizzieren für uns die Arbeit an der Videosammlung. Unterstützt von ihrem Kollegen Joachim Schulz (Systembibliothekar) arbeiten sie kontinuierlich daran, die Digitalisierung des VHS‑ und DVD-Bestands umzusetzen und die Inhalte ins LZA-System der TIB zu überführen, um sie dauerhaft für Forschung und Lehre zu sichern.

Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

Als Hochschulbibliothek besteht unser vordingliches Interesse in der Versorgung von Lehre und Forschung, der an der Hochschule gelehrten Fächer. Ein besonderer Schwerpunkt aber liegt in der Sammlung von Kunst der Gegenwart und der klassischen Moderne. In Bereichen also, in denen Performances, künstlerische Interventionen, künstlerische Arbeitsprozesse und das Reflektieren über Formen künstlerischen Arbeitens im Gespräch am besten auf zeitbasierten Medien wie Video abgebildet werden und glücklicherweise worden sind. Genau diese Videos können ein interessanter Forschungsgegenstand werden und ein Schatz sein.

Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

In der Sammlung der Videos befinden sich viele Arbeitsergebnisse des künstlerischen Arbeitens an der HBK selbst. So zum Beispiel eine Kassette mit Ergebnissen des Kurses Videopraxis vom Anfang der 80-er Jahre. Diese Arbeiten heute vor ihrem historischen Hintergrund zu sehen, ist spannend. 

Filmbild, Videopraxis 1983-1986, VC 165/83. © HBK Bibliothek

Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

Die Pläne einer Digitalisierung eines Teils unserer VHS-Bestände besteht schon länger. Um sie aber wieder allen berechtigten Nutzenden zugänglich zu machen, bedarf es eines Medienträgerwechsels. Die Anfrage aus der TIB zur Zusammenarbeit im Rahmen einer Langzeitarchivierung gab dann den Anstoß, das Projekt endlich anzugehen und um einen Teil des DVD-Bestandes zu erweitern. Die besondere Motivation liegt auch darin, die Werke unserer hauseigenen Künstler*Innen langfristig zu erhalten, um folgenden Generationen Inspirationsquelle und Forschungsobjekt zu sein.

Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

Die Beratung durch das LiLA-Team, gerade in Bezug auf die vielen Kleinigkeiten und Probleme, die bei einem solchen Projekt auftreten, sind uns eine willkommene Unterstützung. Dies beinhaltet praktische Tipps bei der Erstellung von Workflows und Entscheidungen zu den Metadaten, genauso wie Hinweise zur rechtlichen Klärung. Wir freuen uns aber insbesondere auch über die ganz praktische und handfeste Unterstützung der Digitalisierung der DVDs selbst, wo die TIB mit ihrer Technik eine große Zeitersparnis für uns bedeutet. Dafür bedanken wir uns hier gern nochmal.

Tierärztliche Hochschule Hannover

Die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) verfügt über umfangreiche und teils seltene Bestände der Veterinärmedizin und betreibt zentrale Informationsdienste. Prof. Dr. Sabine Leonhard-Marek, die Leiterin der Hochschulbibliothek, spricht mit uns über die vielfältigen Bestände der TiHo – von den Digitalisaten historischer Monographien über Hochschulschriften bis hin zu seltenen Spezialbeständen sowie Kongressberichten – und die Motivation, diese langfristig zu bewahren. Unterstützt wird sie von ihrem Team Christina Gückel (stellvertretende Bibliotheksleiterin), Ngoc Anh Tran (Repositorium) und Sonja Hartinger (Hochschulschriften). Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Forschung und der einhergehenden Verantwortung, digitale wissenschaftliche Publikationen dauerhaft verfügbar zu halten, bietet das Projekt die Möglichkeit verschiedene Herausforderungen zu adressieren.

Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

Als zentrale Einrichtung der Universität versorgt die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) Forschende und Studierende mit Fachinformationen aus der Veterinärmedizin und angrenzenden Fächern. Sie stellt die für Forschung, Studium und Lehre essenziellen Informationsinfrastrukturen für Recherche und Publikation bereit und sorgt durch die Beratung zum Thema Open Access und die Unterstützung bei Publikationsvorhaben für eine erhöhte Sichtbarkeit des Forschungsoutputs.

