Ein paar Tage lang abends die Berechnung des BIP angeschaut.
Bin ich die Einzige, die den « Fetisch BIP » für lächerlich hält?
Ein paar Tage lang abends die Berechnung des BIP angeschaut.
Bin ich die Einzige, die den « Fetisch BIP » für lächerlich hält?
Mir war bewusst, dass es problematisch ist, aber nicht wie schlimm es verzerrt:
Mir war zB nicht klar, dass bei Bestandsimmobilien weder das Erwerbsgeschäft noch die Darlehnsvalutierung ins BIP zählen (sondern nur die Gebühr der Bank, Makler und Notar). Ebenfalls nicht der Wertzuwachs der Immobilie.
Kita und Pflegedienst fallen rein, dass Kinder eine gute Bindung bekommen und Menschen einen Lebensabend in Selbstbestimmung führen: nicht.
@AwetTesfaiesus Hmm ... nun ja, daß der Wertzuwachs nicht berücksichtigt wird, ist durchaus sinnvoll? Wertzuwachs ist eine fiktiver, kalkulatorischer Wert. Wieviel ein Grunstück, ein Gemälde usw. tatsächlich wertvoller geworden ist, weiß man erst, wenn man es auch de facto für mehr Geld verkauft bekommt. Den Wertzuwachs also realisieren kann. Dann wird in DE u.U. auch Steuer fällig.
In anderen Ländern wird der Wertzuwachs u.U. schon vorher in die Besteuerung mit eingerechnet.
1/2 ⬇️
@AwetTesfaiesus Ähnlich bei der imputed rent (fiktive Eigenmiete). In einigen Ländern, z.B. Schweiz (soweit mir bekannt), müssen Eigentümer für die selbergenutze Immobilie diese imputed rent versteuern.
Da das BIP in manchen Ländern anders zusammengesetzt ist, ist daher auch ein Vergleich mit anderen Ländern immer etwas schwierig.
Letztlich sind solchen Kennzahlen nix anderes als eine Ausgeburt des Kapitalismus & seiner Habgier, meiner Ansicht nach.
2/2
@die_Leo @AwetTesfaiesus irgendwann ist (bei derzeitiger Demographie) halt der komplette Immobilienmarkt raus aus dem BIP.
Es sei denn es findet Rückbau statt.
@AwetTesfaiesus Bilanz & Afa (vereinfacht)... Afa ist der Wertverlust der durch Nutzung ensteht. Dieser reduziert der zu versteuernden Gewinn. Wenn der genutzte Gegenstand (unerwartet) wieder im Wert steigt, kommt es zur Zuschreibung, die den Gewinn erhöht.
Diese Zuschreibung endet allerdings bei den Anschaffungskosten.
Werrzuwachs, der über diese Zuschreibung hinausgeht, wirkt sich erst bei Realisierung aus (sog. stille Reserve).
Vor dem "Lesen" einer Bilanz muß man erst nachsehen ...
1/2 ⬇️
@AwetTesfaiesus ⬆️ ... nachsehen, ob diese nach HGB (deutsches Recht) oder nach IFRS (internationales Recht) erstellt wurde. Zwischen HGB und IFRS gibt es bei diesen Sachverhalten deutliche Unterschiede.
Für die Besteuerung in DE ist allerdings in den allermeisten Fällen nur das HGB enrscheident, wobei dann u.U. zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz zu unterscheiden ist. Denn Handelsbilanz & Steuerbilanz sind nicht immer identisch. Für den zu versteuernden Gewinn ist nur letztere relevant.
2/2
@AwetTesfaiesus Zu dem Thema hat Arte auch mal eine Sendung gemacht, die u.a. auch diese und andere Probleme mit dem BIP aufzeigt, und auch Alternativen zum BIP präsentiert, die, wenn ich mich richtig erinnere, in machen Ländern schon verwendet werden.
https://www.arte.tv/de/videos/104840-007-A/brauchen-wir-wirtschaftswachstum/

Wir Lebewesen - Menschen, Tiere, Pflanzen - hören irgendwann auf zu wachsen. Bei der Wirtschaft ist das anders. Sie wächst und wächst und wächst. Doch damit wachsen auch unsere Kleider- und Müllberge. Und der Meeresspiegel. Sechs von neun planetaren Grenzen haben wir überschritten. Müssen wir also unsere Wirtschaft mal runterfahren? Oder brauchen wir etwa Wirtschaftswachstum?
