Kennen Sie schon … das Wiki zu den Meistersiegeln der Nürnberger Steinmetzbruderschaft?
» https://meistersiegel.tibwiki.io/wiki/Main_Page
Hintergrund-Informationen zu dieser Sammlung gibts im Blog der @tibhannover :
https://blog.tib.eu/2026/05/11/eingepraegte-geschichte-das-meistersiegel-wiki-ist-online/
#Nürnberg #Architektur #Baugeschichte #GESAH+ #Siegel #Wikibase

Eingeprägte Geschichte – das Meistersiegel-Wiki ist online

Wer im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwas auf sich hielt, der führte ein eigenes Wappen oder eine individuelle Marke, mit der er auf Dokumenten oder Urkunden siegelte. Auch bei den Meistern der Nürnberger Steinmetzbruderschaft war es Brauch, Gutachten oder Pläne mit ihren eigenen Meisterzeichen zu kennzeichnen. Meist geschah das in Form von Blind- oder Prägesiegeln, die mit einem Ring oder Stempel in das Papier eingedrückt wurden. In einer an der TIB im Open Science Lab in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der Leibniz Universität Hannover entwickelten Wikibase-Instanz, dem Meistersiegel-Wiki, werden nun erstmals solche Siegel erfasst und systematisch beschrieben.

Blatt gr D Z 1: 5, Sammlung A. Haupt

Die Nürnberger Proberisse – besondere Zeugnisse der Steinmetzausbildung

Als Corpus für die Erfassung dient ein bisher kaum von der Forschung wahrgenommenes Konvolut von 34 Blättern mit sogenannten „Proberissen“, das sich in der Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragenen Sammlung des Hannoveraner Bauhistorikers und Architekten Albrecht Haupt (1852-1932) erhalten hat.

Blatt gr D Z 1: 5, Slg. A. Haupt

Diese Risse entstanden im Rahmen des Meisterstücks, das der Geselle zur Erlangung des Meisterstatus anzufertigen hatte und zeigen musterhafte Entwürfe und Konstruktionen von Gewölbeanlagen und Gebäuden. Schon früh wurden diese Blätter in das Umfeld der Nürnberger Steinmetzbruderschaft eingeordnet, ohne jedoch im Hinblick auf ihre Provenienz und Zusammensetzung genauer betrachtet worden zu sein.

Als Architektur- und Werkzeichnungen, die im Kontext der Steinmetzlehre angefertigt wurden, sind sie besondere Zeugnisse der handwerklichen Ausbildung im Bauwesen in der Übergangszeit ab dem Spätmittelalter bis zur Auflösung des Zunftwesens Ende des 18. Jahrhunderts.

Die zahlreichen, auf den Blättern oft kaum sichtbaren Blindsiegel der prüfenden Meister machen sie zu einem besonderen Studienobjekt, zumal es sich um ein individuelles – bislang nur für die Nürnberger Steinmetzbruderschaft nachweisbares − Phänomen handelt.

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts zur Erschließung der umfangreichen, heute in der TIB aufbewahrten Sammlung Haupts (GESAH) ist das Konvolut der Proberisse Bestandteil einer Tiefenerschließung und diente mit seinen Meistersiegel- bzw. Meisterstempelabdrücken als Fallstudie zur Verknüpfung mit der Forschungsdateninfrastruktur von NFDI4Culture.

Das Meistersiegel-Wiki

Die neue Wikibase-Datenbank zu den Meistersiegeln erfasst sämtliche Siegelmotive, die sich als Blindsiegel-Prägungen auf den Blättern erhalten haben. Mit ihrer Erfassung lassen sich Beziehungen der Siegler untereinander und zeitliche Entstehungszusammenhänge innerhalb der Blätter, aber auch zu darüber hinaus vorhandenen Quellenmaterialien nachvollziehen.

