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Cached US Kindle giveaway: 6 copies of @r-emrys.bsky.social's Winter Tide (The Innsmouth Legacy Book 1), which I *have* and *have read* and *have given away before*. This sale was promoted by the author, so that'd be reason enough to give it away, but it's a good book! #KindleBookGiveaway
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Cozy Up With These 22 Chilly Winter Reads
"With winter mostly upon us (in the Northern Hemisphere, at least), you may find yourself settling down beneath the blankets with a mug of something hot and a good book or three. Some prefer to escape in fantasies of deserts and warmth, but we’re doubling down this season with a list of wintry reads featuring frozen tundras, majestic ice castles, and at least one magical wardrobe"
#BookReading #ReadingList #ReadingRecommendation
#TheSnowQueen #JoanDVinge #TheBearAndTheNightingale #KatherineArden #Books #FantasyLiterature #WinterTide #RuthannaEmrys #AtTheMountainsOfMadness #HPLovecraft
https://reactormag.com/cozy-up-with-these-22-chilly-winter-reads/
Hoffnung am Ende der Welt
Die Welt draußen ist mal wieder ziemlich am Ende. Zeitgenössische Science Fiction reagiert darauf auf drei Arten: sie setzt sich erstens direkt damit auseinander – da sind wir dann bei „CliFi“, Climate Fiction und Verwandtem, sei es Kim Stanley Robinson, sei es T.C. Boyle, sei es mit anderer Perspektive Neal Stephenson. Oder bei Werken, die andere Probleme, die wir gerade haben, direkt literarisch verarbeiten. Ausgrenzung und Inklusion beispielsweise.
Die zweite Reaktion ist Eskapismus. Das muss nichts schlechtes sein. Science Fiction landet dann beispielweise bei der neusten Form der Space Opera. Einen sehr guten Überblick darüber, was da alles drunter passt, gibt Jonathan Strahan in seiner gerade erschienenen Anthologie New Adventures in Space Opera. Mit Norman Spinrad spricht er davon, dass es sich bei Space Opera nach wie vor um „straight fantasy in science fiction drag“ handelt. Das gilt auch für das, was in den 2020er Jahren passiert, nach dem Höhepunkt der „new space opera“. Nur dass diese Texte diverser und multiperspektivischer sind, und sich kritischer mit den Politiken und Machtverhältnissen in den jeweils imaginierten Welten auseinandersetzen, als dies davor der Fall war.
Drittens, und damit sind wir beim Thema dieses Textes, erscheinen eine Vielzahl von Geschichten und Büchern, die irgendwo zwischen „cozy“, Hopepunk und Solarpunk einsortiert werden können. Obwohl es Überschneidungen gibt, ist Solarpunk doch noch einmal etwas anderes als Climate Fiction, und ist „cozy“ SF&F nicht identisch mit der 2020er-Fassung von Space Opera. Wir kommen gleich zu Definitionen – hier sei allerdings schon einmal gesagt, dass diese Grenzziehungen weniger hart sind, als sie manchmal erscheinen, und teilweise noch im Entstehen befindlich sind. Mir geht es vor allem darum, einen Blick auf etwas zu werfen, was ich als aktuellen Trend in Science Fiction (und eingeschränkt: Fantasy) wahrnehme.
Cyberpunk und Globalisierung – vergangene Katastrophen
Dass die Welt ziemlich am Ende ist – und dass Science Fiction darauf reagiert, ist nun allerdings nicht ganz neu. Umweltkatastrophen, das Versagen der kapitalistischen Moderne und die Blockkonfrontation im Kalten Krieg der 1970er Jahre finden sich nicht nur bei Ursula Le Guin (ihre ambivalente Utopie The Dispossessed feiert gerade das 50. Jubiläum), sondern beispielsweise auch in den Romanen von John Brunner. Stand on Zanzibar ist von 1968, The Sheep Look Up von 1972 und The Shockwave Rider erschien 1975 – alle drei thematisieren damals und teilweise heute zentrale politische Fragen im Gewand der Science Fiction.
