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Frauen in der Wissenschaft: Dr. Anna-Lena Lorenz

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Die Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ stellt Frauen aus der TIB vor, die Einblicke in ihre Wege und ihre persönlichen Erfahrungen in der Wissenschaft geben. Dr. Anna-Lena Lorenz studierte Physik an der Universität Bielefeld und arbeitet heute als Community-Managerin an der TIB. Dort ist sie für den Open Research Knowledge Graph (ORGK) und den Service ORKG Ask verantwortlich. Im Interview spricht sie über die Vielfalt des wissenschaftlichen Arbeitens, die Bedeutung von Austausch und Zusammenarbeit und warum es wichtig ist, sich nicht von Rollenbildern einschränken zu lassen.

Dr. Anna-Lena Lorenz // Foto: TIB/C. Bierwagen

Was fasziniert dich an der Arbeit in der Wissenschaft?

Arbeit in der Wissenschaft ist keine stumpfe Routine. Die Aufgaben sind so vielfältig und ich habe so viel Freiraum, interessanten Themen nachzugehen und eigene Ideen und Lösungsansätze zu entwickeln. In der Wissenschaft habe ich viele nette Menschen mit ähnlichen Interessen kennengelernt und durch den internationalen Kontext Kontakt zu Kulturen und Perspektiven gehabt, mit denen ich mich sonst nie beschäftigt hätte.

Was hättest du als Frau in der Wissenschaft gerne früher gewusst?

Ich hätte gerne früher gewusst, dass es okay ist, Fragen zu stellen und es sogar dazugehört. Beim Gedanken an einen „Wissenschaftler“ habe ich früher immer das Klischeebild eines einsamen, meist männlichen, einzelgängerischen Genies gehabt, das die Antworten auf jede Frage selbst ergründen kann. Aber in Wirklichkeit ist Wissenschaft ganz viel Zusammenarbeit, sie lebt vom Austausch und unterschiedlichen Expertisen.

Ich habe lange geglaubt, mich zwischen Weiblichkeit und Wissenschaft entscheiden zu müssen, weil mich meine eher weiblich gelesenen Interessen wie eine schlechtere Wissenschaftlerin wirken lassen würden und mein naturwissenschaftliches Interesse zu männlich wirken würde. Dabei spielt es für mein Verständnis von Daten gar keine Rolle, ob ich gerne Kleider trage und in meiner Freizeit gerne backe. Genauso wenig, wie es mich weniger zu einer Frau macht, dass ich Elementarteilchen und künstliche Intelligenz spannend finde.

Welchen Rat würdest du Mädchen und jungen Frauen geben, die eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben?

Zweifelt niemals euren Platz an! Egal, ob es um einen Studienplatz, eine Stelle oder einen Vortrag bei einer renommierten Konferenz geht – ihr seid nicht hier, weil ihr eine Frau seid, sondern weil ihr gute Arbeit geleistet habt.

Verbündet euch! Austausch mit Gleichgesinnten ist so wichtig. Freundinnen, die ebenfalls in der Wissenschaft arbeiten, sind natürlich super, aber auch sonst gibt es viele Möglichkeiten, sich auszutauschen, zum Beispiel über die vielen Netzwerke, die an Unis angeboten werden.

Ein Wunsch für die Zukunft von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft …

Ich wünsche mir, dass der Spruch „Das ist aber ungewöhnlich für ein Mädchen“ ausstirbt. Es wäre schön, wenn in Büchern, Filmen und Serien öfter Frauen als Wissenschaftlerinnen, Hackerinnen oder Mechanikerinnen vorkommen würden, aber trotzdem nicht „männlich“ sein müssen.

Frauen in der Wissenschaft – eine Blogreihe

In der Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ werden Frauen an der TIB vorgestellt, die Einblicke in ihre wissenschaftlichen Wege, Rollenbilder und ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag geben. Sie alle teilen ihre Perspektive und ihre Wünsche für die Zukunft der Wissenschaft und ermutigen andere Frauen, ihren Platz selbstbewusst einzunehmen.

