Triduum 2026
Gründonnerstag
Biblische Lesungen:
1. Lesung Ex 12,1-8.11-14 und Antwort-Ps 116,12f.15f.17f
2. Lesung 1 Kor 11,23--26
Evangelium Joh 13,1-15
Einleitung in diese Liturgie:
Wir beginnen mit diesem Gründonnerstag den längsten Gottesdienst des Kirchenjahres, wenn man so will. Sie werden merken, der Gottesdienst endet nicht am Abend, wenn wir auseinander gehen in der Weise, wie wir es am Sonntag bei der Feier der Eucharistie gewohnt sind.
Wir führen den Gottesdienst morgen hier mit der Karliturgie weiter
Abschließen werden wir diesen Gottesdienst dann in der Osternacht hier mit der Osternachtfeier.
Dieser Gottesdienst lässt uns auch den Preis erahnen, den unsere Erlösung gekostet hat, den Jesus Christus für uns auf sich genommen hat. Bei aller Festlichkeit endet er mit einem herben Klang.
Der Gottesdienst endet in seinem gemeinsamen Teil mit einem Taizégesang. Dieser Ruf erinnert an Jesu Wunsch am Ölberg. Er weiß, das gemeinsame Gebet kann helfen, die Angst, die sich oft einstellt, wenn wir ans Leiden denken, zu bestehen. Wir werden diesen Gesang dann 3x offiziell singen. Hier in der Kirche wird dann mit einer Ölbergandacht die Möglichkeit sein, miteinander in diesem Raum des Betens zu bleiben. Schon jetzt möchte ich herzlich dazu einladen.
Inhaltliche Einführung
Mit unseren Eingangslied haben wir einander ermutigt, sich auf Jesus und sein Beispiel hin zu öffnen. Jedesmal wenn wir miteinander Eucharistie feiern, folgen wir ja der Aufforderung Jesu, Tut dies zu meinem Gedächtnis, erinnern wir uns, so wie er es tat, an Gottes befreiendes Wirken. Dieses Wirken soll sichtbar werden. Eine Gemeinschaft, die in guter Weise miteinander verbunden ist, hat dazu eine große Kraft.
Mich fasziniert, dass immer wieder befreiende Impulse über Menschen auftauchen, die sich selbst nicht als Teil der institutionellen Kirche verstehen. Dazu werde ich später noch etwas mehr sagen.
Wir sind seine Freunde - so weiß die 4. Strophe. Das ist ja eine besondere Beziehung, die uns da geschenkt wird. Aus dieser Freundschaft heraus zu leben verändert viel. Leider sind wir immer wieder auch versucht, diese freundschaftliche Beziehung nicht zu pflegen und wenden uns daher an Ihn, unseren Herrn und bitten Ihn um sein Erbarmen.
Liebe Mitchristen
Siehe ich mache alles neu - das ist die Brille, mit der in diesem Jahr viele Christen auf das Wort Gottes und dann natürlich auch auf die österliche Erfahrung schauen. Dieser Vers aus der Offenbarung des Johannes wurde von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für das Bibellesen als Überschrift für das Jahr 2026 ausgewählt. Ich finde diese Jahreslosung sehr passend. Gott wird, davon bin ich zutiefst überzeugt, unsere Weise des Wirtschaftens und unser Miteinander erneuern. Unserer Umgang mit der Schöpfung und auch mit vielen Menschen lässt wenig von Gottes Liebe und Güte spüren, braucht diese Erneuerung.
Wir schauen heute bewusst auf die Liebe, die wir in Jesu Handeln erahnen, die wir in seiner Nachfolge aufnehmen wollen. Diese Liebe weiß sich mit dem Gott verbunden, der aus Knechtschaft befreit - über die Götter der Unterdrücker Gericht hält. Die Kraft dieses Feierns liegt auch in der Perspektive, die alle aufnehmen, die miteinander Pesach, den Vorübergang Gottes, feiern. Nämlich, dass diese Befreiung heute für uns geschieht. Dieser Hinweis auf heute wird uns später in den Einsetzungsworten auch begegnen. In unserer Gegenwart werden wir von Gott aus Abhängigkeiten befreit - was kann das bedeuten? Wo nehmen Sie ungute Abhängigkeiten, zB Süchte wahr?