Am nächsten Tiefpunkt, aus der No-Future-Stimmung der 1980er Jahre, erwächst Cyberpunk als eine literarische Bewegung. William Gibsons Neuromancer als Archetyp des Subgenres erscheint 1984: eine düstere, durchdigitalisierte Welt, in der übermächtige Konzerne auf der einen Seite und Hacker und Outlaws auf der Straße auf der anderen Seite stehen. Das Label ist noch etwas älter. Bereits 1983 veröffentlicht Bruce Bethke eine Kurzgeschichte unter dem Titel „Cyberpunk“.
Die von Bruce Sterling herausgegebene zentrale Anthologie Mirrorshades erblickte 1986 das Licht der Welt. Im Vorwort beschreibt Sterling die Autor:innen des Cyberpunk als Gruppe, die im Austausch untereinander das Subgenre erschaffen hat; den Nukleus bildeten – so Sterling – Gibson, Rucker, Shiner, Shirley und er selbst. Er grenzt Cyberpunk von der Gegenkultur der 1960er Jahre ab. Diese war „rural, romanticized, anti-science, anti-tech“. Dem gegenüber setzt Cyberpunk sich mit der Technik der 1980er Jahre auseinander. Sterling nennt als Beispiele den Walkman, den Personalcomputer, das tragbare Telefon – Technik, die nah am Körper ist, für die, mit Gibson, die Straße ihre eigene Verwendung findet, die gehackt werden kann und weiter zu Prothesen und Gehirn-Interfaces gedacht werden kann. Der literarische Zugriff auf diese Technologien verbindet sich mit der nun eben nicht mehr technikfeindlichen Gegenkultur und Popkultur der 1980er Jahre. Cyberpunk braucht eine globalisierte Welt als Kulisse und erkundet deren Unterseite.
Aber eigentlich war Cyberpunk als Genre schon 1986 wieder vorbei. Alle zentralen Autor:innen bewegten sich in unterschiedliche Richtungen davon. (Im Kontext dieses Artikels interessant dürfte der nicht besonders erfolgreiche Versuch von Sterling sein, 1998 mit dem Viridian Design Movement eine Bewegung ins Leben zu rufen, die ökologische Fragen und eine fortschrittliche Haltung zu Technologie zusammendenkt – 2008 beendet Sterling den Versuch. Literarisch taucht diese techno-ökologische Haltung in seinen Büchern Heavy Weather (1994), Holy Fire (1996) und insbesondere Distraction (1998) auf.)
Cyberpunk ist tot, auch wenn die Ästhetik weiterlebt. Tropen und Memes bleiben. Cyberpunk ist im kulturellen Gedächtnis verankert, hat spätestens mit der Matrix-Filmserie den Sprung in den Mainstream geschafft und kann nicht nur referenziert, sondern gegebenenfalls auch neu belebt werden kann. Mir fällt dazu Aiki Miras Neongrau von 2022 ein. Mira schafft hier ein Hamburg, das so sehr 2020 schreit, wie Gibsons Tokyo ein Tokyo von 1980 war. Miras Hamburg nimmt das zentrale Element des Cyberpunk – Untergrund und Straße, Hightech und virtuelle Welten – und aktualisiert diese für die Gegenwart.
Eine weitere Hinterlassenschaft der Cyberpunk-Bewegung ist das Suffix „-punk“, das vielfältig verwendet wird. Zwischen Atompunk, Dieselpunk oder Biopunk dürfte aber „Steampunk“ – ebenfalls bereits in den 1980er Jahren als Verweis auf den Cyberpunk geprägt – das einzige Label sein, dem bis dato eine umfangreichere Zahl an Werken zugeordnet werden kann.
