Gerichtsurteil zum Ende des Ukraine-Kriegs? Keine Belege für angebliche Äußerung von Alice Weidel

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Faktencheck

Gerichtsurteil zum Ende des Ukraine-Kriegs? Keine Belege für angebliche Äußerung von Alice Weidel

Videos auf Tiktok zufolge hat Alice Weidel gesagt, laut einer Gerichtsentscheidung sei in der Ukraine kein Krieg mehr und 1,5 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer müssten in ihre Heimat zurück. Doch weder für die angebliche Aussage Weidels noch die Gerichtsentscheidung finden sich irgendwelche Belege.

von Max Bernhard

28. April 2025

Auf Tiktok heißt es, Alice Weidel habe gesagt, ein Gericht habe entschieden, der Ukraine-Krieg sei zu Ende. Dafür gibt es keine Belege. (Quelle: Tiktok; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung

Alice Weidel habe gesagt, ein Gericht habe entschieden, dass in der Ukraine kein Krieg mehr sei, deswegen müssten 1,5 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer in ihre Heimat zurück.

Aufgestellt von: Tiktok-Videos Datum:
09.04.2025

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Unbelegt
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Unbelegt. Weder für die angebliche Aussage Alice Weidels, noch für eine solche Gerichtsentscheidung finden sich Belege.

„Gericht hat entschieden: In Ukraine ist kein Krieg mehr“, heißt es im April in Videos auf Tiktok. Eineinhalb Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer müssten jetzt zurück in ihr Heimatland, heißt es weiter. Laut den Beiträgen mit teils mehr als 150.000 Ansichten und hunderten Kommentaren soll diese Aussage von AfD-Parteichefin Alice Weidel stammen. In den Kommentaren drücken Unterstützerinnen und Unterstützer der Rechtsaußen-Partei ihre Zustimmung aus, andere kritisieren die Russland-freundliche Politik der AfD. Und einige Fragen nach einer Quelle für die Behauptung.

Die Beiträge lassen offen, wo Weidel davon gesprochen haben soll und von welchem Gericht die Entscheidung stammen soll. Im Internet finden sich keine Belege dafür.

Für eine angebliche Aussage Weidels zu einer Gerichtsentscheidung über das Ende des Ukraine-Krieges finden sich keine Belege (Quelle: Tiktok; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Keine Belege für Aussage Weidels oder entsprechendes Gerichtsurteil zu Ende des Ukraine-Kriegs  

Eines der Tiktok-Profile, die das angebliche Zitat Weidels verbreiten, teilte eine ähnliche Behauptung schon im November 2024. Darin ist von einer Sondersitzung der AfD am 15. November die Rede. Google-Suchen liefern jedoch keine Hinweise, dass es an diesem Tag überhaupt eine Sondersitzung der Partei gab. Auch auf Weidels Profilen in Sozialen Netzwerken findet sich rund um das Datum keine Erwähnung einer Sondersitzung, eines Gerichtsurteils oder eines Endes des Ukraine-Krieges.

Insgesamt finden sich keine Medienberichte zu so einer Aussage Weidels oder einem solchen Gerichtsurteil.

Auch auf dem Infoportal des Bundesamtes für Migration „Germany4ukraine“ steht nichts von einem Aufnahmestopp für Flüchtlinge aus der Ukraine. Deutschland hat seine Bedingungen für ukrainische Geflüchtete zwar im November 2024 verschärft, einen Zwang zur Rückkehr – wie in den Videos behauptet – gibt es jedoch nicht. So erhalten Ukrainerinnen und Ukrainer weiterhin Schutzstatus, allerdings wird dieser Personen, die bereits in einem anderen Land ein Aufenthaltsrecht haben und sich dort aufhielten, nicht mehr gewährt.

Die beiden Tiktok-Profile antworteten nicht auf Nachfragen zu der Quelle oder dem Wahrheitsgehalt ihrer Beiträge. Anfragen von CORRECTIV.Faktencheck an die Pressestellen der AfD, der AfD-Bundestagsfraktion, Weidels Pressesprecher Markus Frohnmaier und Alice Weidel blieben unbeantwortet.

Russischer Angriffskrieg auf Ukraine läuft weiter

Die USA wollen ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine vermitteln und haben dafür Mitte April einen konkreten Vorschlag gemacht, den die Nachrichtenagentur Reuters am 25. April in Gänze veröffentlichte. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff soll ihn Vertretern der Ukraine und führender europäischer Staaten am 17. April in Paris unterbreitet haben. Laut dem Vorschlag würde die Ukraine weitreichende Gebiete verlieren, die über die von Russland seit 2014 völkerrechtswidrig annektierte Krim hinausgehen. Reuters veröffentlichte außerdem einen Gegenvorschlag der Ukraine und Europas. Demnach sollten Gebietsverhandlungen erst nach einem vereinbarten Waffenstillstand stattfinden, und zwar auf Basis der aktuellen Kontrolllinie.

Ungeachtet der Verhandlungen mit den USA greift Russland die Ukraine weiter massiv an. Laut dem Mediendienst Integration leben rund 1,2 Millionen ukrainische Schutzsuchende in Deutschland (Stand 1. März 2025).

Redigatur: Paulina Thom, Sarah Thust

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Author: Max Bernhard

#angebliche #belege #erung #gerichtsurteil #keine #kriegs #ukraine

150 Euro Handysteuer pro Jahr? Angebliche Forderung von Friedrich Merz ist erfunden

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Faktencheck

150 Euro Handysteuer pro Jahr? Angebliche Forderung von Friedrich Merz ist erfunden

Angeblich hat CDU-Chef Friedrich Merz eine Steuer in Höhe von 150 Euro pro Jahr und Haushalt für die Handynutzung gefordert. Teils wird online auch behauptet, die Bundesregierung habe die Steuer bereits beschlossen. Beides ist frei erfunden.

von Steffen Kutzner

25. März 2025

Weder Scholz noch Merz haben, wie auf Tiktok behauptet, je eine Handysteuer gefordert (Quelle: Oliver Kaelke / DeFodi Images / Picture Alliance)
Behauptung

Friedrich Merz oder der Bundeskanzler hätten eine Handysteuer von 150 Euro gefordert, beziehungsweise habe die Bundesregierung sie schon beschlossen.

Aufgestellt von: Beiträgen in Sozialen Netzwerken Datum:
28.02.2025

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Falsch
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Falsch. Weder Friedrich Merz noch der amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz haben so eine Steuer gefordert. Die Bundesregierung hat sie auch nicht beschlossen.

Es ist ein bunter Strauß verschiedener Behauptungen, die momentan auf Tiktok, Instagram und Facebook zu einer angeblichen Handysteuer umgehen. Es wird behauptet, „der Bundeskanzler“ habe gefordert, die Steuer in Höhe von 150 Euro pro Jahr und Haushalt zu erheben und dabei meist auf Friedrich Merz verwiesen – der aber noch gar nicht Bundeskanzler ist. Teilweise heißt es, die Steuer sei bereits beschlossen worden und werde ab 1. Mai oder 1. Juni fällig. Und teilweise wird sogar behauptet, man müsse die Steuer auch dann zahlen, wenn man gar kein Handy besitze. Nichts davon stimmt. 

Ein Beitrag mit der Behauptung zu Friedrich Merz und einer Handysteuer (Quelle: Instagram; Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Wir haben zunächst bei der Bundesregierung nachgefragt, ob unter Olaf Scholz als noch amtierender Kanzler eine solche Handysteuer geplant oder eingeführt wurde. Die Antwort eines Sprechers lautete: „Nein.“ Es finden sich auch keinerlei Medienberichte oder andere Veröffentlichungen zu der angeblich geplanten oder beschlossenen Steuer. 