Leider lässt sich heute beobachten, Menschen und andere gesellschaftliche Akteure gehen freiwillig in eine Abhängigkeit. Einige von Ihnen werden wissen, dass ich Pfarrer im Zweitberuf bin. Nach meiner Schulzeit habe ich vor 50 Jahren eine Lehre als Programmierer begonnen und bin natürlich weiterhin interessiert an Entwicklungen im Digitalen. Da gibt es vermeintlich kostenfreie bequeme Angebote, die dazu führen , dass einige Tech-Milliardäre in Monopolpositionen gelangen konnten, die unser gesellschaftliches Miteinander ungut beeinflussen. Wen dazu Hintergründe interessieren, der kann auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung fündig werden. Erst in den letzten Monaten hat sich dafür ein größeres gesamtgesellschaftliches Bewusstsein dafür gebildet, wie besondere Regelungen für Jugendliche und Medien.
Smartphones machen aktuell vieles in unserem gesellschaftlichen Miteinander deutlich. Die eigene Nutzung kann sehr unterschiedlich ausgerichtet sein. Manche Programme führen dazu, dass wenige viel Geld und Macht bekommen - sind bestimmt von einer Logik des Nehmens, der Ausbeutung. Andere möchten helfen, das eigene Leben zu bereichern, können genutzt aber nicht gekauft werden. Interessanter Weise geben die meisten der Programme, die sich für den Weg der Ausbeutung entschieden haben, vor, das Leben der Nutzenden zu bereichern, besser zu machen. Oft ist ihre Nutzung sehr bequem und die Art der Ausbeutung subtil, d.h. sie fällt auf den ersten Blick gar nicht so auf. Das hängt auch damit zusammen, dass es im weltweiten Netz eine Währung gibt, die sich für Nutzende erst einmal kaum erschließt, nämlich ihre Daten. Wir lassen also unsere Daten diesen Programmen und merken erst viel später, welchen Einfluss wir damit anderen über unser Leben geben.
Die Vorstellung, dass etwas, was Menschen nutzen, nicht käuflich ist, kommt aus einer Subkultur der IT-Szene. Dort werden viele der Hinweise Jesu, die uns bewusst sind, gelebt. Diese Bewegung hat sie entdeckt, weil ihr Freiheit sehr wichtig ist. Sie kennt den Wert des Dienens, Gebens und freut sich darüber, wenn andere kreativ Teil diese Kultur werden. Daher erzähle ich heute davon. Mir zeigt es und macht Mut, wir Menschen können anders leben, es Gott erlauben, unser Miteinander und unser Wirtschaften neu zu machen. Und Gott ist da schon am Werk - davon bin ich fest überzeugt. Mir ist es in dieser Subkultur, zu der ich durch meine berufliche Formung auch gehöre, bewusst. Vermutlich könnten andere Menschen aus ihrem Lebensumfeld ähnliches erzählen. Gottes Geist weht, wo er will und wir dürfen uns davon inspirieren lassen.
Dass Ausbeutung nicht wirklich funktioniert, ist vielen bewusst. Unsere Gesellschaft ist oft so unterwegs und merkt gleichzeitig die Grenzen dieser Lebensweise. Das Beispiel Jesu - der Dienst, das absichtslose Geben, Brot sein für Menschen - was kann das für mich bedeuten - fragen sich vermutlich viele Gläubige. Ich bin davon überzeugt, diese Lebensweise wird viel öfter schon praktiziert, als es an der Oberfläche sichtbar wird. So nutzen viele Menschen oft ohne es zu wissen ein Geschenk aus dieser Subkultur der freien Software. Alle die ein Smartphone mit Android nutzen, profitieren davon, dass die Basis dieser Software der Menschheit geschenkt wurde.
Sie merken: Ich bin davon überzeugt, Gott hilft auch heute seinem Volk und durch es allen Menschen in die Freiheit der Kinder Gottes zu finden. Wir lesen dies vom Volk Israel und dem Auszug aus Ägypten in der Bibel. Heute vertiefte die erste Lesung unseren Bezug zum Beginn dieser Befreiung. Jede Osternacht erinnert an den Durchzug durch das rote Meer. Und natürlich hilft Gott durch etwas, was Menschen konkret erfahren können. So lesen wir vom Ostwind bei der Flucht vor den Ägyptern, oder bei der Rückkehr aus dem babylonischen Exil vom König Kyrus. Hilfe geschieht also oft durch Wirken und Initiative anderer Menschen.
