Energie im globalen Machtkampf
Die Zeitenwende als Zeitenbruch: Die alte sicherheits- und wirtschaftspolitische Ordnung ist zerbrochen. Es gibt keinen Hegemon mehr. Putin und Trump betreiben einen Imperialismus der SchwĂ€che, gestĂŒtzt auf fossile Energien und militĂ€rische Macht. China setzt auf Elektrifizierung und Dekarbonisierung. Die neue Blockkonfrontation lautet Petrostaaten versus Elektrostaaten. Europa muss sich aus der fossilen AbhĂ€ngigkeit befreien. Es muss strategische Autonomie, gemeinsame Verteidigung, Eurobonds und Kooperationen in einer Allianz der MittelmĂ€chte vorantreiben, will es die neue multipolare Welt mitgestalten. Meine Rede bei der SensAbility 2026:
Liebe Paula Niederelz, liebe Studierende der WHU, meine Damen und Herren, vielen Dank fĂŒr die Einladung zur diesjĂ€hrigen SensAbility â The WHU Impact Summit 2026.
1 Zeitenbruch
Heute Mittag hat Olaf Scholz hier gesprochen. Als am 24. Februar 2022 Russland die ganze Ukraine mit Krieg ĂŒberzog, hat er den Begriff der Zeitenwende geprĂ€gt. Der Imperialismus eines revisionistischen Russlands zwang die Welt, neu zu denken. Alte Gewissheiten erwiesen sich als falsch:
â Russland ist kein zuverlĂ€ssiger Lieferant von Energie.
â Russland respektiert â anders als einst die Sowjetunion â nicht die Unverletzlichkeit von Grenzen.
â Wir brauchen die Bundeswehr nicht nur fĂŒr EinsĂ€tze unter dem Dach der Vereinten Nationen, sondern wieder zur AbschreckungâŠ
Die Liste lieĂe sich verlĂ€ngern.
Die falschen Gewissheiten zu korrigieren ist die Herausforderung der Zeitenwende.
Die Ampelkoalition hat hierfĂŒr die Grundlage gelegt. CDU/CSU, SPD und GrĂŒne haben gemeinsam mit einer VerfassungsĂ€nderung dafĂŒr den Rahmen geschaffen.
Doch nicht nur die Gewissheiten ĂŒber Putin erwiesen sich als brĂŒchig. Trump zertrĂŒmmerte weitere europĂ€ische Gewissheiten:
â Im Mutterland der Demokratie, den USA, ist die Demokratie massiv unter Druck.
â Die USA sind nicht lĂ€nger Europas Partner. Sie bedrohen uns in Grönland.
â Das Beistandsversprechen der NATO zĂ€hlt nicht mehr.
â Die neue Globalisierung prĂ€gen Zollkrieg und Abschottung statt offener MĂ€rkte und freiem Handel.
Es ist das Ende eines romantischen Transatlantizismus, wie ihn Friedrich Merz im Vorsitz der Atlantik-BrĂŒcke noch leben durfte. Vor allem aber trifft die neue Zeit uns Deutsche hart.
Deutschlands Wirtschaftsmodell funktioniert nicht mehr.
Mit billigem Gas aus Russland Maschinen, Autos, Chemikalien zu produzieren und auf offenen MĂ€rkten unter dem militĂ€rischen Schirm der USA zu verkaufen, klappt nicht mehr. âIsch overâ â um Wolfgang SchĂ€uble zu zitieren.
Deutschland, Europa und die Welt erleben mehr als eine Zeitenwende.
Es ist ein Zeitenbruch.
Deshalb spreche ich heute ĂŒber:
â Einen Imperialismus der SchwĂ€che
â Petrostaaten vs. Elektrostaaten
â Moderne Industriepolitik
â Europas StĂ€rke
2 Imperialismus der SchwÀche
Der Zeitenbruch ist mehr als die RĂŒckkehr der GroĂmachtpolitik. NatĂŒrlich waren der Krieg der USA gegen Vietnam, die ĂberfĂ€lle auf Grenada oder Nicaragua ebenso Ausdruck von GroĂmachtpolitik wie die Invasion der Sowjetunion in Afghanistan oder die Intervention in der CSSR.
