CDU wird âBrandmauerâ öffnen
Politische TabubrĂŒche auf allen Ebenen: Warum die CDU die lĂ€ngst durchlöcherte âBrandmauerâ zur AfD bald öffnen wird
âEs wird auch auf kommunaler Ebene keine Zusammenarbeit mit der AfD gebenâ (Friedrich Merz 2023, nachdem er zuvor im Sommerinterview nur in Gesetzgebungsorganen eine Zusammenarbeit verneinte)
âRechtsextreme in demokratische Prozesse einzubinden, wird der Anfang vom Ende der liberalen Demokratien in Europa seinâ (Erik Marquardt, Europa-Abgeordneter der GrĂŒnen)
FĂ€llt nun auch in der Halterner Kommunalpolitik die Brandmauer zur AfD? Von gemeinsamen BeschlĂŒssen und âguter Zusammenarbeitâ zwischen AfD und CDU im Halterner Stadtrat war dieser Tage in der Lokalzeitung zu lesen. Gemeinsam lehnten beide die wirksame und schnelle Entfernung rechtsextremistischer Aufkleber im Stadtgebiet ab, wie von den GrĂŒnen vergeblich beantragt. LĂ€uft nun wie in Ostdeutschland die Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD auf kommunaler Ebene reibungslos â oder war es nur eine âZufallsmehrheitâ aufgrund âgleicher Meinungâ, wie der CDU-Fraktionschef rechtfertigt? Bahnt sich womöglich eine Mitte-Rechts-Koalition an, da die CDU zwischen ârechtsâ und ârechtsextremâ unterscheidet? Noch in 2020 war man froh, dass die AfD in der Halterner Kommunalpolitik keine Rolle spielte, doch bei der Kommunalwahl 2025 kam sie dann mit 11,3% erstmalig in den Rat mit 5 Sitzen.
Schon vergessen, dass noch vor 2 Jahren auf einer âGroĂdemo gegen rechtsâ 5000 Halterner â zehnmal so viele als angemeldet â gegen die AfD protestiert hatten? Darunter auch CDU-Kommunalpolitiker. Und nochmal im Februar 2025 bei frostiger KĂ€lte demonstrierten fast 3.000 Halterner mit den âOmas gegen rechtsâ und 80 unterstĂŒtzenden Organisationen fĂŒr Demokratie, einschlieĂlich Halterner CDU auf der UnterstĂŒtzer-Liste. Bahnt sich nun eine Trendumkehr an â mit einer Abkehr vom bisherigen Konsens in der Abwehr der rechtsradikalen Partei auf ihrem ungebrochenen Erfolgskurs?
Auf allen politischen Ebenen hat die CDU die Brandmauer lÀngst durchlöchert
Noch in 2024 hatte der Halterner Ex-BĂŒrgermeister und amtierende Landrat Bodo Klimpel (CDU) in Recklinghausen vor 12.000 Protestteilnehmern âgegen rechtsâ diejenigen CDU-Parteifreunde öffentlich als âVollidiotenâ gebrandmarkt, die sich damals am skandalösen âRemigrations-Treffenâ der Rechtspopulisten in Potsdam beteiligten. Wen er damit meinte, ist nachfolgend dokumentiert. Der Rechtspopulismus reicht also bis weit in die politische Mitte, so dass sich insbesondere die dafĂŒr besonders anfĂ€llige Volkspartei CDU eigenen Fehlentwicklungen an ihren RĂ€ndern selbstkritisch zuwenden sollte.
Denn von der kommunalen Ebene ĂŒber die Landes- und Bundespolitik bis hin zur Europapolitik in der EU ist es vor allem die Union, die immer ungenierter auf allen Ebenen die von ihr scheinheilig beschworene Brandmauer zu den Rechtspopulisten und -extremisten durchlöchert und demnĂ€chst wohl umwirft, wie zuletzt im EU-Parlament bereits erfolgt und auch im Bundestag bei der Migrationspolitik 2025 praktiziert. Dies verwundert nicht, denn die ideologische und personelle NĂ€he und Ăbereinstimmung zwischen der CDU- und AfD-Politik tritt immer offener zu Tage, wie hier anhand von Fakten dokumentiert. Deshalb ist Wachheit und Abgrenzung gefordert, vor allem auch hier in einer Region, die sich im nördlichen Ruhrgebiet zur AfD-Hochburg des Westens entwickelt.