Die Hochschulschriften (Dissertationen, PhD-Thesen und Habilitationen) werden an der TiHo seit Ende 2000 parallel zur Druckausgabe auch elektronisch veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen wurden zunächst auf von der TiHo intern betriebenen Plattform bereitgestellt und sind 2019 in das auf MyCoRe basierende Repositorium „TiHo eLib“ umgezogen. Außer diesen Primärveröffentlichungen werden auch die von TiHo-Forschenden im Open Access publizierten Fachartikel in der „TiHo eLib“ als Zweitveröffentlichung aufgenommen. Das Repositorium fungiert darüber hinaus als Hochschulbibliographie und hat damit die vorher gedruckt oder als PDF bereitgestellte Bibliographie abgelöst.

Perspektivisch sollen darüber hinaus die Digitalisate der „Digitalen Bibliothek Veterinärmedizin“ in das Repositorium umziehen. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Digitalisierungsprojekts wurden bis 2014 aus den Beständen der Bibliothek insgesamt 1.436 zwischen 1599 und 1890 erschienene Monographien digitalisiert, nachbearbeitet, katalogisiert, archiviert und als „Digitale Bibliothek“ frei suchbar und nutzbar gemacht.

Landwirthschaftliches Tierracen-Album © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Als ehemalige Sondersammelgebietsbibliothek für die Veterinärmedizin und die allgemeine Parasitologie verfügt die TiHo über fachlich seltene und einmalige Bestände, die langfristig erhalten werden sollen. Hierzu gehören nicht nur die oben beschriebenen Monographien, die über Digitalisate überregional nutzbar gemacht wurden, sondern auch Kongressberichte und andere graue Literatur, die nur in digitaler Form vorliegt und dies zum Teil auf elektronischen Trägermedien, deren Funktionalität endlich ist.

Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen? Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ludwig Daum: Ueber das Koppen der Pferde. © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Der Forschungsoutput der Hochschule umfasst zunehmend genuin digitale Publikationen, so dass wir es im Rahmen der Bestandserhaltung als unsere Aufgabe ansehen, auch diesen digitalen Output als Bestand zu erhalten und ihn langfristig zu sichern. Zum Teil ist diese digitale Kopie eine zweite Kopie, da im Fall der Hochschulschriften über die Abgabe an die Deutsche Nationalbibliothek und im Fall der Artikel in Fachzeitschriften weitgehend über die jeweiligen Verlage die Archivierung einer weiteren Kopie zugesagt ist. Studien haben aber in der Vergangenheit gezeigt, dass nicht alle Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durchgehend abrufbar sind (zum Beispiel Laakso et al. 2021). Da es sich um Forschungsleistungen der eigenen Hochschule handelt, liegt uns die dauerhafte Sicherung dieses Bestandes besonders am Herzen.

Das Repositorium der TiHo wird vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) gehostet, so dass die Metadaten der Hochschulbibliographie über Backup und Bitstream-Preservation gesichert sind. Die zukünftige Lesbarkeit der hochgeladenen Volltexte ist damit jedoch nicht abgedeckt und muss separat geplant werden.

Der aktuell für die Digitalisate genutzte Viewer ist in die Jahre gekommen und muss aktualisiert werden, so dass auch hier Handlungsbedarf bestand.

Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

Insgesamt sind die engmaschige Betreuung und die gemeinsame Arbeit an optimalen Workflows in diesem Projekt besonders hervorzuheben. Dabei birgt jeder Projektteil besondere Herausforderungen. So haben wir zu Beginn die Fragen diskutiert, welche Publikationen bereits wie langzeitarchiviert werden und wann eine Doppelarchivierung empfehlenswert wäre. Die Digitalisate liegen in verschiedenen Formaten vor (TIFF, PDF, xml, txt, und sind zum Teil mit OCR erfasst). Hier wird im Rahmen des Projektes erarbeitet, welche Formate wie gespeichert und wie abrufbar sein sollen. Bei der grauen Literatur muss für die Langzeitarchivierung das Problem ungeklärter Rechtslagen berücksichtigt werden. Eine nachträgliche Rechteklärung ist oft nicht mehr möglich, weil die Rechteinhaber nicht ermittelbar oder erreichbar sind. Hier war die Expertise der TIB für die Entwicklung eines geeigneten Vorgehens ebenfalls sehr hilfreich.

Ausblick

Die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung bleibt eine spannende, wenn auch herausfordernde Aufgabe für alle beteiligten Einrichtungen. Die Bearbeitung der ersten Projektkohorte wird auch in den nächsten Monaten intensiv fortgeführt, während die zweite Kohorte bereits in den Startlöchern steht.