GroĂmachtpolitik im Kalten Krieg war Ausdruck des Kampfes zweier HegemonialmĂ€chte um die Sicherung ihres Teils der Welt. Gegenseitig respektierten die USA wie die Sowjetunion ĂŒberwiegend den anderen Hegemon. Das limitierte den Streit und Stellvertreterkriege um EinflusssphĂ€ren.
Auf DualitÀt der Hegemone beruht unsere internationale Rechtsordnung. Das Völkerrecht in Gestalt der UN-Charta garantiert die SouverÀnitÀt aller Staaten. Es lÀsst Ausnahmen vom strikten Gewaltverbot nur zur Abwehr eines unmittelbar drohenden Angriffs oder mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrats zu.
Alle Staaten in der UN sind gleich. Im UN-Sicherheitsrat aber fĂŒnf Staaten sind gleicher. Die SiegermĂ€chte des 2. Weltkriegs, allesamt AtommĂ€chte, haben als stĂ€ndige Mitglieder ein Vetorecht. Sie können Entscheidungen gegen ihre Interessen blockieren. Und sie tun das.
Die alte hegemoniale Ordnung endete 1990.
Der Zerfall der Sowjetunion lieĂ nur die USA ĂŒber. Das Ende des einen Hegemon aber war nicht der Beginn ewigen Friedens.
In den Kriegen im Irak, in Afghanistan, in Libyen offenbarte sich die Ăberdehnung der Macht der USA. Ihr unilaterales Zeitalter endete, bevor es begonnen hatte.
Heute gibt es keinen Hegemon mehr.
Die USA konnten weder unter George W. Bush noch unter Barack Obama globale Ordnung garantieren. In die von den USA ĂŒberlassenen RĂ€ume im Nahen Osten und dem Sahel stieĂ ein revisionistisches Russland vor. Donald Trump wurde gewĂ€hlt, weil die Amerikaner nicht mehr fĂŒr die Hegemon-Rolle zahlen wollten.
Unter Trump wollen die USA nicht lĂ€nger Hegemon sein, aber erste GroĂmacht.
Das meint âMake America great againâ. Nicht die Garantie einer regelbasierten globalen Ordnung ist das Ziel. In einer regellosen Welt der StĂ€rkste zu sein, ist das strategische Ziel der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA.
Oder wie Donald Trump die Grenzen seines eigenen Handelns definiert:
âYeah, there is one thing. My own morality. My own mind. Itâs the only thing that can stop me. I donât need international law.â
In der Verachtung einer regelbasierten Ordnung trifft sich Trump mit Putin.
Beide teilen die Ăberzeugung, dass Staaten in der von ihnen definierten Einflusszone nur eine begrenzte SouverĂ€nitĂ€t haben.
Deshalb verwickelte Putin Georgien und die Ukraine erst in begrenzte Grenzkriege, um dann die Ukraine als Ganzes zu ĂŒberfallen.
Deshalb ĂŒberfiel Trump zunĂ€chst Venezuela und griff dann den Iran an. Deshalb bedroht er Grönland und Kanada mit Annexion. Deshalb erteilt sein Sicherheitsberater Marco Rubio auf der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz der von Friedrich Merz tags zuvor geforderten âEuropĂ€ischen SouverĂ€nitĂ€tâ eine knallharte Absage.
Worauf sich Deutschlands Verteidigungsminister und der AuĂenminister folgsam erhoben und stehend applaudierten. FĂŒr Wadephuls und Pistorius NaivitĂ€t gilt Erich KĂ€stners Ratschlag:
âWas auch immer geschieht: Nie dĂŒrft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!â
Man applaudiert dem neuen Imperialismus nicht, man tritt ihm entgegen.
Dazu bedarf es Mut. Aber auch des Wissens, worin sich der neue Imperialismus von Trump und Putin vom alten Imperialismus unterscheidet. Der Imperialismus des 19. Jahrhunderts beruhte auf ĂŒberwĂ€ltigender militĂ€rischer, ökonomischer und technologischer Macht.
Der neue Imperialismus ist ein Imperialismus der SchwÀche.
Putin möchte das Zarenreich wiederherstellen. Der Zerfall der Sowjetunion war fĂŒr ihn die âgröĂte geopolitischen Katastropheâ. Das Ende der Sowjetunion beruhte auf fehlender ökonomischer WettbewerbsfĂ€higkeit und technologischer Unterlegenheit, auf die ein erstarrtes politisches System keine Antwort fand.
