Wir betreiben in der Familie relativ aggressiv Code-Switiching (DE, EN, FR, TI, HE, AR).

Eine Freundin, die Deutsch, (mindestens) eine der kurdischen Sprachen, sowie Türkisch und ziemlich gut Arabisch, aber allenfalls rudimentär Englisch spricht, sagte mir vor einiger Zeit, dass sie es als #klassistisch empfindet, wenn Menschen in ihrem Umfeld Code-Switching zwischen Deutsch und Englisch betreiben.

Wie seht ihr das? Geht es Euch auch so?

#klassistisch #Klassimus

@AwetTesfaiesus

Ich scheitere ehrlich gesagt schon dran, einen Zugang zu finden, was klassistisch dabei sein soll?

Bin aber auch weit weniger polyglott.

@AwetTesfaiesus Die Frage bleibt immer, ob das Gegenüber dich versteht und wie es sich anfühlt. Alles Andere ist Spalterei.

(Ja, ich muss das so kontrastiert formulieren zur Erinnerung für mich selbst.)

#LeaveNoOneBehind

@regineheidorn @AwetTesfaiesus wenn das jemand mit 2 deutschen Eltern macht und die Person wohnt in Deutschland und hat nicht viele Jahre im Ausland gelebt finde ich das arg komisch. Da würde ich auch Klassismus unterstellen.
Anders ist das in bilingualen Familien.

@bummelmuetze @AwetTesfaiesus Ach, als eine solche Person mische ich gerne Italienisch und Russisch in meine Sprache.

Viele meiner Italienischen Bekannten finden eh ich sei im Herzen Italienisch. Und meine Russischen Bekannten schätzen sehr, daß sie nicht auf den Kriegstreiber reduziert werden, sondern auch noch die vielen anderen Ebenen historisch gewachsener Deutsch-Russischer Freundschaft lebendig bleiben.

Sehe da definitiv keinen Klassismus, eher Verständigung auf Augenhöhe im Konsens.

@regineheidorn @AwetTesfaiesus dann hat es bei dir etwas natürliches und authentisches, das ist doch toll! Ich mische auch Sprachen wenn ich mit Familienmitgliedern spreche.
Komisch finde ich aber, wenn jemand mit rein deutschem Hintergrund im Gespräch mit mir englische Wörter einzubaut. Da ist nichts authentisches dran.
@bummelmuetze @AwetTesfaiesus Finde ich ziemlich weird ... wenn ich das mal authentisch so sagen darf, wie ich es passend benennen will.

@AwetTesfaiesus

Ich weiß nicht ob das klassistisch ist, bin da eher vorsichtig mit solchen Stempeln.
Aber m.E. gilt eine ganz einfache Grundregel: Es wird niemand ausgeschlossen. Und das bedeutet, dass in der Sprache gesprochen wird, die alle verstehen. Das hat was mit Repsekt und Miteinander zu tun.

@AwetTesfaiesus
Ja, ich ich würde das auch so empfinden. Ich würde darauf hinweisen, dass ich nur deutsch wirklich und Englisch rudimentär verstehe und es als unhöflich empfinden würde, wenn man mich durch Gebrauch von Fremdsprachen ausschliessen würde.
Und die Situation verlassen.
🤷🏻‍♂️
@AwetTesfaiesus Es kommt darauf an. Als pauschaler Generalisierung würde ich dieser Wahrnehmung nicht zustimmen, sondern zunächst einmal davon ausgehen, dass Menschen ihre Sprache entsprechend ihrer jeweiligen Bedürfnisse, jener des Gegenübers und des Themas situativ angemessen wählen – weil die jeweilige Sprache andere Aussagemöglichkeiten oder einen anderen emotionalen Wert hat etwa, auch, um Zugehörigkeit auszudrücken, aber immer im Sinne einer glückenden Kommunikation.
@AwetTesfaiesus
Also ich empfinde es in einem Gespräch mit einer Person allenfalls als unhöflich, wenn der Gesprächspartner ohne sprachliche Not in eine andere Sprache fällt.
Im Umfeld um mich herum ist mir das egal.
Gut ich bin zwar alt, aber arbeite auch in der IT, da ist man schon eher mehrsprachig.
@AwetTesfaiesus Gibt es wirklich Leute die auf englisch wechseln wenn die Landessprache von allen verstanden wird? Das macht man doch nur wenn man das Gefühl hat nicht verstanden zu werden.

