KI - entmystifiziert
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Dieses humorvolle Ebook entmystifiziert den KI-Hype: Es erklärt Technik, Geschichte sowie Folgen und zeigt auf, warum KI weder denken noch faktenbasiert urteilen kann.
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Cisco entlässt 4.000 – Aktie springt 14%. Oracle-Mitarbeitende trainieren die KI, die sie ersetzt. Sam Altman nennt es selbst „AI-Washing". 90% der deutschen Firmen sehen keinen messbaren Effekt – während Gartner 2026 global 2,59 Billionen Dollar KI-Ausgaben zählt. Stefan Pfeiffer über den größten Hype seit der Dotcom-Blase. https://stefanpfeiffer.blog/2026/05/27/ki-hype/ #KI #KIHype #Stellenabbau

Wie der KI-Hype Arbeitsplätze vernichtet und Milliarden zirkulieren lässt

Cisco baut 4.000 Stellen ab, fünf Prozent der Belegschaft. Die Aktie springt im nachbörslichen Handel 14 Prozent nach oben. Begründung des Konzerns: KI-Fokus. Es ist die Standardmeldung im Mai 2026, nicht die Ausnahme. Eine Woche vorher verkündete Meta 8.000 Kündigungen und kündigte an, die Organisation in sogenannte „AI-Pods“ umzubauen – keine klassischen Teams mehr, sondern KI-getriebene Pods mit neuen Rollenklassen wie „AI Builder“ und „AI Pod Lead“. Parallel investiert Meta zwischen 115 und 135 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur. Das ist nicht einfach Abbau; das ist Umverdrahtung. Oracle plant bis zu 30.000Amazon hat seit Oktober rund 28.000 Bürojobs gestrichen. Microsoft kommt im laufenden Jahr auf 15.000. SAP hat vor zwei Jahren 10.000 Mitarbeitende entlassen. Auch DeepL, die deutsche KI-Hoffnung, baut ein Viertel ihrer Belegschaft ab. Wer die Quellen selbst lesen will: Am Ende des Beitrags – wie immer in meiner Kuratiert.-Serie – findet sich die vollständige Linkliste.

Allein im ersten Quartal 2026 hat die globale Tech-Branche 78.557 Stellen gestrichen – knapp die Hälfte davon, 37.638 Jobs, offiziell mit KI und Automatisierung begründet, wie Nikkei Asia ausgerechnet hat. Immer dieselbe Begründung, oft derselbe Reflex an der Börse: jubeln. Kommt mir vertraut vor: Es ist die exakt gleiche Choreografie wie bei den großen Restrukturierungswellen der letzten 25 Jahre. Nur dass das Etikett heute „Künstliche Intelligenz“ heißt – und nicht „Shareholder Value“, „Lean Management“ oder „Right-Sizing“. Funktioniert immer wieder.

Die immer gleiche Choreografie

Schauen wir uns Cisco genauer an. Der Netzwerkausrüster baut 4.000 Stellen ab – und hebt in derselben Pressemitteilung die Umsatzprognose nach oben. Begründung: starker Auftragseingang von Cloud-Anbietern für KI-Infrastruktur. Übersetzt heißt das: Microsoft, AWS, Google und ein paar kleinere Hyperscaler bauen ihre KI-Rechenzentren mit Cisco-Hardware aus. Cisco entlässt also seine eigenen Mitarbeitenden und baut die Infrastruktur, mit der die nächsten Konzerne ihre Mitarbeitenden entlassen. Die Aktie versteht das sofort: 14 Prozent nach oben.

Cisco ist nur die jüngste Folge. Microsoft hat 2025 rund 15.000 Stellen gestrichen, davon 9.000 in einer einzigen Juli-Runde – parallel zur Ankündigung, 80 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur zu investieren; laut Bloomberg hat allein die KI-Integration in Kundenservice und Vertrieb über 500 Millionen Dollar Einsparungen gebracht.

Oracle hat im März bis zu 30.000 Stellen angekündigt, die größte Entlassungswelle der Konzerngeschichte, getrieben von einer Cash-Klemme nach Milliardeninvestitionen in KI-Rechenzentren. Besonders perfide: Mehrere Oracle-Mitarbeitende berichten in der Time, sie seien zuvor gebeten worden, ihre eigenen Arbeitsabläufe zu dokumentieren – um damit jene KI-Systeme zu trainieren, die ihnen anschließend den Stuhl unter dem Hintern wegzogen. Workflow-Dokumentation als Vorbereitung der eigenen Kündigung.