Daran hat sich nicht viel geÀndert. Russlands Wirtschaftskraft liegt zwischen der Italiens und Spaniens. Es beruht einseitig auf dem Export fossiler Rohstoffe. Sein wichtigstes Asset sind seine Atomwaffen.
Das Ende des anderen Hegemons, der USA, wurde in Afghanistan und dem Irak sichtbar. Die stÀrkste und modernste Armee der Welt konnten ihre Ziele nicht durchsetzen.
Fast dramatischer ist der Verlust an amerikanischer Soft Power. Noch dominieren die USA die globalen FinanzmÀrkte und die IT-Industrie. Doch der Aufstieg Chinas hat die Welt verÀndert. In Lateinamerika, Asien wie Afrika hat China die USA im Handel abgehÀngt.
Der gröĂte Binnenmarkt der Welt aber ist die EuropĂ€ische Union.
Putins und Trumps Imperialismus der SchwÀche versucht dem Verlust an Soft Power mit Hard Power zu begegnen.
Das macht diesen Imperialismus gleichzeitig gefÀhrlich und verletzlich.
3 Petrostaaten vs. Elektrostaaten
Im globalen Powerplay spielt Energie eine zentrale Rolle. Der Imperialismus der SchwĂ€che stĂŒtzt seine Macht stark auf fossile Energien. Auch diese Gemeinsamkeit teilen Putin und Trump.
Russlands Wertschöpfung, sein Staatshaushalt beruht ĂŒberwiegend auf dem Export von Kohle, Ăl und Gas. Die Energiedominanz der USA beruht Ăl- und Gas-Ressourcen, vor allem aber auf der FĂ€higkeit als Swing-Producer die globalen Ăl- und Gaspreise zu gestalten.
Doch diese Macht aus den Fossilen schwindet. Elektrifizierung und Dekarbonisierung stellen sie infrage. Es ist eine groĂe Transformation.
Wir werden Zeuge des Endes der fossilen Industrialisierung.
2024 waren weltweit ĂŒber 90 Prozent der neuen StromerzeugungskapazitĂ€ten erneuerbar. Die HĂ€lfte dieser Investitionen wurde in China getĂ€tigt. Der Zubau der Erneuerbaren ĂŒbertraf zum ersten Mal das Wachstum der Nachfrage nach Strom. FĂŒr 2025 gilt das Gleiche.
Es ist eine globale Machtverschiebung. Seine E-Autos haben China innerhalb von 5 Jahren zum gröĂten Autoexporteur werden lassen â vor den USA, vor Deutschland, vor Japan.
Der Verlust fossiler WettbewerbsfÀhigkeit untergrÀbt die geopolitische Macht von Russland und den USA. Wir steuern auf einen neuen Systemkonflikt zu:
Petrostaaten gegen Elektrostaaten.
Bei den fossilen Verlierern dieses Konflikts wĂ€chst die Neigung zum halbstarken Imperialismus. In der Nationalen Sicherheitsstrategie der USA ist der Wiedergewinn fossiler Energiedominanz ein strategisches Ziel. Sie ist ausdrĂŒcklich gegen Europa gerichtet. Wir sollen uns sich von Erneuerbaren und Klimaschutz verabschieden.
China reagiert auf die fossile Energiedominanz der USA mit einer konsequenten Strategie: Elektrifizierung und Ausbau der Erneuerbaren.
Zwischen Petrostaat oder Elektrostaat hat Europa keine Wahl. Europa hat kein Ăl und Gas. Es muss sich diesem neuen Kalten Krieg entscheiden: Heimische Erneuerbare oder weiter jĂ€hrlich 80 Mrd. an Aukraten fĂŒr Ăl und Gas zahlen.
Resilient werden oder sich erpressen zu lassen.
Geopolitisch hat Europa das gleiche Interesse wie China. Es möchte weder von Russland noch weiter von den USA abhĂ€ngig sein. Wir sollten sollte darĂŒber aber nicht von China abhĂ€ngig werden.
