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#radsport #schotterradeln #niedersachsen #regionhannover #hinter

Hunderte nagelneue Audi verschrottet? Was hinter diesem viralen Video steckt

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Audi für Audi, Reihe für Reihe, sind in einem Video zu sehen, das sich seit Mitte Juli 2025 in Sozialen Netzwerken in verschiedenen Sprachen verbreitet. Die Autos sollen angeblich „verschrottet“ werden – zu den Gründen kursieren verschiedene Mutmaßungen.

Besonders häufig heißt es in deutschen Beiträgen auf Tiktok und X: Die neuen Audis sollten vernichtet werden, damit der Preis nicht sinke und der Markt „nicht destabilisiert“ werde. Auf Italienisch heißt es, die Autos seien nicht rechtzeitig verkauft worden und ihre Instandhaltung sei zu teuer. In russischer Sprache wird gar über eine Verbindung zu den EU-Sanktionen gegen Russland spekuliert.

Doch laut Audi und dem Unternehmen, auf dessen Gelände die Aufnahme entstand, gibt es andere Gründe.

Autoverwertungsbetrieb: „Kein Zusammenhang mit EU-Sanktionen“ 

Im Video ist auf einem Gebäude ein Logo zu sehen: „Retek – Recycling durch Technik“. Eine Suche führt zu einem Autoverwertungsbetrieb in Ostfriesland. Auf Rückfrage schreibt uns das Unternehmen, das Video sei vor knapp einem Jahr auf dem Betriebsgelände entstanden, „heimlich und trotz eindeutigem Verbot“. Ein Abgleich mit einer Satellitenaufnahme der Anlage von Google Maps mit den Gebäuden, die nacheinander in der Aufnahme auftauchen (zum Vergleich markiert), bestätigt den Aufnahmeort.

Die jeweiligen Gebäude, die im Video zu sehen sind, stimmen von der Größe und Abfolge mit den Gebäuden der Anlage von Retek überein (Quelle: X, Google Maps; Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

„Bei den im Video zu sehenden Autos handelt es sich um ältere Fahrzeuggenerationen der Baureihen Audi A5 und A6“, schreibt Retek auf Nachfrage. Die Fahrzeuge seien „aufgrund von Transportschäden oder veränderten regulatorischen Vorschriften im Zielmarkt nicht mehr für den Vertrieb geeignet“ gewesen und von dem Unternehmen zerlegt worden, um  Ersatzteile zurückzugewinnen. Das habe „einmalig eine niedrig vierstellige Anzahl von Fahrzeugen“ betroffen, eine regelmäßige Demontage von Audi-Neufahrzeugen finde nicht statt. Es gebe „absolut keinen Zusammenhang mit EU-Sanktionen“.

Audi: Fahrzeuge haben Transportschäden oder konnten wegen neuen Regularien nicht mehr verkauft werden

Audi bestätigt diese Angaben: „Ein Partnerunternehmen zerlegt die Fahrzeuge fach- und sachgerecht, um möglichst viele Ersatzteile zurückzugewinnen.“ Anders als in den Beiträgen in Sozialen Netzwerken suggeriert, werden die Fahrzeuge also nicht direkt verschrottet, sondern erst zerlegt und verwertet.

Die Fahrzeuge seien aufgrund von „Transportschäden oder veränderten regulatorischen Vorschriften“ nicht mehr für den Vertrieb im Zielmarkt geeignet gewesen, schreibt uns eine Sprecherin. Bei dem Auftrag sei es einmalig um „eine niedrig vierstellige Anzahl von Fahrzeugen“ gegangen – eine regelmäßige Demontage von Neufahrzeugen fände nicht statt.

Auf Nachfrage konkretisiert Audi, dass die Autos für Ländern in Nordamerika, Südostasien oder Osteuropa bestimmt waren. Die Fahrzeuge im Video hätten unter anderem Transportschäden oder Schäden gehabt, „die auf unsachgerechte Lagerung“ zurückzuführen seien. Zudem seien Fahrzeuge betroffen, die „unterschiedlichen regulatorischen Vorgaben“ unterliegen. Ob es dabei um Emissionsstandards oder andere Vorschriften geht, beantwortete das Unternehmen nicht.

Laut Audi hatten die Fahrzeuge Transportschäden oder konnten wegen neuen Regularien nicht mehr verkauft werden (Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Die Mutmaßung, dass durch die Verschrottung von wenigen Hundert oder Tausend Fahrzeugen der Preis beeinflusst werden solle, ist wenig glaubwürdig: Audi verkaufte 2024 nach eigenen Angaben weltweit rund 1,67 Millionen Fahrzeuge, darunter 244.000 A6-Modelle. Auch bei der Preisentwicklung in den letzten zwölf Monaten für gebrauchte A5 oder A6 finden sich keine Auffälligkeiten, die diese These stützen würden – der Gebrauchtwagenpreis sank in diesem Zeitraum relativ stetig.