Auch dafür, dass Friedrich Merz, aller Voraussicht nach der künftige Bundeskanzler, eine solche Steuer gefordert hatte, finden sich keine Belege. In mehreren Beiträgen wird zu dem Thema ein angebliches Zitat von Friedrich Merz angeführt: „Wir fangen mit einer Sache an, die Menschen werden sich daran gewöhnen zu zahlen.“ zu der Behauptung sprach eine CDU-Sprecherin von einer Fehlinformation: „Die in sozialen Netzwerken verbreiteten Behauptungen

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Author: Sophie Timmermann

#angebliche #erfunden #forderung #friedrich #handysteuer

dpa-factchecking: Angebliche Absage – Geschichte über Disney und Denzel Washington ist Satire

Denzel Washington ist ein vielfach ausgezeichneter Schauspieler und gilt als eines der bekannten Gesichter Hollywoods. Er soll mehreren Postings zufolge ein äußerst lukratives Angebot von Walt Disney über 200 Millionen Dollar abgelehnt haben. Angeblich habe er angekündigt, “nicht an der “Woke Culture” teilzunehmen”. Was damit gemeint ist, wird nicht ausgeführt.

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#absage #angebliche #denzel #disney #factchecking #geschichte #washington

Angebliche Absage - Geschichte über Disney und Denzel Washington ist Satire

Denzel Washington ist ein vielfach ausgezeichneter Schauspieler und gilt als eines der bekannten Gesichter Hollywoods. Er soll mehreren Postings zufolge ein äußerst lukratives Angebot von Walt Disney über 200 Millionen Dollar abgelehnt haben. Angeblich habe er angekündigt, «nicht an der "Woke Culture" teilzunehmen». Was damit gemeint ist, wird nicht ausgeführt.

Deutsche Presse-Agentur

Angebliche Verlosung fünf neuer Dacia-Autos auf Facebook ist unseriös

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Angebliche Verlosung fünf neuer Dacia-Autos auf Facebook ist unseriös

Den Geburtsmonat unter einem Facebook-Beitrag kommentieren und ein Auto von Dacia gewinnen? Damit lockt eine unseriöse Facebook-Seite. Wir geben Tipps, woran man das Fake-Gewinnspiel erkennt.

von Matthias Bau

10. Dezember 2024

Eine unseriöse Facebook-Seite nutzt den Namen des Hersteller Dacia, um Nutzerinnen und Nutzer zur Teilnahme an einem Gewinnspiel zu verleiten. Das Vorgehen weist auf eine bekannte Masche zum Datendiebstahl hin. (Quelle: Schoening / Imagebroker / Picture Alliance) Behauptung

Dacia verlose auf Facebook fünf Autos an alle, die einen Beitrag mit ihrem Geburtsmonat kommentieren.

Aufgestellt von: Facebook-Beitrag Datum:
09.12.2024

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Falsch
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Falsch. Das Gewinnspiel ist eine Fälschung und stammt nicht von Dacia.

Immer wieder werden die Namen bekannter Marken auf Facebook für unseriöse Gewinnspiele missbraucht. Dieses Schicksal teilt der Autohersteller Dacia nun mit Lindt, Penny und Hymer

Am 9. Dezember 2024 behauptete eine Facebook-Seite namens „Dacia’-Deale’r“, bei einem Gewinnspiel würden fünf neue Dacias an diejenigen verlost, die unter den Beitrag ihren Geburtsmonat kommentierten. Das stimmt nicht.

Dieses Gewinnspiel wurde im Dezember 2024 auf Facebook hundertfach geteilt. Doch mit dem Autohersteller Dacia hat es nichts zu tun. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Daran erkennen Sie unseriöse Gewinnspiele schnell und zuverlässig

Zunächst lohnt sich ein Blick auf die Facebook-Seite, die das vermeintliche Gewinnspiel geteilt hat. Sie wurde am 15. November 2024 erstellt und hat lediglich zwei Beiträge veröffentlicht. Darin wird jeweils für das Gewinnspiel geworben. 

Die Facebook-Seite gibt sich darüber hinaus zwar als „Autohändler“ aus, ihr fehlt aber ein blauer Haken, mit dem Facebook echte Unternehmens-Accounts verifiziert. Die offizielle Seite von Dacia hat so einen Haken – sie existiert seit zwölf Jahren und hat mehrere Millionen Follower. Das angebliche Gewinnspiel teilte sie nicht. Auch auf der Webseite von Dacia ist es nicht zu finden.

Der Fake-Seite fehlen darüber hinaus Kontaktdaten und Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel. Das ist bei Gewinnspielen aber eine gesetzliche Pflicht. Die Seite verwendet zudem Fotos, die bereits für andere gefälschte Gewinnspiele genutzt wurden. 

Gewinnspiel nutzt typische Masche von Betrügern

Wer den Facebook-Beitrag kommentiert, bekommt eine persönliche Nachricht mit dem Aufruf, das Fake-Gewinnspiel zu teilen. Das ist eine bekannte Masche. Die Nachricht enthält auch einen Link mit der Aufforderung, sich dort auf einer externen Seite zu registrieren. 

Wer das Gewinnspiel kommentiert, erhält eine Nachricht mit einem Link. Dieser führt im Dezember 2024 zu einer Webseite, hinter der eine Briefkastenfirma steckt (Quelle: Facebook; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Der Link führt zu einer Webseite, die vorgibt, „Dacia’–Dealer“ zu heißen. An der Internetadresse (URL) lässt sich erkennen, dass das nicht der Fall ist. Die Webseite gehört zu Google Sites, einem Dienst, mit dem sich kostenlose Webseiten erstellen lassen. Wenige Klicks später wird deutlich, dass hinter dem Gewinnspiel eine Firma namens „Global Lead Generation Ltd“ mit Sitz in London steckt. Das ist eine Briefkastenfirma, wie wir im April 2024 berichteten. 

Dahinter steckt also ein Phishing-Versuch, bei dem persönliche Daten abgegriffen werden sollen. Davor warnen unter anderem Facebook, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und die Verbraucherzentrale

Verbraucherzentrale: Merkmale von gefälschten Gewinnspielen auf Facebook

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen listet auf ihrer Webseite typische Merkmale für gefälschte Gewinnspiele auf Facebook. Sie alle treffen auf die Facebook-Seite mit der vermeintlichen Dacia-Verlosung zu: 

  • Sie existieren erst seit kurzer Zeit.
  • Sie haben wenige Beiträge.
  • Sie rufen zum Liken und Teilen auf. 
  • Sie nutzen Logos und Namen bekannter Firmen, aber es gibt kein richtiges Impressum.
  • Es gibt keine Teilnahmebedingungen.
  • Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme fehlen.

Falls Sie bei Gewinnspielen unsicher sind, ob der Veranstalter wirklich das verlost, was angeboten wird, schauen Sie einfach direkt auf der Webseite des Unternehmens nach. Dort gibt es meist eine eigene Rubrik für Gewinnspiele. Oder Sie suchen im Internet nach dem betreffenden Unternehmen, verbunden mit dem Begriff „Gewinnspiel“. Weitere Tipps haben wir hier zusammengestellt.

