Jetzt ist der Denkmalschutz gefordert
Weil das neue Wohngebiet im nördlichen Teil des Mauerparks angeblich nur von der Wedding-Seite her erschlossen werden kann, sollen ein Teil der Stützwand des Gleimtunnels und die Gleim-Oase genannte Mittelinsel einer neuen Zufahrtsstraße weichen. Das Bezirksamt bastelt an entsprechenden Bebauungsplänen. Doch die könnten sich bald erledigt haben. Wie […]
https://weddingweiser.de/die-kolumne-hoffnung-fur-die-gleim-oase/📌 Bauvorhaben am Ortsrand
Ein Bauherr konnte nicht beweisen, dass das Grundstück zur zusammenhängenden Bebauung (Innenbereich) gehört – ein einzelnes Gartenhaus reicht nicht aus. Gerichtlich gilt daher das Grundstück als Außenbereich und das Vorhaben als unzulässig.
#Baurecht #Innenbereich #Außenbereich #Bebauung
#Verkehr
Staus.
U.a. weil ein riesiges Einkaufszentrum gebaut wurde, das Straßennetz in gr. Teilen so blieb, wie vor dem Bau. Und das funktioniert nicht.
#Stadtplanung #Bebauung
Statt alte Gebäude abzureißen, werden Lücken zugebaut. #Kaltluftschneisen, wegen der #Klimakrise (heiße Sommer usw.) so wichtig, fehlen dann. Sportplätze/Grüngebiet (Spazierwege) fielen weg, weil dort gebaut wurde/wird. Über Schrottimmobilien wird politisch viel geredet, sie sind aber da.
Artenvielfalt, Kleingärten, Verkehr und Wasser in Späthsfelde
Teil der Diskussions- und Informationsveranstaltung des BUND Berlin zum Dreieck Späthsfelde im Rahmen der Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ war auch ein kleiner Rundgang durch das Gebiet. Vier Stationen widmeten sich den Themen Artenvielfalt, Kleingärten, Verkehr und Wasser.
Lebensraum für Amphibien
Station Eins des Rundgangs durch Späthsfelde ist eine eingezäunte Grünfläche an der Chris-Gueffroy-Allee. Nur der Schilfbewuchs verrät, dass sich hier ein Gewässer befindet. Es ist einer von mehreren Teichen, die als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme beim Bau der Teltowkanalautobahn A113 angelegt worden sind. „Wir haben hier mindestens vier verschiedene Amphibienarten, von denen wir wissen“, sagt Nadine Gamrath von der Stiftung Naturschutz Berlin. Dazu gehörten die „typischen Arten“ Teichfrosch und Teichmolch. „Die kommen hier auch in den Kleingärten vor.“
Zusätzlich kommen in diesem Kleingewässer, das als Ersatz-Laichhabitat angelegt worden ist, Knoblauchkröten vor. „Darüber sind wir sehr glücklich, weil Knoblauchkröten zu den streng geschützten Arten gehören“, sagt Gamrath. „Das ist etwas Besonderes.“ Zudem seien auf Flächen auf der anderen Straßenseite der Chris-Gueffroy-Allee Einzeltiere der Erdkröte nachgewiesen worden.
Amphibien leben sehr versteckt
Da Amphibien sehr versteckt lebten sei es sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Arten vorkommen, die einfach noch nicht nachgewiesen sind.
Jeder kann mit dem Artenfinder der Stiftung Naturschutz Berlin seinen Beitrag für den Naturschutz leisten. Fünf einfache Schritte – entdecken, fotografieren/Ton aufnehmen, bestimmen, erfassen und von Expert*innen bestätigen lassen – sorgen dafür, dass auch Laien bei der Dokumentation mithelfen können, die Ergebnisse aber auch fachlich valide sind.
Gerade Kleingärten, die nur rund drei Prozent der Fläche Berlins ausmachen, seien ein wichtiger Lebensraum für Amphibien, erläutert Gamrath. „Sie haben ganz verschiedene Strukturen. Hecken sieht man ganz oft. Holzstapel, alles mögliche. Und damit bilden sie ein kleines Mosaik an Lebensräumen für verschiedenen Arten“, sagt die Expertin. „Gartenteiche können eine wichtige Rolle spielen.“ Allerdings nur, wenn keine Fische in ihnen leben, da sie den Amphibienlaich fressen.“
Amphibien sind als sehr sensible Arten aus unterschiedlichen Gründen stark gefährdet. Der Klimawandel spielt eine Rolle, aber auch die Zerschneidung von Naturflächen durch Bebauung oder Verkehrswege. Die Tiere wandern viel zwischen ihrem Landhabitat und ihren Gewässern oder auch zwischen verschiedenen Gewässern. Daher ist es besonders wichtig, relativ große Grünflächen in der Stadt zu erhalten“, sagt Nadine Gamrath.
Kleingärten in Gefahr
Nur wenige Schritte weiter berichtet Ramona Schneider, 1. Vorsitzende der Gartenfreunde Treptow, von der Situation der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner in Späthsfelde. Station Zwei ist ein Weg in der Kleingartenkolonie Baumfreunde. „Weiter vorne ist die Siedlung X, nebenan die Kleingartenanlage Pritzer Allee. Gegenüber ist dann Gemütlichkeit 3, Harmonie, Holunderbusch weiter hinten“, sagt Schneider.
