Demokratisierung der Wissenschaft – Citizen Science und Meinungsfreiheit

Woche der Meinungsfreiheit 2026: Was ist wahr?

Vom 3. bis 10. Mai 2026 findet zum sechsten Mal die Woche der Meinungsfreiheit statt. Unter dem Motto „Was ist wahr?“ geht es in der bundesweiten Aktionswoche um Fakten, Meinungen und Wahrhaftigkeit. In Demokratien ist Meinungsfreiheit ein hohes Gut. Doch was passiert, wenn Menschen nachweislich falsche Informationen verbreiten?

Als Bibliothek und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtung steht die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek für freien Zugang zu Wissen, digitale Souveränität und faktenbasierte Informationen – grundlegende Pfeiler einer demokratischen Gesellschaft. Denn nur wer Zugang zu verlässlichen Informationen hat, kann sich eine freie Meinung bilden. In den kommenden Tagen zeigen wir in Beiträgen im TIB-Blog, wie wir als TIB, die Meinungsfreiheit stärken: mit Citizen-Science-Projekten, mit dem freien Zugang zu Informationen, die eine objektive Meinungsbildung ermöglichen, und mit Forschungsansätzen im Bereich der Erkennung von Desinformation.

Citizen Science, auch Bürgerwissenschaft genannt, ermöglicht es Forscher:innen, über ihre Expertise Bürger:innen einen Einblick in wissenschaftliche Arbeitsweisen zu geben. Es ist ein inklusiver Ansatz, bei dem wissenschaftliche Erkenntnisse von Personen gewonnen werden, die nicht hauptberuflich in der Wissenschaft tätig sind. Sie steht in einem spannenden Verhältnis zur Meinungsfreiheit, da sie einerseits den Zugang zu Forschung demokratisiert, andererseits aber auch die Deutungshoheit der Wissenschaft herausfordert.

Bürger:innen arbeiten zusammen an Projekten. Foto: thumprchgo über Pixabay

Verbindung von Citizen Science und Meinungsfreiheit

Citizen Science wird oft als Teil von Open Science verstanden und zielt darauf ab, die Wissensproduktion zu demokratisieren. Sie ermöglicht Bürger:innen, aktiv an der Forschung teilzunehmen, sei es durch Datenerhebung oder Mitgestaltung. Citizen Science fördert den Kulturwandel in der Wissenschaft hin zu mehr Transparenz und Inklusivität. Indem Bürger:innen zum Beispiel Daten sammeln und auswerten, können sie eigene Perspektiven in den wissenschaftlichen Diskurs einbringen und somit an der öffentlichen Meinungsbildung teilnehmen.

Citizen Science ist somit eine Möglichkeit, die freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu stärken, indem sie Bürger:innen direkt in die Produktion von Wissen einbindet und so die Kluft zwischen Wissenschaft und Gesellschaft überbrückt.

Grafik: https://zenodo.org/record/1285575#.W09yZH59jOR von Melanie Imming, John Tennant, CC0)

Wie Citizen Science die Meinungsfreiheit stärkt

Traditionell kontrollieren Universitäten, Unternehmen oder Staaten, welche Daten gesammelt und wie sie interpretiert werden. Citizen Science bricht dieses Monopol auf – und zwar über:

  • Transparenz: Bürger:innen können selbst Daten erheben und auswerten.
  • Kritische Perspektiven: Bürgerinitiativen können eigene Untersuchungen durchführen und Ergebnisse öffentlich machen.
  • Bildung für alle: Durch die Teilnahme an Forschungsprojekten lernen Menschen, wie Wissenschaft funktioniert.

Stärkung der Zivilgesellschaft

Meinungsfreiheit lebt davon, dass Menschen informiert, kritisch und handlungsfähig sind. Citizen Science fördert genau das:

  • Empowerment: Wer selbst forscht, traut sich auch zu, eigene Positionen zu vertreten.
  • Lokale Lösungen: Bürger:innen kennen die Probleme ihrer Community am besten.
  • Politik und Wirtschaft: Wenn Bürger:innen belegbare Daten vorlegen, müssen Verantwortliche reagieren. Das stärkt die Verhandlungsmacht der Zivilgesellschaft.

Beispiele: Citizen-Science-Projekte an der TIB

„Gestapo.Terror.Orte“: gemeinsam Orte des Gestapoterrors dokumentieren

Projekt: „Gestapo.Terror.Orte“

Ziel: Bürger:innen recherchieren und dokumentieren Orte des Gestapoterrors (zum Beispiel Gestapo-Gefängnisse).

Beitrag zur Meinungsfreiheit:

Mechanismuskonkrete Wirkungmögliches BeispielGegen GeschichtsverdrängungSichtbarmachung von Verbrechen: Viele Orte des Gestapoterrors sind heute unbekannt oder vergessen. Das Projekt regt die Öffentlichkeit an, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.Dokumentation des Arbeitserziehungslager Pelikanwerke Hannover.Empowerment von NachkommenAngehörige von Opfern können ihre Familiengeschichten einbringen – und so offizielle Schweige-Kultur durchbrechen.Interviews mit Nachkommen von Opfern des Nationalsozialismus.Aktivismus durch DatenDie gesammelten Daten können für Gedenkinitiativen, Ausstellungen oder politische Forderungen genutzt werden.Nutzung der Daten für Stolperstein-Verlegungen oder Mahnwachen.Kritische Auseinandersetzung mit AutoritätDas Projekt zeigt, wie Staatsterror funktioniert – und regt zur Reflexion über heutige Überwachungsstrukturen an.Parallelen zu heutiger Praxis werden in Begleitveranstaltungen diskutiert.