Redigatur: Paulina Thom, Kimberly Nicolaus

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Author: Matthias Bau

#angebliche #autos #dacia #facebook #neuer #unserios #verlosung

Angebliche Verlosung fünf neuer Dacia-Autos auf Facebook ist unseriös

Auf Facebook heißt es, der Hersteller Dacia verlose fünf Autos. Doch das angebliche Gewinnspiel ist unseriös.

correctiv.org

Wehrpflicht 2025? Angebliche Bundeswehr-Webseite ist eine Fälschung

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„Wehrpflicht!“ oder „Wehrpflicht reloaded“, heißt es Ende November in Beiträgen auf X, Telegram und Tiktok zu einer angeblichen Webseite der Bundeswehr. Dazu schreiben Nutzerinnen und Nutzer, dass das deutsche Verteidigungsministerium bis Mai 2025 eine halbe Million Soldaten für einen Militäreinsatz in Osteuropa rekrutieren wolle. Auch per Whatsapp wurde uns die Webseite mit der Bitte um Prüfung zugeschickt. 

Den Link zur Webseite mit der URL https://www.wehrpflicht2025.de teilte unter anderem Alina Lipp auf ihrem Telegram-Kanal „Neues aus Russland“, der Beitrag erreichte mehr als 60.000 Ansichten. Lipp, die bereits häufiger mit pro-russischer Desinformation aufgefallen ist, fasst die vermeintliche Lage so zusammen: „Deutschland bereitet sich also offiziell auf einen Krieg vor.“

Doch die Webseite ist fake, wie uns eine Sprecherin der Bundeswehr auf Nachfrage schrieb. Schritte zur Stilllegung der Seite seien eingeleitet worden. Sie ist seit dem 3. Dezember tatsächlich nicht mehr abrufbar.

Unter anderem auf X kursiert der Link zu einer angeblichen Bundeswehr-Webseite. Doch es handelt sich um eine Fälschung. (Quelle: X; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Webseite zu einer angeblichen „Wehrpflicht 2025“ fällt durch Unstimmigkeiten auf

Auf der gefälschten Webseite heißt es unter anderem: „Der deutsche Beitrag zur Wahrung und Wiederherstellung des Friedens in Osteuropa erfordert langfristig eine Gesamtstärke von rund 500.000 Soldaten.“ Das sei nur im Rahmen einer „Allgemeinen Wehrpflicht“ möglich, das Programm laufe 2025 an. Auch wird Verteidigungsminister Boris Pistorius mit den Worten zitiert: „Wir müssen bis Mai 2025 bereit sein.“ 

Die Links auf der Webseite zur Wehrpflicht 2025 führen allesamt zur offiziellen Karriereseite der Bundeswehr. Der Link zu den Datenschutzeinstellungen ist jedoch fehlerhaft, er führt zum Assessment Center der Bundeswehr. Es gibt weitere Unstimmigkeiten: Die Logos haben eine schlechtere Qualität und  das Layout ist offenbar an die Karriereseite der Bundeswehr angelehnt, sieht aber unprofessioneller aus. Es fehlen etwa Drop-Down-Menüs, auch die Schriftart ist anders. 

Im Unterschied zur echten Karriere-Webseite der Bundeswehr (unten) hat die gefälschte Version (oben) eine andere Schriftart, ebenso fehlt das Menü (rote Markierung) (Quellen: https://www.wehrpflicht2025.de / Bundeswehr; Screenshot, Collage und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)

Eine Google-Suche nach der Webseite zeigt zudem, dass sie offenbar erst am 19. November mit der freien Software WordPress erstellt wurde. Am selben Tag wurde auch die Internetadresse der Seite registriert.

Die Webseite Wehrpflicht 2025 ist erst kürzlich mit der freien Software WordPress erstellt worden (Quelle: Google; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Verteidigungsministerium plant „Neuen Wehrdienst“, jedoch keine Wehrpflicht

Auch inhaltlich sind einige Dinge unstimmig: Zwar plant das Verteidigungsministerium mit einem Gesetzentwurf einen „Neuen Wehrdienst“, jedoch ist darin keine Wehrpflicht vorgesehen. Pistorius stellte den Entwurf im Juni vor, Anfang November stimmte das Bundeskabinett zu. Allerdings ist ungewiss, ob der Gesetzentwurf nach dem Bruch der Ampelkoalition in Kraft treten wird. Die CDU/CSU will nicht zustimmen und fordert eine tatsächliche Wehrpflicht. Laut dem Entwurf von Pistorius soll lediglich eine Auskunft mit einem Online-Fragebogen verpflichtend sein, ob die Bereitschaft und Fähigkeit zum Militärdienst vorhanden ist. 

Ebenso finden sich weder auf Google noch in der Pressedatenbank Genios Hinweise, dass Pistorius sagte: „Wir müssen bis Mai 2025 bereit sein.“ Bei einer Befragung der Bundesregierung im Juni sagte der Verteidigungsminister: „Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein.“ 

Zahl der Soldatinnen und Reservisten soll sich bis 2031 auf etwa 460.000 erhöhen

Auch die Angabe von 500.000 Soldaten bis Mai 2025 in einigen Beiträgen macht stutzig: Wie Pistorius auf einer Bundespressekonferenz im Juni erklärte, brauche Deutschland zwar langfristig im Ernstfall bis zu 460.000 Soldatinnen und Soldaten. Das Ziel des „Neuen Wehrdienstes“ ist jedoch langfristig angelegt. Bis 2031 soll die Zahl der Soldatinnen und Soldaten auf 203.000 steigen und eine Reserve mit bis zu 260.000 Frauen und Männern zur Verfügung stehen. Nach Medienberichten sollen mit dem „Neuen Wehrdienst“ im ersten Jahr 5.000 neue Rekruten das Ziel sein. Aktuell verfügt die Bundeswehr über etwa 180.000 Streitkräfte und 60.000 in der Reserve.

Alina Lipp antwortete nicht auf eine Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck. Sie teilte einen weiteren Telegram-Beitrag zu der Seite, in dem es heißt, die Webseite zur Wehrpflicht sehe echt aus. Der Beitrag verweist auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung mit Kontext zum „Neuen Wehrdienst“ und stellt klar, dass es „noch keine Wehrpflicht“ gebe. 

Redigatur: Viktor Marinov, Max Bernhard

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Gesetzentwurf für „Neuen Wehrdienst“, Bundesministeriums der Verteidigung, 13. Oktober 2024: Link (PDF, archiviert)
  • Aufzeichnung Bundespressekonferenz, 12. Juni 2024: Link

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Author: Paulina Thom

#angebliche #bundeswehr #falschung #webseite #wehrpflicht

Wehrpflicht 2025? Angebliche Bundeswehr-Webseite ist eine Fälschung

Online kursiert eine angebliche Bundeswehr-Webseite: Bis Mai 2025 sollen 500.000 Soldaten mobilisiert werden, heißt es. Doch die Seite ist fake.

correctiv.org

Bürgergeld: Angebliche Pauschale für Haustiere ab Januar 2025 frei erfunden

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Bürgergeld: Angebliche Pauschale für Haustiere ab Januar 2025 frei erfunden

In einem viralen Tiktok-Beitrag heißt es, ab Januar 2025 gebe es auch Bürgergeld für Haustiere. Die vermeintliche Meldung ist frei erfunden.

von Paulina Thom

05. Dezember 2024

Online heißt es, für Haustiere gebe es ab Januar 2025 eine Pauschale innerhalb des Bürgergeldes. Das stimmt nicht. (Symbolbild: Ekaterina Fedulyeva / Westend61 / Picture Alliance)
Behauptung

Ab Januar 2025 gebe es Bürgergeld für Haustiere.

