1/ Lese gerade #Stern111. Großartig. Hausbesetzer im Osten nach der Wende. Und die Geschichte von zwei Eltern, die nach der Maueröffnung noch abgehauen sind. Sie tun mir so leid. Es klingt alles schrecklich und man fragt sich, warum sie gegangen sind, wo sie doch n Haus hatten und die Mauer ja letztendlich auf war. Nun ja. Mal weiterlesen.

https://www.suhrkamp.de/buch/lutz-seiler-stern-111-t-9783518429259

Stern 111. Buch von Lutz Seiler (Suhrkamp Verlag)

Stern 111: Roman. Buch (Suhrkamp Hauptprogramm) von Lutz Seiler auf suhrkamp.de bestellen

Suhrkamp Verlag

2/ Carl versucht, Schriftsteller zu werden. In einem besetzten Blumenladen hatte er aus Versehen Dünger in den Kaffee gemacht.

Jemand hält eine Rede:

„Lasst uns Partisanen dieser Häuser sein! Denkt an Arkadi Gaidar! Wir sind keine Horde, wir sind keine Bande, wir machen der Heimat bestimmt keine Schande!«
Alle hier sind Dichter, dachte Carl, nur ich nicht, ich bin Dünger.“

Ich muss immer noch drüber lachen.

3/ Es sind ja Millionen Menschen gegangen. Es war ja dann auch irgendwie klar, dass es im Osten keine Perspektive mehr gab, weil die Wirtschaft zusammengebrochen war bzw. von der #Treuhand verscherbelt oder abgewickelt wurde. Aber was ich eben merkwürdig fand, ist, dass sie gleich nach Grenzöffnung gegangen sind. War letztendlich vielleicht sogar schlauer, weil sie mit der ersten Welle gekommen sind. Eventuell hätte man sich sonst vom Osten auf West-Stellen bewerben können. Nun ja.

4/ Carls Vater Walter hatte Arbeit gefunden, weil er fünf Programmiersprachen konnte. Er gab Kurse. Fühlte sich dennoch wie ein Hochstapler.

Tipp an die jungen Ossis: Ihr könnt auch alles. Einfach lernen und dann machen. Geht schon. Ihr schafft das.

5/ Zu der Sache mit dem Selbstbewusstsein gibt es einen tollen Witz aus der Nachwendezeit, der am allertollsten ist, wenn ihn Regine Hildebrandt erzählt. Es geht um die Frage, wieso das Abitur im Westen 13 Jahre dauert, im Osten aber nur 12 Jahre.

Gleich am Anfang des MDR-Beitrags Ostfrauen auf dem Weg zur Macht.

https://www.youtube.com/watch?v=z4QaRyUNeog

MDR Dok Ostfrauen Wege zur Macht 2/3

YouTube

6/ Carl wettet, dass er in 25 Sekunden eine Kalaschnikow zerlegen und wieder zusammen bauen kann.

Ich erinnere mich an ein Waffenreinigen, das ewig dauerte. Es war immer noch irgendwo Dreck in dem Ding. Ich hatte kein Verhältnis zu „meiner Waffe“. Schon gar kein sexuelles. War es überhaupt „meine Waffe“? Ja, wahrscheinlich waren die personengebunden und standen mit Namen in der Waffenkammer. Ich putzte stundenlang an „meiner Waffe“ herum. Irgendwann endete das Waffenreinigen. Wahrscheinlich weil die Offiziere auch keine Lust mehr hatten.

Wundersamerweise ist es mir gelungen, in meiner gesamten Armeezeit nur einmal zu schießen. Das war in der Ausbildung. Weil im Osten alles knapp war, gab es die FDJ-Initiative „Treffen mit dem ersten Schuss“. Ja, doch, wirklich: Die #FDJ gab es auch bei der Armee. Das bedeutete, dass ich ein Magazin Munition hatte. Einzelfeuer, Dauerfeuer. Das war es dann.

Ich war also weit davon entfernt, mich mit irgendwelchen Russen im Schießen oder Waffenputzen zu messen. Aber ich war bei den Russen in der Kaserne. Zum Wettkampf. Im #Schach. Und ich habe gewonnen. \o/
Ein Freundschaftsspiel. Fand ich gut.

Seid nett zueinander! Spielt Schach oder Wizard miteinander und schießt Euch nicht tot!

7/ Ha, ha. Unheilbar.

Ich bin ja mit vier aus #Thüringen nach Berlin gekommen. An zwei Sachen kann man mich immer noch erkennen: Portemonnaie und Lutscher.

8/ Einfach für diesen Satz lohnt es sich schon, das Buch zu kaufen.

9/ Hi, hi. #Schwarztaxi #DDR

Ja, so einen Stadtplan hatte ich auch. Auf der anderen Seite der Mauer war es einfach weiß. Wozu hätte man da auch etwas hindrucken sollen. Niemand, der diese Karte in den Händen hielt, würde je auf die andere Seite gelangen. Die Information war einfach irrelevant. Aus Sicht derjenigen, die für den Druck dieser Karten verantwortlich waren. #Stern111

10/ Das ist es, was ich auch neulich geschrieben hatte. Geld spielte keine Rolle. Essen konnte man sich kaufen. Zu den Preisen von vor dem Krieg. Wohnungen hatten auch Vorkriegsmieten. Theater, Kino, Konzerte waren billig. Mit ein bisschen sparen konnte man auch „Luxusgüter“ wie ein Radio, plattenspieler und einen Fernseher erstehen. Mehr gab es nicht, mehr brauchte man nicht. Statusdenken gab es auch nicht so.

#DDR #Stern111

11/ Am Tag nach der Entlassung aus der Armee zog ich meine besten Sachen an und fuhr zur #Ostseestraße. Ein Kumpel hatte mir eine Adresse einer Wohnung eines Kumpels gegeben, der in den Westen gegangen war. Er hatte versprochen, die Wohnung nicht abzuschließen. Ich hatte von der Armee noch einen Dietrich und war bereit für meinen ersten Bruch. Ich fuhr extra früh am Morgen. Um 8:00 war ich an der Wohnung. Ich wusste auch damals schon, dass es gut ist, sich antizyklisch zu verhalten. Rechtschaffene Menschen waren zu dieser Zeit arbeiten. Enttäuscht musste ich jedoch feststellen, dass die Tür gut verschlossen war. Ich versuchte, sie mit einem Tritt zu öffnen. Es krachte mörderisch, aber die Tür gab nicht nach. Ein Sprung. Ein neuer Rums. Dann kam jemand die Treppe herunter. Eine Frau mit ihrem Mülleimer. Mein Herz raste und ich versteckte mich hinter einer Tür. Ich wusste: Einbrecher ist kein Beruf für mich.

