𝐆𝐄𝐅Ä𝐇𝐑𝐃𝐔𝐍𝐆 𝐔𝐍𝐃 𝐒𝐄𝐋𝐁𝐒𝐓𝐁𝐄𝐇𝐀𝐔𝐏𝐓𝐔𝐍𝐆

Mit einer Lesung der mit dem Georg-BĂŒchner-Preis 2025 ausgezeichneten Autorin Ursula Krechel gehen die IngolstĂ€dter Literaturtage in die Zielgerade. Ihr Roman »Sehr geehrte Frau Ministerin« erzĂ€hlt mit ergreifender Sprachkraft von existenziell gefĂ€hrdeten Frauen und von politischer Gewalt. Lesung am Do, 23. April.

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Kindheit, Puppen und Erinnerungen

„Dass die Kindheit lebenslĂ€nglich bleibt – sicherheitsverwahrt“ ist die Bilanz des neuen Hörspiels „Die wirkliche LĂ€mmchenhaftigkeit“ von Ursula Krechel. Ein poetisches StĂŒck ĂŒber Folgen der Zumutungen der Kindheit.

Ursula Krechel: Die wirkliche LĂ€mmchenhaftigkeit

DLF,  Sa, 21.02.0226, 20.05 Uhr
DLF Kultur, So, 22.02.2026. 18.30 Uhr

Zwölf Jahre ist es her, dass Ursula Krechel, die aktuelle BĂŒchnerpreistrĂ€gerin, ihr letztes RadiostĂŒck geschrieben hat. Jetzt gibt es ein neues StĂŒck – und „Die wirkliche LĂ€mmchenhaftigkeit“ beginnt mit einem Kinderreim: „Eins, zwei, drei, vier, fĂŒnf, sechs, sieben! / Wo ist meine Braut geblieben? / [
] Sieben, achte, neune, zehne! / Ach, wie ich mich nach ihr sehne!“.

Am Ende wird die Braut Schluss gemacht haben und das Hörspiel endet mit einem Gedicht der Lyrikerin Ursula Krechel, die seit 1975 mehr als zwanzig Hörspiele verfasst hat. Erst dann wird man auch erfahren, wen man gehört hat: Rita El Bali und Michel Koch als Jakind und Neinkind, Bianca Hauda als Neinmama, David Hugo Schmitz als Japapa, Nelly Polit als Überausmama sowie Tanja Schleiff und Barbara NĂŒsse als die Seufzende und die Insichgekehrte. Die Rollenbezeichnungen dienen also eher zur Markierung von Sprechhaltungen, die die Autorin dem Ensemble und ihrem Regisseur Matthias Kapohl mitgegeben hat.

In den zehn durchnummerierten Teilen des Hörspiels geht es zunĂ€chst um PhĂ€nomene aus der Kindheit, die sprachlich gerne in der Verniedlichungsform des Diminutivs prĂ€sentiert werden. Dazu gehört auch das „LĂ€mmchen“, das aus Schafswolle gemacht ist, in die sich auch gerne der Wolf kleidet – aber der kommt erst im letzten Teil vor. Die Fragen, die sich zu Beginn stellen, sind die: „Wann wurden die Puppen mit ihren triumphierend hellen, fleischfarbenen, rosafarbenen Körpern durch Tiere ersetzt? Wann musste der Körper haarig, weich werden, ein Körper zum Liebhaben, ein Körper fĂŒrs Kinderbett, einer, der nachts tröstet, wĂ€hrend die Puppe getröstet werden musste, auch wenn die Puppenmutter traurig war?“

Die Laufmaschenleserin

Um welche Kindheiten es sich handelt, kann man nur vermuten. Es scheint eine Zeit zu sein, in der Kinder immer wieder vom Traktor fielen und es eine furchteinflĂ¶ĂŸende „Laufmaschenleserin“ gab, die SeidenstrĂŒmpfe flickte und ihre TĂ€tigkeit wegen des Aufkommens von Nylonware aufgeben musste. Befinden wir uns da in der Nachkriegszeit, mit der die Autorin Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier, noch Erinnerungen verknĂŒpft? Die Sounds von mechanischem Aufziehspielzeug (Julia Komfass) könnten ebenfalls darauf hindeuten. Doch die Suche nach der Kindheit ist nur einer von mehreren FĂ€den, die sich durch „Die wirkliche LĂ€mmchenhaftigkeit“ zieht.