@AwetTesfaiesus Wenn du mit dem Auto einen heftigen Unfall baust, ist das total positiv für das BIP: Krankenhäuser, Reha, Abschleppdienste und Gutachter machen Umsätze, du musst dir ein neues Auto kaufen, dein Unfallgegner auch und so weiter. Da schaffst du einen volkswirtschaftlichen Wert für das BIP von mehreren zehntausend Euro!
Und gleichzeitig ist es natürlich dann doch irgendwie besser, wenn du keinen Unfall baust
@AwetTesfaiesus Die häufig zitierte "Arbeitsproduktivität" ist übrigens auch nur stumpf BIP durch geleistete Arbeitsstunden. Dann können sich Wirtschaftsbosse fleißig über die sinkende oder nicht steigende Produktivität in Deutschland beschweren während die Arbeiter dann emsig etwa in der Covid-Zeit die zerbrochenen Lieferketten wieder geflickt haben oder jetzt die neue Krise irgendwie managen.
@AwetTesfaiesus Warum hättest du das erwartet?
a) Bilanz misst was zu einem Zeitpunkt, BIP was über einen Zeitraum
b) Bilanz beschreibt die Vermögenssituation.
Was näher rankommt, sind Einnahmen-/Ausgabenrechnung bzw. Kosten-/Erlösrechnung.
@dancing_goblin Bilanz beschreibt auch die Größe (also das gebundene Kapital).
Ich wäre gedacht, dass ein ansteigen der Bilanzsumme als „Wirtschaftswachstum“ angesehen wird.
@AwetTesfaiesus @dancing_goblin Zum BIP gehört ja auch das Arbeitseinkommen. Das müsste dann ja auch mit rein.
Bin aber zugegebenermaßen kein Volkswirt/BIP-Experte.
@AwetTesfaiesus
Ich habe schon lange aufgegeben mich zu wundern. BIP als Fetisch verhält sich natürlich analog zum Begriff "technologieoffen".
Erst im Kontext seines eigentlichen wissenschaftlichen Gebrauches als eines vieler Komponenten der Makroökonomie entfaltet es einen spezifischen Sinn.
... soweit ich es verstanden habe 🫣
wrint: Makro am Mikro 02 – Das Bruttoinlandsprodukt
Starten bei: 00:01:20
Webseite der Episode: https://wrint.network.podigee.io/podcast/85055-wirtschaftskunde/44-makro-am-mikro-02-das-bruttoinlandsprodukt
Mediendatei: https://audio.podigee-cdn.net/2159815-m-7ac022fd2d44611863d325f310487e31.mp3?source=feed#t=80
Eine Sammlung von Podcasts, die von Holger Klein produziert werden. Weil in jeder Sendung geredet wird, habe ich mir erlaubt, das Projekt nach einem Satz aus Gottfried Benns Gedicht “Kommt” zu benennen. Der Satz lautet “Wer redet ist nicht tot” und seine Anfangsbuchstaben bilden das Akronym WRINT. Wer hier auf "Abonnieren" klickt, bekommt einen Feed, in den sämtliche Wrint-Produktionen chronologisch einlaufen. Die Podcasts sind kostenlos. Eure <a href="https://holgerklein.de/support.html">Unterstützung</a> hält das Projekt am Leben.
@AwetTesfaiesus nein. BIP als Indikator ist IMHO eine schlechte Wahl. Wenn mich nicht alles täuscht, geht z.B. die Katastrophe im Ahrtal positive ins BIP ein, weil die Bauwirtschaft ja viele Aufträge bekommen hat, während der Verlust an Infrastruktur und Eigentum nicht wieder gespiegelt wird.
Es gäbe andere Indikatoren, die eine bessere Optimierungsgröße wären.
@AwetTesfaiesus Wachstum, für das ich mich erwärmen kann, basiert auf der Effizienzsteigerung im Umgang mit Ressourcen, wie z.B.