@giggls das macht meine Familie ständig. Es gibt eben Wege etwas in einer anderen Sprache effizienter oder mit treffenderem Subtext zu sagen.

„You do you“ und „tu, was du nicht lassen kannst“ sind nicht bedeutungsidentisch.

Ebensowenig „Yalla!“ Und „los geht’s“.

„Look what the cat brought home!“ ist nicht identisch zu „was schleppst du denn wieder an?“

@AwetTesfaiesus Ach so das meinst du. Das kenne ich so nicht aber bei mir gab es halt als Fremdsprache die alle verstehen auch nur hochdeutsch.

@AwetTesfaiesus wenn Kinder mehrsprachig aufwachsen (um bspw. mit allen Großeltern/Cousins reden zu können), ist Code-switching normal.

Wenn eine Gesprächsrunde mehrsprachig ist, finde ich sinnvoll, die meistverstandene Sprache zu benutzen bzw. die, die am wenigsten zusätzliche Übersetzung erfordert, um Allen den Gesprächsinhalt zu erschließen.

Klassistisch ist, wenn keine Übersetzung stattfindet oder eine Sprache verwendet wird, um auszugrenzen. Egal ob englisch oder was anderes.

@dancing_goblin bei dem „umzu“ bin ich nicht an Bord. Diskrimierung hat keinen subjektiven Tatbestand.
@AwetTesfaiesus was ist code-switching?
@mit_scharf @AwetTesfaiesus Wenn ich es richtig verstanden habe, im Rahmen eines Gesprächs die Sprache zu wechseln, teilweise mehrfach.

Wenn ich Mist erzähle, bitte korrigieren.
@mit_scharf @AwetTesfaiesus
War zwar im Studium nur Teilzeit-Linguist, aber nach meinem Verständnis geht es darum, dass man je nach Gesprächssituation (mit wem & in welchem Kontext) zwischen verschiedenen Sprachen oder auch zwischen Hochsprache und Dialekt/Soziolekt wechselt.
@AwetTesfaiesus Auf "klassistisch" wäre ich in dem Kontext jetzt nicht gekommen. Doch ich finde es schlicht unhöflich, eine Sprache zu verwenden, die von den Zuhörenden nicht gut verstanden wird. Denn Sprache ist doch dazu da verstanden zu werden.
(Deshalb spreche ich in Berlin auch nicht meinen süddeutschen Heimatdialekt - oder allenfalls ganz dezent. Und lateinische Sprüche bringe ich auch nur, wenn ich weiß, dass sie verstanden werden - also nur selten.)
@AwetTesfaiesus Meine Schwiegermutter ist zweisprachig, sie spricht deutsch, solange bis sie spanisch spricht. In ihrem kompletten persönlichen Freundeskreis ist dies der Normalzustand und niemand denkt darüber nach.

Ich fühle mich weder ausgegrenzt, ich spreche kein Spanisch, noch finde ist es klassistisch. Manche Dinge kann man auf Deutsch besser ausdrücken, andere halt auf spanisch. Was man nicht versteht, muss man nachfragen.

@AwetTesfaiesus
Ich bin ITler, unsere Fachsprache ist so gefüllt mit englischen Begriffen, dass wir gefühlt permanent Code-Switching betreiben, wenn wir Fachgespräche untereinander führen. Dass wir vieles dann auch eindeutschen (pullrequesten, uploaden, comitten, updaten,...) macht es dann nicht besser. Früher hätte man nerdig gesagt und die Augen gerollt. Aber daher kann ich den klassistisch-Vorwurf durchaus nachvollziehen ("Urrgh, könnt ihr nicht einfach hochladen sagen wie normale Menschen??").

Ich glaub den einzelnen Menschen kommt das nicht so vor, sie haben untereinander eine Sprache entwickelt, mit der sie sich gut verständigen können. Aber die Außenwirkung ist ne Andere. Und man grenzt sich natürlich auch ab zu allen Anderen, die nicht so sprechen.

Die Frage ist ob das jetzt gut oder schlecht ist. Ich glaub es ist beides und man muss das dann immer abwägen. Insofern ist das Feedback deiner Freundin da sehr wichtig.