Von so einem Wirken möchte ich noch kurz erzählen. Es gibt monatliche Kampagne aus der Zivilgesellschaft - di.day - um Menschen dabei zu unterstützen, sich aus Abhängigkeiten im Digitalen zu befreien. DI steht für die englischen Worte digital independance - auf Deutsch Digitale Unabhängigkeit - an Ostern ist auch ein solcher di.day, für mich ein schöner Zufall. Die Personen, die da aktiv werden, teilen mit anderen ihr Wissen, möchten zu etwas Gutem beitragen, in der kirchlichen Sprache heißt so etwas, segnen.
Das Evangelium der Fußwaschung heute hat mich angeregt, mit Ihnen eine Entwicklung in unserer Zeit zu teilen, in der etwas sichtbar wird von Jesu Beispiel. Dieses Beispiel ist immer in Gefahr vergessen zu werden, weil es das Grundvertrauen braucht, es wird für mich gesorgt, ich kann wagen zu geben, weil mir etwas gegeben wurde. In diesem Grundvertrauen sind hier in der Gemeinde auch Menschen bereit gewesen, Verantwortung für die Leitung zu übernehmen. Sie merken gerade sehr die Herausforderung, was es heißt Gott spricht: Siehe ich mache alles neu. Die Form unseres Bistums wird sich deutlich ändern. Was das dann für die Kirche und Gemeinde am Ort bedeutet, muss sich zeigen. Daher möchte ich heute ... stellvertretend für alle, die hier Verantwortung übernehmen, die Füße waschen. So wird Jesu Beispiel für uns hoffentlich noch bewusster und zugänglicher
Weiterer Hintergrund
Einige Akteure, die die digitale Unabhängigkeit mittels eine Kampagne fördern wollen, nutzen zur Vernetzung die Plattform https://di.day
Mehr zu Erfahrungen mit der Kultur des Gebens ist in online Aufsätzen von Eric Raymond zu lesen, die auch als Buch veröffentlicht wurden: The Cathedral and the Bazaar
Insbesonderer der Aufsatz https://en.wikipedia.org/wiki/Homesteading_the_Noosphere
Karfreitag
Biblische Lesungen:
1. Lesung Jes 52,13-53,12; AntwortPs 31
2. Lesung Hebr 4,14-16;
Evangelium Johannespassion
Liebe Mitchristen:
Karfreitag ist ein besonderer Tag. Jesu Leiden für uns kommt intensiv in den Blick. Als Gottesdienstgemeinde schauen wir auf Jesu Umgang mit dem Kreuz, auf seinen Weg im Konflikt mit den Autoritäten seines Volkes.
Es gibt in den prophetischen Texten des alten Testaments Abschnitte, die den Jüngern später geholfen haben, seinen Tod anders als ein schmachvolles Scheitern zu sehen. Wir haben einen zentralen Abschnitt aus dem Propheten Jesaja dazu, genannt das Gottesknechtslied gerade gehört. Jesus hatte diese Entwicklung vorausgesehen und während seines Lebens, so erzählen ja die Evangelien, versucht, seine Jünger entsprechend zu lehren. Aber sie konnten es nicht begreifen, denn diese Schmach des Kreuzes war so undenkbar.
Vermutlich wird es den meisten von uns ähnlich gehen - Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? hören die Emmausjünger und es braucht viel innere Arbeit, um dies annehmen und verstehen zu können.
Diese innere Arbeit wird ja übrigens auch von Jesus berichtet. Ich weiß nicht, wie der Abschnitt aus dem Hebräerbrief, die zweite Lesung heute, Ihre inneren Bilder von Jesus mitbestimmt. Da heißt es: Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht.
