Artemis II: Einmal um den Mond – und zurück
53 Jahre nach Apollo kehrten Menschen vom Mond zurück – und brachten Bilder mit, die alles relativierten. Während die Erde in der Ferne zur schmalen Sichel wurde, umrundeten vier Astronauten den Mond, weiter entfernt als je ein Mensch zuvor. Zehn Tage später durchbrach ihre Kapsel die Atmosphäre, glühte mit tausenden Grad auf – und landete mitten in der Nacht im Pazifik.
Aber der Reihe nach…
Am 2. April um 00:35 Uhr MESZ startete die Artemis-II-Mission vom Kennedy Space Center in Florida. Erstmals seit mehr als 50 Jahren verließen wieder Menschen die Erdumlaufbahn in Richtung Mond. An Bord des Orion-Raumschiffs befanden sich Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen. Bereits zwanzig Minuten nach dem Start entfalteten sich die vier Solarpaneele des Europäischen Servicemoduls und begannen, das System mit Energie zu versorgen. Wenige Stunden später trennte sich Orion von der Raketenoberstufe, die Crew übernahm die Kontrolle und führte erste Manöver im Erdorbit durch.
Die Entsorgungspanne
Kurz nach dem Start der Mondmission meldete das WC des Orion-Raumschiffes einen Defekt. Die Hightech-Toilette mit 3D-gedruckten Titanteilen brauchte sechs Jahre Entwicklungszeit.
Nach etwa sechs Stunden Fehlerbehebung von Astronautin Christina Koch wurde die Toilette wieder in Betrieb genommen. Die Bodenkontrolle bestätigte: „Happy to report that toilet is go for use“ (Die Toilette ist bereit zur Nutzung).
Trotz dieses Zwischenfalls wurde das moderne 23-Millionen-Toilettensystem (Entwicklungskosten) als großer Fortschritt im Vergleich zu früheren Apollo-Missionen gewertet, wo Astronauten noch Windeln oder Plastiktüten nutzen mussten.
Das Europäische Servicemodul bildete das technische Rückgrat der Mission. Es stellte nicht nur Strom, Luft und Wasser bereit, sondern regelte auch die Temperatur und lieferte den Antrieb für alle entscheidenden Flugphasen. Ein Haupttriebwerk übernahm die großen Geschwindigkeitsänderungen, unterstützt von acht Hilfstriebwerken für Kurskorrekturen und 24 kleineren Steuerdüsen zur präzisen Ausrichtung im Raum. Entwickelt und gebaut unter Führung der ESA, koordiniert von Airbus in Bremen und getragen von einem Netzwerk aus Unternehmen in 13 europäischen Ländern, lief das System während der gesamten Mission stabil.
Nach einem ersten Tag intensiver Systemchecks in der Erdumlaufbahn folgte am zweiten Flugtag das entscheidende Manöver: Ein rund 350 Sekunden dauernder Triebwerkszündvorgang brachte Orion auf die Freiflugbahn zum Mond. Die Präzision dieses Burns war so hoch, dass mehrere geplante Korrekturmanöver gestrichen werden konnten. Mit diesem Schritt hatte sich die Mission endgültig von der Erde gelöst und den Kurs in den tiefen Raum eingeschlagen.
In den darauffolgenden Tagen wandelte sich der Ablauf von hochdynamischen Testphasen zu routinierteren Abläufen. Die Crew absolvierte medizinische Checks, überprüfte Ausrüstung und trainierte Notfallszenarien, darunter Demonstrationen zur Wiederbelebung in Schwerelosigkeit sowie Tests der Kommunikationssysteme. Parallel begann die Vorbereitung wissenschaftlicher Beobachtungen für die Mondpassage.
Mit zunehmender Entfernung richtete sich der Blick der Astronauten zurück auf die Erde. Aus über 127.000 Meilen Entfernung entstanden Aufnahmen eines halb beleuchteten Planeten, durchzogen von Wolkenstrukturen und Polarlichtern. Weitere Bilder zeigten die Erde als schmale Sichel im Dunkel des Alls. Diese Perspektive begleitete die Crew während des gesamten Fluges nach außen.
Am 6. April erreichte Orion die Mondrückseite und stellte dabei einen neuen Entfernungsrekord für bemannte Raumfahrt auf. Mehr als 400.000 Kilometer von der Erde entfernt bewegte sich das Raumschiff weiter von seinem Heimatplaneten weg als jede bemannte Mission zuvor. Während dieses Vorbeiflugs wurde auch ein neu identifizierter Mondkrater benannt – ein persönlicher Moment innerhalb einer technisch geprägten Mission.
Nach dem Passieren des Mondes übernahm dessen Gravitation die Navigation und leitete den Rückflug ein. Die viertägige Reise zurück zur Erde verlief kontrolliert, begleitet von drei weiteren Kurskorrekturen, um die optimale Eintrittsbahn zu treffen. Gleichzeitig blieb das Risiko durch kosmische Strahlung bestehen – eine unsichtbare, permanente Belastung, gegen die der Crew nur begrenzte Schutzmöglichkeiten zur Verfügung standen.
Am zehnten Flugtag näherte sich Orion der Erde. Kurz vor dem Wiedereintritt trennte sich um 01:33 Uhr MESZ das Europäische Servicemodul planmäßig vom Besatzungsmodul und verglühte anschließend in der Atmosphäre. Wenige Minuten später begann der kritischste Abschnitt der Mission: der Wiedereintritt. Die Außentemperatur der Kapsel stieg auf bis zu 2760 Grad Celsius, während der Hitzeschild die Struktur und die Crew schützte.
Um 02:07 Uhr MESZ am 11. April wasserte das Orion-Raumschiff schließlich im Pazifik vor der Küste Kaliforniens. Mit der sicheren Landung endete eine zehntägige Mission, die über eine Million Kilometer durch den Weltraum geführt hatte.
Artemis II markierte damit nicht nur die Rückkehr bemannter Flüge in die Mondumgebung, sondern auch eine neue Phase internationaler Zusammenarbeit. Das Europäische Servicemodul hatte über die gesamte Distanz hinweg zuverlässig gearbeitet und entscheidend dazu beigetragen, dass die Mission erfolgreich verlief. Gleichzeitig zeigte der Flug, wie präzise moderne Raumfahrt geworden ist – von der exakten Bahnführung bis zur sicheren Rückkehr durch die Erdatmosphäre.
©Alle Bilder: NASA oder ESA
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