Lustigerweise lerne ich jetzt erst über 30 Jahre später, wie ich die Dinge richtig hätte anstellen können. Aus der Diskussion mit @peer, der mir die Wikipediaartikel zur #Hausbesetzung in der #DDR zeigt und von Lutz Seiler in #Stern111.

Statt mich wie ein Einbrecher zu verstecken, hätte ich der Frau mit dem Mülleimer einfach guten Tag sagen sollen und ihr erklären sollen, was ich da mache.

12/ Hab das Buch jetzt ausgelesen. Menschen haben mir gesagt, dass nicht alles in Romanen der Realität entsprechen muss. Aber bei diesem ist alles wahr. Ich habe viele so ähnliche Dinge erlebt und kann für die Authentizität bürgen. Auch fliegende Ziegen gab es im Osten. Wirklich! Trotz technologischer Überlegenheit konnte der Westen das nicht nachzüchten. Die waren so neidisch, dass sie die fliegenden Tiere dann später aus Kunststoff nachgebaut haben. Manche Bauern nehmen ihre Kunsttofftiere auch mit auf Demos, da kann man das dann sehen. Aber sprechen können die nicht. Die Tiere. Vielleicht kommt das ja demnächst noch. Mit #KünstlicheIntelligenz.

Also alles echt im Buch. Bis auf eine Sache. Ich glaube, es stimmt nicht, dass Lutz Seiler die Kalaschnikow zurückgegeben hat bzw. dass die Russen sie mitgenommen haben.

PS: Eigentlich wollte ich diesen Post mit einem Bild einer fliegenden West-Kuh bebildern, aber ich habe keins. Ich fotografiere allen mögliche Tod und Teufel, aber die fliegenden Kühe habe ich nie fotografiert. Wer braucht schon Bilder von fake fliegenden Kühen aus Kunststoff??? So ein Quatsch.

Fliegende Bienen sind natürlich viel interessanter. Das ist Kunst! Stellt Euch mal vor, wie die Welt wäre, wenn Bienen fliegen könnten! Fliegende Bienen gab es auch im Osten nur hypothetisch in den Liedern von #ForyerDesArts. Eine Band aus dem Westen. Ja, die kannten wir auch. Konnte man hören. Zum Beispiel mit einem #Stern111.

PPS: Bild ist bei #WirHabenEsSatt im letzten Jahr entstanden. Ist bald wieder. Dann mit den lieben Bauern.

13/

Könnten Bienen fliegen
Flögen sie zur Himmelsmitten
Der Himmel ginge auf
Und Gott würde um Verzeihung bitten.

#ForyerDesArts

https://www.youtube.com/watch?v=R5S2CDcInGk

Foyer Des Arts - Könnten Bienen Fliegen

YouTube

14/ Anna Seghers' Das siebte Kreuz hat jede*r #DDR-Bürger*in gelesen. Es gab einen einheitlichen Lehrplan für das ganze Land.

Anna Seghers war Jüdin. Hochdekorierte und anerkannte Schriftstellerin.

https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Seghers

Nur wenn Euch mal jemand was von strukturellem, staatlichen #Antisemitismus erzählen will.

Anna Seghers – Wikipedia

15/ So schön! Habe mich über eine doofe, gedankenlose, unwissende Bemerkung im Podcast zu #Stern111 geärgert und dann meine Mutter zu Computern gefragt. Sie hat mir vom #Zeiss-Rechenautomat #ZRA1 erzählt, auf dem sie 1964/1965 in ihrem #Astrophysik-Studium programmieren gelernt hat. 1964! Da wart Ihr noch nicht geboren. Ich auch nicht. Während der Mütterkur (1968) hat sie dann #Cobol gelernt.

Und? Was für Superkräfte haben Eure Mütter so?

https://de.wikipedia.org/wiki/ZRA_1https://de.wikipedia.org/wiki/ZRA_1

Blog-Post folgt. #Ossis #Wessis #Arroganz #Computer

Robotron Z 9001, Robotron KC 85/1, Robotron KC 87 – Wikipedia

17/ Also. Das war der Podcast, auf den mich @tomkalei dankenswerterweise hingewiesen hat.

https://overcast.fm/+S-8J9lTU

Schöner Podcast, sehr interessantes Gespräch, aber, ehm, irgendwann sagt Andi Arbeit: „Und ich glaub, bei so Akademikereltern stellt sich dann ja auch raus, dass der Vater – wie man sich kaum vorstellen kann – irgendwelche Programmiersprachen kann, mit denen er dann bis in LA irgendwelche wilden Software-Programme irgendwie entwirft und wo man sich auch fragt: Mein Gott, woher konnte der das? In Jena oder irgendwo in irgend ner Uni hat er dann C+ oder C++, ich weiß auch nicht genau, wie die heißt, alles Mögliche gelernt, was ihn dazu befähigt hat, überhaupt dieses Leben zu führen.“

Und ich dachte, ich fall vom Hocker. Vielleicht habe ich etwas überreagiert, aber hier ist der Blog-Post, der daraus entstanden ist. Es ist eigentlich eine Geschichte der #Informatik in der #DDR anhand meiner Familie geworden.

https://so-isser-der-ossi.de/2024/01/04/wissen-und-arroganz/

#Computer #HeinrichHertzGymnasium #EDV #Zeiss #Robotron #Z9001 #KC85-2

MFDB054 In Krisen — Mein Freund der Baum - das Bücherradio mit Andreas Baum & Andi Arbeit

1.) Lutz Seiler: Stern 111 2.) Christian Baron: Ein Mann seiner Klasse 3.) Albert Camus: Der Fremde 4.) Matthias Horx: Die Zukunft nach Corona

18/ Über 30 Jahre später versteht man sein Leben dann so langsam. Ich hatte in der Schönhauser eine Wohnung besetzt und eines Tages, als ich nach hause kam, war die Tür aufgebrochen. Ich dachte damals, das wäre die KWV gewesen (Kommunale Wohungsverwaltung), aber vielleicht war es ja ein anderer Besetzer. Hätte ich mal die Fenster geputzt!

Aber vielleicht war es ja doch die KWV, denn ich hatte die Wohnung als leer gemeldet und wollte sie haben, aber die haben mir nach 24 gemeldeten Wohnungen die Wohnungen zwei Stockwerke tiefer gegeben, weil meine angeblich bewohnt war. Blöderweise war die unten ein finsteres Loch. 1. OG, zweiter Hinterhof. Irgendwann, ein paar Monate später kam mein Kumpel an, der bei seiner Freundin rausgeflogen war und fragte, ob er bei mir wohnen könnte. Ich meinte, nee, aber oben die Bude steht immer noch leer. Er besetzte dann meine besetzte Wohnung und hatte letztendlich die bessere Wohnung.

