Halbe Sachen machen
Halbe Sachen machen ist ja eigentlich nix, worauf man stolz ist. Manchmal macht man sie halt. Eher versehentlich. Manchmal. Und manchmal kauft man sie. So eine kleine Fujifilm X-Half zum Beispiel. Putzig!
Ja, GAS ist unheilbar. Wer was anderes behauptet, lügt. Oder hat noch keine Fujifilm gehabt.
Und neues Spielzeug regt zum Spielen an. Überraschung. Oder? So auch die kleine X-Half. Klein, leicht und winterjackentauglich. Also wirklich. Tasche auf, Ding raus, Klick. Keine Ausrede mehr. Und genau das ist ja das Problem. Man schleppt entweder eine Kamera herum und sieht nix, oder man sieht was und hat keine Kamera dabei. Okay – ein Smartphone hat man immer dabei (ich sogar ein Pro-Dings), aber damit werde ich nicht warm.
Fotografiere ich mit der X-Half mehr? Nein.
Aber ich seh mehr. Und das ist schon was.
Die Hemmschwelle, die Kamera rauszuziehen, ist extrem niedrig. Fast schon unverschämt. Selbst in Umgebungen, ich denen ich sonst nie fotografieren würde. Man wird damit einfach nicht gesehen – sozusagen ein PAL Feld.
Okay: die Objektivabdeckung ist fummelig und nervt. Aber trotzdem: Ingesamt einfacher als das iPhone 17 Pro Max rauszuziehen. Allein schon wegen dem Auslöser. Und wegen der Handlichkeit. Und weil’s halt eine Kamera ist und kein halber Computer, für den ich fast zwei Hände brauche. Die kleine Halbe regt dazu an, nebenbei zu knipsen.
Nicht dieses „Jetzt mache ich ein Foto“, sondern eher: ah, Licht, Moment, zack. Fertig.
Der Filmrollenmodus
Großartig. Und ein bisschen bescheuert. Also genau mein Ding.
Und wie früher: Die letzten paar Bilder sind meistens Quatsch, weil: Der Film muss halt voll werden. Das ist so extern induzierte Selbstmanipulation, dass es schon wieder genial ist.
Ich würde mir ehrlich eine Kombination wünschen aus Filmrollenmodus UND Display.
Der Aufzugshebel dagegen: sehr genial. Wirklich. Das sollte Fuji definitiv in die X-Pro4 übernehmen!
Den Diptychon-Modus brauch ich dafür überhaupt nicht. Der OVF im Filmrollenmodus ist eigentlich unbrauchbar. Und genau deshalb … ist er irgendwie wieder cool.
„Was den optischen Non-TTL-Sucher angeht: Ich mag das Konzept. Passt nicht immer, aber wo es passt, macht es vieles besser. Besser im Sinne von unmittelbar, im Sinne von motivorientiert statt kompositionsorientiert, im Sinne von Licht und Moment.“
So beschreibt Stefan Senf meine Erzählungen – und hat damit meine volle Zustimmung.
Hat mir quasi die Worte aus dem Mund gezogen.
Halbe Geschwindigkeit
Unglaublich, wie sehr diese Kamera entschleunigt. Alles ist langsam. Die Kamera. Die App. Alles. Das ist keine Kritik. Das ist eine Erfahrung. Einschalten und warten. Auslösen und warten. Und man wartet. Man schaut. Für Street oder Action ist das allerdings eher nix. Egal. Fast meditativ. Also fast. Ich bin ja kein Mönch.
Ob die Übertragung der Bilder per WLAN von der Kamera zur App absichtlich so langsam ist oder ob das zur „Entwicklung“ der Filmrolle gehört? Keine Ahnung. Gehört vielleicht einfach zum Konzept. Ich nehme es hin. Klar könnte ich die SD-Karte ins Handy schieben. Könnte ich. Mach ich aber nicht.
Doppelte Haptik
Und dann kam noch ein Drucker dazu. Der alte Instaxdrucker kann mit den neueren Kameras nicht direkt zusammenarbeiten. Ich musste also quasi. Ich wurde sozusagen dazu gezwungen! Neue Drucker braucht das Land. Die direkte Integration von Drucker und Kamera – trotz Schwächen – senkt die Hemmschwelle zum schnellen Druck nochmal massiv. Foto machen. Drucken. In der Hand halten. Zack.
Damit das alles aber auch gut präsentiert werden kann, suche ich jetzt ein Instax-Wechselrahmen-System für meine Fotowand. Aktuell hängen die Bilder mit Magneten an einer Metallschnur. Geht. Aber … naja. Hat jemand einen Tipp? Ehrlich jetzt.
Und jetzt?
Hat das jetzt was gebracht? Fotografiere ich mehr? Nein. Knipse ich mehr? Ja. Sehe ich mehr? Definitiv. Die unterschwellige Verfügbarkeit und die unauffällige Möglichkeit lassen mich besser hinsehen. Die kleine X-Half ist wie ein Trainingslager. Und das macht sie absolut prima.
Wohin geht das weiter? Nächste Stufe: die X100 wieder öfter mitnehmen? Oder doch die alte Dame, die X-Pro3, mit dem neuen gelb-orangenen 35mm TTartisan?
Ich sag ja: GAS ist eine schlimme Krankheit. Und halbe Sachen machen manchmal trotzdem Sinn.
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