"Ich denke, das hilft uns ein wenig zu verstehen, dass beide Wege richtig sind, je nach Individuum. Doch speziell für unsere Reinigung der Geisteshaltung und speziell für die Praxis des Tonglen („Geben und Nehmen“), um die es beim relativen Bodhichitta geht, ist ein Leerheitsverständnis im Vorfeld entscheidend. Denn in dieser außerordentlich fortgeschrittenen Lehre des Tonglen ist das größte Hindernis für die Bereitschaft, das Leid anderer wirklich auf sich zu nehmen und zu erfahren, und ihnen im Gegenzug unser Glück zu schenken, unsere Angst: die Angst, zu leiden. Angst vor Leid basiert auf Selbstbezogenheit, auf dem Festhalten an einem „Ich“, das sich nicht die Hände schmutzig machen will, und denkt: „Ich will mir nicht wehtun; ich will damit nichts zu tun haben.“ Das ist besonders dann der Fall, wenn wir uns vorstellen, das Leid anderer wirklich auf uns zu nehmen. Wenn wir uns gedanklich auf ein festes „Ich“ beziehen und uns sagen: „Oh mein Gott, was passiert mit mir?!“, und so weiter, geraten wir aus der Fassung und sind nicht bereit, es zu tun. Nur mit einem gefestigten Leerheitsverständnis, insbesondere der Leerheit eines Selbst der Person – von dir und mir –, wissen wir, wie wir mit dieser ganzen #Tonglen-Praxis umgehen sollen. Ansonsten ist es sehr schwierig."