Blogreihe „LiLA.NDS“
Im Rahmen einer begleitenden Blogreihe werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.
[1] Laakso, M., Matthias, L., & Jahn, N. (2021). Open is not forever: A study of vanished open access journals. Journal of the Association for Information Science and Technology, 72(9), 1099–1112. https://doi.org/10.1002/asi.24460

#Services #LiLANDS #LizenzCCBY40INT #DigitaleLangzeitarchivierung #Bestandserhaltung #Digialisierung

Students @ TIB: Theorie trifft Praxis – neue spannende Themen für Qualifizierungsarbeiten an der TIB

Die TIB ist nicht nur Universitätsbibliothek, sondern auch Forschungseinrichtung mit fachlichen Schwerpunkten wie Data Science & Digital Libraries, Scientific Data Management, Visual Analytics, nicht-textuellen Materialien und Open Science. Studierende einschlägiger Fachbereiche haben die Möglichkeit, ihre Qualifikationsarbeiten oder Praktika mit direktem Bezug zu aktuellen Forschungsprojekten der TIB zu absolvieren. Die aktualisierte Seite Students @ TIB gibt einen strukturierten Überblick möglicher Themen, die TIB-Mitarbeiter:innen für Studierende dort eingestellt haben.

Bei der Überarbeitung der Seite wurde sichergestellt, dass sie klar verständlich und gegliedert, auf mobilen Endgeräten nutzbar ist sowie aktuelle Themenvorschläge der TIB-Mitarbeiter:innen enthält. Außerdem wird die Seite fortan zweisprachig geführt: auf Deutsch und Englisch.

Anlass der Überarbeitung war, dass das Joint Lab Future Libraries & Research Data, die Einrichtung an der Schnittstelle zwischen der TIB und der Hochschule Hannover (HsH) die Pflege der Seite übernommen hat. Auch wenn das Joint Lab primär die Schnittstelle zur HsH betreut, sind ausdrücklich auch Studierende der Leibniz Universität Hannover (LUH) und anderer Hochschulen und Universitäten eingeladen, das Angebot zu nutzen.

Haus-, Bachelor-, Masterarbeit, Promotion oder ein Praktikum an der TIB

Studierende, die eine Haus-, Bachelor-, Masterarbeit, Promotion oder ein Praktikum planen, können sich eines der beschriebenen Angebote aussuchen und die angegebenen Kontaktpersonen anschreiben. Neben den auf der Seite skizzierten Ideen sind auch eigene Themen willkommen. Ein Blick auf die Webseiten der Forschungsgruppen und Labs kann helfen, relevante Ansprechpersonen zu finden.

Der Neustart der Seite fördert die bessere Vernetzung zwischen Hochschulen sowie zwischen Studierenden, Lehrenden und Forschenden. Die Mitarbeiterinnen des Joint Labs und die gesamte TIB freuen sich, wenn das Angebot (weiterhin) rege genutzt wird und auf diesem Wege interessante studentische Arbeiten entstehen. In der Vergangenheit haben sich so auch schon längerfristige Zusammenarbeiten ergeben.

Ein Aufruf an TIB-Mitarbeiter:innen

Mitarbeiter:innen der TIB, die eine Idee für eine Qualifikationsarbeit oder ein Praktikumsangebot haben, können diese jederzeit eigenständig auf der Students-@-TIB-Wiki-Seite eintragen. Das Template für Angebote ist am Seitenende zu finden. Bei Fragen können die Mitarbeiterinnen des Joint Labs kontaktiert werden.

Kontakt

Joint Lab Future Libraries & Research Data

Dr. Nina Düvel, Hochschule Hannover: [email protected]

Franziska Altemeier, TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek: [email protected]

Joint Lab Future Libraries & Research Data

#ForschungUndEntwicklung #Ausbildung #Themensammlung #Studium #studentsTib #Abschlussarbeit #LizenzCCBY40INT

Upgrade abgeschlossen: Semantic Wikibase kompatibel mit MediaWiki 1.43

Wir freuen uns, bekanntzugeben, dass Semantic Wikibase erfolgreich auf Kompatibilität mit MediaWiki 1.43 aktualisiert wurde. Mit diesem Schritt stellen wir sicher, dass Semantic Wikibase weiterhin mit der aktuellen Longterm-Support-Version von MediaWiki kompatibel bleibt und als stabile Grundlage für semantisch angereicherte Wissensinfrastrukturen dient.