In vielen Kommunen ist die Zusammenarbeit mit der AfD lÀngst RealitÀt
Die Redaktion der Zeitung âDIE ZEITâ hatte bereits im Juli 2023 eine Ăbersicht aus den BundeslĂ€ndern veröffentlicht, in denen eine Zusammenarbeit mit der AfD auf kommunaler Ebene schon lĂ€ngst RealitĂ€t ist, sogar bei der Wahl von SpitzenĂ€mtern wie BĂŒrgermeister oder Stadtratsvorsitzender oder bei der Zustimmung von AfD-AntrĂ€gen zur FlĂŒchtlingspolitik im Kreistag. Auch gemeinsame AntrĂ€ge von CDU und AfD sind an der Tagesordnung. CDU-Chef Friedrich Merz hatte fĂŒr einen âpragmatischen Umgangâ mit der AfD auf kommunaler Ebene plĂ€diert, aber wegen der daraufhin erfolgten öffentlichen Kritik war er zurĂŒckgerudert und hatte dann eine Zusammenarbeit auch auf kommunaler Ebene strikt ausgeschlossen.
Noch als Bundeskanzler in spe konnte sich Friedrich Merz sogar die Vergabe des Vorsitzes von BundestagsausschĂŒssen oder Stellvertreterposten im BundestagsprĂ€sidium an AfD-Abgeordnete vorstellen. Doch bei der CDU-Klausur im Oktober 2025 wurde in Vorbereitung der Landtagswahlen die neu entfachte Debatte in der Partei, ob die strikte Abgrenzung von der AfD noch zeitgemÀà sein, laut Tagesschau mit einem klaren Abgrenzungskurs beantwortet. Friedrich Merz verdeutlichte seine daraufhin korrigierte Position: âEs gibt zwischen der CDU und der AfD keine Gemeinsamkeiten. (âŠ) Eine Zusammenarbeit wird es nicht geben, jedenfalls nicht mit mir als Parteivorsitzendemâ. Wie lange hĂ€lt diese GrundsatzerklĂ€rung â und folgt ihr die Parteibasis?
Wie CDU-FunktionÀre mit Rechtsextremen anbÀndeln
Die von CDU-Landrat Bodo Klimpel 2024 öffentlich als âVollidiotenâ gebrandmarkten Parteifreunde lassen sich namentlich benennen: Darunter befindet sich Berlins frĂŒherer CDU-Finanzsenator Kurth, der auch als OB-Kandidat der CDU in Köln antrat und zugleich rechtsextreme Netzwerke mit sechsstelligen Summen unterstĂŒtzte. Mit ihm auf dem umstrittenen Potsdamer Geheimtreffen der Rechten war auch der bekannte Jurist Ulrich Vosgerau mit CDU-Parteibuch, der die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung vor dem Bundesverfassungsgericht vertrat.
Und weitere CDU-GröĂen drifteten nach RechtsauĂen: Der frĂŒhere Verfassungsschutz-PrĂ€sident Georg MaaĂen wechselte von der CDU in seine eigene rechtspopulistische Partei âBĂŒndnis Deutschlandâ, die eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht ausschlieĂt. Vorher war er Vorsitzender der CDU-nahen âWerteunionâ, die lange Zeit von der CDU und einigen Spitzenpolitikern wie Jens Spahn hofiert wurde und die auch Friedrich Merz protegierte, bevor es zum Bruch kam.
Noch 2018 schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn einen UnterstĂŒtzungsbrief zur Eröffnung eines Treffens der nach RechtsauĂen abgedrifteten âWerteunionâ. Vor nicht allzu langer Zeit hatte der heutige CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann den Werteunions-Vorsitzenden MaaĂen vor rechtem Gedankengut in Schutz genommen. Von den 4.000 Mitgliedern der umstrittenen Werte-Union am Ă€uĂerst rechten Rand kommt ein GroĂteil aus der CDU-Mittelstandsvereinigung, deren Vorsitzender Carsten Linnemann war.
Die CDU als Quelle fĂŒr Neumitglieder bei der AfD-GrĂŒndung
In der AfD-GrĂŒndungsphase war die CDU ĂŒbrigens die gröĂte Quelle fĂŒr Neumitglieder: Jedes zehnte AfD-Mitglied war zuvor Mitglied der CDU. Allein in der AfD-GrĂŒndungsphase zwischen 2013 und 2016 wechselten (laut dpa) etwa 2.300 CDU-Mitglieder und 354 CSU-Mitglieder zur AfD. Auch wenn der ĂŒberwiegende Anteil der AfD-Mitglieder vorher keiner anderen Partei angehörte, lĂ€sst sich zusammenfassend sagen, dass die CDU (zusammen mit der FDP, die schon immer einen starken rechtsnationalen FlĂŒgel hatte), in der Anfangsphase die Geburtshelferin der AfD war, teils auch aus Protest gegen die Politik von CDU-Chefin Angela Merkel, aber auch wegen latenter rechter Gesinnung im konservativen CDU-FlĂŒgel, nicht nur in der Ă€uĂerst rechten âWerte-Unionâ. Heute sind es noch ĂŒber 6% der inzwischen auf ca. 50.000 Mitglieder angewachsenen AfD, die vorher in der CDU oder CSU waren.
