6/ @kattascha fragt: „Und es gibt ja die These, dass auch das Fehlen einer 68er-Bewegung im Osten, die sich dann ja im Westen extrem kritisch dann, halt auch teilweise an den eigenen Eltern und deren Beteiligung am NS-Regime und der Großeltern abgearbeitet hat , dass das Fehlen einer vergleichbaren Bewegung, die es ja auch gar nicht geben konnte, so in diesem Ausmaß, also weil, klar, autoritäres Regime, dass das dazu führt, dass Menschen, vielleicht auch weniger Berührungsängste mit extrem rechten Parteien heute entwickeln, weil sich das so weiterträgt. Glaubst du, da ist was dran oder das ist halt vielleicht auch eine Erklärung, die es sich zu leicht macht?“

Anne Rabe: “Beides. Also wenn wir zum Beispiel auch darüber sprechen, über diese autoritären Erziehungsmethoden, also wo man auch immer sagen kann, okay, es gibt auch in Westdeutschland und es gab auch in Westdeutschland ganz, ganz viel Gewalt gegen Kinder, aber es gab eben auch eine Diskussion um autoritäre Erziehung. Es gab darum einen Diskurs. Da hat sich was verändert und das gab es eben in Ostdeutschland nicht.“

Ich habe vor kurzem eine wichtige Sache gelernt: Menschen aus dem Westen können nicht sehen, dass es einen Diskurs gab, weil dieser nicht im Fernsehen oder in Zeitungen stattfand. Aber natürlich haben fast alle Ossis West-Fernsehen gesehen. Wir waren also auch am Westdeutschen Diskurs beteiligt und wir haben untereinander geredet. Das hat der westdeutsche Historiker und Journalist Christian Berndt meiner Frau in der Bahn erklärt. Fahrt Bahn! Das bildet!

Mir war das selbst nicht aufgefallen, weil ich eben inzwischen auch das West-Bild von gesellschaftlichem Diskurs hatte: Zeitungen, Zeitschriften, Talk-Shows, Radio, Fernsehen, jetzt Podcasts.

Aber wir haben gesprochen. Auch über #antiautoritäreErziehung.

7/ Ah, noch zur Erziehung: Es gab eine Erziehungszeitschrift für Eltern: #ElternHausUndSchule. Ich würde gern mal meine Ost-#Followerpower fragen, ob Ihr da noch irgendwo Ausgaben habt. Oder @peer, ob es das irgendwo im Internet oder in Bibliotheken gibt. Ich habe es nicht gefunden.

Mich würde interessieren, ob da irgendwas zur Erziehung mit Schlägen drinstand.

Vielleicht hat auch noch irgendwer einen Erziehungsratgeber aus der DDR.

8/ Ich habe gerade gefunden, dass #Makarenkos Schriften verbreitet wurden. Man kann von seiner kollektiven Erziehung halten, was man will. Sie scheint jedenfalls gewaltfrei gewesen zu sein:

„Makarenko entwickelte eine Form der Kollektiverziehung mit dem Ziel der Erziehung einer allseitig entwickelten Persönlichkeit zunächst auf der Grundlage der Theorien von Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi und anderer humanistischer Denker. Er beabsichtigte eine Erziehung ohne die Gewalt der Prügelstrafe und ohne hierarchische Autorität seitens der Lehrer. Die Erziehung basierte auf einer Einheit von verinnerlichter Disziplin, Selbstverwaltung und nützlicher Arbeit. Die Autorität des Erziehers beruhte auf seiner Achtung vor dem Kind, seiner absoluten Aufrichtigkeit gegenüber den Zöglingen und auf festem Vertrauen in den Menschen. Makarenko war weniger Theoretiker denn Pragmatiker und Realist. Sein Handeln richtete sich vor allem nach der situativen Gegebenheit und der von ihm erfassten Intention seines Gegenübers.“

Würde mich mal interessieren, was das #FediLZ heute über Makarenko denkt. Wurde wohl schon 1968 im Westen erforscht.

#Pädagogik

https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Semjonowitsch_Makarenko

Anton Semjonowitsch Makarenko – Wikipedia

9/ Wow. Hier dann harte Propaganda aus dem ND von 1953. Kommentar eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur andauernden Fesselung und Verprügelung einer 16jährigen.

