Wenn Trump wirklich einen Plan hat, ist der glasklar: Das iranische Volk soll einen Regime Change durchführen. Also für die Amerikaner die Drecksarbeit machen. Es geht ihm gar nicht um das iranische Volk und dessen Freiheit. Es geht ihm nur um einen „sauberen“ Krieg ohne US-Verluste.
Will sagen: Zunächst einmal geht es ihm darum, Stärke und Unbesiegbarkeit zu zeigen, um seine Popularitätswerte zu steigern. Unter Donald J. Trump, dem GröPraZ, soll Amerika den Erzfeind Iran vernichtend schlagen. Zu null, also ohne amerikanische Verluste. Das geht natürlich nur aus der Luft. Angriffe mit Marschflugkörpern sind schön risikoarm, denn Tomahawks haben die USA wie Sand am Meer, die Dinger können ruckzuck nachgefertigt werden, sie sind nur schwer abfangbar, und vor allem sind sie unbemannt.
Das heißt, wie sich schon herausgestellt hat, geht das gar nicht, denn der Iran hat sehr wohl mit Gegenschlägen US-Basen getroffen. Wahrscheinlich sind die iranischen Angaben über Opfer genauso erstunken und erlogen wie die amerikanischen über gar keine Opfer.
Außerdem geht es darum, eine weitere Ölnation unter Kontrolle zu bekommen. Die USA haben schon das viele venezolanische Rohöl praktisch geschenkt bekommen – oder glaubt irgendjemand, die Amis werden irgendwie dafür bezahlen? Jetzt soll das viele iranische Öl mit dazukommen. Nicht etwa, damit Amerika endlich wieder Spritpreise wie in den 50ern hat, sondern, damit die Ölmultis richtig fette Gewinne einfahren können.
Das Blöde ist nur: Ein Krieg kann nicht allein durch die Luft gewonnen werden. Letztlich werden sie durch Bodentruppen entschieden. So balla-balla Trump auch ist – das weiß auch er.
Er hat aber den Amerikanern und vor allem seinen Anhängern versprochen, keine Kriege mehr zu führen. Im Gegensatz zur Entourage von Bush sen. und jun. sind die MAGA-Leute ja keine geifernden kriegsgeilen Falken. Trump will ja auch unbedingt den Friedensnobelpreis. Genau deswegen will er nur „saubere“ Kriege führen, die Amerika ohne eigene Verluste gewinnen kann. Erst gegen Venezuela, das nach drei Stunden „besiegt“ war, jetzt gegen den Iran. Damit will er sein Ansehen steigern.
Nur wird im Gegensatz zum venezolanischen Militär das iranische nicht so schnell umfallen. Venezuela war für diejenigen, die das Sagen hatten, nichts weiter als ein Selbstbereicherungsapparat. Da funktionierte nichts so richtig wegen der ganzen Korruption. Außerdem hatte Venezuela keinerlei militärische Kapazitäten, die den USA hätten gefährlich werden können. Ich meine, selbst die venezolanische Marine hat nicht versucht, das Land gegen die U.S. Navy zu verteidigen.
Im Iran ist das anders. Der kippt nicht so schnell um, nicht durch reine Luftschläge. Die Zukunft des Irans wird am Boden entschieden. Wenn Trump das selbst entscheiden wollte, bräuchte es eigentlich amerikanische Stiefel auf iranischem Boden.
Während aber die U.S. Navy sowieso ständig auf den Weltmeeren unterwegs ist, müssen Bodentruppen direkt aus den USA entsandt werden. Das würden die Amerikaner mitbekommen. Das letzte Mal richtig kriegsgeil waren sie aber nach 9/11, als sie nach Vergeltung, nein, Rache riefen. Der darauf folgende „War on Terror“ wurde aber im Gegensatz zum Irakkrieg 1993 nicht von CNN hollywoodmäßig zur spektakulären Militärshow hochgejazzt. Und in den 2000ern lernten die Amis wieder, was Krieg eigentlich bedeutet: Ihre Lieben kommen in Kisten nach Hause. Wenn überhaupt.
Das haben sie das erste Mal in den 60ern gelernt, als es in Vietnam richtig losging. Die größte, stärkste, schlagkräftigste, modernste Militärmacht der Welt war nahezu vollumfänglich in Indochina im Einsatz. Das reichte nicht. Eine ganze Generation wurde zu großen Teilen zwangsrekrutiert und nach einem Minimum an Ausbildung direkt an die Front geschickt. Auch das reichte nicht. Die größte, stärkste, schlagkräftigste, modernste Militärmacht der Welt in beinahe ihrer vollen Stärke mit all ihrer High-End-Ausrüstung wurde von ein paar Reisbauern und Fischern gnaden- und chancenlos in den Arsch gefickt.