Amazon hat im Oktober vierzehntausend Bürojobs gestrichen und im Januar noch einmal in derselben Größenordnung nachgelegt; CEO Andy Jassy hatte vorher offen angekündigt, dass die KI-Effizienzgewinne den Corporate-Headcount langfristig reduzieren werden.

Salesforce-Chef Marc Benioff verkündete im Logan-Bartlett-Podcast mit erstaunlicher Direktheit, er habe sein Support-Team von 9.000 auf 5.000 reduziert – wörtlich, weil er „weniger heads“ brauche, seit die Agentforce-Bots rund die Hälfte der Kundenanfragen erledigen. IBM-Chef Arvind Krishna sagte dem Wall Street Journal, KI-Chatbots hätten die Arbeit mehrerer hundert Mitarbeitender in der Personalabteilung übernommen.

Die Liste ließe sich verlängern. Und dann kommt noch der ironische Schlussstein: Ausgerechnet Sam Altman, der CEO von OpenAI, hat bei einer Konferenz in Indien öffentlich eingeräumt, ein Teil dieser Entlassungen sei reines „AI-Washing“ – Stellenkürzungen, die ohnehin gekommen wären, nur jetzt mit KI-Etikett verkauft. Wenn einer der obersten Profiteure der KI-Story die Story selbst entlarvt, sollte das Aufmerksamkeit erzeugen. Auch in anderen Branchen und Berufsfeldern sehen wir identisches Vorgehen. Was alle eint, ist die Erzählung.

Walldorf frisst sich selbst

Bei SAP wirkt die Geschichte richtig seltsam. Im Januar 2024, beim Weltwirtschaftsforum in Davos, sagte SAP-Technologiechef Jürgen Müller dem Handelsblatt-KI-Briefing noch unmissverständlich: „Die Einführung von KI-Tools dient doch nicht dazu, Entwicklungsressourcen abzubauen.“ Vorstandschef Christian Klein versprach im selben Zeitraum, die Belegschaft werde nicht schrumpfen, sondern in drei Jahren sogar leicht größer sein.

Gut zwei Jahre später lautet die Bilanz: Das 10.000-Stellen-Programm ist durch, davon rund 3.500 in Deutschland; der Aktienkurs hat sich zwischenzeitlich verdoppelt – und seit Februar 2025 wieder halbiert. Heute, wo Claude Code, GitHub Copilot und Cursor Entwicklerinnen und Entwickler bei Routinearbeiten in einem Tempo überflüssig machen, das selbst die Branche überrascht, würden Müllers Sätze von damals vermutlich nicht mehr fallen.

Die brutale Pointe: Dieselbe KI, mit der SAP den Stellenabbau verkauft hat, höhlt jetzt das SaaS-Geschäftsmodell aus, von dem der Konzern lebt. Wenn intelligente Agenten Buchhaltungslogik, Personalprozesse und Lieferkettenanalysen direkt auf dem Datenbestand erledigen können – wozu brauche ich dann noch teure SAP-Module? Focus Money formuliert es ungewöhnlich klar, und das Handelsblatt selbst spricht inzwischen offen aus, dass KI das SAP-Geschäftsmodell bedroht und die Börse an der Zukunftsfähigkeit des Konzerns zweifelt.

Der Inzest der Milliarden

Schauen wir auf die Geldströme hinter dem Geschehen – da wird es grotesk. Sascha Pallenberg hat das in seinem MeTacheles-Newsletter als „Inzest der Investitionen“ zugespitzt: Investoren aus dem Big-Tech-Lager finanzieren KI-Startups, und diese Startups geben das Geld direkt wieder an dieselben Investoren zurück – als Bezahlung für Rechenleistung und Chips. Ein in sich geschlossener Kreislauf, der die Umsätze aufbläht, ohne dass echte Wertschöpfung entsteht.

Ed Zitron hat den Mechanismus am Beispiel Anthropic–Amazon nachgezeichnet: Amazon investiert Milliarden in Anthropic, Anthropic bezahlt mit eben diesem Geld die AWS-Cloud-Rechnungen zurück. Kein Gewinn, aber blendende Quartalszahlen.