Redigatur: Sarah Thust, Paulina Thom

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Author: Max Bernhard

#diesem #hinter #hunderte #nagelneue #verschrottet #video #viralen

ÖPNV in Essen: Diese Betrugsmasche steckt hinter dem Sechs-Monats-Ticket für 2,35 Euro

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Faktencheck

ÖPNV in Essen: Diese Betrugsmasche steckt hinter dem Sechs-Monats-Ticket für 2,35 Euro

Eine Fahrkarte für sechs Monate, die nur 2,35 Euro kosten soll: Dafür wirbt ein Facebook-Beitrag der Seite „ÖPNV Essen“. Hinter dem angeblichen Angebot steckt eine internationale Betrugsmasche, bei der es um Datendiebstahl geht.

von Sara Pichireddu

24. Juli 2025

Mit diesem Ticket des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr kann man nicht sechs Monate fahren – hinter dem Angebot steckt Phishing. Damit sollen persönliche Daten abgegriffen werden. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck) Behauptung

Zum Jubiläum des Verkehrsverbandes Rhein-Ruhr (VRR) würden 500 Karten für nur je 2,35 Euro verkauft, mit denen man sechs Monate den öffentlichen Nahverkehr nutzen könne.

Aufgestellt von: Beiträgen auf Facebook Datum:
07.07.2025

Quelle

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Falsch
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Falsch. Das angebliche Angebot des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ist erfunden, eine Fahrkarte für 2,35 Euro für sechs Monate gibt es nicht. Hinter den Beiträgen steckt eine internationale Betrugsmasche, durch die Daten gestohlen werden sollen.

„VRR feiert sein Jubiläum mit einer besonderen Chipkarte“: Sechs Monate sollen 500 „Einwohner von Essen und Umgebung“ den Nahverkehr kostenlos nutzen können. Das behauptet eine Facebook-Beitrag, der Nutzerinnen und Nutzer in eine Falle locken soll: Angeblich feiert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) Jubiläum und bietet dafür eine Nahverkehrs-Fahrkarte für nur 2,35 Euro an. Der Facebook-Beitrag selbst ist zwar nicht viral, doch er wurde mehrfach als Werbeanzeige verbreitet und erreichte auf diesem Weg mehr als 4.400 Ansichten.

In dem Beitrag sind Fotos von Bussen und Bahnen der Essener Ruhrbahn zu sehen, sowie ein grün-weißes „Chipticket“ mit dem VRR-Logo und der Aufschrift „6 Monate kostenlos“. Eine Nutzerin kommentiert: „Alles offiziell, die Website ist seriös, Chipkarte erhalten“ und veröffentlicht selbst nochmal ein Foto der Fahrkarte. Doch das macht so einen Beitrag nicht automatisch glaubwürdig.

Das Bild der Karte geht auf ein sechs Jahre altes Design des VRR zurück. Eine solche Karte ist nicht in Umlauf. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Mehrere Details wecken Zweifel: Das Profil, von dem der Kommentar stammt, enthält neben einem Beschreibungstext auf Französisch keine Informationen, folgt aber hunderten Seiten, zum Großteil Verkehrsunternehmen – es ist also wahrscheinlich gefälscht.

Die Anzeigen selbst verlinken nicht auf die Ruhrbahn oder den VRR, sondern auf eine Webseite mit völlig anderem Namen und anderer Adresse (URL). Auch die Facebook-Seite „ÖPNV Essen“, von der die Anzeige stammt, wirkt unseriös: Sie hat nur drei Follower, wurde am selben Tag erstellt wie der Beitrag, und hat keine anderen Beiträge veröffentlicht. Zudem haben weder die E-Mail-Adresse noch die Telefonnummer etwas mit der Essener Ruhrbahn oder dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zu tun. Die Telefon-Vorwahl gehört zu einem Ort in Ostfriesland (Niedersachsen).

Ähnliche Anzeigen wurden auch in Berlin, Chemnitz und Düsseldorf geschaltet. Sie gleichen sich im Wortlaut und greifen auf dieselbe IT-Infrastruktur zurück.

Dahinter steckt eine internationale Betrugsmasche, die regionale Verkehrsbetriebe imitiert

Das Muster hinter den Fakes ist bekannt: Die spanische Faktencheck-Organisation Maldita berichtete darüber bereits. Sie deckte mehr als 1.000 Facebook-Seiten auf, die örtliche Verkehrsdienstleister in mehr als 60 Ländern weltweit imitierten. Die Phishing-Masche, also Betrug mit dem Ziel, Zahlungsdaten zu erbeuten, geht immer nach einem ähnlichen Prinzip vor. Das geht so:

  • Immer geht es in den Beiträgen um ein regionales Verkehrsunternehmen, das zu seinem Jubiläum sehr günstige Tickets vergibt. Genutzt werden alte Bilder von unterschiedlichen Webseiten.
  • Nutzerinnen und Nutzer werden beim Klick auf die Anzeige auf eine Webseite geleitet, die mit dem Verkehrsunternehmen nichts zu tun hat. Dort werden drei einfache Quizfragen gestellt.
  • Anschließend erscheinen sechs Geschenkboxen, von denen der Nutzer drei auswählen soll. Nach dem zweiten Klick gewinnt man das vermeintliche „Deutschlandticket – 6 Monate kostenlos“.
  • Danach folgt ein Formular zur Eingabe personenbezogener Daten (Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail).
  • Im Anschluss wird zur Eingabe von Kreditkartendaten aufgefordert.
  • Ein weiteres Detail ist auffällig: Wie auch viele der Fake-Webseiten, über die Maldita berichtete, läuft die Webseite mit dem Fake-Angebot aus Essen über den russischen Hosting-Anbieter JSC Selectel.