Vorbereitend für die Erfassung der Nürnberger Meistersiegel in einer eigenen Wikibase-Instanz wurden alle erkennbaren Siegelabdrücke umgezeichnet, in ihren jeweiligen Charakteristika, Kombinationen und Gruppierungen tabellarisch aufgenommen und beschrieben. Für die Beschreibungen der auf den Siegeln enthaltenen Steinmetz- und Hausmarken wurden eigene, auf der Fachterminologie der Blasonierung basierende Kategorien entwickelt und ein umfangreiches fachspezifisches Glossar angelegt. Insgesamt ließen sich auf diese Weise 18 unterschiedliche Siegel auf den Blättern identifizieren und beschreiben, drei weitere konnten nur im rudimentären Zustand erfasst werden. Weitere neun Siegelmotive wurden aus der historischen Literatur in die Aufstellung übernommen.

Im Abgleich mit den im Zuge der Archiv- und Literaturquellen ermittelten über 150 belegbaren Meister konnte ein Großteil der Siegler identifiziert werden. Über die überlieferte Kombination der Siegel wurden so genauere entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge sichtbar, die unter anderem zur Korrektur der zeitlichen Einordnung und Reihenfolge von bislang nur über die Wasserzeichen grob datierbaren Zeichnungen führte.

Für den Aufbau der Wikibase wurden Klassifizierungen und Unterklassifizierungen vorgenommen, die ein bestmögliche und anschauliche Darstellung der Bezüge zwischen Siegel, Sieglern, den jeweiligen Trägern, ihren inhaltlichen und formalen Merkmalen (zum Beispiel Wasserzeichen) erlauben.

Für die Siegel wurden zunächst feste IDs vergeben. Basierend auf den beschreibenden Properties Siegeln lassen sich über sogenannte Qualifiers komplexere Merkmale und Aussagen zu Siegel und siegelführender Person angeben und verknüpfen. Weitere Informationen zu Objekten und Personen (zum Beispiel Referenzen auf Archiv- und Literaturquellen oder Bemerkungen zur Identifizierung der Siegel) können durch eine Kommentarfunktion ergänzend hinzugefügt werden. Bei den Werkeinträgen im Vitro/SAH-Portal ist ein direktes Referenzieren auf die IDs der Marken möglich. Gleichzeitig sind über die Wiki-Base direkte Verweise auf die Pläne mit ihren Werkeinträgen im SAH-Portal angelegt.

Eine Besonderheit ist das mit Piktogrammen unterstützte Glossar, das als begleitendes Corpus zu den beschreibenden Feldern der Siegelmotive und der Zusammensetzung der jeweiligen Marken herangezogen werden kann. Es beruht auf einem vereinheitlichten Fachvokabular (angelehnt an das Vokabular der Blasonierung für Hausmarken), auf das nun generell referenziert werden kann.

Durch die fokussierte Betrachtung eines einzelnen – leicht übersehbaren – Phänomens auf den Nürnberger “Proberissen” können nun neue Einsichten in die Geschichte und Entwicklung des Bauhandwerks und der Baupraxis in der Frühen Neuzeit gewonnen werden. Gleichzeitig wurde eine Wissensdatenbank aufgebaut, die mit ihren gesammelten Daten im Linked-Data-Format öffentlich zugänglich und verknüpfbar ist und in Zukunft weiter kollaborativ bearbeitet und erweitert werden kann.

#LizenzCCBY40INT #OpenScienceLab #Wikibase #GESAH #SammlungHaupt #Wikibase4NFDI #Nürnberg #Meistersiegel #Steinmetzzeichen

Wikibase for Digital Humanities, documentation by the DARIAH-EU DHwiki working group:

"These pages explore the significant role of Wikibase, the software behind Wikidata, as a powerful and versatile tool for creating structured knowledge bases following the principles of Linked Open Data (LOD). "

https://dhwiki.wikibase.cloud/wiki/Documentation

#wikibase #wikidata #mediawiki @wikimediaDE

Normdaten & Personendaten: Anreicherung mit Wikibase
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#HERMES #Wikibase #Enriching #BringYourOwnData #TrierUniversity

Upgrade abgeschlossen: Semantic Wikibase kompatibel mit MediaWiki 1.43

Wir freuen uns, bekanntzugeben, dass Semantic Wikibase erfolgreich auf Kompatibilität mit MediaWiki 1.43 aktualisiert wurde. Mit diesem Schritt stellen wir sicher, dass Semantic Wikibase weiterhin mit der aktuellen Longterm-Support-Version von MediaWiki kompatibel bleibt und als stabile Grundlage für semantisch angereicherte Wissensinfrastrukturen dient.

