Eine Frage des Gewichts: Clemens Meyer, Buchpreise und das literarische Ungleichgewicht - Aktuelles

Der Artikel der Berliner Zeitung von Immo v. Fallois ist mehr als eine Würdigung Clemens Meyers – er ist ein kulturpolitisches Statement. Mit deutlich erkennbarem Unmut analysiert er die Nicht-Auszeichnung von Meyers monumentalem Roman Die Projektoren auf der Frankfurter Buchmesse 2024. Der Text ist dabei keine bloße Ehrenrettung für einen enttäuschten Autor, sondern eine scharfsinnige Skizze über die Machtverhältnisse im deutschen Literaturbetrieb – ein Appell gegen das selbstzufriedene ...

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Wir sollten mehr über das Schreiben sprechen, über die Kraft, die darin liegen kann. Finde ich“, schreibt Kathrin Bach auf Facebook. Und holt mich damit ab, an dem Punkt an dem ich so ungut seit Tagen klebe. Dieser Punkt den ich gerade so umgehe, dass er nicht zu einem Loch wird, mich nicht noch tiefer sinken lässt, dessen Anziehungskraft andererseits so groß ist, dass ich scheinbar unfähig bin, einen Schritt weiter zu gehen, in Bewegung zu bleiben. Dabei ist es so wichtig in Bewegung zu bleiben, auch wenn ab und an ein Schritt mehr zurück als nach vorn führt, weil wir nur so unsere eigene Mitte wahren können, nur indem wir in Bewegung bleiben, alles immer wieder neu austarieren, wie ich mit einer Freundin kürzlich noch einmal im Gespräch manifestieren konnte. Es sind ja nicht die großen Neuigkeiten, die einer helfen, wenn sie feststeckt, sondern häufig einfach nur die Erinnerung an das, was man eigentlich weiß, aber leider immer wieder vergisst.

Ich lese immer noch „Die Projektoren“ und das ist nicht immer ein Vergnügen, nicht weil Meyer nicht schreiben kann, oder irgendetwas nicht gut macht, sondern vielmehr weil er vieles so bedrückend gut macht. Das Kapitel mit den Neonazis, die später auch im Balkan mitkämpfen, ist mitunter nicht leicht auszuhalten, weil Meyer es sich gerade nicht leicht macht, er zeichnet keine Figuren, die nur verblendet und schlecht sind, er bedient sich einiger Klischees, aber nie ohne sie aufzubrechen, die Jungs, die da auf „fremden Pfaden“ unterwegs sind, sind grausam und kindlich zugleich, verloren und verblendet. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie viel schreckliche Dinge man gelesen und recherchiert haben muss, bevor man darüber schreiben kann. Ich stelle mir dieses Schreiben als eins vor, dass eher Kraft kostet als Kraft schenkt.

Bei Gedichten, denke ich gerade, ist es anders. Selbst die wirklich sehr bedrückenden Gedichte von Mary Jo Bang (Elegie) oder David Grossmann (Aus der Zeit fallen) anlässlich des Todes ihrer Kinder haben etwas, das mich tröstet, das mich spüren lässt welche Kraft in der Sprache liegt, in der Form. Während ich bei Meyer nur ehrfurchtsvoll staune, wie komplex und eindringlich er Zusammenhänge schildert, wie er Bilder findet und Fäden treu bleibt, obwohl er ständig abschweift.

https://muetzenfalterin.blogda.ch/2024/10/25/wir-sollten-mehr-ueber-das-schreiben-sprechen/

#AusDerZeitFallen #ClemensMeyer #DavidGrossmann #DieProjektoren #Elegie #KatrhinBach #Kraft #MaryJoBang

Kathrin Bach

   

Kathrin Bach
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