Die AfD ist somit âFleisch vom Fleische der CDUâ wie es Politikwissenschaftler und Journalisten ausdrĂŒckten, folglich wendet sich auch vor allem die bisherige CDU-WĂ€hlerschaft der AfD zu und verhilft ihr zu den Wahlerfolgen, wie die WĂ€hlerwanderungen zeigen: allein 1 Mio. Stimmen bei der letzten Bundestagswahl gingen durch die WechselwĂ€hler von CDU zur AfD, die fast 21% bei der Bundestagswahl bekam und jetzt mit prognostizierten 25% mit der CDU nahezu gleichauf liegt. Statt Halbierung der AfD, wie von CDU-Chef Friedrich Merz groĂspurig angekĂŒndigt, kam es im Gegenteil zur Verdoppelung der AfD mit Rekordergebnissen.
Der CDU half es nicht, AuslĂ€nder rauszuwerfen und den Rechten nach dem Mund zu reden. Kann man die sozialen Probleme lösen und den Rechtsextremismus in den Köpfen bekĂ€mpfen, indem man die Zuwanderer bekĂ€mpft? Ist es klug, in einem âĂberbietungswettbewerbâ die Migration zur âMutter aller politischen Problemeâ zu erklĂ€ren, ohne die eigentlichen WĂ€hlermotive einzubeziehen? Die WĂ€hler entscheiden sich lieber fĂŒr das Original statt fĂŒr die FĂ€lschung beim Wettbewerb um die radikalste Migrationswende und den gröĂtmöglichen Sozialabbau. Und sie finden in der AfD altbekannte CDU-GröĂen wieder.
Ehemalige CDU-FunktionÀre als heutige Leitfiguren der AfD
Mehrere der heutigen SpitzenfunktionĂ€re und Leitfiguren der AfD an fĂŒhrender Stelle rekrutieren sich zum Teil aus ehemaligen CDU-FunktionĂ€ren: Der AfD-Ehrenvorsitzende und frĂŒhere AfD- Bundesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alexander Gauland, war zuvor 40 Jahre CDU-Mitglied und hessischer Spitzenpolitiker als Chef der dortigen Staatskanzlei unter CDU-MinisterprĂ€sident Roland Koch, der schon damals umstrittene Wahlkampagnen gegen AuslĂ€nder und Migranten startete. Der neue AfD-Fraktionschef in Rheinland-Pfalz nach der Landtagswahl im MĂ€rz 2026, Michael BĂŒge, war zuvor CDU-SpitzenfunktionĂ€r in Berlin als Beigeordneter, BezirksbĂŒrgermeister und StaatssekretĂ€r unter CDU-Senator Mario Caja, dem zeitweiligen GeneralsekretĂ€r der Bundes-CDU. In 2017 koordinierte Michael BĂŒge den AfD-Bundestagswahlkampf.
Der baden-wĂŒrttembergische AfD-Spitzenpolitiker Rainer Balzer war ebenfalls vorher langjĂ€hriges CDU-Mitglied und unter GĂŒnther Oettinger im Landesvorstand der Jungen Union. Ebenso war der saarlĂ€ndische AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende und vormalige CDU-Kreisvorsitzende Josef Dörr 23 Jahre lang in der CDU (der allerdings danach auch jahrelang Kreisvorsitzender und Landesschatzmeister bei den GrĂŒnen war) und unterhĂ€lt Kontakte zu NPD-Kadern. In 2022 wechselte die langjĂ€hrige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach zur AfD und fĂŒhrt seitdem die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung. FĂŒr die BĂŒroleiter- und Mitarbeiter-Stellen in den AbgeordnetenbĂŒros der AfD-Bundestagsabgeordneten bewarben sich auch zahlreiche Mitarbeiter, die vorher fĂŒr die Unionsabgeordneten tĂ€tig waren.
