Gefangen im System: Das Geschäftsmodell der Lieferdienste

Dossier In der Türkei haben sich Rider von Yemeksepeti trotz Wirtschaftskrise, Union Busting und gefährlichen Arbeitsbedingungen gewerkschaftlich organisiert. Zudem gelang ihnen auch die Widereinstellung von drei Kolleg:innen, die wegen Gewerkschaftsaktivitäten entlassenen wurden. Unterstützt werden sie von vielen Gewerkschaften, unter anderem von den Gewerkschaften TÜMTİS, Nakliyat-İş und TEHİS. Zudem gibt es eine Zunahme von internationaler Solidarität wie z.B. von den Radical Riders aus den Niederlanden oder den E-Food Riders aus Griechenland. In Istanbul protestierten Rider bereits vor dem deutschen Konsul gegen die Arbeitsbedingungen vom Mutter-Konzern Delivero Hero. Wir verfolgen die Auseinandersetzung weiter und dokumentieren sie hier. NEU: Kuriere von Yemeksepeti haben aufgrund steigender Lebenshaltungskosten und der harten Arbeitsbedingungen in der ganzen Türkei die Arbeit niedergelegt
Der Lieferdienst Lieferando hat seine im Juli angekündigten Entlassungspläne eingegrenzt. Durch die Nicht-Nachbesetzung offener Stellen seien noch knapp 1.500 Kuriere von Kündigungen betroffen, sagte Lennard Neubauer, Geschäftsführer von Lieferandos Marktplatz, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagsausgabe).
Dossier "Nun, und wir haben einen weiteren Protest in Polen. Nach Grudziądz - diesmal Poznań - hat eine Gruppe von Menschen, die für die Glovo-Plattform arbeiten, für Donnerstag [21. März 2024] Streikmaßnahmen angekündigt. Es soll eine Mahnwache organisiert werden, bei der sie ihre Forderungen vorstellen wollen. Der Streik wird voraussichtlich 2 Tage dauern. Zum jetzigen Zeitpunkt haben bereits mehr als 30 Personen ihre Teilnahme angekündigt, und die Unterstützung vor Ort soll durch Personen aus den nationalen Gewerkschaften erfolgen. Inoffiziellen Informationen zufolge hat die Glovo-Zentrale für Polen bereits Kenntnis von der Streikankündigung. Dies ist ein weiterer Glovo-Protest in Polen - vor einer Woche [9. März 2024] gab es einen Streik bei Glovo in Grudziądz..." pol. Meldung vom 20.3.2024 bei zentrale ("Streik bei Glovo in Poznan!", maschinenübersetzt) - siehe weitere Informationen. NEU: Entzieht sich Uber Eats in Polen der Plattformarbeitsrichtlinie durch erzwungene neue, aber rückwirkende Geschäftsbedingungen für die Kuriere?
Dossier "Nun, und wir haben einen weiteren Protest in Polen. Nach Grudziądz - diesmal Poznań - hat eine Gruppe von Menschen, die für die Glovo-Plattform arbeiten, für Donnerstag [21. März 2024] Streikmaßnahmen angekündigt. Es soll eine Mahnwache organisiert werden, bei der sie ihre Forderungen vorstellen wollen. Der Streik wird voraussichtlich 2 Tage dauern. Zum jetzigen Zeitpunkt haben bereits mehr als 30 Personen ihre Teilnahme angekündigt, und die Unterstützung vor Ort soll durch Personen aus den nationalen Gewerkschaften erfolgen. Inoffiziellen Informationen zufolge hat die Glovo-Zentrale für Polen bereits Kenntnis von der Streikankündigung. Dies ist ein weiterer Glovo-Protest in Polen - vor einer Woche [9. März 2024] gab es einen Streik bei Glovo in Grudziądz..." pol. Meldung vom 20.3.2024 bei zentrale ("Streik bei Glovo in Poznan!", maschinenübersetzt) - siehe weitere Informationen. NEU: Entzieht sich Uber Eats in Polen der Plattformarbeitsrichtlinie durch erzwungene neue, aber rückwirkende Geschäftsbedingungen für die Kuriere?