Die Folge waren Antikriegsproteste in vielen Städten in den USA. Auch der Summer of Love 1967 in San Francisco kam daher. Weil „Krieg ist doof“ aber eine Meinung war, die der Falke Richard Nixon nicht tolerierte, wurden diese friedlichen Proteste von Polizeispezialeinheiten brutal aufgelöst.
Im Iran würde es aber nicht gegen ein paar Bauern oder Fischer gehen. Auch nicht gegen eine Schrottarmee mit alten Sowjetbeständen aus den 60er und 70er Jahren wie im Irak. Sondern gegen eine moderne, hochgerüstete staatliche Armee und zwei mindestens ebenso hochgerüstete, wenngleich verschieden starke klerikale Söldnerarmeen.
Der Iran ist im Gegensatz zum Irak ein nicht gerade bettelarmes Land und hat seine eigene Rüstungsindustrie und Rüstungsforschung. Der Iran verfügt über selbstentwickelte Mittelstreckenraketen, die auch NATO-Territorium in Form der Türkei treffen können. Herrje, der Iran ist Rüstungsexporteur. Das russische Militär setzt in der Ukraine iranische Drohnen ein. Vor den USA hat man keine Angst oder zeigt zumindest keine. Gerade erst ist vom Iran aus einer der beiden Flugzeugträger der Nimitz-Klasse mit vier ballistischen Raketen angegriffen worden. Im übrigen verfügt der Iran höchstwahrscheinlich über Giftgas, das vor gar nicht so langer Zeit gegen Mädchenschulen (!) eingesetzt worden ist.
Schon das iranische Militär ist stärker als das irakische 1993 oder das irakische 2003 oder das venezolanische 2026. Die Revolutionsgarden sind nochmals stärker und haben weitreichendere Befugnisse: Sie sind kein reguläres nationales Militär und daher – zumindest aus eigener Sicht und der der Mullahs – kein Stück weit an das humanitäre Völkerrecht gebunden. Das wäre, wie wenn im Dritten Reich die Waffen-SS noch stärker gewesen wäre als die Wehrmacht.
Amerikanische Bodentruppen hätten gegen beide zu kämpfen. Und sollte das noch nicht reichen, würden wahrscheinlich zusätzlich die Basij-Brigaden entsandt oder gar Huthi nebst Ausrüstung eingeflogen.
Das würde nicht nur eine Entsendung von bisher auf dem US-Festland stationierten Bodentruppen bedeuten, die Trumps Zustimmungswerte in den freien Fall schicken würde. Das würde eine Generalmobilmachung bedeuten, womöglich inklusive Nationalgardisten, Reservisten, Veteranen – und Private Contractor Armies, die wie auch die Revolutionsgarden als nicht ans humanitäre Völkerrecht gebunden angesehen werden. Bei denen braucht man für einen gefallenen Privatsöldner kein solches Brimborium zu veranstalten wie für einen gefallenen Soldaten. Die Privatarmeen bräuchte man auch schon deshalb, weil sie besser ausgerüstet sind als die U.S. Army, weil sie eben nicht aus Steuergeldern ausgerüstet werden müssen.
Wahrscheinlich würde es nicht lange dauern, bis es Zwangsrekrutierungen gäbe – und zwar bevorzugt in linksliberalen Kreisen und nicht etwa unter rechtsextremen Waffenfanatikern, die ihrerseits nochmals besser bewaffnet sind als die Söldner von Academi, vormals Xe Services, vormals Blackwater.
Noch dazu wäre das Ganze ein Hochrisikoeinsatz. Es gibt im Nahen Osten keinen westlichen Brückenkopf, der nicht in Reichweite iranischer ballistischer Raketen ist. Abertausende Soldaten würden sterben, bevor sie auch nur in die Nähe der Front kämen. In Saudi-Arabien wären die US-Einheiten zusätzlich gefährdet durch die Huthi im Jemen, die über iranische Mittelstreckenraketen verfügen, mit denen problemlos das gesamte israelische Staatsgebiet getroffen werden könnte. Damit wären die Huthi auch in der Lage, amerikanische Frontabschnitte mit Raketen aus unvorhergesehenen Richtungen anzugreifen.
Ein Bodenkrieg im Iran wäre für die USA also noch sehr viel verheerender und verlustreicher, als es der Vietnamkrieg war. Das wissen auch die NATO-Verbündeten. Die alte Masche „Lassen wir die Europäer die Drecksarbeit am Boden machen und heimsen den Ruhm selber ein“ wird im Iran also auch nicht funktionieren.