Die Ölbergandachten, die an vielen Orten gestern gebetet wurden, versuchen, sich dieser Wirklichkeit im Leben Jesu zu nähern. D.h. in diesen Tagen ist es schon präsent. Wie ist es sonst im Jahr - im alltäglichen Gebetsleben, im Gespräch über den Glauben mit der nächsten Generation, mit Nachbarn, oder$\ldots$
Jesus musste durch Leiden Gehorsam lernen, heißt es im Hebräerbrief. Wir glauben ja, dass Jesus ganz Mensch und ganz Gott war. In seinem Menschsein musste er sich auch den Ängsten stellen, die uns Menschen in unserem Leben leiten. Angst kommt in unserer Sprache von Enge. Es gibt Grenzen, die es als begrenzte Lebenwesen lohnt zu beachten. Angst unterstützt uns als eine Basisemotion dabei am Leben zu bleiben. Wesentlich ist dann, dass Gottesfurcht Jesus bestimmte und auch uns bestimmen darf.
Jesus war sich bald über die Konsequenz seines Lebens im Hören auf den Vater bewusst. Und damit er diesen Weg dann gehen konnte, brauchte er Zeiten des Lernens, des Betens, Bittens, Schreiens und Weinens. Annahme ist immer ein Prozess und es ist möglich, viel durch emotionale Arbeit zu steuern. Auch wir brauchen solche Zeiten und können uns da an Seinem Mitgehen orientieren. So ganzheitlich vor Gott zu sein sich dieser Wirklichkeit mehr und mehr zu öffnen, das meint der Hebräerbrief mit: Jesus ist für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.
Wer von Jesus lernen will, wird sich auch eigenen Ängsten stellen müssen. Drei universal menschliche Grundängste möchte ich nun stärker herausheben.
Als soziale Wesen bestimmt uns die Angst nicht mehr dazu zu gehören - führt im guten Sinn dazu, Verbundenheit zu suchen.
Die Kreuzigung war damals eine maximal schmachvolle Strafe - ein sichtbares Zeichen nicht dazu zu gehören. Jesus musste lernen, sich nicht von dieser Angst bestimmen zu lassen - bei dem zu bleiben, was er von Gott als Auftrag bekommen hatte - als geliebter Sohn, an dem der Vater sein Wohlgefallen hat. Sein Wirken hatte deshalb oft die im Blick, die im Gemeinwesen unter die Räder kamen, denen eine gute Weise der Verbundenheit nicht zugebilligt wurde, kam so in Konflikt mit denen, die sich über ihren Status bei den Leuten definierten. Im Grunde will ja jeder und jede von uns, die das Vater unser betet, diesen Willen Gottes für das eigene Tun ergreifen und muss lernen, sich nicht von dem, was die Leute denken, zu sehr bestimmen zu lassen.
Als weitere Angst hilft uns oft die Angst vor Leiden, das eigene Leben zu bewahren. Wer auf leidvolle Erfahrungen schaut, merkt, Leiden besteht neben körperlichen aus seelischen Schmerzen, die oft durch inneren Widerstand verursacht sind. Um mit dieser Angst umzugehen, braucht es eine Annahme, bzw. die Aufgabe des Widerstands.
Diese beiden Ängste können aber einem guten Leben im Weg stehen. Jesus ermutigt daher immer wieder, sich nicht vom Ansehen der Mitmenschen bestimmen zu lassen und das eigene Kreuz (also die damit verbundenen Leiden) anzunehmen. Das sind wichtige Hilfen für den persönlichen Weg in die Freiheit.
Die Angst vor dem Tod wird oft als maximales Druckmittel genutzt. Pilatus sagt im Evangelium: Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?
Wer innerlich so frei geworden ist, dass diese Angst nicht übermächtig wird, kann anders reagieren, sich eher treu bleiben.
Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit! fordert uns der Hebräerbrief auf. Der Apostel Paulus schreibt an einer Stelle, wo der Geist des Herrn ist, ist keine Furcht - d.h. Gottes Geist hilft, sich nicht von den Ängsten in unguter Weise bestimmen zu lassen. Um diesen Geist Jesu zu bitten, mit diesem Anliegen vor den Thron der Gnade zu treten, dass ist eine Seite des heutigen Gottesdienstes.
Wir werden nach den Fürbitten die Möglichkeit haben, uns dem Kreuz, dem Thron der Gnade, von dem Jesus alle Menschen an sich zieht, zu treten es zu verehren und so uns seinem Geist zu öffnen. Eine Träne als Symbol soll uns bewusst machen, jeder und jede von uns wird diesen Lernweg Jesu auch gehen müssen, also mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den zu bringen, der uns aus dem Tod retten kann.
