Sateenkaarifantasiaa! 😍

Vietin joululoman onnellisena lukien Alexandra Rowlandin prinssi & henkivartija -romanssia A Taste of Gold and Iron. Kaukaisessa Araștin valtakunnassa hovijuonitellaan, ja prinssi Kadou lähentyy pikku hiljaa palvelijahenkivartijansa Evemerin kanssa… Seikkailujuonessa on joitakin kömmähdyksiä, mutta ihmissuhteethan tässä ovat tärkeintä, ja orastava romanssi on kuvattu suloisesti. Maailmanrakennus on upeaa, ja kirja onnistuu käsittelemään tosi raikkaalla tavalla ihmisen arvoa. Monarkiassa nainen ei kerrankin olekaan vain kauppatavaraa, vaan naimiisiinmeno- ja perijäkysymykset on ratkaistu ihan eri tavalla kuin valtaosassa fantasiakirjallisuutta (ja tosimaailman historiaa). Samoin Kadou todella pohtii syvällisesti vastuuta, jonka valta hänelle sysää, ja yrittää huolehtia henkivartijoistaan, jotka eivät ole mitään tavallisia palvelijoita vaan huippukoulutettuja renesanssi-ihmisiä, joilla on usein tiedossa ura valtion korkeissa viroissa. Oli ihanaa uppoutua tähän maailmaan!

Laitetaan samaan postaukseen äänikirjana kuuntelemani kummallinen pikku helmi: The Faggots and Their Friends Between Revolutions. Larry Mitchellin queer-utopia on vuodelta 1977, ja sitä kuvaillaan osittain saduksi, osittain manifestiksi. Se on täydellisen ajankohtainen kapitalismin, sorron ja tuhoisan patriarkaatin käsittelyssään, ja vallankumouksellinen häpeilemättömässä idealismissaan ja riemussaan! Suosittelen kaikille joita maailmanmeno ottaa päähän.

"...there are two important things to remember about the coming revolutions. The first is that we will get our asses kicked. The second is that we will win."

#kirja #kirjafedi #kirjamastodon #fantasiakirjallisuus #utopia #alexandrarowland #atasteofgoldandiron #larrymitchell #thefaggotsandtheirfriendsbetweenrevolutions #sateenkaarispefi

Hoffnung am Ende der Welt

Die Welt drau­ßen ist mal wie­der ziem­lich am Ende. Zeit­ge­nös­si­sche Sci­ence Fic­tion reagiert dar­auf auf drei Arten: sie setzt sich ers­tens direkt damit aus­ein­an­der – da sind wir dann bei „Cli­Fi“, Cli­ma­te Fic­tion und Ver­wand­tem, sei es Kim Stan­ley Robin­son, sei es T.C. Boyle, sei es mit ande­rer Per­spek­ti­ve Neal Ste­phen­son. Oder bei Wer­ken, die ande­re Pro­ble­me, die wir gera­de haben, direkt lite­ra­risch ver­ar­bei­ten. Aus­gren­zung und Inklu­si­on beispielsweise. 

Die zwei­te Reak­ti­on ist Eska­pis­mus. Das muss nichts schlech­tes sein. Sci­ence Fic­tion lan­det dann bei­spiel­wei­se bei der neus­ten Form der Space Ope­ra. Einen sehr guten Über­blick dar­über, was da alles drun­ter passt, gibt Jona­than Stra­han in sei­ner gera­de erschie­ne­nen Antho­lo­gie New Adven­tures in Space Ope­ra. Mit Nor­man Spin­rad spricht er davon, dass es sich bei Space Ope­ra nach wie vor um „straight fan­ta­sy in sci­ence fic­tion drag“ han­delt. Das gilt auch für das, was in den 2020er Jah­ren pas­siert, nach dem Höhe­punkt der „new space ope­ra“. Nur dass die­se Tex­te diver­ser und mul­ti­per­spek­ti­vi­scher sind, und sich kri­ti­scher mit den Poli­ti­ken und Macht­ver­hält­nis­sen in den jeweils ima­gi­nier­ten Wel­ten aus­ein­an­der­set­zen, als dies davor der Fall war. 