„FESSELN UND SCHLAGEN legalisierte das ,,Bundesverfassungsgericht“ in Karlsruhe durch eine Entscheidung in letzter Instanz. Nach Auffassung jener Richter, die über die Verfassungsmäßigkeit der Kriegsverträge entscheiden sollten, ist eine solche Strafmaßnahme gerechtfertigt, weil ,Erziehungsmaßnahmen ihrem Wesen und ihrem Zweck nach in der Zufügung körperlichen und seelischen Schmerzes bestehen“. Mit dieser Begründung
sprachen sie ein Kassler Elternpaar, das seine sechzehnjährige Tochter häufig gefesselt und geschlagen hatte, frei. Ein solches Urteil des sogenannten Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe überrascht bei uns niemanden, da bekannt ist, daß nach dem Willen Adenauers das ganze deutsche Volk
„gefesselt und geschlagen“ werden soll. Willfährige ,Kreuzfahrer sollen durch solche Methoden erzogen werden, denn allseits gebildete und zu bewußten Persönlichkeiten entwickelte junge Menschen sind niemals bereit, für amerikanische Imperialisten als Söldner zu sterben, Der Kampf gegen die
reaktionäre preußische Prügelpädagogik ist daher ein Teil des Kampfes um die Einheit und Unabhängigkeit unseres deutschen Vaterlandes. “

Aus diesem Kommentar kann man entnehmen, dass auch die Prügel außerhalb der Schule nicht als vernünftige Erziehungsmethode angesehen wurde.

10/ Und das ist ein Zitat aus dem Urteil des Bundesgerichtshofes
BGH NJW 1953, 1440:

„Der damals im 16. Lebensjahr stehenden Tochter“ – so die Schilderung des BGH^1 – wurden von ihren Eltern „zu Zwecken der Erziehung [...] in einem Falle [...] ‚zweieinhalb‘ Mahlzeiten entzogen, weil sie wahrheitswidrig in Abrede gestellt hatte, in Abwesenheit der Eltern vom Fenster aus mit Jungen sich verständigt zu haben. Sie erhielt kein Mittag- und kein Abendessen und am nächsten Tag zum Frühstück [nur] ein Stück trockenes Brot und Kaffee. In einem anderen Falle band die Angekl. das Mädchen an einem Stuhl fest, ehe sie für etwa 2 Stunden zum Zwecke von Besorgungen das Haus verließ. Ferner band der Angekl. das Mädchen zweimal die Nacht über im Bett um Leib und Beine über der Decke fest. In einem weiteren Falle schnitt die Angekl. dem Mädchen das Kopfhaar in so unregelmäßiger Weise kurz, daß es sich auf der Straße nicht sehen lassen konnte“.

Quelle: Heinrich, Manfred. 2011. Elterliche Züchtigung und Strafrecht. Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik 5. 431–443. (https://www.zis-online.com/dat/artikel/2011_5_577.pdf)

Hab beim Blog-Post noch ein paar Zeitungsartikel hinzugefügt.

11/ Bei der Beschäftigung mit #WilliBredel habe ich diese Karte gefunden. Sie zeigt Konzentrationslager umittelbar nach der Machtergreifung der #Nazis.

Mittag, Oskar. 2023. Die „Übersichtskarte über die Konzentrationslager, Zuchthäuser und Gefängnisse in Deutschland“ von 1936. Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte 63/64. 8–33.
https://www.akens.org/akens/texte/info/63/Mittag_Karte_web.pdf

Die KZs damals waren noch keine Vernichtungslager wie es sie später gab, aber man möge Die Prüfung von Willi Bredel lesen, der die Brutalität und die Folter durch SS-Angehörige beschreibt. Bredel war selbst in Fuhlsbüttel.

Diese Karte ist interessant, wenn man sich vor Augen führen möchte, wie viele Deutsche an den Verbrechen der Nazis beteiligt warne und was nach dem Krieg aufgearbeitet werden musste. Zum Ende des Krieges waren noch 550.000 Männer in der Waffen-SS organisiert. Viele Menschen auf allen möglichen Ebenen haben den Massenmord möglich gemacht und mitgetragen.

