@peer

„Wie kommst du darauf, dass die Beschäftigung mit der Frühlingssonate zugleich eine Beschäftigung mit Verbrechen in Babyn Jar war?“

Und hier zu #BabynJar. Ein Auszug aus dem Buch und aus meinem Blog. Der Name Babyn Jar kommt nicht vor und ich habe auch erst vor ein paar Jahren gelernt, was da genau gemeint war, aber es steht da: „Hauptmann Pritzker war vor seiner Einberufung zur Sowjetarmee Musikpädagoge am Konservatorium in Kiew. Er war verheiratet, hatte eine Tochter und einen Sohn, beide noch schulpflichtig. Im Jahre 1942 haben deutsche Soldaten der Hitler-Wehrmacht in Kiew Zehntausende Juden, Männer, Frauen und Kinder, zusammengetrieben wie Vieh und unweit der Stadt vor ihren Gräbern erschossen. Unter den Opfern befanden sich des Hauptmanns Frau und Kinder. Die Familie hatte am Abend, bevor Pritzker einberufen wurde, die #Frühlingssonate von Beethoven gespielt.“

Die Erzählung ist von dem Kommunisten #WilliBredel, dem offensichtlich nicht nur am Anpreisen des kommunistischen Widerstands gelegen war.

#Antifaschismus #DDR #Holocaust

@xriss

@xriss Guck mal bitte in den Blog-Post. Da ist das Geschichtslehrbuch der 9. Klasse drin und auch das Literaturlehrbuch. Vielleicht warst Du ja in beiden Fächern immer Kreide holen, aber die Frühlingssonate solltest Du auch gehabt haben. Da ging es um die Verbrechen der Wehrmacht in Babyn Jar.

https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Babyn_Jar

Das waren 33.000 Juden in 36 Stunden.

Im Westen war die #Wehrmachtsausstellung noch nach der Wende ein Riesenskandal. Was? Opa? Der war immer so lieb. Unmöglich!

Und die ganzen Straßennamen? Die Herbert-Baum-Oberschule in Berlin?

Klar haben sich die Kommunisten gefeiert. Wer will es ihnen verdenken? Sie haben die Nazis bekämpft und viele sind dafür gestorben. Die Foltermethoden, die #WilliBredel selbst erlebt hat, kannste in #DiePrüfung nachlesen. Aber es ist eben einfach nicht war, dass Juden und der Holocaust in der DDR nicht vorkamen. Oder guck Dir die Briefmarken an. Die Auflagenhöhe steht daneben:

https://so-isser-der-ossi.de/2019/09/01/der-ossi-und-der-holocaust/#Briefmarken

Irgendwer muss die gesehen haben, oder?

In den Anfangsjahren der DDR

11/ Bei der Beschäftigung mit #WilliBredel habe ich diese Karte gefunden. Sie zeigt Konzentrationslager umittelbar nach der Machtergreifung der #Nazis.

Mittag, Oskar. 2023. Die „Übersichtskarte über die Konzentrationslager, Zuchthäuser und Gefängnisse in Deutschland“ von 1936. Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte 63/64. 8–33.
https://www.akens.org/akens/texte/info/63/Mittag_Karte_web.pdf

Die KZs damals waren noch keine Vernichtungslager wie es sie später gab, aber man möge Die Prüfung von Willi Bredel lesen, der die Brutalität und die Folter durch SS-Angehörige beschreibt. Bredel war selbst in Fuhlsbüttel.

Diese Karte ist interessant, wenn man sich vor Augen führen möchte, wie viele Deutsche an den Verbrechen der Nazis beteiligt warne und was nach dem Krieg aufgearbeitet werden musste. Zum Ende des Krieges waren noch 550.000 Männer in der Waffen-SS organisiert. Viele Menschen auf allen möglichen Ebenen haben den Massenmord möglich gemacht und mitgetragen.

