wie geht es uns, herr #kĂŒppersbusch?
Von #MĂ€nnerân, die die Welt bestimmen, #Sprachlosigkeit und #WeiterplĂ€rren, digitaler #Gewalt und wo #Verallgemeinerung den Falschen hilft
https://www.taz.de/!6164769
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Judith Hermann â Ich möchte zurĂŒckgehen in der Zeit (3)
Judith Hermanns Buch wĂŒhlt mich auf. Es gibt so viel zwischen den Zeilen zu lesen, gleichzeitig so viele offensichtliche Metaphern. In einem Interview wurde sie nach dem Verfahren befragt, mit dem sie dieses Buch geschrieben habe. Da ist z.B. die Tatsache, wie sie die Einsamkeit ihrer Suche in Radom gegen die familiĂ€re Gemeinsamkeit mit der Schwester und deren Familie in Napoli schneidet. Eine Schwester, die den GroĂvater, den Elefanten im Raum, sorgsam umgeht und jegliches GesprĂ€ch ĂŒber ihn verweigert. Ăberhaupt scheint sie im weiteren Verlauf zunehmend deutlich die Rolle der Zensur an sich zu verkörpern. Bei anderen Autor:innen könnte es schon ein bisschen zu viel sein, zu offensichtlich, zu bedeutsam, dass die Schwester in Napoli mit Mann und Kindern im Haus einer Toten lebt, deren Möbel und Geschirr benutzt, ohne dass irgendjemand in der Familie darĂŒber redet, geschweige denn darĂŒber nachdenkt und es merkwĂŒrdig findet. Es ist nĂŒtzlich und praktisch, also ist es gut so.
Oder diese Szene mit der Schwester, die sie plötzlich aus einem scheinbar nichtigen Grund völlig auĂer sich, anschreit: âEs ist nicht immerzu alles traurig.â Es liegt so viel in dieser Szene, dass es mir irgendwie falsch erscheint, das hier aufzulisten. Ich glaube sie spricht entweder fĂŒr sich, oder man versteht sie eben nicht, ĂŒberliest sie einfach.
Ich finde zwar nicht das Buch ĂŒber die UnfĂ€higkeit zu trauern, aber mir fĂ€llt ein Buch in die Hand, das mich als junge Frau sehr beschĂ€ftigt hat. âSchuldig geborenâ von Peter Sichrovsky. Ein Kind der Opfer hat darin Interviews mit Kindern der TĂ€ter gefĂŒhrt. Ich kann mich nicht erinnern, wie ich damals auf dieses Buch gekommen bin. Es ist 1987 erschienen, da war ich 21 Jahre alt. Vielleicht habe ich es einfach in einer Buchhandlung gesehen und gekauft. Denn eigentlich gab es niemanden, mit dem ich ĂŒber diese Themen reden konnte. Im letzten Kapitel von Ich möchte zurĂŒckgehen in der Zeit erzĂ€hlt Hermann davon, wie die Eltern ihres Mannes eine Zeitlang vom Erdboden verschluckt scheinen. Sie berichtet, wie sie mit ihm am nĂ€chtlichen KĂŒchentisch sitzt und wie sie sich Szenarien ausmalen. âWir vermieden das Wort schwer und das Wort tot. Wir sprachen das einfach nicht aus, das war, was wir tun konnten.â So dachten vermutlich alle Erwachsenen in meiner Familie: wir sprechen einfach nicht darĂŒber. Das immerhin können wir tun.
Judith Hermann, so lese ich, wird von manchen Kritikern vorgeworfen, es gehe in ihrem Buch weniger um die Schuld des GroĂvaters, als um Hermanns eigene Befindlichkeiten. Sie wĂŒnschten sich mehr Recherche und warfen ihr sogar Verharmlosung vor. Das ist vermutlich die Art und Weise wie man auf jemanden reagiert, oder wie man auf ein Werk reagiert, das auf höchst persönliche Weise versucht mit einem Tabu zu brechen. Denn wie sonst sollte das redlicherweise gelingen? Eine ganze Gesellschaft richtet sich dermaĂen im Verschweigen und VerdrĂ€ngen ein, dass es keine Sprache fĂŒr Schuld und Verantwortung gibt, und dann wird eine Autorin, die sich genau damit auseinandersetzt, zwar nicht dafĂŒr verantwortlich gemacht, aber man lastet ihr an, dass sie keine Lösung hat, sondern nur die Bereitschaft das Problem zu benennen und die Ratlosigkeit auszuhalten.
