1/ Lese gerade #Stern111. Großartig. Hausbesetzer im Osten nach der Wende. Und die Geschichte von zwei Eltern, die nach der Maueröffnung noch abgehauen sind. Sie tun mir so leid. Es klingt alles schrecklich und man fragt sich, warum sie gegangen sind, wo sie doch n Haus hatten und die Mauer ja letztendlich auf war. Nun ja. Mal weiterlesen.

https://www.suhrkamp.de/buch/lutz-seiler-stern-111-t-9783518429259

Stern 111. Buch von Lutz Seiler (Suhrkamp Verlag)

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Suhrkamp Verlag

2/ Carl versucht, Schriftsteller zu werden. In einem besetzten Blumenladen hatte er aus Versehen Dünger in den Kaffee gemacht.

Jemand hält eine Rede:

„Lasst uns Partisanen dieser Häuser sein! Denkt an Arkadi Gaidar! Wir sind keine Horde, wir sind keine Bande, wir machen der Heimat bestimmt keine Schande!«
Alle hier sind Dichter, dachte Carl, nur ich nicht, ich bin Dünger.“

Ich muss immer noch drüber lachen.

3/ Es sind ja Millionen Menschen gegangen. Es war ja dann auch irgendwie klar, dass es im Osten keine Perspektive mehr gab, weil die Wirtschaft zusammengebrochen war bzw. von der #Treuhand verscherbelt oder abgewickelt wurde. Aber was ich eben merkwürdig fand, ist, dass sie gleich nach Grenzöffnung gegangen sind. War letztendlich vielleicht sogar schlauer, weil sie mit der ersten Welle gekommen sind. Eventuell hätte man sich sonst vom Osten auf West-Stellen bewerben können. Nun ja.

4/ Carls Vater Walter hatte Arbeit gefunden, weil er fünf Programmiersprachen konnte. Er gab Kurse. Fühlte sich dennoch wie ein Hochstapler.

Tipp an die jungen Ossis: Ihr könnt auch alles. Einfach lernen und dann machen. Geht schon. Ihr schafft das.

5/ Zu der Sache mit dem Selbstbewusstsein gibt es einen tollen Witz aus der Nachwendezeit, der am allertollsten ist, wenn ihn Regine Hildebrandt erzählt. Es geht um die Frage, wieso das Abitur im Westen 13 Jahre dauert, im Osten aber nur 12 Jahre.

Gleich am Anfang des MDR-Beitrags Ostfrauen auf dem Weg zur Macht.

https://www.youtube.com/watch?v=z4QaRyUNeog

MDR Dok Ostfrauen Wege zur Macht 2/3

YouTube

6/ Carl wettet, dass er in 25 Sekunden eine Kalaschnikow zerlegen und wieder zusammen bauen kann.

Ich erinnere mich an ein Waffenreinigen, das ewig dauerte. Es war immer noch irgendwo Dreck in dem Ding. Ich hatte kein Verhältnis zu „meiner Waffe“. Schon gar kein sexuelles. War es überhaupt „meine Waffe“? Ja, wahrscheinlich waren die personengebunden und standen mit Namen in der Waffenkammer. Ich putzte stundenlang an „meiner Waffe“ herum. Irgendwann endete das Waffenreinigen. Wahrscheinlich weil die Offiziere auch keine Lust mehr hatten.

Wundersamerweise ist es mir gelungen, in meiner gesamten Armeezeit nur einmal zu schießen. Das war in der Ausbildung. Weil im Osten alles knapp war, gab es die FDJ-Initiative „Treffen mit dem ersten Schuss“. Ja, doch, wirklich: Die #FDJ gab es auch bei der Armee. Das bedeutete, dass ich ein Magazin Munition hatte. Einzelfeuer, Dauerfeuer. Das war es dann.

Ich war also weit davon entfernt, mich mit irgendwelchen Russen im Schießen oder Waffenputzen zu messen. Aber ich war bei den Russen in der Kaserne. Zum Wettkampf. Im #Schach. Und ich habe gewonnen. \o/
Ein Freundschaftsspiel. Fand ich gut.

Seid nett zueinander! Spielt Schach oder Wizard miteinander und schießt Euch nicht tot!