„Orte erzählen Demokratie“: gemeinsam Orte der Demokratiegeschichte dokumentieren

Projekt: „Orte erzählen Demokratie“

Ziel: Bürger:innen dokumentieren Orte der Demokratiegeschichte in ihrem Umfeld (zum Beispiel Versammlungsorte, Widerstandsorte, Orte der Friedlichen Revolution 1989).

Beitrag zur Meinungsfreiheit:

Mechanismuskonkrete Wirkungmögliches BeispielStärkung demokratischer KulturDas Projekt zeigt, dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern erkämpft werden musste.Dokumentation der Proteste gegen die Notstandsgesetze 1968 in Hannover.Lokale Identifikation mit WertenBürger:innen lernen, dass Demokratie und Meinungsfreiheit auch in ihrer Stadt eine Rolle spielen.Recherche und Dokumentation zu Demokartieorten im eigenen Umfeld.Aktuelle politische BezügeDie Projekte regen zur Reflexion über heutige Bedrohungen der Demokratie an.Diskussionen über heutige Einschränkungen von Demokratie und Meinungsfreiheit.Partizipative StadtentwicklungDie Ergebnisse fließen in offizielle Gedenkkonzepte ein – und geben Bürger:innen Mitgestaltungsmacht.Integration der Ergebnisse von Recherchen in Museen.

 

#LizenzCCBY40INT #OpenScienceLab #CitizenScience #OpenScience #wochedermeinungsfreiheit2026

Upgrade abgeschlossen: Semantic Wikibase kompatibel mit MediaWiki 1.43

Wir freuen uns, bekanntzugeben, dass Semantic Wikibase erfolgreich auf Kompatibilität mit MediaWiki 1.43 aktualisiert wurde. Mit diesem Schritt stellen wir sicher, dass Semantic Wikibase weiterhin mit der aktuellen Longterm-Support-Version von MediaWiki kompatibel bleibt und als stabile Grundlage für semantisch angereicherte Wissensinfrastrukturen dient.

Über Semantic Wikibase

Viele Forschungsprojekte setzen das Mediawiki-Framework als Werkzeug für Forschungsdatenmanagement ein. Mit über 1.500 Erweiterungen lässt sich dieses an die individuellen Anforderungen anpassen:

  • als reines Wiki mit Text und Medien, organisiert in Artikelseiten nach dem Vorbild von Wikipedia,
  • als strukturierte Wissens-Datenbank zur Linked-Open-Data Implementierung von Wissensgraphen und Terminologien mittels Wikibase,
  • als semantischer Wissensspeicher zur Datenvisualisierung mittels Semantic Mediawiki.

Semantic Mediawiki vs. Wikibase

Insbesondere Wikibase und Semantic Mediawiki werden häufig im Forschungsumfeld verwendet. Beide Erweiterungen haben unterschiedliche Stärken und Schwächen:

Vergleich von Wikibase and SMW (Grafik by Bernhard Krabina)

Semantic Mediawiki und Wikibase

Die Entwicklung von Semantic Wikibase (SWB) ermöglichte es erstmals, beide Erweiterungen gemeinsam auf einem System zu verbinden und so die Vorteile beider Systeme gemeinsam zu nutzen. Während strukturelle Wissensdaten in Wikibase gespeichert und verwaltet werden, sorgt die SWB-Erweiterung dafür, dass diese auch in Semantic Mediawiki für die Visualisierung in Wiki-Artikeln verfügbar sind. SWB dient also quasi als Brücke zwischen den beiden Erweiterungen, wobei der Datenfluss nur von Wikibase nach Semantic Mediawiki (nicht umgekehrt) erfolgt. Dies dient dazu, Datenkonflikte zu vermeiden.

Semantic Wikibase wurde im September 2020 in einer ersten Version vom Unternehmen ProfessionalWiki veröffentlicht. Dieser erste Prototyp war nur mit der älteren Mediawiki Version 1.35 kompatibel, aber unterstützte bereits grundlegende Datentypen. Im Open Science Lab sahen wir in der Entwicklung einen Baustein, der das Potenzial hat, im Mediawiki-Umfeld eine bedeutende Lücke zu schließen: Die Kombination aus strukturierter, föderierbarer Datenverwaltung und Datenpräsentation. Unser Ziel war es, die Erweiterung zu testen, bei Bedarf weiterzuentwickeln und künftig als unser Content-Management-System zur Unterstützung von Forschungsprojekten zu verwenden.

Case Studies

Mitte 2024 wurde mit dem Projekt PhiWiki ein erster Prototyp für Mediawiki 1.39 in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz sowie der AG Digitale Philosophie erfolgreich getestet. Es folgte mit Semantic Glossar ein weiteres Projekt zur kollaborativen Entwicklung von Terminologien mittels Semantic Wikibase.

Ende 2024 konnten wir im Rahmen des Projekts Herrenhäuser des Ostseeraums Semantic Wikibase dann in einem umfangreichen Projekt einem herausfordernden Lasttest unterziehen. Mit über 14.000 Wikibase-Objekten, die auf mehr als 300 Artikelseiten dynamisch eingebettet als Karten, Zeitstrahlen, Tabellen und Suchformulare verwendet werden, konnten wir die bestehenden Schwächen von Semantic Wikibase identifizieren und beheben. Dazu gehörte unter anderem die Unterstützung des vollen Wikibase-Datenmodells mittels Qualifiers, eine erste grundlegende Unterstützung des Extended Datetime Formats (EDTF) sowie die Einbettung von 3D-Visualisierungen aus Semantic Kompakkt. Entscheidend war hierfür die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem Enwicklerteam und den LOD- und Wikibase-Datenmodell-Expertinnen Lozana Rossenova und Lucia Sohmen.

Die im Projekt entwickelten Best-Practices umfassten unter anderem:

Warum MediaWiki 1.43 wichtig ist

Mit der Version 1.39 war Semantic Wikibase kompatibel mit der damaligen Longtime Support Version(LTS) von Mediawiki. Diese Unterstützung war aber gemäß des Mediawiki Lifecycle nur bis Ende 2025 gegeben.

