Gitarrenumbau Ă la Jacob Collier
Als wir im Sommer 2023 nach dem Konzert von Jacob Collier das Tollwood-FestivalgelĂ€nde in MĂŒnchen verlassen haben mussten viele EindrĂŒcke verarbeitet werden. Dabei kam auch eine kleine Beobachtung zur Sprache: Hat Jacob Collier mit einer 5-saitigen Gitarre gespielt? Eine kurze Websuche bestĂ€tigte das, Die Gitarre schien aber ein EinzelstĂŒck zu sein. Ein Wunsch war geboren.
Mittlerweile hat der Kapitalismus gesiegt und es gibt mehrere dieser 5-saitigen Modelle zu kaufen; aber eine Taylor-Gitarre kauft man sich nicht einfach mal so im Vorbeigehen, nur um so etwas wie ein anderes Tuning auszuprobieren. Aber ausprobiert haben wir eine dieser Gitarren dann unlĂ€ngst bei unserem jĂ€hrlichen Thomann-Besuch. Wir hatten einen Eindruck von Geometrie und Spielbarkeit bekommen und der Wunsch wurde stĂ€rker, selbst eine Gitarre von sechs auf fĂŒnf Saiten umzubauen.
Was ist der Unterschied zwischen einer normalen 6-saitigen Gitarre und einer 5-saitigen Jacob Collier-Gitarre? Die Anzahl der Saiten, klar. FĂŒnf Finger, fĂŒnf Saiten, so die einfache Collier-Logik. AuĂerdem ein offenes Tuning, das dazu symmetrisches (oder wie Jacob Collier sagt: âpalindromicâ) ist: D â A â E â A â D
Zwei Videos, in denen er die Idee erklĂ€rt. Eine kurze EinfĂŒhrung und ein Deep Dive:
https://www.youtube.com/watch?v=hZ3EIDpIHN4
https://www.youtube.com/watch?v=mx0kJglbTq8
Zum Umbau einer Gitarre braucht es aber zunĂ€chst eine passende Gitarre, und zwar eine, die so gut wie nichts mehr wert ist, denn unsere Erfahrungen im Instrumentenbau halten sich doch sehr in Grenzen. Letztes Wochenende ist mir eine ca. 25 Jahre alte Yamaha APX-5A ĂŒber den Weg gelaufen, sicher 10 Jahre nicht gespielt, im feuchten Keller gelagert, mit kleinen Rissen in der Decke und durchgespielten BĂŒnden. Also ein ideales Umbau-Testobjekt.
Der Umbau
Da der Saitenabstand der 5-saitigen Taylor-Gitarren recht hoch war haben wir beschlossen, die Ă€uĂeren Saiten beim Umbau an Ort und Stelle zu lassen und die restlichen 3 Saiten dazwischen auszumitteln. Der Plan war:
Umbau des Sattels: Neue Schlitze fĂŒr die 3 neuen Saitenpositionen.Die gröĂte Baustelle: Der Umbau des Stegs. VerschlieĂen der 4 nicht gebrauchten Löcher fĂŒr die Stegstifte und Bohren neuer Löcher.Ein Kinderspiel: Entfernen des nicht gebrauchten Wirbels.Gitarrenpflege.1. Umbau des Sattels
Es wĂ€re sicher eleganter gewesen, den Sattel durch einen komplett neuen Sattel zu ersetzen. Das hĂ€tte aber Recherche, Beschaffung und einiges mehr an Anpassungsarbeiten etc. bedeutet. Wir haben beschlossen, den Sattel an der Gitarre zu belassen und haben mit Dremel, einer kleine EisensĂ€ge und einem scharfen Cuttermesser neue FĂŒhrungen fĂŒr die neuen Saiten in den Sattel gearbeitet. Den Saitenabstand haben wir Ă€quidistant gehalten. Bei der Tiefe und Breite der Schlitze haben wir uns an den vorhandenen Schlitzen orientiert: Die Saitenlage sollte grob passen und auch das Stimmen sollte möglich sein, ohne dass die Saiten klemmen.
Wichtig vielleicht noch: Die 6-saitige Gitarre wurde um die G-Saite reduziert.
Sattel im Ausgangszustand.
Positionen der neuen Schlitze markiert.
Bearbeiten des Sattels mit einem Dremel.
Fertig bearbeiteter Sattel mit markierten Schlitzen.
2. Umbau des Stegs
Der Umbau des Stegs war der Teil, vor dem ich am meisten Respekt hatte. Der Plan war: Wir bohren die 6mm-groĂen Löcher der Stegstifte auf 8mm auf. Die Löcher sind oben angefast (heiĂt das so?), und diese konischen Fasen mĂŒssen mit verschwinden, damit der Steg oben wirklich flach ist, um die neuen Löcher sauber bohren zu können. Dann schneiden wir 8er HolzdĂŒbel auf die richtige LĂ€nge zurecht und leimen sie in die Löcher. Die DĂŒbel werden dann oben bĂŒndig geschliffen, 3 neue Löcher markiert, mit einem kleinen Bohrer vorgebohrt und sukzessive auf wieder 6mm aufgebohrt. Am Ende fasen wir die Löcher wieder mit einem Kegelsenker an und fertig.
Das hat fast geklappt. Der gröĂte Fehler war, dass wir die Löcher direkt auf 8mm aufgebohrt haben. Besser wĂ€re ein vorsichtiges, stufenweises Aufbohren gewesen; denn beim Bohren sind Teile des Stegs zwischen den Löchern ausgerissen. Wir haben versucht, das beim Einleimen der HolzdĂŒbel mit SpĂ€nen und Holzleim zu verfĂŒllen. Pfusch, der wie so oft ĂŒberraschend gut geklappt hat.
Der Steg im Ausgangszustand.
Aufbohren der Löcher.
Der Steg mit den eingeleimten HolzdĂŒbeln.
Abschleifen der HolzdĂŒbel.
Aufbohren der neuen Löcher.
Anfasen der Löcher mit dem Kegelsenker.
Die fertigen gebohrten Löcher.
Finaler Zustand.
3. Entfernen eines Wirbels
Im Vergleich mit einer normalen 6-saitigen Gitarre wurde ja beim Umbau die G-Saite entfernt, daher haben wir auch den Wirbel der G-Saite entfernt:
4. Finalisieren
Vor dem Besaiten wurde die Gitarre noch grĂŒndlich gereinigt und der Hals wie ĂŒblich mit Dunlop 65 Lemon Oil gepflegt, ebenso der grob angeschliffene Steg. AuĂerdem haben wir den Hals noch neu eingestellt, die Saitenlage hat ĂŒberhaupt nicht gepasst. Das ĂberprĂŒfen der Bundreinheit haben wir uns allerdings erspart, wir wollten uns die gute Laune nicht verderben.
Der Umbau war eine ziemliche Hauruck-Aktion ohne groĂe Vorplanung, und dafĂŒr ist er ĂŒberraschend problemlos durchgelaufen. Am Ende hatten wir ein dickes Grinsen im Gesicht und eine âneueâ Gitarre in der Hand:
#Bastelei #Gitarre #Musik