Die vom Irankrieg ausgelöste Ălkrise zeigt erneut: Trumps Kriegslust korreliert mit dem Vorhandensein von Ăl- und Gasquellen, ob in Venezuela, in Nigeria, in Grönland oder jetzt im Iran. Verteuert der Irankrieg die Ăl- und Gaspreise fĂŒr den groĂen Rivalen China, ist das gewollt. SpĂŒlt das Geld in Putins Kasse, ist Trump nicht traurig
Von den gestiegenen Gaspreisen profitiert die Frackingindustrie. Die fossile US-Industrie kassiert Milliarden an Windfallprofits ein. Ihre halbe Milliarde Spenden fĂŒr Trumps Wahlkampf war eine lohnende Investition.
Wir sollten den Irankrieg als das Fukushima der fossilen Energien ansehen â als einen Wendepunkt.
4 Moderne Industriepolitik
Anstatt den Wandel zu forcieren, bestrafen Merz, Klingbeil und Reiche Vorreiter. Erneuerer werden ausgebremst, nicht wettbewerbsfÀhige GeschÀftsmodelle dagegen subventioniert.
Die Bundesregierung versucht all das zu tapfer zu ignorieren. Schwarz-Rot ĂŒbt â im Schulterschluss mit der konservativ-nationalistischen Mehrheit im Europaparlament â das fossile Rollback.
â Als die E-Autos von Volkswagen die Teslas aus Europas Verkaufslisten zu verdrĂ€ngen begannen, kĂ€mpfte Schwarz-Rot dafĂŒr Verbrenner lĂ€nger zuzulassen.
â Die Bundesregierung stufte Hybride als âklimaneutralâ ein. Sie emittieren auf der StraĂe viermal so viel CO2 wie in ihrer Zulassung steht .
â Entfallen soll die Vorgabe, dass 65% der WĂ€rme kĂŒnftig erneuerbar erzeugt sein mĂŒssen. Mit dem âTeuer-Heizen-Gesetzâ (GrĂŒne) landen steigende Gaspreise in den privaten Haushalten, wenn es die kommunale WĂ€rmeplanung oder der Vermieter so will. Dem Erdgas sollen âgrĂŒne Gaseâ zugemischt werden. Zu diesen Gasen zĂ€hlt Wasserstoff, der mit Erdgas erzeugt wurde und dann dem Erdgas wieder beigemischt wird. Unsinnig, aber teuer.
â Es soll ins Belieben von 800 örtlichen Verteilnetzbetreibern gestellt werden, ob sie Erneuerbare und Speicher ans Netz lassen. So werden nicht Netzausbau und Erneuerbare synchronisiert, sondern der Zubau von Erneuerbaren ausgebremst. Chancen fĂŒr ein stabileres Netz bleiben liegen.
â UngerĂŒhrt sieht Katherina Reiche zu, wie die nĂ€chste Ausschreibung fĂŒr Off-Shore-Wind leerlĂ€uft. Der drohende Fadenriss bei Off-Shore gefĂ€hrdet 50.000 ArbeitsplĂ€tze in Norddeutschland.
â Der Anreiz, zusĂ€tzliche KapazitĂ€ten fĂŒr PV-Strom auf privaten DĂ€chern zu installieren, soll entfallen. WĂ€hrend Balkonkraftwerke boomen, sollen Haushalte von der EEG-EinspeisevergĂŒtung ausgeschlossen werden.
â Auf Druck Deutschlands versprach die EU Donald Trump, US-FlĂŒssiggas im Wert von 750 Milliarden zu kaufen.
Schwarz-Rot betreibt palliative Wirtschaftspolitik â teure Sterbehilfe fĂŒr die fossile Industrie.
Es ist wie vor Fukushima, als die Atomindustrie mit allen Mitteln darum kĂ€mpfte, mit ihrem nicht mehr zukunftsfĂ€higen GeschĂ€ftsmodell, noch etwas lĂ€nger Geld verdienen zu dĂŒrfen. 2011 wussten die Atomkonzerne, dass niemand ein neues Atomkraftwerk bauen wĂŒrde. Es wĂ€re viel zu teuer und nicht wettbewerbsfĂ€hig gewesen. E.on und RWE hatten eine erteilte Genehmigung fĂŒr ein neues Atomkraft in GroĂbritannien sogar zurĂŒckgegeben.