MediaWiki 1.43 bringt als aktuelle LTS-Version (Support bis 2028) zahlreiche technische Verbesserungen, Performance-Optimierungen sowie langfristige Wartungsvorteile mit sich. Für viele Wikibase-Installationen ist die Orientierung an den aktuellen MediaWiki-Versionen essenziell, um Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten. Durch Versionskonflikte zwischen verwendeten Bibliotheken in Wikibase und Semantic Mediawiki, konnte SemanticWikibase aber nicht ohne Anpassung in dieser neuen Version eingesetzt werden.

Unsere größte Befürchtung war, dass die aktuellen Versionen grundlegende Änderung vorgenommen hatten, die einen Weiterbetrieb von Semantic Wikibase technisch unsauber bzw. unwirtschaftlich machen würden. Ende 2025 schaffte Open-Science-Lab-Entwickler Lukas Günther die entscheidende Grundlage für das Upgrade, indem er unser Installationstool Wikibase4Research aktualisierte und so mit der Mediawiki Version 1.44 kompatibel machte. Da Semantic Wikibase sich mittels Wikibase4Research automatisiert installieren lässt, war so ein geeignetes Test-Setup geschaffen, um die Entwicklung in Angriff zu nehmen. Letzendlich war es uns so möglich, Semantic Wikibase mit der aktuellen LTS-Version von Mediawiki zu betreiben und das sogar ohne Änderungen am Wikibase- oder SemanticMediawiki-Code vorzunehmen. Sämtliche bisher unterstützten Datentypen sind auch weiterhin funktional, was auch ein Update bestehender Installationen auf die neue Version ermöglicht.

Unterstützte Datentypen in Semantic Wikibase, visualisiert im Semantic Browser von SMW

Ausblick

Die kontinuierliche Synchronisierung von Semantic Wikibase mit dem MediaWiki-Releasezyklus ist ein zentraler Baustein für nachhaltige, semantische Wissensinfrastrukturen. Mit diesem Update schaffen wir die Grundlage für kommende Weiterentwicklungen und eine langfristig stabile Integration in das Wikibase-Ökosystem. Der Einsatz von Semantic Wikibase bedeutet für unsere Forschungsdaten- und Terminologie-Projekte im Open Science Lab:

  • Fokussierung auf eine gemeinsame technologische Basis für alle Projekte
  • Bündelung von Wissen und Ressourcen
  • Zeitersparnis bei der Projektumsetzung durch Best Practices und Synergieeffekten zwischen Projekten
  • Koordinierter Aufbau von Services innerhalb eines bestehenden Software Ökosystems
  • Support der Open-Source und Linked-Open-Data Community durch unsere Entwicklungen

Wir freuen uns auf die weitere Entwicklung und die vielfältigen kommenden Projekte mit Semantic Wikibase.

Relevante Links

#SemanticKompakkt #SemanticMediawiki #LizenzCCBY40INT #Wikibase4Research #OpenScienceLab #SemanticWikibase #Wikibase #WeLoveFreeSoftware #NFDI4Culture #SemanticWeb #linkedOpenData #semanticPublishing

📝 An article we co-authored with @tibosl @tibhannover, colleagues Ina Blümel & Lucia Sohmen is finally out via the Journal of Open Humanities Data (special issue on #Wikidata): https://doi.org/10.5334/johd.440

It outlines hands-on learnings from the data curation workflows Lucia Sohmen has implemented in our lab within three concrete (and openly accessible) datasets. In addition, the article sets out the overall strategy Ina Blümel and myself have developed for managing cultural heritage data projects in the context of an interconnected Linked-Open-Data-driven Wikibase Ecosystem.

Check out the article, the supplement (with links to live queries & data viz) and let us know if it resonates with how you implement Wikidata in your digital humanities / cultural heritage projects!

#CulturalHeritage #Wikidata #Wikibase #DigitalHumanities #OpenScienceLab #LinkedOpenData

Erinnerungskultur zum Mitmachen: eine digitale Landkarte zum Gestapoterror in Niedersachsen

Die Verbrechen der Gestapo sichtbar machen und gleichzeitig Bürger:innen aktiv in die Erinnerungskultur einbinden – geht das? Das TIB-Projekt „Gestapo.Terror.Orte“ zeigt, wie digitale Werkzeuge, offene Daten und Citizen Science neue Wege der historischen Aufarbeitung eröffnen.

Was ist „Gestapo.Terror.Orte“?

Gestapo.Terror.Orte“ ist eine interaktive Landkarte, die Orte des Gestapoterrors in Niedersachsen und darüber hinaus digital zugänglich macht. Das Projekt verbindet Digital History, Digital Mapping und Open Science: Es nutzt frei verfügbare Daten aus Wikidata und Wikimedia Commons, um Wissen über die Verbrechen der Gestapo, ihre Standorte und die Erinnerung daran zu sammeln, zu vernetzen und für alle sichtbar zu machen.

Ziel des Projekts:

  • Orte der Gestapo in Niedersachsen (1933–1945) identifizieren und dokumentieren
  • Daten für Forschung, Bildung und Öffentlichkeit frei zugänglich machen
  • Bürger:innen aktiv in die Erforschung und Erinnerung einbinden

Wie funktioniert die interaktive Landkarte?

Die interaktive Karte bildet das Herzstück des Projekts. Sie zeigt:

  • Dienstsitze und Infrastruktur der Gestapo
  • Haftstätten und andere Orte des Terrors
  • Geschädigte und Täter:innen
  • Fallbeispiele, die die Arbeitsweise der Gestapo verdeutlichen

Die Besonderheit: Die Karte kann kontinuierlich durch Citizen Science – also die Mitarbeit von Bürger:innen – erweitert werden. Jede:r kann Daten ergänzen, neue Orte eintragen oder bestehende Einträge verbessern.