Genau an der Stelle, wo der Weg verläuft soll nach Vorstellungen des Senats eine vierspurige neue Hauptstraße verlaufen. Einst als Südost-Verbindung (SOV) bezeichnet, wird sie nun „Verkehrliche Lösung Späthsfelde“ genannt. Von der Autobahn-Ausfahrt Späthstraße mindestens bis zur Kreuzung Baumschulenstraße und Königsheideweg soll sie führen und den Haken abschneiden, den Späthstraße und Neue Späthstraße derzeit machen.
„Wenn es dazu kommt, dann sind hier keine Gärten mehr von der Kolonie Baumfreunde. Die fallen alle dem Bau zum Opfer. Auch in den Anlagen Britzer Allee und Lerchenhöhe würden wegfallen“, berichtet Schneider. „Also müssen wir alle zusammenhalten und kämpfen, dass wir alle unsere Gärten behalten können“, sagt sie.
Kleingärten als sozialer Ort
Eine Planierung der Kleingärten wäre „überhaupt nicht akzeptabel“, sagt Schneider. „Denn für viele ist ihr Garten so ein bisschen ihre kleine Heimat. Man kennt sich. Und wenn das jetzt auseinandergerissen wird, ist eine große Lücke für viele“, führt sie aus und fügt an: „Das würde mir genauso gehen.“ Weitere Kleingärten würden für den geplanten Wohnungsbau wegfallen.
„Wir reden hier ja auch von Klimaerwärmung. Wir reden von Umwelt. Wir reden von Erhalt der Natur. Und dafür kämpfen wir auch im Bezirksverband. Wir lassen hier keinen allein. Wir kämpfen gemeinsam und ziehen an einem Strang“, sagt Schreiner. Unklar sei zudem, ob die Pächterinnen und Pächter auch noch für die Beräumung ihrer Grundstücke zahlen müssten.
Autolawine schon jetzt
An Station Drei, einen Steinwurf von der Kreuzung Späthstraße/Baumschulenstraße/Königsheideweg entfernt, referiert Harald Moritz vom Fußverkehrs-Fachverband FUSS e.V. über die aktuelle Verkehrssituation und die Senatsplanungen. Zwischen 23.000 und 26.000 Kraftfahrzeuge täglich seien bei den letzten Zählungen auf der Baumschulenstraße registriert worden, berichtet er.
„Wir haben aber ein großes Verkehrssicherheitsproblem, gerade für Radfahrer und Fußgänger, da es für sie in dem ganzen Gebiet eigentlich gar keine Infrastruktur gibt. Der Nahverkehr steht natürlich mit den Buslinien auch im Stau“, sagt Moritz. Die Kreuzung Chris-Geffroy-Allee und Spätstraße sei im Jahr 2024 auch ein Unfallschwerpunkt gewesen.
50-Meter-Schneise durch Kleingärten
Für den Fall, dass tatsächlich 4000 Wohnungen in Späthsfelde gebaut werden sollen, würde auf der neuen Straßenverbindung auch eine Straßenbahntrasse angeordnet. „Die Planer gehen von einer 50 Meter breiten Trasse für Autospuren, Rad- und Fußgängerwege, Tramgleise und das sogenannte Straßenbegleitgrün aus“, sagt Moritz.
Moritz rechnet vor: 2000 Wohnungen mit durchschnittlich je zwei Bewohnern entsprechen statistisch 12.000 Wegen pro Tag, wenn man durschnittlich drei Wegen pro Bewohner und Tag zugrundelegt. In Treptow-Köpenick werden 26 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt, berlinweit 22 Prozent. Moritz rechnet mit einem Autoverkehrsanteil von einem Viertel der Wege, was 3000 zusätzlichen Autofahrten pro Tag entspräche. Bei 4000 Wohnungen müssten die Zahlen verdoppelt werden.
Die Straßen sind voll
„Die Baumschulstraße verträgt auf keinen Fall noch mehr Verkehr“, sagt Moritz. Von daher werde auf die SOV verwiesen. „Über die haben wir vor 30 Jahren schon gesprochen. Und in 30 Jahren werden wir immer noch drüber reden“, so der Experte. Angesichts der Finanznöte und zahlreicher anderer kostspieliger Straßenbauprojekte des Senats, Ost- und Westumfahrung Köpenick oder TVO, glaubt er nicht an eine absehbare Realisierung. Und unterstreicht: „Ich halte die TVO so oder so für verkehrt.“
„Man könnte etwas gegen die Belastung in der Baumschulenstraße machen. Man macht es aber nicht“, stellt er fest. Allein schon dadurch, die Freigabezeit für Rechtsabbieger von der Minna-Todenhagen-Brücke auf die B96a Richtung Innenstadt zu reduzieren.
Auf dem größten Gewässer Berlins
Zur Wassersituation in Späthsfelde referiert am Königsheideweg schließlich Christian Schweer vom Wassernetz Berlin. Es ist die vierte und letzte Station des Rundgangs. Ein paar Meter tiefer liegt das „Grundwasser Untere Spree“, das größte Gewässer Berlins, „und gleichzeitig ein Gewässer, auf das auch die EU achtet, dass das gut geschützt ist“, wie Schweer erläutert.
