„Schimmelpfennig: Die #DDR, die ich als Beute-Berliner ja nur von der Transitstrecke her kannte und aus dem DDR-Fernsehen, das ich gelegentlich schaute, empfand ich als grau und grottig. Doch nun lernte ich dieses Land Stück für Stück kennen. Ich übernahm ja später von der DDR-Plattenfirma VEB Deutsche Schallplatten Berlin/Amiga auch Platten von #Karat und #City auf mein Label #Pool und brachte die Bands in den Westen. Ich lernte also die Menschen kennen; die Leute von meinen Ostpartnern #Amiga, DDR-Künstleragentur und den Verlagen.

taz: Und?

Schimmelpfennig: Und auf einmal stellst du fest, in dem Land gibt es ein richtig pralles Leben, das sich kaum unterscheidet von dem im Westen. Mit richtigem Leben, damit meine ich #Suff und #Sex und auch diese ganzen #Verrücktheiten, die mit Jungsein verbunden sind. Das hatte ich so nie erwartet. Ich kam ja aus so einer Welt, die so ganz anders war und wo es alles im Überfluss gab. Und dann bist du in einer Welt, in der es an vielem mangelt und man sich um alles kümmern musste. Da blühte viel Kreativität. Das wuchs mir schnell ans Herz. Da wurden mir als nicht so politischem Menschen einige Dinge doch klarer.“

„Er hat mir das sofort erzählt. Daraufhin habe ich den Generaldirektor vom VEB Deutsche Schallplatten angerufen und ihn gebeten, Einfluss zu nehmen, damit solche Versuche unterbleiben.“

Ja, so war das mit der #Stasi: Das beste Mittel, da rauszukommen war
#Dekonspiration.

„taz: Du hast auch die Undergroundszene kennengelernt, etwa durch Aljoscha Rompe, den Chef der Band #FeelingB. Das war eine ganz andere Welt?

Schimmelpfennig: Absolut. Ich wusste zwar, dass es so etwas gab, aber ich hatte keine Vorstellung davon. Bands wie die #Puhdys, #City oder #Karat waren professionelle Formationen. Sie machten ihre Tourneen, produzierten Platten und verdienten ihr Geld. Der Underground war für sie fremd. Das waren zwei völlig unterschiedliche Welten. Aljoscha Rompe durfte ja mit seinem Schweizer Pass auch in den Westen und stand eines Tages mal in meinem Kreuzberger Büro. Er lud mich dann nach Ost-Berlin ein, wir tranken zusammen Wodka und er nahm mich mit zu #Punkkonzerten. Das war etwas, das ich in meinem Leben nie wieder erlebt habe. Schräg, wild, unangepasst – Punk vom Allerfeinsten. Selbst in West-Berlin hatte ich so etwas nicht gesehen. Punk war mir bis dahin eher fremd, aber es war unglaublich spannend.“

Auf jeden Fall. Und es war eben auch politisch und anders politisch als die Ärzte oder die Toten Hosen. Die sind ja auch politisch, aber es ist für sie ungefährlich.

„Ist der Ostrock doch mehr als eine eigentümliche Episode der Musikgeschichte?

Schimmelpfennig: Definitiv. Diese Kreativität deutschsprachiger Rockmusik gab es im Westen so nicht. In der DDR entstanden sehr eigenständige Kunstformen. Die Rockautoren waren oft echte Poeten: Leute wie Werner Karma oder Ulrich Plenzdorf. Diese Entwicklung hat tatsächlich dazu beigetragen, dass auch im Westen mehr deutsch gesungen wurde. Was mich in der DDR außerdem beeindruckte, war der Unternehmergeist der Bands. Sie funktionierten wie kleine Firmen. Hätte die DDR mehr Vertrauen in ihre Bürger gehabt, gäbe es sie vielleicht heute noch, wer weiß. Aber der Staat war immer misstrauisch und ideologisch geprägt.“

Bei den Kommunalwahlen 1989 gab es eine letzte Chance für die DDR-Führung. Sie haben sie vergeben.

#Ostmugge #dieAnderenBands

https://www.taz.de/!6169255

„Diese Kreativität gab es im Westen so nicht“

Peter Schimmelpfennig hat als Jugendlicher auf St. Pauli die Beatmusik für sich entdeckt, stieg ins Musikgeschäft ein und wurde als Westberliner zum kommerziellen Grenzgänger zwischen Ost und West. Er brachte den DDR-Rock nach drüben und Weststars in die DDR

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@JamesBont Was es wirklich gab, aber sehr viel früher, waren radioaktive Ziffernblätter von Uhren. Die Frauen, die die Ziffernblätter angemalt haben, haben die Pinsel mit den Lippen angefeuchtet und sind elendig gestorben.