Citizen Science: Geschichte gemeinsam erforschen

„Gestapo.Terror.Orte“ lebt von der Mitarbeit vieler. Im Rahmen des Projekts fanden 16 Werkstätten statt, in denen Interessierte lernten, wie man historische Daten in Wikidata erfasst. Das Ergebnis:

  • 252 Orte des Gestapoterrors wurden bisher dokumentiert. Außerdem 56 Datensätze zu Täter:innen, mit denen wir einen Beitrag leisten zur Täter:innenforschung, sowie mehr 1.000 Datensätze von Verfolgten, an die auf diese Weise erinnert wird.
  • Für Freiwillige, die auch nach Projektende weitere Daten ergänzen möchten, steht eine Reihe von Materialien online bereit:
    • Wikidata-Basics: Einführung in die freie Wissensdatenbank
    • Schritt-für-Schritt-Anleitungen: Wie trage ich neue Daten ein?
    • Datenmodelle: Wie werden Orte, Täter:innen, Geschädigte und Ereignisse erfasst?

Die Landkarte ist nicht nur ein Forschungsinstrument, sondern auch ein Bildungsangebot:

  • Thematische Stadtführungen: Touren zu Gestapo-Orten wie zum Beispiel in Hannover, Göttingen und Osnabrück zeigen, wie die Karte auch für Stadtführungen genutzt werden kann.
  • Schulen und Gedenkstätten: Die Karte eignet sich für Projekte zur historischen Aufarbeitung und politischen Bildung.
  • Forschung: Durch Linked Open Data können die gesammelten Daten für weitere Analysen und Projekte genutzt werden.

Warum ist das Projekt wichtig?

„Gestapo.Terror.Orte“ verbindet Wissenschaft, digitale Tools und gesellschaftliches Engagement. Es zeigt, wie Erinnerungskultur heute aussehen kann:

  • Partizipativ: Jede:r kann mitmachen und Wissen einbringen.
  • Transparenz: Alle Daten sind frei zugänglich und nachnutzbar.
  • Nachhaltig: Die Karte wächst mit jeder neuen Information – und bleibt so ein lebendiges Archiv.

Fazit: Das Projekt beweist, dass digitale Erinnerungskultur nicht nur möglich, sondern auch notwendig ist – um die Verbrechen der Vergangenheit sichtbar zu machen und für die Zukunft zu lernen.

Selbst mitmachen?

Alle Informationen und Materialien findest du auf der Projektwebsite. Dort kannst du direkt loslegen und die Landkarte mit deinen Erkenntnissen ergänzen!

Nach Abschluss der Förderung wird „Gestapo.Terror.Orte“ durch die Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten betreut. Dort werden auch weitere Werkstätten zur Einführung in die Arbeit mit der Karte sowie zur Erfassung weiterer Daten angeboten.

Quellen

Groh-Trautmann, Lisa: Wikidata-Plattformen als Tools für neue Formen forschender Erinnerungsarbeit. B.I.T Online 27 (2024) Nr. 2. https://www.b-i-t-online.de/heft/2024-02-fachbeitrag-groh-trautmann.pdf

Blümel, Ina, Fahrenkrog, Gabriele, Heller, Lambert und Groh-Trautmann, Lisa (2026). Digitale Erinnerungskultur: „Gestapo.Terror.Orte“. Ti-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 3/2025: Transfer in die Praxis. https://doi.org/10.60479/JH9S-7514

Deutschlandfunk Campus & Karriere über Gestapo.Terror.Orte vom 9. Juni 2025: https://on.soundcloud.com/DWOhQXoAdQNrVvj6fd

Gestapo.Terror.Orte auf der Citizen-Science-Plattform mit:forschen! Gemeinsam Wissen schaffen: https://www.mitforschen.org/projekt/gestapoterrororte-niedersachsen-1933-1945

#CitizenScience #digitaleErinnerungskultur #LizenzCCBY40INT #OpenScience #OpenScienceLab #Partizipation #Projekt

Women in Science: Prof Dr Ina Blümel

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The blog series “Women in Science” introduces women from the TIB who give insights into their careers and personal experiences in science.

Prof Dr Ina Blümel  // Photo: TIB/C. Bierwagen

Prof Dr Ina Blümel studied architecture in Braunschweig, Milan and Helsinki and obtained her doctorate at the HU Berlin at the Institute for Library and Information Science.

Today, she is head of the Joint Lab Future Libraries and Research Data as well as deputy head of the Open Science Lab  at TIB and professor at Faculty III – Media, Information and Design at Hanover University of Applied Sciences and Arts.

In the interview, she talks about how her work enables her to make things visible together with others, that paths in science do not have to be straightforward, and that open, networked and fair research ultimately benefits everyone.

What fascinates you about working in science?

I am fascinated by the fact that research allows me to set things in motion that would otherwise remain invisible: data, models, images, videos – all of these become discoverable and reusable thanks to good metadata, linked data and open infrastructures, among other things. I originally come from a background in architecture and became interested in digital tools and the transition from 2D to 3D at an early stage. Today, it is precisely this interface between technology, culture and knowledge that particularly appeals to me. It is important to me that research does not take place in an ivory tower, but rather that intuitively usable tools, workflows and open resources are developed together with and within communities – for example, around Wikimedia.

As a woman in science, what would you have liked to have known earlier?

I wish I had known earlier how normal sidetracks are – and that interdisciplinary biographies are not a deviation, but often an advantage. Also: you can and should seek out allies, build networks visibly and actively seek mentoring – this is not a luxury, but part of professional work. And I would have allowed myself to work more prototypically earlier on: to be brave enough to test things, even if they are not yet perfect.

What advice would you give to girls and young women who are considering a career in science?