Von Cyberpunk zu Solarpunk
Jetzt also Solarpunk, Hopepunk und irgendwo daneben oder dazwischen cozy SF&F. Solarpunk betritt 2008 die Bühne, so beschreibt es jedenfalls der Eintrag in der Encyclopedia of Science Fiction – zunächst einmal nicht als literarisches Genre, sondern als Idee in einem Blogpost im Blog „Republic of the Bees“. Als Aufhänger wählt der Autor zum einen eine Pressemitteilung zu Containerschiffen, die von Drachen (also dem Fluggerät, nicht dem Fabelwesen) statt von Schiffsschrauben angetrieben werden, zum anderen das Genre des „Steampunk“. Steampunk beschreibt er als Literatur, in der alternative Zukünfte erzählt werden, in denen nicht auf Öl, sondern gut viktorianisch auf Kohle und Dampf gesetzt wird, und in die dann moderne Technologien oder „modern, cynical attitudes towards government, capitalism, and traditional morality“ eingefügt werden. Solarpunk wird dementsprechend als Literatur definiert, in der – kontrafaktisch oder tatsächlich – solare Energieträger an die Stelle von Kohle, Öl und Gas rücken. Gleichzeitig wird es dadurch notwendig, alte Technologien (hier: das Segelschiff) in modernem Gewand neu zu denken (das windkraftbetriebene Containerschiff).
Der Blogautor hofft, dass er – anders als beim Steampunk – eines Tages tatsächlich in einer Solarpunk-Welt leben wird. Gleichzeitig weist er darauf hin – und gibt damit eine gewisse Legitimation für den „Punk“-Teil des Wortes – dass der Wandel hin zu einer solchen Welt nicht ohne politische Konflikte ablaufen wird. Er vermutet, dass „some serious political fights between the good citizens of the world and the corrupt forces who will inevitably attempt to sabotage the transition for their own personal gain“ stattfinden werden oder erzählt werden müssen. Da wäre dann der Rückbezug zum „Straße gegen Großkonzern“ des Cyberpunk (und vermittelt auch des Steampunk). Und während in dem kurzen Blogpost zwar diverse Technologien benannt werden, klingt doch durch, dass eine Politik einer reformerischen ökologischen Modernisierung nicht genügt. Hier liegt möglicherweise auch eine Sollbruchstelle zwischen Solarpunk und dem Teil von Climate Fiction, die sich nicht auf die Beschreibung des Untergangs alleine fokussiert, sondern Lösungen anbieten möchte.
Als mögliches literarisches Beispiel für Solarpunk nennt der Blogautor in der „Republic of Bees“ Norman Spinrads Songs from the Stars aus dem Jahr 1985, in dem – so jedenfalls die Beschreibungen, ich habe dieses Buch selbst nicht gelesen – eine postapokalyptische Zivilisation auf Muskelkraft, Wind und Sonne setzt.
2008 ist also der Begriff Solarpunk in der Welt, und es kann damit angefangen werden, retrospektiv einen Kanon zu schaffen. Neue Solarpunk-Literatur gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Was sich allerdings sehr schnell entwickelt, ist eine Solarpunk-Ästhetik, die der dystopischen Neonwelt des Cyberpunk Bilder von sanften Hügellandschaften mit Windrädern, Solarzellen und Do-It-Yourself-Hüttendörfer entgegensetzt. Das ist der Hintergrund, vor dem Geschichten erzählt werden können: vom Zusammenhalt in Gemeinschaften, vom gemeinsamen Tun, vom erfolgreichen Kampf und von den Konflikten innerhalb einer Solarpunk-Gesellschaft.
Während eine Reihe von Büchern (auch Ernest Callenbachs Ecotopia, 1975, Le Guins Always Coming Home, 1985, oder Kim Stanley Robinsons Pacific Edge aus dem Jahr 1990) rückblickend in das junge Genre einsortiert werden können, entstehen neu zunächst eine ganze Reihe von Kurzgeschichten unterschiedlicher Qualität. Die Sammelbände Solarpunk: histórias ecológicas e fantásticas em um mundo sustentáv! (2013), herausgegeben von Gerson Lodi-Ribeiro, Sunvault (2017), herausgegeben von Phoebe Warner Brontë und Christopher Wieland, sowie Glass and Gardens: Solarpunk Summers (2018) und Glass and Gardens: Solarpunk Winters (2020), beide von Sarena Ulibarri herausgegeben, bringen einige dieser Geschichten zusammen. Zudem gibt es einige spezialisierte Zines, etwa das Solarpunk Magazine oder die Website solarpunks.net/.