#ForschungUndEntwicklung #FrauenAnDerTIB #Interview #LizenzCCBY40INT #ORKG #ORKGAsk

Each for Equal – der Internationale Frauentag 2025

Der erste Internationale Frauentag wurde 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, Bulgarien, der Schweiz und den USA begangen, nachdem er im Jahr zuvor auf der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen ins Leben gerufen wurde. Die Idee zu einem Frauen(streik)-Tag kam durch die US-amerikanische Sozialistin May Wood-Simons nach Europa. Clara Zetkin und Käte Duncker setzten sich auf dem Kongress dafür ein, dass dieser Tag auch in Europa Fuß fassen sollte.

Anders als heute wurde dieser Tag jedoch nicht am 8. März begangen, sondern zunächst am 19. März. Die Wahl dieses Datums sollte den revolutionären Charakter des Frauentags unterstreichen, denn der nahegelegene 18. März war der Gedenktag für die in Berlin Gefallenen während der Revolution von 1848. In den Folgejahren fand der Frauentag an keinem festen Datum, sondern an wechselnden Daten statt, 1918 beispielsweise am 5. Mai, dem 100. Geburtstag von Karl Marx.

Clara Zetkin Käte Duncker

Erst 1921 erfolgte die endgültige Festlegung auf den 8. März zu Ehren der Rolle der Frauen in der Februarrevolution (Hinweis: der 23. Februar im julianischen Kalender entspricht dem 8. März im gregorianischen Kalender). In den Anfangsjahren wurde dieser Tag vor allem von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften getragen. Das beherrschende Thema war die Forderung nach dem freien, geheimen und gleichen Frauenwahlrecht.

Mit der Erklärung des freien, geheimen aktiven und passiven Wahlrechtes für Männer und Frauen hatten Clara Zetkin und ihre Mitstreiterin ihr Ziel am 12. November 1918 erreicht. Im Januar 1919 konnten Frauen das erste Mal in Deutschland wählen und gewählt werden. Doch schnell stellte sich heraus, dass das Wahlrecht allein viele Probleme nicht lösen konnte. Vor allem das Thema Frauenarbeit rückte nun in die Aufmerksamkeit. Zentrale Forderungen waren unter anderem Arbeitsschutzgesetze, gleicher Anspruch auf Bildung, ausreichender Schutz für Mütter und Kinder, gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder legaler Schwangerschaftsabbruch.

Mit Hitlers Machtergreifung kam der Internationale Frauentag ab 1933 zum Erliegen und wurde umgehend verboten. Stattdessen gewann der schon in der Weimarer Republik begangene Muttertag an Bedeutung. Doch trotz des offiziellen Verbotes wurde der Frauentag auch in der Zeit des Nationalsozialismus weiter begangen, wenn auch nur im Privaten. Man lud sich an diesem Tag zu Kaffeekränzchen ein oder hing rote Stoffe oder Kleidungsstücke zum Lüften aus den Fenstern und an Wäscheleinen.

Nach dem zweiten Weltkrieg änderten sich Durchführung und Thematik des Internationalen Frauentages erneut. In der DDR wurde er in Form staatlich gelenkter Feiern als „Tag der Frau“ begangen. Die Staats- und Parteiführung verlieh dabei jährlich die Clara-Zetkin-Medaille zur Würdigung von Initiativen und des Fleißes der Frauen.

In der BRD hatte der Frauentag aufgrund seiner sozialistischen Geschichte einen schweren Stand. Er wurde nur von einer kleinen Minderheit begangen, die sich vor allem für Frieden und gegen die Wiederaufrüstung Westdeutschlands engagierte und geriet so gut wie in Vergessenheit. Erst in den 1980er Jahren gewann er durch die neue Frauenbewegung wieder an Bedeutung. Er wurde zunehmend zum Tag der feministischen Solidarität unter Frauen verschiedener Schicht, Herkunft und Generation. Doch es dauerte noch bis 1994, bis der Frauentag wieder als Protesttag (Frauenstreiktag) begangenen wurde – damals vor dem Hintergrund hoher Frauenarbeitslosigkeit und dem Abbau der Kinderbetreuung im Osten.