Wie groß dieser Kreislauf insgesamt ist, hat Gartner gerade vorgerechnet: Allein 2026 sollen die weltweiten KI-Ausgaben um 47 Prozent auf 2,59 Billionen Dollar steigen. Mehr als 45 Prozent davon fließen in KI-Infrastruktur, die Ausgaben für KI-optimierte Server sollen sich in den nächsten fünf Jahren verdreifachen, und das Segment der KI-Modelle wächst dieses Jahr um 110 Prozent auf rund 32,6 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Microsoft investiert 2026 laut Bloomberg 190 Milliarden Dollar Capex, Amazon 200 Milliarden und Meta zwischen 115 und 135 Milliarden Dollar. Treiber, so Gartner-Analyst John-David Lovelock, sind genau die Cloud-Giganten AWS, Google und Microsoft. Also jene Konzerne, die ihr Personal mit der KI-Begründung feuern, angeblich um in Rechenzentren investieren zu können.

Sehr irritierend ist dann aber das KI-Barometer 2026: 90 Prozent der befragten deutschen Unternehmen berichten, dass KI in den letzten drei Jahren keinen messbaren Einfluss auf Beschäftigung oder Produktivität hatte. Knapp 70 Prozent der Führungskräfte würden KI-Budgets sogar wieder kürzen, wenn die gesteckten Ziele dieses Jahr nicht erreicht werden. Zwischen 2,59 Billionen Dollar Ausgaben und dem real messbaren Nutzen klafft derzeit also ein Abgrund, den niemand richtig erklären kann – außer mit dem Wort Hype.

Michael Burry hat am 8. Mai öffentlich gewarnt, der Markt erinnere ihn an die letzten Monate der Dotcom-Blase 1999/2000 – Aktien steigen nicht mehr wegen Arbeitsmarktdaten oder Konsumstimmung, sondern wegen der Nvidia-Quartalszahlen. Pallenberg zieht zur Einordnung Fritz Langs Metropolis heran und vergleicht die heutigen Tech-CEOs mit Joh Fredersen in seinem Turm Babel: blind für die Unterstadt, dabei, eine ganze Generation von Knowledge-Workern als überflüssige Kostenposition abzuschreiben.

Die Metapher ist vielleicht zu drastisch. Aber sie trifft einen Punkt, den ich nicht mehr ignorieren kann: Das ganze System funktioniert nur, solange das Narrativ trägt. Sobald der Markt anfängt, die zirkulären Geldströme und die ausbleibenden Produktivitätsgewinne zu hinterfragen, kippt es. Und dann ist für die entlassenen Mitarbeitenden zu spät.

Und das Geld? Fließt über den großen Teich

An dieser Stelle wird es für uns als Europäer richtig unangenehm. Wo landet eigentlich das Geld, das in Walldorf, Frankfurt, München oder Nürnberg eingespart wird? Nicht bei den Aktionären der entlassenden Konzerne – der SAP-Kurs hat sich halbiert. 

Ganz übel ist es bei DeepL: Das KI-Übersetzungs-Start-up aus Köln – jahrelang als deutsche KI-Hoffnung neben Aleph Alpha und Mistral gehandelt – hat am 7. Mai angekündigt, rund 250 Stellen abzubauen, ein Viertel der Belegschaft. Die deutsche KI-Hoffnung wird durch dieselbe Technologie zerlegt, die sie selbst verkauft – weil Konsumenten ihre Übersetzungen längst über ChatGPT laufen lassen statt über DeepL.

Treffender kann die ganze Geschichte nicht symbolisiert werden. Unser Geld fließt, gefiltert durch Lizenzen und Cloud-Verträge, ziemlich zielsicher nach Santa Clara, Redmond, San Francisco, Seattle. Zu Nvidia, Microsoft, OpenAI, Anthropic, Google und AWS. Und solange die europäische Souveränitätsdebatte beim AI Act und ein paar Förderprogrammen stehen bleibt, wird sich daran nichts ändern.