@AwetTesfaiesus
ich merke es von der 'gebildeten' Seite dieses Gegensatzes her: Habe in der Jugend-Arbeit zu Klimabildungs-Themen gemerkt, dass mir oft Fachtermini oder Wendungen auf Englisch geläufig sind, und ich das nicht intuitiv ins Deutsche übertragen kann. Im Wirtschaftsdenglisch sehe ich ähnliches. Und ja: ich finde, das verschärft den Gradienten in der Allgemeinbildung, wenn Teile nur mit Englischkenntnissen zugänglich sind.

@AwetTesfaiesus für mich ist der Kontext ausschlaggebend.

Sprache ist für mich primär Verständigung, aber auch Identität, Beziehungselement und vor allem im steten Wandel.

Code switching kann als verbindendes Element zwischen Freunden und Familie dienen, es kann rein fachlich zutreffender und spezifischer sein, es kann aber auch zum Ausschluss und zur Abgrenzung genutzt werden.

Vor allem kann es gleichzeitig von unterschiedlicher Seite völlig unterschiedlich wahrgenommen werden. 🤷

@AwetTesfaiesus ich wurde mich also den anderen unter diesem post mit einem "kommt drauf an" anschließen 😅
@AwetTesfaiesus
Wenn Leute, die nicht englischsprachig aufgewachsen sind ständig englische Phrasen einbauen erscheint mir das nicht als Code-Switching sondern als aufgesetzt. So wie früher die Oberschicht französisch sprach - insofern also zumindest genutzt um Bildung zu demonstrieren. Wenn man das dann gegenüber Leuten macht, die kein oder wenig Englisch sprechen ist es natürlich auch ausgrenzend.
@AwetTesfaiesus Ich finde, das ist sehr stark vom sozialen und thematischen Kontext abhängig.
Innerhalb unserer Familie? Kein Problem.
Ein Ding, das vor allem im englischsprachigen Raum bekannt ist oder dessen Hauptsprache Englisch ist? Kein Problem.
"Externe" Menschen dabei, von denen man weiß, dass sie die Sprache weder verstehen noch sprechen? Könnte ein Problem sein.
Als klassistisch würde ich es grundsätzlich jedoch nicht einsortieren, es sei denn, genau das ist der Zweck des Switchens.

@AwetTesfaiesus
Klingt so als würde deine Freundin das snobistisch auffassen. So als "Hey, schau mal, wir sind soo weltgewandt und polyglott! Ach Gottchen, du Dummerlein kannst kein Englisch? Mon Dieu!"

Ich persönlich freue mich, wenn irgendwo in der Nähe jemand eine (Fremd-)Sprache spricht, die ich auch "beherrsche". Das zeigt mir, die Lernerei war nicht umsonst /o\

@AwetTesfaiesus

Jede Gruppe entwickelt ihren eigenen Stil und Slang.

Solange sie sich untereinander gut verständigen, geht es sonst keinen an. Außer es ist deren Job, mit Außenstehenden zu kommunizieren.

@AwetTesfaiesus

in meiner Familie wird Code-Switching zwischen EN, ES und DE betrieben mit gelegentlichenEinsprenkseln von FR, PT und CN.
Mit unseren Cousins beschränken wir
uns auf die Sprachen die wir gemeinsam haben (und sie tun das gleiche).
Ich glaube was deine Freundin sieht, ist dass es in Deutschland ein gewisses Umfeld gibt in dem Englisch eher eine Selbstverständlichkeit ist als z.B. Türkisch oder eine der kurdischen Sprachen. Und somit einfach vorausgesetzt wird. "Normal" ist.

@AwetTesfaiesus

Ich denke nicht, daß das Label „klassistisch“ hier viel hilft.

Nutze ich Sprache um mich abzugrenzen oder anderen zu zeigen, wie toll („gebildet“) ich bin, ist das arrogant. Nehm ich keine Rücksicht, ob andere das auch verstehen können, ist das unhöflich. Beides kann ich klassistisch nennen.

Ich nutze hier auf Mastodon viele Fremdworte und Fachbegriffe, und auch englische Phrasen, wenn diese treffender sind, und damit schränke ich meine Zielgruppe ein, hoffe aber auch präziser und mehr auf dem Punkt zu sein.

Allein den Begriff „klassistisch“ zu nutzen kann klassistisch sein, da er von sehr vielen – gerade von denen, die von Klassismus betroffen sind – wahrscheinlich nicht verstanden wird.