#JudithHermann #Kritik #Lesetagebuch #Opfer #Sprachlosigkeit #TĂ€terIn Das gute Ăbel (Suhrkamp 2025) kartiert Samanta Schweblin in sechs ErzĂ€hlungen den Zustand schleichender Verschiebung. Eine Rezension ĂŒber NĂ€he, Sprachlosigkeit und das Unheimliche im Normalen â ohne Pathos, mit literarischer PrĂ€zision.
Manchmal sind es Orte, die sich ins GedĂ€chtnis brennen. Kaleb Erdmanns Die Ausweichschule erzĂ€hlt von so einem Ort. Nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002 werden die Kinder in ein anderes GebĂ€ude gebracht â Ăbergangslösung nennt man das. FĂŒr den ErzĂ€hler, damals elf Jahre alt, wird es zum Symbol: ein Raum des Dazwischen, in dem nichts zur Ruhe kommt. Zwanzig Jahre spĂ€ter ist der Junge erwachsen, Schriftsteller, Ă€uĂerlich gefestigt. Doch eine Anfrage aus der Theaterszene bringt ...
Ungesagte Worte
WĂŒrden meine Eltern noch leben, wĂŒrde ich ihnen in etwa die folgenden Worte sagen:
"WĂ€hrend Eurer Lebenszeiten habe ich Euch oft fĂŒr Eure in meinen Augen Lieblosigkeit mir gegenĂŒber angegriffen und kritisiert. Als Kind und Jugendlicher wusste ich es nicht anders - wir haben ja auch nie miteinander gesprochen. Das hat mich immer gestört und mir war klar, dass Eure Sprachlosigkeit keine Absicht war, sondern Unvermögen. Und das meine ich ohne jede Kritik, sondern sachlich. Und ich war nie imstande, daran etwas zu Ă€ndern.
Ihr habt mir aber viel gegeben, das all meine Kritik an den Rand schiebt - doch leider erst heute und nach Eurem Tod. Du Mutti, hast mir das Leben geschenkt - ein Leben, aus dem ich nicht das gemacht habe, was ich hĂ€tte daraus machen können. Ihr habt in jeder Hinsicht dafĂŒr gesorgt, dass ich immer versorgt war. Es mangelte mir sachlich an nichts. Und auch daran hat unser gefĂŒhlsmĂ€Ăiges Zusammenleben gelitten, weil Euch das Versorgen der Familie schon sehr stark gefordert hat.
Obwohl Ihr mich immer als ein schwieriges Kind bezeichnet habt, habt Ihr mich nichtsdestotrotz geliebt und zu mir gehalten. Das ich diese Liebe nicht annehmen konnte, steht auf einem anderen Blatt.
Heute ist das alles Vergangenheit und ich kann es nicht mehr rĂŒckgĂ€ngig machen und auch nicht in Teilen Ă€ndern. Ich kann mich nur immer wieder bemĂŒhen, diese Unduldsamkeit nicht gegen mich und nicht gegen meine Mitmenschen zu leben. Euch möchte ich mit jahrelanger VerspĂ€tung um Verzeihung dafĂŒr bitten, dass ich Euch gegenĂŒber oft ungerecht und dickköpfig war."
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Schweigend miteinander reden
Vor vielen Jahren hat mir eine gute Bekannte vorgeschlagen, auf unserem nĂ€chsten Spaziergang gemeinsam zu schweigen. Ich habe mich nach einem kurzen Zögern darauf eingelassen. Wir sind durch die Natur gegangen und haben miteinander geschwiegen. Jeder hat seine EindrĂŒcke aufgenommen.
Das Schweigen war jedoch ausschlieĂlich sprachlicher Art. Da wir einen guten Draht zueinander hatten und sehr viel Sympathie fĂŒreinander, haben wir uns auf der gefĂŒhlsmĂ€ig-atmosphĂ€rischen Ebene ausgezeichnet unterhalten.
Ich hatte noch nie Angst vor schweigsamen Momenten. Mit dieser Erfahrung durfte ich leben und erleben, dass Kommunikation wesentlich mehr ist als der bloĂe Austausch mit Worten. Und Schweigen ist nicht immer mit Sprachlosigkeit gleich zu setzen.
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