Ein weiterer Faden folgt der Figur der Puppe. Als Kinderspielzeug stellte sie schon erhöhte Anforderungen. Als lebensgroße Nachbildung, wie sie der Maler Oskar Kokoschka seiner ehemaligen Geliebten Alma Mahler-Werfel hat bauen lassen, oder in Form der verschnĂŒrten Körper, die der Surrealist Hans Bellmer seiner Freundin, der Schriftstellerin Unica ZĂŒrn nachempfand, sind sie beliebig manipulierbar. Als BrĂ€ute, die sie ersetzen sollen, stehen die Puppen zwar zur VerfĂŒgung, können jedoch nie genĂŒgen, weshalb sie stellvertretend getötet werden mĂŒssen.

Neben Unica ZĂŒrn kommen noch Dora Maar aus dem Umfeld von Pablo Picasso und Colette Peignot aus dem Umfeld von George Bataille vor, die erst spĂ€t als eigenstĂ€ndige KĂŒnstlerinnen wahrgenommen wurden. Peignot, die sich Laure nannte, berichtet von sexuellen Übergriffen durch den „Herrn AbbĂ©â€œ, der meint, ihr mit medizinischen FachausdrĂŒcken „die Ehe“ erklĂ€ren zu mĂŒssen.

Das Kind ist kein Konjunktiv

Als Gegengewicht zu diesen Kindheitserfahrungen und als emanzipatorischen Moment streut Ursula Krechel ein Gedicht ein: „Kinder, ihr mĂŒsst euch mehr zutrauen! / Ihr lasst euch von Erwachsenen belĂŒgen / Und schlagen. – Denkt mal: FĂŒnf Kinder genĂŒgen, / Um eine Großmama zu verhauen.“ Die Quellenangabe wird gleich nachgeliefert: „Das ist von Joachim Ringelnatz und es steht in BĂŒchern, die fĂŒr Kinder erreichbar sind – ohne Warnung, ohne Vorsichtsmaßnahme.“ In Zeiten, in denen immer mehr Hörspiele mit sogenannten Triggerwarnungen versehen werden, dies wohl weniger Kritik, als ein ironischer Hinweis darauf, sich seines eigenen Verstandes ohne die Anleitung anderer zu bedienen.

Eine gewisse literarische MĂŒndigkeit hilft beim VerstĂ€ndnis des Hörspiels. Denn neben Laure, ZĂŒrn und Ringelnatz zitiert Ursula Krechel noch den portugiesischen Schriftsteller AntĂłnio Lobo Antunes, den Fotografen BrassaĂŻ, sowie Françoise Gilot und Carlton Lake aus dem Picasso-Umfeld. Zudem gehört auch die Figur des Japapa als Autor in den literarischen Kosmos der Kindheit. Er ist derjenige, der darauf besteht, dass das Kind auch selbst eine Stimme hat: „Das Kind ist kein Konjunktiv, das Kind ist keine indirekte Rede. Es spricht selbst. Hören Sie es nicht?“

Das Kind, das man durch Ursula Krechels Hörspiel hindurchhört, zieht in der Figur der Neinmama, die ja auch mal ein Kind war, am Ende eine bittere Bilanz, nĂ€mlich: „dass die Kindheit lebenslĂ€nglich bleibt – sicherheitsverwahrt. Niemals werde ich mich davon erholen.“