Find topics that really interest you – then your curiosity will carry you through the tough times. Learn to make your work visible – also in open formats. Practise communicating clearly about resources early on: time, money, access, support. Dare to join communities: science improves when we think about it in a networked and open way and when different perspectives are actively incorporated into its design.

A wish for the future of women and girls in science …

I would like to see a scientific community in which belonging does not need to be explained: equal opportunities, equal security, equal visibility – regardless of gender. And I would like to see structures that reward cooperation, openness and sustainable development, rather than just producing short-term shining examples. If we organise research in a more open, networked and fair way, everyone will benefit in the end – especially those who are still too often held back today.

Women in science – a blog series

The blog series “Women in Science” introduces women at TIB who provide insights into their scientific careers, role models and experiences from their everyday working lives. They all share their perspectives and wishes for the future of science and encourage other women to take their place with confidence.

#WomenInScience #WomenAtTIB #LizenzCCBY40INT #ResearchAndDevelopment #OpenScienceLab #OpenScience #JointLabFutureLibrariesAndResearchData

Frauen in der Wissenschaft: Prof. Dr. Ina Blümel

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Die Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ stellt Frauen aus der TIB vor, die Einblicke in ihre Wege und ihre persönlichen Erfahrungen in der Wissenschaft geben.

Prof. Dr. Ina Blümel // Foto: TIB/C. Bierwagen

Dieses Mal: Prof. Dr. Ina Blümel. Sie studierte Architektur in Braunschweig, Mailand und Helsinki und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

Heute ist sie Leiterin des Joint Labs Future Libraries and Research Data sowie Co-Leiterin des Open Science Labs an der TIB und Professorin an der Fakultät III – Medien, Information und Design der Hochschule Hannover.

Im Interview spricht sie darüber, wie sie mit ihrer Arbeit Dinge gemeinsam mit anderen sichtbar machen kann, dass Wege in der Wissenschaft nicht gradlinig sein müssen und dass von offener, vernetzter und fairer Forschung am Ende alle profitieren.

Was fasziniert dich an der Arbeit in der Wissenschaft?

Mich fasziniert, dass ich mit Forschung Dinge in Bewegung bringen kann, die sonst unsichtbar bleiben: Daten, Modelle, Bilder, Videos – all das wird unter anderem durch gute Metadaten, Linked Data und offene Infrastrukturen auffindbar und nachnutzbar.

Ich komme ursprünglich aus der Architektur und habe mich früh für digitale Werkzeuge und den Sprung von 2D zu 3D interessiert. Heute reizt mich genau diese Schnittstelle aus Technik, Kultur und Wissen besonders. Mir ist dabei wichtig, dass Forschung nicht im Elfenbeinturm stattfindet, sondern gemeinsam mit und in Communities – zum Beispiel rund um Wikimedia – intuitiv bedienbare Werkzeuge, Workflows und offene Ressourcen entstehen.

Was hättest du als Frau in der Wissenschaft gerne früher gewusst?

Ich hätte gern früher gewusst, wie normal Umwege sind – und dass interdisziplinäre Biografien keine Abweichung, sondern oft ein Vorteil sind. Außerdem: Man darf und sollte sich Verbündete suchen, sichtbar Netzwerke aufbauen und Mentoring aktiv einfordern – das ist kein Luxus, sondern Teil professioneller Arbeit. Und ich hätte mir früher öfter erlaubt, prototypisch zu arbeiten: Mutig Dinge zu testen, auch wenn sie noch nicht perfekt sind.

Welchen Rat würdest du Mädchen und jungen Frauen geben, die eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben?

Sucht euch Themen, die euch wirklich packen – dann trägt euch die Neugier durch Phasen, in denen es zäh wird. Lernt, eure Arbeit sichtbar zu machen – auch in offenen Formaten. Übt früh, klar über Ressourcen zu sprechen: Zeit, Geld, Zugang, Betreuung. Traut euch, in Communitys zu gehen: Wissenschaft wird besser, wenn wir sie vernetzt und offen denken und wenn unterschiedliche Perspektiven aktiv in die Gestaltung einfließen.

Ein Wunsch für die Zukunft von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft …

Ich wünsche mir eine Wissenschaft, in der Zugehörigkeit nicht erklärt werden muss: gleiche Chancen, gleiche Sicherheit, gleiche Sichtbarkeit – unabhängig vom Geschlecht. Und ich wünsche mir Strukturen, die Kooperation, Offenheit und nachhaltige Entwicklungen belohnen, statt nur kurzfristige Leuchttürme zu produzieren. Wenn wir Forschung offener, vernetzter und fairer organisieren, profitieren am Ende alle – und besonders jene, die heute noch zu oft ausgebremst werden.

Frauen in der Wissenschaft – eine Blogreihe

In der Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ werden Frauen an der TIB vorgestellt, die Einblicke in ihre wissenschaftlichen Wege, Rollenbilder und ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag geben. Sie alle teilen ihre Perspektive und ihre Wünsche für die Zukunft der Wissenschaft und ermutigen andere Frauen, ihren Platz selbstbewusst einzunehmen.

#FrauenAnDerTIB #FrauenInDerWissenschaft #HochschuleHannover #LizenzCCBY40INT #OpenScience #OpenScienceLab

Der 7. VIVO-Workshop 2025 – eine Zusammenfassung

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Am 24. und 25. September 2025 fand der 7. VIVO-Workshop 2025 im Vortragsraum der TIB statt. An zwei Tagen gab es zahlreiche Vorträge und Diskussionen rund um das Open-Source-Forschungsinformationssystem VIVO, um (offene) Forschungsinformationen und alles, was die Community in diesem Umfeld bewegt.