Dennoch bleibt Solarpunk ein Knotenpunkt eines sich noch findenden Genres. Auch die Encyclopedia of Science Fiction tut sich schwer mit einer Definition.
Solarpunk’s growing popularity can be seen as an opposing force to Cyberpunk, which typically portrays dystopian societies in which technological progress has an inverse correlation with living standards, and the influence of mega-corporations has divided communities and reduced the autonomy of individuals. […] Solarpunk, however, does not require its authors to depict the harnessing of solar power. While one typical model for an sf story is to stretch contemporary problems to nightmarish proportions („if this goes on …“), Solarpunk advocates for the opposite. It takes solutions to radical conclusions, be they breaking civilization down into communes, restricting population growth (see Overpopulation), or building Dyson Spheres. It is a rebellion against a rebellion, born out of dystopia fatigue.
Eine recht umfangreiche – und trotz Offenheit für ganz unterschiedliche Wege zu einer besseren Zukunft recht bekenntnislastige – Eigendefinition mit 22 Punkten findet sich im A Solarpunk Manifesto. „Punk“ heißt hier: gegen den Mainstream, für Rebellion, Dekolonialisierung und Enthusiasmus, Science Fiction wird als eine Form des Aktivismus beschrieben und mögliche ästhetische Ausformungen (Orientierungpunkte: 1800, Art Deco und Jugendstil, angepasste Technologie und Studio Ghibli) dargelegt. Die 22 Punkte des Manifesto umfassen auch Nachhaltigkeit, ökologische Gerechtigkeit, eine Ko-Existenz von Spiritualität und Wissenschaft, Suffizienz, die fußgängerfreundliche Stadt und die Wiederverwertung von alten Materialien. Zudem wird auf die Wechselwirkung zwischen Science Fiction und Politik hingewiesen.
Wörtlich genommen reduziert das Manifesto Solarpunk auf ein didaktisches Tool, um eine bestimmte Vorstellung einer optimistischen, von unten her gewachsenen ökologischen Zukunft zu verbreiten. Gleichzeitig machen sich einige Menschen in diesem Umfeld Sorgen, dass ein Aufgreifen der Solarpunk-Ideen durch „den Mainstream“ zu einem „Greenwashing“ führen könnte. Also lieber kein Solarpunk-Blockbuster, kein überall diskutierter Roman?
Wie weit Science Fiction nachhaltige Zukünfte voranbringen kann, war auch auf der Worldcon in Glasgow Thema. Neben diversen Panels zu Sustainability und SF gab es mehrere, die sich konkret mit Solarpunk auseinandergesetzt haben. Auch dort überwog zumindest bei mir aber der Eindruck, dass einige Solarpunk gerne als Vehikel nutzen würden, um eine ganz bestimmte Vorstellung einer ökologischen Zukunft propagandistisch zu verbreiten, während andere darunter eher sowas wie „öko – aber in cool“ verstanden, und auf eine bestimmte Ästhetik setzten. Geht es darum, Hoffnung zu verkaufen oder darum, die Zukunft zu dekolonialisieren? Soll das herrschende Narrativ verändert werden, oder ist’s in der Nische unter Gleichgesinnten auch ganz angenehm? Das sind Debatten, die ich aus politischen Zusammenhängen kenne – und möglicherweise ist es eine politische Überfrachtung, mit der sich Solarpunk gerade selbst ein Bein stellt.
Interesse an dem Thema war und ist jedenfalls da, die Panels fanden in vollen Räumen statt, und zumindest einzelne Aspekte tauchten auch an ganz anderen Stellen wieder auf.