Über Semantic Wikibase

Viele Forschungsprojekte setzen das Mediawiki-Framework als Werkzeug für Forschungsdatenmanagement ein. Mit über 1.500 Erweiterungen lässt sich dieses an die individuellen Anforderungen anpassen:

  • als reines Wiki mit Text und Medien, organisiert in Artikelseiten nach dem Vorbild von Wikipedia,
  • als strukturierte Wissens-Datenbank zur Linked-Open-Data Implementierung von Wissensgraphen und Terminologien mittels Wikibase,
  • als semantischer Wissensspeicher zur Datenvisualisierung mittels Semantic Mediawiki.

Semantic Mediawiki vs. Wikibase

Insbesondere Wikibase und Semantic Mediawiki werden häufig im Forschungsumfeld verwendet. Beide Erweiterungen haben unterschiedliche Stärken und Schwächen:

Vergleich von Wikibase and SMW (Grafik by Bernhard Krabina)

Semantic Mediawiki und Wikibase

Die Entwicklung von Semantic Wikibase (SWB) ermöglichte es erstmals, beide Erweiterungen gemeinsam auf einem System zu verbinden und so die Vorteile beider Systeme gemeinsam zu nutzen. Während strukturelle Wissensdaten in Wikibase gespeichert und verwaltet werden, sorgt die SWB-Erweiterung dafür, dass diese auch in Semantic Mediawiki für die Visualisierung in Wiki-Artikeln verfügbar sind. SWB dient also quasi als Brücke zwischen den beiden Erweiterungen, wobei der Datenfluss nur von Wikibase nach Semantic Mediawiki (nicht umgekehrt) erfolgt. Dies dient dazu, Datenkonflikte zu vermeiden.

Semantic Wikibase wurde im September 2020 in einer ersten Version vom Unternehmen ProfessionalWiki veröffentlicht. Dieser erste Prototyp war nur mit der älteren Mediawiki Version 1.35 kompatibel, aber unterstützte bereits grundlegende Datentypen. Im Open Science Lab sahen wir in der Entwicklung einen Baustein, der das Potenzial hat, im Mediawiki-Umfeld eine bedeutende Lücke zu schließen: Die Kombination aus strukturierter, föderierbarer Datenverwaltung und Datenpräsentation. Unser Ziel war es, die Erweiterung zu testen, bei Bedarf weiterzuentwickeln und künftig als unser Content-Management-System zur Unterstützung von Forschungsprojekten zu verwenden.

Case Studies

Mitte 2024 wurde mit dem Projekt PhiWiki ein erster Prototyp für Mediawiki 1.39 in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz sowie der AG Digitale Philosophie erfolgreich getestet. Es folgte mit Semantic Glossar ein weiteres Projekt zur kollaborativen Entwicklung von Terminologien mittels Semantic Wikibase.

Ende 2024 konnten wir im Rahmen des Projekts Herrenhäuser des Ostseeraums Semantic Wikibase dann in einem umfangreichen Projekt einem herausfordernden Lasttest unterziehen. Mit über 14.000 Wikibase-Objekten, die auf mehr als 300 Artikelseiten dynamisch eingebettet als Karten, Zeitstrahlen, Tabellen und Suchformulare verwendet werden, konnten wir die bestehenden Schwächen von Semantic Wikibase identifizieren und beheben. Dazu gehörte unter anderem die Unterstützung des vollen Wikibase-Datenmodells mittels Qualifiers, eine erste grundlegende Unterstützung des Extended Datetime Formats (EDTF) sowie die Einbettung von 3D-Visualisierungen aus Semantic Kompakkt. Entscheidend war hierfür die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem Enwicklerteam und den LOD- und Wikibase-Datenmodell-Expertinnen Lozana Rossenova und Lucia Sohmen.