Angesichts der geringen Niederschläge in Berlin – weniger als in Barcelona oder Neapel – sei insbesondere die Schwammfunktion des Bodens als Wasserspeicher sehr wichtig, so Schweer. „Wenn uns das Wasser fehlt, dann fehlt uns auch irgendwann das Trinkwasser“, sagt er.
Es betrifft aber auch die grundwasserabhängigen Lebensräume. Dazu zählt der angrenzende Wald Königsheide, aber auch die Teiche im Gebiet, die eigentlich von Grundwasser gespeist werden.
Auch im Grundwasser ist Leben
„Wo Wasser ist, ist Leben. Da ist die Vielfalt, da sind zum Beispiel bedrohte Amphibien. Was die wenigsten aber wissen, dass das Grundwasser auch selbst lebt. Und das ist so wichtig, weil das Grundwasser-Ökosystem dafür sorgt, dass das Wasser rein bleibt. Das ist wie eine biologische Kläranlage.“, erläutert Schweer.
Genauso wichtig sei, dass der Boden Wasser weiter durchsickern lasse. „Wir haben hier vor allen Dingen sehr kleine Lücken, die schnell verstopfen. Die Tiere im Grundwasser sorgen mit den Mikroorganismen dafür, dass das Wasser versickern kann, dass es sich weiter bewegen kann, aber auch wieder aufsteigen kann. Und auch, dass die ganzen krankmachenden Keime, die wir auch im Wasser haben, in Schach gehalten werden“, sagt Schweer.
Aufwändige Suche nach Leben
Die Suche nach Leben im Grundwasser ist aufwändig, berichtet der Experte. Zehn bis 15 Untersuchungen seien manchmal nötig, um fündig zu werden. Das ist in Späthsfelde inzwischen gelungen. „Solange wir auch nicht wissen, wie es unseren Tieren geht, wenn wir jetzt hier noch weiter versiegeln“, fordert Schweer. Zumal Versiegelung zu einer weiteren Erwärmung des Grundwassers führt – eine Gefahr für das besonders empfindliche Leben im Boden.
Rückstände aus der Industriegeschichte in Oberschöneweide finden sich auch in Späthsfelde im Grundwasser, darunter Zyanide und Lösungsmittel. „Wir haben selbst bei Untersuchungen festgestellt, dass es Kupfer ein Problem gibt. Und was schon auch erschreckend war, dass wir selbst Mikroplastik unten in 25 Metern Tiefe gefunden haben“, berichtet Schweer. „Also man merkt, da ist schon einiges im Argen.“
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Das Dreieck Späthsfelde ist zu wertvoll für Bebauung
Das Interesse ist groß. Rund 60 Interessierte versammeln sich am späten Dienstagnachmittag zur Informations- und Diskussionveranstaltung unter dem Titel „Wie wertvoll ist das Dreieck Späthsfelde?“ an den Späth’schen Baumschulen in Treptow-Köpenick.
Seit der Wende ist Späthsfelde immer wieder im Gespräch für unterschiedliche Bebauungen, sogar ein Hafen war hier einst vorgesehen, erinnert Andrea Gerbode, 1. Vorsitzende der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN), bei der Begrüßung der rund 60 Interessierten vor der Späth-Villa.
Doch nun konkretisieren sich die Senatspläne für eine Bebauung der rund eine Million Quadratmeter großen Fläche mit Kleingärten, Wiesen, Feldern, einem Arboretum und der Späth’schen Baumschule. 2000 bis 4000 Wohnungen und Gewerbeflächen sollen laut den Vorstellungen der Stadtentwicklungsverwaltung entstehen. Als „Dreieck Späthsfelde“ ist es inzwischen eines der 24 neuen Stadtquartiere. Mit einer 2021 erlassenen Vorkaufsrechtsverordnung will sich der Senat die Flächen sichern. Werden Grundstücke verkauft, hat das Land somit nun das Erstzugriffsrecht.
Hier ein Steckbrief (PDF) des Dreiecks Späthsfelde
„Als Naturschutzverbände haben wir uns auch schon damals positioniert gegen eine Bebauung. Und wenn man gegen etwas ist, ist man natürlich auch für etwas: nämlich für den Erhalt dieser strukturreichen Flächen“, sagt Andrea Gerbode. Sie seien eingebettet in historische Relikte der ursprünglichen Landschaft, wie der Königsheide oder dem Heidekampgraben. Mit dem Bau der Teltowkanalautobahn A113 habe es auch schon eine „erhebliche Inanspruchnahme von Lebensräumen“ gegeben.
140 Hitzetote in Berlin allein 2025
Die Informations- und Diskussionsveranstaltung in Späthsfelde ist Teil der BUND-Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt“, sagt Verena Fehlenberg, Stadtnaturschutz-Referentin des BUND Berlin. „Wir hatten zwischen 2022 und 2024 über 600 Hitzetote und selbst in diesem Sommer gingen laut einer Londoner Studie in Berlin 140 Hitzetote auf das Konto erhöhter Temperaturen infolge der Klimakrise“, sagt sie.
„Gleichzeitig verschwinden die grünen Freiflächen in Berlin“, sagt Fehlenberg. Beispielsweise Parks, Gewässerufer, Friedhöfe, Bahnrandflächen, Wald und auch Kleingärten. „Auch die Senatsumweltverwaltung beschreibt, dass der Verlust von grünen Flächen in Berlin und die Versiegelung ursächlich ist für den Artenschwund in Berlin“, so die Expertin weiter. So steht es zum Beispiel in der aktuellen Fassung der Berliner Strategie für biologische Vielfalt.