Der frĂŒhere Vorsitzende der Werteunion, Max Otte, Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und Berater des Bundeswirtschaftsministeriums, wurde in 2022 noch als CDU-Mitglied zum BundesprĂ€sidenten-Kandidaten der AfD aufgestellt und erst danach aus der CDU geworfen. In 2020 war er zuvor auf Querdenker-Demos aufgetreten und hatte mit umstrittenen ĂuĂerungen versucht, Rechtsextreme mit Opfern des Nationalsozialismus gleichzusetzen, wie das Zentrum fĂŒr Antisemitismus-Forschung der TU Berlin kritisierte. Umstrittene ĂuĂerungen gab es aber auch wiederholt durch CDU-Spitzenpolitiker, wie nachfolgend erinnert.
Konservative bis reaktionÀre Positionen des wandlungsfÀhigen CDU-Spitzenmannes
Die geistige Verwandtschaft zwischen manchen CDU-Politikern und der AfD wurde immer wieder sichtbar: Betrachtet man zurĂŒckliegende Aussagen von CDU-Spitzenmann Friedrich Merz von 2000 bis 2002, aus seiner Zeit als CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag (vor seiner politischen Auszeit und seinem Wechsel in die Finanzwirtschaft als Lobbyist), so bleibt manches im öffentlichen GedĂ€chtnis: Der wandlungsfĂ€hige Friedrich Merz forderte sehr frĂŒh Grenzkontrollen und Obergrenzen fĂŒr Einwanderer und lehnte doppelte StaatsbĂŒrgerschaft ab. Das âgroĂzĂŒgige deutsche Asylrechtâ hinterfragte er wiederholt. Er verteidigte den Begriff der Leitkultur und positionierte sich in der Kopftuchdebatte.
Noch im November 2021 warnte er vor âunkontrollierter Einwanderung in unsere Sozialsystemeâ. (Damit macht er sich eine AfD-Wahlparole zu eigen). Er war damals Gegner einer Frauenquote und war gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe. Auch lehnte er zunĂ€chst die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ab. Er trat fĂŒr ein âWerbeverbot fĂŒr Abtreibungenâ ein und sprach sich 2001 gegen PrĂ€implantationsdiagnostik aus. Homosexuelle rĂŒckte er in die NĂ€he von PĂ€dophilen. Schon vergessen? Manches kommt einem bekannt vor aus den SprĂŒchen und Programmaussagen der AfD.
TabubrĂŒche durch die CDU-Spitzenpolitiker
Noch als Bundeskanzler in spe konnte sich Friedrich Merz sogar die Vergabe des Vorsitzes von BundestagsausschĂŒssen an AfD-Abgeordnete oder einen AfD-Vertreter als stellvertretenden BundestagsprĂ€sidenten vorstellen, ruderte aber spĂ€ter zurĂŒck. In der Kommunalpolitik empfahl er pragmatischen Umgang mit der AfD, bis er auch hier zurĂŒckruderte. Und im Bundestag brach er ein Tabu: Noch vor seiner Wahl als Bundeskanzler im Mai 2025 im zweiten Anlauf lieĂ der CDU-Chef im Januar 2025 bei einem Antrag zur Migrationspolitik seine CDU-Fraktion mit der AfD-Fraktion gemeinsam abstimmen und erhielt so eine Mehrheit fĂŒr die ZurĂŒckweisung der Migranten an der deutschen Grenze. Dieser Tabubruch fĂŒhrte zu heftiger öffentlicher und oppositioneller Kritik.
Erst daraufhin verdeutlichte der in die Kritik geratene Friedrich Merz seine verĂ€nderte Position: âEs gibt zwischen der CDU und der AfD keine Gemeinsamkeiten. (âŠ) Eine Zusammenarbeit wird es nicht geben, jedenfalls nicht mit mir als Parteivorsitzendemâ (Quelle: Tagesschau). Ihm pflichtete ausgerechnet Unions-Fraktionschef Jens Spahn bei, der Kontakte zu den rechten Republikanern in den USA sowie zum österreichischen Politiker Sebastian Kurz pflegte, der als Kanzler eine Mitte-Rechts-Regierung anfĂŒhrte und sich nach KorruptionsvorwĂŒrfen aus der Politik zurĂŒckzog. Selbst eigene Parteifreunde des Merkel-FlĂŒgels hatten Jens Spahn in Verdacht, mit einer Mitte-Rechts-Koalition nach österreichischem Vorbild zu liebĂ€ugeln. SpĂ€ter ruderte er zurĂŒck, um als neuer CDU-Fraktionsvorsitzender wĂ€hlbar zu sein.