Heute wird der Internationale Frauentag – auch Weltfrauentag – von Frauen unterschiedlicher politischer Richtungen gefeiert und ist ein gesetzlicher Feiertag in 28 Staaten (in Deutschland nur in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern). Seit die UN-Generalversammlung 1977 mit einer Resolution alle Staaten dazu aufforderte, einen Tag im Jahr zum „Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ zu erklären, steht er unter jährlich wechselnden Schwerpunktthemen. So lag der Fokus in den letzten Jahren auf besserer Bildung für Mädchen, mehr Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungsprozessen oder besseren Lebensverhältnissen für Frauen in ländlichen Regionen.

Aus Anlass des 114. Internationalen Frauentages haben wir an verschieden TIB-Standorten Themenregale erstellt. Dort präsentieren wir jeweils ausgewählte Titel zum Thema, die auch ausgeliehen werden können. Die Zusammenstellung wird sich daher im Lauf der Zeit immer wieder ändern.

Am Standort TIB Conti-Campus präsentieren wir im Lesesaal des 1. OG ein gemeinsames Themenregal des Fachbestandes Wirtschaft (FBW) und des Fachbestandes Rechtswissenschaften (FBR).

Im 4. OG befindet sich das Themenregal des Fachbestandes Literaturwissenschaften (FBL), im 5. OG das Themenregal der Erziehungswissenschaften (FBE).

Themenregal der ErziehungswissenschaftenThemenregal des Fachbestandes WirtschaftThemenregal des Fachbestandes Literaturwissenschaften

 

Für die eigene Recherche zum Thema Frauenwelttag bzw. Frauenrecht, Gender Studies unter weiterer verwandter Themen empfehlen unsere Fachreferent:innen folgende Systemstellen in unseren Fachbeständen:

TIB-StandortThemengebietTIB Conti-Campus FBWoek 1559 (Frauen, Genderforschung) oek 1580 (Diskriminierung in der Arbeitswelt) oek 1620 (Lohn einzelner Arbeitnehmergruppen)TIB Conti-Campus FBESoz 682-694 (Frauenforschung. Gender Studies) The 946.5  (Feministische Theologie)TIB Conti-Campus FBRjur 267 (Reproduktionsmedizin – Bioethik) jur 019 (feministische Rechtswissenschaft) jur 068.9 (Völkerrecht – Menschenrechte) jur 874.8 (Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung)TIB Conti-Campus FBLCR 367 (Frauen, Weiblichkeit) GL 495 (Frauen in der Literatur) FE 321 (Frauen, Feminismus)TIB SozialwissenschaftenP (Frauenforschung, Männerforschung, Gender Studies)TIB Philosophie/GeschichteHist 6260-6269 (Soziale Gruppen und Beziehungen, Geschlechter)

Die Standorte TIB Sozialwissenschaften und TIB Philosophie/Geschichte haben ihre Themenregale ebenfalls anlässlich des Internationalen Frauentages neu bestückt.

Themenregal am TIB-Standort Sozialwissenschaften

Ein ebenfalls zu diesem Tag passender Literaturtipp ist die Geschichte zweier Bibliothekarinnen der Bibliothek der Technischen Hochschule Hannover, einer Vorgänger-Institution der heutigen TIB. Das sehr gut recherchierte Werk stellt eindrucksvoll die Karrierewege von Elisabeth Boedeker und Dr. Elisabeth Weber in der Zeit zwischen Weimarer und Bonner Republik dar und ist mit der Signatur Hist N 8829/145 am Standort TIB Philosophie/Geschichte zu finden.

Und wer jetzt noch mehr wissen möchte: Die TIB sie engagiert sich mit ihrem Dienst „Preservation-as-a-Service“ für den Erhalt und die Langzeitarchivierung des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF). Die verschiedenen Sammlungen des DDF werden darüber hinaus in mehreren Beiträgen der TIB-Blogreihe „Feministische Geschichte langfristig bewahren“ vorgestellt.

#DigitalesDeutschesFrauenarchiv #FrauenAnDerTIB #InternationalerFrauentag #LizenzCCBY40INT

Clara Zetkin – Wikipedia