Die Aussage, in der DDR sei eine Aufarbeitung wie 1968 ausgeblieben, basiert auf einem Vergleich, der letztendlich die Verbrechen der Nazi-Zeit relativiert.

In der gesamten DDR-Zeit sind nach Auskunft des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags maximal 4000 Menschen aus politischen Gründen gestorben oder hingerichtet/ermordet worden. Mauertote eingerechnet. So genau weiß man das nicht, es handelt sich um eine Abschätzung nach oben. Es könnten auch nur einige Hundert gewesen sein.

Das alles in 40 Jahren DDR. Die Nazis (Wehrmacht) haben in Babyn Jar in 36 Stunden 33.000 Juden ermordet. Insgesamt hatten sie dann 80.000.000 Menschen auf dem Gewissen. Es ist klar, dass das ganz andere Dimensionen sind und dass das auch ganz anders aufgearbeitet werden musste.

In der DDR sind die Stasi-Unterlagen weitestgehend erhalten. Die wurden aufgearbeitet. Täter*innen wurden entlassen und wurden im Öffentlichen Dienst nicht eingestellt. #Regelabfrage. Die Selbstauskunft gibt es wohl immer noch.

IM-Tätigkeiten wurden unter Schmerzen aufgearbeitet. Das ging bis in Familien hinein. Künstler*innen, Musiker*innen wurden enttarnt.

Darüber gibt es Zeitschriftenartikel und Filme.

Die Subsumtion von Nazi-Deutschland und DDR unter zwei Diktaturen ist nur mal wieder eine Entlastung für den Westen.

12/ Und im selben Artikel gab es eine Variante der Karte, die Antifaschist*innen 1936 verteilten: „Übersichtskarte über die Sehenswürdigkeiten für die Olympiafahrer in Deutschland“.

Daneben einen Auszug aus Willi Bredels die Prüfung zum Thema „Sport“ in KZs.

Heute gibt es in diesem Land Menschen, die ernsthaft eine Bewerbung für 2036 in Betracht ziehen.

#Nolympia #Olympia2036 #Olympia #Nazis #Antifa #NoNazis

13/ Der Thread fängt hier bei 6/ an. Eigentlich sollte 6/ nach fünf kommen. Und zwar 5 von dem hier. Das kann man nicht mehr retten oder?

https://climatejustice.social/@stefanmuelller/115866311118669547

15/ Sabine Renefanz im Tagesspiegel:
„5800 Menschen aus Ost und West wurden befragt, sie waren 1980 oder früher geboren. Die Ergebnisse, die im englischsprachigen Fachjournal „Epidemiology and Psychiatric Scienes“ veröffentlicht wurden, könnten der Debatte einen neuen Dreh geben.

Es kam heraus, dass nicht die Ostdeutschen, sondern die West-Befragten häufiger über relevante körperliche und sexuelle Gewalt in der Kindheit berichteten. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede bei der sexuellen Gewalt: 13,2 Prozent der westdeutschen Frauen haben nach eigener Erinnerung in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt, aber nur 7,8 Prozent der Ostdeutschen.“

Die Ergebnisse könnten der Debatte einen neuen Dreh geben. Machen sie aber nicht. #AnneRabe behauptet einfach fröhlich weiter ihr Zeug. Und dem wird dann auch nicht widersprochen.

Sabine Rennefanz nennt das „Abwertungsdiskurs Ost“.

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/die-westdeutsche-brille-eine-weithin-ignorierte-studie-uber-gewalt-in-ost-und-west-lasst-neu-denken-10543546.html

#Erziehung #DDR #Pädagogik

16/ Hier noch zur Aufarbeitung: Das Protokoll habe ich bei

https://arolsen-archives.org/

gefunden. Ein Arbeiter wurde in ein KZ eingeliefert. Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde hat das unterschrieben. D.h. Bürgermeister waren am Transport von Häuftlingen nach #Sachsenhausen beteiligt. Das war 1938 und in dem Lager sind Zehntausend umgekommen.

Bürgermeister*innen in der #DDR waren vielleicht rote Socken, aber sie haben niemand in Vorbeugehaft in ein KZ geschickt. Die Dimensionen sind wirklich komplett anders.

#Nazis

17/ Könnt Ihr das lesen?

Kriminalpolizeihaftstelle?

18/ Und das?