„Wir haben außerdem das Problem, dass sich immer mehr Menschen immer weniger Grün teilen müssen. Das führt zu Stress“, unterstreicht Fehlenberg.
Neuer Wohnraum ja – aber nicht so
„Natürlich brauchen wir bezahlbaren Wohnraum in Berlin“, stellt sie klar. Sie kritisiert allerdings die Art und Weise, wie gebaut wird. Selten werde nach Alternativflächen gesucht, die weniger Naturzerstörung verursachen würden. Auch werde nicht unbedingt flächensparend gebaut. „Wir haben circa 1,7 Millionen Quadratmeter Bürofläche, die leer steht“, nennt sie eines der Potenziale, um ohne Neuversiegelung Wohnraum zu schaffen. Also alles Potenziale, die man erstmal nutzen könnte.
„Bisher war es so, dass der Neubau nicht wirklich dazu beigetragen hat, dass die Mieten gesunken sind. Ganz im Gegenteil, die Mieten sind weiter gestiegen“, spricht Fehlenberg auch die soziale Komponente der Wohnraumversorgung an.
Treptow-Köpenicker Stadträtin ist gegen Senatspläne
„Seit 2021 beschäftige ich mich intensiv auch mit dem Dreieck Späthsfelde und das durchaus sehr kritisch“, sagt Claudia Leistner, Stadträtin für Stadtentwicklung, Straßen, Grünflächen und Umwelt in Treptow-Köpenick. Es gebe durchaus viel Wohnungsbau im Bezirk, so die Grünen-Politikerin. „Wir haben in diesem Jahr die 300.000 Einwohnerinnen- und Einwohnermarke geknackt.“
„Das Dreieck Späthsfelde sehe ich aus vielerlei Gründen kritisch. Und das habe ich dem Senat auch immer wieder sehr deutlich gemacht, dass ich das kritisch sehe. Zum einen ist das hier aus meiner Sicht kein klassisches Entwicklungsgebiet. Wir haben hier die gewachsenen Kleingärtenanlagen“, sagt Claudia Leistner.
„Wir verlieren Kleingartenanlagen, die für die Menschen nicht nur eine ökologische Funktion erfüllen, sondern die ja auch eine ganz wesentliche soziale Funktion erfüllen“, so die Stadträtin. „Wir als Bezirk setzen uns dafür ein, dass die Kleingartenanlagen erhalten bleiben. Nicht nur hier, sondern auch an anderer Stelle.“
Freiflächen sind wertvoll
Man setze sich im Bezirk „sehr intensiv mit dem Thema Freiflächen“ auseinander, sagt Leistner. Aktuell werde die „Strategie Grün“ erarbeitet. Wenn immer mehr Wohnungsbau entstehe, brauche es die Freiflächen für die Erholung der Menschen, aber auch als Hitzeschutz. Ebenso angesichts zunehmender Starkregenereignisse und längerer Trockenperioden.
Die Späth’schen Baumschulen seien ein „Wahrzeichen des Bezirks“, zudem sei die Verkehrsanbindung „sehr schwierig“ – die Späth- und Baumschulenstraße sind überlastet. „Und dafür gibt es bisher aus meiner Sicht auch ehrlicherweise keine Lösung. Und auch nicht eine Lösung, die ich bisher in den Plänen gesehen habe, die seitens des Senats gezeigt werden. Und das haben wir auch immer in den Gesprächen deutlich gemacht, dass wir das sehr kritisch sehen“, so Leistner weiter.
„Auch wenn wir eine kritische Haltung zu dem Gebiet haben, halte ich es für richtig, dass wir uns als Bezirk mit einbringen, damit wir auch gehört werden, damit wir unsere Haltung mit einbringen können“, sagt Claudia Leistner.
Die Stadträtin skizziert schließlich die Vision des Bezirks Treptow-Köpenick für Späthsfelde: „Wir sehen die Möglichkeit zum einen darin, dass man diese Flächen nutzt als potenzielle Ausgleichsflächen, nämlich für Wohnungsbau an anderer Stelle. Wir sehen durchaus auch eine gewerbliche Entwicklung, aber entlang der Autobahn. Das ist auch so in unserem Wirtschaftsflächenkonzept hinterlegt.“
Verkehrslösung muss Mobilitätsgesetz entsprechen
Man habe immer gesagt: „Eine verkehrliche Anbindung muss dem Mobilitätsgesetz entsprechen. Das heißt, es muss ausreichend Platz für Rad- und Fußverkehr sein und sie muss vor allem das Gebiet entlasten. Es kann nicht sein, dass das Gebiet immer weiter belastet wird.“
Die Späth’schen Baumschulen seien „wirklich ein kulturelles, ökologisches Highlight hier bei uns im Bezirk. Wir als Bezirk stellen uns dahinter und sagen: Die müssen erhalten bleiben.“
Leistners Fazit: „Ich glaube, dass es sinnvoll ist, Wohnungsbau woanders entstehen zu lassen.“
Gebrochene Senatsversprechen
Gert Schoppa, Präsident des Landesverbands Berlin der Gartenfreunde, drückt zunächst seine Freude aus, dass die Position des Bezirks Treptow-Köpenick und der Kleingärtner ähnlich sein. „Denn ich habe immer erklärt, dass wir uns nirgendwo in der Stadt gegen eine Entwicklung in dieser Stadt stellen.“
„Es muss sozial und ökologisch gerecht zugehen“, sagt Schoppa. Der zweite Entwurf der Voruntersuchungen der Senatsstadtentwicklungsverwaltung entspreche jedoch „in keiner Art und Weise dem, was uns noch letztes Jahr zum Tag des Gartens an gleicher Stelle vom zuständigen Stadtentwicklungssenator zugesichert und versprochen wurde“. Senator Christian Gaebler (SPD) hatte zugesichert, dass die Kleingärten nicht angetastet werden.