7/ Ha, ha. Unheilbar.

Ich bin ja mit vier aus #Thüringen nach Berlin gekommen. An zwei Sachen kann man mich immer noch erkennen: Portemonnaie und Lutscher.

8/ Einfach für diesen Satz lohnt es sich schon, das Buch zu kaufen.

9/ Hi, hi. #Schwarztaxi #DDR

Ja, so einen Stadtplan hatte ich auch. Auf der anderen Seite der Mauer war es einfach weiß. Wozu hätte man da auch etwas hindrucken sollen. Niemand, der diese Karte in den Händen hielt, würde je auf die andere Seite gelangen. Die Information war einfach irrelevant. Aus Sicht derjenigen, die für den Druck dieser Karten verantwortlich waren. #Stern111

10/ Das ist es, was ich auch neulich geschrieben hatte. Geld spielte keine Rolle. Essen konnte man sich kaufen. Zu den Preisen von vor dem Krieg. Wohnungen hatten auch Vorkriegsmieten. Theater, Kino, Konzerte waren billig. Mit ein bisschen sparen konnte man auch „Luxusgüter“ wie ein Radio, plattenspieler und einen Fernseher erstehen. Mehr gab es nicht, mehr brauchte man nicht. Statusdenken gab es auch nicht so.

#DDR #Stern111

11/ Am Tag nach der Entlassung aus der Armee zog ich meine besten Sachen an und fuhr zur #Ostseestraße. Ein Kumpel hatte mir eine Adresse einer Wohnung eines Kumpels gegeben, der in den Westen gegangen war. Er hatte versprochen, die Wohnung nicht abzuschließen. Ich hatte von der Armee noch einen Dietrich und war bereit für meinen ersten Bruch. Ich fuhr extra früh am Morgen. Um 8:00 war ich an der Wohnung. Ich wusste auch damals schon, dass es gut ist, sich antizyklisch zu verhalten. Rechtschaffene Menschen waren zu dieser Zeit arbeiten. Enttäuscht musste ich jedoch feststellen, dass die Tür gut verschlossen war. Ich versuchte, sie mit einem Tritt zu öffnen. Es krachte mörderisch, aber die Tür gab nicht nach. Ein Sprung. Ein neuer Rums. Dann kam jemand die Treppe herunter. Eine Frau mit ihrem Mülleimer. Mein Herz raste und ich versteckte mich hinter einer Tür. Ich wusste: Einbrecher ist kein Beruf für mich.

Lustigerweise lerne ich jetzt erst über 30 Jahre später, wie ich die Dinge richtig hätte anstellen können. Aus der Diskussion mit @peer, der mir die Wikipediaartikel zur #Hausbesetzung in der #DDR zeigt und von Lutz Seiler in #Stern111.

Statt mich wie ein Einbrecher zu verstecken, hätte ich der Frau mit dem Mülleimer einfach guten Tag sagen sollen und ihr erklären sollen, was ich da mache.

12/ Hab das Buch jetzt ausgelesen. Menschen haben mir gesagt, dass nicht alles in Romanen der Realität entsprechen muss. Aber bei diesem ist alles wahr. Ich habe viele so ähnliche Dinge erlebt und kann für die Authentizität bürgen. Auch fliegende Ziegen gab es im Osten. Wirklich! Trotz technologischer Überlegenheit konnte der Westen das nicht nachzüchten. Die waren so neidisch, dass sie die fliegenden Tiere dann später aus Kunststoff nachgebaut haben. Manche Bauern nehmen ihre Kunsttofftiere auch mit auf Demos, da kann man das dann sehen. Aber sprechen können die nicht. Die Tiere. Vielleicht kommt das ja demnächst noch. Mit #KünstlicheIntelligenz.

Also alles echt im Buch. Bis auf eine Sache. Ich glaube, es stimmt nicht, dass Lutz Seiler die Kalaschnikow zurückgegeben hat bzw. dass die Russen sie mitgenommen haben.

PS: Eigentlich wollte ich diesen Post mit einem Bild einer fliegenden West-Kuh bebildern, aber ich habe keins. Ich fotografiere allen mögliche Tod und Teufel, aber die fliegenden Kühe habe ich nie fotografiert. Wer braucht schon Bilder von fake fliegenden Kühen aus Kunststoff??? So ein Quatsch.