Die im Projekt entwickelten Best-Practices umfassten unter anderem:

Warum MediaWiki 1.43 wichtig ist

Mit der Version 1.39 war Semantic Wikibase kompatibel mit der damaligen Longtime Support Version(LTS) von Mediawiki. Diese Unterstützung war aber gemäß des Mediawiki Lifecycle nur bis Ende 2025 gegeben.

MediaWiki 1.43 bringt als aktuelle LTS-Version (Support bis 2028) zahlreiche technische Verbesserungen, Performance-Optimierungen sowie langfristige Wartungsvorteile mit sich. Für viele Wikibase-Installationen ist die Orientierung an den aktuellen MediaWiki-Versionen essenziell, um Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten. Durch Versionskonflikte zwischen verwendeten Bibliotheken in Wikibase und Semantic Mediawiki, konnte SemanticWikibase aber nicht ohne Anpassung in dieser neuen Version eingesetzt werden.

Unsere größte Befürchtung war, dass die aktuellen Versionen grundlegende Änderung vorgenommen hatten, die einen Weiterbetrieb von Semantic Wikibase technisch unsauber bzw. unwirtschaftlich machen würden. Ende 2025 schaffte Open-Science-Lab-Entwickler Lukas Günther die entscheidende Grundlage für das Upgrade, indem er unser Installationstool Wikibase4Research aktualisierte und so mit der Mediawiki Version 1.44 kompatibel machte. Da Semantic Wikibase sich mittels Wikibase4Research automatisiert installieren lässt, war so ein geeignetes Test-Setup geschaffen, um die Entwicklung in Angriff zu nehmen. Letzendlich war es uns so möglich, Semantic Wikibase mit der aktuellen LTS-Version von Mediawiki zu betreiben und das sogar ohne Änderungen am Wikibase- oder SemanticMediawiki-Code vorzunehmen. Sämtliche bisher unterstützten Datentypen sind auch weiterhin funktional, was auch ein Update bestehender Installationen auf die neue Version ermöglicht.

Unterstützte Datentypen in Semantic Wikibase, visualisiert im Semantic Browser von SMW

Ausblick

Die kontinuierliche Synchronisierung von Semantic Wikibase mit dem MediaWiki-Releasezyklus ist ein zentraler Baustein für nachhaltige, semantische Wissensinfrastrukturen. Mit diesem Update schaffen wir die Grundlage für kommende Weiterentwicklungen und eine langfristig stabile Integration in das Wikibase-Ökosystem. Der Einsatz von Semantic Wikibase bedeutet für unsere Forschungsdaten- und Terminologie-Projekte im Open Science Lab:

  • Fokussierung auf eine gemeinsame technologische Basis für alle Projekte
  • Bündelung von Wissen und Ressourcen
  • Zeitersparnis bei der Projektumsetzung durch Best Practices und Synergieeffekten zwischen Projekten
  • Koordinierter Aufbau von Services innerhalb eines bestehenden Software Ökosystems
  • Support der Open-Source und Linked-Open-Data Community durch unsere Entwicklungen

Wir freuen uns auf die weitere Entwicklung und die vielfältigen kommenden Projekte mit Semantic Wikibase.

Relevante Links

#linkedOpenData #semanticPublishing #SemanticKompakkt #SemanticMediawiki #LizenzCCBY40INT #Wikibase4Research #OpenScienceLab #SemanticWikibase #Wikibase #WeLoveFreeSoftware #NFDI4Culture #SemanticWeb

Bessere KI-Antworten – auch ohne Hochleistungsrechner

KI-Systeme, die Texte nicht nur generieren, sondern gezielt in Dokumenten recherchieren, sind mittlerweile etablierter Stand der Technik. Einer dieser Ansätze heißt Retrieval-Augmented Generation (RAG): Stellt ein Benutzer eine Frage, sucht das System relevante Informationen in einer Wissensbasis – zum Beispiel in einem Wiki – und nutzt diese als Grundlage, um relevante Inhalte bzw. Quellen aufzulisten oder mittels KI Antworten daraus zu generieren.