Unsichere Kleingärtensicherung
Schoppa kommt auf das Kleingärtensicherungsgesetz zu sprechen, dessen Entwurf vom Senat bereits beschlossen und bereits dem Rat der Bürgermeister vorgelegt worden ist. Die Bezirksbürgermeisterinnen und -bürgermeister teilten die Forderung der Gartenfreude, „eine unglückliche Formulierung im Gesetzentwurf nochmal zu präzisieren“.
Das Gesetz soll Kleingartenflächen in Eigentum des Landes weitgehend vor Bebauung schützen, mit der Ausnahme von Flächen mit „fortgeschrittenen Planungen“, was einen weiten Auslegungsraum ermöglicht. Der Kleingartenverband fordert eine Präzisierung, dass es dabei nur um Flächen mit so konkreten Bauplänen gehen darf, dass eine Öffentlichkeitsbeteiligung laut Baugesetzbuch vorgeschrieben ist. „Das ist hier noch nicht der Fall im Späth’schen Dreieck“, sagt Schoppa. „Aber die Verwaltung ist nun auf die Idee gekommen, das vielleicht noch zu ergänzen mit der Bemerkung, es trifft auch nicht zu auf alle die Flächen, wo es Vorkaufsrechtsverordnungen gibt“, so Schoppa weiter. Die gibt es für Späthsfelde bekanntlich seit 2021.
„Es geht hier natürlich um Ökologie, es geht um Naturschutz, es geht um viel Biodiversität in diesem Gebiet. Aber es geht vor allen Dingen eben auch um die sozialen Strukturen, die nicht zerstört werden dürfen. Denn der Mensch gehört zur Natur und zur Umwelt dazu“, sagt Gert Schoppa.
Teil zwei des Berichts finden Sie hier!
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Tempelhofer Feld: Symbol für Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung in Berlin
Die Auftakt-Veranstaltung zur BUND-Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ gegen die Bebauung von Freiflächen in Berlin am Freitagnachmittag ist auf reges Interesse gestoßen. Thema war der Wert des Tempelhofer Feldes. Die Veranstaltung fand unter freiem Himmel auf den Flächen des Gemeinschaftsgartens Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld statt. Zahlreiche Interessierte verfolgten die Informationsbeiträge und die Podiumsdiskussion und konnten sich mit eigenen Fragen in die Diskussion einbringen.
Zu Gast waren die Stadtentwicklungsexperten der Grünen- und der SPD-Fraktion, Julian Schwarze und Mathias Schulz, zudem Sebastian Bartels, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Prof. Dr. Aletta Bonn, Berliner Landesbeauftrage für Naturschutz und Landschaftspflege sowie Andrea Gerbode, Vorsitzende der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN). Moderiert wurde die Runde von Tilmann Heuser, ehemaliger Geschäftsführer des BUND Berlin und Tempelhofer-Feld-Experte. Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Gabi Jung, Geschäftsführerin des BUND Berlin.
Naturschutz nachrangig bei Planungen
„Wir als Naturschutzverbände müssen bei der Beteiligung von Planvorhaben immer wieder feststellen, dass die Ziele des Natur- und Umweltschutzes, so wie sie ja eigentlich im Landschaftsprogramm vorgesehen sind, in der Planung weggewogen werden“, sagte Andrea Gerbode, Vorsitzende der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz.
Dass auch das Konzept der sogenannten Ausgleichsflächen letztlich nicht den Verlust an grünen Fleiflächen durch Bauprojekte kompensieren kann, erläuterte Gerbode am Beispiel des St.-Thomas-Friedhofs an der Hermannstraße. Der sei umgewidmet worden zu einer Grünfläche als Ausgleichsmaßnahme für den Bau des kürzlich eröffneten 16. Bauabschnitts der A100 zum Treptower Park.
Flächenverlust bedroht Artenvielfalt
„Aber im Ergebnis haben wir natürlich einen Flächenverlust. Wir haben einen Verlust an Biodiversität. Und wir haben natürlich keinen Ausgleich, sondern einfach nur eine Umwidmung einer Fläche“, verdeutlichte Gerbode. Und kam auf die Folgen zu sprechen: „Dieser Flächenverlust ist natürlich der Hauptgrund, warum Wildtiere und Pflanzen in Berlin aussterben. Davon betroffen sind und auf der Rote Liste stehen 75 Prozent der Amphibienarten, 40 Prozent aller Bienen- und Wespenarten und 30 Prozent aller Pilzarten.“
Tempelhofer Feld – auch ein Symbol für direkte Demokratie
„Das Tempelhofer Feld an sich ist mehr als eine Grünfläche. Und das ist auch das, worüber ich heute sprechen möchte“, sagte Anita Möller vom Vorstand der Initiative 100% Tempelhofer Feld e.V. „Es ist nämlich auch ein Symbol für die direkte Demokratie, für die Bürgerbeteiligung und für das Bürgerengagement in dieser Stadt. Und auch für das Vertrauen in Politik. 2014 haben wir den Volksentscheid gehabt, in dem eine klare Mehrheit gesagt hat, das Feld bleibt unbebaut“, führte sie aus.