Drit­tens, und damit sind wir beim The­ma die­ses Tex­tes, erschei­nen eine Viel­zahl von Geschich­ten und Büchern, die irgend­wo zwi­schen „cozy“, Hope­punk und Solar­punk ein­sor­tiert wer­den kön­nen. Obwohl es Über­schnei­dun­gen gibt, ist Solar­punk doch noch ein­mal etwas ande­res als Cli­ma­te Fic­tion, und ist „cozy“ SF&F nicht iden­tisch mit der 2020er-Fas­sung von Space Ope­ra. Wir kom­men gleich zu Defi­ni­tio­nen – hier sei aller­dings schon ein­mal gesagt, dass die­se Grenz­zie­hun­gen weni­ger hart sind, als sie manch­mal erschei­nen, und teil­wei­se noch im Ent­ste­hen befind­lich sind. Mir geht es vor allem dar­um, einen Blick auf etwas zu wer­fen, was ich als aktu­el­len Trend in Sci­ence Fic­tion (und ein­ge­schränkt: Fan­ta­sy) wahrnehme.

Cyberpunk und Globalisierung – vergangene Katastrophen

Dass die Welt ziem­lich am Ende ist – und dass Sci­ence Fic­tion dar­auf reagiert, ist nun aller­dings nicht ganz neu. Umwelt­ka­ta­stro­phen, das Ver­sa­gen der kapi­ta­lis­ti­schen Moder­ne und die Block­kon­fron­ta­ti­on im Kal­ten Krieg der 1970er Jah­re fin­den sich nicht nur bei Ursu­la Le Guin (ihre ambi­va­len­te Uto­pie The Dis­pos­s­es­sed fei­ert gera­de das 50. Jubi­lä­um), son­dern bei­spiels­wei­se auch in den Roma­nen von John Brun­ner. Stand on Zan­zi­bar ist von 1968, The Sheep Look Up von 1972 und The Shock­wa­ve Rider erschien 1975 – alle drei the­ma­ti­sie­ren damals und teil­wei­se heu­te zen­tra­le poli­ti­sche Fra­gen im Gewand der Sci­ence Fiction.

Am nächs­ten Tief­punkt, aus der No-Future-Stim­mung der 1980er Jah­re, erwächst Cyber­punk als eine lite­ra­ri­sche Bewe­gung. Wil­liam Gib­sons Neu­ro­man­cer als Arche­typ des Sub­gen­res erscheint 1984: eine düs­te­re, durch­di­gi­ta­li­sier­te Welt, in der über­mäch­ti­ge Kon­zer­ne auf der einen Sei­te und Hacker und Out­laws auf der Stra­ße auf der ande­ren Sei­te ste­hen. Das Label ist noch etwas älter. Bereits 1983 ver­öf­fent­licht Bruce Beth­ke eine Kurz­ge­schich­te unter dem Titel „Cyber­punk“.

Die von Bruce Ster­ling her­aus­ge­ge­be­ne zen­tra­le Antho­lo­gie Mir­ror­s­ha­des erblick­te 1986 das Licht der Welt. Im Vor­wort beschreibt Ster­ling die Autor:innen des Cyber­punk als Grup­pe, die im Aus­tausch unter­ein­an­der das Sub­gen­re erschaf­fen hat; den Nukle­us bil­de­ten – so Ster­ling – Gib­son, Rucker, Shi­ner, Shir­ley und er selbst. Er grenzt Cyber­punk von der Gegen­kul­tur der 1960er Jah­re ab. Die­se war „rural, roman­ti­ci­zed, anti-sci­ence, anti-tech“. Dem gegen­über setzt Cyber­punk sich mit der Tech­nik der 1980er Jah­re aus­ein­an­der. Ster­ling nennt als Bei­spie­le den Walk­man, den Per­so­nal­com­pu­ter, das trag­ba­re Tele­fon – Tech­nik, die nah am Kör­per ist, für die, mit Gib­son, die Stra­ße ihre eige­ne Ver­wen­dung fin­det, die gehackt wer­den kann und wei­ter zu Pro­the­sen und Gehirn-Inter­faces gedacht wer­den kann. Der lite­ra­ri­sche Zugriff auf die­se Tech­no­lo­gien ver­bin­det sich mit der nun eben nicht mehr tech­nik­feind­li­chen Gegen­kul­tur und Pop­kul­tur der 1980er Jah­re. Cyber­punk braucht eine glo­ba­li­sier­te Welt als Kulis­se und erkun­det deren Unterseite. 