Fliegende Bienen sind natürlich viel interessanter. Das ist Kunst! Stellt Euch mal vor, wie die Welt wäre, wenn Bienen fliegen könnten! Fliegende Bienen gab es auch im Osten nur hypothetisch in den Liedern von #ForyerDesArts. Eine Band aus dem Westen. Ja, die kannten wir auch. Konnte man hören. Zum Beispiel mit einem #Stern111.

PPS: Bild ist bei #WirHabenEsSatt im letzten Jahr entstanden. Ist bald wieder. Dann mit den lieben Bauern.

13/

Könnten Bienen fliegen
Flögen sie zur Himmelsmitten
Der Himmel ginge auf
Und Gott würde um Verzeihung bitten.

#ForyerDesArts

https://www.youtube.com/watch?v=R5S2CDcInGk

Foyer Des Arts - Könnten Bienen Fliegen

YouTube

14/ Anna Seghers' Das siebte Kreuz hat jede*r #DDR-Bürger*in gelesen. Es gab einen einheitlichen Lehrplan für das ganze Land.

Anna Seghers war Jüdin. Hochdekorierte und anerkannte Schriftstellerin.

https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Seghers

Nur wenn Euch mal jemand was von strukturellem, staatlichen #Antisemitismus erzählen will.

Anna Seghers – Wikipedia

15/ So schön! Habe mich über eine doofe, gedankenlose, unwissende Bemerkung im Podcast zu #Stern111 geärgert und dann meine Mutter zu Computern gefragt. Sie hat mir vom #Zeiss-Rechenautomat #ZRA1 erzählt, auf dem sie 1964/1965 in ihrem #Astrophysik-Studium programmieren gelernt hat. 1964! Da wart Ihr noch nicht geboren. Ich auch nicht. Während der Mütterkur (1968) hat sie dann #Cobol gelernt.

Und? Was für Superkräfte haben Eure Mütter so?

https://de.wikipedia.org/wiki/ZRA_1https://de.wikipedia.org/wiki/ZRA_1

Blog-Post folgt. #Ossis #Wessis #Arroganz #Computer

Robotron Z 9001, Robotron KC 85/1, Robotron KC 87 – Wikipedia

@stefanmuelller ...und im Schülerrechenzentrum in #Dresden hab ich an so einem Gerät gesessen.

@steve

Cool! Alles kommt zueinander. Die Tasten waren nicht so toll, oder? =:-)

@stefanmuelller Haha, in der Tat, die Tasten sind selbst mit aller Nostalgiemühe und durch die rosa Retrobrille unmachbar. :-)

@stefanmuelller Und für unsere Zuschauer an den Geräten daheim, hier kommt gerade ein Bildbeitrag zu besagter Tastatur herein:

https://swiss.social/@johnmacintosh/111703461477509244

John Macintosh (@[email protected])

Attached: 1 image #Keyboards #Keyboard

swiss.social

@steve @stefanmuelller der kc85 war dann aber auch anders schlimm mit diesen fernbedienungstasten. Gut wenn man dann mal, zumindest zeitweise nen c64 unter die finger bekam.

Ansonsten zum empfehlen: https://lanale.de/kc85_emu/KC85_Emu.html

Tatum war eines der Spiele bei der man noch den Source Code als Komplettlösung ausdrucken konnte. :) War für mich ja der Anfang vom Ende für solche Spiele.

KC85/3/4 Emulator und Spiele

KC85/3 KC85/4 Emulator online im Browser mit 180 Spielen

@brotbuexe @steve

Es gab mal ein Buch, in dem #Schach in #Pascal abgedruckt war. Komplett mit Erklärung. Tree Pruning und so. Sehr cool. Ich hatte es bis Seite 28 abgetippt ...

@stefanmuelller @steve habt ihr auch auf dt64 die Programme auf Kassette aufgezeichnet?