Am ersten Tag des Workshops stellten sich verschiedene VIVO-Projekte in kurzen Steckbriefen vor und gaben Einblick in ihre jeweiligen Schwerpunkte. Darauf folgte ein Überblick über die kommende Version VIVO 1.16, die unter anderem wichtige Weiterentwicklungen im Bereich des Rechte- und Rollenmanagements, in der Suchfunktion und im Bereich Reporting bringen wird. Dies wurde ergänzt durch einen Beitrag zur Rolle von Lyrasis als „organisational home“ von VIVO und der Zusammenarbeit mit der Community.

In Breakout-Sessions wurden praxisnahe Themen in kleinen Gruppen diskutiert. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse ist unten im Text zu finden.

Darauf folgten mehrere Praxis- und Werkstattberichte, in denen gezeigt wurde, wie VIVO konkret in verschiedenen Einrichtungen eingesetzt wird: wie am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) Forschungsdokumentation auf Wissenschaftskommunikation trifft; wie die Architektur des VIVOs an der Universität Osnabrück für verbesserte Systemmigrationweiterentwickelt, Datenworkflows und verschiedene funktionale Erweiterungen wird; wie der Aufbau eines vernetzten Meta-CRIS für die Leibniz-Gemeinschaft auf Basis eines VIVO-Pilotsystems vorangetrieben wird; wie das HealthPartners Institute VIVO um Features zur Personalisierung der Informationsbedürfnisse der Forschenden und zur Sichtbarkeit von herausragenden Forschungsleistungenerweitert hat.

Der zweite Tag des Workshops begann praktisch mit einer Einführung in VIVO für Neueinsteiger:innen sowie einer Übersicht über Reporting-Funktionen. Die Teilnehmenden konnten Funktionen direkt in einem Demo-System ausprobieren.

Der erste Block von Vorträgen widmete sich übergeordneten Themen wie der Rolle von offenen Forschungsinformationen und speziell der Barcelona Declaration on Open Research Information für die VIVO-Community, aktuellen Entwicklungen rund um den KDSF – Standard für Forschungsinformationen in Deutschland sowie der Rolle persistenter Identifier (PIDs) in und für Forschungsinformationen.

Im weiteren Programm wurde ein weiter Bogen gespannt von bibliometrischer Forschung im GROBI-Projekt über innovative Ansätze zur Implementierung narrativer CVs bis hin zur Repräsentation von wissenschaftlichen Instrumenten in VIVO. Ergänzt wurde dies durch eine kleine Session mit Lightning Talks, in der beispielsweise das Open-Source-Tool Annif für die automatisierte Inhaltserschließung vorgestellt wurde. Abschließend standen aktuelle Entwicklungen der VIVO-Ontologie, die strategische und technische VIVO-Roadmap sowie technische Themen wie Containerisierung mit Docker und das modernisierte Rechte- und Rollenmanagement im Mittelpunkt.

Fazit

Der VIVO-Workshop 2025 zeigte wieder einmal eindrucksvoll die thematische Vielfalt der Community. Er bot Raum für Austausch, zum Lernen und für die gemeinsame Weiterentwicklung von VIVO als offenes Forschungsinformationssystem. Wir sehen uns beim 8. VIVO-Workshop 2026!

Zusammenfassung der Breakout-Sessions

Für die Breakoutsessions wurden die Teilnehmenden in vier Gruppen aufgeteilt, die sich der Reihe nach vier verschiedenen Fragestellungen widmeten. Die wichtigsten Ergebnisse sind im Folgenden stichpunktartig notiert:

1. Welche Themen beschäftigen Euch im FIS-Alltag?

An dieser Station wurden – unabhängig von der eingesetzten FIS-Software, dem Institutstyp oder dem aktuellen Grad der Umsetzung – wichtige Themen und drängende Probleme identifiziert werden. Dokumentiert wurden folgende Punkte:

  • Import und Altdatenmigration
  • Eingabemasken und Anpassen von Eingabefeldern
  • User-Management
    • Anlegen von Usern
    • Wer macht was?
    • Zuständigkeiten bei der Datenaufnahme
    • Level der Qualitätssicherung
  • Antragsbewilligungsquoten
  • Schnittstellen
  • Mapping von Daten
  • Datenqualität sichern
  • Akzeptanz
    • Policies in Institutionen
    • mögliche Unzufriedenheit mit Standards
    • kein Anspruch auf Vollständigkeit
  • Darstellung auf der Webseite
  • Reporting
  • Ressourcen bereitstellen

2. Was wünscht Ihr Euch in/für VIVO?

Diese Frage zielte darauf ab, Input für die Weiterentwicklung der VIVO-Entwicklungsroadmap zu liefern:

  • KI hilft beim Verschlagworten
  • Export aus Suchergebnissen
  • besseres Reportingtool (hohe Priorität)
  • Beispiele für Visualisierungen und Auswertungen
  • Firsttime/everytime-Konfigurationen
  • bessere UI & Design
  • Rest-API
  • Aktualisierung der KDSF-Ontologie
  • Sammlung von Best-Practice-Beispielen

3. Welche Klassifikationen sind für Euch im FIS-Kontext wichtig? Welche Entitätstypen sollten mit Klassifikationen erschlossen werden?

An dieser Station wurden relevante Klassifikationen für die klassifikatorische Erschließung von Forschungsinformationen identifiziert. Genannt wurden die Fächerklassifikationen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und von Destatis, die KDSF-Forschungsfeldklassifikation (KDSF-FFK) sowie die Österreichische Systematik der Wissenschaftszweige (ÖFOS). Zudem wurde die Gemeinsame Normdatei (GND) zur Verschlagwortung genannt. Darüber hinaus besteht der Wunsch nach Vokabularen, um Sachverhalte wie Academic Degrees, akzeptiert/publiziert, die Ebene der Drittmittelgeber, Typen von (hausinternen) Events, geographische Schwerpunkte oder den Projektstatus einheitlich zu erfassen. Als zentrale Entitätstypen, die mithilfe dieser Vokabulare erschlossen werden sollen, wurden Projekte, Publikationen, (externe) Organisationen, Forschungsdaten, Preise und Auszeichnungen, Personen und Aktivitäten in Lehre und Promotion genannt.