Aufgestellt von: viralem Tiktok-Beitrag Datum:
12.11.2024

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Falsch. Haustiere gelten als „nicht existenznotwendig“, für sie ist im sogenannten Regelbedarf des Bürgergeldes keine Zahlung vorgesehen. Eine Gesetzesänderung zum Januar 2025 gibt es laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales nicht.

„Ab Januar 2025 gibt es Bürgergeld für Haustiere“, heißt es in einem Tiktok-Beitrag mit knapp einer Million Ansichten. Für einen Hund soll es monatlich eine Pauschale von 127 Euro, bei einer Katze 98 Euro mehr geben. Einige Nutzerinnen und Nutzer haben Zweifel an der Meldung, andere halten sie für echt. 

Knapp 15.000 Nutzerinnen und Nutzer haben die vermeintliche Meldung über Bürgergeld für Haustiere auf Tiktok geteilt. Doch einen solchen Zuschlag gibt es nicht. (Quelle: Tiktok; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Keine Pauschale für Haustiere im Bürgergeld enthalten oder für 2025 geplant

Die rechtlichen Regelungen zum Bürgergeld finden sich im Zweiten Buch des Sozialgesetzbuches. Weder dort noch auf der Webseite des zuständigen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) findet sich ein Hinweis auf das angebliche Bürgergeld für Haustiere. 

Auch in Medienberichten heißt es: Jeder Mensch habe zwar das Recht, ein Haustier zu halten, eine finanzielle Unterstützung durch das Jobcenter gebe es aber nicht. Im Juni 2023 wies das Landessozialgericht in Baden-Württemberg eine entsprechende Klage mit der Begründung ab, Hundehaltung gehöre nicht zu dem zu gewährleistenden Existenzminimum. 

In einer Broschüre des BMAS werden Haustiere neben Glücksspielen, Kraftfahrzeugen, Tabak und alkoholischen Getränken als „nicht existenznotwendig“ gelistet. Zur Ermittlung des Regelbedarfs würden sie daher nicht herangezogen. Dazu heißt es weiter: „Der Regelbedarf enthält keine Vorgaben, wofür Leistungsberechtigte ihr Budget ausgeben.“ Auf Nachfrage schreibt uns ein Sprecher des BMAS, dass es keine Gesetzesänderung zu Haustieren beim Bürgergeld gebe. „Die Aussage im verlinkten Tiktok-Video ist reine Phantasie.“

Eine Bürgergeld-Pauschale für Haustiere gibt es also nicht und ist laut BMAS auch nicht geplant. Wer aber Unterstützung beim Futtermittelbedarf für sein Haustier benötigt, kann sich an sogenannte gemeinnützige Tiertafeln wenden. 

Wir haben den Tiktok-Nutzer über unsere Recherche informiert und gefragt, ob er sein Video entsprechend korrigiert. Bis zur Veröffentlichung erhielten wir keine Antwort. Das Video ist unverändert auf Tiktok abrufbar (Stand: 5. Dezember 2024). 

Redigatur: Matthias Bau, Kimberly Nicolaus

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Zweiten Buch des Sozialgesetzbuches: Link (archiviert)
  • Broschüre des BMAS, Regelbedarf – Was ist das und wie wird er berechnet?, Mai 2024: Link (archiviert)

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Author: Paulina Thom

#angebliche #burgergeld #erfunden #haustiere #januar #pauschale

Bürgergeld: Angebliche Pauschale für Haustiere ab Januar 2025 frei erfunden

In einem Tiktok-Beitrag heißt es, ab Januar 2025 gebe es Bürgergeld für Haustiere. Das stimmt nicht, die Meldung ist frei erfunden.

correctiv.org

Angebliche Krypto-Werbung: Gefälschter Bild-Artikel über Sahra Wagenknecht kursiert auf mehreren Plattformen

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Angebliche Krypto-Werbung: Gefälschter Bild-Artikel über Sahra Wagenknecht kursiert auf mehreren Plattformen

Ein gefälschter Bild-Artikel erreicht in Sozialen Netzwerken Tausende. Es geht darin um Sahra Wagenknecht, die angeblich Bitcoins bewirbt. Dahinter steckt ein Betrugsversuch, auf den Meta nicht zu reagieren scheint.

von Gabriele Scherndl

27. November 2024

Laut einem angeblichen Bild-Artikel warb Sahra Wagenknecht in einer Talkshow für Krypto-Investments. Doch der Artikel ist gefälscht. (Quelle: Michael Kappeler / DPA / Picture Alliance) Behauptung

Bild habe berichtet, dass die Deutsche Bundesbank Sahra Wagenknecht verklagt hat.

Aufgestellt von: Beiträgen in Sozialen Netzwerken Datum:
13.09.2024

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Manipuliert
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Manipuliert. Der angebliche Bild-Artikel ist eine Fälschung, dahinter steckt ein Betrugsversuch.

Auch wenn CORRECTIV.Faktencheck und andere Medien, der Verbraucherschutz und Ministerien teils seit Jahren über die Masche berichten, wird sie immer noch angewandt. 

Das Vorgehen: Erst wird ein Artikel gefälscht, der aussehen soll, als käme er von einem etablierten Medium. Darin geht es um eine prominente Person, die angeblich für ein Krypto-Investment geworben hat und anschließend dafür verklagt wurde. Dieser Fake-Artikel wird dann, wie auch in einem aktuellen Fall, in Sozialen Netzwerken geteilt – teils als Werbeanzeige, also gegen Geld.

Dieses Mal geht es um Sahra Wagenknecht. Sie soll, so heißt es in dem Text, in einer Sendung von Markus Lanz darüber gesprochen haben, wie sie dank einer Bitcoin-App reich geworden sein. 

Dieser angebliche Bild-Artikel ist eine Fälschung. Der Link dazu wird aktuell auf Facebook als Werbeanzeige geteilt. (Quelle: followclose.com)

Bild-Artikel ist nie erschienen, Fotos stammen aus alter Lanz-Sendung

Doch schon der Klick auf das Bild-Logo der Webseite macht klar, dass da etwas nicht stimmt: Man landet nicht wie sonst auf der Bild-Startseite, sondern auf einer angeblichen Krypto-Investment-Seite. Auf der echten Webseite der Bild ist der Artikel nie erschienen, wie eine gezielte Google-Suche zeigt.

Die Bilder, die in dem Fake-Artikel verwendet werden, stammen aus einer Markus-Lanz-Sendung vom September 2023. In der Sendung sprach Wagenknecht über die Gründung ihrer neuen Partei, Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Ampel-Koalition. Um Kryptowährungen ging es darin nicht. 

Links zum gefälschten Bild-Artikel kursierten auf mehreren Plattformen

Links zu diesem gefälschten Artikel werden momentan als Anzeigen in verschiedenen Sozialen Netzwerken geteilt. Laut Bild-Redakteur Julian Röpcke kursierte der gefälschte Artikel auch auf X. Der Beitrag, den er zeigt, wurde mittlerweile offenbar gelöscht. 

Weiterhin aktiv ist aber eine Anzeige, die unter anderem auf Facebook und Instagram ausgespielt wird. Das ist in der Werbeanzeigen-Bibliothek von Meta, Mutterkonzern der beiden Plattformen, nachvollziehbar. Jemand zahlt also dafür, dass der Link zum Fake-Artikel gezielt Menschen in Deutschland über 30 Jahren angezeigt wird. Tausende sollen damit erreicht worden sein. Meta antwortete nicht auf die Nachfrage, warum die Werbeanzeigen weiterhin online sind, obwohl sie zu einem Betrugsversuch führen.

