Demokratisierung der Wissenschaft – Citizen Science und Meinungsfreiheit
Woche der Meinungsfreiheit 2026: Was ist wahr?
Vom 3. bis 10. Mai 2026 findet zum sechsten Mal die Woche der Meinungsfreiheit statt. Unter dem Motto „Was ist wahr?“ geht es in der bundesweiten Aktionswoche um Fakten, Meinungen und Wahrhaftigkeit. In Demokratien ist Meinungsfreiheit ein hohes Gut. Doch was passiert, wenn Menschen nachweislich falsche Informationen verbreiten?
Als Bibliothek und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtung steht die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek für freien Zugang zu Wissen, digitale Souveränität und faktenbasierte Informationen – grundlegende Pfeiler einer demokratischen Gesellschaft. Denn nur wer Zugang zu verlässlichen Informationen hat, kann sich eine freie Meinung bilden. In den kommenden Tagen zeigen wir in Beiträgen im TIB-Blog, wie wir als TIB, die Meinungsfreiheit stärken: mit Citizen-Science-Projekten, mit dem freien Zugang zu Informationen, die eine objektive Meinungsbildung ermöglichen, und mit Forschungsansätzen im Bereich der Erkennung von Desinformation.
Citizen Science, auch Bürgerwissenschaft genannt, ermöglicht es Forscher:innen, über ihre Expertise Bürger:innen einen Einblick in wissenschaftliche Arbeitsweisen zu geben. Es ist ein inklusiver Ansatz, bei dem wissenschaftliche Erkenntnisse von Personen gewonnen werden, die nicht hauptberuflich in der Wissenschaft tätig sind. Sie steht in einem spannenden Verhältnis zur Meinungsfreiheit, da sie einerseits den Zugang zu Forschung demokratisiert, andererseits aber auch die Deutungshoheit der Wissenschaft herausfordert.
Bürger:innen arbeiten zusammen an Projekten. Foto: thumprchgo über PixabayVerbindung von Citizen Science und Meinungsfreiheit
Citizen Science wird oft als Teil von Open Science verstanden und zielt darauf ab, die Wissensproduktion zu demokratisieren. Sie ermöglicht Bürger:innen, aktiv an der Forschung teilzunehmen, sei es durch Datenerhebung oder Mitgestaltung. Citizen Science fördert den Kulturwandel in der Wissenschaft hin zu mehr Transparenz und Inklusivität. Indem Bürger:innen zum Beispiel Daten sammeln und auswerten, können sie eigene Perspektiven in den wissenschaftlichen Diskurs einbringen und somit an der öffentlichen Meinungsbildung teilnehmen.
Citizen Science ist somit eine Möglichkeit, die freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu stärken, indem sie Bürger:innen direkt in die Produktion von Wissen einbindet und so die Kluft zwischen Wissenschaft und Gesellschaft überbrückt.
Grafik: https://zenodo.org/record/1285575#.W09yZH59jOR von Melanie Imming, John Tennant, CC0)Wie Citizen Science die Meinungsfreiheit stärkt
Traditionell kontrollieren Universitäten, Unternehmen oder Staaten, welche Daten gesammelt und wie sie interpretiert werden. Citizen Science bricht dieses Monopol auf – und zwar über:
- Transparenz: Bürger:innen können selbst Daten erheben und auswerten.
- Kritische Perspektiven: Bürgerinitiativen können eigene Untersuchungen durchführen und Ergebnisse öffentlich machen.
- Bildung für alle: Durch die Teilnahme an Forschungsprojekten lernen Menschen, wie Wissenschaft funktioniert.
Stärkung der Zivilgesellschaft
Meinungsfreiheit lebt davon, dass Menschen informiert, kritisch und handlungsfähig sind. Citizen Science fördert genau das:
- Empowerment: Wer selbst forscht, traut sich auch zu, eigene Positionen zu vertreten.
- Lokale Lösungen: Bürger:innen kennen die Probleme ihrer Community am besten.
- Politik und Wirtschaft: Wenn Bürger:innen belegbare Daten vorlegen, müssen Verantwortliche reagieren. Das stärkt die Verhandlungsmacht der Zivilgesellschaft.
Beispiele: Citizen-Science-Projekte an der TIB
„Gestapo.Terror.Orte“: gemeinsam Orte des Gestapoterrors dokumentieren
Projekt: „Gestapo.Terror.Orte“
Ziel: Bürger:innen recherchieren und dokumentieren Orte des Gestapoterrors (zum Beispiel Gestapo-Gefängnisse).
Beitrag zur Meinungsfreiheit:
Mechanismuskonkrete Wirkungmögliches BeispielGegen GeschichtsverdrängungSichtbarmachung von Verbrechen: Viele Orte des Gestapoterrors sind heute unbekannt oder vergessen. Das Projekt regt die Öffentlichkeit an, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.Dokumentation des Arbeitserziehungslager Pelikanwerke Hannover.Empowerment von NachkommenAngehörige von Opfern können ihre Familiengeschichten einbringen – und so offizielle Schweige-Kultur durchbrechen.Interviews mit Nachkommen von Opfern des Nationalsozialismus.Aktivismus durch DatenDie gesammelten Daten können für Gedenkinitiativen, Ausstellungen oder politische Forderungen genutzt werden.Nutzung der Daten für Stolperstein-Verlegungen oder Mahnwachen.Kritische Auseinandersetzung mit AutoritätDas Projekt zeigt, wie Staatsterror funktioniert – und regt zur Reflexion über heutige Überwachungsstrukturen an.Parallelen zu heutiger Praxis werden in Begleitveranstaltungen diskutiert.„Orte erzählen Demokratie“: gemeinsam Orte der Demokratiegeschichte dokumentieren
Projekt: „Orte erzählen Demokratie“
Ziel: Bürger:innen dokumentieren Orte der Demokratiegeschichte in ihrem Umfeld (zum Beispiel Versammlungsorte, Widerstandsorte, Orte der Friedlichen Revolution 1989).
Beitrag zur Meinungsfreiheit:
Mechanismuskonkrete Wirkungmögliches BeispielStärkung demokratischer KulturDas Projekt zeigt, dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern erkämpft werden musste.Dokumentation der Proteste gegen die Notstandsgesetze 1968 in Hannover.Lokale Identifikation mit WertenBürger:innen lernen, dass Demokratie und Meinungsfreiheit auch in ihrer Stadt eine Rolle spielen.Recherche und Dokumentation zu Demokartieorten im eigenen Umfeld.Aktuelle politische BezügeDie Projekte regen zur Reflexion über heutige Bedrohungen der Demokratie an.Diskussionen über heutige Einschränkungen von Demokratie und Meinungsfreiheit.Partizipative StadtentwicklungDie Ergebnisse fließen in offizielle Gedenkkonzepte ein – und geben Bürger:innen Mitgestaltungsmacht.Integration der Ergebnisse von Recherchen in Museen.#LizenzCCBY40INT #OpenScienceLab #CitizenScience #OpenScience #wochedermeinungsfreiheit2026

















