Stolperfallen des Denkens

Überraschungen tauchen oft genau dort auf, wo die Intuition versagt. Unerwartete Ereignisse wirken dann spektakulär, obwohl sie sich mit einfachen statistischen Überlegungen erklären lassen.

Der Zufall spielt, wir interpretieren.

Viele Situationen, die spontan ungewöhnlich erscheinen, erweisen sich bei genauer Betrachtung als typische Ergebnisse zufälliger Abläufe.

Das alles habe ich in einem mitreißenden Vortrag von Kit Yates, Mathematiker und Dozent an der University of Bath, auf einer Veranstaltung im Herbst in Liverpool bereits erfahren. Wir hatten sein erstes Buch: „Warum Mathematik fast alles ist“ bereits 2021 auf FlugundZeit beschrieben. Yates live zu erleben ist nochmal eine andere Dimension.

Aber es gibt für alle die Chance, klug oder klüger zu werden mit seinem jüngsten Buch: How to Expect the Unexpected werden.

Ein Blick aufs Unwahrscheinliche

Wie lässt sich Zukunft vorhersehen, wenn Unsicherheit der Normalfall ist? Das Buch führt in die Logik des Zufalls ein und zeigt, wie schwer es fällt, komplexe Entwicklungen mit simplen Erwartungen zu erfassen.

Yates verbindet in seinem Werk Überlegungen aus Wahrscheinlichkeitstheorie, kognitiver Psychologie mit realen Beispielen, um den LeserInnen ein Gefühl dafür zu geben, wo Intuition versagt und wann rationale, mathematische Einsichten hilfreich sein können.

Tipp
Zahlreiche Beispiele mit Fotos gibt es im Vortragsbericht von Flugundzeit. Denn Abbildungen im Buch sind leider eher spärlich vorhanden.

Viele im Buch beschriebenen Beispiele stammen aus Alltagsmomenten, die vertraut wirken: das überraschende Zusammentreffen zweier Menschen mit demselben Geburtstag; ein Fußballteam, das erst glänzt und kurz darauf einbricht; ein Börsenkurs, der scheinbar eine klare Richtung hat und plötzlich ins Gegenteil umschlägt. Solche Episoden bilden den Ausgangspunkt für eine Betrachtung, wie leicht sich spontane Eindrücke durch Zufall und Datenstrukturen täuschen lassen.

Wenn seltene Ereignisse plötzlich häufig werden

Ein zentrales Motiv ist die Frage, warum manche Zufälle viel unwahrscheinlicher erscheinen, als sie sind. Der klassische Geburtstagsfall zeigt das besonders deutlich: Schon in einer Gruppe von 23 Personen liegt die Wahrscheinlichkeit für ein gemeinsam geteiltes Datum knapp über fünfzig Prozent – eine Zahl, die viele intuitiv weit niedriger einschätzen würden. Durch solche Beispiele wird sichtbar, wie stark Erfahrungen von gefühlten Grenzwerten geprägt sind und wie wenig das Bauchgefühl mit realen Verteilungen zu tun hat.

Das Spiel mit kurzfristigen Trends

Das Buch greift Szenen aus Sport und Finanzwelt auf, um den Blick auf zufällige Schwankungen zu schärfen. Ein Basketballspieler, der mehrere Körbe am Stück erzielt, wirkt sofort wie jemand in überragender Form. Statistisch zeigt sich jedoch oft, dass solche Serien vor allem aus normalen Streubereichen entstehen.

Ähnliches gilt für Aktienkurse: Ein Chart, der an drei Tagen steigt, wirkt wie ein klarer Trend, obwohl viele solcher Bewegungen in breiten Schwankungszonen völlig gewöhnlich sind. Die Beispiele zielen darauf, den Abstand zwischen Interpretation und Datengrundlage sichtbar zu machen.

Kleine Stichprobe, große Wirkung

Besonders prägnant sind Passagen, in denen kleine Stichproben zu falschen Schlüssen führen. Ein bekanntes reales Beispiel sind vermeintlich auffällige Krankheitscluster in kleinen Ortschaften. Für Bewohner wirken solche Häufungen alarmierend; statistisch betrachtet treten extreme Werte in kleinen Populationen jedoch wesentlich häufiger auf als in großen. Dies zeigt, wie stark Wahrnehmung und statistische Struktur auseinanderliegen können.

Wenn Zahlen ihre Bedeutung wechseln

Ein weiteres Thema betrifft die Wirkung unterschiedlicher Zahlenformate. Ein Risikoanstieg um „20 Prozent“ wirkt sofort bedrohlich. Sobald die gleiche Information in absoluten Zahlen erscheint – etwa ein Anstieg von fünf auf sechs Fälle –, verändert sich das Bild deutlich.