Ursprung der Werbeanzeige ist eine dubiose Facebook-Seite

Geschaltet werden die Anzeigen bei Meta von einer Facebook-Seite namens Five News. Die Seite ist jedoch keine Nachrichtenseite, sondern gibt sich als Aids-Beratungszentrum aus – ein Widerspruch. Sie existiert erst seit wenigen Wochen und hat ansonsten kaum Beiträge veröffentlicht. All das sind Warnhinweise, dass eine Facebook-Seite nicht seriös ist, wie wir etwa hier berichteten. 

Auf Nachfrage an die auf der Seite angegebene E-Mail erhielten wir keine Rückmeldung. 

Die Facebook-Seite Five News ist keine echte Nachrichtenseite, wie der Blick auf die Details zeigt (Quellen: Facebook, Screenshot, Collage und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Verbraucherzentrale warnt vor Anbietern, die keine Zulassung  in Deutschland haben

Die Betrugsmasche existiert seit Jahren und betraf bereits verschiedene Prominente und Medien. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen schreibt dazu: „Die Schilderungen der Prominenten sind nicht echt und die Geschichten vom schnellen, mühelosen Reichtum sind ein reines Lockmittel. Das investierte Geld ist in der Regel weg.“

Die Zentrale rät: Bevor man in Kryptowährungen investiert, sollte man prüfen, ob der Anbieter eine Zulassung in Deutschland hat. Das lässt sich in der Datenbank der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nachvollziehen. Fitana, der Anbieter, zu dem die Links im Wagenknecht-Text führen, ist dort nicht gelistet.

Die schwedische Nichtregierungsorganisation Qurium veröffentlichte im März 2024 eine Recherche zu einem Fake-Artikel von CNN, der nach ähnlichem Muster ablief, wie der gefälschte Bild-Artikel über Wagenknecht. Laut Qurium führt die Spur in dem Fall zu einem russischen Netzwerk, das auch in andere Betrugsmachenschaften involviert sei.

Transparenzhinweis: CORRECTIV ist seit 2017 in einer Kooperation mit dem Facebook-Konzern Meta, um Desinformation auf dem Sozialen Netzwerk zu bekämpfen. Mehr Informationen zu der Kooperation erhalten Sie hier.

Redigatur: Sophie Timmermann, Paulina Thom

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Author: Gabriele Scherndl

#angebliche #artikel #gefalschter #krypto #sahra #wagenknecht #werbung

Angebliche Krypto-Werbung: Gefälschter Bild-Artikel über Sahra Wagenknecht kursiert auf mehreren Plattformen

Jemand zahlt dafür, dass ein gefälschter Bild-Artikel die Runde macht. Es geht um Sahra Wagenknecht und Bitcoins – ein Betrugsversuch.

correctiv.org

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Angebliche Krypto-Werbung: Gefälschter Tagesschau-Artikel über Robert Habeck kursiert auf Facebook

In einem Interview mit Caren Miosga soll Habeck verschiedene Krypto-Plattformen beworben haben. Doch die Tagesschau-Artikel, die darüber berichten, sind gefälscht. Hinter einem steht ein Betreiber, vor dem Finanzaufsichten warnen.

von Paulina Thom

02. Oktober 2024

Dieser gefälschte Artikel der Tagesschau kursiert als Werbeanzeige auf Facebook und erreichte mehr als eine halbe Million Konten (Quelle: hihuyldjkgd.digital; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung

Die Tagesschau habe über ein Interview zwischen Robert Habeck und Caren Miosga berichtet, in dem er verschiedene Krypto-Plattformen bewirbt.

Aufgestellt von: Facebook-Beiträgen Datum:
16.09.2024

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Manipuliert
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Manipuliert. Die Artikel sind fake, es kursieren mehrere Versionen. Eine wirbt unter anderem für eine Bitcoin-Handelsplattform, vor der die deutsche und österreichische Finanzaufsicht warnen. Das besagte Interview zwischen Caren Miosga und Robert Habeck fand nie statt.

Mehr als eine Million Konten erreichten Werbeanzeigen auf Facebook mit dem Titel: „Habeck tragisches Ende! Die Nachricht von heute Morgen schockiert alle Bundesbürger!“ Wer auf eine der angeblichen Meldungen klickt, landet bei einem Artikel, der vorgibt, von der Tagesschau zu stammen. Der Grünen-Politiker und Vizekanzler Robert Habeck soll demnach in einem Interview mit der Moderatorin Caren Miosga Krypto-Handelsplattformen beworben haben. Je nach Artikel sind das Plattformen mit Namen wie Immediate Edge, Finance Phantom oder Ethereum Code. 

Doch ein solches Interview gab es nie, die Tagesschau-Artikel sind manipuliert – woran Sie das erkennen und warum die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) unter anderem vor der Plattform Immediate Edge warnt, erfahren Sie in unserem Faktencheck. 

Wer auf diese Werbeanzeige auf Facebook klickt, landet bei einem gefälschten Tagesschau-Artikel. Die Anzeige erreicht laut Facebooks Werbebibliothek hunderttausende Konten. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Webadresse des gefälschtes Artikel über Robert Habeck lautet nicht tagesschau.de

Die angeblichen Tagesschau-Artikel haben immer den Titel „Robert Habeck wird wegen Verrats an Deutschland live auf Sendung entlarvt“. Eine Google-Abfrage mit Suchoperatoren zeigt, dass der Artikel nie auf der Webseite der Tagesschau erschienen ist. Ein ähnlicher Fall begegnete uns schon im Dezember 2023, damals ging es um ein angebliches Interview mit Anne Will.

Auch sonst fällt der Artikel durch sprachliche und strukturelle Ungereimtheiten auf, beispielsweise lautet die Webadresse nicht tagesschau.de. Zwar enthalten die gefälschten Artikel das Tagesschau-Logo, andere Elemente der Webseite fehlen jedoch, wie der Hinweis auf die Mediathek und die Einordnung des Artikels in eine Rubrik. Zudem funktionieren die Links auf der Seite nicht. 

Oben der gefälschte Artikel, unten ein echter Artikel der Tagesschau: In der gefälschten Version fehlt der Link zur Mediathek der ARD (rote Markierung) und die Rubrik des Artikels (grüne Markierung). (Quelle: hihuyldjkgd.digital / tagesschau.de; Screenshots, Collage und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Fotos aus dem gefälschten Artikel führt zu einem Interview zwischen Miosga und Habeck in einer Sendung vom 4. Februar 2024. Darin ging es um wirtschaftspolitische Themen – an keiner Stelle sprechen die beiden über eine der genannten Handelsplattformen für Bitcoins. 

Gefälschter Artikel wirbt für eine Handelsplattform, vor der Behörden und Anwaltskanzleien warnen

Auffällig ist: Die Webadressen der gefälschten Tagesschau-Artikel wechseln regelmäßig und bewerben dann jeweils unterschiedliche Handelsplattformen. 

Die Masche in den Artikel ist aber immer gleich. Mit nur 250 Euro Startkapital soll man auf der Plattform angeblich schnell hohe Gewinne machen können. Um die Plattform auszuprobieren, sollen Nutzerinnen und Nutzer unten im Artikel ihren Namen und ihre E-Mail-Adresse angeben. Auch eine „echte Handynummer“ wird verlangt, damit der Kundenservice in Kontakt treten könne. 