Aber eigent­lich war Cyber­punk als Gen­re schon 1986 wie­der vor­bei. Alle zen­tra­len Autor:innen beweg­ten sich in unter­schied­li­che Rich­tun­gen davon. (Im Kon­text die­ses Arti­kels inter­es­sant dürf­te der nicht beson­ders erfolg­rei­che Ver­such von Ster­ling sein, 1998 mit dem Viri­di­an Design Move­ment eine Bewe­gung ins Leben zu rufen, die öko­lo­gi­sche Fra­gen und eine fort­schritt­li­che Hal­tung zu Tech­no­lo­gie zusam­men­denkt – 2008 been­det Ster­ling den Ver­such. Lite­ra­risch taucht die­se tech­no-öko­lo­gi­sche Hal­tung in sei­nen Büchern Hea­vy Wea­ther (1994), Holy Fire (1996) und ins­be­son­de­re Dis­trac­tion (1998) auf.) 

Cyber­punk ist tot, auch wenn die Ästhe­tik wei­ter­lebt. Tro­pen und Memes blei­ben. Cyber­punk ist im kul­tu­rel­len Gedächt­nis ver­an­kert, hat spä­tes­tens mit der Matrix-Film­se­rie den Sprung in den Main­stream geschafft und kann nicht nur refe­ren­ziert, son­dern gege­be­nen­falls auch neu belebt wer­den kann. Mir fällt dazu Aiki Miras Neon­grau von 2022 ein. Mira schafft hier ein Ham­burg, das so sehr 2020 schreit, wie Gib­sons Tokyo ein Tokyo von 1980 war. Miras Ham­burg nimmt das zen­tra­le Ele­ment des Cyber­punk – Unter­grund und Stra­ße, High­tech und vir­tu­el­le Wel­ten – und aktua­li­siert die­se für die Gegenwart.

Eine wei­te­re Hin­ter­las­sen­schaft der Cyber­punk-Bewe­gung ist das Suf­fix „-punk“, das viel­fäl­tig ver­wen­det wird. Zwi­schen Atom­punk, Die­sel­punk oder Bio­punk dürf­te aber „Steam­punk“ – eben­falls bereits in den 1980er Jah­ren als Ver­weis auf den Cyber­punk geprägt – das ein­zi­ge Label sein, dem bis dato eine umfang­rei­che­re Zahl an Wer­ken zuge­ord­net wer­den kann. 

Von Cyberpunk zu Solarpunk

Jetzt also Solar­punk, Hope­punk und irgend­wo dane­ben oder dazwi­schen cozy SF&F. Solar­punk betritt 2008 die Büh­ne, so beschreibt es jeden­falls der Ein­trag in der Ency­clo­pe­dia of Sci­ence Fic­tion – zunächst ein­mal nicht als lite­ra­ri­sches Gen­re, son­dern als Idee in einem Blog­post im Blog „Repu­blic of the Bees“. Als Auf­hän­ger wählt der Autor zum einen eine Pres­se­mit­tei­lung zu Con­tai­ner­schif­fen, die von Dra­chen (also dem Flug­ge­rät, nicht dem Fabel­we­sen) statt von Schiffs­schrau­ben ange­trie­ben wer­den, zum ande­ren das Gen­re des „Steam­punk“. Steam­punk beschreibt er als Lite­ra­tur, in der alter­na­ti­ve Zukünf­te erzählt wer­den, in denen nicht auf Öl, son­dern gut vik­to­ria­nisch auf Koh­le und Dampf gesetzt wird, und in die dann moder­ne Tech­no­lo­gien oder „modern, cyni­cal atti­tu­des towards govern­ment, capi­ta­lism, and tra­di­tio­nal mora­li­ty“ ein­ge­fügt wer­den. Solar­punk wird dem­entspre­chend als Lite­ra­tur defi­niert, in der – kon­tra­fak­tisch oder tat­säch­lich – sola­re Ener­gie­trä­ger an die Stel­le von Koh­le, Öl und Gas rücken. Gleich­zei­tig wird es dadurch not­wen­dig, alte Tech­no­lo­gien (hier: das Segel­schiff) in moder­nem Gewand neu zu den­ken (das wind­kraft­be­trie­be­ne Containerschiff). 