Ich glaube, dass KI vieles verändern wird. Das tut sie schon. Aber das Narrativ, das gerade jede Quartalsmeldung durchzieht, ist bedenklich und erinnert an die Dotcom-Blase: Zukunftsinvestition, Kostensenkung und technologischer Führungsanspruch in einer einzigen Pressemitteilung. Sehr viele heiße Luft, zu wenig Substanz und messbare Erfolge, scheint mir. Diese Art von Disruption hatten wir schon einmal. Es wird Zeit, uns zu erden, Künstliche Intelligenz nüchterner zu betrachten, die europäische KI-Industrie zu stärken und nicht jeder mythischen Ankündigung und US-Pressemitteilung zu glauben.

Quellen & Leseempfehlungen

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An sich gab es die schräge Erwartungshaltung am #Arbeitsmarkt schon immer: "Wir suchen 30jährige mit 20 Jahren Berufserfahrung.". Durch den #KIHype wird das offenbar extrem. Mitarbeiter ohne Berufserfahrung werden gar nicht mehr gebraucht. Da könnte schwierig werden.

Die an sich banale Erkenntnis steht ziemlich am Ende des Artikels: "Wer heute keine Einsteiger ausbildet, hat in zehn Jahren keine erfahrenen Führungskräfte."

https://www.telepolis.de/article/KI-frisst-Einstiegsjobs-Warum-Absolventen-kaum-noch-Stellen-finden-11296607.html

KI frisst Einstiegsjobs: Warum Absolventen kaum noch Stellen finden

Über 40 Prozent der CEOs weltweit wollen Junior-Stellen streichen. Der Arbeitsmarkt kippt zulasten der Jüngsten, da KI-Systeme Einstiegsaufgaben übernehmen.

heise online

Die aktuelle Schwemme an generativer #KI ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt für das menschliche Schaffen. Sie lässt unsere Kreativität und Qualität regelrecht verkümmern.

Statt Werkzeuge zu bauen, die uns unterstützen, bauen wir Maschinen, die den menschlichen Aufwand entwerten, die Menschlichkeit hinter Algorithmen verstecken und die letztendlich nur wenigen Überreichen helfen.

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Betriebssysteme, KI und digitale Souveränität.
Dieses E-Book kritisiert Windows 11 und den KI-Hype. Es zeigt Linux-Alternativen auf und plädiert für Open Source sowie lokale Software statt Cloud-Abhängigkeit.
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KI auf Kollisionskurs

Fachleute fordern: Bundesregierung muss KI auf Klima-Kurs bringen

Der KI-Boom wird mehr und mehr zum Problem für Umwelt und Klima. Expert:innen haben jetzt für das Umweltministerium skizziert, wie eine nachhaltigere Alternative aussehen könnte. Ihr Gutachten vermeidet Kritik am aktuellen Kurs, die Empfehlungen laufen jedoch auf eine drastische Politikwende hinaus.

Wie kann Künstliche Intelligenz ökologisch nachhaltiger und gleichzeitig zum Wettbewerbsvorteil für Deutschland und Europa werden? Das Bundesumweltministerium hat zu dieser Frage in der vergangenen Woche ein Gutachten von fünf Expert:innenveröffentlicht. Ihre klare Botschaft: Beides ist möglich, aber nur mit einem deutlichen Umsteuern in der KI-Politik.

Während die Bundesregierung gerade die Regeln zu Umweltschutz und Energieeffizienz von Rechenzentren lockern will, weil sie sich als Konkurrentin in einem KI-Wettrennen mit den USA und China wähnt, warnt das Gutachten unter anderem: „Regulatorische Änderungen mit eng gefasstem Fokus und kurzfristiger Perspektive können zu langfristigen Problemen führen und dazu, dass die Ziele der Energiewende verfehlt werden.“

Der Energiehunger der Künstlichen Intelligenz

Die Ausgangslage für nachhaltige KI ist aktuell gleich im doppelten Sinne düster: Zum einen ist klar, dass der Energieverbrauch durch Rechenzentren, die für die Entwicklung und den Betrieb sogenannter Künstlicher Intelligenz gebaucht werden, rasant steigt. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur betrug er in 2024 bereits 415 Terawattstunden, was nur knapp unter dem Stromverbrauch von Frankreich liegt, also der siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt (449 Terawattstunden in 2024). Um den Energiehunger der KI zu stillen, setzen die großen KI-Firmen neben erneuerbaren auch massiv auf fossile, umweltschädliche Formen der Energiegewinnung, insbesondere Gas.