Die Aussage, in der DDR sei eine Aufarbeitung wie 1968 ausgeblieben, basiert auf einem Vergleich, der letztendlich die Verbrechen der Nazi-Zeit relativiert.

In der gesamten DDR-Zeit sind nach Auskunft des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags maximal 4000 Menschen aus politischen Gründen gestorben oder hingerichtet/ermordet worden. Mauertote eingerechnet. So genau weiß man das nicht, es handelt sich um eine Abschätzung nach oben. Es könnten auch nur einige Hundert gewesen sein.

Das alles in 40 Jahren DDR. Die Nazis (Wehrmacht) haben in Babyn Jar in 36 Stunden 33.000 Juden ermordet. Insgesamt hatten sie dann 80.000.000 Menschen auf dem Gewissen. Es ist klar, dass das ganz andere Dimensionen sind und dass das auch ganz anders aufgearbeitet werden musste.

In der DDR sind die Stasi-Unterlagen weitestgehend erhalten. Die wurden aufgearbeitet. Täter*innen wurden entlassen und wurden im Öffentlichen Dienst nicht eingestellt. #Regelabfrage. Die Selbstauskunft gibt es wohl immer noch.

IM-Tätigkeiten wurden unter Schmerzen aufgearbeitet. Das ging bis in Familien hinein. Künstler*innen, Musiker*innen wurden enttarnt.

Darüber gibt es Zeitschriftenartikel und Filme.

Die Subsumtion von Nazi-Deutschland und DDR unter zwei Diktaturen ist nur mal wieder eine Entlastung für den Westen.

1/ Hier Interview mit #JuliZeh. Ich war die letzte Woche mit #WilliBredel beschäftigt, so habe ich das fast verpasst. Aber heute sind erregte Leser*innenbreife in der taz, da hab ich's doch gelesen.

„Sie haben nicht das geringste Vertrauen in die herkömmlichen Parteien, weil es an allen Ecken und Enden an der simplen Grundversorgung fehlt: Bildung, Mobilität, Gesundheit, Pflege, bezahlbarer Wohnraum.“

Jo. Es ist ein bisschen kompliziert, wenn man darüber nachdenkt, wieso die Bahn 2.500 km Strecke im Osten stillgelegt hat. Haben sich halt alle ein Auto gekauft. Aber vor der Wende gab es eine #Oderburchbahn, es gab einen Theaterbus usw.

„Mir hat eine Frau erzählt, dass ihrer Tochter ein Schulplatz zugewiesen wurde, den sie kaum erreichen konnte. Es gibt ja nicht wirklich öffentlichen Nahverkehr bei uns. Das Mädchen musste x-mal umsteigen. Die Mutter wollte nicht, dass ihr Kind alleine bei Kälte und Dunkelheit am Bahnhof steht. Also hat sie es immer gefahren. Deswegen kam die Mutter jeden Tag zu spät zur Arbeit. Nach zwei Wochen wurde ihr gekündigt. Ein halbes Jahr später haben sie doch noch einen Schulplatz etwas näher zum Wohnort bekommen, Gott sei Dank. Aber der Job der Mutter war weg. Dass Menschen, die so etwas erleben, AfD wählen, wundert mich nicht.“

Ich bin in der ersten Klasse von Frankfurter Allee nach Buch in die Schule gefahren, weil klar war, dass wir nach Buch ziehen würden, aber die Neubauten noch nicht fertig waren. Die mütterliche Liebe ist vielleicht etwas übertrieben, aber so einen Nahverkehr möchte man schon haben. Wird leider von der #AfD auch nicht kommen.

„taz: Moment mal. Die AfD-Wähler hier im Dorf erwarten nichts mehr von der liberaldemokratischen Regierung, aber die Demokratie an sich finden sie gut?“

(Lieberaldemokratische Nachtigall ick hör Dir trapsen. Die Frage kam sicher von #PeterUnfried.)