- 1ha PV statt 50-70ha für Biomasse (Biogas, Biosprit,...)
- Schiene statt Straße - unendlich viel günstiger, umweltfreundlicher, lärm- und flächenfraßreduzierender
- Kollaboration anstatt Konkurrenzdenken: wiederverwenden und anpassen von Prozessen, Richtlinien, Softwareimplementierungen, Best-Practices anstatt überall das Rad in schlecht neuzuerfinden
@AwetTesfaiesus es war einmal... (als Vollbeschäftigung noch ein echtes und realistisches Ziel und die Lohnentwicklung nicht so stark von den Produktivitätszuwächsen entkoppelt waren), da war die Zahl zumindest halbwegs im Sinn des allgemeinsprachlichen Verständnisses nachvollziehbar.
Aber heute? Ja. Irre.
Die verschiedenen Verständnisse des Begriffs lassen sich offensichtlich auch von Rechts gut nutzen (ja - wollen wir denn nicht alle mehr Wohlstand?).
Umgekehrt kann aber ein "weißt du eigentlich, was gemeint ist, wenn die von Wohlstand reden" mit einer ergänzten kurzen Erklärung selbst bei den Stammtisch-Dörflern hier im ländlichen Niederbayern für große Augen und zumindest kurz für leichtes Nachdenken sorgen.
ich find es immer ganz spannend die Gesichter der Leute zu sehen wenn man ihnen erklärt wie hoch der Bip pro Kopf in DE ist und dass ja offensichtlich dann auch Genug Geld für alle da wäre wenn vom Säugling bis zum Rentner alle über 4.500€ erwirtschaften.
@AwetTesfaiesus
Im Kapitalismus gibt es eine Menge Fetische, Ideologien und esoterische Glaubenssätze, die aus dem Reinraum der Volkswirtschaftslehre in die Realität extrapoliert werden, ohne ansatzweise das Ziel zu treffen.
Das BIP ist eine komplett verzerrende Zahl, aber leider schon viel zu lange in Benutzung.
fordert den konkret denn irgendwer?
ja. Merz nennt es halt "Kapitalmarkt" aber ansonsten.
Wir leben ja auch bereits im Kapitalismus, deswegen sollen wir ja mehr milei wagen denn der Kapitalismus ist nicht das Problem....
https://www.econstor.eu/bitstream/10419/294789/1/1887548904.pdf
Sagt halt nichts über realen Wohlstand und Kaufkraft der Mehrheit der Bevölkerung aus.
Solange das Finanzheldentum durch die Medien mit aller höchster Achtung getragen wird, wird niemand sich mit der Kaufkraft der kleinen Leute Befassen!
@AwetTesfaiesus Nope.
Ich hätte ja viel lieber einen Zufriedenheits-Index. Vielleicht noch einen Gesundheits-Index.
@AwetTesfaiesus Andere Indizes sind für die Menschen im Land sicher aussagekräftiger und spiegeln mehr das eigene Leben wieder.
https://taz.de/Alternativen-zum-Bruttoinlandsprodukt/!5894750/
Die haben es einfach nicht geschafft, einen geeigneten Indikator für Wachstum und Wohlstand zu finden, weil sie es nicht wollen.
(Verlangt hatte ich das schon in meiner Zwischenprüfungsklausur im Ökonomie-Grundstudium 1980.)
@AwetTesfaiesus Two economists are walking in a forest when they come across a pile of shit.
The first economist says to the second,
“I’ll pay you $1000 to eat that pile of shit.”
The second economist takes the $1000 and eats the pile of shit.
They continue walking until they come across a second pile of shit.
The second economist says to the first,
“I’ll pay you $1000 to eat that pile of shit.”
The first economist takes the $1000 and eats it.
@AwetTesfaiesus After walking a bit more, the first economist says:
“You know, I gave you $1000 to eat shit, then you gave me back the same $1000 to eat shit. I can't help but feel like we both just ate shit for nothing.”
“That's not true,” the second economist replies.
“We increased the GDP by $2000!”
Gab es nicht so einen alten Witz, daß jeder Autounfall das BIP erhöht?