4. Welche lokalen Ontologien habt Ihr?

Diese Station zielte darauf ab, lokale Ontologie-Entwicklungen zu erheben und Potentiale der Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene zu identifizieren. Folgende lokale Ontologien wurden genannt:

  • Patente
  • Equipment
  • Graphische Objekte
  • Medienbeiträge
  • Attribute Based Access Control
  • Anträge/Förderlinien
  • Vitro Search Ontology
  • Personenrollen in Projekten, Gremien und Events

Um eine verbesserte Zusammenarbeit innerhalb der VIVO-Community zu ermöglichen, wurde vorgeschlagen, öffentliche Register von Ontologie-Erweiterungen zu pflegen und für stabilere Anpassungsmöglichkeiten der VIVO Ontology nach Updates zu sorgen.

An dieser Station wurden relevante Klassifikationen für die klassifikatorische Erschließung von Forschungsinformationen identifiziert. Genannt wurden die Fächerklassifikationen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und von Destatis, die KDSF-Forschungsfeldklassifikation (KDSF-FFK) sowie die Österreichische Systematik der Wissenschaftszweige (ÖFOS). Zudem wurde die Gemeinsame Normdatei (GND) zur Verschlagwortung genannt. Darüber hinaus besteht der Wunsch nach Vokabularen, um Sachverhalte wie Academic Degrees, akzeptiert/publiziert, die Ebene der Drittmittelgeber, Typen von (hausinternen) Events, geographische Schwerpunkte oder den Projektstatus einheitlich zu erfassen. Als zentrale Entitätstypen, die mithilfe dieser Vokabulare erschlossen werden sollen, wurden Projekte, Publikationen, (externe) Organisationen, Forschungsdaten, Preise und Auszeichnungen, Personen und Aktivitäten in Lehre und Promotion genannt.

#Forschungsinformationen #LizenzCCBY40INT #OpenScienceLab #OpenSource #vivo #Workshop

Kompakkt und Semantic Kompakkt – eine zukunftssichere Alternative für 3D-Modelle

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Mit der bevorstehenden Umbenennung von Sketchfab zu Fab und den damit einhergehenden Änderungen wird die stärkere Integration in den kommerziellen Bereich deutlich. Deshalb stellen sich derzeit insbesondere viele Kulturerbe-Institutionen die Frage, ob diese Plattform noch ihren Anforderungen entspricht. Besonders wenn es darum geht, die Kontrolle über eigene 3D-Modelle und ihre Sichtbarkeit zu behalten, könnten Alternativen interessant sein.

Kompakkt [1] und die Erweiterung Semantic Kompakkt [2] bieten hier eine Lösung. Die Software ist Open Source, was bedeutet, dass sie frei anpassbar und unabhängig von kommerziellen Interessen ist. Ein besonderer Vorteil ist, dass Institutionen ihre 3D-Modelle nicht hochladen müssen – sie können stattdessen direkt auf den eigenen Servern gehostet und über Kompakkt eingebunden werden. So behalten sie die volle Kontrolle über die Daten und Präsentation.

Vorschaubilder der teilnehmenden Projekte und Institutionen. CC-BY Autor:in: Zoe Schubert

Vorschaubilder der teilnehmenden Projekte und Institutionen. CC-BY Autor:in: Zoe Schubert. Darüber hinaus ermöglicht es Kompakkt mit dem Viewer per iframe, die Modelle auf eigenen, beispielsweise institutionellen Webseiten, zu präsentieren, ohne dass sie auf der öffentlichen Plattform von Kompakkt sichtbar sein müssen. Dies gibt Institutionen die Flexibilität, selbst zu entscheiden, wann und wie ihre digitalen Sammlungen gezeigt werden. Außerdem sind und bleiben multimediale Annotationen der Modelle kostenfrei und bedingungslos verfügbar.

Kompakkt und Semantic Kompakkt zielt darauf ab, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Forscher:innen zu fördern und schafft dadurch eine Umgebung, die sich ideal für wissenschaftliche Publikationen und Projekte eignet. Wir arbeiten aktiv daran mit der ersten Version des iiif-Standards für 3D konform zu sein.

Wenn Sie nach einer offenen und flexiblen Alternative zu Sketchfab suchen, die Ihnen mehr Kontrolle und Anpassungsmöglichkeiten bietet, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Kompakkt kann die Lösung sein, um Ihre 3D-Modelle nachhaltig und unabhängig zu präsentieren!

 

[1] Kompakkt wurde ursprünglich am Institut für Digital Humanities der Universität zu Köln konzipiert, und ein Team von Forschern entwickelt dort weiterhin neue Funktionen.

[2] Semantic Kompakkt ist ein Dienst von NFDI4Culture, der von einem Team von Entwicklern und Forschern am Open Science Lab der TIB entwickelt und gewartet wird.

#3DModels #3DArchitekturdaten #3DObjekte #Kompakkt #LizenzCCBY40INT #NFDI4Culture #OpenAccess #OpenScienceLab #SemanticKompakkt #Wikibase

Kompakkt and Semantic Kompakkt – A future-proof alternative for 3D models

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With the upcoming rebranding of Sketchfab to Fab and the associated changes, the stronger re-orientation towards the commercial sector is becoming clear. As a result, many cultural heritage institutions may be currently asking themselves whether this platform still meets their requirements. Especially when it comes to retaining control over their own 3D models and their visibility, it is worthwhile considering alternatives.
Kompakkt [1] and the Semantic Kompakkt [2] extension offer just such an alternative.