#Stern111

19/ Diese Stelle ist der Hammer. Ich weiß nicht, ob es jemand mitbekommen hat, aber vorher war Inge irgendwo im Westen gewesen und im Sportverein hatte die kranke Vorturnerin vorgeschlagen, dass Inge vorturnen sollte, was von den anderen Frauen empört abgelehnt wurde. Der Kontrast ist diese schweizer Wandergruppe.

Und so ist es im ganzen Buch. Die Ossis sind Ausländer und kommen am besten mit anderen Ausländer*innen klar. Amis zum Beispiel.

Übrigens, zum Ausland: Bis einige Jahre nach der Wende half es im Ausland, wenn man gesagt hat, dass man aus dem #Osten kam. Die Gesprächspartner*innen haben sich dann entspannt. Ach so, Ostdeutschland. Westdeutschland und seine Bewohner*innen schienen in Europa nicht so'n guten Ruf zu haben. Sorry. =:-)

#Ossis #Wessis #DDR #Stern111

20/ „Wo man eigentlich herkommt, warum man nicht dort ist – das sind Hinterhalte, wie im Krieg, hat Jonny gesagt.“

Jonny war der Freund von der US-Army. Dr Talib war ein Syrer, der Inge aufgenommen hatte. Schöner Name auch für so eine Figur.

#Stern111

21/ Eine Sache ist in #Stern111 schlimm falsch. Der ich-Erzähler hatte ja gesagt, dass er im Gebäude der Germanistik nur Schnecken gesucht hat. Er war nicht wirklich drin und hat nichts gelernt. Also hätte der #Suhrkamp-Verlag den Fehler finden müssen. Der Plural von Wort ist Wörter, wenn man sich auf die einzelnen Wörter im Gedicht oder in einem Text bezieht. Ich habe es den Student*innen leicht scherzhaft immer so erklärt: Wir benutzen nur Wörter, aber wenn Goethe was schreibt sind es Worte. (Seine letzten Worte waren „Mehr Licht!“ Natürlich auch seine letzten Wörter.)

Ich sehe ein, dass diese Erklärung nicht so geeignet ist, denn Seiler hätte, obwohl er Schriftsteller ist, Wörter schreiben sollen. =:-)

Also hier ist eine Erklärung vom Duden:

https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/worte-oder-woerter

Duden | Kurz erklärt: „Worte“ oder „Wörter“?

Manche Ausdrücke können mehrere Pluralformen haben, die sich jedoch nicht in der Bedeutung unterscheiden, wie wir in diesem Artikel zeigen. Die beiden Pluralformen von Wort hingegen beziehen sich auf unterschiedliche Dinge.

Duden
@stefanmuelller @tomkalei Spannend, danke, dass du das aufgeschrieben hast. Und ich fürchte, du hast vollkommen recht, die Leute aus dem Westen wissen fast nichts über die Leute aus dem Osten und haben vor allem überhaupt nicht auf dem Schirm, was im Rahmen der Wende alles für krasse Scheiße ablief. Und da muss ich mich mit einschließen, z.B. die pauschale Abi-Notenabwertung war mir neu.
@geeeero @stefanmuelller @tomkalei Danke für den Thread. Heute lebe und arbeite ich im Osten. Wäre ich in Bremen Prof. Müller (und einigen anderen) nicht über den Weg gelaufen, hätte ich meine dämlichen Vorurteile wahrscheinlich nie über den Haufen geworfen. Heute verbringe ich viel Zeit mit Zuhören. Ich habe viele Kollegen, die noch in der kleinen Republik in ihr Arbeitsleben gestartet sind. So viele Geschichten, so viel Geschichte!

@daccle @geeeero @tomkalei

Ach. Bremen. Was waren wir jung damals. =:-) Ja, auch Ossis können lustig sein. Wir hatten viel Spaß, oder?

@stefanmuelller Auf jeden Fall hatten wir Spaß und jünger waren wir auch. Du hattest einfach was zu erzählen: als Wissenschaftler und als Mensch. Da war es einfach zuzuhören und ne Menge zu Lernen gab es auch.

@geeeero @tomkalei

Also, das mit den Abis habe ich noch mal nachrecherchiert, auch weil manche sich gewundert haben. Im Einigungsvertrag steht es nicht, aber es gibt Diskussionen in der Presse zu dem Thema. Müsste man noch mal genauer gucken. Interessant wären auch Dokumente, in denen die Hertz-Schule vorkommt. Die andere Schule war, glaube ich, eine andere Spezialschule in #karlmarxstadt. #Chemnitz Würde mich auch interessieren, wenn das jemand genauer wüsste.

taz. 1990. Zwei Bundesländer erkennen DDR-Abitur nicht an. taz. (https://taz.de/Zwei-Bundeslaender-erkennen-DDR-Abitur-nicht-an/!1775240/)

Spiegel. 1990. Drüben war es leichter. Der Spiegel 13. (https://www.spiegel.de/politik/drueben-war-es-leichter-a-548dc5bf-0002-0001-0000-000013499353)

Zwei Bundesländer erkennen DDR-Abitur nicht an

■ Bayern und Rheinland-Pfalz wollen Gleichbehandlung der StudienplatzbewerberInnen sicherstellen / DDR-Abiturnoten-Durchschnitt liegt bei 1,0 bis 1,4 / In diesem Jahr werden mehrere 10.000 StudentInnen aus der DDR erwartet / NRW-Kultusminister fordert „Malus-Regelung“

@stefanmuelller @tomkalei

bin ich gerade drüber gestolpert (passt vielleicht hier einigermasßen hin):

"Überwachte Computerfans in der DDR"
https://www.augias.net/2022/03/25/9513/

Der ganze Artikel ist interessant. U.a. steht darin auch:

"Vor allem der „Handel mit verbotener Software (z.B. Software mit revanchistischen oder antikommunistischen bzw. mit antisemitistischen [sic!] Inhalt)“ sollte unterbunden und die verantwortlichen Personen „aufgeklärt“ bzw. „unter operativer Kontrolle gehalten werden“."

und das verlinkte Original-Dokument ist auch sehr interessant:
https://www.stasi-mediathek.de/medien/information-der-zentralen-arbeitsgruppe-geheimnisschutz-zur-privaten-nutzung-von-computern/blatt/84/

Überwachte Computerfans in der DDR | AUGIAS.Net

@peer @tomkalei

Das ist ja lustig. Da wurden wir ja wegen HdjT-Computerclub vielleicht auch erfasst. Bzw. Du als Gerätebesitzer. Ich habe gerade noch mal ne Anfrage beim BStU gemacht. Vielleicht sollte ich da die Computer-Sachen mit einbeziehen.