Er ist ??? polizeiliche? Vorbeugehaft ?? genommen?

@stefanmuelller
polizeiliche Vorbeugungshaft

@stefanmuelller
Er - ist als Asozialer polizeiliche Vorbeugungshaft genommen.

das 'in' wurde wahrscheinlich zuviel weggestrichen.

@stefanmuelller Vorbeugungshaft. Was auch immer das sein mag. Für minority Report etwas früh...
@Erika @stefanmuelller Jemanden ohne Verfahren, ohne Anklage, ohne Möglichkeit sich dagegen zur wehren, wegzusperren.
@stefanmuelller
Er ist als Asozialer (in) Vorbeugungshaft genommen.
@stefanmuelller Kriminalpolizeileitstelle würde ich sagen
@stefanmuelller
Der nebengenannte Schutzhaft-Gefangene soll auf Ersuchen der Kriminalpolizeileitstelle Berlin vom 18.6.1938 Gesch.-Nr. 72 20 49/17.38 von hier nach Sachsenhausen b/Oranienburg

@stefanmuelller

Kriminalpolizeileitstelle

@stefanmuelller
Ich lese "Kriminalpolizeileitstelle".

17/ Ich habe gestern noch was geschrieben.

#AnneRabe meinte: „Ich finde immer ganz schön, mein Freund Patrice Poutrus, der sagt immer so schön, ist mir doch egal, ob mir ein Wessi die Miete erhöht oder einen Ossi.“

Das ist unglaublich naiv. #PatricePoutrus ist promovierter Historiker und Ost-Experte. Er war hauptamtlich in der FDJ-Leitung eines großen Betriebes tätig, also entsprechend marxistisch geschult. Anne Rabe ist in der SPD und wird ebenfalls als Ost-Expertin durch die Talkshows gereicht. Wie kann es sein, dass die beiden einfachste ökonomische Zusammenhänge nicht verstehen? Natürlich macht es keinen unmittelbaren Unterschied für die Mieter*innen, an wen sie Miete bezahlen, aber der Vermieter muss Einkommen aus Vermietung und Verpachtung versteuern und die Steuern gehen dann eben anteilig nach Stuttgart, BaWü und an den Bund. Nicht aber nach Berlin oder Leipzig.

Das Ferienquartier an der #Ostsee, wo wir ab und zu Urlaub machen, funktioniert genau so. #Ossis dürfen dort arbeiten. Im Hotel sind es Pol*innen.

Bitte hier die ganze Geschichte:

https://so-isser-der-ossi.de/2026/01/06/anne-rabe-die-pruegelstrafe-und-jugendwerkhoefe-und-die-unglaubliche-armut-in-der-ddr/#Kolonialisierung_und_okonomische_

18/ Wenn sich jemand für die Jugendwerkhöfe interessiert: Es gibt eine Wanderausstellung, die zur Zeit in Berlin ist.

In der Normannenstraße, der ehemaligen Stasi-Zentrale.

#DDR #Jugendwerkhof

https://www.bundesarchiv.de/ausstellungen/ausstellung/jugendstrafvollzug-in-der-ddr-berlin-11-12-2025-bis-11-02-2026/

„Jugendstrafvollzug in der DDR“

Die sogenannten „Jugendhäuser“ der DDR waren Gefängnisse für jugendliche Straftäter. Die Wanderausstellung beleuchtet auf 16 Tafeln sowie

Stasi-Unterlagen-Archiv

19/ Wir haben also in den vergangenen Tagen festgestellt, dass es sowohl in der alten BRD, als auch in der vergangenen DDR, als auch nach der Wende noch physische Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gab, obwohl das in der SBZ/DDR direkt nach dem Krieg für Schulen verboten war und auch für den privaten Bereich offiziell nicht als taugliche Erziehungsmaßnahmen eingestuft wurde. Im Gegensatz zur BRD, wo das lange noch höchstrichterlich als mögliche Erziehungsmaßnahme eingestuft wurde. Mitunter sogar als das Wesen der Erziehung.

In Studien nach der Wende haben weniger Ossis als Wessis angegeben von Gewalt betroffen gewesen zu sein.

Jetzt kann man noch gucken, wie die Erziehung insgesamt gewirkt hat. Etwas mehr Prügel auf der Westseite und Erziehung zum Individualismus vs. der ekelhaft übertriebene Kollektivzwang auf der anderen Seite.