In einem der gefälschten Artikel – der mittlerweile gelöscht wurde – fiel mehrmals der Name Immediate Edge. Doch bei Immediate Edge handelt es sich um keinen seriösen Anbieter – mehrere Behörden und Anwaltskanzleien warnen, dort Geld anzulegen. Die Bafin ermittelt seit November 2023 gegen den Anbieter und schrieb: „Kundinnen und Kunden können über die Website vermeintliche Handelskonten eröffnen. Die versprochenen Gewinne zahlen die Betreiber aber nicht aus.“ Der Anbieter sei nicht von der Behörde zugelassen. Die Bafin rät „bei Geldanlagen im Internet äußerst vorsichtig zu sein und vorab gründlich zu recherchieren, um Betrugsversuche rechtzeitig zu erkennen“. Sie können etwa in einer Datenbank prüfen, ob das Unternehmen eine Erlaubnis der Behörde besitzt. 

Bereits im Juni 2023 hatte die österreichische Finanzmarktaufsicht vor Abschlüssen mit Geschäften mit Immediate Edge gewarnt: „Dieser Anbieter hat keine Berechtigung, konzessionspflichtige Bankgeschäfte in Österreich zu erbringen.“ Auf mehreren Webseiten von Anwaltskanzleien finden sich zudem negative Erfahrungsberichte mit dem Anbieter, der immer wieder neue Webadressen zu nutzen scheint. 

Auf eine Anfrage zu den Werbeanzeigen und warum diese weiter aktiv sind, antwortete Meta bis zur Veröffentlichung nicht. 

Transparenzhinweis: CORRECTIV ist seit 2017 in einer Kooperation mit dem Facebook-Konzern Meta, um Desinformation auf dem Sozialen Netzwerk zu bekämpfen. Mehr Informationen zu der Kooperation erhalten Sie hier.

Redigatur: Sophie Timmermann, Gabriele Scherndl

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Author: Paulina Thom

https://www.bachhausen.de/angebliche-krypto-werbung-gefaelschter-tagesschau-artikel-ueber-robert-habeck-kursiert-auf-facebook/

#angebliche #artikel #gefalschter #krypto #robert #tagesschau #werbung

Angebliche Krypto-Werbung: Gefälschter Tagesschau-Artikel über Robert Habeck kursiert auf Facebook

Im Interview mit Caren Miosga soll Habeck angeblich eine Krypto-Plattform beworben haben. Doch der Tagesschau-Artikel ist gefälscht.

correctiv.org

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

Donald Trump reckt die rechte Faust in die Luft, sein Ohr ist blutverschmiert, über ihm die US-Flagge, um ihn herum Secret-Service-Mitarbeiter. Es ist ein Bild, das um die Welt ging. Am 13. Juli 2024 kam es zu einem Attentat auf den Repubulikaner bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania, Schüsse fielen, ein Zuschauer wurde getötet. Es folgten diverse Diskussionen: Ist Trump jetzt der Wahlsieg sicher? Hat der Secret Service versagt? In manchen Kreisen in Deutschland gab es im Netz aber noch eine ganz andere Debatte: 

„Presse verharmlost Anschlag auf Präsident Trump.“

„Unglaublich, wie die Öffentlich-Rechtlichen einen versuchten Mordanschlag auf den ehemaligen Präsidenten Trump herunterspielen! ‚Zwischenfall‘ nennen sie das!“

„Unfassbar, die Tagesschau bezeichnet einen Attentatsversuch auf Ex-Präsident Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung als Zwischenfall! #Lügenpresse“

„Ein Mordanschlag wird zum ‚Zwischenfall‘ heruntergelogen: Wie die Systemmedien das Attentat auf Trump zunächst verharmlosten.“

Von AfD-Politikern, aber auch bei Julian Reichelts rechtspopulistischem Portal Nius, von Boris Reitschuster oder dem rechten Blog Tichys Einblick sowie in „patriotischen“ Facebook-Gruppen und auf Youtube heißt es, deutsche Medien, hätten den Anschlagsversuch auf Trump verharmlost, ihn heruntergespielt.

Unsere Rekonstruktion der zeitlichen Abläufe und Medienberichterstattung:

Tagesschau berichtete nachts zunächst von einem Zwischenfall und Schüssen

Die Schüsse fielen auf der Wahlveranstaltung am 13. Juli 2024 gegen 18:15 Uhr Ortszeit (EST/EDT, Eastern Time). In Deutschland war es zu diesem Zeitpunkt 00:15 Uhr am 14. Juli 2024 (CET/MET, Central European Time). Vielfach verbreitet wird im Netz ein Ausschnitt der Tagesschau. Die Nachrichtensprecherin sagt: „In den USA hat es bei einer Wahlkampfveranstaltung von Ex-US-Präsident Trump in Pennsylvania einen Zwischenfall gegeben. Es ist die Rede von Schüssen gewesen, die gefallen sein sollen. […] Das Material zeigt Blut an seinem Ohr und Scharfschützen auf einem Dach in der Nähe der Bühne, auf der Trump gestanden hatte.“

Was steckt dahinter? Wir rekonstruieren die zeitlichen Abläufe, schauen uns an, wie deutsche Medien berichtet haben und lassen Medien-Experten die Berichterstattung einordnen.

Die Tagesschau berichtete zunächst über einen „Zwischenfall“ und erst später, als mehr Details gesichert bekannt waren, über ein Attentat auf Trump in Pennsylvania (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Von wann stammt also der verbreitete Bericht und was war zu diesem Zeitpunkt bekannt? 

Auf Nachfrage von CORRECTIV.Faktencheck erklärt eine Sprecherin des NDR, der für die Tagesschau redaktionell verantwortlich ist, warum das Attentat auf Trump in der Tagesschau-Ausgabe um 2 Uhr am Sonntag als Zwischenfall bezeichnet wurde. „Zu diesem Zeitpunkt lagen die Ereignisse in Pennsylvania knapp zwei Stunden zurück. Wie die Lage zu bewerten ist, war noch unklar.“ Auch Nachrichtenagenturen wie die AFP (um 00:32 Uhr, 1:00 Uhr und 1:26 Uhr), Reuters (00:47 Uhr) oder die DPA (1:07 Uhr) hätten zu dieser Zeit noch von einem Zwischenfall berichtet. Die DPA habe demnach sogar einen Sprecher von Trump mit den Worten zitiert: Ihm gehe es nach Vorfall auf der Bühne „gut“, so die NDR-Sprecherin. 

Diese Meldung von 1:07 Uhr findet sich noch auf Nachrichtenseiten, zum Beispiel der  Süddeutschen Zeitung, die automatisiert Meldungen von der DPA übernimmt. Dort verweist die Agentur auf Trumps Kommunikationsdirektor Steven Cheung und wählt zwei Formulierungen: Einmal „Vorfall“ in der Überschrift, einmal „Attacke“ im Fließtext:

Die Meldung der Nachrichtenagentur DPA, die zahlreiche Medien automatisiert veröffentlichen, wie hier bei der Süddeutschen Zeitung (Quelle: Süddeutsche Zeitung; Screenshot und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)

Im Original-Statement des Trump-Sprechers wird das Ereignis nicht weiter kategorisiert, die Rede ist von einer „Tat“. Übersetzt heißt es in der Mitteilung wörtlich: „Präsident Trump dankt den Strafverfolgungsbehörden und den Ersthelfern für ihr schnelles Handeln bei dieser abscheulichen Tat. Es geht ihm gut und er wird in einer lokalen medizinischen Einrichtung untersucht. Weitere Details werden folgen.“ 

Secret Service twitterte 30 Minuten nach den Schüssen über „Vorfall“

Anthony Guglielmi, Chef der Kommunikationsabteilung des Secret Service (US-amerikanische Strafverfolgungsbehörde, die unter anderem für den Personenschutz von Präsidenten und Kandidaten für das Amt zuständig ist) reagierte zunächst um 00:42 Uhr deutscher Zeit auf X mit einem Statement – und bezeichnete die Ereignisse ebenfalls als „incident“, also einen „Vorfall“:

Der Secret Service sprach rund 30 Minuten nach den Schüssen ebenfalls von einem „Vorfall“, wie ein X-Beitrag des Kommunikations-Chefs zeigt (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

In einem weiteren Beitrag auf X von Guglielmi um 2:49 Uhr deutscher Zeit nutzte er dasselbe Wort.

