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Mehr als Agitprop-Prosa aus dem Schwarzen Block
Buch ĂŒber antifaschistische Architektur: Was ist antifaschistisches Bauen? Die US-Architekturforscher Daniel Jonas Roche und Andrew Santa Lucia haben dazu ein spannendes Buch veröffentlicht.
Ein gigantisches Hakenkreuz, das von Arbeitern mit Schaufeln und MotorfrÀsen gewaltsam zerstört wird. Das plakative Wandrelief, das der damals 31 Jahre alte Bildhauer und Designer Isamu Noguchi 1935 im Abelago Rodriguez Markt in Mexiko-Stadt schuf, entspricht dem populÀren Bild der klassischen Antifa: die Proletarier, die sich entschlossen den finsteren MÀchten von Kapitalismus und Faschismus entgegenstellen.
âEs geht um die Abkehr von der objektbezogenen Architektur, Bauen sei im Sinne Beuysâ soziale Gestaltungâ
Werk und Leben Noguchis, eines SchĂŒlers Constantin BrĂąncuÈis, der 1952 in Hiroshima auch das âMemorial to the Atomic Deadâ schuf, ist eines von zwanzig Beispielen, die Andrew Santa Lucia, Design- und Architektur-Professor an der School of Architecture der Portland State University in Oregon, und Daniel Jonas Roche, Redakteur des fĂŒhrenden US-Fachblattes The Architectâs Newspaper und Dozent der New School in New York, in einem so ungewöhnlichen wie spannenden Band zusammengestellt haben.
Das Autoren-Duo beschreibt darin ein Feld, von dem viele nicht einmal wissen dĂŒrften, dass es ĂŒberhaupt existiert: âAntifaschistische Architekturâ. Dass sie darunter die Architektin Margarete SchĂŒtte-Lihotzky, die berĂŒhmte Erfinderin der âFrankfurter KĂŒcheâ, aber auch den antikolonialen WiderstandskĂ€mpfer Abderrahmane Bouchama, den âVater der algerischen Architekturâ, oder Lin Huyin, die erste Architektin des modernen China nach Mao Zedongs Kulturrevolution, subsumieren, verdankt sich ihrer weiten Definition von Antifa.
Den Terminus verstehen sie als âumbrellaâ-Begriff fĂŒr die âmilitante Linkeâ vom Sozialismus ĂŒber den Anarcho-Syndikalismus bis zum Trade-Unionismus. Deswegen sind in ihrer Beispiel-Liste auch so unterschiedliche Bauten wie der 1930 eröffnete Karl-Marx-Hof, eine Gemeindebau-Ikone des âRoten Wienâ, enthalten. Sie zĂ€hlen aber auch die Oakland Community School dazu, die die Black Panther Party 1973 in Kalifornien eröffnete, oder Aldo Loris Rossis brutalistische Casa del Portuale fĂŒr die Dockarbeiter im Hafen von Neapel.
Die SchwĂ€che der US-Architekten fĂŒr Albert Speer
Das Buch ist ein antifaschistischer Weckruf, der zur rechten Zeit kommt. Sein Impuls erwĂ€chst aus der Kritik der Autoren an dem zeitweiligen LiebĂ€ugeln der zeitgenössischen Architektur mit den formalen QualitĂ€ten der NS-Architektur: Die SchwĂ€che der US-Architekten Peter Eisenman und Philip Johnson fĂŒr Albert Speers Neue Reichskanzlei und die 1932 bis 1936 erbaute âCasa del Fascioâ des italienischen Architekten Giuseppe Terragni. Ăber ihre starke These, dass sich das Echo dieser (spĂ€ter bereuten) Bewunderung faschistischer Ăsthetik noch in der Markenarchitektur Ă la Rem Kohlhaas finden lĂ€sst, wird zu streiten sein.
Auch wenn Formeln der Autoren wie âcommunist maximalismâ so klingen, ihr elektrisierender Essay ist alles andere als Agitprop-Prosa aus dem Schwarzen Block. SouverĂ€n amalgamieren die Wissenschaftler Architekturgeschichte und -theorie, Philosophie und Politische Ăkonomie zu einer Art Standardwerk antifaschistischer Ăsthetik. Eine akademische Pionierleistung, PflichtlektĂŒre nicht nur fĂŒr kritische UrÂbaÂnisÂt:inÂnen jedweder Provenienz, die ganz neue Dimensionen eröffnet.
Was das ausgezeichnet belegte, mit Lane Ricks roten Kreidezeichnungen reich illustrierte und im Sinne der Laibachâschen Ăberaffirmation faschistischer Ikonologie in Frakturschrift ĂŒbertitelte Werk so nĂŒtzlich macht, ist, dass es nicht bei einem defensiven Kampfbegriff stehenbleibt, sondern ein theoretisches Konzept ihres Feldes umreiĂt.
Architektur als umfassende soziale Gestaltung
In dessen Zentrum steht die Abkehr von der objektbezogenen Architektur. Die Autoren verstehen Architektur, ganz im Sinne von Beuys, als umfassende soziale Gestaltung. Lucia und Roches Desiderate eines an âcareâ, âcommunityâ, âsurvivalâ oder âreuseâ orientierten Bauens schlieĂen dabei nahtlos an aktuelle Debatten an. Ob diese neue Art Architektur, die den Autoren vorschwebt, gegen den (Neo-)Faschismus heutiger Tage reicht, wĂ€re mehr als einen zaghaften Versuch wert.
Andernfalls mĂŒsste die antifaschistische Linke auf die EntwĂŒrfe Alphonse Laurencics zurĂŒckgreifen. Der französische Maler und Architekt, der als Freiwilliger zu den Republikanern im Spanischen BĂŒrgerkrieg gestoĂen war, wurde im Juli 1939 von Francos Schergen exekutiert. Sein Verbrechen: Er hatte GefĂ€ngniszellen fĂŒr FaÂschisÂt:inÂnen entworfen, deren Architektur auf den surrealistischen Bildern Salvador DalĂs und des Bauhaus-KĂŒnstlers Wassily Kandinsky basierte.
Daniel Jonas Roche und Andrew Santa Lucia: âAntifascist Architectureâ. Mit Illustrationen von Lane Rick. Park Books, ZĂŒrich 2026, 256 Seiten in englischer Sprache. 39 CHF. Dieser Beitrag erschien zuerst bei taz.de, hier mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag.
"Kathleen Neal Cleaver: Inspired by women of the civil rights movement, Cleaver joined other women as influential members of the Black Panther leadership. (Photo) Cleaver addresses the congregation of the Unitarian Church, San Rafael, Calif."
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From: Women in the #BlackPanther Party: A roundtable, International Socialist Review, Winter 2016-17
"What I think is distinctive about gender relations within the Black Panther Party is not how those gender relations duplicated what was going on in the world around us. In fact, that world was extremely #misogynist and #authoritarian. Thatâs part of what inspired us to fight against it. When women suffered hostility, abuse, neglect, and assaultâthis was not something arising from the policies or structure of the Black Panther Party, something absent from the worldâthatâs what was going on in the world. The difference that being in the Black Panther Party made was that it put a woman in a position when such treatment occurred to contest it." - #KathleenCleaver.
https://isreview.org/issue/111/women-black-panther-party/index.html
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