Solche Verschiebungen zeigen, wie sehr Entscheidungen und Einschätzungen davon abhängen, wie Daten präsentiert werden. Das Buch nutzt mehrere medizinische und alltagsnahe Beispiele, um diese Verzerrungen nachvollziehbar zu machen.

Es ist ein zentrales Anliegen vin Kit Yates, den vertrauten, aber trügerischen Mechanismen unserer Intuition nachzugehen. Viele alltägliche Vorhersagen — etwa das Wetter, Sportergebnisse oder wirtschaftliche Trends — beruhen auf linearen Annahmen oder „Bauchgefühlen“, obwohl die zugrundeliegenden Systeme nicht-linear, komplex und oft chaotisch sind.

Dieser lineare Denkfehler, also die Annahme, dass sich Entwicklungen einfach fortsetzen, wird als eine der grundlegenden kognitiven Beschränkungen beschrieben, die zu falschen Erwartungen führt.

Muster, die keine sind

Besonders frappierend ist, wie stark Menschen dazu neigen, in zufälligen Ereignissen Ordnung zu vermuten. Beispiele beschreiben, wie leicht Menschen Muster erkennen, wo keine sind, und wie unser Gehirn dazu neigt, Zufälligkeiten als kausale Zusammenhänge zu interpretieren.

Auch an den aufgeführten historischen Irrtümern, Aberglauben und modernen Vorhersageversuchen kann man sehen, wie schnell Vorhersagen scheitern, wenn sie nicht auf objektiven, mathematischen Grundlagen beruhen.

Yates zeigt in vielen unerwarteten Beispielen, wie leicht sich Korrelationen mit Kausalitäten verwechseln lassen.

Korrelation: gleiche Änderungen, aber unzusammenhängend.

Beispiel: Im Sommer sterben mehr Menschen beim schwimmen. Mehr Menschen essen Eis im Sommer.
Schlussfolgerung: Man ertrinkt leichter, wenn man Eis isst.
Zwei unabhängige Ereignisse, die fälschlicherweise verknüpft werden.

Kausalität: Ursache-Wirkung.

Künstler malt Bild. Bild ist daraufhin vorhanden.
Hier könnte man einen Pfeil zur Illustration von Ereignis 1 zu Ereignis 2 machen.

Mathematik als Orientierung

Die Stärke des Buches liegt in der Vermittlung mathematischer Einsichten, die ohne Fachvokabular auskommen. Sie erscheinen hier nicht als Spezialwissen, sondern als nützliche Perspektiven auf die Welt. Es schärft den Blick für diese Denkfehler ohne moralische Belehrung. Man staunt über die Beharrlichkeit, mit der der menschliche Geist Vorhersagbarkeit herbeiwünscht.

Gerade in Zeiten, in denen komplexe globale Ereignisse und datengetriebene Entscheidungsprozesse unseren Alltag prägen, liefert dieses Buch Anstöße, Vorhersagen nicht unreflektiert zu übernehmen.

Vermittlung und Stil

Trotz der Vielzahl mathematischer Bezüge bleibt die Sprache leicht. Die Kapitel verbinden statistische Ideen mit kurzen Geschichten, die den Einstieg erleichtern. Manche Abschnitte bieten eher eine Sammlung anschaulicher Episoden als eine streng analytische Vertiefung.

Die zahlreichen Beispiele bilden eine Art Werkzeugkasten, mit dem sich alltägliche Einschätzungen über Risiko, Zufall und Muster neu kalibrieren lassen.

Maßvolle Skepsis

Nach der Lektüre (oder auch dem Vortrag in meinem Fall) begegnet man Vorhersagen mit noch größerer Vorsicht. Man sieht, wie begrenzt selbst ausgefeilte Modelle bleiben und wie wichtig es ist, schnelle eigene Annahmen zu hinterfragen.

Konkrete Handlungsanleitungen stehen dabei weniger im Vordergrund als eine Denkhaltung, die Unsicherheit mit einbezieht.

Für wen ist das Buch geeignet

  • Erstens für alle Kit Yates Fans, die sein fundiertes, in lockerem und humorvollem Stil dargebrachtes Wissens schätzen.
  • Für Leserinnen und Leser, die sich für die kognitiven und mathematischen Grundlagen von Prognosen interessieren und verstehen wollen, warum unser Blick auf Zukunft und Risiko so oft trügerisch ist.
  • Für Leserinnen und Leser, die häufiger über Wahrscheinlichkeiten stolpern, ohne sich in Fachsprache verlieren zu wollen. Viele Aha-Momente beim Lesen entstehen aus der Erkenntnis, dass ein intuitiv „unwahrscheinlicher“ Zufall oft nur das Ergebnis normaler Verteilungen ist.
  • Für alle, die sich die Hilfen für Einschätzung, was wahr und was Wunschvorstellung ist, aneignen wollen.