2026 kĂ€mpfen die Gaskonzerne dafĂŒr, noch etwas lĂ€nger Geld verdienen zu dĂŒrfen. Und weil Porsche 93 Prozent Gewinneinbruch mit seinen Verbrennern erlebt, soll der Umstieg auf E-Autos verzögert werden â zu Lasten von Volkswagen. Dort stehen 50.000 ArbeitsplĂ€tze zur Streichung an.
Auch heute weiĂ die Gasindustrie, dass sie â trotz Trump â dauerhaft mit dem Verkauf von Erdgas keine GeschĂ€fte machen wird. Physik, Ăkonomie und Klimaschutz sprechen dagegen. Eine WĂ€rmepumpe liefert mit einer Kilowattstunde Strom dreieinhalb Kilowattstunden WĂ€rme. WĂ€hrend die Gaspreise explodieren, sinken die Kosten fĂŒr erneuerbaren Strom.
Deutschlands Autoindustrie weiĂ, dass der Verbrenner keine Zukunft hat. Sinkende Strompreise und der Erfolg von Chinas E-Autoindustrie sprechen BĂ€nde. Europas Autoindustrie wird nur ĂŒberleben, wenn sie sich schneller und nicht langsamer auf E-MobilitĂ€t umstellt.
Der Irankrieg sollte ein Weckruf sein. Deutschland muss anfangen, resilienter zu werden. Wie 2011 Angela Merkel kann es die LaufzeitverlĂ€ngerung beenden â diesmal fĂŒr Fossile.
Das fossile Rollback muss gestoppt werden. Der Ausstieg aus den Fossilen muss beschleunigt werden. Deutschland muss konsequent auf den Ausbau heimischer erneuerbare Energien setzen. Es sind âFreiheitsenergienâ wie sie Christian Lindner in einem selten hellen Moment mal nannte. Vor allem aber
Wir mĂŒssen endlich moderne Industriepolitik betreiben statt palliativer Wirtschaftspolitik.
1700 Unternehmen in Deutschland haben das in einem offenen Brief eingefordert.
5 Europas StÀrke
Ich habe bei der Erstellung dieser Keynote ihren Titel geĂ€ndert. War in der AnkĂŒndigung von âTransformationâ die Rede war, steht dort jetzt âDie groĂe Transitionâ.
Transformation wĂ€re etwas, das wir machen wĂŒrden. Zumindest die Bundesregierung hat sich noch nicht entschieden, ob sie aktiv machen will.
Wir erleben aktuell die Transition des globalen Systems nach dem Ende der BipolaritÀt, nach dem Scheitern des Unilateralismus. Diese Transition stellt das gesamte multilaterale System der Vereinten Nationen infrage.
Wir erleben die Herausbildung eines neuen multipolaren Systems.
Diese Transition vollzieht sich, ob Deutschland, ob Europa etwas macht, oder nicht. Wir mĂŒssen mit den Folgen umgehen. Besser ist es, die Herausbildung das neue multipolare System im europĂ€ischen Interesse aktiv mitzugestalten.
Die Transition geht mit globalen MachtkÀmpfen einher. Offen setzt der Imperialismus von Putin und Trump auf das Recht des StÀrkeren. Beide, die USA wie Russland, wollen die regelbasierte Ordnung beenden.
Das ist nicht im Interesse Europas â und es ist nicht im Interesse der ĂŒbergroĂen Mehrheit der Staaten der Welt. Es gilt also
Europa muss resilienter werden und strategische Allianzen bilden.
Europa neigt dazu, sich schwĂ€cher zu fĂŒhlen, als es ist, sich kleinzumachen. Das war lange eine erfolgreiche Strategie â im Windschatten des Hegemon gute GeschĂ€fte zu machen. Das funktioniert nicht mehr.
Ohne sich selbst zu ĂŒberschĂ€tzen, dĂŒrfte Donald Tusk doch recht haben, als er mit Blick auf den Abschied der USA von der NATO spottete:
â500 Millionen EuropĂ€er bitten 300 Millionen Amerikaner, sie vor 144 Millionen Russen zu schĂŒtzenâ
Es war ein Aufruf, die Defizite Europas zu beheben, aber sich der eigenen StÀrken bewusst zu sein.
â Europa muss seine Defizite bei der Verteidigung angehen â das ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern wie es ausgegeben wird, national oder europĂ€isch.
â Will Europa nicht finanziell erpressbar bleiben, muss der Euro neben den Dollar als globale WĂ€hrung treten. LeitwĂ€hrung wird der Euro aber nur mit europĂ€ischen Anleihen â Eurobonds.