Über Semantic Wikibase

Viele Forschungsprojekte setzen das Mediawiki-Framework als Werkzeug für Forschungsdatenmanagement ein. Mit über 1.500 Erweiterungen lässt sich dieses an die individuellen Anforderungen anpassen:

  • als reines Wiki mit Text und Medien, organisiert in Artikelseiten nach dem Vorbild von Wikipedia,
  • als strukturierte Wissens-Datenbank zur Linked-Open-Data Implementierung von Wissensgraphen und Terminologien mittels Wikibase,
  • als semantischer Wissensspeicher zur Datenvisualisierung mittels Semantic Mediawiki.

Semantic Mediawiki vs. Wikibase

Insbesondere Wikibase und Semantic Mediawiki werden häufig im Forschungsumfeld verwendet. Beide Erweiterungen haben unterschiedliche Stärken und Schwächen:

Vergleich von Wikibase and SMW (Grafik by Bernhard Krabina)

Semantic Mediawiki und Wikibase

Die Entwicklung von Semantic Wikibase (SWB) ermöglichte es erstmals, beide Erweiterungen gemeinsam auf einem System zu verbinden und so die Vorteile beider Systeme gemeinsam zu nutzen. Während strukturelle Wissensdaten in Wikibase gespeichert und verwaltet werden, sorgt die SWB-Erweiterung dafür, dass diese auch in Semantic Mediawiki für die Visualisierung in Wiki-Artikeln verfügbar sind. SWB dient also quasi als Brücke zwischen den beiden Erweiterungen, wobei der Datenfluss nur von Wikibase nach Semantic Mediawiki (nicht umgekehrt) erfolgt. Dies dient dazu, Datenkonflikte zu vermeiden.

Semantic Wikibase wurde im September 2020 in einer ersten Version vom Unternehmen ProfessionalWiki veröffentlicht. Dieser erste Prototyp war nur mit der älteren Mediawiki Version 1.35 kompatibel, aber unterstützte bereits grundlegende Datentypen. Im Open Science Lab sahen wir in der Entwicklung einen Baustein, der das Potenzial hat, im Mediawiki-Umfeld eine bedeutende Lücke zu schließen: Die Kombination aus strukturierter, föderierbarer Datenverwaltung und Datenpräsentation. Unser Ziel war es, die Erweiterung zu testen, bei Bedarf weiterzuentwickeln und künftig als unser Content-Management-System zur Unterstützung von Forschungsprojekten zu verwenden.

Case Studies

Mitte 2024 wurde mit dem Projekt PhiWiki ein erster Prototyp für Mediawiki 1.39 in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz sowie der AG Digitale Philosophie erfolgreich getestet. Es folgte mit Semantic Glossar ein weiteres Projekt zur kollaborativen Entwicklung von Terminologien mittels Semantic Wikibase.

Ende 2024 konnten wir im Rahmen des Projekts Herrenhäuser des Ostseeraums Semantic Wikibase dann in einem umfangreichen Projekt einem herausfordernden Lasttest unterziehen. Mit über 14.000 Wikibase-Objekten, die auf mehr als 300 Artikelseiten dynamisch eingebettet als Karten, Zeitstrahlen, Tabellen und Suchformulare verwendet werden, konnten wir die bestehenden Schwächen von Semantic Wikibase identifizieren und beheben. Dazu gehörte unter anderem die Unterstützung des vollen Wikibase-Datenmodells mittels Qualifiers, eine erste grundlegende Unterstützung des Extended Datetime Formats (EDTF) sowie die Einbettung von 3D-Visualisierungen aus Semantic Kompakkt. Entscheidend war hierfür die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem Enwicklerteam und den LOD- und Wikibase-Datenmodell-Expertinnen Lozana Rossenova und Lucia Sohmen.

Die im Projekt entwickelten Best-Practices umfassten unter anderem:

Warum MediaWiki 1.43 wichtig ist

Mit der Version 1.39 war Semantic Wikibase kompatibel mit der damaligen Longtime Support Version(LTS) von Mediawiki. Diese Unterstützung war aber gemäß des Mediawiki Lifecycle nur bis Ende 2025 gegeben.