Das Problem: Damit ein solches System gut funktioniert, müssen viele Stellschrauben richtig eingestellt werden. Diese sogenannte Hyperparameter-Optimierung ist normalerweise entweder zeitaufwändig oder rechenintensiv und in jedem Fall technisch anspruchsvoll. Unsere aktuelle Untersuchung zeigt jedoch: Eine automatisierte Optimierung ist möglich – sogar auf einem normalen Laptop.

Ausgangslage

Grundlage unserer Untersuchung im Open Science Lab war die Weiterentwicklung unseres RAG-Moduls für Wikibase4Research. Mit dem zuvor bestehenden System war es bereits sehr einfach möglich, eine Mediawiki Installation zu erhalten, deren Inhalte KI-gestützt via RAG durchsuchbar sind. Egal ob es nun um Artikelseiten in einem einfachen Mediawiki, strukturierte Wissensdaten in einer Wikibase oder eine Kombination aus beidem wie zum Beispiel Semantic Mediawiki oder Semantic Wikibase geht.

Eine Einführung in die grundlegende Funktionsweise von RAG und Wikibase4Research liefert das folgende Video:

Um eine hohe Qualität der KI-basierten Suchergebnisse und Antworten zu erhalten, ist es aber nötig, das System entsprechend der verwendeten Daten zu konfigurieren. Für diese Einstellungen gibt es keine Standardfälle, es gehört in das Arbeitsfeld eines Data Scientist die Systemparameter zu testen und zu verbessern. In diesem Prozess wird daher klassisch ein hohes Maß an Erfahrung und Fachwissen benötigt, um optimale Ergebnisse zu erhalten.

Die Alternative ist der nun in Wikibase4Research integrierte AutoRAG Ansatz, der die Parameter vollautomatisch optimiert. Dieser Prozess wird im Farchjargon „Hyperparameter Tuning“ oder auch „Hyperparameter Optimierung“ genannt.

Anforderungen

Die Rahmenbedingungen für ein Hyperparameter Tuning können sehr unterschiedlich sein. In unserem Fall ergeben sich die Anforderungen vor allem aus der Nutzergruppe von Wikibase4Research.

Forscher/Innen

Im Forschungskontext haben wir es mit fächerspezifischen Daten zu tun. Die beteiligten Wissenschaftler sind Experten in ihrer jeweiligen Fachdomäne. Expertise im Bereich spezieller Data-Science-Anwendungen ist in den Projektteams meist nicht vorhanden. Dies ist durchaus sinnvoll, denn das Projektteam ist somit auf die im Projekt zu bearbeitenden Forschungsfragen spezialisiert.

Daten

Für die Optimierung wird ein Test-Datensatz benötigt, der mögliche Fragen (Suchanfragen) mit den optimalen Quellen in den Daten verknüpft. Dieser Datensatz wird mit den Suchergebnissen des Systems verglichen, um die Qualität der Systemeinstellung bewerten zu können (Idealdaten). Solche Testdaten liegen in den überwiegenden Fällen nicht vor.

Endnutzer/Innen

Wer nutzt die Daten letztendlich und welche Art von Anfragen werden gestellt? Diese Frage ist entscheidend bei der Optimierung. Werden die Endnutzer spezifische Fakten aus den Daten abfragen wie zum Beispiel Jahreszahlen bestimmter Ereignisse oder eher Zusammenfassungen ganzer Absätze oder Artikel erwarten? Zu welchen Themen werden voraussichtlich Fragen gestellt? Erwarte ich eher Fragen zum Inhalt der Daten oder Fragen auf der Metaebene wie zum Beispiel zur Anzahl von Quellen, der Struktur und Länge von Texten, des Schreibstils oder zur Medienart? Werden Suchanfragen von Wissenschaftlern im Fachjargon gestellt oder eher in Umgangssprache formuliert? Die frühzeitige Definition grundlegender Personas für die zu erwartende Nutzergruppe hilft nicht nur bei der Optimierung von RAG, sondern ist auch ein wichtiger Schritt bei der Erstellung von Design und Benutzeroberflächen in der Präsentation der Forschungsergebnisse.