Hier: Das Stasi-Dokument im Blocksatz beweist, dass die DDR schon in den 80ern auf dem Stand von #Microsoft von heute war. Microsoft kann immer noch keine #Silbentrennung.

Übrigens habe ich mit einem Freund eine Zeitschrift mit Literatur und Grafik veröffentlicht. Das Layout-Programm hatte ich ca. 1988 selbst geschrieben. Wahrscheinlich in Turbo-Pascal und das hat nicht solch riesige Löcher in die Zeilen gemacht.

#DDR #Stasi #Computer

@stefanmuelller @peer

Knuths TeX kam 1978 glaube ich schon raus. Hatte sich die Stasi das nicht beschafft?

@tomkalei @peer

Die hatten im Osten ja alles Mögliche. @peer und ich haben in der Gruppe gearbeitet, die #Mutos für Ostrechner angepasst hat. Das war ein über Österreich/Ungarn geklautes Unix. Stand eigetnlich auf der Embergo-Liste, war aber irgendwo vom Laster gefallen.

Womit die Stasi ihre Texte gesetzt hat, weiß ich nicht. Sieht jedenfalls schlimm aus ....

@stefanmuelller

Eine BStU-Anfrage will ich auch mal wieder machen. Die aus den 90er Jahren hatte keinen Treffer.

Außer dem C64 und später Commodore PC-1 hatte ich auch schon vor der Wende einen Citizen 120D Nadeldrucker. Die damit geschriebene ML-Seminararbeit habe ich noch (mit Flatter- statt Blocksatz).

Und ich habe auch massiv Disketten mit Demoprogrammen und Katalogen im Westen angefordert und an meine Ost-Adresse in Berlin schicken lassen. Vor allem wegen der Disketten selbst, um diese als Speichermedium nutzen zu können. Nach so langer Zeit schwer zu sagen, aber das waren schon eine Menge. Diese Kontaktaufnahmen können eigentlich nicht verborgen geblieben sein.

Die Westzeitschriften hat meine Mutter auf Arbeit (Fernmeldebauamt) kopiert, soweit es ging. Vor allem wegen fehlendem bzw. rationiertem Kopierpapier. Und der Vater eines Jungen aus der Nachbarsklasse konnte auf Arbeit bei NARVA kopieren.

Beim Akustikkoppler kann ich mich leider überhaupt nicht mehr erinnern, wann ich mir den zugelegt habe, ob noch vor der Wende oder kurz danach.

Für das ZKI brauchte ich im Frühjahr 1988 eine Freigabe für die (echten) West-Rechner, die auf der CoCom-Embargo-Liste standen. Erst nach der Freigabe, die ein paar Tage dauerte, konnte ich dann auch an diese West-Rechner. Ich weiß aber auch nicht mehr, ob es für die Terminals des Groß-Rechners war oder 286er oder 386er.

Und bei der NVA in Eggesin hatte der Regimentsarzt Oberstleutnant K. privat auch einen C64. Diese Kategorie taucht in der Analyse der 1.200 Personen gar nicht auf.

@tomkalei

@peer @tomkalei

Das waren Terminal-Räume. An der SM4 konnten wir arbeiten, an der SM52 nur Genoss*innen.

https://en.wikipedia.org/wiki/SM-4

Es gibt noch ein Zeitungsbild, auf dem ich als Beifang mit drauf war. Eigentlich wurde da ein Angestellter im Computer-Raum fotografiert.

SM-4 - Wikipedia

@stefanmuelller @tomkalei

Das Foto war 1986, 12. Klasse. https://dfg-viewer.de/show/?set%5Bmets%5D=https://content.staatsbibliothek-berlin.de/zefys/SNP26120215-19860329-0-0-0-0.xml&tx_dlf[page]=13
Und wie ich in alten Unterlagen gelesen habe, müssten das 14 Tage Wissenschaftlich-Praktische Arbeit (WPA) gewesen sein. Erinnern kann ich mich so gut wie gar nicht mehr daran.

Was ich meine, war 1988, nach 18 Monaten NVA, in der Zeit bis zum Studienbeginn. Könnte eine VAX-11/780 o.ä. von DEC bzw. digital gewesen sein. Jedenfalls waren das schicke Westterminals. Oder die notwendige Freigabe war wegen der West-PCs.
s.a. http://www.adw-zki.de/docs/evaluierung_B051_4-92_AdW-ZKI.pdf

Es gibt auch einen interesanten Artikel, in dem beschrieben wird, wie Westrechner "vom Laster fallen":
https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/2019_1_1_bergien.pdf
In dem Artikel geht es aber nur um eine Anlage von Siemens.

apropos Genossen beim ZKI: Da schreibt jemand:
"Die Kantine des Zentralkomitees der SED durften wir theoretisch benutzen. Allerdings war nur von zwei Mitarbeitern bekannt, daß sie jemals einen Passierschein beantragten und diese Möglichkeit erkundeten. Zu gespenstisch war die Atmosphäre im ZK. Dort ging niemand freiwillig hinein. Auch war die Beantragung eines Passierscheins in meiner Erinnerung monatlich zu erneuern und mit Fragen und Auflagen verbunden."
http://www.adw-zki.de/kurstr/index.html

DFG-Viewer: Berliner Zeitung

@peer @tomkalei

Danke für den Link zum ZKI. Ach ja, das #Ahornblatt. Eigentlich ein Architekturhighlight und unter Denkmalschutz, aber dann doch irgendwie weggekloppt. Wir waren dort immer essen.

https://zeitgeschichte-online.de/geschichtskultur/kritische-rekonstruktion-nach-1989-die-ehemalige-grosskantine-ahornblatt-auf

#Osten #Berlin #Architektur

Kritische Rekonstruktion nach 1989? Die ehemalige Großkantine „Ahornblatt“ auf historischem Boden | zeitgeschichte | online

@stefanmuelller @peer @tomkalei

Ich bin ja maßlos entäuscht, dass "Floppy Disk" nicht mit "Schlabberige Scheibe" übersetzt wurde.

@stefanmuelller ...und im Schülerrechenzentrum in #Dresden hab ich an so einem Gerät gesessen.