CDU debattierte 2025 ĂŒber Ăffnung zur AfD auf Landes- und Bundesebene
Doch bei der CDU-Klausur im Oktober 2025 wurde in Vorbereitung der Landtagswahlen die Debatte in der Partei durch prominente CDU-Politiker wieder neu entfacht, ob die strikte Abgrenzung von der AfD noch zeitgemÀà sei. Dies sei aber (laut Tagesschau) am Ende âmit einem klaren Abgrenzungskursâ beantwortet worden, auch mit Verweis auf den beizubehaltenden Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU von 2018. Doch immer wieder wird dieser Beschluss parteiintern hinterfragt, nicht nur von ostdeutschen CDU-Politikern wie dem thĂŒringischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Andreas BĂŒhl oder dem sĂ€chsischen CDU-GeneralsekretĂ€r Tom Unger. Einige CDU- Landes- und KreisverbĂ€nde (z.B. aus Sachsen-Anhalt) forderten angesichts hoher Umfragewerte fĂŒr die AfD weiterhin ein Ende der so genannten âBrandmauerâ und eine âLockerung des Unvereinbarkeits-Beschlussesâ von 2018.
Zuvor hatten sich mehrere westdeutsche CDU-Spitzenpolitiker wie der frĂŒhere CDU-GeneralsekretĂ€r Peter Tauber und der frĂŒhere CDU-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg sowie Andreas Rödder als ehemaliger Vorsitzender der CDU-Grundwerte-Kommission öffentlich fĂŒr eine Ăffnung zur AfD auch auf Landes- und Bundeseben stark gemacht. Sie plĂ€dierten fĂŒr eine Normalisierung der Beziehungen, unterstĂŒtzt von Spitzenpolitikern aus ostdeutschen BundeslĂ€ndern. Derweil bezeichnete CDU-Vize Karl Josef Laumann die AfD als Nazi-Partei.
Zweifel am liberalen Gesellschaftsbild der CDU wegen AnnÀherung an die AfD
Schon in den 90-er Jahren hatten CDU-Politiker wie der ehemalige sĂ€chsische Justizminister Steffen Heitmann, der zeitweilig sogar als BundesprĂ€sidenten-Kandidat der CDU im GesprĂ€ch war, durch ultra-konservative Aussagen zur Geschlechter- oder zur Einwanderungsfrage kurzzeitig Empörung erregt. Nicht zuletzt Friedrich Merz nĂ€hrte mit fragwĂŒrdigen Aussagen selber immer wieder Zweifel an einem liberalen Gesellschaftsbild der CDU. Er rief wiederholt Empörung hervor mit seinen Aussagen zur Asylpolitik, zur Migration und mit seinen als rassistisch und diskriminierend empfundenen Aussagen zum âStadtbildâ. Im September 2023 bekam er einen Shitstorm fĂŒr seine diskriminierende und wahrheitswidrige Kritik, dass abgelehnte Asylbewerber sich angeblich beim Arzt âdie ZĂ€hne neu machen lassen, wĂ€hrend deutsche BĂŒrger nebenan keine Termine bekĂ€men.â
Und CDU-Spitzenpolitiker Jens Spahn ĂŒberholte sogar die AfD von rechts mit seiner empörenden Forderung, FlĂŒchtlinge an den europĂ€ischen AuĂengrenzen gegebenenfalls âmit physischer Gewalt aufzuhaltenâ. Der Beifall der AfD war ihm gewiss, doch Kritiker warfen ihm vor, damit âam rechten Rand zu fischenâ und rechtsstaatliche GrundsĂ€tze zu verlassen. Die Migrationspolitik der CDU/CSU, insbesondere die von Friedrich Merz vertretenen Positionen, steht seit 2025 unter scharfer Kritik, da ihr von Menschenrechtsorganisationen vorgeworfen wird, rechtsstaatliche GrundsĂ€tze, europĂ€isches Recht und völkerrechtliche Verpflichtungen zu verletzen. CSU-Innenminister Dobrindt hĂ€lt dies nicht zurĂŒck, so weiterzumachen
Kooperation mit RechtsauĂen im EU-Parlament â Risse in der Brandmauer
Unverfroren treibt es vor allem der Koalitionschef der konservativen EVP im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU): Seine EVP-Fraktion kooperiert laut dpa-Recherchen viel enger mit RechtsauĂen-Parteien, einschlieĂlich der AfD, als bisher bekannt geworden. Chatprotokolle und Treffen belegen eine inhaltliche Zusammenarbeit bei der Migrationspolitik, was die Brandmauer gegen rechts bröckeln lĂ€sst, auch wenn Weber eine strategische Zusammenarbeit bei einem Gesetzesvorschlag zur VerschĂ€rfung der Migrationspolitik leugnet. âDie Brandmauer hat tiefe Risseâ, sagte ZDF-Korrespondent Röller.