MediaWiki 1.43 bringt als aktuelle LTS-Version (Support bis 2028) zahlreiche technische Verbesserungen, Performance-Optimierungen sowie langfristige Wartungsvorteile mit sich. Für viele Wikibase-Installationen ist die Orientierung an den aktuellen MediaWiki-Versionen essenziell, um Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten. Durch Versionskonflikte zwischen verwendeten Bibliotheken in Wikibase und Semantic Mediawiki, konnte SemanticWikibase aber nicht ohne Anpassung in dieser neuen Version eingesetzt werden.

Unsere größte Befürchtung war, dass die aktuellen Versionen grundlegende Änderung vorgenommen hatten, die einen Weiterbetrieb von Semantic Wikibase technisch unsauber bzw. unwirtschaftlich machen würden. Ende 2025 schaffte Open-Science-Lab-Entwickler Lukas Günther die entscheidende Grundlage für das Upgrade, indem er unser Installationstool Wikibase4Research aktualisierte und so mit der Mediawiki Version 1.44 kompatibel machte. Da Semantic Wikibase sich mittels Wikibase4Research automatisiert installieren lässt, war so ein geeignetes Test-Setup geschaffen, um die Entwicklung in Angriff zu nehmen. Letzendlich war es uns so möglich, Semantic Wikibase mit der aktuellen LTS-Version von Mediawiki zu betreiben und das sogar ohne Änderungen am Wikibase- oder SemanticMediawiki-Code vorzunehmen. Sämtliche bisher unterstützten Datentypen sind auch weiterhin funktional, was auch ein Update bestehender Installationen auf die neue Version ermöglicht.

Unterstützte Datentypen in Semantic Wikibase, visualisiert im Semantic Browser von SMW

Ausblick

Die kontinuierliche Synchronisierung von Semantic Wikibase mit dem MediaWiki-Releasezyklus ist ein zentraler Baustein für nachhaltige, semantische Wissensinfrastrukturen. Mit diesem Update schaffen wir die Grundlage für kommende Weiterentwicklungen und eine langfristig stabile Integration in das Wikibase-Ökosystem. Der Einsatz von Semantic Wikibase bedeutet für unsere Forschungsdaten- und Terminologie-Projekte im Open Science Lab:

  • Fokussierung auf eine gemeinsame technologische Basis für alle Projekte
  • Bündelung von Wissen und Ressourcen
  • Zeitersparnis bei der Projektumsetzung durch Best Practices und Synergieeffekten zwischen Projekten
  • Koordinierter Aufbau von Services innerhalb eines bestehenden Software Ökosystems
  • Support der Open-Source und Linked-Open-Data Community durch unsere Entwicklungen

Wir freuen uns auf die weitere Entwicklung und die vielfältigen kommenden Projekte mit Semantic Wikibase.

Relevante Links

#SemanticKompakkt #SemanticMediawiki #LizenzCCBY40INT #Wikibase4Research #OpenScienceLab #SemanticWikibase #Wikibase #WeLoveFreeSoftware #NFDI4Culture #SemanticWeb #linkedOpenData #semanticPublishing

Women in Science: Dr Esther Tobschall

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The blog series “Women in Science” introduces women from the TIB who give insights into their careers and personal experiences in science. Dr Esther Tobschall studied chemistry at the University of Hannover and conducted research for her PhD thesis on NMR, impedance and infrared spectroscopy of nanocrystalline and glassy lithium metaborate (LiBO₂) as part of a solid-state physics project. Today, she is the subject specialist for physics at the TIB, where she is primarily responsible for providing information to physicists. In this interview, she talks about the encouragement to ask questions, her own self-image and the joy of research.

Dr Esther Tobschall // Photo: TIB/C. Bierwagen

What fascinates you about working in science?

What particularly appealed to me about academic work was that I was able to immerse myself in a subject in all its aspects and explore it in depth. When I was working on my PhD thesis on nanocrystalline substances, research on nanocrystals was a relatively new field, and we were able to experiment with which measurement methods were best suited for understanding and characterising the nature and properties of these substances.

I especially enjoyed evaluating and comparing the results from different measurement methods, which is why my colleagues then built me a universal spectrometer as a graduation gift (today, astronomers would call it multi-messenger approach.)

It was also during this time that I discovered my interest in profound literature reviews, researching and evaluating relevant papers, and synthesising the findings. That is why, quite early on during my PhD, I envisaged a career path as subject librarian.

As a woman in science, what would you have liked to have known earlier?