    Die Webseite läuft über einen Hosting-Dienstleister in Russland (Quelle: Domaintools; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Fake-Verkehrsseiten schicken Zahlungsaufforderungen

    So gehen die Betrüger vor: Betroffene berichten laut Maldita, dass sie, nachdem sie die ersten 2,35 Euro gezahlt haben, weitere und immer größere Zahlungsaufforderungen erhielten. Ein Ticket bekamen sie nie. Sie werden aber von den Webseiten dazu aufgefordert, persönliche Daten wie Name, Adresse und Kreditkartennummer zu hinterlegen. Wer diese Daten schließlich erhält, ist unklar.

    Bei Phishing versuchen Betrüger Geld oder Identität von Nutzern zu stehlen, indem sie sie dazu bewegen, persönliche Informationen wie Kontodaten oder Kennwörter auf Webseiten einzugeben, die sich als seriös ausgeben. Phishing ist in Deutschland strafbar.

    Wie uns ein Sprecher der Ruhrbahn bestätigte, sind die Seiten und Angebote nicht echt. „Wir haben die Seiten seinerzeit bei Facebook gemeldet und unsere Kunden via Facebook auf die Betrugsmasche aufmerksam gemacht“, so ein Sprecher. Bereits im Januar 2025 sei dem Verkehrsbetrieb eine Masche dieser Art aufgefallen. Ein entsprechendes Angebot zum Jubiläum habe es nicht gegeben.

    Die Facebook-Seite sowie das Angebot sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung am 23. Juli noch online. Aktuell hat die Seite aber laut der Werbebibliothek von Meta keine aktiven Anzeigen geschaltet.

    Transparenzhinweis: CORRECTIV ist seit 2017 in einer Kooperation mit dem Facebook-Konzern Meta, um Desinformation auf dem Sozialen Netzwerk zu bekämpfen. Mehr Informationen zu der Kooperation erhalten Sie hier.

    Mitarbeit: Johannes Gille
    Redigatur: Steffen Kutzner, Sarah Thust

    Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

    • Recherche zum weltweiten Netzwerk aus Betrugsseiten, Maldita, 16. Juli 2025: Link (Englisch)

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    Author: Sara Pichireddu

    #betrugsmasche #diese #essen #hinter #monats #sechs #steckt

    ÖPNV in Essen: Diese Betrugsmasche steckt hinter dem Sechs-Monats-Ticket für 2,35 Euro

    In einem Beitrag wirbt eine betrügerische Seite mit einer ÖPNV-Fahrkarte für nur 2,35 Euro für Essen und die Region. Hinter dem Angebot steckt eine internationale Masche.

    correctiv.org

    Bus und Bahn in Chemnitz: Hinter angeblicher 6-Monat-Karte für 2,35 Euro steckt Phishing

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    Faktencheck

    Bus und Bahn in Chemnitz: Hinter angeblicher 6-Monat-Karte für 2,35 Euro steckt Phishing

    Eine Facebook-Seite wirbt für ein Nahverkehrsticket in Chemnitz, die Anzeige richtet sich an Menschen vor Ort. Es gebe 500 Karten zu je sechs Monaten für 2,35 Euro. Die Karten gibt es nicht, dahinter steckt Betrug.

    von Sarah Thust

    22. Juli 2025

    Passagiere steigen in einen Bus der CVAG in Chemnitz (Symbolfoto: Jan Woitas / DPA / Picture Alliance) Behauptung

    Zum Jubiläum der CVAG in Chemnitz würden 500 Fahrkarten für nur je 2,35 Euro verkauft, mit denen man sechs Monate den öffentlichen Nahverkehr nutzen könne.

    Aufgestellt von: Beiträgen auf Facebook Datum:
    02.06.2025

    Quelle

    Bewertung

    Falsch
    Über diese Bewertung

    Falsch. Das angebliche Angebot der CVAG ist erfunden. Hinter den Beiträgen steckt eine internationale Betrugsmasche, durch die persönliche Daten und Kreditkarten-Informationen erbeutet werden sollen.

    „6 Monate unbegrenzte Fahrten für nur 2,35 €“, heißt es in einem Beitrag der Facebook-Seite „ÖPNV Chemnitz“. Angeblich verkaufe das Verkehrsunternehmen CVAG anlässlich eines Jubiläums 500 Abo-Karten für den örtlichen Nahverkehr zum Sonderpreis. Das klingt zu gut, um wahr zu sein – und das ist es auch.

    Der Beitrag zu Chemnitz wurde zwischen 3. und 7. Juni immer wieder über Werbeanzeigen auf Facebook verbreitet, die gezielt Menschen im Raum Chemnitz erreichen sollten. Ein Blick in die Werbebibliothek von Meta zeigt, dass diese Anzeigen oft nur wenige Stunden aktiv sind und dann abgeschaltet werden. Doch in der Zwischenzeit erreichten sie hunderte Nutzerinnen und Nutzer. Die Seite ist auch im Juli noch online. 

    Ein Sprecher der CVAG schrieb CORRECTIV.Faktencheck, dass das Ticket nicht existiert. Man habe rechtliche Schritte eingeleitet. Die Werbeanzeigen passen aus mehreren Gründen zu einer Phishing-Masche, die es auf Zahlungsinformationen abgesehen hat.