„Seitdem sehen wir aber immer wieder das gleiche politische Muster: Der Volksentscheid wird relativiert und ignoriert. Es gibt Beteiligungsverfahren, Dialogwerkstätten, Ideenwettbewerb. Jedes Mal wird sich pro Feld ausgesprochen. Und trotzdem gibt es den Reflex einer ständigen Bebauung“, so Möller weiter.
Feld ist noch wertvoller geworden
„Die Zeit ist aber seit 2014 nicht stehen geblieben. Das Feld ist einfach noch wertvoller geworden. Es ist beliebter denn je. Die Besucherzahlen haben sich verdreifacht. Und an Tagen wie heute und auch ohne Events sind hier bis zu 90.000 Menschen“, berichtete Möller
„Eine Teilbebauung ist nicht möglich, weil dann zerstört man das gesamte System des Tempelhofer Feldes“, unterstrich sie. „Das Hauptproblem, das wir haben, ist, dass der Volksentscheid unterlaufen wird. Und das ist ein Angriff auf die Glaubwürdigkeit der Politik.“
SPD will Bebaaung weiter prüfen
Als einzige Person auf der Bühne sprach sich der SPD-Politiker Mathias Schulz für die Prüfung einer Teilbebauung des Tempelhofer Feldes aus. „Wir reden nicht über eine großflächige Randbebauung, wie das möglicherweise mal vor zehn oder noch länger Jahren der Fall gewesen ist. Ich finde, der Begriff Randbebauung löst auch ein Fehlbild, ehrlicherweise, aus“, sagte Schulz.
„Ich glaube auch, dass es irreal ist, dass das Feld einen relevanten Beitrag zur Entspannung der Wohnungsmarktsituation beiträgt, weil niemand darüber vorschlägt, hier 15.000 Wohnungen zu bauen“, so Schulz weiter. „Das würde ich auch nicht machen, weil ich es falsch finde. Aber da, wo es einen S-Bahnhof gibt, mit einer hohen Verdichtung, heute bereits in Tempelhof, mit einer guten Anbindung an den Verkehr, kann man über einen untergeordneten Beitrag möglicherweise etwas von Kompromiss reden.“
Im Verlauf der Diskussion ordnete Schulz das Tempelhofer Feld als eine langfristige Option für möglichen Wohnungsbau ein. „Wir haben hohe Flächenreserven in der Stadt, deswegen reden wir hier auch ja nicht, dass hier der nächste Bagger rollen soll, das ist ja völlig verrückt. Wir reden über Perspektiven von 15, 20 Jahren, noch länger hinaus.“ Es handele sich um „Perspektiven – da bin ich wahrscheinlich gar nicht mehr im Abgeordnetenhaus, wo hier überhaupt mal eine Realisierungsoption sein könnte.“
Senat muss Bürgerbeteiligung sicherstellen
Zudem erklärte er, dass nun der Senat am Zuge sei, die versprochene Bürgerbeteiligung bei einer Entscheidung über mögliche Wohnungsbaupläne zu gewährleisten. „Die Frage, ob was gemacht wird, ist ja gar nicht entschieden. Auch der Ideenwettbewerb war nicht dafür da, überhaupt zu entscheiden. Die Bürgerbeteiligung muss jetzt noch kommen, das ist vereinbart worden und dabei warte ich auch ein bisschen auf den Senat, was er dann Vorschläge macht. Das ist aber das, was vereinbart ist, dass wir natürlich den Volksentscheid, den es gibt, respektieren. Wir haben immer gesagt, wir werden das nicht mal eben im Parlament beschließen. Das ist auch nicht das, was vereinbart ist und deswegen warte ich auf den Vorschlag vom Senat, wie er das lösen möchte. Jetzt sind nur die Ziele da, was man sich vorstellen kann, ob das kommt, ist offen“, so Schulz wörtlich.
Grüne stabil gegen Bebauung
„Wir lehnen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes ab und sprechen uns für die 100-Prozent-Variante des bisherigen Gesetzentwurfes aus“, unterstrich Julian Schwarze gleich zu Beginn seines Redebeitrags. Er ist stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Es kann natürlich sein, dass in 10 Jahren, in 15 Jahren, in 5 Monaten die Stadtgesellschaft zusammen sagt, hier müssen wir einen Halbsatz ändern, weil da irgendwie was ermöglicht werden muss im Sinne einer Grünflächennutzung“, erklärte er.