Gottesfurcht, also eine Ahnung von dieser uns nahen und doch ganz anderen Wirklichkeit, wird uns dabei helfen den rechten Gehorsam zu lernen. Im Staunen über Jesu Handeln in den letzten Stunden seines irdischen Lebens ist ein Zugang zum ewigen Heil verborgen, der uns aus vielen irdischen Abhängigkeiten in die Freiheit der Kinder Gottes führen will.
Weiterer Hintergrund
Den Fokus auf diese 3 Grundängste habe ich nach dem Lesen eines Interviews mit Rudy Karsan gewählt, https://www.awakin.org/v2/calls/738/rudy-karsan/nuggets
Eine wichtige Studie zu Ehrfurcht, Staunen, Gottesfurcht findet sich hier: https://www.swr.de/swrkultur/wissen/ehrfurcht-demut-staunen-warum-wir-uns-tief-beruehren-lassen-102.html
Osternacht
Biblische Lesungen
1. Lesung Gen 1,1.26-31a
2. Lesung Gen 22, 1--18
3. Lesung Ex 14,15-15,1
4. Lesung Röm 6,3-11
Evangelium Mt 28, 1-10
Liebe Mitchristen:
Jedes Jahr feiern wir in diesem mehrtägigen Gottesdienst das zentrale Ereignis für unseren Glauben, also unsere Beziehung zu Gott. Aus der Feier der Eucharistie sind uns diese Worte dazu vertraut: Deinen Tod o Herr verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit. Feiernd unterstützen wir uns dabei, eine Ahnung von Gottes Gegenwart lebendig zu halten, die uns in die Freiheit der Kinder Gottes führen will. Feiernd Erinnerung verfestigen, diese Praxis hat schon Jesus als gläubiger Jude gepflegt und beim letzten Abendmahl uns als seinen Jüngerinnen und Jüngern aufgetragen dieses Mahl zu feiern und so ihn in Erinnerung zu behalten.
Gleichzeitig ist dieses Geheimnis unseres Glaubens vermutlich oft weniger präsent beim Ringen mit konkreten, drängenden Fragen, wie z.B. der zukünftigen Gestalt der Kirche vor Ort.
Die aktuelle Jahreslosung Gott spricht: Siehe ich mache alles neu! soll uns in diesem Jahr dabei unterstützen, die Auferstehung Jesu tiefer zu erfassen und damit auch weiter hineinzufinden in diese je persönliche Beziehung zu Gott, der jeden und jede von uns in seinem Abbild geschaffen hat, wie wir in der ersten Lesung heute hörten.
Im Gemeindebrief der evangelischen Gemeinde in Bondorf wird die Jahreslosung auf der Titelseite aufgegriffen und ergänzt mit der Frage: Machst du mit? Für mich kommt da ein sehr attraktives Bild von Gottes erneuernder Kraft in unserer Welt in den Blick - nämlich eine Vorstellung von Teilhabe an diesem Wirken. Gott führt uns in die Freiheit und lädt ein, seinem Willen entsprechend unser Umfeld zu gestalten, zu erneuern.
Um dieser Einladung folgen zu können, müssen wir lernen, diesen Willen wahrzunehmen. Das ist nicht so einfach. In der 2. Lesung heute wird das überdeutlich. Diese Erzählung löst viele Widerstände aus. Schnell entsteht ein Bild von Gott, dass nicht zum Glauben einlädt. Die Karfreitagserfahrung der Jünger, die erleben mussten, wie ihr Meister, ihr Lehrer, der, dem sie so viel Gutes verdankten, schmachvollst starb - ohne sich zu wehren, verdunkelt für viele leider ja auch ihre Vorstellung von Gott.
Machst du mit? wer so gefragt wird, muss ja eine Chance haben, wahrzunehmen, um was es gehen soll. In der Bibel wird an einer anderen Stelle berichtet, wie der junge Prophet Samuel lernt, auf den Anruf Gottes angemessen zu reagieren. Hier bin ich - rede Herr, dein Diener hört. Es kommt darauf an, bereit zum Hören zu sein. Dieses ,Hier bin ich' taucht in der 2. Lesung sogar 3x auf. Dieses ,Hier bin ich' heißt in der Sprache des alten Testaments HINENI - ein Wort, welches auch in unserer Zeit in geistlichen Liedern, ob von Leonard Cohen oder Helge Burggrabe, auftaucht. Diese wache und aufmerksame Haltung ist angemessen, um den Eindrücken, die wir mit Gottes Anruf verbinden, zu folgen. Dabei ist natürlich auch möglich, dass ich einen Eindruck auf Grund meiner eigenen inneren Bilder nicht in der Weise verstehe, wie es zum Willen Gottes passt.