    Fake-Anzeigen zu Berlin und zu Düsseldorf im Vergleich (Quelle: Facebook; Grafik: CORRECTIV.Faktencheck)

    Facebook-Seite hinter Werbeanzeige hat nichts mit CVAG in Chemnitz zu tun

    Der Beitrag verlinkt nicht die CVAG in Chemnitz, sondern eine unseriöse Webseite. Die ist Teil einer Betrugsmasche, über die die Faktencheck-Redaktion . CORRECTIV.Faktencheck entdeckte ähnliche Fälle in Berlin, Heilbronn und Düsseldorf

    Sie alle gleichen dem Fall Chemnitz: Hinter dem Fake-Beitrag steckt nicht das offizielle Facebook-Profil des Verkehrsunternehmens. Der Seite folgen nur 248 Nutzer, während die echte Facebook-Seite 7.770 Follower hat. Auch wurde die Fake-Seite mehrfach umbenannt, wie ein Blick auf den Abschnitt „Seitentransparenz“ zeigt. Die E-Mail-Adresse hat nichts mit den Verkehrsbetrieben in Chemnitz zu tun. Die Telefon-Nummer existiert nicht.

    ÖPNV-Fakes: Dahinter steckt ein internationaler Ring aus Kreditkartenbetrügern

    Die hat im Juli 2025 über die Vorgehensweise der Betrüger hinter den Facebook-Seiten berichtet. Sie fand dabei mehr als 1.000 Facebook-Seiten, die regionale Verkehrsdienstleister in über 60 Ländern weltweit imitierten. Sie gehen alle nach demselben Prinzip vor und verwenden nahezu identische Beitragstexte. Ziel ist es, Kontodaten zu erbeuten. 

    Bei Phishing versuchen Betrüger an Geld oder Identität von Nutzern zu stehlen, indem sie sie dazu bewegen, persönliche Informationen wie Zahlungsdaten oder Kennwörter auf Webseiten einzugeben, die sich als seriös ausgeben. Phishing ist in Deutschland strafbar.

    Dahinter steckt ein internationales Betrugsnetzwerk, das schwer zu fassen ist: Laut Maldita sitzt ein Teil der Administratoren der Facebook-Seiten in Vietnam. Im Fall Chemnitz ist dem nicht so. Doch es finden sich andere Parallelen: So läuft – auch im Fall Chemnitz – die Fake-Webseite über den russischen Server-Anbieter JSC Selectel.

    Das Profil der Fake-Adresse zeigt: Die Webseite läuft über Rechenzentren in Russland (Quelle: Domaintools; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Berichte von Betroffenen zeigen, dass die Betrüger nach den ersten 2,35 Euro weitere Zahlungsaufforderungen über größere Summen stellen. Ein Ticket wird nicht versandt. 

    Transparenzhinweis: CORRECTIV ist seit 2017 in einer Kooperation mit dem Facebook-Konzern Meta, um Desinformation auf dem Sozialen Netzwerk zu bekämpfen. Mehr Informationen zu der Kooperation erhalten Sie hier.

    Mitarbeit: Johannes Gille
    Redigatur: Steffen Kutzner, Sophie Timmermann 

    Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

    • Recherche zum weltweiten Netzwerk aus Betrugsseiten, Maldita, 16. Juli 2025: Link (Englisch)

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    Author: Sarah Thust

    #angeblicher #chemnitz #hinter #karte #monat #phishing #steckt

    EU sanktioniert Verantwortliche hinter russischer Einmischung in Bundestagswahlkampf

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    Die EU hat mehrere Verantwortliche der russischen Desinformationskampagne „Storm-1516“ sanktioniert, die die Bundestagswahl im Februar 2025 beeinflussen sollte. Das geht aus einem Beschluss des Rates der Europäischen Union vom 15. Juli hervor. Insgesamt werden 15 Personen und Organisationen neu gelistet. Begründet wird der Schritt mit einer „fortgesetzten hybriden Kampagne“ gegen die EU und ihre Mitgliedsstaaten, darunter Sabotage, Cyberangriffe und Einmischung in Wahlen.

    Bei „Storm-1516“ handelt es sich um eine russische Kampagne, die mit gefälschten Nachrichtenseiten und KI-generierten Inhalten arbeitet. Diese werden durch Influencer in Sozialen Netzwerken verbreitet. CORRECTIV und Newsguard hatten im Januar mit Hilfe des Online-Rechercheprojekts Gnida aufgedeckt, dass sich die Kampagne seit November 2024 schwerpunktmäßig auf den Bundestagswahlkampf konzentrierte. Dabei wurden Falschinformationen gegen die damaligen Kanzlerkandidaten Robert Habeck (Grüne) und Friedrich Merz (CDU) in Umlauf gebracht und unter anderem Missbrauchsvorwürfe und Krankheitsbilder erfunden. Die Kampagne war bis zuletzt aktiv.

    Wie funktioniert das Prinzip „Storm-1516“?

    Mit der Diskreditierung einzelner Politiker und dem Verbreiten falscher Informationen versuchten pro-russische Akteure die Bundestagswahl zu beeinflussen. Fakes, die der Desinformationskampagne „Storm-1516“ zugeordnet werden können, erreichen in der Regel mehr Nutzer als ähnliche pro-russische Kampagnen, wie Doppelgänger oder Matroschka. Das Prinzip dahinter: Falschbehauptungen werden unter dem Deckmantel vermeintlicher Nachrichtenartikel in die Welt gesetzt, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen und dann von Profilen mit teils hoher Reichweite verbreitet. Konkret sieht das bei „Storm-1516“ wie folgt aus: 

    Schritt 1: Website mit normalen und erfundenen Inhalten erstellen, dabei kommt auch KI zum Einsatz. 