Infrastruktur

Hohe Rechenkapazitäten, Zugang zu GPU-Processing und Budget für industrielle KI-Services ist in vielen Projekten nicht vorhanden. Wikibase4Research bietet die Option, externe Schnittstellen wie Huggingface, OpenAI oder die SAIA-Umgebung der GWDG zur Ausführung von KI-Modellen zu nutzen. Die dort bestehenden Limits für kostenlose Nutzung reichen aber meist nicht aus, um die Vielzahl an Parameter-Konfigurationen zu testen, die zur Optimierung eines RAG-Systems notwendig ist. Ideal wäre also, die Ausführung lokal auf allgemein verfügbarer Hardware durchführen zu können, was auch unter dem Aspekt der ressourcenschonenden Nutzung von KI ein erstrebenswertes Ziel ist.

Es ergibt sich für unseren Ansatz daher folgender Anforderungskatalog:

  • Anpassung auf die verwendeten Daten
  • vollautomatische Optimierung
  • keine technischen Vorkenntnisse nötig
  • Test-Datensatz wird generiert
  • User-Persona-Profile berücksichtigen
  • möglichst effizient, mit geringem Ressourcenbedarf

Methodik

Daten

Als Datengrundlage dienten jeweils 50 zufällige Artikel aus drei MediaWiki-basierten Wissenssammlungen:

Um die Qualität der Suche zu bewerten, wurden automatisch Frage-Kontext-Antwort-Tripel erzeugt. Zum Einsatz kam dafür das mehrsprachige Sprachmodell IBM Granite 4 350M Nano, das speziell für Umgebungen mit geringer Rechenleistung wie zum Beispiel für On-Device-Anwendungsfälle entwickelt wurde.

LLM-Prompt

Um hinsichtlich der erwarteten Nutzung realistische Fragen zu generieren, wurde der an das Modell gelieferte Prompt („Erstelle Fragen aus dem Seiteninhalt“) um speziell angepasste Rollenbeschreibungen (Personas) ergänzt, die per Konfigurationsdatei individualisiert werden können. Eine solche Persona-Definition könnte zum Beispiel lauten: „You are a scientist who wants to learn about historic manorhouses in Europe“.

Parameter

In einem RAG-Prozess werden die zu durchsuchenden Daten in einer speziellen Datenbank indiziert, um später schnell und effizient relevante Inhalte zu finden.

Information Extraction und Indizierung von Daten in einem RAG-Prozess

Die meisten von uns verwendeten Parameter optimieren diesen Prozess der Informations Extraktion (IE). Dabei wird bestimmt, in welcher Form die Daten gespeichert werden und ob diese ggf. vor dem Speichern um Metadaten wie Schlagworte, Titel oder Zusammenfassungen ergänzt werden. Für die Vektorisierung verwendeten wir das Modell Qwen3-embedding:0.6B. Die mittels AutoRAG optimierten Parameter sind im Folgenden aufgelistet:

  • Chunk_Size: Wie groß sind die Informationsabschnitte, die später zugreifbar sein sollen?
  • Chunk_Overlap: Wie stark überlappen sich die Informationsabschnitte?
  • Extractors: Welche Datenanreicherungen sollen erfolgen (zum Beispiel Zusammenfassung erstellen, Fragen generieren)?
  • Top_K: Wieviele Chunks werden als Suchergebnis geliefert?