Ansonsten war schon immer klar: #StrahlendWirdDieZukunftSein.

https://www.youtube.com/watch?v=gmCk3Rni7go&list=RDgmCk3Rni7go&start_radio=1

Scheint gute Stimmung gewesen zu sein in #Dresden. #DieSkeptiker wollten das Konzert wohl mit einem positiven Song beenden. =:-)

#dieanderenBands #Ostmugge

Die Skeptiker - strahlende Zukunft (live)

YouTube

3/ #AGGeige war total staatskritisch. Wenn ich #dasMammut höre, muss ich heute noch lachen.

Einfach großartig. Das Mammut ist auf der #Amiga-Veröffentlichung von Trickbeat nicht drauf. Wegen der „etwaigen Reisen ins außereuropäische Ausland“?

#OstMugge #dieAnderenBands

https://www.youtube.com/watch?v=jgW4oQ43c1w

AG Geige - Mammut

YouTube

2/ #DerDeserteur. Der Text ist im Algerienkrieg entstanden. #DieFirma hat ihn zu Ostzeiten gesungen:

Verweigerts Waffen tragen
Ihr müsst schon etwas wagen

https://www.youtube.com/watch?v=MCtRaGxv5YY

#DDR #dieAnderenBands #OstMugge

Die Firma - Deserteur (Live im Landei)

YouTube

Kennt jemand die Gegend um den #Gleimtunnel? So sah es 1990 aus:

https://www.youtube.com/watch?v=gbVZjXHTg24

Lied ist von vor der Wende.

#HerbstInPeking #Ostmugge #dieAnderenBands

Herbst in Peking - Movie Stops Tomorrow | 1990 Berlin Prenzlauer Berg

YouTube
www.parocktikum.de | Playlist-Suche

Playlisten, Downloads und Infos zur Radiosendung Parocktikum, 1986-1992, DT64 DDR

1/ „Die DDR in ihrem Endstadium war ein Land, dessen Müdigkeit und Verfall auf die in ihm lebenden Menschen abfärbte, die ihrerseits müde und verfallen durch den Tag schwappten, der ein Tag war, dessen Ende man herbeisehnte, aber niemals wirklich erwartete.“

„Diese #Müdigkeit war keine individuelle, keine psychologische, sondern eine strukturelle Müdigkeit. Sie war nicht Ausdruck von Faulheit oder Trägheit, sondern das Ergebnis eines jahrzehntelangen Umgangs mit Forderungen, die ihrerseits entweder aus Unter- oder Überforderungen bestanden; eines Lebens unter Bedingungen, die jedes Versprechen auf Zukunft entwerteten, ehe es ausgesprochen war. Vielleicht, so könnte man sagen, war diese Gesellschaft eine, die das Prinzip Hoffnung durch das Prinzip Erschöpfung ersetzt hatte. Der Mensch, dieser geschundene, vom Produktionsplan genormte Organismus, war im Grunde nichts anderes als eine wandelnde Sollgröße. Seine Funktion bestand darin, zu funktionieren.“

Jetzt also Müdigkeit. Eine neue These über den #Osten. Der Autor Lars Reyer ist 1977 bei #Zwickau geboren, war zur Wende also 12 Jahre alt. Er schreibt über seinen Vater.

Mir ist ja beim Lesen von #KatjaHoyer klar geworden, dass man nicht von DER DDR sprechen darf. Es gab viele DDRen. Einmal zeitlich mit der entsprechende ausgerichteten Politik. Phasen der Entspannung und Anspannung und dann gab es individuell ganz unterschiedliche Erfahrungen. Und es gab lokale Unterschiede.

Mit diesem Vorwort kann ich nun sagen, dass ich mit dem Autor überhaupt nicht übereinstimme. Das ist sicher auf den Altersunterschied zurückzuführen. Lars Reyer berichtet über seinen Vater, der müde und vielleicht resigniert war.

