2/ „So was ist naiv. Manche Leute denken ja auch, wenn Putin Russland wieder in den Grenzen der Sowjetunion haben will, dann wären wir ja gar nicht betroffen. Die baltischen Staaten allerdings schon. Die Ukraine sowieso und jede Menge andere auch. Die wurden allesamt unter Stalin in die Sowjetunion gezwungen und waren froh, wieder raus zu sein. Wo bleibt denn da eigentlich die viel besungene internationale Solidarität?
taz: Auf der Strecke.“
Und das ist der Punkt: Wenn wir gesagt hätten: „OK, jetzt ist Krieg in der Ukraine. Unser Hebel ist es, kein Öl und Gas von den Russen mehr zu importieren, denn dann haben die kein Geld mehr für ihren Krieg. Das wird hart für uns, aber wir beenden damit den Krieg, ohne zu schießen.“
Das wäre #Solidarität gewesen. Nicht nur warme Worte und Demos. (Ich war auch auf den Demos.) Dazu wäre aber niemand bereit gewesen. Oder sagen wir wenige.
Die Ukrainer haben die Pipeline selbst gesprengt, damit die Sache mit dem Gas schon mal geklärt war.
Wir haben angefangen aufzurüsten. Mit Plänen, die weit über dem liegen, was Trump ursprünglich gefordert hatte. Milliarden, Milliarden. Alle finden das normal.
„Niedecken: Die Plakate während des letzten Bundestagswahlkampfs haben mich sehr verblüfft. Da waren nur Friedensparteien, speziell die beiden linken, BSW und Linkspartei, und sogar die AfD.
taz: Die Grünen nicht.
Niedecken: Nein, die galten sogar als Kriegstreiber. Es ist unfair, die Leute mit ihrer Urangst vorm Krieg einzuseifen. So was gehört sich einfach nicht.“
Das finde ich etwas putzig. Wovor hatten denn die Pazifist*innen früher Angst? Doch auch vor dem Krieg, oder? Und warum? Das kann man im Fernsehen in Beiträgen über Gaza oder die Ukraine sehen. Oder wenn man sich Bilder vom Mai 1945 anguckt.
„taz: Bundeswehr ja, aber Sie nicht?
Niedecken: Ich habe wirklich lange drüber nachgedacht, ich würde mich auch heute nicht in den Krieg schicken lassen. Für Kriegsdienst denke ich auch zu individualistisch.“
Ja, das ist auch lustig. Nach dem Motto: Pazifismus ist Quatsch, aber in den Krieg sollen dann doch lieber andere ziehen. So einfach kann es nicht sein. Da muss Herr Niedecken noch mal nachdenken.
„taz: Sind Sie Patriot?
Niedecken: Nö.
taz: Wieso nicht?
Niedecken: Ich kriege schon von dem Begriff hektische Flecken. “
Na, irgendwas scheint ja noch übrig zu sein.
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#Pazifismus