Wie ging es danach bei der Tagesschau weiter? „In den folgenden Sendungen wurden die Angaben immer konkreter, da mehr gesicherte Informationen vorlagen. So hieß es zum Beispiel in der Tagesschau-Ausgabe um 4:40 Uhr, dass die Behörden Ermittlungen wegen versuchten Mordes aufgenommen hätten. In der 8-Uhr-Ausgabe wurde in der Moderation gesagt, dass das FBI von einem Attentat ausgeht“, teilt die NDR-Sprecherin mit und betont, die Redaktion greife in ihrer Berichterstattung auf überprüfbare Fakten zurück und mache kenntlich, wenn die Quellenlage unzureichend sei. belegen, dass der Sender in der Folge von einem Attentat sprach.

Das FBI sprach am Abend von einem „Vorfall“, erst am Folgetag von einem versuchten „Attentat“

Ein Blick auf die Pressemitteilungen des FBI bestätigt die Aussagen des NDR

  • Um 22 Uhr Ortszeit am 13. Juli (EST, 4 Uhr Ortszeit am 14. Juli in Deutschland) teilte die Sicherheitsbehörde mit, man übernehme die Untersuchungen für den „Vorfall“ – von einem „Attentat“ war zu diesem Zeitpunkt nicht die Rede. 
  • 24 Stunden später, am 14. Juli um 22 Uhr, teilte das FBI mit, dass die Behörde die Schießerei als „Attentat und möglichen Inlandsterrorismus“ untersuche.
  • Auch ein Blick auf X zeigt: Um 4:23 Uhr am 14. Juli Ortszeit Deutschland sprach das FBI noch von einem „Vorfall“, erst im nächsten Beitrag auf um 15 Uhr nachmittags deutscher Zeit ist die Rede von einem „Attentatsversuch“.

BR24, Süddeutsche Zeitung und Zeit Online passten Bezeichnung im Laufe der Nacht an

Anderen Nachrichtenmedien wird Ähnliches wie der Tagesschau vorgeworfen, wie zum Beispiel in diesem Facebook-Beitrag:

Ein Facebook-Beitrag suggeriert, BR24, Zeit Online und Süddeutsche Zeitung hätten das Trump-Attentat ebenfalls als „Zwischenfall“ verharmlost (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Wie aus den Screenshots der Artikel deutlich wird, handelte es sich um Eil- und Erstmeldungen von BR24, Süddeutscher Zeitung und Zeit Online kurz nach dem Vorfall, als sowohl der Secret Service als auch das FBI noch nicht von einem Attentat sprachen. Wir haben in allen Redaktionen nachgefragt, wie sie in solchen Situationen vorgehen. 

Der BR erklärt auf Nachfrage, direkt nach dem Anschlag sei die Faktenlage in den USA „noch nicht vollständig verifizierbar“ gewesen. Noch in der Nacht habe BR24 seine Wortwahl zunächst geändert in „ist auf Donald Trump geschossen worden“, später zu „Anschlag“. Eine Suche nach Artikeln vom 14. Juli auf der Webseite des BR bestätigt das. 

Ein Sprecher der Süddeutschen Zeitung wehrt sich gegen den Vorwurf, die Zeitung habe den Anschlag verharmlost. Er entbehre jeder Grundlage. „Die Süddeutsche Zeitung hat zu jedem Zeitpunkt den aktuellen Wissensstand über den Anschlag korrekt wiedergegeben.“ Auch er verweist auf Meldungen der Nachrichtenagenturen von DPA und Reuters, sowie auf eine Meldung von CNN kurze Zeit nach dem Attentatsversuch. Die Bezeichnung als „Zwischenfall“ durch die Süddeutsche Zeitung um 1:02 Uhr sei demnach korrekt gewesen. Erst um 2:09 Uhr habe Reuters in Berufung auf die Nachrichtenagentur AP gemeldet: „Der Nachrichtenagentur AP zufolge wird der Vorfall als versuchtes Attentat auf den Ex-Präsidenten eingestuft. Ein Reporter der Agentur gibt entsprechende Ermittlungen auf dem Kurznachrichtendienst X bekannt.“ Ein Blick auf Artikel der Zeitung vom 14. Juli zeigt, dass das Attentat in der Folge auch als solches bezeichnet wurde. 

Eine Sprecherin des Zeit-Verlags teilt uns mit, man habe es in der Redaktion zum Zeitpunkt der Eilmeldung nach für „eine möglicherweise vorschnelle Bewertung“ gehalten, von einem Attentat zu schreiben. Das setzte die Kenntnis voraus, dass jemand bewusst auf Trump schoss. „Dieser Fakt wurde erst im Laufe der Nacht nach und nach bekannt“, so die Sprecherin. Die Berichterstattung sei später dementsprechend angepasst worden. Das belegt auch eine Suche nach

Als Belege dafür, dass Medien das Attentat verharmlost hätten, dienten im Netz also Überschriften von Artikeln, die zu Zeitpunkten veröffentlicht wurden, als Details noch unklar waren.

Unsere Analyse zeigt: Weder das FBI, noch der Secret Service oder Trumps eigener Sprecher nutzten in den ersten Stunden nach dem Attentat auf Trump das Wort „Attentat“, als die Faktenlage noch nicht ausreichend klar war. Sie sprachen zunächst von einem Vorfall oder einer Tat. Deutsche Medien berichteten zunächst zurückhaltend. Sie ordneten die Geschehnisse dann als Attentat ein, als dazu gesicherte Fakten von vertrauenswürdigen Quellen vorlagen. Am Morgen nach dem Attentat berichteten zum Beispiel die Tagesschau, BR24, die Süddeutsche Zeitung und die Zeit über die Ereignisse mit dem Wort „Attentat“. 

Wie ordnen Experten das Vorgehen in der Berichterstattung ein?

Faktenlage bei Eilmeldungen oft zunächst unklar

Christian Fuchs, Professor für Mediensysteme und Medienorganisation an der Universität Paderborn, sagt: „Die Faktenlage ist bei Eilmeldungen zunächst oft nicht klar. Seriöse Medien berichten daher zunächst oft vorsichtig, um keine Falschmeldungen zu verbreiten. Dies ist Teil guter journalistischer Arbeit.“ Er bewertet die Vorgangsweise in der Berichterstattung, sich an offiziellen Angaben und an sich mit der Zeit verdichtenden Informationen zu orientieren, als „professionell und journalistisch korrekt“. In Hinblick auf die Tagesschau-Berichterstattung urteilt Fuchs, die Journalisten seien „streng faktengestützt, ausgewogen und quellenbasiert“ vorgegangen. 

Es sei grundsätzlich verantwortungsvoll und professionell, wenn Medien in einer so heiklen Situation in der ersten Zeit keine Gerüchte oder Spekulationen streuten, sagt auch Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig. Eine abstrakte Formulierung wie „Vorfall“ sei zu Beginn sicher passend. Dies sollte aber aktualisiert und präzisiert werden, sobald weitere Informationen vorliegen. „In gewisser Hinsicht ist es auch eine Herausforderung des Online-Journalismus, dass in solchen Situationen schnell eine erste Meldung veröffentlicht wird, die dann möglicherweise nicht ausreichend zügig aktualisiert oder ergänzt wird“, sagt Hoffmann. 