Sind die Daten eingelesen und wird eine Suchanfrage gestellt, wird das System nach relevanten Informationsabschnitten durchsucht. Dieser Prozess wird „Information Retrieval“ genannt. Man kann es mit den Ergebnissen einer Google-Suche vergleichen, bei der die relevantesten Ergebnisse nicht zwangsläufig an erster Stelle der Liste stehen.

Information Retrieval in einem RAG Prozess

Information Retrieval bedeutet, zur Frage des Nutzers relevante Informationen zu finden. In diesem Prozessschritt optimieren wir den Parameter „Top_K“, der definiert, wie viele der Suchergebnisse im weiteren Prozess berücksichtigt werden. Ist Top_K zu klein, sind wichtige Quellen eventuell nicht enthalten. Ist Top_K zu groß, verarbeitet man eventuell eine große Menge wenig relevanter Inhalte.

Optimierungsverfahren

Statt alle möglichen Kombinationen auszuprobieren (was sehr lange dauern würde), kommt ein Suchalgorithmus zum Einsatz, der die verschiedenen Parameter stufenweise verbessert. Dieses als Greedy („gierig) benannte Verfahren optimiert zunächst nur einen einzigen Parameter, dann den nächsten usw. Wir verzichten damit auf optimale Lösungen, erreichen aber hinreichend gute Ergebnisse mit akzeptablem Aufwand.

Als Bewertungsmaß für die Optimierung dient dabei der sogenannte Mean Reciprocal Rank (MRR) – ein Maß dafür, an welcher Position relevante Inhalte in der Trefferliste platziert sind. Ein entscheidender Vorteil:
Die Bewertung erfolgt vollständig ohne KI-Antwortgenerierung. Es wird also nur getestet, wie gut das System relevante Inhalte findet, nicht wie gut eine KI daraus später Antworten generiert. Dadurch wird erheblich Rechenzeit gespart.

Antwort Generierung in einem RAG Prozess. Diese Phase wurde in der Optimierung NICHT berücksichtigt

Technische Umsetzung

Die Implementierung erfolgte vollständig im MediaWiki-Umfeld mit:

  • Wikibase4Research
  • einer Docker-basierten Python-API
  • dem RAG-Framework LlamaIndex
  • lokaler Modellbereitstellung über Ollama

Die Experimente liefen auf einem handelsüblichen Laptop aus dem Jahr 2022 (Dell Latitude 5421, Intel Core i7-11850H mit 8 Kernen, 16 GB RAM) – ohne GPU-Beschleunigung.

Ergebnisse

Trotz der bewusst schlanken Hardware-Ausstattung konnte die Optimierung meist bereits innerhalb einer Stunde abgeschlossen werden. Dabei wurde bei allen Datensätzen eine starke Verbesserungen der Abfrageergebnisse erzielt.

Für unser Qualitästmaß, den Mean Reciprocal Rank (MRR), ergab sich eine Steigerung von durchschnittlich 12 bis 25 Prozent gegenüber den voreingestellten Parametern. Das bedeutet, in den Ergebnissen der Suchanfrage waren mehr relevante Quellen aufgeführt und relevante Quellen standen in der Ergebnisliste an höherer Stelle als zuvor. In einzelnen Datensätzen ergaben sich sogar Verbesserungen von bis zu 50 Prozent. Dabei ließen sich vergleichbare Ergebnisse auch mit Artikeln erreichen, die nicht Teil der Optimierungsschleife waren (Cross-Validation).

Warum ist das relevant?

Für wissenschaftliche Infrastrukturen wie digitale Bibliotheken, Fachrepositorien oder Forschungsdatenplattformen ist es entscheidend, KI-Systeme effizient und ressourcenschonend betreiben zu können. Die Ergebnisse zeigen: Sinnvolle RAG-Optimierung ist auch ohne Rechenzentrum machbar.

Das senkt technische Hürden, reduziert Kosten und macht den Einsatz moderner KI-Technologien auch in kleineren Projekten realistisch.