Preview images of participating projects and institutions. CC-BY Creator: Zoe Schubert

The software is open source, which means that it is freely customisable and independent of commercial interests. A particular advantage is the fact that institutions do not have to upload their 3D models – instead, they can be hosted directly on their own servers and integrated via the Kompakkt Viewer. This gives full control over data and presentation.Preview images of participating projects and institutions. CC-BY Creator: Zoe Schubert In addition, the Kompakkt Viewer makes it possible to present models on institutional websites via iframe without having to make them public on Kompakkt’s platform. This gives institutions the flexibility to decide for themselves when and how their digital collections are displayed. In addition, multimedia annotations of the models are available and remain free of charge unconditionally.

Kompakkt and Semantic Kompakkt aims to promote exchange and collaboration between researchers, creating an environment that is ideal for scientific publications and projects. We are actively working to be compliant with the first version of the iiif standard for 3D.

If you are looking for an open and flexible alternative to Sketchfab that gives you more control and customisation options, please get in touch with us. Kompact can be the solution to present your 3D models sustainably and independently!

 

[1] Kompakkt was originally conceived at Institute for Digital Humanities, University of Cologne, and a team of researchers there continues development of new features.
[2] Semantic Kompakkt is a service of NFDI4Culture, developed and maintained by a team of developers and researchers at the Open Science Lab, TIB.

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Open Science mit Mini-Budget: Wie kleine Einrichtungen Großes bewirken können

Open Science an kleinen Einrichtungen ist doch eh zum Scheitern verurteilt? Oder etwa doch nicht? Besonders kleine Einrichtungen haben einen großen Nachteil beim Implementieren von neuen Services: Ressourcen. Es beginnt beim fehlenden Personal, geht über die Ausstattung der Einrichtung und endet im leidigen Thema Finanzierung.

Doch die fortschreitende Digitalisierung der Wissenschaft hat weitreichende Auswirkungen auf Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Im Kontext von Open Science gewinnen insbesondere die Teilbereiche Open Source, FAIR Data und Open Educational Resources (OER) zunehmend an Relevanz. Und diese Konzepte bergen ein erhebliches Potenzial für Bildungseinrichtungen, insbesondere für Bibliotheken. Doch wie genau sieht die Umsetzung aus, wenn die Ressourcen begrenzt sind?

Eine klare Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die eine ressourcensparende Umsetzung erleichtern. Im Rahmen von Interviews wurde ein Best-Practice-Leitfaden (Best Practice für Open Educational Resources, Open Source und Open Data an Hochschulen der angewandten Wissenschaften in Nordrhein-Westfalen) entwickelt, der die Integration der Aspekte erleichtern soll.

In diesem Zusammenhang gibt es vier Maßnahmen, die Einrichtungen kostengünstig umsetzen können, um die Implementierung von Open Science zu erleichtern.

1. Kommunikation

Klare Kommunikationsstrukturen sind dringend erforderlich. Der oftmals interne, informelle Austausch in der Kaffeeküche kann durch regelmäßige, strukturierte Meetings ergänzt werden. Hier sollten alle Personen zusammenfinden, die an der Institution mit der Thematik Open Science arbeiten, über Abteilungsgrenzen hinweg.

Eine verbesserte interne Kommunikation und Koordination zwischen den Abteilungen können den Informationsfluss fördern und strukturelle Hürden abzubauen. Zentral dabei ist die Etablierung effektiver Kommunikationskanäle. Regelmäßige Meetings, Workshops und gemeinsame Plattformen erleichtern den Austausch und stärken die Zusammenarbeit. Oftmals kann eine informelle Einladung zu einem gemeinsamen Kaffee die Türen zu einer Zusammenarbeit öffnen.

Zusätzlich dazu sollte der Blick über die Institutionsgrenzen hinweg nicht vernachlässigt werden. Gibt es in der Region Bibliotheken die vor ähnlichen Herausforderungen stehen? Eine Kooperation mit regionalen Netzwerken kann hierbei Synergieeffekte schaffen.

2. Interne Koordination

In diesem Zusammenhang bildet eine institutionelle Koordinationsstelle den zentralen Dreh- und Angelpunkt: Sie bündelt alle Open-Science-Aktivitäten, stärkt die interne Kommunikation und agiert als Schnittstelle zu externen Partnern. Sie schafft Transparenz und fördert den Austausch.

3. Communities

Bibliotheken sollten zudem institutionsweite Diskussionen zu Open Science aktiv fördern. Nur wenn alle Fachbereiche eingebunden sind, kann eine breite Akzeptanz entstehen. Eine aktive Mitgestaltung der Policies beispielsweise, kann die Akzeptanz erhöhen. Das Stichwort hier: Partizipation. Der Austausch auf Augenhöhe und die dadurch entstehende Ausrichtung der Services auf die Bedarfe der Wissenschaft kann fördernd für die Implantierung von Open Science sein. Auch hier stellt sich die Frage nach dem wie. Doch auch hier kann es keine allgemeine Antwort geben. Bei einigen Einrichtungen funktionieren Mailinglisten, bei anderen sind es Soziale Medien wie LinkedIn und wieder andere profitieren von der intrinsischen Motivation einzelner. In diesem Zusammenhang spielt auch der nächste Aspekt eine wichtige Rolle.

4. Forschungsevaluation

Institutionen sollten transparente und nachvollziehbare Verfahren zur Bewertung wissenschaftlicher Leistungen einführen. Das stärkt das Vertrauen in die Forschungsarbeit und reduziert Unsicherheiten, die sich negativ auf die Qualität auswirken können.

Herrmann, Katharina (2025). Best Practice für Open Educational Resources, Open Source und Open Data an Hochschulen der angewandten Wissenschaften in Nordrhein-Westfalen. Bachelorarbeit, Hochschule Hannover. https://doi.org/10.25968/opus-3632

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