@steve

Cool! Alles kommt zueinander. Die Tasten waren nicht so toll, oder? =:-)

@stefanmuelller Haha, in der Tat, die Tasten sind selbst mit aller Nostalgiemühe und durch die rosa Retrobrille unmachbar. :-)

@stefanmuelller Und für unsere Zuschauer an den Geräten daheim, hier kommt gerade ein Bildbeitrag zu besagter Tastatur herein:

https://swiss.social/@johnmacintosh/111703461477509244

John Macintosh (@[email protected])

Attached: 1 image #Keyboards #Keyboard

swiss.social

@steve @stefanmuelller der kc85 war dann aber auch anders schlimm mit diesen fernbedienungstasten. Gut wenn man dann mal, zumindest zeitweise nen c64 unter die finger bekam.

Ansonsten zum empfehlen: https://lanale.de/kc85_emu/KC85_Emu.html

Tatum war eines der Spiele bei der man noch den Source Code als Komplettlösung ausdrucken konnte. :) War für mich ja der Anfang vom Ende für solche Spiele.

KC85/3/4 Emulator und Spiele

KC85/3 KC85/4 Emulator online im Browser mit 180 Spielen

@brotbuexe @steve

Es gab mal ein Buch, in dem #Schach in #Pascal abgedruckt war. Komplett mit Erklärung. Tree Pruning und so. Sehr cool. Ich hatte es bis Seite 28 abgetippt ...

@stefanmuelller @steve habt ihr auch auf dt64 die Programme auf Kassette aufgezeichnet?

@brotbuexe Ich hab nur den BASIC-Kurs von Professor Dr Völz im Radio mitgemacht, der hatte auch Programme zum Mitschneiden, glaube ich. Bin aber nicht sicher, ob Du noch was anderes meinst.

@stefanmuelller

@brotbuexe @stefanmuelller @steve

Bei DT64 bin ich mir nicht sicher, vielleicht haben die das erst ausgestrahlt, als ich meinen Z9001 schon wieder vekauft hatte und stolzer Besitzer eines C64 mit Datasette wurde. Aber der Westen hat auch Computerprogramme per Radio ausgestrahlt. Daran kann ich mich noch gut erinnern und es hat auch meistens geklappt.
s.a. https://de.alt.folklore.ddr.narkive.com/TDwQGOyz/rias-sendet-computerprograme

RIAS sendet Computerprograme

@peer @brotbuexe
Ich hab vermutlich den hier von Professor Völz beschriebenen Kurs "1x1 des Programmierens" seit Oktober 1986 gemacht, scheinbar Sender DDR II, wenn ich es richtig interpretiere, also nicht DT64:

http://www.horstvoelz.de/PDF%20sonstige/ComputerSendungen.pdf

Generell auch ein schönes Stück Zeitgeschichte. Es gibt noch mehr davon auf seiner Seite. Er ist inzwischen 93. Hut ab.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Horst_V%C3%B6lz

@stefanmuelller

@steve @peer @brotbuexe

Cool! Das war ja auch die Hertz-Schule. Und wir haben uns gefragt, was #KünstlicheIntelligenz ist. 1986.

KI-Forschung gibt es übrigens schon sehr lange. Die Amis wollten schon immer wissen, worüber die Russen reden und haben sehr früh nach dem Krieg an automatischer Übersetzung gearbeitet.

#HeinrichHertzGymnasium

@stefanmuelller Wow, stimmt, alles kommt zueinander. Schön, wie sich hier Kreise schließen. @peer @brotbuexe

@steve @peer @brotbuexe

Horst Völz. Ein weiterer Beweis für die technologische Überlegenheit des Ostens. =;-)

Echt? 50% Ausfall bei Satelliten? Man schießt die Dinger hoch und mal klappt's und mal nicht? Watn Pfusch! Na, wenn man nicht so viele Ressourcen hat, arbeitet man halt sorgfältiger.

@stefanmuelller @steve @brotbuexe

Und Ende 1986 waren wir dann schon bei der NVA. Da war persönlich bei mir erstmal lange Zeit nichts mehr mit Computerei. Bei mir jedenfalls in der ersten 6 Monaten: Null.

Im zweiten Diensthalbjahr (1987) wurde ich dann versetzt und da ergab sich durch echten Zufall eine Möglichkeit.

Die hatten zwar einen HC-900 (KC85-2) rumzustehen, aber eigentlich nichts sinnvolles damit anzustellen. Für den verantwortlichen Offizier habe ich dann ein einfaches Programm geschrieben, um Luftlagen zu Ausbildungszwecken zu simulieren. Das hat auch super funktioniert, wurde aber mangels Gelegenheiten wohl nie genutzt. Jedenfalls habe ich davon nichts mit bekommen.

Eine Geld-Prämie als Neuerer habe dafür auch bekommen (vielleicht so 150 Mark)! https://de.wikipedia.org/wiki/Neuererwesen

Im zugehörigen Artikel des Offiziers, der mir später durch Zufall in die Hände gefallen ist, liest sich das DDR-typisch deutlich euphorischer. (Die Programmauschnitte kommen mir auch etwas komisch vor. Das mit den 14 Tagen Zeit für das Programm müsste aber hinkommen. Viel mehr Zeit habe ich in den 18 Monaten NVA auch nicht am PC verbracht.)

Und noch folgende Anekdote:
In unserem Regiment war der höchste Dienstgrad Oberstleutnant. Davon gab es nur 2. Und der eine davon hatte privat auch einen C64, vermutlich hauptsächlich für seine Kinder. Der hat mich auch einmal (also wirklich nur 1x) mit zu sich nach Hause genommen, um bei irgendetwas am Computer zu helfen oder zu zeigen. Ich habe mit der Famile auch zu Abend gegessen und übernachtet. Am nächsten Tag gings dann wieder zurück in die Kaserne. Das war eine schöne, einmalige Abwechslung.
Nicht nur der C64 war aus dem Westen bei dem Oberstleutnant, sondern das ganze Haus war eher so halbwegs perfekt ausgestattet und eingerichtet, dass es auch gut für einen Werbefilm im Westen getaugt hätte.

Neuererwesen – Wikipedia

@stefanmuelller

In Berlin wurden nur 20 Exemplare des Z9001 zum 35. Jahrestag 1984 im Haus der Elektroindustrie am Alexanderplatz an ganz normale Bürger frei verkauft. Ein anderer Hertz-Schüler und ich haben uns jeder einen privat gekauft.

Dass es welche spätestens zu "Ehren" des Jahrestages geben würde, geben muss, machte die Runde. Irgendwann konnte man sich des geplanten Verkaufstages sicher sein.

