@larsbas @DigitalNaiv Auch wir Hörer zählen weiterhin auf PI und BI statt #KI bei #9vor9! 👍🏻😃
Gute Nachrichten für #9vor9, lieber @larsbas: Die Uni Tübingen ließ KI eine komplette Folge des Comedypodcasts „Ufo" produzieren. Fans reagierten mit höflichem Entsetzen. Offizielle Wissenschaftsbilanz: »Die Zukunft der Laberpodcasts ist gesichert.« Wir dürfen also weiter labern. Die KI schaut vorerst zu. #KI #9vor9 #Podcast https://t.mailing.zeit.de/nl3/7AJI-E2czsI7FmkOXnSqeg?m=AcwAACElwXAAAc3mITAAAQK5amEAAYCtb4kAney8ACRv2ABqBePn-ifi2x5eTLmFT_S68Od3BwAHyOU

Konstruktiver Journalismus: Marketing oder Antwort auf 71 Prozent News Avoidance?

Lars hat das Thema schon mehrfach in Nebensätzen erwähnt. Darüber sollten wir mal reden, sagte er. Und ich, der über solche Begriffe gerne spöttisch hinweggeht, habe mich bei #9vor9 nun darauf eingelassen. Konstruktiver Journalismus. Ein Begriff, bei dem mein erster Reflex immer ist: weichgespülter Wellness-Journalismus, der den Leuten Honig ums Maul schmiert. Heribert Prantl, lange Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung und für mich ein Vorbild im Klartext schreiben, hat es nicht anders genannt — Werbung für Lobbys, Journalisten als Wellness-Trainer und Entertainer. Aber Lars hat nicht aufgegeben und argumentiert mit Zahlen.

https://9vor9.podigee.io/209-konstruktiver-journalismus

Die Zahlen, die Lars dabei hatte

Rund 70 Prozent der Deutschen schalten zumindest gelegentlich beim Nachrichtenkonsum aktiv ab. Das ist Höchststand laut Reuters Digital News Report. Hauptgründe: schlechte Stimmung, Erschöpfung von der Menge der schlechten Nachrichten, zu viel über Kriege, Leid und Elend. Die Problematik lässt sich nicht wegdiskutieren. Wenn sich aber ein erheblicher Teil des Publikums abwendet, hat der Journalismus ein Existenzproblem — nicht nur ökonomisch, sondern demokratisch.

Lars lieferte dann auch zügig die Definition zu konstruktivem Journalismus: Er baut drei Säulen auf, Lösungsorientierung, Perspektivenreichtum, konstruktiver Dialog. Klingt für ihn überzeugend. Für mich klingt es sehr floskelhaft. Mein Problem mit dem Konzept ist nicht, dass ich es ablehne. Mein Problem ist, dass ich nicht erkenne, was es eigentlich Neues bringt.

Ich habe im Geschichtsstudium gelernt, dass man bei der wissenschaftlichen Arbeit immer alle relevanten Positionen berücksichtigen und dokumentieren muss — das ganze Spektrum, bevor man dann die eigene These entwickelt. Genau das nennt der konstruktive Journalismus heute Perspektivenreichtum. Das gilt genauso für sorgfältige journalistische Arbeit. Muss man also dafür einen neuen Begriff aufmachen? Oder sollte das nicht ohnehin Bestandteil dessen sein, was wir Qualitätsjournalismus nennen — und was es bei Süddeutscher, FAZ, ARD, ZDF und anderen Medien durchaus noch gibt, nur wird es eben von immer weniger Leuten konsumiert?

Mein Punkt: An den Filterblasen scheitert der gute Vorsatz

Damit bin ich beim eigentlichen Punkt, an dem Lars und ich uns über zwanzig Minuten festgebissen haben. Die Ablehnung derer, die in ihren Filterblasen verharren. In der AfD-Blase mit Perspektivenreichtum landen? Versucht mal trotz heftigster Benzinpreise beim Thema Geschwindigkeitsbegrenzung mit rationalen Argumenten und konstruktiver Berichterstattung jemanden zu erreichen, der „freie Fahrt für freie Bürger“ als Grundrecht versteht. Da läuft man wie die berühmte Wutz gegen das Scheunentor und holt sich eine blutige Nase. Bei heißen Themen — Klima, Migration, Energiewende, Corona — ist die Dialogbereitschaft meistens nicht da. Fakten werden meist als Lügenpresse abgetan. Und in dieser Lage soll ein Konzept der „guten Stimmung“ helfen? Ich bekomme den Punkt einfach nicht.

Liegestuhl auf der Titanic

Und das ist der eigentliche strukturelle Punkt, der mich an dem ganzen Konzept stört: Konstruktiver Journalismus tritt nicht nur gegen schlechte Berichterstattung an. Er tritt gegen eine ganze Aufregungsökonomie an. Asoziale, algorithmische Medien — Facebook, X, TikTok — belohnen das Empörendere, das Lautere, das Polarisierende. Differenzierung wird nicht ausgespielt, weil sie schlechter performt. Welt und FAZ haben das verstanden und ihre Social-Media-Auftritte entsprechend optimiert. In dieser Logik wirkt konstruktiver Journalismus wie ein Liegestuhl auf der Titanic. Er ist sympathisch, aber nicht systemrelevant.