@brotbuexe @stefanmuelller @steve

Bei DT64 bin ich mir nicht sicher, vielleicht haben die das erst ausgestrahlt, als ich meinen Z9001 schon wieder vekauft hatte und stolzer Besitzer eines C64 mit Datasette wurde. Aber der Westen hat auch Computerprogramme per Radio ausgestrahlt. Daran kann ich mich noch gut erinnern und es hat auch meistens geklappt.
s.a. https://de.alt.folklore.ddr.narkive.com/TDwQGOyz/rias-sendet-computerprograme

RIAS sendet Computerprograme

@peer @brotbuexe
Ich hab vermutlich den hier von Professor Völz beschriebenen Kurs "1x1 des Programmierens" seit Oktober 1986 gemacht, scheinbar Sender DDR II, wenn ich es richtig interpretiere, also nicht DT64:

http://www.horstvoelz.de/PDF%20sonstige/ComputerSendungen.pdf

Generell auch ein schönes Stück Zeitgeschichte. Es gibt noch mehr davon auf seiner Seite. Er ist inzwischen 93. Hut ab.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Horst_V%C3%B6lz

@stefanmuelller

@steve @peer @brotbuexe

Cool! Das war ja auch die Hertz-Schule. Und wir haben uns gefragt, was #KünstlicheIntelligenz ist. 1986.

KI-Forschung gibt es übrigens schon sehr lange. Die Amis wollten schon immer wissen, worüber die Russen reden und haben sehr früh nach dem Krieg an automatischer Übersetzung gearbeitet.

#HeinrichHertzGymnasium

@stefanmuelller Wow, stimmt, alles kommt zueinander. Schön, wie sich hier Kreise schließen. @peer @brotbuexe

@steve @peer @brotbuexe

Horst Völz. Ein weiterer Beweis für die technologische Überlegenheit des Ostens. =;-)

Echt? 50% Ausfall bei Satelliten? Man schießt die Dinger hoch und mal klappt's und mal nicht? Watn Pfusch! Na, wenn man nicht so viele Ressourcen hat, arbeitet man halt sorgfältiger.

@stefanmuelller @steve @brotbuexe

Und Ende 1986 waren wir dann schon bei der NVA. Da war persönlich bei mir erstmal lange Zeit nichts mehr mit Computerei. Bei mir jedenfalls in der ersten 6 Monaten: Null.

Im zweiten Diensthalbjahr (1987) wurde ich dann versetzt und da ergab sich durch echten Zufall eine Möglichkeit.

Die hatten zwar einen HC-900 (KC85-2) rumzustehen, aber eigentlich nichts sinnvolles damit anzustellen. Für den verantwortlichen Offizier habe ich dann ein einfaches Programm geschrieben, um Luftlagen zu Ausbildungszwecken zu simulieren. Das hat auch super funktioniert, wurde aber mangels Gelegenheiten wohl nie genutzt. Jedenfalls habe ich davon nichts mit bekommen.

Eine Geld-Prämie als Neuerer habe dafür auch bekommen (vielleicht so 150 Mark)! https://de.wikipedia.org/wiki/Neuererwesen

Im zugehörigen Artikel des Offiziers, der mir später durch Zufall in die Hände gefallen ist, liest sich das DDR-typisch deutlich euphorischer. (Die Programmauschnitte kommen mir auch etwas komisch vor. Das mit den 14 Tagen Zeit für das Programm müsste aber hinkommen. Viel mehr Zeit habe ich in den 18 Monaten NVA auch nicht am PC verbracht.)

Und noch folgende Anekdote:
In unserem Regiment war der höchste Dienstgrad Oberstleutnant. Davon gab es nur 2. Und der eine davon hatte privat auch einen C64, vermutlich hauptsächlich für seine Kinder. Der hat mich auch einmal (also wirklich nur 1x) mit zu sich nach Hause genommen, um bei irgendetwas am Computer zu helfen oder zu zeigen. Ich habe mit der Famile auch zu Abend gegessen und übernachtet. Am nächsten Tag gings dann wieder zurück in die Kaserne. Das war eine schöne, einmalige Abwechslung.
Nicht nur der C64 war aus dem Westen bei dem Oberstleutnant, sondern das ganze Haus war eher so halbwegs perfekt ausgestattet und eingerichtet, dass es auch gut für einen Werbefilm im Westen getaugt hätte.

Neuererwesen – Wikipedia