Der 7.10. war 1984 ein Sonntag. Der Verkauf muss aber an einem Schultag gewesen sein. Das weiß ich deshalb so genau, weil wir eigentlich an dem Tag, ungefragt die Schule "schwänzen" wollten (11. Klasse).

Die Eltern meines Klassenkameraden hatten aber kalte Füße bekommen, oder was weiß ich, und unseren Klassenlehrer einfach eingeweiht und ihn kurzfristig noch am Vortag um Erlaubnis gefragt. Die haben sie zwar auch bekommen. Aber ich fand das trotzdem mindestens "schräg". Und dann sind sie auch noch extra bei uns zu Hause aufgetaucht und haben uns das mitgeteilt (ca. 30km mit dem Auto), statt einfach anzurufen. Wobei ich mir aber nicht 100% sicher bin, dass wir da schon Telefon hatten, aber ich denke schon.
Wegen der Entfernung hatte mein Schulfreund bei uns übernachtet, weil es von uns viel näher dran war und wir ja früh hin wollten.

Ich glaube, wir beide sind erst zu ca. 6 Uhr hin. Jedenfalls nicht zu übertrieben unchristlicher Zeit. Wir waren so die Nummer 5 und 6 in der "Warteschlange". Die ersten waren wohl schon ab 2 Uhr in der Nacht da und von weiter her, Dresden, Leipzig oder so. Es hat aber nicht mehr lange gedauert bis der Andrang deutlich größer wurde. Kurz vor Öffnung um 10 war der Andrang zwar nicht so groß wie ein paar Jahre später im selben Gebäude bei der Ausgabe der DM und Scheiben zu Bruch gingen, aber von der ursprünglichen Reihenfolge war auf Grund der Massen nichts mehr zu erkennen.

Um 10 Uhr kam dann ein Verkäufer raus und verteilte Reservierungskärtchen, 20 Stück für 20 Exemplare des Z9001. Irgendwie hat es geklappt, dass wir beide dann jeder so ein Kärtchen bekommen haben und im Laufe der nächsten Stunden in Ruhe je einen Z9001 in Empfang nehmen konnten.

Lange habe ich es aber nicht mit ihm ausgehalten. Er musste einem C64 weichen. Erst nur mit Datasette, also Speicherung auf normalen Musikkassetten. Dann mit einem 5,25 Zoll Floppy Laufwerk. Und kurz vor der Wende bin ich dann wertneutral auf einen Commodore PC-1 umgestiegen...

Neben den gemeinsamen PC-Erfahrungen mit Stefan, die er in seinem Blog beschrieben hat, hatte ich 1985 sog. wissenschaftlich-praktische Arbeit im Zentralinstitut für Arbeitsmedizin. Die waren damals auch mit PCs ausgestattet. Dort haben wir unsere Programme auf 8 Zoll Floppys gespeichert. Einen historischen Einblick findet man hier: http://www.robotron-computermuseum.efb-1.de/c_zam.htm

Rechentechnik im Zentralinstitut für Arbeitsmedizin in Berlin - ZAM

@peer

Ich erinnere mich an die Geschichte. War es nicht so, dass Ihr in einer Wohnung gegenüber bei der Schwester übernachtet hattet und dann, als die ersten sich anstellten, runtergegangen seid? Um 8:00 oder 9:00, als die ersten Mitarbeiter auftauchten, habt Ihr die Zettel bekommen. So hatte ich mir's gemerkt.

@stefanmuelller

Mit der Erinnerung kann es zugegebenermaßen manchmal trügerisch sein. Aber mit der gegenüberliegenden Wohnung kann nur die Wohnung gegenüber der Hertz-Schule gemeint sein, in der der Mitschüler ein Zimmer zur Untermiete hatte, weil er so weit weg wohnte. Da habe ich, glaube ich, nur ein einziges Mal übernachtet, als die Vermieterin auf Reisen war. Wahrscheinlich nach einer Party in der Schule, die spät wurde, oder wegen irgendeiner Veranstaltung, die früh anfing, vermute ich. Oft hat er ja selbst nicht da übernachtet.

Gegenüber vom Haus der Elektroindustrie war/ist das Hotel Stadt Berlin. Da hatten wir definitiv kein Zimmer genommen.

Und an den Besuch der Eltern konnte sich meine Mutter gestern auf Nachfrage auch noch spontan erinnern. Allerdings auch nicht mehr, ob wir zu der Zeit schon Telefon hatten.

Das ist mir dann aber später auch noch eingefallen. Und zwar im Zusammenhang mit dem Umstieg auf den C64: Nein, wir hatten noch kein Telefon. Denn ich musste immer zur Telefonzelle, wenn ich beim Quelle-Versand angerufen habe, ob denn der C64 endlich lieferbar ist. VC20 wäre lieferbar gewesen, der C64 einige Zeit nicht.

Ich habe den dann aber nicht direkt beim Quelle-Versand bestellt, als er endlich lieferbar war, sondern konnte unseren Verwandten in West-Berlin Bescheid geben. Die hatten Mitarbeiter-Prozente bei Quelle, deshalb musste es Quelle sein.

Die haben ihn dann als versichertes Wertpaket geschickt. Wäre es "weggekommen", wäre der Wert von der Bundespost ersetzt worden.

@stefanmuelller

Woran ich mich aber nicht erinnern kann, ab wann ich einen Akustikkoppler für Datenfernübertragung hatte. Ob schon vor dem Mauerfall oder erst danach.

Die Telefonleitungen haben sich durch den Mauerfall ja nicht unmittelbar verbessert. Das hat noch Jahre gedauert. Sie waren aber gut genug, wenn auch nicht optimal.

Früher hatte der Begriff Mailbox eine andere Bedeutung: https://de.wikipedia.org/wiki/Mailbox_(Computer)

Mailbox (Computer) – Wikipedia

@stefanmuelller

Meine ist Matheprof. (jetzt im Ruhestand) Hat in der SU in Rostov studiert und mir in den 90ern echte Chicago Bulls Souvenirs von Dienstreisen nach USA mitgebracht. Alles mit uns Kindern hat sie natürlich auch organisiert, und meine BASIC-Programmiererfahrungen auf dem KC85-3 gebootstrapt und meinen ersten Internet-Anschluss klargemacht (Modem-Einwahl in die Uni)

Wie immer lässt sich alles besser als Podcast verlinken ;)
https://www.math.kit.edu/ianm4/seite/ma-instandhaltung/de

KIT - Fakultät für Mathematik - Der Modellansatz: Modell250 - Instandhaltung

@stefanmuelller
P.S. Leider geht’s in dem Podcast aber gar nicht um die DDR-Zeit oder 90er. Das muss woanders nochmal festgehalten werden. Vielleicht in der @staatsbuergerkunde ?
Aber da gibts einige Folgen zur Uni, glaube ich.

