@PIK_climate
Anders Levermann is ja n feiner Kerl. Aber er lässt immer Sachen einfach weg, wenn er seinen Ideen nachhängt.
Da wird er zB zu Rohstoffknappheit gefragt und antwortet, "Ach, Wir erfinden einfach irgendwas, das klappt schon."
Wir haben jetzt keine Zeit mehr, was Neues zu erfinden und das dann alltagstauglich zu machen. Sowas dauert 5 oder 10 Jahre oder länger, je nachdem, und während der 10 Jahre stoßen wir an die Ausbaugrenze vom Grid wegen Kupfer, das auch noch weiterhin in blöde PKW verbaut wird, an die Ausbaugrenze von WKA wegen Neodymium usw. Und dann? Neue Minen zu erschließen dauert auch 7-10 Jahre, bis zum alltagstauglichen Abbau.
Dann warten wir auf alltagstaugliche Erfindungen, emittieren aber weiter auf hohem Niveau? Denn wir sollen ja unser System nur langsam "falten", wie Anders vorschlägt.
Und währenddessen wächst der Bedarf an Energie immer
weiter (schon wegen der langsamen Faltung des Kapitalismus'), und somit wächst auch der Bedarf an Rohstoffen für Grid und andere EE-Tech immer weiter? Wann sind wir denn dann mal auf #CO2zero?
Ich weiß, dass Anders ausdrücklich nicht im Paris-Rahmen bleiben will, sondern 2°C für Okay hält und als sein Ziel erklärt.
Sein Grund für 2°C ist seine Sorge, dass die Gesellschaft(en) einen schnelleren, steileren Änderungsweg nicht geordnet überstehen würden.
Aber das halbe Grad mehr an Wetter-Chaos und Chaos-Folgen überstehen die Gesellschaften auch nicht geordnet. Garantiert nicht. Schon gar nicht, wenn sie weiter so bräsige inkrementelle Schrittchendenke kultivieren, aka "langsames Falten". Denn schon durch diese überkommene Denk-Kultur wird die Ausbildung eines adäquaten Risikobewusstseins verhindert und das heißt, psychologisch durch die Schrittchen-Denke bedingt, bleibt im Mind der Bevölkerung die Anpassung von sozioökonomischen und stofflichen Infrastrukturen weiterhin optional: "Ach, was zu unbequem ist, machen wir dann einfach nicht."
Das halbe Grad mehr, das Anders will, damit er langsam falten kann, verhindert letztendlich, dass seine Idee umsetzbar ist.
Wir müssen jetzt, heute, runter vom Gas. A propos Tempolimit und Mikromanaging: Anders meint, #Tempolimit brauchts nicht und es reiche, das übergeordnete Ziel festzusetzen: ohne #CO2 zu fahren. Aber: die zusätzliche Energie für e-PKW, die 150kmh statt 100 fahren? Deren Strom kommt aus der Steckdose, oder wie?
Solche Denk-Lücken kommen in dem Interview so häufig vor – ich müsste 10.000 Zeichen tippen, um die alle zu nennen und auseinanderzuklamüsern.
Für die Dauer der Energierevolution müssen wir sofort runter vom Gas und Sach-#Rationen und Mobilitätsrationen organisieren, für jeden in einer Gesellschaft gleich – wie die Briten, Adelige und Arbeiter, 1939-1956.
Und damit dieser Weg bekannt wird und Mehrheiten kriegt, muss es diskutiert werden. Immer wieder und wieder. Bis dieser Weg, der historisch belegt funktioniert, von ausreichend vielen und ausreichend lauten Menschen gewünscht wird.
Immer wieder und wieder davon reden. Mit jedem. Dann etabliert sich das. Immer wieder. Nur so etabliert sich der Wunsch danach.
Wenn Ihr nicht drüber redet, weil der Weg keine Mehrheit hat, kann sich keine Mehrheit dafür finden. Klar.
Darüber immer wieder zu reden hat noch einen weiteren Effekt: das Risikobewusstsein bildet sich aus. Denn wenn der Mind der Gesellschaft mit solch radikalen Maßnahmen jonglieren muss, begreift er schon dadurch eher, dass die Kacke wirklich am Dampfen ist und es nicht mehr inkrementell oder gar optional ist, was wir tun müssen, um unseren eigenen Arsch zu retten.
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