„Zeh: Ja, selbstverständlich. Das sind doch zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Die Leute, die AfD wählen, die wollen ja zum Teil sogar mehr Demokratie. Die wollen mehr Plebiszite, mehr Einfluss des Volkes. Die sind der Meinung, dass ein großer Teil der Bevölkerung ihre Auffassung teilt, zum Beispiel bei der Kritik an Zuwanderung, und dass die sogenannten Eliten in Wahrheit undemokratische Institutionen sind. Aus dieser Sicht haben die Eliten die Pressefreiheit eingeschränkt und einen homogenen medialen Diskurs geschaffen. Die Eliten treffen angeblich Entscheidungen, die nicht vom Volk getragen sind. Sie machen eine Top-down-Politik im Land, obwohl sie demokratisch gewählt sind.“

Der Soziologe Steffen Mau sagt auch, dass Bürgerräte das Ost-Problem lösen helfen können.

Wir haben diverse verschiedene Mega-Probleme, die alle eventuell durch Bürgerräte, durch Änderungen an unseren demokratischen Strukturen gelöst werden können. Nur will die CDU das gerade nicht mehr. Was irgendwie absurd ist, weil Schäuble und Köhler (beide CDU) große Fans (Schirmherren) waren.

https://www.taz.de/!6137251

Juli Zeh über Nachbarn, die AfD wählen: „Ich bin nicht der Heldinnen-Typ“

Viel wird geredet über die, die für die AfD stimmen, Schriftstellerin Juli Zeh lebt mit ihnen im Dorf. Ein Gespräch über Rechtspopulisten, Talkshows und durchtanzte Nächte.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

1/ Hab ich in den letzten Tagen gelesen: „Die Prüfung“ von #WilliBredel.

Bredel war ein Kommunist und ist 1933 im KZ #Fuhlsbüttel in „Schutzhaft“ gesperrt worden. Er war erst in Dunkelhaft, dann in Einzelhaft, denn in einem 40-Mann-Saal. Er beschreibt in dem Roman seine Zeit im KZ, die Folter durch SS-Männer.

Er beschreibt das Leben im Lager. Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden. Er beschreibt die politische Situation und die Diskussionen der Gefangenengruppen untereinander.

Er beschreibt die Brutalisierung der SS-Mörder.

Wie durch ein Wunder wurde er 1934 entlassen. Er beschreibt, wie er mit sich gerungen hat, ob er weiter politisch aktiv sein soll oder nicht.

Bredel ist dann nach Prag geflohen und hat dort den Roman aufgeschrieben. Der wurde in London veröffentlicht.

So gab es 1934 bereits einen ersten Bericht über deutsche KZs.

3/ Ich habe jetzt „Das schweigende Dorf“ von #WilliBredel gelesen.

Es geht um einen KZ-Zug, ein Dorf und darum, was in dem Dorf Ungeheuerliches passiert ist. Angeregt von einer wahren Begebenheit, aber nicht ganz den historischen Tatsachen entsprechend. Aber es zeigt: Es wurde von hohen #DDR-Funktionären (Bredel war im ZK) über #Nazis in der SBZ/DDR gesprochen.

Könnt Ihr hier lesen:

https://so-isser-der-ossi.de/2025/12/25/willi-bredel-das-schweigende-dorf-schuld-und-nazis-im-osten/

1/ „Während des Krieges machte #Bredel Propaganda für die Sowjetunion und versuchte als Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland Wehrmachtssoldaten zum Aufgeben zu bewegen.“

Ehm, wir haben die Rolle des #NKFD immer anders gesehen. Ausrutscher in der taz?

https://www.taz.de/!6138385

#WilliBredel

Kulturkampf-Vorwürfe in Hamburg-Nord: Der Kommunist ist nicht mehr opportun als Namenspatron

Die Deutschland-Koalition in Hamburg-Nord will einer Geschichtswerkstatt den Saft abdrehen. Der Namensgeber Willi Bredel ist ihr plötzlich suspekt.

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