I would have needed more encouragement: the encouragement to realise that I am allowed to ask questions not only regarding the material or literature I am studying, but also to experienced researchers. At the time, I saw my reticence more as a personality trait and did not attribute it to role models. Today, however, I would say that the greater self-confidence of my predominantly male colleagues came from the fact that men have, for generations, naturally had a place in the academic world and communication generally took place amongst men, whilst we few young women in physical chemistry were, in a way, still seen as somewhat exotic. I must emphasise that there was no obvious or covert discrimination; the factor was simply that it was a given.

This assumption is still enshrined today in the German rules for subject heading cataloguing (RSWK): I get frustrated every time I have to assign the subject heading “Physiker” (meaning the masculine form of physicist) to works about male and female physicists. The subject heading “Physikerin” (standing for “female physicist”), on the other hand, is reserved for works that deal explicitly with women in physics, according to the rules. By the way: What about works that deal exclusively with men in physics? Whenever it is reasonably justifiable, I naturally assign both terms!

What advice would you give to girls and young women who are considering a career in science?

It is your inherent right to be part of the scientific community. Never question that, even in difficult circumstances. I am delighted that there are now infinitely more female professors in physics than there were during my active research career, and that they are setting an example through their work and as a role model. You are only truly good at what brings you joy, and if scientific work inspires you, you will – despite any potential adversity – excel and succeed in it. Follow your passion!

A wish for the future of women and girls in science …

I was the first pregnant researcher at our institute; I submitted my doctoral thesis shortly before the birth of our daughter and defended it a few months later. So, I hope that, in future, for female researchers, motherhood will not be associated with so much extra effort and the need for such strong assertiveness as is apparently still the case in academia today, and which can thus become a career killer. It is interesting to note that male researchers in senior positions are often fathers too, whereas, according to my observations, motherhood is still less common among female researchers. The fact that balancing work and family life is still far too often seen as a women’s issue rather than a parents’ issue is certainly a general societal problem, but our publicly funded academic structure in particular has the potential to shift the focus here from an “either-or” to a “both-and”. As I stated when I was asked about my daughter and my responsibilities as a mother in the course of a job interview: “The child has a father too!”

Women in science – a blog series

The blog series “Women in Science” introduces women at TIB who provide insights into their scientific careers, role models and experiences from their everyday working lives. They all share their perspectives and wishes for the future of science and encourage other women to take their place with confidence.

#LizenzCCBY40INT #Physics #subjectSpecialist #WomenAtTIB #WomenInScience

Frauen in der Wissenschaft: Dr. Esther Tobschall

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Die Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ stellt Frauen aus der TIB vor, die Einblicke in ihre Wege und ihre persönlichen Erfahrungen in der Wissenschaft geben. Dr. Esther Tobschall studierte Chemie an der Universität Hannover und forschte für ihre Dissertation zur NMR-, Impedanz- und Infrarot-Spektroskopie an nanokristallinem und glasigem Lithiummetaborat LiBO2 an einem festkörperphysikalischen Thema. Heute ist sie Fachreferentin für Physik an der TIB und ist dort vor allem für die Informationsversorgung von Physiker:innen verantwortlich. Im Interview spricht sie über die Ermutigung, Fragen zu stellen, das eigene Selbstverständnis und die Freude an der Forschung.

Dr. Esther Tobschall // Foto: TIB/C. Bierwagen

Was fasziniert dich an der Arbeit in der Wissenschaft?

Besonders gereizt hat mich an der wissenschaftlichen Arbeit, dass ich mich in ein Thema mit all seinen Aspekten einarbeiten und dabei in die Tiefe gehen durfte. Als ich mich für meine Dissertation mit nanokristallinen Substanzen beschäftigt habe, war die Forschung an Nanokristallen ein relativ neues Gebiet und wir konnten ausprobieren, mit welchen Messmethoden sich Wesen und Eigenschaften dieser Substanzen am besten erfassen und charakterisieren lassen.

Das Auswerten und Vergleichen der Messergebnisse unterschiedlicher Verfahren hat mir besonders viel Freude gemacht, weshalb mir meine Kolleg:innen dann auch ein Universalspektrometer für meinem Doktorhut gebastelt haben (in der Astronomie nennt man das heute Multi-Messenger-Beobachtung).