    Schritt 2: Dazu passende gefälschte Beweise bringen Glaubwürdigkeit (zum Beispiel künstlich erstellte Deepfake-Videos oder bezahlte Artikel).

    Schritt 3: Influencer und Bots mit Reichweite unterstützen bei der Verbreitung.

    Nun hat die EU das „Zentrum für geopolitische Expertise“ („Center for Geopolitical Expertise“, kurz CGE) auf die Sanktionsliste gesetzt. In der Begründung heißt es, das CGE sei an der Erstellung und Verbreitung falscher Informationen beteiligt, indem es Künstliche Intelligenz zur Anfertigung von Deepfake-Videos verwende. Zudem habe es ein „Netzwerk von Hunderten von Falschmeldungs-Websites“ unterstützt. Die ebenfalls sanktionierte „Stiftung zur Bekämpfung von Ungerechtigkeit“ („Foundation to Battle Injustice“) wiederum sei „an der Verstärkung zahlreicher Informationsoperationen von Storm-1516 beteiligt“ gewesen, heißt es weiter. CORRECTIV hatte eine Verbindung deutscher prorussischer Influencer zu der Stiftung festgestellt.

    Als Verbreiter von Kampagneninhalten wird Simeon Boikov gelistet, bekannt unter dem Pseudonym „Aussie Cossack“. Ihm wird unter anderem die Bezahlung eines amerikanischen Influencers für das Veröffentlichen eines von Storm-1516 erstellten gefälschten Videos über Wahlbetrug in Georgia vorgeworfen. Über die Vorwürfe hatte CNN berichtet. Nach Recherchen von CORRECTIV hatte Boikov auch Falschinformationen über Deutschland verbreitet. 

    Außerdem finden sich auf der Sanktionsliste das „Russian Television and Radio Broadcasting Network“ und dessen Führungskräfte. Die EU macht die Organisation maßgeblich verantwortlich dafür, in den besetzten Gebieten der Ukraine die Rundfunksysteme durch ein von der russischen Regierung genehmigtes System ersetzt zu haben, um Inhalte zu übertragen, die, „abweichende Meinungen unterdrückt“ und „die lokale Bevölkerung auf eine Linie mit der Politik Russlands“ bringt. Für das Verfälschen von GPS-Navigationsdaten im Ostseeraum, sogenanntes Spoofing, werden das „841. Separates Zentrum für elektronische Kampfführung der Ostseeflotte“ sowie zwei Militärs sanktioniert. 

    Die neuesten Sanktionen ergänzen den Beschluss des Rates der Europäischen Union vom 8. Oktober 2024 über „restriktive Maßnahmen angesichts der destabilisierenden Aktivitäten Russlands“. Zuletzt wurde die Liste am 20. Mai 2025 im Rahmen des 17. Sanktionspakets gegen Russland erweitert. Damals traf es unter anderem deutsche Propagandistinnen und Propagandisten, sowie IT-Unternehmer, deren Rolle in Russlands hybriden Krieg CORRECTIV im vergangenen Jahr aufgedeckt hatte. Auch Fischerei-Betriebe, die der Sabotage verdächtigt werden, wurden sanktioniert. 

    Wie die russische Kampagne „Storm-1516“ vor der Bundestagswahl Desinformation verbreitete, erklären wir in diesem Video:

    Redigatur: Sophie Timmermann

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    Author: Sarah Thust

    #bundestagswahlkampf #einmischung #hinter #russischer #sanktioniert #verantwortliche

    Es ist gleich 2.00 Nachts und ich bin wieder aufgestanden. Diese Hitze lässt mich einfach nicht schlafen...

    Also wie wäre es mit was tun... Ich fang dann mal mit Nummer 4 an..
    Ich mein was soll ich auch sonst machen mitten in der Nacht wenn alles schläft ;)

    Den Coverentwurf hatte ich euch ja schon mal in klein gezeigt.
    Aber hier noch mal einzeln.
    Wir starten also mit "Schattenspiel"
    #hinter dem Schleier
    #groschenroman

    Was #hinter uns liegt und was #vor uns liegt, sind winzige Dinge im Vergleich zu dem, was #in uns liegt.
    (Ralph Waldo #Emerson)
    #psychotHHerapie #Zitat #Zitate #RalphWaldoEmerson

    https://www.jangoeritz.de/zitate

    „Ende ihrer Karriere“? Hinter diesen Werbeanzeigen über Alice Weidel steckt Betrug

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    Hintergrund

    „Ende ihrer Karriere“? Hinter diesen Werbeanzeigen über Alice Weidel steckt Betrug

    Diese Betrugsmasche in Sozialen Netzwerken hat bereits viele Opfer gefordert: Eine Werbeanzeige lockt Nutzerinnen und Nutzer auf eine gefälschte Webseite für den angeblichen Handel mit Kryptowährung. Ein aktueller Fall nutzt das Gesicht der AfD-Politikerin Alice Weidel.

    von Sarah Thust

    30. April 2025

    Mit Bildern von AfD-Politikerin Alice Weidel werben Anzeigen für eine dubiose Webseite zum Handel von Kryptowährung – die Beiträge sind nicht vertrauenswürdig (Quelle: Meta; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

    Darauf sind schon viele Menschen hereingefallen: Eine Werbeanzeige lockt Nutzer mit einem „Skandal“ um eine bekannte Person auf eine gefälschte Webseite eines Nachrichtenmediums. Die wirbt unter falschem Logo für eine angebliche Investitionsplattform, auf der schnelle Gewinne winken sollen. Doch dahinter steckt eine Betrugsmasche. 