Weber redete sich damit heraus, er setze damit nur die Politik durch, die auch die Bundesregierung vertrete. Dies war aber nicht der einzige Fall einer Allianz mit RechtsauĂen, denn schon beim Handelsabkommen Mercosur sowie beim Lieferkettengesetz kam eine Mehrheit im EU-Parlament nur mit Stimmen des rechten Blocks zustande. Die EVP-Fraktion der konservativen Parteien im EU-Parlament, zu der auch die Unionsparteien gehören, hat zuvor unter dem Fraktionsvorsitzenden Manfred Weber (CSU) allzu lange mit Orbans Fidesz-Partei kooperiert und schielte schon seit lĂ€ngerem fĂŒr die Zeit nach der zurĂŒckliegenden Europawahl nach möglichen Partnern rechts von der Union als Mitte-Rechts-Koalition, im Gleichklang mit Ursula von der Leyen.
Dies verwundert nicht, denn zum autokratischen und korrupten Rechtspopulisten Viktor Orban aus Ungarn hielten CDU und CSU jahrelange freundschaftliche Verbindungen, z.B. bei Orbans Freundschafts-Besuch auf der CSU-Klausur 2019, mit inhaltlicher Ăbereinstimmung in der Asylpolitik. DafĂŒr lobte auch Donald Trump damals den ungarischen Autokraten und empfing ihn in Washington. Auf dem Parteitag der Republikaner war 2024 auch Jens Spahn (CDU) willkommen und warb danach dafĂŒr, gemeinsame Interessen und Ăbereinstimmungen mit Donald Trump zu suchen. Spahn traf sich auch mit dessen rechten Wahlkampfmanager Bannon, der eine rechte Bewegung in Europa aufbauen möchte und sich dazu auch mit der AfD-Spitzenfrau Alice Weidel traf.
VerbrĂŒderung der EU-KommissionsprĂ€sidentin mit den Rechtsextremen
Besonders dreist treibt es in der EU vor allem auch die EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen (CDU), die sich im EU-Parlament zweimal mit den Stimmen von RechtsauĂen in ihr Spitzenamt wĂ€hlen und auch mit Hilfe der Rechten wiederwĂ€hlen lieĂ und somit den Rechtsextremen ihren Posten zu verdanken hat. Die machtbewusste âWiederholungstĂ€terinâ auf der Suche nach BĂŒndnispartnern rechts von der CDU im neuen EU-Parlament verdankte schon in der letzten Wahlperiode der Fidesz-Partei des ungarischen Rechtspopulisten Orban und den polnischen Nationalisten der PIS-Partei in 2019 ihre Wahl als KommissionsprĂ€sidentin mit hauchdĂŒnner Mehrheit und verĂ€rgerte damit das EU-Parlament.
CDU-Chefin Angela Merkel hatte dazu im Vorfeld eigens den damaligen CDU-GeneralsekretĂ€r Paul Ziemiak nach Polen geschickt, um bei PIS-Parteichef KaczyĆski fĂŒr die deutsche Kommissionskandidatin zu werben; sie selber fĂŒhrte dazu TelefongesprĂ€che mit Victor Orban. In den meisten Medien wurde dies nicht skandalisiert (anders als beim Tabubruch im ThĂŒringer Landesparlament im Fall Thomas Kemmerich, der sogar zum RĂŒcktritt von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer fĂŒhrte). Bei ihrer Wiederwahl zur zweiten Amtszeit benötigte und bekam Ursula von der Leyen wieder Stimmen von rechts.
Mitte-Rechts-BĂŒndnis durch Unionspolitiker im EU-Parlament etabliert
Als geeignete BĂŒndnispartnerin betrachtet EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen (CDU) lĂ€ngst die umworbene postfaschistische Partei âFratelli d`Italiaâ der italienischen Regierungschefin Meloni, mit der sie eng befreundet ist. Auch hatte die französische Rechtsnationalistin Marine Le Pen von der rechtsnationalen und europa-skeptischen Partei âRassamblement Nationalâ (vormals Front National) ebenfalls eine Zusammenarbeit angeboten.
Mit einem solchen DreierbĂŒndnis wĂŒrde die CDU-FĂŒhrung die Brandmauer zwischen Konservativen und RechtsauĂenparteien nach rechts von Giorgia Melonis Partei verschieben, um mit einem âMitte-Rechts-BĂŒndnisâ die Machtposition ihrer Spitzenkandidatin Ursula von der Leyen zu sichern, wie die ARD-Sendung Monitor am 23. Mai 2024 berichtete. Erstaunlich waren die sehr verhaltenen Kommentare in den meisten Medien auf die AnkĂŒndigung der CDU-Spitzenkandidatin, die postfaschistische italienische Partei Melonis, in der es auch Mussolini-AnhĂ€nger gibt und vereinzelt der HitlergruĂ gezeigt wird, als kĂŒnftige (gelĂ€uterte) BĂŒndnispartnerin im EU-Parlament zu betrachten.