Der Blog­au­tor hofft, dass er – anders als beim Steam­punk – eines Tages tat­säch­lich in einer Solar­punk-Welt leben wird. Gleich­zei­tig weist er dar­auf hin – und gibt damit eine gewis­se Legi­ti­ma­ti­on für den „Punk“-Teil des Wor­tes – dass der Wan­del hin zu einer sol­chen Welt nicht ohne poli­ti­sche Kon­flik­te ablau­fen wird. Er ver­mu­tet, dass „some serious poli­ti­cal fights bet­ween the good citi­zens of the world and the cor­rupt forces who will ine­vi­ta­b­ly attempt to sabo­ta­ge the tran­si­ti­on for their own per­so­nal gain“ statt­fin­den wer­den oder erzählt wer­den müs­sen. Da wäre dann der Rück­be­zug zum „Stra­ße gegen Groß­kon­zern“ des Cyber­punk (und ver­mit­telt auch des Steam­punk). Und wäh­rend in dem kur­zen Blog­post zwar diver­se Tech­no­lo­gien benannt wer­den, klingt doch durch, dass eine Poli­tik einer refor­me­ri­schen öko­lo­gi­schen Moder­ni­sie­rung nicht genügt. Hier liegt mög­li­cher­wei­se auch eine Soll­bruch­stel­le zwi­schen Solar­punk und dem Teil von Cli­ma­te Fic­tion, die sich nicht auf die Beschrei­bung des Unter­gangs allei­ne fokus­siert, son­dern Lösun­gen anbie­ten möchte.

Als mög­li­ches lite­ra­ri­sches Bei­spiel für Solar­punk nennt der Blog­au­tor in der „Repu­blic of Bees“ Nor­man Spin­rads Songs from the Stars aus dem Jahr 1985, in dem – so jeden­falls die Beschrei­bun­gen, ich habe die­ses Buch selbst nicht gele­sen – eine post­apo­ka­lyp­ti­sche Zivi­li­sa­ti­on auf Mus­kel­kraft, Wind und Son­ne setzt. 

2008 ist also der Begriff Solar­punk in der Welt, und es kann damit ange­fan­gen wer­den, retro­spek­tiv einen Kanon zu schaf­fen. Neue Solar­punk-Lite­ra­tur gibt es zu die­sem Zeit­punkt noch nicht. Was sich aller­dings sehr schnell ent­wi­ckelt, ist eine Solar­punk-Ästhe­tik, die der dys­to­pi­schen Neon­welt des Cyber­punk Bil­der von sanf­ten Hügel­land­schaf­ten mit Wind­rä­dern, Solar­zel­len und Do-It-Yours­elf-Hüt­ten­dör­fer ent­ge­gen­setzt. Das ist der Hin­ter­grund, vor dem Geschich­ten erzählt wer­den kön­nen: vom Zusam­men­halt in Gemein­schaf­ten, vom gemein­sa­men Tun, vom erfolg­rei­chen Kampf und von den Kon­flik­ten inner­halb einer Solarpunk-Gesellschaft. 

Wäh­rend eine Rei­he von Büchern (auch Ernest Cal­len­bachs Eco­to­pia, 1975, Le Guins Always Coming Home, 1985, oder Kim Stan­ley Robin­sons Paci­fic Edge aus dem Jahr 1990) rück­bli­ckend in das jun­ge Gen­re ein­sor­tiert wer­den kön­nen, ent­ste­hen neu zunächst eine gan­ze Rei­he von Kurz­ge­schich­ten unter­schied­li­cher Qua­li­tät. Die Sam­mel­bän­de Solar­punk: his­tóri­as ecoló­gi­cas e fan­tá­sti­cas em um mun­do sus­ten­táv! (2013), her­aus­ge­ge­ben von Ger­son Lodi-Ribei­ro, Sunvault (2017), her­aus­ge­ge­ben von Phoe­be War­ner Bron­të und Chris­to­pher Wie­land, sowie Glass and Gar­dens: Solar­punk Sum­mers (2018) und Glass and Gar­dens: Solar­punk Win­ters (2020), bei­de von Sare­na Uli­bar­ri her­aus­ge­ge­ben, brin­gen eini­ge die­ser Geschich­ten zusam­men. Zudem gibt es eini­ge spe­zia­li­sier­te Zines, etwa das Solar­punk Maga­zi­ne oder die Web­site solarpunks.net/.