Zur Debatte um eine Teil- oder Vollbepflanzung des Feldes mit Bäumen stellte er allerdings klar: „Es ist auch ein Naturraum, der in der Wiesenlandschaft nicht funktioniert, wenn ich da einen Wald draufpflanze. Und das hätte auch einen Effekt auf das Stadtklima. Weil es sich zwar als Wiesenfläche, wenn es wie heute sehr heiß ist, aufheizt, aber dann halt auch sehr schnell wieder abkühlt. Und das Tempelhofer Feld auch eine Frischluftschneise für die Stadt ist, die ich auch zerschneide, wenn ich an die Ränder Wohngebäude hinstelle.“
Großprojekte tragen wenig zum aktuellen Bedarf bei
„Es wird überall gebaut, es gibt große Baufelder, aber es wird so gut wie nichts fertig. Das ist jetzt auch gar kein Vorwurf, es ist einfach nur eine Feststellung“, sagte Sebastian Bartels, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins und führte als Beispiel das geplante Stadtquartier Blankenburger Süden an. „Ein großes Baufeld, das schon seit vielen Jahren in der Planung, in der Mache, in der Bürgerbeteiligung ist, da sollen 2029 die ersten Wohnungen bezugsfertig sein.“ Bis dahin vergingen also immer noch über vier Jahre. „Daran sieht man, dass die großen Baufelder in Berlin jetzt aktuell bei dem Bedarf, den wir haben, wenig nützen. Ich sage nicht gar nichts, aber sie nützen wenig.“
„Wir müssen eben in der Bestandsentwicklung weiterkommen. Also dort müssen die Lücken geschlossen werden, da muss der Abriss verhindert werden von leistbarem Wohnraum, da müssen versiegelte Flächen bebaut werden. Ja, die müssen tatsächlich auch gebaut werden, weil da jetzt Autos stehen und die nützen niemandem.“ Es gehe um ein Potenzial von zehntausenden Wohnungen in umnutzbaren Gewerbegebäuden allein innerhalb des S-Bahn-Rings. „Abriss muss verhindert werden, da entsteht nämlich nichts, was Sie und ich mir leisten könnten.“
„Wir brauchen diese symbolische Bebauung nicht“, so Bartels Fazit. „Unser Blick richtet sich eher so, oder meiner, wie Sie möchten, auf das riesige Gebäude.“
Naturkühlschrank Tempelhofer Feld
„Das Tempelhofer Feld ist tatsächlich die kälteste Fläche in ganz Berlin nachts und natürlich nicht tagsüber. Da ist dann so etwas wie ein Tiergarten, der bewaldet ist, wesentlich kühler. Deswegen unterstützen wir das als Fachbeirat auch, dass die Ränder tatsächlich Aufenthaltsqualität durch Gestaltung durch Grünflächen und vielleicht auch blaue Flächen haben können“, sagte Prof. Dr. Aletta Bonn, Berliner Landesbeauftrage für Naturschutz und Landschaftspflege.
Die kühlende Funktion des Feldes würde verloren gehen, wenn man hier Bäume pflanzen würde. Man braucht offene Flächen und auch Brachen. Bonn sehe den häufig negativ konnotierten Begriff Brache als sehr positiv an. „Ich zähle schon die ganze Zeit, wie viele Schmetterlingsarten ich hier sehe. Das ist einfach fantastisch. Das würde man sonst nicht haben.“
„Was mich auch fasziniert und weswegen ich gerne Berlinerin bin und was mich wirklich anrührt, ist, dass die Berliner für ihre Grünflächen eingestanden haben“, sagte sie mit Bezug auf den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld. „Deswegen verstehe ich absolut das Argument, dass man sagt, wenn man daran rüttelt, das wäre ein absoluter Vertrauensverlust in die Politik.“
Der Central Park Berlins
„Man würde auch in New York nicht sagen, beim Central Park, naja, da könnte man so ein paar Häuser hinbauen. Dieses Tafelsilber sollten wir nicht zerstören. Das Tempelhofer Feld ist sowas wie der Central Park von Berlin“, verdeutlichte Bonn. „Und man sollte darauf stolz sein und das auch international feiern und auch wie hier gemeinsam Grünflächen gestalten wird und wie hier zum Beispiel auch positive Impulse rausgehen.“
Prof. Dr. Aletta Bonn thematisierte auch ein weiteres großes Versiegelungsprojekt in der Stadt: den geplanten Bau der Hochleistungsstraße TVO durch die Wuhlheide: „Möchte man noch einen Hitzedolch in die Stadt bauen? Möchte man noch mehr Autos in der Stadt haben? Trägt das zur Gesundheit, zur langfristigen, resilienten, gesunden Stadtentwicklung bei?“, fragte sie.
Leerstelle Flughafengebäude
Mehrere Redner*innen sprachen auch auch das in großen Teilen ungenutzte und unsanierte Bestandsgebäude des Flughafens Tempelhofs im Speziellen und im Allgemeinen die äußerst geringe Quote an Umnutzungen von Bestandsgebäuden.