Wer in der Wikipedia Gedanken zu diesem Kapitel aus dem Buch Genesis nachliest, merkt, wie vielfältig Gläubige zu unterschiedlichen Zeiten mit diesen Worten umgehen. Heute werde ich mich auf das Neuwerden von Vorstellungen konzentrieren, die wir uns von Gott gemacht haben, ohne die wir unseren Glauben kaum leben könnten. Denn es gibt als große Versuchung von uns Menschen, Gott in unserem Abbild zu denken und so festzulegen. Das führt oft in die Irre - gleichzeitig ist es natürlich naheliegend, Erfahrungen, die wir mit Menschen machen, als Grundlage für das Deuten von Eindrücken zu nehmen, die wir mit dieser uns übersteigenden Wirklichkeit erleben.
Die 2. Lesung könnte ein Beispiel dafür sein. Sie schildert, wie Abraham eine wichtige Lernerfahrung macht. Zuerst erscheint es ihm, dass er Gott seinen Sohn opfern soll. Abraham lebte in einem Umfeld, in dem Menschenopfer noch vorkamen und damit ein Gottesbild, welches stärker magische Anteile hat. Das Opfer kann dann den Zorn der Gottheit besänftigen. Abraham kann sich auf Gottes Wunsch, ihm seinen Sohn zu überlassen, einlassen und macht sich auf den Weg. Für mich wesentlicher Ausdruck unseres Gehorsams auf Gott hin - ich horche, gehe und horche. Dieser Weg ist schwer und fordernd. Isaak spricht seinen Vater auf diesem Weg an und wieder kann Abraham antworten Hier bin ich, kann wach und ganz da sein. Das heißt ja auch, dass er seinen Gefühlen und seinen Gedanken nicht erlaubt hat, ihn zu dominieren. Dahinter steckt viel innere Arbeit, sagen wir heute - ein sich Hinhalten in die Gegenwart der Liebe, des Lebens.
Und dann, bevor Abraham Isaak etwas antun kann, nimmt er erneut Gottes Anruf wahr, des Engels der Herrn und findet zu einem neuen Verständnis seines ursprünglichen Eindrucks. Er sollte Gott seinen Sohn nicht vorenthalten und gleichzeitig ihm nichts zu Leide tun und in dieser Haltung wird er und seine Familie zum Segen für die Menschen.
Gott spricht, Siehe ich mache alles neu! Die Feier von Ostern möchte uns dabei unterstützen, unsere Vorstellungen von Gott immer wieder erneuern zu lassen. Wie Abraham gilt es, zu hören - dafür präsent, gegenwärtig, achtsam zu sein - Hineni zu antworten. Sich dann auf den Weg zu begeben, dabei dann auch so auf sich zu achten, dass diese Haltung des Hineni weiter möglich bleibt. An Karfreitag hatten wir darüber nachgedacht, dass dieses Achten, dieses Lernen Leiden bedeuten kann. Gehen und hören - Gehorsam auf den Willen Gottes zu leben versuchen, das ist ja die Grundlinie unseres Glaubensverständnisses. Wir lernen dabei von Jesus Christus und seinem Lebensbeispiel. Abraham ist uns Vorbild - und so haben wir heute die Herausforderung seines Lebens bedacht, die er mit Gottes Hilfe bestehen konnte, so wie auch wir vertrauen dürfen, dass uns in den Herausforderungen unseres Lebens beim Versuch, mitzuwirken, wenn Gott alles neu macht, Er uns zur Seite steht, uns leitet und auch zum Segen werden lässt.
Weiterer Hintergrund
Einen wesentlichen Gedanken für diese Auslegung habe ich aus der vierteljährlichen Zeitschrift: Dein Wort - Mein Weg und einem Beitrag von Jürgen Werbick zu biblischen Versuchungsgeschichten im Heft 2/26.
Mehr zu dieser sehr lesenwerten Zeitschrift findet sich bei https://www.frohbotinnen.at
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