Den­noch bleibt Solar­punk ein Kno­ten­punkt eines sich noch fin­den­den Gen­res. Auch die Ency­clo­pe­dia of Sci­ence Fic­tion tut sich schwer mit einer Definition. 

Solarpunk’s gro­wing popu­la­ri­ty can be seen as an oppo­sing force to Cyber­punk, which typi­cal­ly por­trays dys­to­pian socie­ties in which tech­no­lo­gi­cal pro­gress has an inver­se cor­re­la­ti­on with living stan­dards, and the influence of mega-cor­po­ra­ti­ons has divi­ded com­mu­ni­ties and redu­ced the auto­no­my of indi­vi­du­als. […] Solar­punk, howe­ver, does not requi­re its aut­hors to depict the harnes­sing of solar power. While one typi­cal model for an sf sto­ry is to stretch con­tem­po­ra­ry pro­blems to night­ma­rish pro­por­ti­ons („if this goes on …“), Solar­punk advo­ca­tes for the oppo­si­te. It takes solu­ti­ons to radi­cal con­clu­si­ons, be they brea­king civi­liza­ti­on down into com­mu­nes, rest­ric­ting popu­la­ti­on growth (see Over­po­pu­la­ti­on), or buil­ding Dys­on Sphe­res. It is a rebel­li­on against a rebel­li­on, born out of dys­to­pia fatigue.

Eine recht umfang­rei­che – und trotz Offen­heit für ganz unter­schied­li­che Wege zu einer bes­se­ren Zukunft recht bekennt­nis­las­ti­ge – Eigen­de­fi­ni­ti­on mit 22 Punk­ten fin­det sich im A Solar­punk Mani­festo. „Punk“ heißt hier: gegen den Main­stream, für Rebel­li­on, Deko­lo­nia­li­sie­rung und Enthu­si­as­mus, Sci­ence Fic­tion wird als eine Form des Akti­vis­mus beschrie­ben und mög­li­che ästhe­ti­sche Aus­for­mun­gen (Ori­en­tie­rung­punk­te: 1800, Art Deco und Jugend­stil, ange­pass­te Tech­no­lo­gie und Stu­dio Ghi­b­li) dar­ge­legt. Die 22 Punk­te des Mani­festo umfas­sen auch Nach­hal­tig­keit, öko­lo­gi­sche Gerech­tig­keit, eine Ko-Exis­tenz von Spi­ri­tua­li­tät und Wis­sen­schaft, Suf­fi­zi­enz, die fuß­gän­ger­freund­li­che Stadt und die Wie­der­ver­wer­tung von alten Mate­ria­li­en. Zudem wird auf die Wech­sel­wir­kung zwi­schen Sci­ence Fic­tion und Poli­tik hingewiesen.

Wört­lich genom­men redu­ziert das Mani­festo Solar­punk auf ein didak­ti­sches Tool, um eine bestimm­te Vor­stel­lung einer opti­mis­ti­schen, von unten her gewach­se­nen öko­lo­gi­schen Zukunft zu ver­brei­ten. Gleich­zei­tig machen sich eini­ge Men­schen in die­sem Umfeld Sor­gen, dass ein Auf­grei­fen der Solar­punk-Ideen durch „den Main­stream“ zu einem „Green­wa­shing“ füh­ren könn­te. Also lie­ber kein Solar­punk-Block­bus­ter, kein über­all dis­ku­tier­ter Roman? 