Zum anderen ist aufgrund der großen Intransparenz der Branche weitgehend unbekannt, wie viel Strom und Wasser einzelne KI-Modelle oder Rechenzentren genau verbrauchen oder wie viele Treibhausgas-Emissionen sie verursachen. Auch die großen Versprechen, dass KI für nachhaltige Zwecke wie etwa intelligentes Energie-Management genutzt werden könne, warten überwiegend noch auf ihre Einlösung.

Die ausgewiesenen Expert:innen Udit Gupta, Philipp Hacker, Lynn Kaack, Emma Strubell und Aimee van Wynsberghe haben im Auftrag des Umweltministeriums deshalb zahlreiche Vorschläge gemacht, wie die Situation verbessert werden könnte. Sie sagen: KI und Nachhaltigkeit müssten nicht im Widerspruch stehen. Deutschland habe eine gute Ausgangslage, um bei nachhaltiger KI eine globale Führungsrolle einzunehmen.

Spezialisierte KI-Ansätze statt riesiger Modelle

Eine zentrale Empfehlung der interdisziplinären Expert:innen-Gruppe ist ein realistischerer Blick auf die Vor- und Nachteile unterschiedlicher KI-Ansätze.

Derzeit sei die Aufmerksamkeit auf die großen sogenannten General-Purpose-AI-Modelle (GPAI) konzentriert. Der englische Begriff lässt sich am besten als KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck übersetzen. Gemeint sind in der Regel generative Modelle wie GPT von OpenAI oder Claude von Anthropic. Diese Modelle sind gerade wegen ihres allgemeinen Problemlösungsanspruchs und der dahinterstehenden Technik des Reasonings, das logisches Schlussfolgern imitiert, besonders energieintensiv.

Daneben gebe es jedoch auch andere vielversprechende Ansätze wie etwa kleinere KI-Modelle, die speziell zur Erfüllung konkreter Aufgaben trainiert werden. Diese seien oft besser zur Erfüllung von Aufgaben in der Industrie geeignet, etwa für Predictive Maintenance oder Bilderkennung für Krebsforschung. Viele Aufgaben erforderten gar nicht die Fähigkeiten von Allzweckmodellen oder profitieren nicht einmal davon.

Je genauer man die Zielaufgabe für ein KI-Modell definieren könne, desto effizienter lasse es sich in der Regel gestalten. Die klare Empfehlung des Gutachtens: „Um den wirtschaftlichen Nutzen von KI zu maximieren und gleichzeitig ihren Ressourcenbedarf zu minimieren, ist es daher von entscheidender Bedeutung, Modelle entsprechend zu spezialisieren oder sie gezielt für bestimmte Aufgaben einzusetzen.“

Der Fokus auf kleinere und spezifische Modelle passe zum deutschen und europäischen KI-Ökosystem, das stärker von kleineren und mittleren Unternehmen als von Tech-Giganten geprägt sei. Solche Modelle müssten durch gezielte Investitionen, Förderungen und Public-Private-Partnerships vorangetrieben werden. Dann könnten sich Nachhaltigkeit und ökonomische Wettbewerbsfähigkeit gegenseitig verstärken.

„Die Zukunft ist offener, als wir denken“, so fasste Jurist Philipp Hacker von der Europa-Universität Viadrina die Hoffnung der Sachverständigen bei einer Vorstellung der Studie in Berlin zusammen. „Es ist nicht alternativlos, dass die GPAI-Modelle gewinnen.“ Die Anbieter der großen Modelle hätten bis heute kein tragfähiges Geschäftsmodell und ihre Modelle würden teilweise immer schlechter, Stichwort „Entshittification“, so Hacker.

Intransparenz als Kernproblem

Ein großes Problem bei einer nachhaltigeren Gestaltung der KI-Ökonomie ist dem Gutachten zufolge die massive Intransparenz der Branche. Weil entsprechende Informationen fehlen, könnten Nutzer:innen heute gar nicht das „am wenigsten problematische Modell“ auswählen, so Computerlinguistin Emma Strubell von der Carnegie Mellon University.

Die Intransparenz sei nicht nur ein Problem für private, sondern auch für betriebliche Anwender:innen, die sich ein Bild von der Effizienz machen müssten. Auflagen für die Umweltberichterstattung müssten deshalb dringend um verpflichtende, standardisierte, unabhängig überprüfte und öffentlich zugängliche Informationen zu den Folgen von KI über den gesamten Lebenszyklus ergänzt werden.