AfD braucht nur zuschauen, um zu ernten â Brandmauer fĂ€llt!
Mit dieser Anbiederungs- und BĂŒndnispolitik fĂŒhrender CDU-Politiker auf allen politischen Ebenen braucht die AfD nur zuzuschauen, um in den nĂ€chsten Jahren zu ernten? Gerade erlebt sie, wie sich nach der FDP ein weiterer Konkurrent in der Parteienlandschaft, nĂ€mlich die SPD zerlegt und verzwergt. SpĂ€testens nach den bevorstehenden Landtagswahlen wird die AfD wohl das erreichen, was sie in den ostdeutschen BundeslĂ€ndern und sogar in der einstigen SPD-Hochburg Gelsenkirchen auf lokaler Ebene schon erreicht hat: Sie ĂŒbertrumpft SPD und CDU und wird stĂ€rkste Kraft, getragen von enttĂ€uschten WĂ€hlern und sozialen Verlieren, die danach erst recht ihr âblaues Wunderâ erleben werden.
Die Sorge aller Demokraten: Die CDU wird dann ihre einzige Machtoption nutzen, nĂ€mlich mit der geistverwandten AfD zu kooperieren in einem Mitte-rechts-BĂŒndnis zunĂ€chst in den ostdeutschen LĂ€ndern und schlieĂlich auch in der Bundespolitik. Nach den aktuell bevorstehenden Landtagswahlen in mehreren BundeslĂ€ndern wird die VerfĂŒhrung fĂŒr die CDU groĂ sein, sich mit der erstarkenden AfD zu arrangieren, um die eigene Macht zu erhalten. Ein Albtraum, aus dem uns allen ein böses Erwachen droht!
Auch die Kleinstadt Haltern am See bleibt nicht vom Rechtstrend verschont
Vor diesem Albtraum und Rechtstrend bleibt auch die bĂŒrgerliche und wehrhafte Kleinstadt Haltern am See nicht verschont, deren Ratsmitglieder sich tunlichst vor TabubrĂŒchen hĂŒten sollten! Es sei daran erinnert: In Haltern, wo immer noch eine Willkommenskultur fĂŒr FlĂŒchtlinge und Migranten gepflegt wird, auch wenn Rechtsradikale mit Aufklebern im Stadtgebiet ihren Protest kundtun, konnte die AfD von Wahl zu Wahl stetig zulegen: Bei der Bundestagswahl 2021 gewann sie 4,5% hinzu, bei der Landtagswahl 2022 fast 6%, bei der Europawahl 2024 wiederum fast 3%, und bei der Bundestagswahl 2025 um 8,1% gegenĂŒber der letzten Bundestagswahl, so dass sie sich von 5,5% auf 13,6 % steigerte. Bei der Kommunalwahl bekam sie dann auf Anhieb ĂŒber 11% und erhielt damit 5 Sitze! Dies ist alarmierend. (In der Nachbargemeinde Olfen wurde die AfD mit ĂŒber 19% sogar zweitstĂ€rkste Partei).
Ihren Durchbruch in dieser Region erlangte die AfD hier vor allem bei der zurĂŒckliegenden Europawahl, obwohl zigtausende Menschen wochenlang in allen RuhrgebietsstĂ€dten gegen Rechtsextremismus auf die StraĂe gegangen waren â offenbar vergeblich, denn der Rechtsruck ist trotzdem eingetreten: Im benachbarten Gelsenkirchen hat die AfD zuletzt bei den Europawahlen mit 21,7% sogar die SPD ĂŒberholt. Auch in mehreren StĂ€dten des Kreises Recklinghausen holte sie ihre landesweit besten Resultate ĂŒber dem Landes- und Bundesdurchschnitt, z.B. In Marl und Gladbeck mit fast 20%, aber auch in den anderen StĂ€dten zwischen 17 bis 19%, weit ĂŒber dem Landes- und Bundesdurchschnitt von 12,65 bis 15,9%. In Marl hĂ€lt sie zudem gerne ihre Landesparteitage ab.