Meine Mama hatte dann auch mal wegen uns Kindern einen Ruf aus Schweden abgelehnt, der wissenschaftlich wohl sehr attraktiv gewesen wäre.

@tomkalei @staatsbuergerkunde

Da hättet Ihr doch mitgehen können. In Schweden liegt doch auch #Bullerbü.

@tomkalei

So viele Podcasts, wie Du mir schickst, kann ich gar nicht abwaschen. =:-)

@stefanmuelller Sorry, was?
(War gerade abgelenkt vom Podcast hören beim Social Media surfen..)
@stefanmuelller @peer »Guten Tag. Mein Name ist Müller, ich breche hier ein.«

@texttheater @peer

Ganz genau so. Mit einem Lächeln vorgetragen hätte mir keiner widerstehen können. Ich hätte mich natürlich mit dem ganzen Namen vorgestellt. Selbst das wäre hinreichend anonym gewesen.

@stefanmuelller

Bei mir lief die Wohnungsbesetzung so ab, dass ich diese nur behaupten musste. Es lief nämlich Ende 1990 noch so wie zuvor für den Osten typisch mit Beziehungen: bei einer Bekannten war im Haus eine alleinstehede Frau vor einiger Zeit verstorben und die Wohnung deshalb nun frei. Außerdem hatte meine Bekannte eine Bekannte bei der KVW. Mit der war abgemacht, dass sie die vorgeschobene Wohnungsbesetzung mit mir legalisiert. Der Mietvertrag wurde im Januar 1991 unterschrieben.

Zwar nicht im hippen Mitte oder Prenzlauer Berg, sondern nur in Oberschöneweide bzw. Schweineöde, aber dafür direkt an der Wuhlheide in Tierpark-Nähe. Und von den ursprünglichen Industrie-Schadstoff-/Schmutz-Emissionen war ja sehr schnell nichts mehr übrig.

Die Wohnung habe ich dann mit Hilfe der sog. Mietermodernisierung des Senats auf Vordermann gebracht. Und zwar in einem unglaublichen Tempo. Unvorstellbar aus heutiger Sicht!

Die notwendige "Baugenehmigung" für den Umbau der Speisekammer in eine Dusche habe ich durch argumentative Diskussion auf dem Flur des Bauamtes im Rathaus bekommen: wir haben uns darauf geeinigt, dass ein Holzgutachter bestätigt, dass kein Schadbefall vorliegt, und dann bekomme ich den Stempel: "Prüfverzicht durchs Bauamt".

Zu der Zeit habe ich als Ossi auch gelernt, dass es Inflation gibt und was sie bedeutet. Von einem Tag auf den anderen hatte der Hersteller für die Seppelfricke-Wandheizer die Preise erhöht, was schlecht für meine Kalkulation war. Die Verkäuferin hat mir diesen ganz normalen Vorgang mit höheren Lohnabschlüssen usw. erklärt.

Der Vorteil der Mietermodernisierung war auch, dass die vom Mieter geschaffenen Komfortmerkmale nicht bei der Miete bzw. Mieterhöhungen berücksichtigt werden durften.

Einige Jahre später hat sich dann eine Erbengemeinschaft eines ehemals enteigneten Voreigentümers gemeldet. Das hatte aber noch keine Konsequenzen. Erst als ein "verrückter" Ossi (Bauunternehmer) denen das Haus abgekauft hatte fing der Stress an und ich bin dann irgendwann freiwillig wieder ausgezogen.

@stefanmuelller

Ein Mitschüler auf der EOS hat sich auch deshalb für 4 Jahre NVA entschieden, weil es dann im Studium 33% bzw. 100% (!) mehr Stipedium gab (400 Mark für 4 Jahre statt 300 M für 3 Jahre, sonst 200 M). Wie gesagt "auch". Das war also nicht der alleinige Grund, 3 Jahre hätte er sowieso gemacht, machen "müssen". Aber das zusätzliche Geld hatte er bereits viele Jahre bevor es relevant wurde, in seine Überlegungen mit einbezogen. Der höhere Verdienst während der 4 Jahre kommt einerseits on top noch hinzu, dieser geht aber auf Kosten der späteren Berufsjahre, in denen es dann ordentlich Kohle gibt...

Er hatte auch schon als EOS-Schüler "Probleme" mit dem Zug 2. Klasse zu fahren und ist deshalb lieber 1. Klasse gefahren: höherer Komfort, geringere Wahrscheinlichkeit schreiender Babys, rücksichtsloser Zeitgenossen usw. Sicher auch eine Frage des Status.

Natürlich konnte man Lebensmittel und Kleidung in "normalen" Läden kaufen. Aber die Bedürfnisse der Menschen (Ausnahmen bestätigen hier eher die Regel *)) haben sich ja nicht nur einerseits nach dem "Nötigsten" gerichtet und ein paar "Luxusgütern" on top. Sondern für manche war das, was man nur im Delikat, Exquisit, von Privat oder auch im Intershop kaufen konnte, kein Luxus, sondern bereits Teil des "Notwendigen" (plus Luxusgütern).
siehe dazu auch https://www.youtube.com/watch?v=HIzCrklpbbE

Und sicherlich wäre Sparen in machen Fällen eine zielführende Methode, aber wieder nicht für alle. Der genannte Mitschüler hat quasi immer über seinen Verhältnissen gelebt, genauer seine zukünftigen Einnahmen bereits Jahre vorher bei den Ausgaben antizipiert. Zu Westzeiten war er dann immer 5tellig im Dispo, was sich dann erst geändert hat, als sein Gehalt 6stellig wurde. Es gab zwischendurch Phasen, wo das zum echten Problem/Fiasko hätte werden können, wenn die weitere Entwicklung nich so verlaufen wäre, wie es geplant war. Dannach sah es manchmal aus.

Für mich spielte Geld zu Ostzeiten vor allem deshalb auch keine Rolle, weil es einfach da war, wenn ich es brauchte (ich brauchte aber nicht viel *), heute auch nicht). Als ich (ca. 15 J., 1982) in einer Zeitungsanzeige einen TI-58 (programmierbarer Taschenrechner von Texas Instruments) gefunden hatte, habe ich meine Mutter angerufen, um sie von der Arbeit abzuholen, das Sparbuch mitzubringen, 1.700 Mark abzuholen und dann zum Verkäufer zu fahren...