Den Bündnisfall nach Artikel 5 könnten die USA nur auslösen bei einem Angriff des Irans auf tatsächliches US-Staatsgebiet, und Botschaftsgelände dürften nicht zählen. So einen Angriff kann aber der Iran von eigenem Territorium aus nicht durchführen, höchstens in Form eines großangelegten Terroranschlags. Und so durchgeknallt, einen staatlichen Terroranschlag gegen Trump-Amerika durchzuführen, dürfte nicht einmal Ajatollah Ali Chamenei gewesen sein. Der rein impulsiv agierende und regierende, leicht reizbare Donald Trump würde in diesem Fall nämlich nicht die NATO zur Hilfe rufen, sondern Strategic Air Command – also direktweg nuklear antworten.
Amerikanische Truppen im Iran kommen also nicht in Frage, weil das nicht gut für die Umfragewerte ist – die Entsendung nicht und die Rückkehr in hunderttausenden Kisten schon gar nicht. Europäische auch nicht, weil die europäischen NATO-Verbündeten nicht so blöd sind. Die IDF haben in Gaza schon alle Hände voll zu tun, die brauchen schon für Interventionen im Libanon ihre Reservisten. Saudi-Arabien würde höchstens mitmischen, wenn es selbst vom Iran angegriffen worden wäre – wurde es aber nicht, jedenfalls keine wirklichen saudischen Ziele.
Bleibt also nur noch eine Option. Und das ist die iranische Zivilbevölkerung. Die hätte im Grunde zumindest den Vorteil, sich nicht erst nach Teheran durchkämpfen zu müssen, weil sie in ziemlicher Stärke schon vor Ort in Teheran ist. Und weil das keine Amerikaner sind, ist es auch scheißegal, wieviele davon dabei sterben.
Die nächste drängende Frage: Wie geht das Ganze aus?
Am liebsten hätten Trump und die MAGAs es noch, wenn das iranische Volk eine zwar westlich orientierte, aber erzkonservative Marionette der US-Ölindustrie und der Heritage Foundation an die Macht putschen würden. Aber auch wenn die iranische Opposition noch so zersplittert ist – und das ist sie –, so jemanden gibt’s im Land nicht. Sogar ob Prinz Reza Pehlavi – der Sohn des Schahs, den ja auch schon die CIA an die Macht geputscht hat – so drauf sein oder auch nur so weitermachen würde wie sein Papa, ist zu bezweifeln.
Im Idealfall würde das Land zu einer freien, liberal-progressiven Demokratie werden. Aber erstens ist das sehr unwahrscheinlich. Zweitens würden die USA es nicht zulassen, wenn der neue Chef im Land keine US-Marionette wäre. Der würde gleich wieder weggeputscht wie Mohammad Mosaddegh damals. Und drittens würden Länder wie Saudi-Arabien, Afghanistan und Pakistan kein größeres Land in der Gegend zulassen, das liberaler und progressiver ist als sie selbst.
Sehr viel wahrscheinlicher ist ein Bürgerkrieg, in dem die Basij-Brigaden und die Reste der Revolutionsgarden Hunderttausende oder Millionen iranischer Zivilisten niedermetzeln, um das System Chamenei bis in alle Ewigkeit zu zementieren, auch wenn sie dann fast kein Volk mehr zum Beherrschen hätten. Alternativ würden – vor allem, wenn die USA und Israel jeden, aber auch wirklich noch jeden im Iran, der irgendwelche Macht im Staat hat, mit Luftschlägen ausschalten – die Revolutionsgarden selbst das Ruder an sich reißen und den Iran in eine knallharte, totalitäre Militärdiktatur wie in Myanmar verwandeln, auch wieder mit unzähligen toten Zivilisten.
Trump könnte dann sagen: „Die Iraner haben versagt. Damit machen sie sich zu Komplizen. Niemand wird sie vermissen.“ Mit diesen Worten würde er den kompletten Iran aus der Luft gnadenlos in Schutt und Asche bomben lassen, wobei weitere zig Millionen Zivilisten sterben werden. Dann, wenn alles Leben auf iranischem Territorium ausgelöscht scheint, wird er ohnehin im Nahen Osten stationierte Truppen schicken, um die iranischen Ölfelder für die US-Ölindustrie zu sichern – und sich wundern, wenn auch die Russen und vor allem die Chinesen in das entstandene Machtvakuum einfallen, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Oder wenn die Taliban versuchen, sich einen direkten Zugang zum Indischen Ozean zu sichern.
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