Die Charité hat eine Studie zu #Narzissmus und #Selbstwertgefühl gemacht. Dabei kam heraus, dass Narzissmus im Westen weiter verbreitet war und das Selbstwertgefühl im Osten besser war. Erstaunlich, oder?

Passt nicht so ganz zu Anne Rabes These, dass im Osten alle zu heiß gebadet worden wären und dass deshalb alle Opfer zweier Diktaturen seien und Nazis wählen würden, ihre Kinder töten und in der Schule Amok laufen. Ich spitze hier zu, aber es sollte klar sein, dass die Schlussfolgerungen die Anne Rabe und entsprechende Journalist*innen gezogen haben, nicht haltbar sind.

https://www.charite.de/service/pressemitteilung/artikel/detail/foerdern_westliche_gesellschaften_die_auspraegung_von_narzissmus

Und nur wenn man ernsthaft über die Ursachen der Wahlergebnisse nachdenkt und sich nicht mit solchen Pseudoerklärungen zufrieden gibt, kann man das #noAfD-Problem lösen. Falls es nicht schon zu spät ist.

#DDR

Pressemitteilung-Detail: Charité – Universitätsmedizin Berlin

Pressemitteilungen der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Charité – Universitätsmedizin Berlin

20/ Hier könnt Ihr mal gucken, ob Ihr selbst narzisstisch seid:

https://www.klinik-friedenweiler.de/methoden/online-selbsttests/narzissmus-selbsttest/

Weiß nicht, welche Tests die Charité verwendet hat. Vielleicht ist das hier nur eine Spielversion.

Ansonsten möchte ich mal anmerken, dass die Betonung der Freiheiten des Individuums vielleicht auch Ursache für mangelnde Empathie und Neoliberalismus ist und letztendlich zum Untergang des Abendlandes führen könnte. Das was @muellertadzio #Arschlochisierung nennt.

Trotzdem möchte ich das FDJ-Studienjahr und die Pionier- und FDJ-Nachmittage nicht wiederhaben.

In Klaus Kurons sehr zu empfehlenden Roman „Krokodil im Nacken“ gibt es eine sehr systemtreue und nutznießende Familie. In dem Moment, als ihre Kinder in die Schule kamen, haben sie erkannt, wie das läuft und haben ihre Flucht geplant. Das ist ein sehr empfehlenswertes Buch. #Lesetipp

21/ Das hier noch zu 17/ und zum Thema #Kolonialismus und #DDR. Die Expertinnen meinen: Ja, kann man so sehen, dass das Kolonialismus ist.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/ostdeutschland-postkoloniale-perspektiven-auf-das-innerdeutsche-verhaeltnis-dlf-kultur-5c421ba3-100.html

Ostdeutschland - Warum man von Kolonialismus sprechen kann

Treuhand und West-Dominanz: Kolonialismus lautet der Vorwurf aus Ostdeutschland. Was sagen Vertreterinnen postkolonialer Theorie dazu?

Deutschlandfunk Kultur

22/ Mittwoch waren wir in der Normannenstraße, der ehemaligen Stasi-Zentrale. Es gibt dort eine kleine Ausstellung über Jugendhäuser. Das waren nicht die Jugendwerkhöfe, sondern Gefängnisse für Jugendliche. Man wollte die nicht mit den Erwachsenen zusammenstecken, damit sie da nicht Dinge lernten.

Diese Schautafel zeigt die 17jährige Connie, die eingesperrt wurde, weil sie eine Wand besprüht hatte. Eine Soliaktion für eine verhaftete #Punk-Band. Welche es war, stand nicht auf der Tafel, aber aus den Namen kann man ableiten, dass es Namenlos gewesen ist. #Leipzig

23/ „Freiheit für Jana und Mitⓐ und Ⓐ-Micha“

Die #Punk-Szene von 1983 war krass drauf. Mit offen staatsfeindlichen Texten. Konzerte natürlich ohne Auftrittserlaubnis, die man eigentlich gebraucht hätte. Alle, die offiziell auftreten wollten, brauchten eine Einstufung. Sie mussten Instrumente spielen können und die Texte wurden auch beurteilt. Ansonsten konnte man nur in Kirchen spielen.