Generell gebe es Hinweise, dass die mediale Berichterstattung über Donald Trump in Deutschland eher negativ behaftet sei, sagt Hoffmann. „Journalisten können nicht über jedes Ereignis in neutralem Ton berichten – man denke etwa an Naturkatastrophen.“ Wenn zum Beispiel Politikern Dinge missglücken, sie viel Widerstand erfahren oder politische Schlappen erleiden, sei auch eine ausgewogene, nach Objektivität strebende Berichterstattung natürlicherweise negativ gefärbt. „Nicht jede überwiegend negativ getönte Berichterstattung ist also verzerrt oder qualitativ fragwürdig“, so Hoffmann. 

Zudem hätten konservative oder rechts stehende Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, aber auch in den USA ein geringeres Vertrauen in die etablierten Medien als progressive oder linke, sagt Hoffmann. „Es ist daher nicht überraschend, wenn nun auf der politischen Rechten der Eindruck vorherrscht, die Berichterstattung über den Anschlag auf Trump sei nicht ausgewogen oder wäre anders ausgefallen, wenn das Opfer Biden oder Harris gewesen wären“. Aber im Hinblick auf die Berichterstattung über das Attentat auf Trump belegen lasse sich das schon mangels eines geeigneten Maßstabs oder Vergleichs nicht. Studien zur Berichterstattung über den Vorfall gebe es nicht.

Vorwurf, Medien belügten systematisch die Bevölkerung, ist zentrales Element von Verschwörungserzählungen

Die Taktik hinter der Verbreitung solcher Behauptungen ist für Josef Holnburger, Geschäftsführer des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas) eindeutig. Beiträge mit den genannten Vorwürfen an verschiedene Medien habe es in den Tagen nach dem versuchten Attentat auf Trump viele gegeben – auch mit hoher Reichweite, sagt Holnburger: „Sie zitieren dabei Überschriften von Veröffentlichungen, an denen Details noch unklar war.“ 

Wieso Medien sich in so einer Zeit zurückhalten müssten, sei vor allem in der parallel dazu laufenden Berichterstattung der verschwörungsideologischen Szene zu sehen. „Hier wurden Bilder von Personen geteilt, welche nicht der Attentäter waren. Die Tat wurde zu einer politischen Tat erklärt, obwohl eben das zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt war und nun auch anscheinend abgelehnt werden muss.“ Meldungen von seriösen Medien hätten in der Nacht abgebildet, was gesichert bekannt gewesen sei: Ein Zwischenfall auf einer Wahlkampfveranstaltung Trumps. Gerade in Zeiten eines „Informationsvakuums“ verbreite sich sehr schnell Desinformation, sagt Holnburger: „Exklusives Wissen und sensationelle Meldungen verbreiten sich – auch ohne Koordinierung – schneller als eine abwartende neutrale Meldung.“ Der Vorwurf hingegen, „dass ‚die Medien‘ systematisch die Bevölkerung belügen und manipulieren würden“, sei ein „zentrales Element von Verschwörungserzählungen“. 

Redigatur: Viktor Marinov, Sophie Timmermann

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Author: Uschi Jonas

https://www.bachhausen.de/ein-rechtes-maerchen-die-angebliche-verharmlosung-des-trump-attentats-in-deutschen-medien/

#angebliche #attentats #deutschen #marchen #rechtes #trump #verharmlosung

Ein rechtes Märchen: Die angebliche Verharmlosung des Trump-Attentats in deutschen Medien

In Sozialen Netzwerken heißt es, deutsche Medien hätten das Attentat auf den US-Präsidenten verharmlost – eine Rekonstruktion.

correctiv.org

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

Faktencheck

Irans Präsident Raisi: Angebliche Fotos von Helikopter-Crash sind mehrere Jahre alt

Ein Foto soll das Wrack des abgestürzten Helikopters von Irans Präsident Raisi zeigen. Die Fotos sind jedoch schon fünf Jahre alt und zeigen ein Flugzeug.

von Steffen Kutzner

22. Mai 2024

Nach dem Tod des iranischen Präsidenten Raisi gab es in vielen Ländern Gedenkfeiern, etwa hier in Jakarta, Indonesien (Quelle: Dita Alangkara / Associated Press / Picture Alliance) Behauptung

Ein Foto zeige das Wrack des abgestürzten Helikopters, in dem der iranische Präsident Raisi starb.

Aufgestellt von: Beiträgen in Sozialen Netzwerken, berlin-live.de Datum:
20.05.2024

Quelle

Bewertung

Falscher Kontext
Über diese Bewertung

Falscher Kontext. Das Foto stammt von 2019 und zeigt ein abgestürztes Flugzeug.

Nach dem Tod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi bei einem Helikopterabsturz am 19. Mai 2024 verbreitet sich ein Bild, das das Wrack an der Absturzstelle zeigen soll. Vor allem auf Türkisch, Arabisch und Englisch, aber auch auf Deutsch erreicht das Foto hunderttausende Nutzerinnen und Nutzer Sozialer Netzwerke. Auch Nachrichtenseiten verwendeten das Foto in diesem Kontext.

Auf einem Trümmerteil ist zwar die iranische Flagge zu sehen, aber schon auf den ersten Blick ist klar, dass etwas an dem Bild nicht stimmt.

Screenshot der Schlagzeile und des Titelbildes im Artikel der Webseite Berlin-live.de (Quelle: berlin-live.de; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Auf dem Foto ist deutlich das Heck eines Flugzeugs zu erkennen, konkret das Höhen- und Seitenruder. Mit der Kennzeichnung, die im Bild noch sichtbar ist, lassen sich auch Fotos vom Flugzeug finden. Raisi ist jedoch laut Medienberichten mit einem Helikopter abgestürzt, dort sieht das Heck üblicherweise anders aus. Der Hubschrauber, in dem Raisi saß, hatte zudem eine blau-weiße Lackierung, das Wrack auf dem Foto entspricht dem nicht. 

Foto zeigt eine abgestürzte Cessna, keinen Helikopter

Eine Bilder-Rückwärtssuche zeigt: Das Foto ist bereits mehrere Jahre alt. Es wurde in iranischen Medienberichten im April 2020 verwendet und in einem Artikel der Nachrichtenseite ISNA sogar schon im Mai 2019. Demnach war ein Kleinflugzeug bei einem Polizeieinsatz wegen schlechter Wetterbedingungen abgestürzt. Beide Insassen starben dabei. 

Mehrere deutsche Nachrichtenseiten verwendeten das Foto nach dem Tod Raisis im falschen Kontext. Laut Lars Wienand, Journalist von T-Online, hat die Nachrichtenagentur Reuters das Bild ursprünglich mit einer falschen Beschreibung an Redaktionen weitergegeben und später gelöscht. Das bestätigte auch die Schweizer Redaktion 20 Minuten in einem Faktencheck. Demnach nutzten auch die Agenturen Imago und DPA das Bild, bevor Reuters die Aufforderung verschickt hatte, das Bild zu entfernen.

Redigatur: Viktor Marinov, Gabriele Scherndl

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Author: Steffen Kutzner

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#angebliche #crash #fotos #helikopter #irans #prasident #raisi

Irans Präsident Raisi: Angebliche Fotos von Helikopter-Crash sind mehrere Jahre alt

Ein Foto soll das Wrack des abgestürzten Helikopters von Irans Präsident Ebrahim Raisi zeigen. Die Fotos sind jedoch schon fünf Jahre alt.

correctiv.org