Weihnachtsempfehlungen 2025

(Links werden ergänzt sobald der Beitrag veröffentlicht ist)

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Verschiedene Zeiten

Irgendetwas war da los auf dem Bahnhof Rüti. Wir waren nachmittags, nach zwei Uhr, unterwegs und warteten auf unseren Zug, der um 14:24 auf Gleis 3 fahren würde. Die S15 nach Niederweningen auf dem Gleis jedoch, sie war auf 12:21 angekündigt. Was genau? Wieso genau? Und warum stand nichts davon, dass er zwei Stunden verspätet wäre?

Ehrlich gesagt verstehe ich das nicht so ganz. Es konnte sich selbstverständlich um einen Defekt handeln, aber viel wahrscheinlicher war:

Auf jenem Perron herrschte damals grad eine andere Zeitzone als hier bei uns …

#14Uhr #anders #Bahnhof #defekt #herrschen #irgendetwas #Nachmittag #Perron #Rüti #verschieden #verschiedeneZeiten #Verspätung #verstehen #wahrscheinlich #Zeitzonen #Zug

Ha ha, nette Idee Vonovia, allerdings ist die Frage wer für euch reich ist. Wahrscheinlich jeder der sich die Mieten von Vonovia und Co. leisten kann. 🤪 #vonovia #vodoofia #ichbinreich #wahrscheinlich https://www.n-tv.de/wirtschaft/Grossvermieter-fordern-neues-Mietrecht-article24573317.html
Reiche brauchen keinen Schutz: Großvermieter fordern neues Mietrecht

Die deutschen Wohnungsriesen beklagen die Fesseln des Mietrechts. Nicht alle Mieter brauchen Schutz, erklären die Chefs von Vonovia und Saga. Besserverdiener sollten in Zeiten der Knappheit nicht günstige, staatlich geförderte Wohnungen blockieren dürfen.

n-tv NACHRICHTEN

#Türkei - #Erdogan unter 50 Prozent – Stichwahl #wahrscheinlich

Bei der Präsidentschaft in der Türkei zeichnet sich eine #Stichwahl ab.

https://www.deutschlandfunk.de/erdogan-unter-50-prozent-stichwahl-wahrscheinlich-100.html

Türkei - Erdogan unter 50 Prozent - Stichwahl wahrscheinlich

Bei der Präsidentschaft in der Türkei zeichnet sich eine Stichwahl ab.

Die Nachrichten
"regnet es heute" fragte ich #Alexa. "Wahrscheinlich nicht" antwortet sie. Es sei nir eine 48%ige Wahrscheinlichkeit um 16:00. Guess what? Natürlich hat es geregnet. Aber aus 48% ein "#Wahrscheinlich nicht" abzuleiten, ist schon eigenartig.
Was einen Angriff der Türkei auf Griechenland wahrscheinlich macht – und was dagegen spricht

Erdoğan droht offen mit einem Angriff auf den Nachbarstaat. Vieles erinnert an die Tage und Wochen vor dem Ukraine-Krieg

heise online

#Zettelkästen. #Maschinen der Phantasie.
Ein #Katalog zu einer Ausstellung von 2013

Die #Nationalbibliothek hat leider kein #Inhaltsverzeichnis zu diesem Werk #verfügbar und kaufen kann man diesen #Ausstellungsband / #Sammelband nirgends. Unter diesen #Bedingungen lohnt sich bereits für das #Inhaltsverzeichnis die #Präsenznutzung eines #Buch​es in einer #öffentlich​en #Bibliothek, weil die einzelnen #Artikel #wahrscheinlich auch #separat #auffindbar sein dürften.

Am Wochenende kehrt die drittklassigste Liga zurück: die 3. Liga. Warum sich das Einschalten trotzdem lohnt und welche Teams sehr wahrscheinlich und am Ende doch nicht aufsteigen – verraten wir hier.
Es geht schon wieder los
#ende #wahrscheinlich #aufsteigen #drittklassigste #liga #kehrt #teams #verraten
Es geht schon wieder los

Was ihr wirklich zum Re-Start der 3. Liga wissen müsst

11FREUNDE

#Normen sind eine #Zumutung insofern sie einen #Zwang #darstellen, mit den #Konsequenz​en sie zu #befolgen oder sie nicht zu #befolgen #zurechtkommen zu #müssen.

Sie lassen sich nicht #ignorieren, weil sie sich als #Norm​en dadurch #auszeichnen, dass die #Sanktion​ierung ihrer #Übertretung #soziale #Verfolgung erfährt. Es wird #beobachtet, indem es #bekannt #gemacht wurde und die #Denunziation ist #wahrscheinlich, weil sie #Erfolg in #Aussicht im #soziale​n #Verstehenszirkel;