Ausblick

Die für die Suche verwendeten Embedding-Vector-Modelle haben einen erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse (vgl. Orbach et al. (2025)) und zwar sowohl auf die Rechenzeit als auch auf die Ergebnisqualität. Dabei zeigen Modelle nicht auf allen Datensätzen die gleichen Ergebnisse.

Es ist auch nur begrenzt möglich, die Optimierung mit extrem kleinen oder schnellen Embedding-Modellen auszuführen und die optimierten Parameter dann zusammen mit einem anderen, leistungsfähigen Modell im Live-Betrieb einzusetzen. Sind die eingesetzten Embedding-Modelle nicht angepasst genug an die verwendete Wissensdomäne, liefert auch die Optimierung nur suboptimale Ergebnisse.

Genau an diesem Punkt wird unsere Arbeit im Open Science Lab in der nächsten Zeit ansetzen. Gemeinsam mit den Fachinformationsdiensten FID Material Science, FID Move, FID Pyhsik und FID Philosophie evaluieren wir die Möglichkeit einer stärkeren Vernetzung von NFDI und FIDs mit dem Ziel, die einzelnen Wissendomänen mit fachspezifischen Embedding-Modellen zu versorgen. Zielsetzung ist es, damit den Zugang zu dieser Technologie noch weiter zu vereinfachen sowie die Qualität der Ergebnisse von KI-Anwendungen im Forschungs- und Bibliotheksumfeld gezielt zu erhöhen.

Prof. Dr. Ina Blümel, Open Science Lab // Foto: TIB/C. Bierwagen

„AutoRAG ist für uns ein wichtiger Innovationsschritt: Es macht RAG in offenen Wissensräumen wie Wikibase messbar, wiederholbar und mit überschaubaren Ressourcen betreibbar. Für Projekte wie NFDI4Culture und weitere Vorhaben im Open Science Lab bedeutet das spürbar bessere, nachvollziehbare KI-gestützte Suche über heterogene Bestände – ohne dass tiefes Spezial-Know-how aufgebaut werden muss. Nächster Schritt ist der Ausbau fachspezifischer Embeddings, kuratierter Testsets und transparenter Workflows, damit die Qualität und Nachnutzbarkeit langfristig steigt.“

Relevante Links

#NFDI4Culture #FID #FIDMove #SemanticMediawiki #FIDMaterialsScience #LizenzCCBY40INT #Wikibase #FIDPhysik #Projekte #RAG #KI

WikiApiary is back online after having been down and overloaded for a long time.

Bawolff brought it back and did a ton of full stack performance work to optimise the whole system. Adding HTTP caching, tuning InnoDB, and more!

https://blog.bawolff.net/2026/03/giving-wikiapiary-kick.html

#MediaWiki #WikiApiary #Wikibase #Wikidata #VinylCache #VarnishCache #MariaDB #MySQL #webperf #SRE

Giving WikiApiary a kick

A few days ago I was listening to some of the talks at MUDCon (The MediaWiki conference aimed at non-Wikimedia uses of MediaWiki). During J...

RE: https://wikipediapodden.se/wikibase-cloud-martyn-ranyard-360/

I got the chance to speak with Martyn Ranyard, Engineering manager at Wikibase Cloud. (Ping @Wikibase ) #Wikibase

@lozross von @tibhannover bei #awl2026 zum ECHOLOT Projekt, das die Europäische Kulturerbe Cloud (ECCCH) und Europeana besser mit dem Wikiversum verbinden soll

#mediawiki #wikibase #wikidata #openglam

Introducing NeoWiki... and more

NeoWiki is the modern #OpenSource collaborative knowledge management solution. Co-presented with @krabina who covered @ECHOLOT_Project

Discover #NeoWiki, MediaWiki #MCP, and #Wikibase extensions via our recap of the #MediaWiki Users and Developers Conference

https://professional.wiki/en/news/our-talks-at-mudcon

Introducing NeoWiki and More at MUDCon

Professional Wiki at MUDCon: introducing NeoWiki for modern structured data, Wikibase extensions overview, and the MediaWiki MCP Server for AI integration.

Professional Wiki