    , dass gut organisierte Betrüger involviert sind. In einem Bericht des Medienmagazins ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, dass durch solche betrügerischen Anzeigen allein im deutschsprachigen Raum jährlich ein Milliardenschaden entstehe.

    Dennoch tauchen solche Anzeigen immer wieder in Sozialen Netzwerken auf: Am 22. April fanden wir mehrere Werbeanzeigen auf Instagram, die auf einen vermeintlichen Artikel der Tagesschau leiteten. In dem Artikel hieß es, BSW-Politikerin Sahra Wagenknecht habe Alice Weidel von der AfD in der Talkshow Maischberger angegriffen, weil Weidel eine profitable Investmentplattform geheim gehalten habe. 

    Anzeigen wie diese waren laut der Werbebibliothek von Meta, dem Mutterkonzern hinter Instagram, Facebook und Whatsapp, bis zu fünf Stunden auf Instagram aktiv – inzwischen sollen sie abgeschaltet sein. Dennoch erreichten sie in dem kurzen Zeitraum laut Metas eigenen Angaben tausende Nutzerinnen und Nutzer.

    In der Werbebibliothek von Meta wird deutlich, dass allein dieser Fake-Beitrag über Alice Weidel mehr als 3.000 Instagram-Konten erreicht haben soll – und das, obwohl er nur eine Stunde aktiv war (Quelle: Meta; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Gefälschter Tagesschau-Artikel führt zu einer dubiosen Webseite, die hohe Gewinne mit Bitcoin & Co. verspricht

    Die Links zu den beworbenen Fake-Artikeln funktionieren zum Teil noch (Stand: 25. April). Wir haben uns einen genauer angesehen: Die Adresse der Webseite (URL) ist kryptisch und hat mit der Tagesschau nichts zu tun – Impressum und Unterseiten lassen sich nicht öffnen. Der Artikel selbst zeigt alte Bilder aus der vom 22. Januar 2025. Sahra Wagenknecht und Alice Weidel diskutierten in der Sendung unter anderem über die Forderung des neuen US-Präsidenten Donald Trump, die Verteidigungsausgaben von Nato-Mitgliedsländern auf bis zu fünf Prozent ihrer Wirtschaftskraft anzuheben. Egal wohin man im Artikel klickt, man gelangt auf eine Webseite mit dem Namen Immutable Nystex. Dort heißt es, man könne mit der Plattform mehrere Hundert Euro am Tag verdienen. 

    Wer hinter der Webseite steckt, ist unklar – ein Impressum fehlt. Aus etlichen Medienberichten ist jedoch bekannt: Wer sich bei den auf Facebook und Co. beworbenen Investment-Plattformen anmeldet, tappt in die Falle der Betrüger. Betroffene werden zum Teil auch unter Druck gesetzt, damit sie mehr Geld überweisen. Vielerorts laufen Ermittlungen – Betroffene gibt es genug. 

    Auf die Frage, warum ähnliche Kopien immer wieder auf den Plattformen auftauchen, antwortete das Unternehmen nicht im Detail. Eine Sprecherin verwies auf Metas Richtlinien zu Betrug. Darin heißt es: Wir möchten unsere Nutzer davor schützen, um ihr Geld oder Eigentum oder ihre personenbezogenen Informationen betrogen zu werden. Dies erreichen wir, indem wir Inhalte entfernen und gegen Verhaltensweisen vorgehen, die absichtlich betrügerische Methoden einsetzen […].“

    Meta kann zur Verantwortung gezogen werden, wenn rechtswidrige Inhalte nach Meldung nicht gelöscht werden 

    An anderer Stelle schreibt Meta, solche Fake-Anzeigen würden gegen die hauseigenen Richtlinien verstoßen – das Unternehmen nennt den Missbrauch von Prominenten für Anzeigen „Celebrity Bait“. Wer Werbung für Kryptowährungen schaltet, muss außerdem eine schriftliche Genehmigung vorlegen. Einen Tagesschau-Artikel zu imitieren, verstößt in Deutschland gegen den Markenschutz beziehungsweise das Urheberrecht

    Ebenfalls relevant: Durch den im Februar 2024 in Kraft getretenen Digital Services Act (DSA), soll die Verbreitung illegaler oder schädlicher Online-Aktivitäten in der EU eingedämmt werden. Betreiber sogenannter „sehr großer Online-Plattformen“ (mit mehr als 45 Millionen Nutzenden in der EU) werden dabei besonders in die Verantwortung genommen. 

    Im Juni fragten wir Medienrechtler Victor Meckenstock, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik in Dortmund, wie Meta gemäß DSA mit solchen Fake-Anzeigen umgehen muss. Am Beispiel einer Werbeanzeige mit Annalena Baerbock erklärte Meckenstock uns, dass solche gefälschten Interviews im Sinne des DSA rechtswidrig seien, da sie den Tatbestand der Verleumdung erfüllen würden. Wurde der Beitrag gemeldet, führe das dazu, dass Facebook für den rechtswidrigen Beitrag hafte, wenn es nicht zügig nach Meldung lösche (Artikel 6, Absatz 1). Zudem müssten Nutzer zumindest vorübergehend gesperrt werden, wenn sie regelmäßig solche rechtswidrigen Beiträge veröffentlichen.