Cyberpunk war ein Begriff, der als Label für eine bestimmtes Subgenre verwendet wurde und erst danach zu einer verallgemeinerten und allgemein referenzierbaren Ästhetik wurde. Gleichzeitig waren die treibenden Kräfte des Subgenres literarisch inspiriert (v.a. von der New Wave der 1960er Jahre) und interessiert daran, gute Geschichten zu schreiben – mit gemeinsamen Themen, mit ähnlichen Motiven und Bildern, aber ohne Checkliste und ohne politischen Überbau.
Kein Manifest, aber dafür Anschlussfähigkeit: Cozy SF&F und Hopepunk
Möglicherweise ist Solarpunk zu eng gefasst. Auf der Worldcon kursierte der Begriff „Hopepunk“ als Gegenpol zu „Grimdark“ in der Fantasy-Literatur, als düsteren, von Intrigen durchdrungenen Welten im Niedergang; im Bereich der Science-Fiction passt „Dystopie“ vermutlich besser, um ähnliches zu beschreiben wie „Grimdark“ in der Fantasy. „Hopepunk“ wurde 2017 von Alexandra Rowland geprägt. Und auch hier geht es eher um eine bestimmte Ästhetik, um Niedlichkeit und Hoffnung, und zugleich stehen stärker noch als beim Solarpunk steht Gemeinschaft und Zusammenhalt im Mittelpunkt. Alessandra Reß bringt es bei TOR auf den Punkt, dass bei allen Bezug zu Biedermeier und Niedlichkeit eben nicht Self-Care im Mittelpunkt steht, sondern „vielmehr ‚Worldcare‘ – und die ist weit entfernt von Resignation und Weltflucht.“
Während es bei Solarpunk eine Bewegung, ein Manifest, vielleicht auch mehrere, und eine starke präskriptive politische Aufladung gibt, scheint mir Hopepunk – trotz aller Ähnlichkeiten – offener gefasst zu sein. Es geht schlicht darum, Menschlichkeit in den Vordergrund der Geschichten zu stellen – und zu zeigen, dass und wie „taking action“ (im Sinne von „Punk“) möglich ist, um das hinzukriegen.
Hier liegt dann wohl die Differenz zu „cozy“, also Geschichten, die ohne Mord und Totschlag auskommen, möglicherweise sogar ohne romantische Konflikte, und Wohlfühlgeschichten erzählen. Auch solche Texte haben eine Funktion. Gerade – Stichwort: Space Opera und Eskapismus – in düsteren Zeiten sind Geschichten, in denen Probleme klein und Zukünfte hoffnungsfroh sind, eine wichtige Ressource. Ganz ohne Handlung kommen die wenigsten Geschichten aus, auch cozy SF&F braucht Herausforderungen und Konflikte, um eine Geschichte erzählen zu können. Aber die Welt muss nicht gerettet werden.
Hopepunk dagegen braucht ein „Wir“ und dann doch ein größeres, aktivistisches Ziel, einen Konflikt, der über das Innenleben einer Gemeinschaft hinausgeht, oder einen entsprechenden Gegenspieler. Das wäre jedenfalls mein Versuch, Rowlands Bemerkungen zu „Punk“ in „Hopepunk“ einzuordnen. Also: Science Fiction bzw. Fantasy, in denen eine menschliche Haltung gewinnt – nicht weil sie per se besser ist, sondern weil sie aktiv gemeinsam gegen Widerstände durchgesetzt wird, ohne zynisch zu werden.
Beide dieses Jahr mit dem Hugo ausgezeichneten Geschichten von Naomi Kritzer („Better living through algorithms“ und „The year without sunshine“) würde ich in dieses Feld einordnen.
