es stimmt schon, dass die meisten auch heutzutage Mittäter_innen wären
@kami_kadse @kattascha Ja, ist doch nur ehrlich. Glaube das auch sofort (ohne jetzt die Person zu kennen).
Besorgniserregend finde ich, dass die Leute kein Problem mehr haben, sowas öffentlich zu schreiben. Mit ihrem Klarnamen.
Eins der berechtigten Anliegen von Kerkeling in seiner Rede in Buchenwald war, Täter nicht zu Opfern zu machen.
@kami_kadse @Moppe @kattascha der Punkt ist: die Realität ist nie schwarz/weiß. Beschäftige dich mal mit Berichten von Menschen, die aus dem Norden fliehen (ich mach das schon seit meiner Schulzeit und habe tatsächlich vor drei Wochen mit einer Frau gesprochen, die genau das getan hat).
Ja, es gibt dort drakonische/unmenschliche Strafen für sog. "Verbrechen". Und die Lage im Land ist furchtbar. Der Punkt ist aber dass die meisten Menschen (und auch das ist ne qualifizierte Aussage, für mich bedeutet das 60%+x) dort glauben, dass Kim Gott ist und es allen anderen schlechter geht. Wenn du von klein auf dasselbe narrativ hörst, wird es irgendwann zu deiner Realität, außer du bekommst gegenteilige Informationen - das passiert leider oft nur in den Grenzregionen. Die Leute dort werden professionell gegaslighted. Dann denkst du gar nicht drüber nach, diese "Verbrechen" zu hinterfragen. Dann muss man dich nicht zwingen, zu klatschen. Man übertreibt, klar, aber das ist ein sozialer Verstärker. Das ist bei denen "normal". Seit über 60 Jahren.
Aber: wir sollten nicht den Fehler begehen und dasselbe den Deutschen in den 30ern und 40ern zuschreiben. Anderer Zeitrahmen, andere Umstände. Viele (die meisten) hätten wissen können. Viele (aber weniger) hätten handeln können. Keiner hat es getan. Keiner wollte wissen. Das ist der Unterschied.
keins der Dinge, welche du beschreibst stelle ich in Frage.
und trotzdem (oder vielleicht genau deswegen) ist die obige Aussage von dir eher unangebracht
die Aussage ist extrem verkürzt, und wird in ihrere Absolutheit ("niemand") von deiner eigenen Erläuterung widerlegt.
gleichzeitig betonst du, dass es grundlegende Unterscheide zwischen diesen totalitären Systemen gibt (ich stimme da zu), was eben grad nicht dazu passt, dass "auch" niemand gezwungen würde. was eine direkte Vergleichbarkeit suggeriert.
@kattascha meine Großeltern väterlicherseits samt Familie waren definitiv nicht im Widerstand, aber auch keine Helfer oä, ich habe nie Unterlagen oder Aussagen zur NSDAP Mitgliedschaft gefunden und die waren sehr offen.
Vielleicht auch, weil sie als Freireligiöse auch eher zur Kategorie 'Verfolgte' gehört haben, Großtante (natürlich ungeoutet) lesbisch, am Ende hat sich ein Bruder freiwillig für die Front gemeldet um zu beweisen, dass sie Hitler trotzdem unterstützen 🙄
Hielt nicht lange, wurde
@kattascha noch im ersten Jahr erschossen.
Aber meine Großeltern mütterlicherseits waren glühende Verehrer des Führers, auch noch lange nach Kriegsende, widerliches Pack. Über den Rest der Familie meines Großvaters weiß ich aus Gründen quasi nix, die Schwester meiner Oma war ne ganze Ecke jünger & ist dann antifaschistisch aufgewachsen
finde ich auch befremdlich. Bei meinen Großeltern ist bisher nichts aufzufinden gewesen - paßt auch zu Familiengeschichte, aber es war Konsens, daß es absolut keinen Grund zum Rumjammern gibt, nachdem Deutschland die ganze Katastrophe angezettelt hatte.
@kattascha
Ich konnte die Nachnamen meiner Urgroßeltern - soweit überhaupt bekannt - nicht in der Kartei finden. Aber ich weiß, dass einer meiner Uropa in Sachsenhausen umkam. Ein anderer überlebte den Krieg als Soldat und kehrte nach Österreich zurück. Von den anderen weiß ich absolut gar nix.
Aber was bringt mir diese Erkenntnis? Nix.
Viel wichtiger als die Frage, ob die Urgroßeltern in der NSDAP waren, ist heute & künftig zu verhindern, dass die Jugend & eigene Kinder zu Nazis werden.
Was für ein wilder Take in dem Ausschnitt. Es liest sich alles schwarz und weiß D: . Man kann doch das Verhalten nachvollziehen (Wer weiß, was genau die Motivation zum Zeitpunkt des Beitritts gewesen ist - obs wirklich nur ein besseres Leben für die Familie war oder ob sich da was gewandelt hat. Konnte überhaupt die Tragweite abgeschätzt werden?) & gleichzeitig kritisieren?! Das schließt sich doch gar nicht aus. Menschen können ja auch immer Opfer und Täter gleichzeitig sein. 🫠
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Niemand von uns weiß, wie wir uns zu damaligen Zeiten verhalten hätten, da die Lebensumstände, Wissen, Ressourcen, Möglichkeiten usw andere waren.
Die Möglichkeiten für die eine Person sind nie die Möglichkeiten einer anderen Person. Wie groß ist die Angst um die eigene Familie oder das eigene Leben gewesen?
Das entschuldigt trotzdem nicht, dass sich Menschen dazu entschieden haben in die NSDAP einzutreten.
Ich kann Opa Verhalten also verstehen & trotzdem enttäuscht sein.🤔
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@kattascha
Meine Hochachtung.
Alles andere wären nur unnütze Worte...
Man muss nicht Scheiße sein, mitmorden oder zustimmen, um in einem totalitären Staat zu überleben. Man kann anständig bleiben.
@kattascha Ich lese hier (und in anderen Netzwerken) auch oft herbe Kritik an Menschen, die sich völlig sicher sind, dass sie an vorderster Front im Widerstand gewesen wären. Finde ich genau so berechtigt.
Ich hoffe sehr, dass ich dem Widerstand auf die eine oder andere Weise einigermaßen nützlich gewesen wäre. Beschwören kann ich's nicht.
Und ich würde mir von dem von Dir zitierten Menschen ja schon die Einsicht wünschen, dass das falsch war und dass man die Augen sehr fest zudrücken musste, um das nicht zu sehen. Er muss seinem wahrscheinlich verstorbenen Großvater dafür, denke ich, nicht nachträglich aufs Grab spucken oder alles, was der in seinem Leben später gemacht hat, davon vergiften lassen, aber es doch bitte auch nicht mit „Würd' ich auch machen.“ normalisieren.