Jochen Meißner – KNA Mediendienst, 18.02.2026

#DieWirklicheLĂ€mmchenhaftigkeit #DLF #UrsulaKrechel

#InsRegalGestellt

Ursula Krechel, Sehr geehrte Frau Ministerin, Klett-Cotta

Zwischen
Angela Krauß, Das VergnĂŒgen, Suhrkamp

Und
Ursula Krechel, Landgericht, Jung und Jung

„Was war schön heute? [
] Die Tochter sagte: Dass ich das Buch zuende gelesen habe. Zuerst war es langweilig, so langweilig wie ein Berg, den man raufgehen muss, aber dann wurde es immer spannender.
Wie ein Berg?, fragte die Mutter. Nein, wie ein Buch. Dazu war nichts mehr zu sagen.“

#UrsulaKrechel

Spurensucherin gegen das Vergessen: Ursula Krechel erhĂ€lt den Georg-BĂŒchner-Preis 2025

Die Deutsche Akademie fĂŒr Sprache und Dichtung verleiht den Georg-BĂŒchner-Preis 2025 an die Schriftstellerin Ursula Krechel, die mit ihrer Romantrilogie ĂŒber Verfolgung und Exil sowie ihrem vielfĂ€ltigen Werk »den Verheerungen der deutschen Geschichte und VerhĂ€rtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur entgegensetzt«.

literaturcafe.de

"Wir gratulieren herzlich Ursula Krechel, MitgrĂŒnderin des PEN Berlin und EhrenprĂ€sidentin der Herzen, zum Georg-BĂŒchner-Preis. 'Und da stehen wir: Lauter ehrenamtliche Menschen mit einem Beruf, vor dem uns unsere Eltern gewarnt haben.' (Aus ihrer Rede auf dem PEN-Berlin-Kongress 2023)."
PEN Berlin

Ihre ganze Rede damals lÀsst sich dort nachlesen:
https://penberlin.de/rede-von-ursula-krechel-noch-immer-fuer-die-freiheit-des-wortes/

#PenBerlin #UrsulaKrechel

Rede von Ursula Krechel: Noch immer fĂŒr die Freiheit des Wortes

Rede von Ursula Krechel auf dem Kongress »Mit dem Kopf durch die WĂ€nde«, 16. Dezember 2023 Noch immer fĂŒr die Freiheit des Wortes Liebe Freundinne

BĂŒchner-PreistrĂ€gerin: Witzig, skurril und voller Hoffnung

Die Schriftstellerin Ursula Krechel hat den BĂŒchnerpreis 2025 verliehen bekommen. Nach Gedichten und Essays schrieb sie jĂŒngst vor allem Romane.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH
Sehr geehrte Frau Ministerin von Ursula Krechel - Buchvorstellung

Nach ihrem Roman Geisterbahn meldet sich Ursula Krechel nach sieben Jahren und einem Verlagswechsel bei Klett-Cotta mit Sehr geehrte Frau Ministerin zurĂŒck. Literarisch anspruchsvoll und an der Schnittstelle von Fakt und Fiktion angesiedelt, verwebt der Roman historische, politische und persönliche Motive zu einem dichten Gesamtbild. Gewalt gegen Frauen, Mutter-Sohn-Beziehungen und die Wechselwirkung zwischen Vergangenheit und Gegenwart stehen im Mittelpunkt einer ErzĂ€hlung, die ...

Lesering.de
Von #UrsulaKrechel kenne ich bisher nur ihren Roman „Landgericht“.
https://poesiefestival.org/de/kuenstlerinnen/krechel-ursula/
#PoetsCorner
Krechel, Ursula | 25. Poesiefestival Berlin

Kleine Chronik Vier ErzĂ€hlungen — #StefanZweig
Auf See — #TheresiaEnzensberger
The Miracle Shed — #PhilipMacCann
Landgericht — #UrsulaKrechel
March Moonlight — #DorothyMRichardson #PilgrimageTogether
FLEXEN: FlĂąneusen schreiben StĂ€dte — #ÖzlemÖzgĂŒlDĂŒndar et al.