Auch mein Interesse an umfassender Literaturarbeit, den Recherchen und der Auswertung relevanter Paper sowie das Zusammenführen der Erkenntnisse, habe ich dabei entdeckt. Deshalb habe ich mir schon früh während meiner Promotionszeit den Weg ins Fachreferat an einer wissenschaftlichen Bibliothek als berufliche Perspektive vorgestellt.

Was hättest du als Frau in der Wissenschaft gerne früher gewusst?

Ich hätte mehr Ermutigung gebraucht: Die Ermutigung, dass ich Fragen nicht nur an mein zu untersuchendes Material oder Literatur stellen darf, sondern auch an erfahrene Forschende. Damals habe ich meine Zurückhaltung eher als Persönlichkeitsmerkmal gesehen und sie nicht auf Rollenmodelle zurückgeführt. Heute würde ich doch sagen, dass sich das größere Selbstbewusstsein meiner überwiegend männlichen Kollegen daraus gespeist hat, dass Männer seit Generationen selbstverständlich einen Platz im Wissenschaftsbetrieb hatten und Kommunikation in der Regel unter Männern stattfand, während wir wenigen jungen Frauen in der Physikalischen Chemie doch irgendwie noch Exotinnen waren. Ich muss betonen, dass es keine offene oder verdeckte Diskriminierung gab, der Faktor war schlichtweg die Selbstverständlichkeit.

Dieses Selbstverständnis ist auch heute noch in den Regeln für die Schlagwortkatalogisierung (RSWK) verankert: Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich regelkonform das Schlagwort „Physiker“ für Werke über Physiker und Physikerinnen vergeben muss. Das Schlagwort „Physikerin“ dagegen ist den Werken vorbehalten, die sich explizit mit Frauen in der Physik beschäftigen – was ist eigentlich mit Werken, die sich ausschließlich mit Männern in der Physik befassen? Immer dann, wenn es sich halbwegs vertreten lässt, vergebe ich natürlich beide Begriffe!

Welchen Rat würdest du Mädchen und jungen Frauen geben, die eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben?

Es ist euer selbstverständliches Recht, Teil des Wissenschaftsbetriebes zu sein. Stellt das auch bei widrigen Bedingungen nie in Frage. Ich freue mich, dass es inzwischen in der Physik (auch mathematisch gesehen) unendlich mehr Professorinnen gibt, als zu meiner aktiven Zeit in der Forschung und diese mit ihrer Arbeit und ihrem Auftreten zum Vorbild werden. Ihr seid nur wirklich gut in dem, was euch Freude macht und wenn euch wissenschaftliches Arbeiten begeistert, werdet ihr – allen eventuellen Widrigkeiten zum Trotz – darin gut und erfolgreich sein. Folgt eurer Freude!

Ein Wunsch für die Zukunft von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft …

Ich war die erste schwangere Forscherin an unserem Institut, habe meine Dissertation kurz vor der Geburt unserer Tochter eingereicht und die Prüfung wenige Monate danach absolviert. Ich wünsche mir also, dass für Wissenschaftlerinnen das Muttersein in Zukunft nicht mit so viel zusätzlichen Anstrengungen und starkem Durchsetzungsvermögen verbunden ist, wie es heute offenbar im Wissenschaftsbetrieb immer noch der Fall ist und damit zum Karrierekiller werden kann.

Interessant ist ja, dass forschende Männer in höheren Positionen häufig auch Väter sind, während bei forschenden Frauen Mutterschaft meinen Beobachtungen nach doch noch seltener ist. Dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch viel zu häufig als Thema von Frauen gesehen wird und nicht als Thema von Eltern, ist zwar ein allgemeines gesellschaftliches Problem, aber gerade unsere öffentlich geförderte Wissenschaftsstruktur hat das Potential, hier etwas vom Entweder-oder hin zum Sowohl-als-auch zu ändern. Wie stellte ich in einem Bewerbungsgespräch fest, als ich nach meiner Tochter und meinen Verpflichtungen als Mutter gefragt wurde: „Das Kind hat auch einen Vater!“

Frauen in der Wissenschaft – eine Blogreihe

In der Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ werden Frauen an der TIB vorgestellt, die Einblicke in ihre wissenschaftlichen Wege, Rollenbilder und ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag geben. Sie alle teilen ihre Perspektive und ihre Wünsche für die Zukunft der Wissenschaft und ermutigen andere Frauen, ihren Platz selbstbewusst einzunehmen.

#Fachreferat #FrauenAnDerTIB #FrauenInDerWissenschaft #LizenzCCBY40INT #Physik