Neben Becky Chambers – deren beiden Monk-and-Robot-Novellen wohl explizit als Solarpunk beauftragt wurden, und deren Wayfarer-Serie irgendwo zwischen cozy und Hopepunk liegt – fallen mir eine ganze Reihe neuerer Romane ein, die für mich in dieses Spektrum passen:
Cory Doctorows Walkaway (2018) in einem futuristischerem Setting, mehr noch sein The Lost Cause (2023) in einer Zukunft, die sich sehr nah anfühlt. Doctorow gelingt es hier hervorragend – ähnlich wie bei Kritzer in „The year without sunshine“ – das Gefühl zu vermitteln, das sich aus erfolgreichem Aktivismus und dadurch neu gefundenem Zusammenhalt ergibt. Möglicherweise ist dieses Gefühl Essenz dessen, was Hopepunk ausmacht.
Ruthanna Emrys A Half-Built Garden (2022) spielt in den 2080er Jahren und ist einerseits eine First-Contact-Geschichte, andererseits aber eben auch ein sehr gut erzähltes Buch über Menschlichkeit, Hoffnung und eine solarpunkige Technologie, die dies unterstützt. (Und auch ihre Innsmouth-Legacy-Serie – die Lovecraft von der anderen Seite zeigt – könnte in die Kategorie Hopepunk fallen).
L.X. Beckett erzählt in Gamechanger (2019) und Dealbreaker (2021) von einer Zukunft etwa eine Generation nach dem großen Zusammenbruch durch Klimakrise etc. – entsprechend stehen der Wiederaufbau und die Erneuerung ökologische Kreisläufe im Vordergrund. Die Bounceback-Generation verkörpert entsprechende Werte, ist aktivistisch und prosozial.
Immer wieder werden auch Terry Pratchetts Bücher als Beispiele für Hopepunk genannt – gerade für die Tiffany-Aching-Romane finde ich das durchaus nachvollziehbar. Hier sind wir dann aber erneut im Feld der retroaktiven Genre-Zuschreibung – und auch Le Guins The Dispossessed (1974) oder einige der oben genannten Werke von Kim Stanley Robinson ließen sich ebenfalls gut nennen.
Veränderte Narrative
Insofern mag das Bedürfnis, nicht nur über düstere Zukünfte zu schreiben und Warnungen an die Wand zu malen, sondern zu zeigen, wie wichtig Menschlichkeit, Empathie und gemeinschaftliches Handeln sind, um etwas zu erreichen, keine ganz neue Erscheinung sein – mit oder ohne politische Programmatik als Überbau.
Dennoch lässt sich feststellen, dass dieser Aspekt von Science Fiction und Fantasy in den letzten Jahren wieder stärker in der Vordergrund tritt. Wenn Science Fiction in diesen Zeiten mit Hilfe näherer und fernerer Zukünfte erlebbar macht, was menschliche ausmacht, dann auch deswegen, weil diese Haltung und entsprechende Vorbilder heute dringend gebraucht werden.
Ob Science Fiction Politik – oder mindestens die Wissenschaft und die Technologieentwicklung – beeinflusst, ist strittig. Politik greift jedoch auf Bilder und Ideen zurück, die da sind. Insofern spielt es eine Rolle, welche Geschichten erzählt werden, und welche Ästhetiken präsent sind.
Cyberpunk hat es geschafft, eine düstere Ästhetik im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Das ist deswegen gelungen, weil diese Geschichten, weil diese Ästhetik einen bestimmten Zeitgeist angesprochen haben, ein Echo hervorgerufen haben.
Ich möchte glauben, dass wir in Zeiten leben, in denen hervorragende Hopepunk-Romane mit ihrer sozialpsychologischen Tiefenstruktur (und von mir aus auch mit einer solarpunkigen Ästhetik) ein Bedürfnis erfüllen und das Zeug dazu haben, zu kollektiven Ankerpunkten zu werden. Vielleicht ist das Gegenstück zum Neuromancer noch nicht geschrieben oder noch nicht übersetzt worden; vielleicht ist es auch unnötig, auf den einen großen Roman zu setzen. Versatzstücke von Solarpunk und Hopepunk finden sich in vielen Texten, Bildern und auch in Serien und Filmen, kursieren auf Tumblr und Instagram. Vielleicht reicht das aus, um eine solche Ästhetik zu verankern. Zu hoffen wäre es.
