Umgeschwenkt auf #Lyrik in der #Morgenschreibstunde um über Sprach- und andere Verluste tastend zu schreiben.

Der Prosatext über #Sprachlosigkeit muss dagegen zurück in den "Gärschrank" - Zeit sollte auch helfen, sich später schreibend leichter von seinem realen Kern zu lösen.

Aber jetzt gibt's erstmal Frühstück. ☕

#autor_innenleben

wie geht es uns, herr #küppersbusch?

Von #Männer​n, die die Welt bestimmen, #Sprachlosigkeit und #Weiterplärren, digitaler #Gewalt und wo #Verallgemeinerung den Falschen hilft
https://www.taz.de/!6164769

Weimer, Dobrindt, Orbán: Männer, die die Welt bestimmen

Das Gewaltschutzgesetz kommt, digitale Gewalt eskaliert, Orbán bleibt laut, und beim Thema Rassismus hilft Verallgemeinerung vor allem den Falschen

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

Judith Hermann – Ich möchte zurückgehen in der Zeit (3)

Judith Hermanns Buch wühlt mich auf. Es gibt so viel zwischen den Zeilen zu lesen, gleichzeitig so viele offensichtliche Metaphern. In einem Interview wurde sie nach dem Verfahren befragt, mit dem sie dieses Buch geschrieben habe. Da ist z.B. die Tatsache, wie sie die Einsamkeit ihrer Suche in Radom gegen die familiäre Gemeinsamkeit mit der Schwester und deren Familie in Napoli schneidet. Eine Schwester, die den Großvater, den Elefanten im Raum, sorgsam umgeht und jegliches Gespräch über ihn verweigert. Überhaupt scheint sie im weiteren Verlauf zunehmend deutlich die Rolle der Zensur an sich zu verkörpern. Bei anderen Autor:innen könnte es schon ein bisschen zu viel sein, zu offensichtlich, zu bedeutsam, dass die Schwester in Napoli mit Mann und Kindern im Haus einer Toten lebt, deren Möbel und Geschirr benutzt, ohne dass irgendjemand in der Familie darüber redet, geschweige denn darüber nachdenkt und es merkwürdig findet. Es ist nützlich und praktisch, also ist es gut so.

Oder diese Szene mit der Schwester, die sie plötzlich aus einem scheinbar nichtigen Grund völlig außer sich, anschreit: „Es ist nicht immerzu alles traurig.“ Es liegt so viel in dieser Szene, dass es mir irgendwie falsch erscheint, das hier aufzulisten. Ich glaube sie spricht entweder für sich, oder man versteht sie eben nicht, überliest sie einfach.

Ich finde zwar nicht das Buch über die Unfähigkeit zu trauern, aber mir fällt ein Buch in die Hand, das mich als junge Frau sehr beschäftigt hat. „Schuldig geboren“ von Peter Sichrovsky. Ein Kind der Opfer hat darin Interviews mit Kindern der Täter geführt. Ich kann mich nicht erinnern, wie ich damals auf dieses Buch gekommen bin. Es ist 1987 erschienen, da war ich 21 Jahre alt. Vielleicht habe ich es einfach in einer Buchhandlung gesehen und gekauft. Denn eigentlich gab es niemanden, mit dem ich über diese Themen reden konnte. Im letzten Kapitel von Ich möchte zurückgehen in der Zeit erzählt Hermann davon, wie die Eltern ihres Mannes eine Zeitlang vom Erdboden verschluckt scheinen. Sie berichtet, wie sie mit ihm am nächtlichen Küchentisch sitzt und wie sie sich Szenarien ausmalen. „Wir vermieden das Wort schwer und das Wort tot. Wir sprachen das einfach nicht aus, das war, was wir tun konnten.“ So dachten vermutlich alle Erwachsenen in meiner Familie: wir sprechen einfach nicht darüber. Das immerhin können wir tun.

Judith Hermann, so lese ich, wird von manchen Kritikern vorgeworfen, es gehe in ihrem Buch weniger um die Schuld des Großvaters, als um Hermanns eigene Befindlichkeiten. Sie wünschten sich mehr Recherche und warfen ihr sogar Verharmlosung vor. Das ist vermutlich die Art und Weise wie man auf jemanden reagiert, oder wie man auf ein Werk reagiert, das auf höchst persönliche Weise versucht mit einem Tabu zu brechen. Denn wie sonst sollte das redlicherweise gelingen? Eine ganze Gesellschaft richtet sich dermaßen im Verschweigen und Verdrängen ein, dass es keine Sprache für Schuld und Verantwortung gibt, und dann wird eine Autorin, die sich genau damit auseinandersetzt, zwar nicht dafür verantwortlich gemacht, aber man lastet ihr an, dass sie keine Lösung hat, sondern nur die Bereitschaft das Problem zu benennen und die Ratlosigkeit auszuhalten.