Hier der Eintrag zu Mita Schamal.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mita_Schamal

Die Stasi arbeitete mit Zersetzungsmaßnahmen gegen die Bands. Die erste Generation wurde eingesperrt. Teilweise wurden auch Teile von Bands zum Wehrdienst eingezogen. #Gefahrenzone aus #Saalfeld zum Beispiel.

24/ Hier kann man 90 Minuten was dazu sehen. Auch mit Mita Schamal. Sie beschreibt die Konzerte in der #Erlöserkirche. Das Leuchten in den Augen, als sie beschreibt, wie die Hippies sie mit Steinen beworfen haben! Ich mag sie.

https://www.youtube.com/watch?v=9o8bT2nGmc0

#OstPunk #TooMuchFuture

Gerade in den letzten Jahren sind viele Dokus zum Thema erschienen.

Diese Aussage von #AnneRabe, es mangele doch an Aufarbeitung, geht mir so was von auf die Nerven!

Ostpunk Too much future-Punk in der DDR

YouTube

25/ Hier gibt es so eine Art Trailer mit der Szene:

https://www.youtube.com/watch?v=Gjz3v7g48j0

Auch mit Prof. Cornelia Schleime. #Osten #DDR #Punk #tooMuchFuture

ostPUNK! too much future (english subtitles)

YouTube

26/ Ich war in der Ausstellung mit einer ehemaligen Lehrerin. Sie hat mir erzählt, dass die Schulen, auf die Kinder mit Erziehungsproblemen kamen, den Namen #Makarenko trugen. In vielen Städten gab es solche Schulen.

Makarenko wurde in der DDR auch im #Pädagogik-Studium vermittelt. Makarenkos Erziehung funktionierte ohne Prügelstrafe.

Dafür irgendwie anders. Wie ist auf den Losungen auf dem Bild aus der Haftanstalt angedeutet.

„Wenn Du nichts weißt, lernst Du! Wenn Du lernst, helfen wir! Wenn Du nicht willst, zwingen wir Dich!“

Über Gewalt in den Haftanstalten konnte man auch lesen. Das war nicht im Sinne der Leitlinien Makarenkos.

27/ Hier kann man lesen, wie es mit dem Rechtsstaat und Eingaben aussah. Paradoxerweise ging dann irgendwann die #Stasi gegen #Gewalt vor.

#DDR

@stefanmuelller

Naja, wenn man daran sehen kann, wie es mit dem "Rechtsstaat" und "Eingaben" aussah, dann sehe ich, dass man für Eingaben nicht extra bestraft wurde oder sonstige Nachteile erlitt, die Grund wären, sich es gut zu überlegen, ob man eine Eingabe macht oder nicht.
Es sieht aber so aus, als ob lediglich die geringen Erfolgsaussichten gegen Eingaben gesprochen haben.

Nicht unbedingt ein Befund, den ich in bzw. von einem (ab-)geschlossenen System (Heim, Gefängnis, Armee) erwarten würde.

Als ich meine Eingabe in der NVA (Beschwerde über den Leiter des Med. Punktes) abgegeben habe, habe ich vermieden, mich danach irgendwo alleine, insbesondere im Dunkeln aufzuhalten, aus Angst vor Repression/Rache.

Ich würde auch heute im Rechtsstaat alleine auf einem Polizeirevier oder einer Gefängniszelle keine dicke Lippe riskieren oder Eingaben, Beschwerden oder Rechtsbehelfe anstrengen, solange ich denjenigen, über die ich mich beschweren will, schutzlos ausgeliefert bin.

In deinem Screenshot steht, dass sich die Verantwortlichen über die mit den Beschwerden/Eingaben verbundene Mehrarbeit beklagt haben, aber nicht, dass den Betroffenen das "Recht" zur Beschwerde abgesprochen haben oder darin nur unangebrachtes aufmüpfiges Verhalten gesehen haben. Sie wollte das nicht durch zusätzliche Strafen oder Sanktionen klären, sondern lieber "mündlich"!? Das steht da.

Und auch bei der abgefangenen Beschwerde ans DRK: "nur" eine Belehrung, dass es so nicht ginge und Zerreißen der Briefe. Da könnte ich mir schlimmere Reaktionen vorstellen.