Wie weit Sci­ence Fic­tion nach­hal­ti­ge Zukünf­te vor­an­brin­gen kann, war auch auf der World­con in Glas­gow The­ma. Neben diver­sen Panels zu Sus­taina­bi­li­ty und SF gab es meh­re­re, die sich kon­kret mit Solar­punk aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Auch dort über­wog zumin­dest bei mir aber der Ein­druck, dass eini­ge Solar­punk ger­ne als Vehi­kel nut­zen wür­den, um eine ganz bestimm­te Vor­stel­lung einer öko­lo­gi­schen Zukunft pro­pa­gan­dis­tisch zu ver­brei­ten, wäh­rend ande­re dar­un­ter eher sowas wie „öko – aber in cool“ ver­stan­den, und auf eine bestimm­te Ästhe­tik setz­ten. Geht es dar­um, Hoff­nung zu ver­kau­fen oder dar­um, die Zukunft zu deko­lo­nia­li­sie­ren? Soll das herr­schen­de Nar­ra­tiv ver­än­dert wer­den, oder ist’s in der Nische unter Gleich­ge­sinn­ten auch ganz ange­nehm? Das sind Debat­ten, die ich aus poli­ti­schen Zusam­men­hän­gen ken­ne – und mög­li­cher­wei­se ist es eine poli­ti­sche Über­frach­tung, mit der sich Solar­punk gera­de selbst ein Bein stellt.

Inter­es­se an dem The­ma war und ist jeden­falls da, die Panels fan­den in vol­len Räu­men statt, und zumin­dest ein­zel­ne Aspek­te tauch­ten auch an ganz ande­ren Stel­len wie­der auf.

Cyber­punk war ein Begriff, der als Label für eine bestimm­tes Sub­gen­re ver­wen­det wur­de und erst danach zu einer ver­all­ge­mei­ner­ten und all­ge­mein refe­ren­zier­ba­ren Ästhe­tik wur­de. Gleich­zei­tig waren die trei­ben­den Kräf­te des Sub­gen­res lite­ra­risch inspi­riert (v.a. von der New Wave der 1960er Jah­re) und inter­es­siert dar­an, gute Geschich­ten zu schrei­ben – mit gemein­sa­men The­men, mit ähn­li­chen Moti­ven und Bil­dern, aber ohne Check­lis­te und ohne poli­ti­schen Überbau. 

Kein Manifest, aber dafür Anschlussfähigkeit: Cozy SF&F und Hopepunk

Mög­li­cher­wei­se ist Solar­punk zu eng gefasst. Auf der World­con kur­sier­te der Begriff „Hope­punk“ als Gegen­pol zu „Grim­dark“ in der Fan­ta­sy-Lite­ra­tur, als düs­te­ren, von Intri­gen durch­drun­ge­nen Wel­ten im Nie­der­gang; im Bereich der Sci­ence-Fic­tion passt „Dys­to­pie“ ver­mut­lich bes­ser, um ähn­li­ches zu beschrei­ben wie „Grim­dark“ in der Fan­ta­sy. „Hope­punk“ wur­de 2017 von Alex­an­dra Row­land geprägt. Und auch hier geht es eher um eine bestimm­te Ästhe­tik, um Nied­lich­keit und Hoff­nung, und zugleich ste­hen stär­ker noch als beim Solar­punk steht Gemein­schaft und Zusam­men­halt im Mit­tel­punkt. Ales­san­dra Reß bringt es bei TOR auf den Punkt, dass bei allen Bezug zu Bie­der­mei­er und Nied­lich­keit eben nicht Self-Care im Mit­tel­punkt steht, son­dern „viel­mehr ‚World­ca­re‘ – und die ist weit ent­fernt von Resi­gna­ti­on und Weltflucht.“

Wäh­rend es bei Solar­punk eine Bewe­gung, ein Mani­fest, viel­leicht auch meh­re­re, und eine star­ke prä­skrip­ti­ve poli­ti­sche Auf­la­dung gibt, scheint mir Hope­punk – trotz aller Ähn­lich­kei­ten – offe­ner gefasst zu sein. Es geht schlicht dar­um, Mensch­lich­keit in den Vor­der­grund der Geschich­ten zu stel­len – und zu zei­gen, dass und wie „taking action“ (im Sin­ne von „Punk“) mög­lich ist, um das hinzukriegen. 

