Aus "Die Weltbühne - Magazin für Politik, Kunst, Wirtschaft"
Von Johannes Schirrmeister
Westalgie (Einleitung)
"Die 'Ostalgie, jene vermeintliche Sehnsucht nach der untergegangenen DDR, war lange in Diskursschlager. Dass es auch ein paralleles Phänomen im Westen gab, blieb dagegen unbenannt. Bis jetzt. Gerade bricht nämlich die 'Westalgie' mit voller Wucht ins öffentliche Bewusstsein: die Wehmut, die Verunsicherung und die Wut einer Gesellschaft, die spürt, wie ihr Weltbild und ihr ökonomisch-politisches Erfolgsmodell unwiederruflich vergehen. Man könnte diese Gefühlslage geradezu als Emotion der Stunde bezeichnen. Und wenn esnach mir geht, wird 'Westalgie' sogar das Wort des Jahres 2026.
Das Ende der Siegererzählung
Die Westalgie ist kein simpler Retro-Trip in die Bonner Republik oder die Zeit des 'Wirtschaftswunders'. Sie reagiert vielmehr auf den Bruch eines fundamentalen Versprechens. Dass der westdeutsche Weg, verankert in der liberalen Demokratie, dem transatlantischen Bündnis udn einer exportstarken, sozial abgefederten Marktwirtschaft, ein quasi naturgegebenes, ewiges Erfolgsmodell sei: Diese Gewissheit war die Grundlage der politischen Kultur und des Selbstverständnisses Westdeutschlands, das sich nach 1990 oft genug als Lehrmeister des Ostens aufgespielt hat.
Jetzt bröckeln diese Pfeiler alle gleichzeitig. Die wirtschaftliche Dauerkrise der Schlüsselindustrien, die Erschütterung der Sicherheitsarchitektur durch einen unberechenbar gewordenen US-Partner, die geopolitischen Machtverschiebungen, die inneren Zerreißproben um Identität und gesellschaftlichen Zusammenhalt - alls das führt zu einer beispiellosen Verunsicherung. (...)"
Leider ist der Text auf den sieben Seiten zu lang, um ihn vollständig zu zitieren, und ich sehe mich gerade auch außerstande, den Text zusammenzufassen.
Vielleicht liest ein AltBot den Text aus den Bildern vor, der sehr lesenswert ist.
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@steve https://dresden.network/@steve/116091195230996199 #Westalgie #JohannesSchirrmeister #Demokratie #Gesellschaft