@stefanmuelller Leider ist der Test leicht zu durchschauen, ich weiß, was ich anklicken muss, um einen niedrigen Scoren zu erhalten. Einige Fragen sind zu schablonenhaft und so nicht wirklich zu beantworten. Aber einige Fragen erinnern mich an eine bestimmte Person, die glücklicherweise schon sehr lange nicht mehr Teil meines Lebens ist.

@muellertadzio

@somlu1968 @stefanmuelller @muellertadzio

Stellt sich die Frage wem du den niedrigen Score dann vortäuschen möchtest bei einem Selbsttest?

@TheOneSwit Wenn es um Narzissmus geht? Ist das eine ernst gemeinte Frage?

Okay, wahrscheinlich wird ein*e funktionierende*r Narzist*in diesen Test eh nicht machen.
Und du muss das Narzist*in schon sehr dekompensiert sein, um nur auf die Hälfte der Fragen "ehrlich" zu antworten. Leider sind das die wenigsten, denn Narzissmus funktioniert gut in unserer Gesellschaft. Nicht umsonst gelten solche Menschen - leider - als schlecht bis kaum therapierbar.

@stefanmuelller @muellertadzio

@somlu1968

Also bei solchen Studien wird mit redundanten Fragen mit Negation gearbeitet. Auf diese Weise kann man dann Schummeleien evtl. entdecken. Aber wirklich tolle Narzist*innen checken das vielleicht auch. =:-) Müsste man mal in die Details der Studie oder der Anhänge reingucken.

@TheOneSwit @muellertadzio

@somlu1968 @stefanmuelller @muellertadzio

dass "außer dem eigenen narzistischen Ego" hatte ich mit Absicht weggelassen. 😉 Dass darf man ihnen nicht vorsagen.

@somlu1968

Zum Beispiel die hier: Wenn ich die perfekte Liebe schon gefunden habe? 🤷🏻‍♂️

@muellertadzio

@stefanmuelller ich kenne im direkten Umfeld 4 Leute, in deren Verwandtschaft mit Ostimmobilien Einnahmen generiert werden, Mietshäuser und Ferienobjekte. Das gönnerhafte dabei - "die Hausverwaltung und die Reinigungskräfte vor Ort würde man ja sehr gut bezahlen, im Vergleich zum ortsüblichen Einkommen."

@bemme51 Gegen die einzelnen Fälle ist ja gar nichts zu sagen und es ist auch ehrenwert, wenn Angestellte gut bezahlt werden.

Der Ausgangspunkt ist eine extrem ungleiche Vermögensverteiltung nach der Wende gewesen. Als mittelloser Ossi ohne (sicheres) Einkommen hätte man auch keinen Kredit bekommen, oder man wusste überhaupt nicht, wie das geht und wäre nicht auf die Idee gekommen in dieser Umbruchssituation.

Manche Städte sind einfach fast zusammengefallen und man braucht auch private Investor*innen, die das gefördert haben. Also kann der Osten dankbar sein, dass dafür Lösungen gefunden wurden. Erfurt, Halle, Leipzig wären sonst eingekracht. Jetzt sind sie wunderschön. Das finden Wessis dann auch immer schrecklich: Wir haben es Euch so schön gemacht und jetzt ist es Euch auch wieder nicht recht.

Aber die ganze Schönheit gehört nicht denen, die drin wohnen. Sie bezahlen dafür seit 30 Jahren und dadurch, dass das Geld in den Westen abfließt, wird das auch nie anders werden.

Das muss man bedenken, wenn man das Ost-Problem lösen will, aber unsere Ostexperten (Poutrus und Rabe) scheinen das nicht zu wissen.

Bundesweite Maßnahmen für den Ausgleich der Vermögensungleichheit würden dem Osten besonders helfen. Ein aus Erbschaftssteuern finanziertes Grunderbe zum Beispiel.

Aber dafür gibt es keine Mehrheit und unter anderem deswegen wird auch der Frust im Osten bleiben. Bis die AfD übernimmt aber dann wird sich natürlich auch nichts ändern.

@stefanmuelller Ja. An den betont guten Bezahlungen finde ich dieses mittransportierte "was wollt ihr denn noch?" schwierig.