Wo es funktionieren kann: Im Lokalen

Einen Bereich sehe ich, wo es durchaus funktionieren kann: Im Lokalen. Lars’ Beispiel war Siegburg — SPD und CDU haben sich vor der Kommunalwahl hart bekämpft, koalieren jetzt miteinander. Ich konnte aus Darmstadt prompt das Gegenbeispiel liefern: Grüne, SPD und CDU verfeinden sich derart, dass keine Koalition mehr zustande kommt. Ja, im Lokalen ist die Dialogbereitschaft tendenziell höher, weil die Probleme greifbar sind, weil es konkrete Akteure gibt, weil sich Lösungen messen lassen.

Konstruktiver bei den „großen“ Themen? Da sehe ich keine großen Erfolgschancen. Und ich gebe zu: Ich bin in dieser Frage frustriert, da viele einfach zumachen, Fakten wie erwähnt ignorieren und andere Meinungen oft nicht anhören wollen. Eine harte, aber gesittete Diskussion ist oft unmöglich. Auch hier gebe ich Lars recht: Wir dürfen nicht aufgeben und fangen dann halt von unten an. Er ist deutlich optimistischer als ich.

Was ich trotzdem ausprobieren werde

Doch ich nehme auch persönlich etwas mit: Das Bonn Institute hat einen Constructive Ideas Generator als eigenen GPT entwickelt — ein Werkzeug, mit dem sich Themen aus konstruktiver Perspektive durchdenken lassen. Ich werde das Tool in den kommenden Wochen ausprobieren und bin gespannt, welche Vorschläge die KI mir macht, lösungsorientierter, perspektivenreicher und konstruktiver im Dialog zu sein. Mein Verdacht — und Lars teilt ihn weitgehend — lautet, dass nichts grundlegend anderes herauskommt als das, was wir bei #9vor9 ohnehin tun. Aber ich lasse mich überraschen. Es wäre nicht das erste Mal, dass mich ein Werkzeug widerlegt.

Was bleibt nach 35 Minuten Streitgespräch? Lars hat zum Schluss trocken festgestellt: „Wir haben Perspektiven gebracht.“ Nette Pointe — denn genau das ist es, was konstruktiver Journalismus angeblich anstrebt. Wir hatten ein echtes Streitgespräch, mit unterschiedlichen Positionen, ohne dass am Ende einer den anderen überzeugt hätte. Vielleicht ist das die ehrlichste Antwort auf das Konzept.

Es ist gut, dass das Bonn Institute, dass Aarhus, dass Perspective Daily gegen Doomscrolling und Aufmerksamkeitsökonomie ankämpfen. Es ist gut, dass jemand fragt, wie wir Journalismus machen, der die Leute nicht ins Abschalten treibt. Aber den Begriff brauche ich dafür nicht. Qualitätsjournalismus, der diesen Namen verdient, ist konstruktiv. Den Rest hat Lars am Ende selbst zugegeben: „Ja, dann nenne ich es von mir aus Qualitätsjournalismus oder was auch immer.“ Eben.

https://youtu.be/JqqklbyQGh8

Hintergrundpräsentation

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Konstruktiver Journalismus: weichgespültes Marketing — oder ehrliche Antwort auf 70 % News Avoidance? Lars sagt das eine, ich das andere. Bei #9vor9 haben wir uns 35 Minuten lang nicht geeinigt. Mein Blogbeitrag dazu — mit dem strukturellen Punkt, der mich am meisten stört: die Aufregungsökonomie der asozialen, algorithmischen Medien.

#KonstruktiverJournalismus #Journalismus #9vor9 #Medien #SocialMedia #Aufregungsökonomie #BonnInstitute

http://stefanpfeiffer.blog/2026/05/11/konstruktiver-journalismus/?utm_source=mastodon&utm_medium=jetpack_social

Konstruktiver Journalismus: Marketing oder Antwort auf 71 Prozent News Avoidance?

Heribert Prantl nannte ihn „Wellness-Journalismus“. Genau dieser Reflex ist auch meiner. Lars hat ihn bei #9vor9 trotzdem verteidigt: konstruktiver Journalismus als Antwort auf 70 Prozent News Avoi…

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Die schweigende Mehrheit wünscht sich konstruktive Debatten — bekommt sie aber nicht. Weil Aufregung das Geschäftsmodell ist. Warum der freie Markt der Kräfte in Social Media versagt und die EU endlich durchgreifen muss. Mein Blogbeitrag zur aktuellen #9vor9-Folge mit @larsbas

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Eine neue Studie der Medienanstalten bestätigt, was man auf Threads, X und Facebook täglich erlebt: Der Diskurs verroht, die Beteiligungsbereitschaft sinkt, die Meinungsfreiheit gerät unter Druck. …

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Ist Anthropic die erwachsene, ethische Alternative? Oder nutzt das Unternehmen Angst-Marketing so geschickt, wie OpenAI einst Hype-Marketing betrieben hat? Die Antwort kennen wir noch nicht. Was wir kennen, sind historische Beispiele. Google hatte einmal „Don’t be evil“ als Leitspruch. Es war mehr als ein Slogan – es war ein Versprechen, das lange geglaubt wurde. Bis es leise verschwand. Beobachten wir kritisch, ob Anthropic einen anderen Weg geht. #9vor9 #Anthropic https://stefanpfeiffer.blog/2026/04/20/claude-9vor9/

Claude Mythos, und drei Monate, die Anthropic in die erste Reihe katapultiert haben #9vor9 | StefanPfeiffer.Blog https://stefanpfeiffer.blog/2026/04/20/claude-9vor9/

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