Hier liegt dann wohl die Dif­fe­renz zu „cozy“, also Geschich­ten, die ohne Mord und Tot­schlag aus­kom­men, mög­li­cher­wei­se sogar ohne roman­ti­sche Kon­flik­te, und Wohl­fühl­ge­schich­ten erzäh­len. Auch sol­che Tex­te haben eine Funk­ti­on. Gera­de – Stich­wort: Space Ope­ra und Eska­pis­mus – in düs­te­ren Zei­ten sind Geschich­ten, in denen Pro­ble­me klein und Zukünf­te hoff­nungs­froh sind, eine wich­ti­ge Res­sour­ce. Ganz ohne Hand­lung kom­men die wenigs­ten Geschich­ten aus, auch cozy SF&F braucht Her­aus­for­de­run­gen und Kon­flik­te, um eine Geschich­te erzäh­len zu kön­nen. Aber die Welt muss nicht geret­tet werden.

Hope­punk dage­gen braucht ein „Wir“ und dann doch ein grö­ße­res, akti­vis­ti­sches Ziel, einen Kon­flikt, der über das Innen­le­ben einer Gemein­schaft hin­aus­geht, oder einen ent­spre­chen­den Gegen­spie­ler. Das wäre jeden­falls mein Ver­such, Row­lands Bemer­kun­gen zu „Punk“ in „Hope­punk“ ein­zu­ord­nen. Also: Sci­ence Fic­tion bzw. Fan­ta­sy, in denen eine mensch­li­che Hal­tung gewinnt – nicht weil sie per se bes­ser ist, son­dern weil sie aktiv gemein­sam gegen Wider­stän­de durch­ge­setzt wird, ohne zynisch zu werden.

Bei­de die­ses Jahr mit dem Hugo aus­ge­zeich­ne­ten Geschich­ten von Nao­mi Krit­zer („Bet­ter living through algo­rith­ms“ und „The year wit­hout suns­hi­ne“) wür­de ich in die­ses Feld einordnen.

Neben Becky Cham­bers – deren bei­den Monk-and-Robot-Novel­len wohl expli­zit als Solar­punk beauf­tragt wur­den, und deren Way­fa­rer-Serie irgend­wo zwi­schen cozy und Hope­punk liegt – fal­len mir eine gan­ze Rei­he neue­rer Roma­ne ein, die für mich in die­ses Spek­trum passen:

Cory Doc­to­rows Wal­ka­way (2018) in einem futu­ris­ti­sche­rem Set­ting, mehr noch sein The Lost Cau­se (2023) in einer Zukunft, die sich sehr nah anfühlt. Doc­to­row gelingt es hier her­vor­ra­gend – ähn­lich wie bei Krit­zer in „The year wit­hout suns­hi­ne“ – das Gefühl zu ver­mit­teln, das sich aus erfolg­rei­chem Akti­vis­mus und dadurch neu gefun­de­nem Zusam­men­halt ergibt. Mög­li­cher­wei­se ist die­ses Gefühl Essenz des­sen, was Hope­punk ausmacht.

Rut­han­na Emrys A Half-Built Gar­den (2022) spielt in den 2080er Jah­ren und ist einer­seits eine First-Cont­act-Geschich­te, ande­rer­seits aber eben auch ein sehr gut erzähl­tes Buch über Mensch­lich­keit, Hoff­nung und eine solar­pun­ki­ge Tech­no­lo­gie, die dies unter­stützt. (Und auch ihre Inns­mouth-Lega­cy-Serie – die Love­craft von der ande­ren Sei­te zeigt – könn­te in die Kate­go­rie Hope­punk fallen). 

L.X. Beckett erzählt in Game­ch­an­ger (2019) und Dealb­rea­k­er (2021) von einer Zukunft etwa eine Gene­ra­ti­on nach dem gro­ßen Zusam­men­bruch durch Kli­ma­kri­se etc. – ent­spre­chend ste­hen der Wie­der­auf­bau und die Erneue­rung öko­lo­gi­sche Kreis­läu­fe im Vor­der­grund. Die Bounce­back-Gene­ra­ti­on ver­kör­pert ent­spre­chen­de Wer­te, ist akti­vis­tisch und prosozial. 

Immer wie­der wer­den auch Ter­ry Prat­chetts Bücher als Bei­spie­le für Hope­punk genannt – gera­de für die Tif­fa­ny-Aching-Roma­ne fin­de ich das durch­aus nach­voll­zieh­bar. Hier sind wir dann aber erneut im Feld der retro­ak­ti­ven Gen­re-Zuschrei­bung – und auch Le Guins The Dis­pos­s­es­sed (1974) oder eini­ge der oben genann­ten Wer­ke von Kim Stan­ley Robin­son lie­ßen sich eben­falls gut nennen. 