Das Vermögen gehört halt i.d.R. nicht denen vor Ort. Diese Schieflage im Großen wird halt nicht gesehen und damit auch nicht, dass man Teil des Problems ist. Das man im Osten dann glücklich sein muss über die besser bezahlten Jobs macht das ja nicht wett. Es ist (überspitzt) ein "von Gnaden".

Alles nur meine Gedanken dazu, wie ich das so wahrnehme.

@stefanmuelller das ist ja sehr interessant. Danke. Dirk von fairspielen.de
@stefanmuelller gibt es das Bild irgendwo in lesbarer Auflösung? Der Text interessiert mich :)
@ulrike Ist im unter 11 zitierten Artikel enthalten. Sonst musst Du Dir den Bredel-Text besorgen. Ich könnte auch mal reingucken. Ich erinnere mich an eine Szene, in der ein Häftling um andere im Kreis rennen musste, währende die marschiert sind. Und in Kniebeuge hüpfen. Aber ich kann den Text in der Abbildung auch nicht entziffern. also weiß ich auch nicht, wonach ich suchen muss. Könnte man höchstens den Autor des Artikels fragen.

@stefanmuelller Der letzte Satz!

Diese Haltung begegnet einem immer wieder. 😖

@[email protected] Ein Aspekt: in der DDR sind viele in Regierungsämter gekommen, die erst von den Nazis verfolgt wurden, dann im Moskauer Exil den Stalinterror erlebten und dann unter der Erfahrung zweifacher Verfolgung selbst ein repressives Regime errichteten. Im Westen wurde Art 1 ins Grundgesetz geschrieben, aber dann hat die Demokratie sich weitgehend wieder schlafengelegt, bis FJS Augstein in einen Schrank steckte und Studierende in Betlin 1968 eine zahme Version von Paris 1968 aufführten, oder so.

@stefanmuelller Die ersten Konzentrationslager gab es schon 1933. Diese wurden noch von der SA, nicht von der SS geführt. Es waren keine Vernichtungslager, aber wie du schon geschrieben hast, wurde dort schlimm gefoltert.

Das perfide war, dass die Insassen und die Folternden sich persönlich "aus der Nachbarschaft" kannten, anders als später das anonymisierte töten.

Dies weiß ich, weil mein Großvater 1933 als Kommunist im KZ Kemna bei Wuppertal war und ich mich damit beschäftigt habe.

@Kastanie Danke!

Mein Großonkel war im KZ Lichtenburg, weil er Flugblätter vervielfältigt hatte. Er war in der Jugendorganisation der SPD.

https://so-isser-der-ossi.de/2024/02/25/nazis-im-westen-nazis-in-der-sed/

#AnneRabe vertritt ja einen #Kollektivschuld-Ansatz, der nach dem Krieg recht bald auch von den Alliierten aufgegeben wurde. Ich schreibe hier darüber:

https://so-isser-der-ossi.de/2024/02/25/weitere-kommentare-zu-anne-rabes-buch-eine-moeglichkeit-aber-kein-glueck/#Schuld_und_Blut

Da sind auch Gerichtsakten vom Verfahren gegen meinen Großonkel dabei. Wenn Du die von Deinem Opa noch nicht hast, kannst Du mal ne Anfrage starten. Irgendwo liegen die rum.

Mein Großonkel kam nach einem Jahr und neun Monaten wieder raus.

Wie man im ersten Blog-Beitrag lesen kann, gab es damals noch einen SS-Mann, der wegen seiner Brutalität von einem offiziellen deutschen Gericht verurteilt wurde.

@stefanmuelller
entschuldige, ich bin in diesen Beitrag quasi quer reingestolpert, Anne Rabe sagt mir gar nichts.

Von meinem Großvater habe ich aus dem arolsen-archives.org seine Gestapo-Akte bekommen. Das ist inzwischen viele Jahre her, dass ich mich damit beschäftigt habe. Sind die Gerichtsakten noch mal etwas anderes?

Er war auch noch in diversen anderen Haftanstalten, u.a. in der Koburg, er wurde immer mal wieder verhaftet und wieder entlassen. Am Ende des Krieges wurde er noch als Soldat eingezogen.

An den Folgen all dessen leiden wir bis heute.

#kzkemna #koburg #gestapo