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Science Fiction und Fantasy im April 2024
Neben Kurzgeschichten habe ich im April eine Reihe wirklich eindrucksvoller Romane gelesen. Ich fange mal mit den Kurzgeschichten an:
Das war zum einen der Sammelband Glass and Gardens: Solarpunk Summers (2018), herausgegeben von Sarena Ulibarri. Größtenteils schöne Geschichten, aber so ganz warm werde ich mit dem Genre nicht. Die Mischung zwischen hoffungsvoll und gemütlich einerseits und punk andererseits ist … nicht ganz einfach. Und die eine oder andere Geschichte ist mir dann schlicht zu wenig ambivalent, zu naiv. Aber vielleicht braucht’s das ab und an doch.
Dann habe ich von Naomi Kritzer die Geschichte „The Year Without Sunshine“ (2023) gelesen. Auch irgendwie Solarpunk, oder: was passiert, wenn ganz normale Leute in einem ganz normalen Wohnblock etwas, das sich stark nach Apokalypse anfühlt, überstehen müssen. Mehr will ich nicht verraten, aber sehr schön gemacht. Und anders als erwartbar. (Daraufhin habe ich dann auch Kritzers Sammelband Gift of the Winter King and Other Stories (2011) gelesen und wurde nicht enttäuscht: auch hier viele enttäuschte Erwartungen und Dinge, die anders sind, als sie anfangs scheinen. Wer Kurzgeschichten mag, und Kritzer noch nicht kennt, ist da gut aufgehoben).
Dann wie angekündigt, die Bücher. Emily Wilde’s Map of the Otherlands (2024) von Heather Fawcett ist eine gelungene Fortsetzung des ersten Bands, die größten Teils in den Schweizer Alpen – und teilweise in Feenreichen – spielt. Wild und gefährlich, aber nicht zu düster, mit einem ordentlichen Schuss Romantik – und einem etwas abrupten Ende. Aber der dritte Band ist schon für 2025 vorbereitet.
Beeindruckt hat mich Cahokia Jazz (2023) von Francis Spufford. Das ist auf den ersten Blick pures noir aus den 1920er Jahren, mit zwei heruntergekommenen Polizisten, blutigen Verbrechen, Verstrickungen zwischen Halbwelt und Industriebossen und so weiter. Die Hauptperson, Joe Barrow, ist nicht nur Polizist, sondern auch begnadeter Jazz-Pianist (mit düsterer Kindheit). Ach so, und er wird für takouma gehalten, spricht aber nur wenige Worte Anopa. Denn die Metropole Cahokia existiert in unserer Realität nicht. Sie liegt ungefähr da, wo St. Louis am Mississippi zu finden ist, und wird von takouma – den Abkömmlingen der Native Americans, taklousa – Menschen mit afrikanischer Herkunft – und europäischen takata bewohnt. Anopa ist die lingua franca dieses indigenen Staates, der gerade dabei ist, Teil der Vereinigten Staaten zu werden. Die Mafia, der Klan und diverse andere Akteure haben ein Interesse daran, einen Vorwand zu finden, die Macht in Cahokia zu übernehmen. Dass dort „Sonne“ und „Mond“ faktisch weiterhin die Macht haben, dass Land nicht verkauft, sondern nur verpachtet wird, dass hier Anopa gesprochen wird und nicht Englisch – all das ist diesen Gruppen ein Dorn im Auge. Und so wird aus dem Krimi ein Wettlauf gegen die Zeit. Spuffords Alternativgeschichte ist trotz des 1920er-Noir-Themas deutlich lesbarer und stellenweise auch humorvoller als Chabons The Yiddish Policemen’s Union. Das Setting ist nicht nur Setting, sondern wird zum originären Teil der Geschichte, die nur hier möglich ist.