Mehrere tausend BĂŒrger in Haltern wĂ€hlen rechts
Bei der letzten Bundestagswahl, wo die AfD in der Vergangenheit in Haltern nicht ĂŒber 10% hinauskam, erreichte sie diesmal in Haltern fast 14 %, (im Ortsteil Hullern sogar fast 23% !), obwohl CDU und SPD hier deutlich ĂŒber dem Bundesdurchschnitt liegen und auch die GrĂŒnen leicht darĂŒber. WĂ€hrend einerseits mehrere tausend Halterner zweimal gegen die AfD demonstriert hatten, wĂ€hlten andererseits ĂŒber 3.600 Halterner dennoch die AfD. (Das ist vergleichsweise so viel wie die gesamte Einwohnerzahl des Halterner Stadtteils Lippramsdorf).
Der AfD-Wahlkreiskandidat im Wahlkreis 121 (Recklinghausen II mit Haltern) lag sogar mit fast 21% im AfD-Bundesdurchschnitt und deutlich vor dem grĂŒnen Direktkandidaten, der nur 7% erhielt. (Die mit 88% hohe Wahlbeteiligung in Haltern brachte auch bisherige NichtwĂ€hler an die Urne, ĂŒberwiegend auch zugunsten der AfD.) Es ist auch hier in Haltern â5 vor Zwölfâ, wenn nicht sogar bald â5 nach 12â, wie auf einem Plakat bei der örtlichen Demo fĂŒr Demokratie und gegen rechts zu lesen war. Allein mit Gegen-Demonstrationen âgegen rechtsâ ist es auch in Haltern nicht getan, ebenso wenig mit dem Fingerzeig auf die verantwortliche Landes- oder Bundespolitik.
Gute Kommunalpolitik vor Ort als Bollwerk gegen rechts
In anderen Regionen des Landes sind die dort viel niedrigeren AfD-Wahlergebnissen im nur einstelligen Bereich auch auf erfolgreiche Regional- und Kommunalpolitik vor Ort zurĂŒckzufĂŒhren, die dort offenbar besser gelingt als im nördlichen Ruhrgebiet, wie das Beispiel MĂŒnster zeigt mit unter 5% fĂŒr die AfD. Bei der Kommunalwahl 2025 erreichte die AfD auch in StĂ€dten wie Bonn, Aachen und Köln nur einstellige Werte zwischen 6% und 7% bis 9%. Im benachbarten Kreis Coesfeld lag sie bei nur 9,2%. In zahlreichen weiteren StĂ€dten erreicht die AfD nur unter 10%, wie z.B. in Freiburg, Heidelberg, TĂŒbingen, Stuttgart und Karlsruhe, ebenso in Teilen von Hamburg und MĂŒnchen.
Urbane StĂ€dte mit Studenten und vielen akademisch gebildeten Menschen (sowie mit hohem Anteil GrĂŒnen-WĂ€hlern) und bĂŒrgernaher Kommunal- und Wohnungspolitik auch fĂŒr soziale benachteiligte Schichten können sich dem AfD-Zuwachs erfolgreich erwehren. Auch die urbane Kleinstadt Haltern hat eine einkommensstarke Bevölkerung mit ĂŒberwiegend hohem Bildungsstand und sozialem Engagement, aber mit enormen Problemen auf einem nicht bezahlbaren Wohnungsmarkt, der ein aktives Gegensteuern erfordert, um keine frustrierten WĂ€hlerinnen und WĂ€hler zu erzeugen.
Keine Normalisierung der lokalen Zusammenarbeit mit der AfD
Völlig verkehrt und kontraproduktiv wĂ€re hingegen eine âNormalisierungâ der Zusammenarbeit mit der AfD im Stadtrat oder eine Wiederholung dessen, was eine Halterner CDU-Ratsfrau und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete aus Haltern wĂ€hrend der âBauernprotesteâ im Januar 2024 sich unter Billigung der Halterner CDU geleistet hat â als sie im Gleichklang mit den Rechtspopulisten mit einem skandalösen Plakat gegen den vom Pöbel bedrĂ€ngten Bundesumweltminister die âUmsturz-Phantasienâ des Bauernprotestes unterstĂŒtzte. Rechte Umtriebe in der âHaltern-Parteiâ kommen nur denen zugute, die man zu bekĂ€mpfen vorgibt, aber die Brandmauer damit auch vor Ort weiter ins Wanken bringt. Wenn in KĂŒrze bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland die verbleibenden Machtoptionen fĂŒr die CDU nur mit der obsiegenden AfD realisierbar wĂ€ren, wie positioniert sich dann die CDU hier vor Ort zu den richtungspolitischen KlimmzĂŒgen?
Dieser Beitrag erschien zuerst im âLokalkompassâ, hier mit freundlicher Genehmigung des Autors. Einige Links wurden nachtrĂ€glich eingefĂŒgt.