    EU-Kommission kündigte im April 2024 eine Untersuchung an 

    Im April 2024 hatte die EU-Kommission erstmals ein Verfahren gegen Facebook und Instagram eingeleitet, in dem sie unter anderem die Meldemöglichkeiten für illegale Inhalte kritisierte. Ein weiterer Vorwurf: Das Unternehmen soll mutmaßlich gegen Vorgaben in Bezug auf irreführende Werbung und politische Inhalte verstoßen haben. 

    In einer Mitteilung erklärte Meta im Oktober 2024, dass Werbeanzeigen automatisch auf Verstöße einschließlich Betrug überprüft werden. Zusätzlich komme nun ein neues System zum Einsatz, dass solche Scams mithilfe von Gesichtserkennungssoftware erkennen soll. Der Fall mit der Weidel-Anzeige zeigt jedoch: Beides gelingt dem Konzern offenbar nicht besonders gut. 

    Neben dieser Art der Überprüfung betrachtet Meta auch die verlinkten Internetadressen – beispielsweise, ob diese in der Vergangenheit bereits wegen eines Verstoßes geblockt wurden. Diese automatische Erkennung tricksen einige der Anzeigen aus, in dem sie einen Mechanismus nutzen, den CORRECTIV aus der russischen Doppelgänger-Kampagne kennt.

    Die Grafik zeigt, wie die russische Desinformationskampagne Doppelgänger sogenanntes Cloaking nutzt, um die automatisierte Erkennung von dubiosen Werbeanzeigen auszutricksen: Der Nutzer klickt auf den Link in der Anzeige – ein Cloaking-Dienst sorgt dann dafür, dass er auf die Fake-Seite weitergeleitet wird. Automatisierten Programmen wird dagegen eine andere Seite gezeigt, wie z. B. eine Shopping-Webseite. (Grafik: CORRECTIV)

    Mit den betrügerischen Anzeigen verdient Meta zudem Geld. Die Organisation Reset Tech berechnete am Beispiel der Doppelgänger-Kampagne: Für 6.000 Anzeigen seien schätzungsweise zwischen 100.000 und 600.000 Euro (118.048 bis 674.923 US-Dollar) an Meta geflossen. Die untersuchten Anzeigen sollen rund 58 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in der EU erreicht haben. Diese Schätzungen basieren auf Angaben in Facebooks Werbebibliothek.

    Transparenzhinweis: CORRECTIV ist seit 2017 in einer Kooperation mit dem Facebook-Konzern Meta, um Desinformation auf dem Sozialen Netzwerk zu bekämpfen. Mehr Informationen zu der Kooperation erhalten Sie hier. Über die aktuellen Entwicklungen zu dieser Kooperation hat CORRECTIV hier berichtet.

    Redigatur: Viktor Marinov, Max Bernhard 

    Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Text:

    • EU-Verordnung Digital Services Act: Link (archiviert)
    • Meta-Richtlinie zu Kryptowährungsprodukten und -dienstleistungen: Link (Englisch, archiviert)
    • Bericht – „How Meta Ignores Large-Scale Inauthentic Behavior Networks of Malicious Advertisers“, Reset Tech: Link (Englisch, archiviert) 

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    Author: Sarah Thust

    #alice #diesen #hinter #ihrer #karriere #weidel #werbeanzeigen

    GamePro: Die Psychologie hinter Repräsentation – Warum Diversität in Videospielen wichtig ist

    Der Wunsch nach Repräsentation in Videospielen wird oft als ‘Gejammer’ abgetan. Was das mit sozialen Identitäten zu tun hat, erklärt Psychologin Jolina.

    Direktlink

    #diversitat #gamepro #hinter #psychologie #reprasentation #videospielen #warum

    Die Psychologie hinter Repräsentation: Warum Diversität in Videospielen wichtig ist

    Der Wunsch nach Repräsentation in Videospielen wird oft als 'Gejammer' abgetan. Was das mit sozialen Identitäten zu tun hat, erklärt Psychologin Jolina.

    Für Russland gearbeitet? Was hinter diesem Fake über FDP-Politiker Marcus Faber steckt

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    Eine ungelenke Desinformationskampagne hat am 5. November 2024 – einen Tag vor dem Aus der Ampelkoalition – versucht Marcus Faber zu diskreditieren. Faber ist FDP-Politiker und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages.

    „Marcus Faber (…) ist in Wahrheit ein Doppelagent Putins und schadet so unserem Land“, sagt ein Mann in die Kamera. Seine Haltung wirkt steif, seine Mundbewegungen teilweise unnatürlich und verwaschen. Beiträge mit dem Video auf X, Tiktok, Facebook und Telegram verlinken dazu teils auf eine dubiose Webseite. Was steckt dahinter?

    Ein X-Profil hat den Link zur Fake-Webseite sehr früh verbreitet – hier ohne das Video, aber mit einem Foto von Marcus Faber und dem russischen Präsidenten Putin (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Deepfake-Video: Angeblicher Zeugenbericht wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt

    Zunächst ein Blick auf die Details im Video: Der Mann soll angeblich Christian Blume sein, ehemals Referent für Verteidigungspolitik im Büro des Bundestagsabgeordneten Marcus Faber. Der echte Christian Blume sieht auf Fotos allerdings anders aus.