Auch Ruthanna Emrys Winter Tide (2017) spielt in einer alternativen Version der Vereinigten Staaten. Wir befinden uns in den 1940er Jahren, der zweite Weltkrieg ist vorbei. Neben Bürger*innen japanischer Abstammung waren auch die amphibischen Bewohner*innen von Innsmouth (New England) der Verfolgung und Internierung ausgesetzt; nur die in den Ozean entflohenen „Deep Ones“ haben überlebt – und Aphra, die Hauptperson dieses Romans, sowie ihr Bruder Caleb. Emrys stellt Lovecrafts Cthulhu-Mythos hier vom Kopf auf die Füße. Magie ist real; neben den uns bekannten Menschen „der Lüfte“ leben auch Wasser- und Erdmenschen, und überhaupt ist dieser Teil unserer Geschichte nur ein Bruchteil der kosmischen Geschichte. Für Aphra ist Cthulhu Teil ihrer Religion. Gemeinsam mit einer unwahrscheinlichen Gruppe von Held*innen macht sie sich auf die Suche nach den Überresten ihrer Zivilisation, nach den in Innsmouth geraubten Büchern und Überlieferungen. Emrys erzählt das mit viel Empathie, so dass deutlich wird: der eigentliche Horror sind nicht die „Monster“ Lovecrafts. (Siehe dazu auch diese Nicht-Besprechung durch Ada Palmer und, wo wir bei Kurzgeschichten sind, diese hier – ganz anderes Setting, aber ähnliches Thema).
Zu Walk the Vanished Earth von Erin Swan (2022) habe ich mir „verstörend, surreal, aber irgendwas stimmt mit der Mars-Gravitation nicht“ notiert. Das Buch erstreckt sich von 1873 bis 2073 a la David Mitchells Cloud Atlas über mehrere Generationen einer Familie, beginnt – nicht, dass chronologisch erzählt würde – bei der Bisonjagd in der amerikanischen Prärie und endet mit Spaziergängen auf der Mars-Oberfläche. Die Welt endet mehrfach, es geht um Überleben und das Sich-Durchkämpfen ambivalenter Charaktere in tragischen Situationen, um Mord, aber auch um gefundene und gewollte Gemeinschaften und Wahlfamilien. Sehr phantasievoll, streckenweise sehr düster, und nicht so leicht zu ertragen, aber immer interessant. Manche Handlung folgt eher einer Traumlogik, egal, ob in den 1970ern oder 2027. Insgesamt eines der Bücher, das mich im April beeindruckt hat.
Und auch The Deep Sky von Yume Kitasei (2023) ist durchaus empfehlenswert. Das Motiv des Generationenschiffs und der damit verbundenen Konflikte wird hier mal anders durchgespielt. Nonbinärer Feminismus, virtuelle Welten, eine fragwürdige Eliteausbildung und schwierige Mütter-Töchter-Beziehungen kommen ebenso vor wie Sabotage und ein aufzuklärender Mord. Die Hauptfigur Asuka hat japanisch-amerikanische Wurzeln und fühlt sich zwischen beiden Welten. Nicht nur deshalb geht es auch um Außenseitertum und Fremdheit. Also: ziemlich viel, was in den Phoenix, wie hier das Generationenschiff heißt, gepackt wurde – und ein lesenswertes Buch, das bis zuletzt spannend bleibt.
Angeschaut habe ich mir vor allem Serien – die fünfte Staffel von Star Trek: Discovery macht sich gut, und auch die ersten paar Folgen von Three Body Problem halten, was versprochen wurde (auch wenn vieles anders ist als im Buch). In Fallout habe ich – ohne das Videospiel zu kennen – mal reingeschaut, weiß aber noch nicht, ob das was für mich ist – interessantes Setting, aber dann doch arg blutig und zu viel post-apokalyptische Gewalt und zu wenig Alltag im Fallout-Shelter. Gesehen habe ich außerdem Damsel, eine recht gut gemachte Umdrehung der Rettet-die-Prinzessin-Geschichte.
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