Veränderte Narrative

Inso­fern mag das Bedürf­nis, nicht nur über düs­te­re Zukünf­te zu schrei­ben und War­nun­gen an die Wand zu malen, son­dern zu zei­gen, wie wich­tig Mensch­lich­keit, Empa­thie und gemein­schaft­li­ches Han­deln sind, um etwas zu errei­chen, kei­ne ganz neue Erschei­nung sein – mit oder ohne poli­ti­sche Pro­gram­ma­tik als Überbau. 

Den­noch lässt sich fest­stel­len, dass die­ser Aspekt von Sci­ence Fic­tion und Fan­ta­sy in den letz­ten Jah­ren wie­der stär­ker in der Vor­der­grund tritt. Wenn Sci­ence Fic­tion in die­sen Zei­ten mit Hil­fe nähe­rer und fer­ne­rer Zukünf­te erleb­bar macht, was mensch­li­che aus­macht, dann auch des­we­gen, weil die­se Hal­tung und ent­spre­chen­de Vor­bil­der heu­te drin­gend gebraucht werden.

Ob Sci­ence Fic­tion Poli­tik – oder min­des­tens die Wis­sen­schaft und die Tech­no­lo­gie­ent­wick­lung – beein­flusst, ist strit­tig. Poli­tik greift jedoch auf Bil­der und Ideen zurück, die da sind. Inso­fern spielt es eine Rol­le, wel­che Geschich­ten erzählt wer­den, und wel­che Ästhe­ti­ken prä­sent sind.

Cyber­punk hat es geschafft, eine düs­te­re Ästhe­tik im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis zu ver­an­kern. Das ist des­we­gen gelun­gen, weil die­se Geschich­ten, weil die­se Ästhe­tik einen bestimm­ten Zeit­geist ange­spro­chen haben, ein Echo her­vor­ge­ru­fen haben. 

Ich möch­te glau­ben, dass wir in Zei­ten leben, in denen her­vor­ra­gen­de Hope­punk-Roma­ne mit ihrer sozi­al­psy­cho­lo­gi­schen Tie­fen­struk­tur (und von mir aus auch mit einer solar­pun­ki­gen Ästhe­tik) ein Bedürf­nis erfül­len und das Zeug dazu haben, zu kol­lek­ti­ven Anker­punk­ten zu wer­den. Viel­leicht ist das Gegen­stück zum Neu­ro­man­cer noch nicht geschrie­ben oder noch nicht über­setzt wor­den; viel­leicht ist es auch unnö­tig, auf den einen gro­ßen Roman zu set­zen. Ver­satz­stü­cke von Solar­punk und Hope­punk fin­den sich in vie­len Tex­ten, Bil­dern und auch in Seri­en und Fil­men, kur­sie­ren auf Tumb­lr und Insta­gram. Viel­leicht reicht das aus, um eine sol­che Ästhe­tik zu ver­an­kern. Zu hof­fen wäre es.

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SEC, Glasgow - II

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Just finished reading a fun and funny and silly book by #AlexandraRowland - the last third especially had me laughing out loud

it has a plot-relevant pirate island cake competition and also plenty of queer relationships and also turtles of unusual size

you can read an except here: https://gizmodo.com/running-close-to-the-wind-excerpt-queer-pirate-fantasy-1851029451

Queer Pirates Sail for Love and Glory in Running Close to the Wind

Read an excerpt from the upcoming novel by fantasy author Alexandra Rowland (A Taste of Gold and Iron).

Gizmodo

Running Close to the Wind

Disclosure: I received a copy of this book free of charge for review purposes only. Receipt of a book does not guarantee a review or endorsement.
Avra Helvaçi, former agent of the Arashti Ministry of Intelligence, is a lucky man. It’s all a bit spooky how things always seem to go his way. Like he’s accidentally stolen the single most valuable secret in the […]

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https://www.curiositykilledthebookworm.net/2024/05/running-close-to-the-wind/

Running Close to the Wind ⋆ Curiosity Killed the Bookworm

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Curiosity Killed the Bookworm