Für mich und viele andere war die Zeit in den 80er Jahren eine Zeit der Empörung aber auch der Hoffnung. In der #Sowjetunion hatte #Gorbatschow übernommen. #Glasnost und #Perestroika zogen ein. Das war auch in den Medien dort wahrnehmbar und schwappt zum Teil auch in die kleine DDR. In der sowjetischen Politzeitschrift Neue Zeit, die es auch in der DDR gab, standen unerhörte Dinge. Der Sputnik wurde verboten, Nummern der Neuen Zeit nicht ausgeliefert. In den Studiokinos der DDR waren Filme wie Vogelscheuche zu sehen, die der sowjetischen Gesellschaft ihr Bild vor Augen hielten in Form vom Umgang von Kindern untereinander. Unglaublich! Jadup und Böl kam in die Kinos. Ein sehr kritischer Film, der jahrelang im Eisschrank gelegen hatte.

Die Menschen äußerten ihren Unmut immer offener. Der Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen wurde 1989 von kirchlich organisierten Gruppen zum ersten Mal nachgewiesen. Meine Schwester war bei Auszählungen in Wahllokalen dabei.

Es gab geduldete Untergrundmusik mit kritischen Texten. (#Punk, #dieAnderenBands) Theaterstücke, in denen man Kritik am Staat finden konnte, wenn man genauer hinschaute als die Zensur.

Die ganze Untergrundkunst in Dresden und Berlin (und sicher auch anderswo). Ausstellungen in Wohnzimmern.

Es brodelte und blubberte überall. Es stank, aber das war Teil vom Ganzen.

Es war klar, dass etwas passieren würde, nur nicht genau was. Bei der Armee mussten wir im Juni alle die chinesischen Propaganda-Filme sehen. Meine Kumpels waren dann auch im Oktober mit Schlagstöcken in Dresden. Ich war zum Glück schon raus.

Wir glaubten, dass wir den weiteren Verlauf würden steuern können, wenn sich die chinesische Lösung vermeiden ließe.

Wir lagen falsch.

Wir waren … wir waren alles, nur nicht müde.

Wir waren naiv.

https://www.taz.de/!6152741

Irgendwannkommtwas

Eine große Müdigkeit prägte die letzten Jahre der DDR. Sie schrieb sich in die Körper ein, in die Blicke, Gesichter und Hände. Diese kollektive Erschöpfung ist bis heute zu spüren – und hat auch politische Folgen. Ein Essay

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3/ Was soll daran lustig sein? Nun ja, Kurt Greiner-Pol war der Vater von Andre Greiner-Pol. Der war ebenfalls Musiker, aber anders gepolt. Der war nämlich im Untergrund und ab und zu mal verboten.

Ich vermute, dass die beiden Spaß miteinander hatten.

#Freygang #dieAnderenBands #Ostmugge #DDR

https://de.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9_Greiner-Pol

André Greiner-Pol – Wikipedia

@Loopy Na wirklich. Das war so eine halbe Generation oder vier fünf Jahre vor meiner Zeit. Ich habe eine Band beim Erlöserfestival gesehen. Sie sangen: „Deshalb erheb ich meine Hand gegen mein Vaterland“. Ringsrum um die Kirche waren Bauwagen mit Bauarbeitern, die da rumsaßen und Karten spielten. Das war in der DDR an sich nichts besonderes, den wegen Materialmangel saßen Bauerbeiter oft rum. Nur war es ja Wochenende.

Oben bei der S-Bahn standen Gleisarbeiter mit Walkie-Talkies.

Ab 85? gab es aber auch die meist legalen #dieAnderenBands. #dieArt #FeelingB #dieFirma #dieSkeptiker #Sandow #HerbstInPeking

#Freygang war auch ab und zu verboten.

Da war ich oft.

Das nomadische Gen von Kai-Uwe Kohlschmidt

Warum träumen Menschen davon, unentdeckte Regionen zu erkunden? Mit dieser Frage zieht Kai-Uwe Kohlschmidt seit Jahrzehnten mit der Kamera in entlegene Regionen der Welt. Als Mitglied der Band Sandow war er schon zu DDR-Zeiten viel unterwegs, jetzt hat der Cottbuser Musiker und Autor das Reisen zu einem Lebensprojekt gemacht. Er begibt sich auf die Spuren von deutschen Abenteurern nach Australien oder Spitzbergen, in die Namibische Wüste oder zu den First Nations nach Georgia. Daraus ist ein musikalisch-künstlerischer Reisefilm geworden über die Frage, ob die Menschen bis heute von einem "nomadischen Gen" geprägt werden. Wir treffen Kai-Uwe Kohlschmidt im Branitzer Park, wo er als kleiner Junge schon von Abenteuern und Entdeckungsreisen träumte. Autorin: Petra Dorrmann (rbb)