*) für Kinder/Jugendliche wird sich die Situation bzw. das Empfinden sicherlich ganz anders darstellen als für Erwachsene

Exquisit: Mode, Made in GDR

YouTube

@peer

Oh, krass. Ja, gab's auch. Die meisten Menschen, die ich kannte, waren anders drauf. Ich wäre nie im Leben im Osten drauf gekommen, 1. Klasse zu fahren. Auch im Westen nicht. Habe ich erst sehr spät gemacht, als die DFG es bezahlt hat.

Und Dispo ist für Menschen, die prinzipiell Geld haben und rechnen können, nicht schlau, denn das ist ja sehr teuer. Da ist dann irgendwas nicht in Ordnung mit Belohnungssystem. Dass die Banken das lange mitgemacht haben, ist auch komisch.

@stefanmuelller

"Und Dispo ist für Menschen, die prinzipiell Geld haben und rechnen können, nicht schlau, denn das ist ja sehr teuer."

Das hört sich auch ein bisschen Geld-fixiert, materialistisch an. Natürlich kostet ein Dispo zusätzlich Geld. Aber das ist ja nur (weiteres) Geld. Man bekommt dafür aber im Tausch "Lebensfreude"! Und zwar früher, als wenn man sparen würde.

Gewissensfrage: Was ist wichtiger Lebensfreude oder Geld?

(Okay, man kann darüber streiten, ob man sich (nur) an teuren Dingen des Lebens erfreuen kann, die man sich noch nicht leisten kann. Oder man kann auch nicht darüber streiten, jedenfalls wohl nur mit mäßigem "Erfolg". Die Menschen sind eben verschieden... Im Prinzip bin ich aber auch hier wieder deiner Meinung.)

"Dass die Banken das lange mitgemacht haben, ist auch komisch"

Die übliche Grundregel war schon damals, dass man einen Dispo in Höhe des 3fachen Monatseingangs bekommt (zwischen 1fach bis 5fach). D.h. für 10.000 Dispo musste man nur ca. 3.000 Zahlungseingang haben. Mit dem Karriere-Ziel bald/irgendwann an der Spitze der Gehalts-Pyramide zu stehen (und entsprechenden exponetiellen Gehaltssprüngen) war es nicht unschlau, nicht erst die letzten 20 Berufsjahre dem entsprechend zu leben, sondern diese Zeit so weit wie möglich vorzuziehen (wenn einem so etwas wichtig ist).

@stefanmuelller

aus aktuellem Anlass habe ich mir mal alte, sehr alte, Unterlagen angeschaut und überraschender Weise auch folgendes gefunden.

Der Screenshot ist aus einer Seminararbeit im 1. Studienjahr im Pflichtfach Marxismus-Leninismus im Informatik-Studium, aus dem Jahr 1988, also noch vor der Wende. Die Quelle/Befragung selbst ist von 1984 von der TH Karl-Marx-Stadt.

Vielleicht sollte man das "neuerdings" aus Stern111 auf nicht allzu viele Menschen und Personengruppen beziehen...

Aber vor allem als ergänzendes Mosaiksteinchen gedacht.

(Natürlich muss man bei der Interpretation solcher Befunde vorsichtig sein, insbesondere wenn dort bspw. an erster Stelle irgendetwas politisches gestanden hätte, Kampf für den Frieden, Stärkung des Sozialmus, für die Partei etc. pp.)

@peer Vielleicht fährt der „sozialistische Ingenieur“ auch nicht Taxi, so dass sich da keine Änderung feststellen ließ. =:-)

@stefanmuelller

Es ging schon damals um die Abgrenzung zwischen Ossi und Wessi, Osten und Westen, RGW und NSW. Im Text: sozialistisch und kapitalistisch. (siehe erweiterten Screenshot mit dem nächsten Satz)

Es sind also alle Ingenieure in der DDR gemeint. Und vermutlich hatten die kein Alleinstellungsmerkmal unter den Werktätigen/Beschäftigten.

Aber umgekehrt, die Stern111-Aussagen vornehmlich an potentiellen Schwarz-Taxi-Fahrgästen, bzw. sehr speziellen soziologischen Gruppen festzumachen, scheint mir nicht verkehrt.

@stefanmuelller

auf der Suche nach soziologischen Studien zur Einstellungen von Jugendlichen zur Jugendweihe bin ich auf folgendes gestoßen: siehe Screenshot
Hille, B. (1988). Jugend und Jugendpolitik in der DDR Eine kritische Zwischenbilanz. In: Glaeßner, GJ. (eds) Die DDR in der Ära Honecker. Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin, vol 56. VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-322-85308-0_25

Das hatte ich zwar schon vermutet, aber jetzt habe ich es nochmal schwarz auf weiß und grün markiert.

@stefanmuelller

Zufällig ein Statement eines Zeitzeugen und Neuzeit-Historikers (schreibt über sich, dass er "zeitweise als Experte in Sachen Ausländerfeindlichkeit in der DDR bzw. Ostdeutschland" galt) Patrice G. Poutrus aka (((Icke))):

Seine Mutter war Buchhändlerin und verdiente so wenig, dass das Gehalt manchmal nicht für die Miete reichte. Und da sie diese generell nicht per Überweisung bezahlten, sondern die Miete in bar in der Wohnung abgeholt wurde, mussten sie am Zahltag dann immer ganz leise sein und so tun, als ob niemand zu hause ist, wenn das Geld für die Miete wieder nicht reichte.

ab ca. 21m
https://bom.podigee.io/24-new-episode#t=1285

(Im Osten gab es natürlich schon Konten und Überweisungen usw. Aber, dass manche Mieter in bar bezahlt haben, daran kann ich mich auch noch erinnern.)

B.O.M. #14 - Patrice Poutrus über ein Leben voller Geschichte:

Der Podcast aus Berlin. In diesem Podcast werden Geschichten aus einer ehemals geteilten und nun wieder vereinten Stadt erzählt. Eine Stadt mit viel Geschichte und noch viel mehr Geschichten. Ostdeutsche Geschichten. Migrantische Geschichten. Geschichten, die verwoben sind, die antagonistisch sind. Wir denken, dass jede Geschichte es Wert ist, erzählt zu werden. Hosts: Dr. Daniel Kubiak & Dr. Özgür Özvatan Tonstudio am CMS: Gianpiero Tari Layout: Tamar Sarkissian Produziert vom BIM an der HU Berlin

B.O.M. - Berlin.Ost.Migrantisch