    Das Erkennungstool Hive gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit für den Einsatz von KI an. Darum baten wir das Unternehmen Neuraforge, das sich auf das Erkennen solcher Manipulationen spezialisiert hat, um eine weitere Analyse: Diese ergab: Das Video zeigt besonders Anomalien im Bereich des Gesichtes, es wurde also zumindest in Teilen mithilfe von Künstlicher Intelligenz verändert. Es handelt sich laut Neuraforge „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um einen Deepfake“. Demnach wurde das Video mutmaßlich durch einen sogenannten Face Swap verfälscht, dabei wird über eine Aufnahme einer Person ein neues Gesicht eingefügt.

    Bildvergleich: Auszug aus der KI-Analyse von Neuraforge – die roten Flächen zeigen sogenannte technische Artefakte an, die auf den Einsatz von KI hindeuten (Quelle: Neuraforge; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Website mit Fake-Video ist Teil einer russischen Einflussoperation

    Das manipulierte Video stammt von einer Webseite namens „Andere Meinung“. Sie wurde erst zwei Wochen, bevor der Fake online ging, registriert und ist nicht mehr online. Es gibt auch keine archivierte Fassung im Internetarchiv

    Screenshots und eine Kopie des Artikels finden sich aber auf anderen Seiten. In der Überschrift wird die Frage aufgeworfen, ob Faber für Russland arbeite, ein Video sei aufgetaucht. Beiträge dazu auf X erreichen zusammen Millionen Ansichten, doch nur wenige Nutzer reagieren wirklich oder verbreiten sie weiter. Das legt nahe, dass die Zahlen künstlich erhöht wurden. Einen Tag später wird das Aus der Ampelkoalition verkündet – der Faber-Fake geht nie viral. 

    In Sozialen Netzwerken verbreitet eine Gruppe von Profilen ein Bild des Artikels, das Video oder den Link (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

    Wie wir in diesem Text beschreiben, steckt dahinter eine russische Einflussoperation namens „Storm-1516“. Bots und pro-russische Influencer streuen das Video oder den Artikel wiederholt in Kommentaren auf X und in Telegram-Gruppen – so auch am 5. November im Fall Faber. Sehr früh kam dabei auch der Account „Linda Bergmann“ zum Einsatz, der bereits im US-Wahlkampf „Storm-1516“-Seiten geteilt hat. Und es fiel auf, dass die Accounts ihre Beiträge manchmal gegenseitig kommentierten

    Es sind immer wieder dieselben Profile auf X, die Falschmeldungen wie die zum Fall Faber verbreiten (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV)

    Der FDP-Politiker ist in Deutschland als Ukraine-Unterstützer bekannt und Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages, er kandidiert auch als Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt zur Bundestagswahl. Als wir ihn über unsere Recherche informierten, kannte er das Video nicht. Er sagte dazu am Telefon: „Dieser Fake ist an Lächerlichkeit nicht zu Überbieten.“ Er hätte der russischen Propaganda „mehr Raffinesse zugetraut“.

    Wie funktioniert das Prinzip „Storm-1516“?

    Mit der Diskreditierung einzelner Politiker und dem Verbreiten falscher Informationen versuchen pro-russische Akteure die Bundestagswahl zu beeinflussen. Fakes, die der Desinformationskampagne „Storm-1516“ zugeordnet werden können, erreichen in der Regel mehr Nutzer als bisher in Deutschland beobachtete ähnliche pro-russische Kampagnen, wie Doppelgänger oder Matroschka. Das Prinzip dahinter: Falschbehauptungen werden unter dem Deckmantel vermeintlicher Nachrichtenartikel in die Welt gesetzt, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen und dann von Profilen mit teils hoher Reichweite verbreitet. Konkret sieht das bei „Storm-1516“ wie folgt aus: 

    Schritt 1: Website mit normalen und erfundenen Inhalten erstellen, dabei kommt auch KI zum Einsatz. 

    Schritt 2: Dazu passende gefälschte Beweise bringen Glaubwürdigkeit (zum Beispiel künstlich erstellte Deepfake-Videos oder bezahlte Artikel).

    Schritt 3: Influencer und Bots mit Reichweite unterstützen bei der Verbreitung.

    Die Kampagne nimmt vor der Bundestagswahl mehrere Politikerinnen und Politiker ins Visier

    Zuvor attackierte Storm-1516 bereits Außenministerin Annalena Baerbock und Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen. Auch in diesen Fällen wurden gefälschte Medienberichte und Videos von angeblichen Zeugen in Sozialen Netzwerken verbreitet. Das Netzwerk teilt aber auch Desinformation über andere Themen

    Russland setzt auf solche Einflusskampagnen, um seine politischen Ziele in Deutschland und anderen Ländern durchzusetzen, wie CORRECTIV schon berichtete. Wie erfolgreich der Kreml dabei ist, lässt sich schwer abschätzen.

    Alle Faktenchecks zur Bundestagswahl 2025 finden Sie hier.

    Mitarbeit: Till Eckert, Max Donheiser
    Redigatur: Max Bernhard, Gabriele Scherndl

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    Author: Sarah Thust

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