#JudithHermann #Kritik #Lesetagebuch #Opfer #Sprachlosigkeit #Täter
„Es gibt Menschen [vor allem: Männer], die innerlich sehr instabil sind und die ein großes Gefühl von Unsicherheit haben, das aber nicht mentalisieren können. Sie können nicht äußern, dass sie sich unsicher und innerlich instabil fühlen und ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit haben. All die autoritären Mechanismen sind eine Möglichkeit, das Innere zu stabilisieren.“ 1/4

#Ohnmacht #Sprachlosigkeit #Autoritarismus

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/interview-maskulinismus-maennlichkeit-krieg-100.html
Soziologe: "Männlichkeitsideale, Unterwerfung und Sadismus führen zu Gewalt"

Was bringt Menschen dazu, Krieg zu befürworten? Dazu hat der Leipziger Soziologe Alexander Yendell geforscht. Im Gespräch geht es auch um die aktuellen Konflikte in der Welt und den Weg raus aus der Gewaltspirale.

MDR
Wenn konservative, reaktionäre … und faschistische Kräfte der #Sprachlosigkeit verfallen … sollte man genau hinhören, denke ich. #noAFD #AFDVerbot jetzt! #noCDU #noCSU 🖖
Das gute Übel. Samanta Schweblins Erzählband als Zustand der Schwebe - Buchrezension

In Das gute Übel (Suhrkamp 2025) kartiert Samanta Schweblin in sechs Erzählungen den Zustand schleichender Verschiebung. Eine Rezension über Nähe, Sprachlosigkeit und das Unheimliche im Normalen – ohne Pathos, mit literarischer Präzision.

Lesering.de
Kaleb Erdmann
: Die Ausweichschule - Buchvorstellung

Manchmal sind es Orte, die sich ins Gedächtnis brennen. Kaleb Erdmanns Die Ausweichschule erzählt von so einem Ort. Nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002 werden die Kinder in ein anderes Gebäude gebracht – Übergangslösung nennt man das. Für den Erzähler, damals elf Jahre alt, wird es zum Symbol: ein Raum des Dazwischen, in dem nichts zur Ruhe kommt. Zwanzig Jahre später ist der Junge erwachsen, Schriftsteller, äußerlich gefestigt. Doch eine Anfrage aus der Theaterszene bringt ...

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Ungesagte Worte

Würden meine Eltern noch leben, würde ich ihnen in etwa die folgenden Worte sagen:

"Während Eurer Lebenszeiten habe ich Euch oft für Eure in meinen Augen Lieblosigkeit mir gegenüber angegriffen und kritisiert. Als Kind und Jugendlicher wusste ich es nicht anders - wir haben ja auch nie miteinander gesprochen. Das hat mich immer gestört und mir war klar, dass Eure Sprachlosigkeit keine Absicht war, sondern Unvermögen. Und das meine ich ohne jede Kritik, sondern sachlich. Und ich war nie imstande, daran etwas zu ändern.

Ihr habt mir aber viel gegeben, das all meine Kritik an den Rand schiebt - doch leider erst heute und nach Eurem Tod. Du Mutti, hast mir das Leben geschenkt - ein Leben, aus dem ich nicht das gemacht habe, was ich hätte daraus machen können. Ihr habt in jeder Hinsicht dafür gesorgt, dass ich immer versorgt war. Es mangelte mir sachlich an nichts. Und auch daran hat unser gefühlsmäßiges Zusammenleben gelitten, weil Euch das Versorgen der Familie schon sehr stark gefordert hat.

Obwohl Ihr mich immer als ein schwieriges Kind bezeichnet habt, habt Ihr mich nichtsdestotrotz geliebt und zu mir gehalten. Das ich diese Liebe nicht annehmen konnte, steht auf einem anderen Blatt.

Heute ist das alles Vergangenheit und ich kann es nicht mehr rückgängig machen und auch nicht in Teilen ändern. Ich kann mich nur immer wieder bemühen, diese Unduldsamkeit nicht gegen mich und nicht gegen meine Mitmenschen zu leben. Euch möchte ich mit jahrelanger Verspätung um Verzeihung dafür bitten, dass ich Euch gegenüber oft ungerecht und dickköpfig war."

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Schweigend miteinander reden

Vor vielen Jahren hat mir eine gute Bekannte vorgeschlagen, auf unserem nächsten Spaziergang gemeinsam zu schweigen. Ich habe mich nach einem kurzen Zögern darauf eingelassen. Wir sind durch die Natur gegangen und haben miteinander geschwiegen. Jeder hat seine Eindrücke aufgenommen.

Das Schweigen war jedoch ausschließlich sprachlicher Art. Da wir einen guten Draht zueinander hatten und sehr viel Sympathie füreinander, haben wir uns auf der gefühlsmäig-atmosphärischen Ebene ausgezeichnet unterhalten.

Ich hatte noch nie Angst vor schweigsamen Momenten. Mit dieser Erfahrung durfte ich leben und erleben, dass Kommunikation wesentlich mehr ist als der bloße Austausch mit Worten. Und Schweigen ist nicht immer mit Sprachlosigkeit gleich zu setzen.

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Im #Einzelfall jedoch bleiben regelmäßig Momente der #Sprachlosigkeit. 😎