Die KI-Verordnung der EU enthalte hierzu beispielsweise nur rudimentäre Anforderungen, die erweitert werden müssten. Dabei sollten nicht nur Daten zum Energieverbrauch beim Training, sondern auch beim Gebrauch von KI-Modellen einfließen. Ebenso CO₂-Emissionen, die bei der Produktion spezialisierter Hardware wie etwa hochleistungsfähigen Grafikprozessoren entstehen.

Bislang halten KI-Firmen solche Daten unter Verweis auf Geschäftsgeheimnisse unter Verschluss. Das öffentliche Informationsinteresse überwiege hier jedoch, so das Gutachten: „Der dringende Bedarf an Daten für ein wirksames Ressourcenmanagement und den Umweltschutz überwiegt die potenziellen Wettbewerbsnachteile, die mit der Offenlegung von Kennzahlen verbunden sind, die indirekt mit der Modellgröße zusammenhängen.“

Darüber hinaus könnten Anbieter verpflichtet werden, ein „grünes Modell“ ihrer KI-Anwendungen anzubieten, das beispielsweise ohne rechenintensives Reasoning daherkomme, um Energieverschwendung durch unnötige Rechenoperationen zu vermeiden. Auch das staatliche Beschaffungswesen sollte als Hebel genutzt werden, um KI- und Cloud-Anbieter zu fördern, die auf Energieeffizienz, nachhaltige Energiequellen und öffentliche Transparenz setzen.

Regeln für Rechenzentren müssen verschärft werden

Auch Rechenzentren als wichtige KI-Infrastruktur stehen im Fokus des Gutachtens. Bei keiner Industrie steige der Energiebedarf derzeit so rasant an wie bei Rechenzentren, so Udit Gupta von der New Yorker Universität Cornell Tech bei der Vorstellung des Papiers. In bestimmten Regionen führe der Bau-Boom bereits heute zu Problemen mit der Energieversorgung. In Frankfurt am Main etwa gingen bereits 2022 knapp 30 Prozent des Stromverbrauchs auf das Konto von Rechenzentren.

Auch hier gehen dem Gutachten zufolge die aktuellen Berichts- und Transparenzpflichten für Betreiber nicht weit genug. Statt tatsächlicher Verbrauchsmessungen würden sie häufig lediglich Schätzungen basierend auf dem Design ihrer Anlagen übermitteln. Ohne solche Angaben könne der tatsächliche Bedarf an Rechenkapazität nicht realistisch eingeschätzt und der Bau neuer Anlagen volkswirtschaftlich sinnvoll geplant werden. Zahlen aus den Niederlanden hätten erst kürzlich gezeigt, dass Rechenzentren dort vermutlich nur zu einem Drittel ausgelastet seien.

Problematisch seien auch die zentralen Maßeinheiten für die Effizienz von Rechenzentren, der PUE-Wert, kurz für Power Usage Effectiveness, und der WUE-Wert, kurz für Water Usage Effectiveness. Beide Werte, die auch in den Nachhaltigkeitsberichten großer Rechenzentrumsbetreiber wie Amazon, Google oder Microsoft angegeben werden, geben keine Auskunft über den absoluten Verbrauch. Stattdessen sind es relative Effizienzwerte, was dazu führe, dass PUE und WUE sich zwar verbessern würden, der absolute Verbrauch jedoch drastisch steige, weil Einsparungen in immer noch größere Modelle investiert würden. Der PUE-Wert messe zudem nur den Energieverbrauch der Gebäude-Infrastruktur, etwa Kühlsystem und Beleuchtung, nicht den Verbrauch der tatsächlichen Energieinfrastruktur.

Um hier für Verbesserungen zu sorgen, müssten den Expert:innen zufolge die Transparenz- und Berichtspflichten für Rechenzentren deutlich verschärft werden. Hierzu müsste der DIN-Standard für Rechenzentren ebenso angepasst werden wie die Europäische Energieeffizienz-Richtlinie und das deutsche Energieeffizienzgesetz. Wichtig seien unabhängig auditierte Verbrauchsmessungen, die zudem mindestens in aggregierter Form öffentlich zugänglich sein sollten. Auch bei Rechenzentren müsse der ganze Lebenszyklus ins Reporting einbezogen werden: von den Emissionen, die bei der Herstellung von Servern entstehen, bis zum Elektroschrott, nachdem Hardware aussortiert wird.