â Europa ist der gröĂte Binnenmarkt der Welt. Will es das in der neuen Globalisierung bleiben, muss es seine strategischen Industrien schĂŒtzen â das gilt gerade fĂŒr Batterie- und Speichertechnologie, fĂŒr Pharma- wie fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz. Resilienz, etwa durch Local Content Regeln oder den Kohlenstoffgrenzausgleich kostet. Aber Serverfarmen in Dubai oder Doha sind keine gute Idee.
â Europa muss sich aus der AbhĂ€ngigkeit der US-Tech-Monopole befreien. Dazu gehört eine klare Regulierung von Plattform, das Ende ihrer steuerlichen Privilegierung â aber auch die Bereitschaft, konsequent auf Open Source und europĂ€ische Lösungen zu setzen. Schleswig Holstein lĂ€sst grĂŒĂen.
â Europa braucht Partner in der Welt, die sich gegen Strafzölle und Abschottung zusammenschlieĂen. Mit ihnen muss regelbasierter freier Handel vereinbart werden â in Handelsabkommen auf Augenhöhe.
â Europa darf nicht lĂ€nger fossil erpressbar sein. Es muss die Elektrifizierung und Dekarbonisierung seiner Volkswirtschaft schneller vorantreiben. Heimische erneuerbare Energien auszubauen ist etwa anderes als Autarkie. Hierzu gehören auch Energiepartnerschaften wie die Wasserstoffkooperation mit Namibia oder Kanada.
Kurz:
Die neue multipolare Welt braucht eine Koalition der Willigen fĂŒr regelbasierte Ordnung.
Auf die USA können wir dabei nicht setzen â auf Russland schon gar nicht. Anders als die USA und Russland China will eine regelbasierte Ordnung â doch nur zu seinen Bedingungen.
Kanadas MinisterprĂ€sident Mark Carney fordert gegen die GroĂmĂ€chte ein BĂŒndnis der MittelmĂ€chte. Europa muss seine StĂ€rke in ein solches BĂŒndnis investieren. Denn Carney hat recht:
âWenn wir nicht am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte.â
Vielen Dank fĂŒr die Aufmerksamkeit.
â„ïž Herzliche Einladung
Wie viel AufrĂŒstung brauchen wir? DarĂŒber diskutieren wir am kommenden Montag mit Lea Reisner von @dielinke und Simon Bödecker von Ohne RĂŒstung Leben.
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16. MĂ€rz, 18:30 Uhr
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Weitere Infos und Anmeldung đ
https://www.propeace.de/de/veranstaltung/die-100-milliarden-euro-frage

Mit der Zeitenwende kĂŒndigte der damalige Bundeskanzler ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro fĂŒr die Bundeswehr an. Ein riesiger Betrag, eine groĂe Kontroverse, und doch nur der Anfang. Inzwischen wird eine weitere Erhöhung des Verteidigungsetats auf fĂŒnf Prozent der Wirtschaftsleistung diskutiert, das wĂŒrde etwa 200 Milliarden Euro pro Jahr entsprechen. Studien von Greenpeace stellen offen infrage, ob Europa tatsĂ€chlich eine derart groĂe AufrĂŒstung braucht, um sich verteidigen zu können.
SIE đŻ đž haben jedes bisschen đ« #Liebe, đ«¶ #RĂŒckenstĂ€rkung und đ§âđ§âđ§âđ§ #UnterstĂŒtzung verdient, bei dem was auf diese đ§ #Kinder und jungen #Menschen dieser đ Generation zukommt! JEDES! đ #wepray đ
https://mastodon.social/@Karl_Theodor/113566756117772319
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Materialsammlung zur EKD-Friedensdenkschrift
Am 10. November 2025 hat die EKD ihre neue Friedensdenkschrift veröffentlicht, die (nicht nur) kirchenintern kritisch diskutiert wurde.
Hier eine Materialsammlung inkl. der Denkschrift, verschiedensten Stellungsnahmen sowie dem Input von Jan Gildemeister (GeschĂ€ftsfĂŒhrer AGDF) zum Download:
https://padlet.com/gewaltfreihandeln/ekd-friedensdenkschrift-2025-6ozm92du1lzv9ar3