"Gestern Mittag wurde ein 58-jähriger Motorradkurier in der Tsimiski-Straße in Thessaloniki von einem Bus überfahren und getötet. Innerhalb weniger Stunden nach Bekanntwerden der tragischen Nachricht versammelten sich die Kuriere am Ort des Geschehens und organisierten einen Protestkonvoi. Chrysovalantis Papadopoulos, der stellvertretende Vorsitzende des Verbands der selbständigen Händler von Thessaloniki, gab am Unfallort eine Erklärung ab, die wie die Worte der Kuriere in der Türkei klangen. "Wir spielen unser Leben mit Würfeln. Wir gehen morgens nach Hause und wissen nicht, ob wir abends zurückkommen", sagte Papadopoulos und sprach der Familie des verunglückten Kuriers sein Beileid aus. Berichten zufolge bereiten sich die Kuriere in Griechenland auf einen größeren Protest am Donnerstag vor." türk. Meldung vom 27.6.2023 in kuryehaber.com (maschinenübersetzt), siehe weitere Infos
"FrenApp (Frente de los trabajadores de plataformas digitales del Ecuador) ist eine neuartige, noch relativ kleine Branchengewerkschaft in Ecuador, in der Beschäftigte des boomenden digitalen Sektors organisiert sind, vor allem Kolleg*innen, die für Lieferdienste wie Rappi und Deliveroo oder im Fahrdienst wie für Uber unterwegs sind. Aufgrund fehlender Regelungen fallen diese Kolleg*innen nicht unter die gesetzlichen Arbeitsschutzbestimmungen und müssen ihre Arbeitskraft als Scheinselbstständige unter prekären Bedingungen veräußern. Ähnlich wie in Europa sind viele der Kolleg*innen bei den Lieferdiensten Migrant*innen, im Falle Ecuadors vor allem aus Kolumbien und Venezuela. Das gilt auch für Carolina Hevia de Brandts, Verantwortliche für Rechtsfragen von FrenApp, die zunächst von Venezuela nach Kolumbien ging, dort dann wegen ihrer gewerkschaftlichen Arbeit bedroht wurde und fliehen musste. Frank Braßel hat mit ihr das nachfolgende Telefoninterview geführt..." Interview von Frank Braßel aus der ila 465 - wir danken! (Mit Grundinformationen zu Delivery Hero und PedidosYa ganz unten im Beitrag)
Dossier Wie in vielen anderen Ländern heutzutage auch, arbeiten in Georgien viele vor allem junge Menschen als Kuriere – und wie in allen diesen Ländern auch, protestieren sie gegen üble Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne. In Georgien sind es die Beschäftigten von Glovo, einem der weltweit in diesem Bereich tätigen Konzerne, die seit einiger Zeit wachsende Proteste organisieren. Daneben kämpfen auch die Kolleg*innen von Wolt unter #ReWolt für bessere Arbeitsbedingungen und gegen Union Busting. Siehe dazu weitere Entwicklungen - NEU: Neue „ReWolte“ in Tiflis: Rider seit dem 29. März 2023 im unbefristeten Streik gegen Aussperrung, für Lohnerhöhung und Krankenversicherung
Dossier Trendyol Express, die größten türkischen Online-Shopping-Website mit mehr als 9.000 Kurieren, die Pakete an Kunden und Einzelhandel liefern, kündigte am 24.1. eine Lohnerhöhung von 11 Prozent für 2022 an, während die Inflation in der Türkei nach offiziellen Angaben bei 36 Prozent liegt (inoffiziell bei 82 Prozent) - eines Lohns unter dem Mindestlohn. Dies veranlasste Tausende von Kurieren ab 24.1. zu 3 Tagen wütenden Aktionen. Hunderte versammelten sich vor der Trendyol-Zentrale im Istanbuler Stadtteil Maslak und kündigten an, dass sie die Arbeit auf unbestimmte Zeit niederlegen würden, wenn ihre Forderungen nach einer 50-prozentigen Lohnerhöhung, weniger Arbeitsdruck und keinen Repressionen gegen Streikende nicht erfüllt würden. Tausende von Kurieren organisierten sich über "soziale" Medien und weigerten sich bald im ganzen Land, Produkte auszuliefern, begleitet durch Autokonvois und Massenproteste. Nach drei Tagen haben die Eigentümer einer Lohnerhöhung von 38% zugestimmt. Einge der Kuriere fordern immer noch 50%, während nun auch Kuriere von HepsiJet, Aras Cargo und Sürat Cargo mehr Geld fordern und streiken... Siehe dazu einige Informationen und NEU: Streik gegen mickrige Lohnerhöhung und hohe Arbeitsbelastung: Kuriere protestieren vor landesweiter Zentrale von Trendyol Go - am 23. Januar 2023 geht es weiter