Darüber hinaus könnten auch beim Design von Rechenzentren und der Energieversorgung große Fortschritte erzielt werden. So sollten etwa KI-Unternehmen verpflichtet werden, selbst für den Ausbau Erneuerbarer Energien in dem Maße zu sorgen, wie sie Strom verbrauchen. Rechenzentren sollten zudem Teil des Systems der CO₂-Bepreisung sein, damit Betreiber Folgekosten für die Umwelt nicht externalisieren können.

Außerdem sollte der Staat die Entwicklung energieeffizienter Rechenzentren fördern, die auf die Bedürfnisse der deutschen Wirtschaft spezialisiert sind. Auch die Abwärme von Rechenzentren sollte weiterhin verpflichtend genutzt werden müssen, Ausnahmen davon reduziert werden.

Auf Kollisionskurs

Die Liste der Vorschläge der Expert:innen ist noch deutlich länger und zeigt, wie groß die Möglichkeiten wären, KI und Rechenzentren nachhaltiger zu gestalten. Zum aktuellen Kurs der Bundesregierung passen sie jedoch gar nicht. Diese sieht Deutschland und Europa in einem KI-Wettrennen mit den USA und China und setzt deshalb auf den Ausbau von KI-Kapazitäten um jeden Preis.

Getrieben von Wirtschaftsverbänden wie BDI, Bitkom oder Eco hat Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) eine neue Rechenzentrumsstrategie erarbeiten lassen, die im März vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Sie sieht vor, die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis 2030 mindestens zu verdoppeln und die KI-Kapazitäten bis dahin sogar zu vervierfachen. Hierfür sollen Umweltstandards gesenkt, Berichtspflichten gelockert und Planungsverfahren beschleunigt werden.

Wirtschaftministerin Katharina Reiche (CDU) will zudem das deutsche Energieeffizienzgesetz so weit zurückfahren, dass es nur noch den Mindeststandards der entsprechenden EU-Richtlinie entspricht. Dabei haben Journalist:innen von Investigate Europe gerade erst aufgedeckt, wie erfolgreich große Tech-Konzerne gegen weitergehende Transparenzvorgaben in dieser Richtlinie lobbyiert hatten: Die EU-Kommission hat demzufolge bestimmte Abschnitte fast wortgleich von Microsoft kopiert, so dass die ohnehin schon schwammigen Kennzahlen zu Rechenzentren, die an Aufsichtsbehörden übermittelt werden müssen, nicht öffentlich gemacht werden dürfen.

Es ist nun also an Umweltminister Carsten Schneider (SPD), die Vorschläge der von ihm beauftragten Expert:innen in die Debatte mit seinen Kolleg:innen zu bringen. Ob er die KI-Politik auf Klima-Kurs bringen kann, wenn er argumentiert, dass Deutschland und Europa von nachhaltiger KI auch wirtschaftlich profitieren könnten?

Ingo Dachwitz ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2016 ist er Redakteur bei netzpolitik.org und u.a. Ko-Host des Podcasts Off/On. Seine Themen sind Daten, Macht und die digitale Öffentlichkeit. Ingos Veröffentlichungen wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem European Press Prize, dem Alternativen Medienpreis, dem Datenschutz-Medienpreis und zwei Grimme-Online-Awards. Sein Buch “Digitaler Kolonialismus: Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen” war für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert und wurde als eines der Wissensbücher des Jahres 2025 geehrt. Ingo ist Mitglied des Vereins Digitale Gesellschaft, der Evangelischen Kirche und des Netzwerk Recherche. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, FragDenStaat. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

KI auf Kollisionskurs – Beueler-Extradienst

Greenwashing: Rechenzentren setzten trotz Gesetzesvorgaben auf Gas - Golem.de

Trotz gesetzlicher Vorgaben setzen neue Rechenzentren auf fossile Gasversorgung. Die Betreiber wissen, wie man Greenwashing betreibt und das Gesetz umgeht.

Golem.de

Für unser #serverhosting ist dann mal ab April ein #preisanstieg von ca. 15-20% angekündigt.
Danke #kihype. Nicht.

@wir #matrix #mastodon #freiburg

ChatGPT als Hegemonieverstärker | tunda