„Da fehlt es unseres Erachtens nach schon an maßgeschneiderten Förderprogrammen. Die Bezirke müssten tatsächlich auf die Eigentümer zugehen. Aber auch der Senat müsste erstmal Förderprogramme auflegen“, sagte Sebastian Bartels vom Berliner Mieterverein. „Klar, Geld ist knapp, aber es wäre für einen guten Zweck. Denn was dort entstehen könnte, wäre dann nicht mehr auf der grünen Wiese nötig. Und insofern könnte man sogar diese Fördermittel binden oder knüpfen an eben sozial leistbare Mieten.“
Praktisch erläutert Grünen-Politiker Julian Schwarze, warum Umnutzungen nicht nur beim Tempelhofer Flughafengebäude nicht energisch angegangen werden: „Weil es einfacher ist, eine freie Fläche zu bebauen, als einen Bestand umzubauen oder mit einzelnen Lösungen in komplizierte Umgebungen reinzugehen ist es für viele immer reizvoller zu sagen, da kann ich vom Reißbrett planen, da steht nicht irgendwas im Wege, da ist nicht irgendein altes Gebäude, mit dem ich mich befassen muss.“ Es sei „sehr viel sinnvoller, den Bestand umzubauen“ und er frage sich auch „seit einer Weile, warum über das Tempelhofer Feld immer schön diskutiert wird und das Gebäude dann immer so stiefmütterlich an die Seite geschoben wird“.
In seinen Augen ein großer Fehler: „Das wird hinten raus nur noch teurer und in der Situation, in der wir jetzt sind, ist es noch fataler, diese Ressourcen nicht anzugehen und zu überlegen: Was geht?. Vielleicht ist sogar auch als Modellprojekt zu sehen, wie kombinieren wir das mit einem Denkmalschutz, der dem Klimawandel gerecht wird und nicht umgekehrt.“
Für SPD-Politiker Mathias Schulz liegt die unterlassene Nutzbarmachung vor allem am Berliner Geldmangel. „Das betrifft mehrere Großprojekte des Landes, das ICC ist auch so ein Ding, was hier an rumsteht, weil das Land kein Geld dafür hat, um es zu sanieren.“ Er sei gespannt, was im laufenden Wettbewerbsverfahren für eine private Beteiligung am ICC herauskomme. Für das Flughafengebäude sei ein Finanzierungsbedarf von über zwei Milliarden Euro für Sanierung und Herrichtung ermittelt worden. Dabei sei nur ein Bruchteil der Flächen im Gebäude überhaupt nutzbar.
Bauausstellung als Chance für eine resiliente Stadt
Aletta Bonn sieht in der für das Jahr 2034 ins Auge gefassten Internationalen Bauausstellung (IBA) eine große Chance, dieses Defizit in der Berliner Stadtentwicklung anzugehen. Am Donnerstag habe es dazu einen Workshop der Senatsstadtentwicklungsverwaltung gegeben. Man solle zum Beispiel im Rahmen der IBA einen Architekturwettbewerb für eine Nutzung des Flughafengebäudes andenken, schlägt sie vor, – „da gibt es dann ja auch Gelder“.
„Auf der grünen Wiese bauen, das ist ja einfach, das kann jeder, kann jede IBA“, sagte Bonn. „Wir wollen was Besonderes machen in Berlin, wir gehen in die Flächen, die eben gerade schwierig sind, wo es zum Beispiel Umweltgerechtigkeitsprobleme, Klimaprobleme gibt und so weiter“, schwebt ihr als generelle Ausrichtung der IBA vor. „Das heißt ja nicht immer, dass man irgendwas neu baut. Man kann umbauen und man kann aber auch Grünflächen, blau-grüne Infrastruktur bauen, damit unsere Stadt zukunftsresilient und vor allen Dingen auch absolut lebendig und lebenswert bleibt, auch bei einem sich erhitzenden Klima.“
Für SPD-Mann Mathias Schulz wäre eine Bauausstellung „eine wunderbare Chance“, wenn man sie richtig aufsetzt. Die Transformation der Stadt müsse eine „zentrale Rolle“ bei so einer IBA spielen. „Die Flächen, die versiegelt sind, die untergenutzt sind und so weiter und so mehr, die müssen angeschaut werden, wie wir da Stadt weiterentwickeln können“, unterstrich er. „Und das betrifft nicht nur Parkplatzflächen, das betrifft möglicherweise sogar ganze Straßen und auch ehemalige Autobahnen in der Stadt.“ Man könne „ruhig mutiger vorausdenken: Diese ehemalige A104 braucht eigentlich kein Mensch und da können wir uns durchaus Stadt weiterentwickeln und ein neues Stadtquartier entwickeln, wo wir auf versiegelten Flächen Wohnungen errichten. Der Rest wird begrünt und Freiraum sein.“
Gemeinschaftsgärten nicht dauerhaft gesichert
„Es gibt keinen anderen Ort in der Großstadt, in der Metropole, wo man sagt, ich gehe aufs Feld“, sagte zum Abschluss der Veranstaltung Kristin Hensel, Sprecherin des Vereins Allmende-Kontor. Bis auf die drei derzeit auf dem Feld existierenden seien keine weiteren Allmendegärten entstanden. „Würden mehr und mehr diese Flächen oder auch Almendegärten oder Gärten allgemein in der ganzen Stadt entstehen, glaube ich, wir wären also eine zufriedenere Stadt„, so Hensel weiter.
„Die urbanen Gärten, auch hier auf dieser Fläche, sind nach wie vor temporär. Wir haben zwar Wurzeln geschlagen, aber wir haben immer noch nur Jahresverträge. Also wir sind hier ebenfalls nicht gesichert“, berichtete sie. „Wir halten auf unserem Vereinskonto immer Rücklagen für einen möglichen Rückbau. Das ist der Zustand von urbanen Gärten, die in keinen Flächenkataster geführt sind, die immer nur temporär sind und die als erste sozusagen verschwinden, wenn irgendwelche Interessen kommen.“
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